Was "Baufinanzierung ohne Eigenkapital" konkret bedeutet
Kurz & knapp:
- Die ING finanziert regulär bis 95 Prozent Beleihungsauslauf. Der Sollzins steigt dabei von 4,36 % (bis 60 %) auf 4,74 % (bis 95 %) — 0,38 Prozentpunkte, bei 10 Jahren Zinsbindung und einem Nettodarlehen ab 300.000 Euro.
- 💶 Bei 350.000 Euro Kaufpreis kostet der Sprung von 80 auf 100 Prozent Beleihungsauslauf 491 Euro mehr Monatsrate und 39.416 Euro mehr Zinsen in zehn Jahren (2,00 % Anfangstilgung, 10 Jahre Zinsbindung, ING-Sollzins).
- Davon sind nur 11.496 Euro der Zinsaufschlag. Die übrigen 27.921 Euro sind schlicht mehr Schulden.
- ⚠️ Die Restschuld nach zehn Jahren liegt bei 259.950 statt 209.403 Euro — obwohl die höhere Rate in denselben zehn Jahren 19.454 Euro mehr tilgt.
- Die 100-Prozent-Kondition der ING ist nicht frei verfügbar: Sie gilt für ING-Prolongationen und für Neufinanzierungen mit mindestens 7.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen und 1.500 Euro Haushaltsüberschuss. Einen Auslauf über 100 Prozent führt die ING-Konditionsliste gar nicht.
- Am Markt kostet ein Auslauf über 100 Prozent 5,21 % effektiv gegenüber 4,06 % bis 60 Prozent — 1,15 Prozentpunkte Unterschied.
Du willst eine Immobilie kaufen, hast aber kein oder nur wenig Eigenkapital. Die kurze Antwort: Das geht. Die Frage, die auf dieser Seite beantwortet wird, ist eine andere — nämlich was es dich kostet, und zwar in Euro, nicht in Prozentpunkten.
Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital bedeutet, dass du den Kaufpreis deiner Immobilie zu 100 Prozent über einen Bankkredit finanzierst. In der Praxis unterscheiden Banken dabei zwei Varianten, die sauber auseinandergehalten gehören:
- 100-Prozent-Finanzierung: Die Bank finanziert den Kaufpreis komplett. Die Kaufnebenkosten — Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler, typischerweise 10 bis 15 % des Kaufpreises, trägst du aus eigenen Mitteln.
- 110-Prozent-Finanzierung: Die Bank finanziert zusätzlich die Kaufnebenkosten mit. Das Darlehen liegt damit über dem Wert der Immobilie, die es besichert.
Der Unterschied zwischen beiden ist genau der Betrag, den du selbst aufbringen musst. Wie hoch der ausfällt, hängt am Bundesland und am Maklerfall — die Rechnung dazu steht in unserem Ratgeber zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienkauf.
Je höher der Beleihungsauslauf, desto höher das Risiko für die Bank — und desto höher der Zins, den du zahlst. Der Auslauf ist keine Formalie: Er entscheidet über den Zins beim Abschluss und noch einmal über den Zins bei der Anschlussfinanzierung zehn Jahre später.
Die ING rechnet den Beleihungsauslauf auf den Kaufpreis beziehungsweise die Herstellungskosten. Andere Banken stellen auf den Beleihungswert ab und setzen darauf einen Sicherheitsabschlag von typischerweise 10 bis 15 % an — bei gleicher Darlehenssumme fällt der Auslauf dann rechnerisch höher aus. Frag im Beratungsgespräch, auf welche Größe die Bank ihren Auslauf bezieht. Die Antwort verschiebt deine Zinsstufe.
