
KI in der Finanzberatung: 75 % setzen bei Entscheidungen auf Menschen
Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 %) hat Künstliche Intelligenz bereits für Finanz- oder Versicherungsthemen genutzt. Geht es um wichtige Entscheidungen, setzen aber 75 % eher oder ausschließlich auf einen Menschen. Das zeigt die OVB-Studie „Finanzberatung im Zeitalter der KI“ vom 5. Oktober 2026.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Die Studie hat Ipsos im August 2026 in fünf europäischen Ländern erhoben, in Deutschland mit 1.000 Befragten. Die zentralen Zahlen für Deutschland (Stand: Oktober 2026):
- 55 % nutzen KI für Finanzthemen: 37 % regelmäßig oder gelegentlich, 18 % selten.
- Wofür? 51 % wollen Finanzthemen besser verstehen, 49 % recherchieren Produkte, 27 % analysieren die eigenen Finanzen.
- 75 % vertrauen bei wichtigen Entscheidungen eher oder ausschließlich einem Menschen.
- 43 % würden nicht auf Basis einer KI-Empfehlung investieren, weitere 23 % nur mit Bestätigung eines Beraters.
- Größter Beratungsbedarf: Altersvorsorge (41 %) vor Geldanlage und Vermögensaufbau (31 %).
Was Verbraucher an KI-Empfehlungen stört
| Sorge bei KI in Finanzfragen | Anteil |
|---|---|
| Falsche oder ungeeignete Empfehlungen | 59 % |
| Persönliche Situation wird zu wenig berücksichtigt | 45 % |
| Datenschutz | 44 % |
Quelle: OVB-Studie „Finanzberatung im Zeitalter der KI“ (Ipsos, August 2026, n = 1.000 in Deutschland), Stand: Oktober 2026.
Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: 46 % der Frauen nennen fehlenden persönlichen Kontakt als Sorge, bei den Männern sind es 38 %. Frauen stehen KI-basierten Anlageentscheidungen damit deutlich zurückhaltender gegenüber.
Das hybride Modell: Wer was übernimmt
Die Befragten sehen KI und Berater nicht als Gegensätze. 46 % erwarten, dass das Zusammenspiel in fünf Jahren einen zusätzlichen Mehrwert schafft. 34 % bevorzugen schon heute ein überwiegend menschliches Modell mit KI-Unterstützung, 18 % eine gleichberechtigte Kombination. Einem Berater mit nachgewiesener KI-Schulung würden 34 % stärker vertrauen.
Im Capitalo-Vergleich der Rollen ergibt sich eine klare Aufgabenteilung: KI eignet sich für Recherche, Begriffserklärungen und das Durchspielen von Szenarien. Persönliche Einordnung, Verantwortung für die Empfehlung und die Klärung von Zielkonflikten bleiben Sache eines Menschen.
Regeln für KI-Chatbots: Seit dem 2. August 2026 gilt die Transparenzpflicht nach Art. 50 des EU-KI-Gesetzes. Nutzer müssen erfahren, dass sie mit einer KI sprechen. Bei Verstößen drohen laut Fachquellen bis zu 15 Mio. € oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes. Die strengeren Hochrisiko-Pflichten, etwa für Kreditscoring, greifen nach aktuellem Stand erst ab 2. Dezember 2027.
Was das für dich bedeutet
- KI zur Vorbereitung nutzen: Für Begriffe, Produktvergleiche und erste Rechenbeispiele ist sie ein schneller Einstieg.
- Bei großen Entscheidungen einen Menschen einbeziehen: Das gilt vor allem bei Altersvorsorge und Vermögensaufbau, wo deine persönliche Situation den Ausschlag gibt.
- Auf Qualifikation achten: Zugelassene Berater unterliegen der Aufsicht. Allgemeine Chatbots erbringen in der Regel keine regulierte Anlageberatung.
- Zahlen gegenprüfen: Konditionen wie Zinsen oder Depotkosten solltest du immer mit aktuellen Anbieterangaben abgleichen.
Allerdings hat die Studie Grenzen: Sie bildet Einstellungen ab, keine tatsächlichen Beratungsergebnisse. Und sie wurde von einem Unternehmen in Auftrag gegeben, das selbst Finanzberatung anbietet. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Vertrauen entwickelt, wenn KI-Assistenten besser und kennzeichnungspflichtig werden.
Fazit
KI ist für viele schon das erste Werkzeug bei Geldfragen, doch bei Altersvorsorge und Geldanlage vertrauen drei von vier Menschen am Ende lieber einem Berater. Wer KI für die Vorbereitung und den Menschen für die Entscheidung nutzt, verbindet beide Stärken.
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Stand: Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.