Was du über Tagesgeld-Zinsen für Bestandskunden wissen musst
Viele Banken locken mit hohen Tagesgeldzinsen – die nach wenigen Monaten drastisch sinken. Wir zeigen dir, welche Anbieter auch Bestandskunden fair verzinsen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 💰 Zinslücke: Neukunden erhalten bis zu 3,40 %, Bestandskunden oft nur 0,75 % – eine Differenz von bis zu 2,60 Prozentpunkten
- ✅ Faire Anbieter: Ferratum (2,90 %), NAO (2,40 %) und Ayvens Bank (2,30 %) verzinsen dauerhaft ohne Lockzinsen
- ⚠️ Größte Zinsfalle: Consorsbank und ING senken die Zinsen nach 3–4 Monaten um über 2 Prozentpunkte
- 💡 Strategie: Achte auf den Zinssatz nach der Aktionsphase – das ist der Zins, den du langfristig bekommst
Du hast vor ein paar Monaten ein Tagesgeldkonto eröffnet, weil die Bank mit 3 % Zinsen geworben hat. Jetzt schaust du auf deinen Kontoauszug und siehst: 0,75 %. Was ist passiert?
Willkommen im Club der Bestandskunden. Banken nutzen Neukundenaktionen als Marketinginstrument – der attraktive Zinssatz gilt nur für die ersten 3 bis 6 Monate. Danach fällt er auf den sogenannten Bestandskundenzins, und der ist bei vielen Anbietern ernüchternd niedrig.
Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht regelmäßig informiert, verliert bares Geld. Bei einer Einlage von 20.000 EUR macht der Unterschied zwischen 0,75 % und 2,40 % immerhin 330 EUR pro Jahr aus.
Der Unterschied zwischen Neukunden- und Bestandskundenzins
Warum Banken mit Aktionszinsen locken
Tagesgeldkonten sind für Banken ein Refinanzierungsinstrument. Sie nehmen dein Geld entgegen und vergeben damit Kredite – die Differenz zwischen Kreditvergabezins und Einlagenzins ist ihre Marge. Hohe Neukundenzinsen sind nichts anderes als Kundenakquise-Kosten: Die Bank verzichtet vorübergehend auf Marge, um Einlagen zu gewinnen.
Was nach der Aktionsphase passiert
Nach Ablauf der Neukundenphase (typischerweise 3–6 Monate) greift der reguläre Bestandskundenzins. Der liegt im Durchschnitt 1,39 Prozentpunkte unter dem Aktionszins (Stand: März 2026). Bei manchen Banken ist der Unterschied noch drastischer:
- Consorsbank: 3,40 % Neukundenzins, danach 0,80 % – eine Differenz von 2,60 Prozentpunkten
- ING Extra-Konto: 2,75 % für 4 Monate, danach 0,75 %
- comdirect Tagesgeld+: 2,75 % für 6 Monate, danach 0,75 %
Achtung Zinsfalle: Wenn eine Bank 3 % oder mehr Tagesgeldzinsen bewirbt, prüfe immer den Zinssatz nach der Aktionsphase. Die beworbene Zahl gilt fast nie dauerhaft.
Die Zinslücke in konkreten Zahlen
Bei einer Anlage von 20.000 EUR über ein volles Jahr:
| Szenario | Zinssatz | Zinsertrag/Jahr |
|---|---|---|
| Neukundenzins Consorsbank (3,40 %, aber nur 3 Monate) | Effektiv ~1,45 % | ca. 290 EUR |
| Ferratum dauerhaft (Stand: März 2026) | 2,90 % | 580 EUR |
| ING Bestandskunden (Stand: März 2026) | 0,75 % | 150 EUR |
Der dauerhafte Zinssatz schlägt den kurzfristigen Aktionszins in der Jahresbetrachtung deutlich. Über 3 Jahre summiert sich der Unterschied: Bei Ferratum (2,90 %) verdienst du rund 1.740 EUR an Zinsen, bei der ING (0,75 %) nur 450 EUR – eine Differenz von knapp 1.290 EUR.
