Was eine Vollfinanzierung ist
Kurz & knapp:
- Eine Vollfinanzierung deckt 100 % des Kaufpreises ab. Die Kaufnebenkosten zahlst du dann noch selbst. Erst die 110-Prozent-Variante finanziert sie mit, dort fließt kein Eigenkapital ein.
- Der Sprung von 100 auf über 100 % Beleihungsauslauf kostet am Markt 0,50 Prozentpunkte (4,71 auf 5,21 % effektiv, Bestzins bei 10 Jahren Zinsbindung). Das ist mehr als der gesamte Weg von 60 auf 90 %, der 0,42 Prozentpunkte kostet.
- Die ING verlangt für einen Beleihungsauslauf bis 100 % mindestens 7.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen, 1.500 Euro monatlichen Haushaltsüberschuss und 1,25 % Anfangstilgung.
- ⚠️ Diese 1,25 % sind keine Erleichterung: Ein Darlehen über 350.000 Euro bei 100 % Beleihungsauslauf, 10 Jahren Zinsbindung und 4,84 % Sollzins läuft damit 32,8 Jahre bis zur Volltilgung. Bei 2 % Anfangstilgung sind es 25,5 Jahre und, sofern der Sollzins gleich bliebe, rund 89.300 Euro weniger Zinsen.
- Bei 110 % liegt die Schuld am Tag der Schlüsselübergabe 42.000 Euro über dem Kaufpreis (350.000 Euro Kaufpreis, 12 % Nebenkosten). Bei 392.000 Euro Darlehen, 1,25 % Anfangstilgung und 4,84 % Sollzins dauert es 7,3 Jahre, bis die Restschuld wieder unter den Kaufpreis fällt.
Eine Vollfinanzierung ist ein Immobilienkredit, bei dem du kein Eigenkapital einbringst. Die Bank finanziert den kompletten Kaufpreis, in der 110-Prozent-Variante zusätzlich die Kaufnebenkosten. Damit unterscheidet sie sich deutlich von der Standard-Baufinanzierung, bei der Banken üblicherweise 20 bis 30 % Eigenkapital erwarten.
Rechtlich ist eine Vollfinanzierung ein Immobiliar-Verbraucherdarlehen im Sinne der §§ 491a ff. BGB. Die Bank ist nach § 505a BGB verpflichtet, deine Kreditwürdigkeit umfassend zu prüfen. Im Klartext: Wer kein Eigenkapital mitbringt, muss alles andere umso überzeugender nachweisen, vom Einkommen über die Jobsicherheit bis zur Bonitätshistorie.
Je weniger Eigenkapital du einbringst, desto höher steigt der Beleihungsauslauf, also das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert. Und je höher der Beleihungsauslauf, desto höher der Zinsaufschlag, weil der Teil des Darlehens wächst, den die Bank im Verwertungsfall nicht mehr sicher aus dem Objekt zurückbekommt.
100 oder 110 %: wo der Unterschied liegt
Wenn von Vollfinanzierung die Rede ist, meinen Banken zwei verschiedene Konstellationen, und die haben sehr unterschiedliche Konsequenzen.
Die 100-Prozent-Finanzierung deckt den vollen Kaufpreis. Die Kaufnebenkosten zahlst du aus eigener Tasche. Bei einem Haus für 350.000 Euro und 12 % Nebenkosten brauchst du also rund 42.000 Euro Eigenkapital, nur für Steuer, Notar und Makler.
Die 110-Prozent-Finanzierung ist die eigentliche Vollfinanzierung. Die Bank finanziert Kaufpreis und Nebenkosten, du bringst exakt null Euro ein. Der Name ist dabei ungenau: Liegen die Nebenkosten bei 12 %, finanzierst du in Wahrheit 112 % des Kaufpreises. Die Beleihungsstufe der Bank richtet sich nach dem tatsächlichen Wert, nicht nach der Produktbezeichnung.