Was der Verzicht auf Eigenkapital in Euro kostet
Wir rechnen die Frage an einem Kaufpreis von 350.000 Euro durch, mit zehn Jahren Zinsbindung und 2,00 % Anfangstilgung. Als Zinsquelle dienen die Konditionen der ING — nicht, weil die ING im September der günstigste Anbieter wäre, sondern weil sie ihre Staffel nach Beleihungsauslauf und Darlehensklasse vollständig und nachprüfbar veröffentlicht. Alle drei Spalten stehen damit auf derselben Skala: Sollzins, gleiche Zinsbindung, gleicher Stand.
| Kennzahl | 80 % Beleihungsauslauf | 95 % Beleihungsauslauf | 100 % Beleihungsauslauf |
|---|---|---|---|
| Eigenkapital im Kaufpreis | 70.000 Euro | 17.500 Euro | 0 Euro |
| Darlehenssumme | 280.000 Euro | 332.500 Euro | 350.000 Euro |
| ING-Darlehensklasse | ab 150.000 Euro | ab 300.000 Euro | ab 300.000 Euro |
| Sollzins, 10 Jahre gebunden | 4,51 % | 4,74 % | 4,89 % |
| Monatsrate | 1.519 Euro | 1.868 Euro | 2.010 Euro |
| Zinsen in 10 Jahren | 111.683 Euro | 139.239 Euro | 151.100 Euro |
| Getilgt in 10 Jahren | 70.597 Euro | 84.866 Euro | 90.050 Euro |
| Restschuld nach 10 Jahren | 209.403 Euro | 247.634 Euro | 259.950 Euro |
Konditionen der ING, Stand September 2026. Kaufpreis 350.000 Euro, 10 Jahre Zinsbindung, 2,00 % Anfangstilgung, Sollzins nach Beleihungsauslauf und Darlehensklasse. Kaufnebenkosten nicht enthalten. Die ING-Betragsstaffel ab 350.000 Euro (minus 0,05 %) ist nicht eingerechnet. Rate = Darlehen × (Sollzins + Anfangstilgung) / 12.
Der Sprung von 80 auf 100 Prozent Beleihungsauslauf kostet in diesem Szenario 491 Euro mehr pro Monat und 39.416 Euro mehr Zinsen über die zehn Jahre der Zinsbindung. Der Zwischenschritt auf 95 Prozent — also noch 17.500 Euro Eigenkapital — kostet 349 Euro mehr pro Monat und 27.556 Euro mehr Zinsen.
Wie viel davon ist wirklich der Aufschlag?
Hier trennen sich zwei Effekte, die in fast jeder Rechnung zu einer Zahl verschmelzen. Die 39.416 Euro Mehrzinsen zerfallen sauber in:
- 27.921 Euro Volumeneffekt: Du leihst dir 70.000 Euro mehr. Diese Zinsen fielen auch dann an, wenn die Bank denselben Zins wie bei 80 Prozent nähme.
- 11.496 Euro Zinsaufschlag: Das ist der Preis, den die Bank für das höhere Risiko nimmt (4,89 statt 4,51 % Sollzins auf 350.000 Euro).
Knapp drei Viertel der Mehrkosten sind also gar kein Aufschlag, sondern schlicht mehr Schulden. Das ist eine gute Nachricht und eine schlechte zugleich: Der Zinsaufschlag allein wäre verkraftbar. Was wirklich wiegt, ist die Darlehenssumme — und die bekommst du nicht durch Verhandeln kleiner, sondern nur durch Eigenkapital.
Ein Detail aus der Tabelle, das gern übersehen wird: Das größere Darlehen landet in einer besseren Darlehensklasse. Bei der ING kostet ein 280.000-Euro-Darlehen mit 80 Prozent Auslauf 4,51 %, ein Darlehen ab 300.000 Euro mit demselben Auslauf nur 4,43 %. Der reine Auslauf-Effekt von 80 auf 95 Prozent beträgt innerhalb derselben Klasse 0,31 Prozentpunkte — in unserem Szenario bleiben davon 0,23 Prozentpunkte übrig, weil die Klasse 0,08 Prozentpunkte zurückgibt. Wer beide Effekte zusammenwirft, rechnet den Aufschlag zu hoch.
Wie die Staffel bei anderen Zinsbindungen aussieht und was sich seit August bewegt hat, steht in unserer Übersicht der aktuellen Bauzinsen.
Die Restschuld — der Teil, den fast niemand vorrechnet
Die meisten Vergleiche hören bei der Monatsrate auf. Der teuerste Effekt einer Finanzierung ohne Eigenkapital zeigt sich aber erst am Ende der Zinsbindung.
