Crowdinvesting in Startups und Immobilien

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Crowdinvesting in Deutschland

Das Wichtigste in Kürze

Der Crowdinvesting-Markt hat sich mittlerweile diversifiziert und ist damit um einiges unübersichtlicher geworden. Viele Kleinanleger fragen sich: Welche Anlageform passt zu mit? Eher Startups oder Immobilien? Wo gibt’s die höchsten Gewinne? Und wo ist das Risiko am größten? In diesem Beitrag geben wir Antworten auf Ihre Fragen.

  • Beim Crowinvesting handelt es sich um eine neue und innovative Form der Vermögensanlage, die jedoch risikobehaftet ist.
  • Statt einer Gewinnbeteiligung kann es also auch zum Totalverlust der Investitionssumme kommen.
  • Die gängigsten Formen sind Crowdinvesting in Immobilien und Crowdinvesting in Unternehmen (Startups), gefolgt von erneuerbaren Energie.

Die Schwarmfinanzierung ist auf dem Vormarsch. Jahr für Jahr wird immer mehr Geld in Crowinvesting-Projekte investiert. Betrug 2018 das Volumen aller finanzierten Projekte in Deutschland noch knapp 300 Millionen Euro, so wurden 2019 deutlich über 400 Millionen Euro eingesammelt.
Immer mehr Privatanleger haben diese relativ junge Anlageform für sich entdeckt. Und tatsächlich: Es gibt gute Gründe dafür, denn Crowdinvesting ist ein innovativer Weg, Geld zu investieren.

Was ist Crowdinvesting?

Beim Crowdinvesting investieren („invest“) oder Geldgeber (die „Crowd“) online über eine Crowdinvesting-Plattform gemeinsam kleine Geldbeträge. Ist das Finanzierungsziel der Crowdfinanzierung erreicht, wird die Finanzierungsrunde geschlossen. (Auf einem speziellen Handelsplatz kann man Projekte handeln, die bereits finanziert sind). Viele kleine Geldbeträge ergeben große Anlagesummen, mit denen Projekte finanziert werden, die eine Rendite für die Mikroinvestoren erwirtschaften.

Crowdinvesting ist eine Form des Crowdfunding, bei der – und das ist das Besondere – die Crowd finanziell am Erfolg des Unternehmens oder des Projekts beteiligt wird. Der Rendite-Aspekt spielt bei Crowinvesting also eine wesentliche Rolle. Bei vielen Crowdinvesting-Projekten handelt es sich eigentlich um Crowdlending, da Kredite an die Schwarmfinanzierer vergeben werden. „Crowdinvestment“ ist übrigens eine deutsche Wortschöpfung, international spricht man meist vom „equity-based Crowdfunding“.

Crowdinvesting-Volumen in Deutschland

Seit 2016 wird am meisten in Immobilienprojekte investiert, gefolgt von Unternehmen. Doch auch der Energie-Sektor ist im Kommen. (Quelle: crowdinvest.de)

Warum Crowdinvesting interessant ist

Startups

Startups nutzen Crowdinvesting, weil sie zu klein sind, um Kapital an der Börse zu sammeln. Es ist eine vergleichsweise einfache und schnelle Finanzierungsform für kapitalsuchende Unternehmen. Außerdem hat sie eine gewisse Werbewirkung und generiert Aufmerksamkeit. Die Crowdinvestoren sind nicht nur von der Geschäftsidee überzeugt und erwerben Unternehmensanteile, sondern sie erzählen auch ihrem Umfeld davon und verbreiten das Projekt über Social Media.

Die Vorteile für Anleger:

  • ambitionierte Wachstumspläne versprechen meist eine sehr attraktive Renditechance,
  • Teilhabe an spannenden Projekten bei oft engen Austausch zwischen Startup und Crowd,
  • außerdem können sie einen Beitrag zur Gründerkultur leisten.

Immobilien

Bei Immobilienentwicklern lässt sich mit Crowdinvesting Mezzanine-Kapital („mezzo“, italienisch halb) beschaffen. Dabei handelt es sich um eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital. Banken akzeptieren es als Eigenkapital-Ersatz. So können die Emittenten und Projektträger den „eigenen“ Eigenkapitalanteil für Immobilienprojekte verringern und erhöhen ihren finanziellen Spielraum.