Tagesgeld für Bestandskunden im Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Tagesgeld-Konditionen, sortiert nach dem tatsächlichen Bestandskundenzins (Stand: März 2026):
| Anbieter | Bestandskunden-Zins | Neukunden-Zins | Differenz | Max. Einlage | Einlagensicherung |
|---|---|---|---|---|---|
| Ferratum | 2,90 % | – | 0,00 Pp | 100.000 EUR | 100.000 EUR (EU) |
| NAO | 2,40 % | – | 0,00 Pp | 10.000.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| Ayvens Bank | 2,30 % | – | 0,00 Pp | 500.000 EUR | 100.000 EUR (EU) |
| Trade Republic | 2,00 % | – | 0,00 Pp | 10.000.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| DISTINGO Bank | 1,95 % | 3,20 % | 1,25 Pp | 150.000 EUR | 100.000 EUR (EU) |
| Suresse Direkt Bank | 1,90 % | 3,00 % | 1,10 Pp | 250.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| Renault Bank direkt | 1,80 % | 2,85 % | 1,05 Pp | 250.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| Consorsbank | 0,80 % | 3,40 % | 2,60 Pp | 1.000.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| ING Extra-Konto | 0,75 % | 2,75 % | 2,00 Pp | 250.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
| comdirect Tagesgeld+ | 0,75 % | 2,75 % | 2,00 Pp | 1.000.000 EUR | 100.000 EUR (DE) |
Die besten Tagesgeldkonten für Bestandskunden
Drei Anbieter stechen hervor, weil sie keine Lockzins-Strategie fahren – der beworbene Zins gilt dauerhaft:
Ferratum: 2,90 % dauerhaft
Ferratum bietet mit 2,90 % (Stand: März 2026) den höchsten dauerhaften Tagesgeldzins im Vergleich. Es gibt keine Neukunden-Aktion und keinen Zinssprung nach wenigen Monaten. Die Einlage ist auf 100.000 EUR begrenzt – genau die Summe, die durch die EU-Einlagensicherung abgedeckt ist.
Zu beachten: Die Abgeltungsteuer wird nicht automatisch abgeführt – du musst die Zinserträge in der Steuererklärung angeben.
NAO: 2,40 % mit deutscher Einlagensicherung
NAO zahlt dauerhaft 2,40 % auf Tagesgeld (Stand: März 2026) – ohne zeitliche Begrenzung. Die Bank gehört zum deutschen Einlagensicherungssystem, was für konservative Sparer ein Pluspunkt ist. Ein separates Girokonto ist nicht erforderlich, und die Steuer wird automatisch abgeführt.
Ayvens Bank: 2,30 % ohne Aktionszins
Die Ayvens Bank bietet 2,30 % dauerhaft (Stand: März 2026), ohne dass ein Girokonto eröffnet werden muss. Die maximale Einlage liegt bei 500.000 EUR.
Tipp: Wenn du Wert auf deutsche Einlagensicherung und automatischen Steuerabzug legst, ist NAO (2,40 %) die pragmatischste Wahl für Bestandskunden. Bei höchstmöglichem Zins gewinnt Ferratum (2,90 %), erfordert aber den Eintrag in der Steuererklärung.
Zinsfallen erkennen: Wo Bestandskunden benachteiligt werden
Die größte Falle beim Tagesgeld ist der Lockzins-Mechanismus: Ein hoher Einstiegszins lockt Neukunden an, nach 3–6 Monaten fällt der Zins drastisch. Das Kalkül der Banken ist einfach – die meisten Kunden sind zu bequem, ihr Geld umzuschichten.
Die größten Zinssprünge im Überblick
| Anbieter | Neukunden-Zins | Nach Aktion | Zinsverlust |
|---|---|---|---|
| Consorsbank | 3,40 % | 0,80 % | −2,60 Pp |
| Santander | 2,75 % | 0,30 % | −2,45 Pp |
| ING | 2,75 % | 0,75 % | −2,00 Pp |
| comdirect | 2,75 % | 0,75 % | −2,00 Pp |
Tagesgeld-Hopping: Lohnt sich der Wechsel?
Beim Tagesgeld-Hopping wechselst du alle paar Monate den Anbieter, um immer den höchsten Neukundenzins mitzunehmen. Theoretisch attraktiv, in der Praxis bedeutet das:
- Alle 3–6 Monate ein neues Konto eröffnen
- Identifizierung per VideoIdent oder PostIdent
- Geld umbuchen und Freistellungsauftrag anpassen
- Altes Konto kündigen
Für die meisten Sparer ist ein dauerhaft guter Bestandskundenzins die bessere Strategie: weniger Aufwand, kein Papierkram, konstante Erträge. Bei 20.000 EUR bringt dir Ferratum mit 2,90 % dauerhaft mehr als das Hopping zwischen Aktionsangeboten – und du musst dich nur einmal um die Kontoeröffnung kümmern.
EZB-Zinsen und Bestandskunden: Was du wissen solltest
Die EZB hat den Einlagezinssatz seit Juni 2025 bei 2,00 % belassen (Stand: März 2026). Nach acht Zinssenkungen von 4,00 % auf 2,00 % zwischen Juni 2024 und Juni 2025 herrscht aktuell eine Zinspause.