Schau noch einmal in die Tabelle oben. Der Käufer ohne Eigenkapital zahlt zehn Jahre lang eine um 491 Euro höhere Rate und tilgt dadurch 19.454 Euro mehr als der Käufer mit 70.000 Euro Eigenkapital. Trotzdem steht er nach zehn Jahren mit 50.546 Euro mehr Restschuld da. Die höhere Rate holt den Rückstand nicht auf, weil die Ausgangssumme von vornherein 70.000 Euro größer war — und weil ein größerer Teil der Rate in die Zinsen läuft.
Ob sich das durch einen Wechsel der Bank oder ein vorab gesichertes Darlehen abfedern lässt, hängt an deinem Auslauf zum Ablauftermin — die Wege dorthin beschreiben wir in der Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung.
110 Prozent: wenn die Bank auch die Kaufnebenkosten finanziert
Die 100-Prozent-Finanzierung deckt den Kaufpreis. Die 110-Prozent-Finanzierung deckt zusätzlich die Kaufnebenkosten — und überschreitet damit den Wert der Sicherheit. Am Markt ist das eine eigene Preisstufe, und es ist die teuerste.
| Beleihungsauslauf | Bester Effektivzins, 10 Jahre | Aufschlag gegenüber bis 60 % |
|---|---|---|
| bis 60 % | 4,06 % | Referenz |
| bis 70 % | 4,16 % | +0,10 Prozentpunkte |
| bis 80 % | 4,26 % | +0,20 Prozentpunkte |
| bis 90 % | 4,48 % | +0,42 Prozentpunkte |
| bis 100 % | 4,71 % | +0,65 Prozentpunkte |
| über 100 % | 5,21 % | +1,15 Prozentpunkte |
Marktbestzins nach Beleihungsauslauf, 10 Jahre Zinsbindung, effektiver Jahreszins, Stichtag 11.09.2026.
Der Sprung von "bis 100 %" auf "über 100 %" ist mit 0,50 Prozentpunkten die größte Einzelstufe der ganzen Staffel — größer als der gesamte Weg von 60 auf 90 Prozent. Übersetzt in Euro sieht das so aus:
| Kennzahl | 80 % (mit Eigenkapital) | 100 % (Kaufpreis) | 110 % (Kaufpreis plus Nebenkosten) |
|---|---|---|---|
| Darlehenssumme | 280.000 Euro | 350.000 Euro | 385.000 Euro |
| Effektivzins | 4,26 % | 4,71 % | 5,21 % |
| Monatsrate | 1.461 Euro | 1.957 Euro | 2.313 Euro |
| Zinsen in 10 Jahren | 105.613 Euro | 145.660 Euro | 176.818 Euro |
| Restschuld nach 10 Jahren | 210.333 Euro | 260.810 Euro | 284.233 Euro |
| Restschuld gemessen am Kaufpreis | 60 % | 75 % | 81 % |
Marktbestzins nach Beleihungsauslauf, Stichtag 11.09.2026, effektiver Jahreszins. Kaufpreis 350.000 Euro, Kaufnebenkosten 35.000 Euro, 10 Jahre Zinsbindung, 2,00 % Anfangstilgung. Die Annuität ist aus dem Effektivzins gerechnet und liegt damit etwas über der Rate aus dem jeweiligen Sollzins.
Zwei Skalen, nicht eine. Die Tabelle mit den ING-Konditionen weiter oben steht auf der Sollzins-Skala, diese hier auf der Effektivzins-Skala des Marktes. Jede Tabelle ist in sich vergleichbar, untereinander sind sie es nicht: Der ING-Effektivzins rechnet mit 1,00 % Anfangstilgung, die Marktwerte üblicherweise mit 2,00 %. Wer eine Zahl aus der einen gegen eine Zahl aus der anderen stellt, vergleicht zwei verschiedene Dinge.
Die 31.158 Euro Mehrzinsen der 110-Prozent-Variante gegenüber 100 Prozent zerfallen in 14.566 Euro für die zusätzlichen 35.000 Euro Darlehen und 16.592 Euro für den Zinssprung auf den gesamten Betrag. Die mitfinanzierten Nebenkosten kosten also mehr als doppelt so viel, wie ihr eigener Zinsanteil ausmacht — weil sie den Auslauf der ganzen Finanzierung über die 100-Prozent-Schwelle heben. Gegenüber der 80-Prozent-Variante summiert sich die Differenz auf 71.205 Euro in zehn Jahren, bei 853 Euro höherer Monatsrate.