Der Vorteil für Anleger liegt darin, dass sie

  • in zinsstarke Projekte von oft über 5 % p. a. investieren können,
  • bei geringer Kapitalbindungsfrist von 12 bis 36 Monaten
  • und das in einen Bereich, der weniger kompliziert als Startups und erneuerbare Energien ist.

Erneuerbare Energien

Auch die Betreiber von erneuerbaren Energien im In- und im Ausland (oft auch Entwicklungsländer) nutzen Crowdinvesting, um ihre Projekte zu finanzieren. Das können z. B. Solarstromanlagen, Biogasanlagen und Windparks sein, aber auch Unternehmen, die nachhaltige Technologien zur Energieerzeugung entwickeln. Nicht selten wird auch die Sanierung von Gebäuden zu Energieeffizienzhäusern auf den gleichen Plattformen für Energieprojekte angeboten. Anleger können

  • mit relativ geringen Summen renditestark investieren,
  • gezielt die heimische Energiewende oder Energieprojekte in Entwicklungsländern fördern,
  • mit überschaubaren Summen ein diversifiziertes Portfolio aufbauen.

Kleinanleger können in neue Bereiche investieren

Mezzanine-Kapital ist bei Immobilieninvestitionen im Übrigen eine gängige Form der Finanzierung. Und die Förderung junger Unternehmen durch sog. „Venture Capital“ (Wagniskapital) ist auch nicht neu. Neu ist hingegen, dass durch Crowdinvesting auch Kleinanleger die Chance erhalten, in Bereiche zu investieren, die früher nur Großanlegern vorbehalten waren. Und zwar bei einer sehr geringen Mindestanlage und Geldbeträgen von zum Teil nur 10 Euro.

So viel Rendite ist beim Crowdinvesting drin

Immobilien

Die häufigste Beteiligungsform beim Immobilien-Crowdinvesting ist Mezzanine-Kapital. Dabei wird Ihre Investition wie ein Kredit behandelt. Die Projektanbieter sind die Kreditnehmer. Als Kapitalgeber können Sie üblicherweise mit einem festen Zinssatz kalkulieren. Als Crowdanleger erhalten Sie einen höheren Zinssatz als eine Bank, je nach Risikoklasse etwa zwischen 4,5 und 8 Prozent, schließlich stellen sie Mezzanine-Kapital zur Verfügung und werden bei einer Insolvenz nachrangig behandelt.

Allerdings kann die Immobiliengesellschaft die Zins- und Tilgungszahlungen aussetzen, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und Insolvenz droht (mehr dazu unter „Die Risiken beim Crowdinvesting“).

Startups

Bei Startups wird in der Regel kein oder bloß ein geringer Zinssatz vereinbart. Gewinn machen Sie als Investor dann, wenn das Startup verkauft wird oder an die Börse geht und die Crowd ein Rückkaufangebot erhält. Die Beteiligungen lassen sich dann gewinn steigernd verkaufen.

Als Investor erhalten Sie eine Gewinn- bzw. Unternehmensbeteiligung in Form eines partiarischen Nachrangdarlehens. Der Gewinn ist erfolgsabhängig: Bei wirtschaftlichem Erfolgen werden Sie beteiligt. Ist das Startup sehr erfolgreich, erzielen Sie eine hohe Rendite. Doch diesen Erfolg garantiert Ihnen natürlich niemand. Bleibt er aus, sieht es auch in puncto Rendite schlecht aus. Bei Insolvenz droht sogar der Totalverlust. Denn mit einem Nachrangdarlehen werden Sie als Gläubiger nachrangig bedient.

Neben partiarischen (= gewinnabhängigen) Darlehen kann es auch stille Beteiligungen (§§ 230-237 HGB) oder Genussrechte für die Mikroinvestoren geben. Genussrechte zählen ebenfalls zum Mezzanine-Kapital. Als Investor haben Sie bei allen genannten Beteiligungsformen kein Mitspracherecht.