EZB-Zinsen aktuell:
- Einlagefazilität: 2,00 % (seit 11. Juni 2025)
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 %
- Banken geben Zinssenkungen typischerweise schneller an Sparer weiter als Zinserhöhungen
Für Bestandskunden bedeutet das: Wenn die EZB die Zinsen weiter senkt, werden auch die Tagesgeldzinsen fallen. Allerdings betrifft das Anbieter mit dauerhaftem Zins genauso wie Lockzins-Banken. Der Unterschied bleibt bestehen – faire Anbieter passen den Zins transparent an, während Lockzins-Banken den Bestandskundenzins oft unverhältnismäßig niedrig halten.
Wichtig für die Steuererklärung: Zinserträge aus Tagesgeld unterliegen der Abgeltungsteuer (25 % + Soli = effektiv 26,375 %). Pro Person sind 1.000 EUR Zinserträge steuerfrei (Sparer-Pauschbetrag). Vergiss nicht, bei deiner Bank einen Freistellungsauftrag einzurichten. Wenn du dein Tagesgeld auf mehrere Banken verteilst, kannst du den Freistellungsauftrag aufteilen – er darf in Summe aber 1.000 EUR (Ledige) bzw. 2.000 EUR (Verheiratete) nicht übersteigen.
Wenn du eine höhere Rendite bei fester Laufzeit suchst, kann sich auch ein Blick auf Festgeld lohnen – dort sind die Zinsen zwar ebenfalls gesunken, aber für die vereinbarte Laufzeit garantiert.
Häufige Fragen zu Tagesgeld für Bestandskunden
Was ist ein Bestandskunde beim Tagesgeld?
Als Bestandskunde giltst du, sobald die Neukundenphase deines Tagesgeldkontos abgelaufen ist. Das ist je nach Anbieter nach 3 bis 6 Monaten der Fall. Ab dann erhältst du den regulären Bestandskundenzins, der in der Regel niedriger ist als der beworbene Aktionszins.
Warum bekommen Neukunden höhere Zinsen als Bestandskunden?
Banken nutzen hohe Neukundenzinsen als Marketinginstrument, um Einlagen zu gewinnen. Die Kosten dafür sind vergleichbar mit Werbeausgaben. Nach der Aktionsphase fällt der Zins auf das Niveau, das für die Bank wirtschaftlich tragbar ist.
Lohnt sich Tagesgeld-Hopping?
Nur bedingt. Das regelmäßige Wechseln zwischen Neukundenangeboten bringt zwar kurzfristig höhere Zinsen, bedeutet aber auch erheblichen Aufwand: neue Kontoeröffnungen, Identitätsprüfungen, Freistellungsaufträge anpassen. Für die meisten Sparer ist ein Konto mit dauerhaft gutem Bestandskundenzins die bessere Wahl.
Wie oft kann man das Tagesgeldkonto wechseln?
Es gibt keine gesetzliche Beschränkung. Tagesgeldkonten sind täglich kündbar und die Kontoeröffnung ist kostenlos. Allerdings definieren manche Banken in ihren AGBs, wann du erneut als Neukunde giltst – häufig erst 6 bis 12 Monate nach Kontoschließung.
Welche Bank bietet dauerhaft die besten Zinsen für Bestandskunden?
Ferratum bietet mit 2,90 % aktuell den höchsten dauerhaften Tagesgeldzins. NAO (2,40 %) und Ayvens Bank (2,30 %) sind ebenfalls Anbieter ohne Lockzins-Modell (Stand: März 2026).
Muss ich Steuern auf Tagesgeldzinsen zahlen?
Ja. Zinserträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (effektiv 26,375 %). Allerdings bleiben Zinserträge bis 1.000 EUR pro Person steuerfrei, wenn du einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank eingerichtet hast. Bei Ehepaaren liegt die Grenze bei 2.000 EUR.
So bewerten wir Tagesgeldkonten: Der Capitalo Score
Unsere Bewertungsmethodik
Warum wir anders bewerten
Die meisten Vergleichsportale zeigen dir Sternchen – aber nicht, wie sie entstehen. Wir machen das anders: Der Capitalo Score ist eine transparente, nachvollziehbare Bewertung nach über 125 Kriterien, die wir für jede Produktkategorie individuell entwickelt haben.
Unser Versprechen:
- Transparent: Jede Bewertung ist nachvollziehbar
- Objektiv: Kriterien basieren auf messbaren Fakten
- Aktuell: Quartalsweise Anpassung an Marktentwicklungen
- Rechtlich fundiert: Berücksichtigung aller gesetzlichen Vorgaben
Bewertungsskala (Schwellenwerte):
- 113-125 Punkte: Hervorragend
- 100-112 Punkte: Sehr gut
- 88-99 Punkte: Gut
- 75-87 Punkte: Befriedigend
- 58-74 Punkte: Ausreichend
- 50-57 Punkte: Mangelhaft
- < 50 Punkte: Ungenügend
Bewertungskategorien
So setzt sich der Capitalo Score zusammen
Je mehr Punkte ein Produkt erreicht, desto besser die Bewertung.
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