Und nach zehn Jahren steht die 110-Prozent-Finanzierung bei 284.233 Euro Restschuld — mehr, als der Käufer mit Eigenkapital am Tag der Unterschrift überhaupt aufgenommen hat.
Wer die 100-Prozent-Kondition überhaupt bekommt
Das ist die Stelle, an der die meisten Ratgeber ungenau werden. Die ING vergibt ihre 100-Prozent-Kondition — 0,15 Prozentpunkte Aufschlag auf die jeweilige 95-Prozent-Kondition — nicht an jeden, der fragt. Es gibt zwei Wege, und beide sind eng gefasst.
| Weg | Für wen | Bedingungen |
|---|---|---|
| Neu- und Aufbaufinanzierung | Käufer und Bauherren mit hohem Haushaltseinkommen | Haushaltsnettoeinkommen ab 7.000 Euro, Haushaltsüberschuss ab 1.500 Euro, Mindesttilgung 1,25 % |
| ING-Prolongation | Bestandskunden, die ihr ING-Darlehen verlängern | Konditionen für Ausläufe ab 95 % werden weiterhin angeboten, Aufschlag 0,15 Prozentpunkte |
Bedingungen der ING, Stand September 2026.
Ausgeschlossen sind beim Neufinanzierungs-Weg ausdrücklich: Mehrfamilienhäuser ab vier Wohneinheiten, ein Gesamtobligo über 1,5 Millionen Euro, Anschlussfinanzierungen, ING-Prolongationen, Forward-Darlehen und KfW-Umwandlungen. Wer also die eigene Anschlussfinanzierung von einer anderen Bank zur ING holen will und dabei über 95 Prozent liegt, fällt durch dieses Raster.
Zwei weitere Aufschläge treffen genau die Konstellation, in der Käufer ohne Eigenkapital häufig landen: Ein Darlehen unter 50.000 Euro kostet 0,50 Prozentpunkte extra, eine Nachfinanzierung zur Fertigstellung 1,00 Prozentpunkt. Wer die Finanzierung knapp kalkuliert und am Ende eine Restsumme nachschieben muss, zahlt für diesen Nachschlag also den höchsten Satz der ganzen Liste. Kalkuliere lieber von Anfang an großzügig, als später nachzufinanzieren.
1,25 Prozent Mindesttilgung ist die Untergrenze der Bank, nicht deine Zielgröße
Die ING verlangt bei bis zu 100 Prozent Auslauf mindestens 1,25 % Anfangstilgung. Das ist der Wert, ab dem die Bank zustimmt — nicht der Wert, mit dem du unterschreiben solltest. Was die Tilgungshöhe bewirkt, zeigt dieselbe Finanzierung in drei Varianten:
| Anfangstilgung | Monatsrate | Zinsen in 10 Jahren | Restschuld nach 10 Jahren | Volltilgung bei gleichem Zins |
|---|---|---|---|---|
| 1,25 % (ING-Minimum) | 1.791 Euro | 158.619 Euro | 293.719 Euro | 32,6 Jahre |
| 2,00 % | 2.010 Euro | 151.100 Euro | 259.950 Euro | 25,4 Jahre |
| 3,00 % | 2.301 Euro | 141.075 Euro | 214.925 Euro | 19,8 Jahre |
Konditionen der ING, Stand September 2026. Darlehen 350.000 Euro, 100 % Beleihungsauslauf, 4,89 % Sollzins, 10 Jahre Zinsbindung. Die Volltilgungsdauer unterstellt einen über die gesamte Laufzeit unveränderten Zins.