Auch durch „Verwässerung“ kann Ihre Rendite geschmälert werden. Angenommen Sie steigen in einer Finanzierungsrunde ein – es finden danach aber weitere Finanzierungsrunden statt. Dann erhalten immer mehr Investoren Beteiligungen an dem Startup. Alle müssen bei einer Gewinnbeteiligung berücksichtigt werden. Dadurch wird Ihr relativer Anteil geringer und damit auch Ihre Rendite. Im Aktienhandel gibt es deshalb ein Bezugsrecht, das dem entgegengewirkt. Etwas Vergleichbares gibt es im Crowdinvesting bisher noch nicht.

Erneuerbare Energien

Auch beim Crowdinvesting in Energieprojekte winken oft relativ hohe Renditen mit einer Verzinsung von 4 bis 10 % p. a. Da es sich hier ebenfalls meist um qualifizierte Nachrangdarlehen handelt, können die Zinszahlungen bei drohender Insolvenz vom Projektbetreiber ausgesetzt werden (siehe „Die Risiken beim Crowdinvesting“).

Gut zu wissen
Wie sonst auch bei Kapitalerträgen müssen Sie für Crowdinvesting-Gewinne Steuern zahlen, denn auch hier gilt die Abgeltungssteuer.

Die Risiken beim Crowdinvesting

Wo eine hohe oder zumindest überdurchschnittliche Rendite winkt, da gibt es auch Risiken. Zum Beispiel kann es zu seiner Insolvenz kommen, bei der die Crowdinvestoren möglicherweise nicht bedient werden. Nicht umsonst schreibt das Vermögensanlagengesetz vor, dass Anleger höchstens 25.000 Euro in ein Crowdinvesting-Projekt investieren dürfen. Schon das 2015 in Kraft getretene Kleinanlegerschutzgesetz hatte eine Reihe neuer Pflichten für die Anbieter der Vermögensanlagen eingeführt.

Risiken bei Investitionen in Startups

So gut eine Geschäftsidee oder ein Geschäftsmodell klingen mag: Viele neugegründete Unternehmen setzen sich am Markt nicht durch und erreichen die erhofften Ziele nie. Der Wettbewerb ist hart und die Konkurrenz schläft nicht. Das zeigen auch die teilweise recht hohen Ausfallraten im Crowdinvesting-Bereich für Startups. Man sollte sich vor Augen halten, dass Investments in junge Unternehmen seit jeher als hochriskant gelten – daher ja auch der Begriff Wagniskapital. Beschäftigen Sie sich also nicht nur intensiv mit den unternehmerischen Projekten, die für Sie interessant klingen, sondern auch mit dem Markt, in den Sie eventuell investieren möchten.

Eine Alternative sind Investitionen in sogenannte Wachstumsunternehmen, die sich bereits am Markt etabliert haben.

Risiken bei Investitionen in Immobilien

Meist vermitteln Plattformen für Immobilien-Crowdinvesting ein qualifiziertes Nachrangdarlehen. Das birgt gewisse Risiken in sich. So haben diese Darlehen eine sogenannte insolvenzhindernde Eigenschaft. Das bedeutet: Zins- und Tilgungszahlungen können ausgesetzt werden, wenn sich die Immobiliengesellschaft in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet und die Zahlungsunfähigkeit droht. Außerdem gilt das Prinzip der Nachrangigkeit, das heißt, Anleger müssen sich im Insolvenzfall ganz hintenanstellen, da alle anderen Gläubiger zuerst bedient werden. Auch hier kann es also zum totalen Verlust des eingesetzten Kapitals kommen.

Allerdings sind Immobilienprojekte nicht so komplex wie Startups und ihre Märkte; sie lassen sich leichter verstehen und einschätzen. Jeder Anleger kann sich fragen: Ist die Lage der Immobilie gut oder schlecht? Sieht die Finanzierungsstruktur realistisch aus und gibt es einen Markt für diese Immobilie?

Risiken bei Investitionen in erneuerbare Energien

Auch beim Crowdinvesting in erneuerbare Energien werden meist qualifizierte Nachrangdarlehen vermittelt. Das heißt, es gelten erstmal die gleichen Risiken wie zum Beispiel bei Immobilienprojekten. Hinzu kommt, dass bei grünen Energieprojekten ein höheres Risiko von Planungsfehlern besteht. So können die Baukosten bei neuen Projekten höher ausfallen oder die prognostizierten laufenden Erträge geringer als geplant.