| Merkmal | 80 % Beleihungsauslauf | 100 % | 110 % |
|---|---|---|---|
| Eigenkapital | Nebenkosten plus 20 % des Kaufpreises | nur die Kaufnebenkosten | 0 Euro |
| Darlehen bei 350.000 Euro Kaufpreis und 12 % Nebenkosten | 280.000 Euro | 350.000 Euro | 392.000 Euro |
| Schuld im Verhältnis zum Kaufpreis am ersten Tag | 80 % | 100 % | 112 % |
| Anfangstilgung, die Banken mindestens verlangen | üblich 2 % | bei der ING 1,25 % | im Sortiment der ING nicht vorgesehen |
| Was in der Anschlussfinanzierung offen bleibt | wenig | viel | sehr viel |
Was sind Kaufnebenkosten? Grunderwerbsteuer (3,5 bis 6,5 % je nach Bundesland), Notar- und Grundbuchgebühren (ca. 1,5 bis 2 %), bei Bedarf Maklerprovision (3,57 % inkl. MwSt.). Insgesamt summieren sich die Nebenkosten auf etwa 10 bis 15 % des Kaufpreises. Die einzelnen Posten haben wir in den Kaufnebenkosten im Detail aufgeschlüsselt.
Warum der Sprung über 100 % Beleihung 0,50 Prozentpunkte kostet
Bauzinsen steigen nicht gleichmäßig mit dem Beleihungsauslauf. Sie steigen zum Schluss steil. Die Marktstaffel für eine zehnjährige Zinsbindung zeigt das deutlich: Zwischen 60 und 90 % Auslauf liegen 0,42 Prozentpunkte. Zwischen 100 % und allem darüber liegen allein 0,50 Prozentpunkte. Der eine Schritt über 100 % kostet damit mehr als die drei Stufen von 60 auf 90 % zusammen.
| Beleihungsauslauf | Bestzins, effektiver Jahreszins | Aufschlag gegenüber 60 % | Zinsdifferenz im ersten Jahr auf 350.000 Euro Darlehen |
|---|---|---|---|
| bis 60 % | 4,06 % | Referenz | Referenz |
| bis 70 % | 4,16 % | 0,10 Prozentpunkte | 350 Euro |
| bis 80 % | 4,26 % | 0,20 Prozentpunkte | 700 Euro |
| bis 90 % | 4,48 % | 0,42 Prozentpunkte | 1.470 Euro |
| bis 100 % | 4,71 % | 0,65 Prozentpunkte | 2.275 Euro |
| über 100 % | 5,21 % | 1,15 Prozentpunkte | 4.025 Euro |
Marktbandbreite, Stand September 2026. Bestzins bei 10 Jahren Zinsbindung, effektiver Jahreszins, Stichtag 11. September. Die Zinsdifferenz ist auf ein Darlehen von 350.000 Euro im ersten Jahr gerechnet und dient dem Größenvergleich der Stufen.
In Euro wird der Sprung greifbar. Die 0,50 Prozentpunkte zwischen 100 % und darüber kosten bei 10 Jahren Zinsbindung auf 350.000 Euro Darlehen im ersten Jahr 1.750 Euro, also rund 146 Euro im Monat. Auf die 392.000 Euro einer echten 110-Prozent-Finanzierung sind es 1.960 Euro im Jahr oder 163 Euro im Monat. Dafür bekommst du nichts zusätzlich, es ist reiner Risikoaufschlag für die letzten 42.000 Euro.
Genau deshalb hängt an der Frage nach den Nebenkosten der Zinsschritt von 0,50 Prozentpunkten. Wer sie aus eigener Tasche zahlt, bleibt bei 100 % Auslauf und damit bei 4,71 % effektiv. Wer sie mitfinanziert, landet bei 5,21 % effektiv, dem höchsten Wert der Staffel. Warum das für den gesamten Finanzierungsweg zählt und welche Alternativen es zur Vollfinanzierung gibt, steht in unserem Beitrag zur Baufinanzierung ohne Eigenkapital.
Was die Bank verlangt
Die ING nennt für eine Finanzierung bis 100 % Beleihungsauslauf konkrete Schwellen, und die sind hoch. Verlangt werden ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 7.000 Euro, ein monatlicher Haushaltsüberschuss von mindestens 1.500 Euro und eine Anfangstilgung von mindestens 1,25 %. Möglich ist das nur für Neu- und Aufbaufinanzierungen.
Ebenso klar ist die Liste dessen, was ausgeschlossen bleibt: Mehrfamilienhäuser ab vier Wohneinheiten, ein Gesamtobligo über 1,5 Millionen Euro, Anschlussfinanzierungen, Darlehensverlängerungen, Forward-Darlehen, die Umwandlung von KfW-Darlehen sowie weitere Verwendungszwecke.