Mit 1,25 % Anfangstilgung und 4,89 % Sollzins dauert die Volltilgung rund 32,6 Jahre, mit 3,00 % Anfangstilgung sind es rund 19,8 Jahre. Mit der Mindesttilgung von 1,25 % sind nach zehn Jahren erst 56.281 Euro von 350.000 Euro getilgt, also 16 Prozent. Die Restschuld liegt mit 293.719 Euro über dem, was der Käufer mit Eigenkapital ursprünglich aufgenommen hat. Die 219 Euro, die die Rate gegenüber 2,00 % Tilgung günstiger ist, kauft man sich mit gut sieben zusätzlichen Jahren Laufzeit. Durchrechnen lässt sich das mit unserem Tilgungsrechner für Baufinanzierungen.
Voraussetzungen: Bonität, Einkommen, Objekt
Banken verschärfen ihre Bonitätsprüfung, wenn du ohne Eigenkapital kommst. Das ist auch gesetzlich verankert: § 505a BGB verpflichtet Banken zu einer sorgfältigen Kreditwürdigkeitsprüfung, und die BaFin überwacht die Einhaltung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Bei Vollfinanzierungen gelten dabei strengere Maßstäbe als im Standardgeschäft.
- Sehr gute Bonität: Makelloser Schufa-Score (typischerweise über 95 %), keine negativen Einträge, keine offenen Kredite mit hoher Restschuld.
- Stabiles, hohes Einkommen: Unbefristete Festanstellung außerhalb der Probezeit, lange Betriebszugehörigkeit. Bei Selbständigen werden mindestens drei Jahre erfolgreiche BWA verlangt. Bei der ING kommt die harte Schwelle von 7.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen hinzu.
- Niedrige Haushaltsbelastung: Die monatliche Rate sollte 35 bis 40 % deines Nettoeinkommens nicht übersteigen. Bei 2.010 Euro Rate heißt das rund 5.000 bis 5.700 Euro netto. Die ING verlangt für 100 Prozent Auslauf mehr.
- Werthaltige Immobilie: Lage in begehrter Region, keine sanierungsbedürftigen Bestandsobjekte ohne klaren Plan. Bei der ING zusätzlich: keine Mehrfamilienhäuser ab vier Wohneinheiten.
- Ausreichende Tilgung: formal 1,25 % bei der ING, praktisch gehört die Tilgung deutlich höher, siehe die Tabelle im Abschnitt davor.
Wenn dir nur noch ein Teil fehlt, ist Warten die ehrlichere Alternative. Wie schnell sich die Zinsstufe durch angespartes Kapital verschiebt und was dabei realistisch ist, steht in unserem Ratgeber zum Eigenkapital beim Immobilienkauf.
Welche Banken Vollfinanzierungen vergeben
Mehr Häuser als der Mythos "ohne Eigenkapital geht nichts" vermuten lässt: Direktbanken, Sparda-Banken, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Bausparkassen vergeben Finanzierungen bis 100 Prozent, regional auch darüber. Konkrete Konditionen veröffentlicht davon kaum jemand. Deshalb steht auf dieser Seite die ING mit ihrer vollständigen Staffel und nicht eine Liste mit geschätzten Aufschlägen. Die Konditionen der ING findest du im Anbieterprofil.
Direktbank oder Vermittler? Direktbanken haben meist die schnelleren Prozesse. Vermittler haben Zugang zu vielen Banken gleichzeitig und finden bei einem schwierigen Profil oft überhaupt erst das Haus, das zustimmt. Bei Vollfinanzierungen ist genau die Bankauswahl der Hebel. Tagesaktuelle Konditionen für dein Profil zeigt der Baufinanzierungsvergleich. Die rechtlichen und steuerlichen Details der Konstruktion behandeln wir in der Vollfinanzierung eines Hauses.
Für wen sich die Vollfinanzierung lohnt — und für wen nicht
- Haushaltsnettoeinkommen deutlich über 7.000 Euro, sodass die Rate von rund 2.010 Euro bei 350.000 Euro Darlehen unter 30 Prozent des Einkommens bleibt.
- Unbefristete Festanstellung beider Partner, Selbstnutzung, Bleibehorizont über die Zinsbindung hinaus.
- Tilgung ab 3,00 %, sodass die Restschuld nach zehn Jahren unter 215.000 Euro liegt.
- KfW-Mittel verfügbar, die den Beleihungsauslauf des Bankdarlehens unter die nächste Stufe drücken.
- Notgroschen von mindestens drei bis sechs Monatsraten vorhanden, zusätzlich zu den Kaufnebenkosten.
