
Trade Republic führt 2-Euro-Order und neues Web-Terminal ein
Trade Republic reagiert auf das EU-weite PFOF-Verbot mit einem Umbau seines Handelsmodells. Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Broker in der EU keine Rückvergütungen mehr von Handelsplätzen annehmen. Der größte deutsche Neobroker stellt sein Gebührenmodell deshalb auf zwei Ordertypen um und launcht gleichzeitig ein neues Web-Terminal.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
- Bestpreis-Order für 1 Euro: Algorithmus wählt automatisch den besten Kurs aus 30 Handelsplätzen
- Direktpreis-Order für 2 Euro: Freie Börsenwahl an Plätzen wie Xetra, NYSE oder Nasdaq
- Aggregiertes Orderbuch: Live-Daten europäischer Referenzbörsen kostenlos in der App
- Web-Terminal: Professionelle Desktop-Oberfläche mit Charting, Screener und Live-Marktdaten
Das neue Gebührenmodell: Bestpreis vs. Direktpreis
Bisher war Trade Republic für seine pauschale 1-Euro-Order bekannt. Diese bleibt bestehen, allerdings als sogenannte Bestpreis-Order. Ein Algorithmus vergleicht dabei automatisch Kurse an 30 Handelsplätzen, darunter Xetra, Euronext und Nasdaq, und führt die Order zum günstigsten verfügbaren Preis aus. Das ist für alle Nutzer als Standard voreingestellt.
Neu hinzu kommt die Direktpreis-Order für 2 Euro. Hier wählst du den Handelsplatz selbst, etwa NYSE oder Nasdaq für US-Aktien. Die 2 Euro sind all-inclusive bezüglich der Fremdkosten. Spreads fallen bei beiden Varianten zusätzlich an.
| Merkmal | Bestpreis (1 €) | Direktpreis (2 €) |
|---|---|---|
| Kosten pro Trade | 1 Euro | 2 Euro (all-inclusive) |
| Börsenauswahl | Automatisch (bester Kurs) | Frei wählbar |
| Handelsplätze | 30 Börsen | 30 Börsen (u. a. Xetra, NYSE, Nasdaq) |
| Fremdkosten | Zusätzlich | Inklusive |
| Zielgruppe | ETF-Sparer, Gelegenheitskäufer | Aktive Trader |
Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Zusätzlich bietet Trade Republic ein aggregiertes Orderbuch, das Kauf- und Verkaufskurse europäischer Referenzbörsen bündelt. Nicht-Euro-Handelsplätze wie NYSE und Nasdaq sind davon ausgenommen.
Neues Web-Terminal für aktive Anleger
Zeitgleich launcht Trade Republic ein Web-Terminal, das sich an ambitionierte Anleger richtet. Es ist im Browser nutzbar, ohne zusätzliche Kosten und bietet:
- Professionelles Charting mit Echtzeit-Kursen
- Individuell anpassbare Arbeitsbereiche
- Aktien- und Derivate-Screener
- Portfolio-Analysen
- Kostenlose Live-Marktdaten aller angebundenen Börsen
Damit positioniert sich Trade Republic stärker im Segment der aktiven Anleger, das bisher eher von klassischen Online-Brokern bedient wurde.
Einordnung im Broker-Markt
Das PFOF-Verbot trifft alle deutschen Neobroker. Die größten Anbieter haben sich allerdings seit Jahren darauf vorbereitet. Trade Republic setzt auf seine eigene MTF-Lizenz, die das Unternehmen im Januar 2026 von der BaFin erhalten hat. Scalable Capital betreibt seit Dezember 2024 die eigene European Investor Exchange (EIX) an der Börse Hannover und hatte die PFOF-Umstellung bereits im März 2024 abgeschlossen.
Beim Preis bleibt das Trade Republic Depot mit 1 bis 2 Euro pro Trade deutlich unter dem Niveau klassischer Online-Broker. Flatex verlangt etwa 8 Euro für eine Xetra-Order bei 1.000 Euro Ordervolumen (Stand: Juli 2026).
Hingegen gibt es einen Punkt, der sich erst in der Praxis zeigen muss: Ob der Bestpreis-Algorithmus tatsächlich immer den günstigsten Kurs über alle 30 Börsen liefert, ist von außen nicht überprüfbar. Hier fehlt bislang eine unabhängige Evaluierung.
Was das für dich bedeutet
Für ETF-Sparer und Gelegenheitskäufer ändert sich im Alltag wenig: Der automatische Bestpreis-Modus bleibt bei 1 Euro pro Trade. Das ist weiterhin eines der günstigsten Angebote am deutschen Markt.
Aktive Trader bekommen mit dem Direktpreis und dem Web-Terminal neue Werkzeuge. 2 Euro all-inclusive für eine Order an der NYSE oder Nasdaq ist im deutschen Broker-Markt konkurrenzlos günstig. Allerdings: Spreads sind in beiden Modellen nicht enthalten. Bei weniger liquiden Titeln kann das ins Gewicht fallen.
Da das PFOF-Verbot die gesamte Branche betrifft, ist davon auszugehen, dass weitere Anbieter ihre Konditionen anpassen. Laut dem Depot-Vergleich von Capitalo lohnt sich ein aktueller Blick auf die Broker-Konditionen.
Fazit
Trade Republic nutzt das PFOF-Verbot als Anlass, sein Angebot auszubauen statt Gebühren zu erhöhen. Die 1-Euro-Order bleibt, die neue 2-Euro-Option und das Web-Terminal erweitern das Spektrum für aktive Anleger. Ob der Bestpreis-Algorithmus in der Praxis hält, was er verspricht, bleibt abzuwarten.
👉 Welcher Broker passt zu dir? In unserem Depot-Vergleich findest du aktuelle Konditionen aller großen Anbieter im Überblick.
Stand: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.