Unabhängig von einzelnen Banken gilt: Ohne Eigenkapital rückt dein Einkommen in den Mittelpunkt der Prüfung. Eine unbefristete Festanstellung außerhalb der Probezeit, eine saubere SCHUFA ohne Negativeinträge und möglichst keine laufenden Verbraucherkredite sind die Regel, nicht die Ausnahme. Selbstständige müssen in der Praxis mehrere Jahre Bilanzen vorlegen und werden trotzdem häufig abgelehnt, weil schwankende Einkommen und ein fehlender Eigenkapitalpuffer im Risikomodell der Bank doppelt zählen.
Die Mindesttilgung von 1,25 % ist keine Erleichterung
Eine niedrige Anfangstilgung klingt nach einem Entgegenkommen. Sie senkt die Monatsrate und macht die Finanzierung überhaupt erst tragbar. Was sie tatsächlich macht, sieht man erst, wenn man die Laufzeit ausrechnet.
Grundlage der folgenden Rechnung ist die 95-Prozent-Kondition der ING von 4,74 % Sollzins, zuzüglich des Aufschlags von 0,15 Prozentpunkten für einen Auslauf bis 100 % und abzüglich des Staffelrabatts von 0,05 Prozentpunkten ab 350.000 Euro Nettodarlehen. Das ergibt einen Sollzins von 4,84 %.
| Anfängliche Tilgung | Monatsrate | Restschuld nach 10 Jahren | Laufzeit bis zur Volltilgung | Zinsen bis zur Volltilgung |
|---|---|---|---|---|
| 1,25 % (Minimum der ING) | 1.776 Euro | 293.869 Euro | 32,8 Jahre | 348.769 Euro |
| 2,00 % | 1.995 Euro | 260.190 Euro | 25,5 Jahre | 259.441 Euro |
| 3,00 % | 2.287 Euro | 215.285 Euro | 19,9 Jahre | 195.717 Euro |
Konditionen der ING, Stand September 2026, Nettodarlehen ab 300.000 Euro. Gerechnet für 350.000 Euro Darlehen, Beleihungsauslauf bis 100 %, 10 Jahre Zinsbindung, 4,84 % Sollzins, Annuitätendarlehen ohne Sondertilgung. Die Spalten Laufzeit und Zinsen bis zur Volltilgung unterstellen, dass der Sollzins über die gesamte Laufzeit unverändert bleibt. Tatsächlich endet die Zinsbindung nach 10 Jahren.
Bei 4,84 % Sollzins und 1,25 % Anfangstilgung ist die Volltilgung rund 32,8 Jahre entfernt. Bei 2 % Anfangstilgung sind es rund 25,5 Jahre, bei 3 % rund 19,9 Jahre.
Die Zahlen, die zählen, stehen ganz rechts. Bei 350.000 Euro Darlehen, 100 % Beleihungsauslauf, 10 Jahren Zinsbindung und 4,84 % Sollzins verkürzen 219 Euro mehr Monatsrate die Laufzeit um 7,3 Jahre und sparen rund 89.300 Euro Zinsen. Wer statt 1,25 % gleich 3 % tilgt, zahlt 510 Euro mehr im Monat, ist 12,9 Jahre früher fertig und spart rund 153.100 Euro.
Wer mit 1,25 % startet, zahlt über die Laufzeit also fast genauso viel an Zinsen wie an Kredit. Das ist kein Rechentrick, sondern die direkte Folge davon, dass die Restschuld lange hoch bleibt und jedes Jahr neu verzinst wird.
Die Mindesttilgung einer Bank ist eine Bedingung für die Zusage, keine Empfehlung für den Vertrag. Wenn eine Finanzierung nur mit 1,25 % Anfangstilgung tragbar ist, ist nicht die Tilgung das Problem, sondern der Kaufpreis.
Restschuld gegen Kaufpreis
Bei einer 110-Prozent-Finanzierung startest du im Minus. Bei 350.000 Euro Kaufpreis und 12 % Nebenkosten stehen am Tag der Schlüsselübergabe 392.000 Euro Schulden einem Kaufpreis von 350.000 Euro gegenüber. Die Differenz von 42.000 Euro ist keine Investition in Mauern, sondern in Steuer, Notar und Makler. Sie ist beim Verkauf sofort verloren.