- Das Eigenkapital reicht gerade für die Kaufnebenkosten und nichts bleibt übrig. Dann finanzierst du die erste kaputte Heizung über den Dispo.
- Du brauchst eine 110-Prozent-Finanzierung: Der Sprung über die 100-Prozent-Schwelle kostet 0,50 Prozentpunkte auf die gesamte Summe, nicht nur auf die Nebenkosten.
- Du willst die Anschlussfinanzierung eines bestehenden Darlehens über 95 Prozent Auslauf zur ING holen: Dieser Weg ist ausdrücklich ausgeschlossen.
- Der Bleibehorizont liegt unter zehn Jahren. Bei 110 Prozent stehen nach zehn Jahren noch 81 Prozent des Kaufpreises als Schuld, ein Verkauf mit Verlust bleibt dann realistisch.
- Du planst mit 1,25 % Tilgung, weil die Rate sonst nicht passt. Dann ist die Rate das Problem, nicht die Tilgung.
Ein Edge Case, der öfter vorkommt, als man denkt: Wer ohne Eigenkapital kauft, aber 3,00 % tilgt, steht nach zehn Jahren bei 205.201 Euro Restschuld — weniger als der Käufer mit 70.000 Euro Eigenkapital und 2,00 % Tilgung, der bei 209.403 Euro liegt. Das gilt für 95 Prozent Beleihungsauslauf bei 350.000 Euro Kaufpreis. Der Preis dafür sind 626 Euro mehr Monatsrate — 2.145 statt 1.519 Euro. Fehlendes Eigenkapital lässt sich durch Tilgungsdisziplin tatsächlich aufholen. Aber nur durch Cashflow, nicht durch Optimismus.
Die drei Risiken, die vor dem Notartermin geklärt sein müssen
Risiko 1: Restschuld über Verkaufserlös. Musst du vor Tilgungsende verkaufen, kann die Restschuld höher sein als der Erlös. Bei 110 Prozent Finanzierung stehen nach zehn Jahren 284.233 Euro Schuld gegen einen ursprünglichen Kaufpreis von 350.000 Euro. Ein Preisrückgang von 20 Prozent reicht, damit die Rechnung nicht mehr aufgeht — und Preiskorrekturen in dieser Größenordnung gab es in vielen deutschen Großstädten zwischen 2022 und 2024.
Risiko 2: Der Auslauf kommt bei der Anschlussfinanzierung zurück. Nach zehn Jahren Zinsbindung steht die Anschlussfinanzierung an, und der Beleihungsauslauf entscheidet dort erneut über die Zinsstufe. Wer bei 74 oder 81 Prozent landet statt bei 60, zahlt wieder Aufschlag. Das ist der Grund, warum eine höhere Tilgung bei Vollfinanzierungen doppelt wirkt: Sie senkt die Restschuld und damit die Stufe für die zweite Runde.
Risiko 3: Belastung bei Einkommensverlust. Eine Rate von 2.010 Euro statt 1.519 Euro klingt nach 491 Euro. Bei Kurzarbeit, Krankheit oder Arbeitslosigkeit ist es der Unterschied zwischen eng und nicht mehr tragbar. Tilgungsaussetzungen gibt es, sie verlängern aber die Laufzeit und kosten Zinsen. Drei bis sechs Monatsraten als Reserve sind bei einer Vollfinanzierung keine Vorsichtsmaßnahme, sondern Teil der Kalkulation.
Repräsentatives Beispiel der ING: 300.000 Euro Nettodarlehen, 100 % Auszahlung, 15 Jahre Zinsbindung, 3,00 % anfängliche Tilgung, gebundener Sollzins 4,71 % p.a., effektiver Jahreszins 4,84 % (unter der Annahme von Gerichtskosten für die Neueintragung einer Buchgrundschuld sowie 20 Euro für einen Grundbuchauszug), monatliche Rate 1.927,50 Euro, Gesamtlaufzeit 20 Jahre 1 Monat, 241 Raten, Gesamtbetrag 464.445,26 Euro. Beleihung bis 85,00 % des Kaufpreises beziehungsweise der Herstellungskosten, keine gewerblichen Objekte. Darlehensgeber: ING-DiBa AG, Theodor-Heuss-Allee 2, 60486 Frankfurt am Main.