Ohne fundierte Erfahrung mit der Energiewirtschaft ist es für Anleger auch schwierig einzuschätzen, ob Kalkulationen plausibel sind und wo eventuelle Risiken liegen. Als Anleger sollten Sie sich zudem bewusst sein, dass Energieprojekte politischen Risiken unterliegen. Projekte in Europa sind oft von Subventionen oder garantierten Einspeisevergütungen abhängig. Projekte in Entwicklungsländern sind hingegen weniger von Einspeisevergütungen abhängig, weil alternative Energie oft kostengünstiger sind als lokale Stromnetze. Dafür birgt der Wechselkurs Risiken sowie instabile politische Verhältnisse.

Eine Alternative: besicherte Bankdarlehen

Im Immobilienbereich gibt es auch Plattformen, die Anlegern besicherte Bankdarlehen für ihr Investment zur Verfügung stellen, die in der Regel einen größeren Anlegerschutz bieten. So können hier Zins- und Tilgungszahlungen durch den Darlehensnehmer nicht einseitig aufgeschoben werden. Das besicherte Bankdarlehen muss wie vereinbart bedient und zurückgezahlt werden. Auch sind die Anleger nicht qualifiziert nachrangig. Sie stehen mindestens im zweiten Rang, hinter der erstrangig finanzierenden Bank und werden entsprechend vor anderen Gläubigern bedient. Dadurch sinkt das Risiko, dass die Forderungen der Anleger nicht gedeckt sind. Auch die Gefahr eines Totalverlustes ist wesentlich geringer. Ausgeschlossen sind diese Risiken jedoch nicht.

Die Dauer eines Crowdinvestments

Beim Crowdinvesting werden gewöhnlich endfällige Darlehen vergeben, die nicht während der Laufzeit getilgt werden, sondern erst am Ende. Doch wie lange dauern die Projekte?

Immobilien-Crowdinvesting

Immobilienprojekte haben eine feste Laufzeit, die in der Regel zwischen ein und fünf Jahren beträgt. Sofern nicht anders ausgewiesen, werden ein- bis zweimal jährlich die vereinbarten Zinsen an die Investoren ausgezahlt.

Startup-Crowdinvesting

Hier gibt es keine festen Investitionslaufzeiten. Als Investor werden Sie ausgezahlt, wenn die Geschäftsidee des Startups erfolgreich ist. Das Startup kann verkauft werden, an die Börse gehen oder die Beteiligungen der Investoren selbst zurückkaufen. Ein neu gegründetes Unternehmen benötigt durchschnittlich fünf bis sieben Jahre dafür – vorausgesetzt, es kann sich so lange halten.

Nachhaltiges Crowdinvesting

Die Laufzeiten von Crowdinvestings in erneuerbare Energien und nachhaltige Projekte betragen in vielen Fällen zwischen fünf bis zehn Jahren, es gibt aber auch deutlich kürzere Investments.

Worauf Sie als Anleger achten sollten

Crowdinvesting ist trotz der Risiken eine interessante und attraktive Anlageform. Wer die Risiken kennt, kann auch damit umgehen. Achten Sie vor allem auf eine breite Streuung auf verschiedene Projekte und gern auch bei verschiedenen Plattformbetreibern. Insgesamt sollten die Crowdinvestments nicht mehr als zehn Prozent des gesamten liquiden Vermögens ausmachen. Da Totalausfälle möglich sind, sollten sie auch finanziell verkraftbar sein.

Als Anleger benötigen Sie für Ihre Entscheidung alle relevanten Informationen. Dazu zählen das Vermögensanlagen-Informationsblatt, ein aktueller Jahresabschluss des Emittenten, eine konkrete Projektplanung und auch eine ausführliche Beschreibung der Risiken. In Deutschland gilt für Vermögensanlagen übrigens eine Prospektpflicht!

Prüfen Sie die Finanzierungsstruktur. Wie hoch ist der Anteil von Bankkrediten, Crowd-Kapital und echtem Eigenkapital? Bei weniger als zehn Prozent Eigenkapital hinter dem Geld der Schwarmfinanzierer gibt es im Krisenfall kaum einen Puffer mehr. In dem Fall entscheiden Sie sich vielleicht doch besser für ein anderes Projekt.

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