Diese Lücke schließt sich nur langsam. Selbst wenn du dieses Darlehen zum Sollzins von 4,84 % bekämst, den die ING für einen Auslauf bis 100 % ansetzt, dauert es bei 1,25 % Anfangstilgung 7,3 Jahre, bis die Restschuld erstmals unter 350.000 Euro fällt. Nach zehn Jahren Zinsbindung stehen bei 392.000 Euro Darlehen und 1,25 % Anfangstilgung noch 329.133 Euro offen, das sind 94 % des Kaufpreises. In der Realität liegt der Zinssatz für einen Auslauf über 100 % höher, und dann dauert es entsprechend länger.
Dazu kommt die zweite Hürde am Ende der Zinsbindung. Eine Restschuld von 293.869 Euro nach zehn Jahren bei 100 % Auslauf, 350.000 Euro Darlehen und 1,25 % Anfangstilgung wird zum dann gültigen Marktzins weiterfinanziert. Liegt der neue Sollzins über 4,84 %, steigt die Rate, obwohl du zehn Jahre gezahlt hast. Wie sich dieser Anschluss vorbereiten lässt, steht unter Anschlussfinanzierung nach der Zinsbindung.
Für wen sich eine Vollfinanzierung nicht lohnt
Es gibt Konstellationen, in denen eine 100-Prozent-Finanzierung die richtige Entscheidung ist. Sie sind seltener, als die Produktwerbung vermuten lässt.
Sinnvoll, wenn
- das Haushaltsnettoeinkommen die 7.000-Euro-Schwelle deutlich überschreitet und der Überschuss eine Anfangstilgung von 2 % oder mehr trägt
- die Immobilie mindestens 15 Jahre bewohnt werden soll, ein Verkauf in der kritischen Anfangsphase also unwahrscheinlich ist
- die Kaufnebenkosten aus Eigenmitteln gezahlt werden und nur der Kaufpreis finanziert wird
- beide Einkommen unbefristet und außerhalb der Probezeit sind
Nicht sinnvoll, wenn
- die Finanzierung nur mit der Mindesttilgung von 1,25 % tragbar ist, weil bei 350.000 Euro Darlehen und 4,84 % Sollzins damit 32,8 Jahre Laufzeit und rund 348.800 Euro Zinsen im Raum stehen
- ein Umzug oder Jobwechsel in den nächsten sieben Jahren realistisch ist
- kein Puffer für Reparaturen bleibt, weil jeder Euro in die Rate geht
- das Objekt ein Mehrfamilienhaus ab vier Wohneinheiten ist, für das die ING diese Beleihungsstufe ausschließt
Zwei Randfälle lohnen den genaueren Blick, weil sie regelmäßig übersehen werden.
Der Nebenkosten-Zusatzkredit. Ein naheliegender Gedanke lautet, den Kaufpreis bei 100 % zu finanzieren und die 42.000 Euro Nebenkosten als kleines zweites Darlehen aufzunehmen. Das führt bei der ING in eine doppelte Belastung: Auf Nettodarlehen unter 50.000 Euro erhebt sie einen Aufschlag von 0,50 Prozentpunkten. Auf 42.000 Euro sind das 210 Euro Zinsen zusätzlich im ersten Jahr, und zwar oben auf den Aufschlag, den der hohe Beleihungsauslauf ohnehin schon kostet.
Die Vollfinanzierung, die weiterlaufen soll. Wer heute mit 100 % Auslauf startet und nach zehn Jahren noch 294.000 Euro Restschuld hat, braucht eine Anschlussfinanzierung, die diese Stufe erneut bedient. Anschlussfinanzierungen und Darlehensverlängerungen sind bei der ING von der Bis-100-Prozent-Regelung aber ausgeschlossen. Wer ohne Eigenkapital kauft, sollte deshalb von Anfang an so tilgen, dass er am Ende der Zinsbindung wieder in eine normale Beleihungsstufe fällt.
Wer noch Zeit hat, prüft zuerst die Alternative: Im Beitrag Eigenkapital beim Hauskauf aufbauen stehen die Wege dorthin. Ein paar Monate länger sparen verschiebt den Einzug, aber es verschiebt auch die Beleihungsstufe, und das wirkt über die gesamte Laufzeit.
Einschätzung
Die Vollfinanzierung ist kein teureres Modell derselben Finanzierung, sondern ein anderes Produkt. Drei Punkte entscheiden darüber, ob sie trägt.