Eine Finanzierung ohne Eigenkapital scheitert selten am Zinsaufschlag. Von den 39.416 Euro Mehrkosten in unserem Szenario sind nur 11.496 Euro der Preis für das Risiko, der Rest ist einfach mehr Schulden. Genau deshalb ist die Tilgung die entscheidende Stellschraube und nicht die Zinsverhandlung: Mit 3,00 % statt 1,25 % Tilgung sinkt die Restschuld nach zehn Jahren um 78.794 Euro, und der Beleihungsauslauf für die Anschlussfinanzierung fällt eine Stufe tiefer.
Unsere Einschätzung: Bis 95 Prozent Beleihungsauslauf ist das eine kalkulierbare Entscheidung, wenn die Tilgung stimmt und ein Notgroschen bleibt. Ab 100 Prozent wird es eine Frage des Einkommens, und die ING beantwortet sie mit 7.000 Euro Haushaltsnetto. Über 100 Prozent, also mit mitfinanzierten Nebenkosten, raten wir ab: Der Aufschlag von 0,50 Prozentpunkten trifft die gesamte Summe, und nach zehn Jahren stehst du mit mehr Schulden da, als ein Käufer mit Eigenkapital am ersten Tag aufgenommen hat.
Häufige Fragen
Welche Bank gibt einen Kredit ohne Eigenkapital?
Die ING finanziert regulär bis 95 Prozent Beleihungsauslauf. Bis 100 Prozent geht sie für Neu- und Aufbaufinanzierungen nur bei einem Haushaltsnettoeinkommen ab 7.000 Euro und einem Haushaltsüberschuss ab 1.500 Euro, sowie für die Verlängerung eigener Darlehen. Sparda-Banken, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Bausparkassen vergeben ebenfalls Finanzierungen bis 100 Prozent, veröffentlichen ihre Zinsstaffel aber nicht. Vorausgesetzt werden überall gute Bonität, sicheres Einkommen und eine werthaltige Immobilie.
Wie hoch ist der Zinsaufschlag bei 100-Prozent-Finanzierung?
Bei der ING steigt der Sollzins für 10 Jahre Zinsbindung von 4,36 Prozent bei bis zu 60 Prozent Beleihungsauslauf auf 4,74 Prozent bei bis zu 95 Prozent (Nettodarlehen ab 300.000 Euro, Stand September 2026). Das sind 0,38 Prozentpunkte. Für den Auslauf bis 100 Prozent kommen weitere 0,15 Prozentpunkte auf die 95-Prozent-Kondition dazu. Auf der Marktseite liegt der beste Effektivzins für 10 Jahre bei 4,26 Prozent (bis 80 Prozent Auslauf) und 4,71 Prozent (bis 100 Prozent). In Euro: Bei 350.000 Euro Kaufpreis, 10 Jahren Zinsbindung und 2,00 Prozent Anfangstilgung kostet der Weg von 80 auf 100 Prozent Auslauf 491 Euro mehr Monatsrate und 39.416 Euro mehr Zinsen in zehn Jahren.
Was bedeutet 110-Prozent-Finanzierung?
Die Bank finanziert nicht nur den Kaufpreis komplett, sondern zusätzlich die Kaufnebenkosten, also Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und Makler. Da diese Kosten in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen, spricht man von 110-Prozent-Finanzierung, auch wenn es rechnerisch je nach Bundesland eher 112 bis 115 Prozent wären. Am Markt ist das eine eigene Preisstufe: Über 100 Prozent Beleihungsauslauf kostet der beste Effektivzins für 10 Jahre 5,21 Prozent gegenüber 4,06 Prozent bis 60 Prozent Auslauf.
Welche Voraussetzungen brauche ich?
Sehr gute Bonität (Schufa-Score über 95 Prozent), unbefristete Festanstellung außerhalb der Probezeit, eine Haushaltsbelastung unter 35 bis 40 Prozent des Einkommens und eine werthaltige Immobilie in guter Lage. Bei der ING kommen für den Auslauf bis 100 Prozent harte Schwellen dazu: mindestens 7.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen, mindestens 1.500 Euro Haushaltsüberschuss und mindestens 1,25 Prozent Anfangstilgung. Ausgeschlossen sind dort Mehrfamilienhäuser ab vier Wohneinheiten, ein Gesamtobligo über 1,5 Millionen Euro sowie Anschlussfinanzierungen, Forward-Darlehen und KfW-Umwandlungen.