Erstens der Beleihungsauslauf. Alles über 100 % kostet am Markt 5,21 statt 4,71 % effektiv bei 10 Jahren Zinsbindung. Diese 0,50 Prozentpunkte sind der größte Einzelschritt der gesamten Staffel, größer als die 0,42 Prozentpunkte zwischen 60 und 90 % Auslauf. Wer die Kaufnebenkosten aus Eigenmitteln aufbringt, spart genau diesen Schritt.
Zweitens die Tilgung. Eine Mindesttilgung ist die Untergrenze der Bank, nicht das Ziel. Die 219 Euro monatlicher Unterschied zwischen 1,25 und 2 % Anfangstilgung bei 350.000 Euro Darlehen, 100 % Beleihungsauslauf, 10 Jahren Zinsbindung und 4,84 % Sollzins entscheiden über 7,3 Jahre Laufzeit und rund 89.300 Euro Zinsen.
Drittens die Verfügbarkeit. Die 100-Prozent-Stufe steht in der Konditionsliste, ist aber an Darlehensverlängerungen und eine definierte Kundengruppe gebunden. Ein Zinssatz in einer Tabelle ist kein Angebot. Was gilt, steht im Europäischen Standardisierten Merkblatt, das dir die Bank vor Vertragsschluss aushändigen muss.
Wo die Bauzinsen aktuell stehen, zeigen die aktuellen Bauzinsen. Konkrete Konditionen mehrerer Anbieter lassen sich im Baufinanzierung vergleichen gegenüberstellen, und den Gesamtüberblick über Tilgungsstrategien, Förderung und Anschluss gibt der Überblick zur Baufinanzierung.
Wichtiger Hinweis: Die genannten Zinssätze sind Konditionen der ING und Marktbeobachtungen, keine individuellen Angebote. Sie hängen von Bonität, Beleihungsauslauf, Zinsbindung, Objektart und Darlehenshöhe ab und werden von der finanzierenden Bank nach § 505a BGB individuell ermittelt. Die Rechenbeispiele dienen der Einordnung der Größenordnungen. Bauzinsen folgen der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen und den Pfandbriefmärkten, nicht dem Leitzins der EZB.
Häufige Fragen
Was ist eine Vollfinanzierung?
Bei einer Vollfinanzierung übernimmt die Bank den kompletten Kaufpreis (100 %) oder Kaufpreis plus Nebenkosten (110 %) – komplett ohne dein Eigenkapital. Rechtlicher Rahmen: Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag nach §§ 491a ff. BGB.
Was unterscheidet 100 % von 110 % Finanzierung?
Bei einer 100-%-Finanzierung trägst du die Kaufnebenkosten selbst. Bei einem Haus für 350.000 Euro und 12 % Nebenkosten sind das rund 42.000 Euro. Bei 110 % finanziert die Bank auch die Nebenkosten mit, das Darlehen beträgt dann 392.000 Euro. Der Name täuscht dabei: Bei 12 % Nebenkosten finanzierst du in Wahrheit 112 % des Kaufpreises. Der Unterschied kostet am Markt 0,50 Prozentpunkte, weil ein Beleihungsauslauf über 100 % mit 5,21 % statt 4,71 % effektiv bepreist wird (Bestzins, 10 Jahre Zinsbindung).
Welche Voraussetzungen brauche ich für eine Vollfinanzierung?
Die ING nennt für einen Beleihungsauslauf bis 100 % konkrete Schwellen: mindestens 7.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen, mindestens 1.500 Euro monatlicher Haushaltsüberschuss und mindestens 1,25 % Anfangstilgung, und das nur für Neu- und Aufbaufinanzierungen. Ausgeschlossen sind Mehrfamilienhäuser ab vier Wohneinheiten, ein Gesamtobligo über 1,5 Millionen Euro, Anschlussfinanzierungen, Darlehensverlängerungen, Forward-Darlehen und die Umwandlung von KfW-Darlehen. Dazu kommen die üblichen Anforderungen: unbefristete Festanstellung außerhalb der Probezeit, saubere SCHUFA, keine laufenden Verbraucherkredite.
Wie hoch ist der Zinsaufschlag bei einer Vollfinanzierung?