Ist eine Vollfinanzierung sinnvoll?
Sie kann sinnvoll sein, wenn du sicheres, hohes Einkommen hast, die Immobilie selbst dauerhaft nutzt und die Tilgung hoch genug ansetzt. Der entscheidende Punkt ist die Restschuld: Bei 350.000 Euro Kaufpreis, 10 Jahren Zinsbindung und 2,00 Prozent Anfangstilgung stehen nach zehn Jahren 259.950 Euro offen statt 209.403 Euro bei 80 Prozent Beleihungsauslauf. Kritisch wird es ohne Reserven, bei einem Bleibehorizont unter zehn Jahren oder wenn die Kaufnebenkosten mitfinanziert werden müssen.
Kann ich KfW-Förderung mit Vollfinanzierung kombinieren?
Ja. KfW 124 (bis 100.000 € Wohneigentumsprogramm), KfW 261 (Bestandssanierung) und KfW 297/300 (klimafreundlicher Neubau) lassen sich mit Bankenfinanzierungen kombinieren. KfW-Mittel zählen für die Bank effektiv wie Eigenkapital und können den Zinsaufschlag spürbar reduzieren.
Was passiert, wenn ich die Immobilie vor Tilgungsende verkaufen muss?
Bei einer Vollfinanzierung kann die Restschuld höher sein als der Verkaufserlös — eine sogenannte negative Wertposition. Dann bleibst du auf einem Schuldenrest sitzen. Zusätzlich verlangt die Bank bei vorzeitiger Rückzahlung eine Vorfälligkeitsentschädigung von maximal 1 % der Restschuld bei Restlaufzeit über 12 Monaten (§ 502 BGB).
Wie hoch ist die Restschuld nach zehn Jahren ohne Eigenkapital?
Bei 350.000 Euro Kaufpreis, 10 Jahren Zinsbindung und 2,00 Prozent Anfangstilgung bleiben nach zehn Jahren 259.950 Euro offen (100 Prozent Beleihungsauslauf, 4,89 Prozent Sollzins). Mit 70.000 Euro Eigenkapital und 280.000 Euro Darlehen sind es 209.403 Euro. Die Differenz von 50.546 Euro entsteht, obwohl die höhere Rate in denselben zehn Jahren 19.454 Euro mehr tilgt: Die Ausgangssumme war von vornherein größer, und ein größerer Teil der Rate läuft in die Zinsen.
Bietet die ING eine 110-Prozent-Finanzierung an?
Nein. Die Konditionsliste der ING führt Beleihungsstufen bis 95 Prozent und einen Aufschlag von 0,15 Prozentpunkten für den Auslauf bis 100 Prozent, gebunden an Prolongationen oder an ein Haushaltsnettoeinkommen ab 7.000 Euro. Eine Finanzierung über 100 Prozent Beleihungsauslauf, bei der die Kaufnebenkosten mitfinanziert werden, steht dort nicht. Wer sie braucht, muss bei anderen Häusern suchen und landet am Markt bei 5,21 Prozent effektiv für 10 Jahre Zinsbindung.
Wie viel Tilgung brauche ich bei einer Vollfinanzierung?
Die ING verlangt bei bis zu 100 Prozent Beleihungsauslauf mindestens 1,25 Prozent Anfangstilgung. Das ist die Untergrenze der Bank, nicht die sinnvolle Zielgröße. Bei 350.000 Euro Darlehen und 4,89 Prozent Sollzins sind nach zehn Jahren mit 1,25 Prozent Tilgung erst 56.281 Euro getilgt, die Restschuld liegt bei 293.719 Euro. Mit 3,00 Prozent Tilgung sind es 135.075 Euro getilgt und 214.925 Euro Restschuld, bei 510 Euro höherer Monatsrate.
Geprüft und freigegeben von

Alexander Senger
Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.