Der Aufschlag steigt mit dem Beleihungsauslauf, und er steigt zum Schluss steil. Am Markt kostet der Bestzins bei 10 Jahren Zinsbindung 4,06 % effektiv bis 60 % Auslauf, 4,26 % bis 80 %, 4,48 % bis 90 %, 4,71 % bis 100 % und 5,21 % über 100 %. Zwischen 100 % und allem darüber liegen damit 0,50 Prozentpunkte, mehr als zwischen 60 und 90 % zusammen, wo es 0,42 Prozentpunkte sind. Auf 350.000 Euro Darlehen sind diese 0,50 Prozentpunkte im ersten Jahr 1.750 Euro.
Was sind die größten Risiken einer Vollfinanzierung?
Drei Risiken. Erstens die Lücke zwischen Schuld und Wert: Bei 350.000 Euro Kaufpreis und 12 % Nebenkosten stehen am ersten Tag 392.000 Euro Schulden im Raum. Bei 1,25 % Anfangstilgung und 4,84 % Sollzins dauert es 7,3 Jahre, bis die Restschuld wieder unter den Kaufpreis fällt. Zweitens die Anschlussfinanzierung: Nach 10 Jahren Zinsbindung sind bei 350.000 Euro Darlehen, 100 % Beleihungsauslauf und 1,25 % Anfangstilgung noch 293.869 Euro offen, die zum dann gültigen Marktzins weiterlaufen. Drittens der fehlende Puffer für Reparaturen, Krankheit oder Kurzarbeit.
Wann lohnt sich eine Vollfinanzierung?
Selten, und fast nie in der 110-%-Variante. Sinnvoll kann eine 100-%-Finanzierung sein, wenn das Haushaltsnettoeinkommen die von Banken geforderte Schwelle deutlich überschreitet, beide Einkommen unbefristet und außerhalb der Probezeit sind, die Immobilie mindestens 15 Jahre bewohnt werden soll und der Haushaltsüberschuss eine Anfangstilgung von 2 % oder mehr trägt. Wer die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln zahlt, bleibt bei 100 % Auslauf und spart den Zinsschritt von 0,50 Prozentpunkten, der über dieser Grenze fällig wird.
Wie lange läuft eine Vollfinanzierung mit 1,25 % Tilgung?
Deutlich länger, als die niedrige Rate vermuten lässt. Ein Darlehen über 350.000 Euro bei 100 % Beleihungsauslauf, 10 Jahren Zinsbindung und 4,84 % Sollzins ist mit 1,25 % Anfangstilgung erst nach rund 32,8 Jahren getilgt. Mit 2 % Anfangstilgung sind es 25,5 Jahre, mit 3 % noch 19,9 Jahre. Die 219 Euro, die 2 % statt 1,25 % Anfangstilgung monatlich kosten, sparen über die Laufzeit rund 89.300 Euro Zinsen, sofern der Sollzins gleich bliebe. Die Mindesttilgung einer Bank ist eine Bedingung für die Zusage, keine Empfehlung für den Vertrag.
Bekommt jeder die 100-%-Kondition der ING?
Nein. Die aktuelle Konditionsliste nennt den Aufschlag von 0,15 Prozentpunkten auf die 95-%-Kondition ausdrücklich für Darlehensverlängerungen der ING und eine definierte Kundengruppe. Ein Zinssatz in einer Konditionstabelle ist deshalb kein Angebot. Wer neu kauft, sollte sich den Beleihungsauslauf und den zugehörigen Zinssatz schriftlich bestätigen lassen, bevor ein Notartermin vereinbart wird. Verbindlich ist am Ende das Europäische Standardisierte Merkblatt, das die Bank vor Vertragsschluss aushändigen muss.
Kann ich die Kaufnebenkosten als separates Darlehen finanzieren?
Möglich ist es, günstig ist es nicht. Bei 350.000 Euro Kaufpreis und 12 % Nebenkosten läge dieses zweite Darlehen bei 42.000 Euro. Die ING erhebt auf Nettodarlehen unter 50.000 Euro einen Aufschlag von 0,50 Prozentpunkten. Auf 42.000 Euro sind das 210 Euro zusätzliche Zinsen im ersten Jahr, und zwar oben auf den Aufschlag, den der hohe Beleihungsauslauf des Hauptdarlehens ohnehin kostet. Wer die Nebenkosten nicht aus eigenen Mitteln aufbringen kann, zahlt sie in jeder Variante teuer.
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Alexander Senger
Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.
