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Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. So entsteht er, wer daran verdient und wie du ihn klein hältst.

Das musst du über den Spread wissen

  • 💶 Zwei Kurse, eine Lücke: Du kaufst zum Briefkurs und verkaufst zum niedrigeren Geldkurs. Die Differenz ist der Spread. Er steckt im Ausführungskurs und steht nicht als eigene Gebühr auf deiner Abrechnung.
  • 🏦 Wer daran verdient: Market Maker, Handelspartner im Direkthandel und bei Zertifikaten meist der Emittent, weil sie zu selbst gestellten Preisen kaufen und verkaufen. Im Orderbuch einer Börse entsteht der Spread dagegen aus den Aufträgen der Handelsteilnehmer.
  • 📊 Was ihn bestimmt: Viel Handel im Wertpapier und geöffnete Heimatbörsen machen den Spread eng. Wenig Umsatz, Randzeiten und starke Kursschwankungen machen ihn weit.
  • ⚠️ Kosten zusammen sehen: Der Spread kommt zur Ordergebühr hinzu. Führt dein Broker Aufträge für dich als Privatkunde aus, muss er das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt aus Kurs und Kosten ausrichten.

Was ist der Spread?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem besten Kaufkurs und dem besten Verkaufskurs eines Wertpapiers zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Deutsche Börse nennt ihn auch Geld-Brief-Spanne, im Englischen heißt er Bid-Ask-Spread. Das englische Wort spread bedeutet Spanne.

In der Ordermaske siehst du deshalb zwei Kurse:

  • Briefkurs (Ask): der niedrigste Preis, zu dem jemand verkaufen will. Zu diesem Kurs kaufst du.
  • Geldkurs (Bid): der höchste Preis, den jemand zahlen will. Zu diesem Kurs verkaufst du.

Der Briefkurs liegt über dem Geldkurs. Kaufst du ein Wertpapier und verkaufst es sofort wieder, bekommst du deshalb weniger zurück, als du bezahlt hast, auch wenn sich der Kurs nicht bewegt hat.

So berechnest du den Spread

Ein Modellbeispiel: Eine Aktie hat einen Briefkurs von 50,10 Euro und einen Geldkurs von 50,00 Euro. Der absolute Spread beträgt 0,10 Euro. Die Deutsche Börse rechnet den prozentualen Spread als (Briefkurs geteilt durch Geldkurs minus 1) mal 100, hier also 0,2 Prozent. Kaufst du 100 Stück, zahlst du 5.010 Euro. Verkaufst du sie im selben Moment wieder, erhältst du 5.000 Euro. Die 10 Euro Differenz sind der Spread, noch bevor eine Ordergebühr anfällt.

Außerhalb des Wertpapierhandels steht Spread auch für einen Zinsaufschlag. Bei Krediten ist das der Aufschlag auf einen Referenzzins, der mit sinkender Bonität des Schuldners steigt. Bei Anleihen meint Spread die Renditedifferenz zu einem risikolosen Vergleichszins gleicher Laufzeit. Dieser Eintrag erklärt den Spread beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren.

Wer verdient am Spread?

Wer am Spread verdient, hängt davon ab, wie der Kurs entsteht.

Im Orderbuch der Börse

Auf einer Börse mit offenem Orderbuch wie Xetra stehen Kauf- und Verkaufsaufträge vieler Handelsteilnehmer mit Preisgrenzen, sogenannten Limits. Der Spread ist der Abstand zwischen dem höchsten Kauflimit und dem niedrigsten Verkaufslimit. Niemand kassiert ihn als Gebühr. Er ist der Preis dafür, dass dein Auftrag sofort ausgeführt wird, statt auf einen passenden Gegenauftrag zu warten.

Beim Market Maker

Ein Market Maker ist eine Bank oder ein Wertpapierhandelshaus, das laufend Kauf- und Verkaufspreise für ein Wertpapier stellt und dabei auf eigene Rechnung mit eigenem Kapital handelt. So definiert das Wertpapierhandelsgesetz das Market-Making. Der Market Maker kauft zum Geldkurs und verkauft zum Briefkurs. Der Spread ist sein Ertrag und zugleich der Ausgleich für das Risiko, Wertpapiere auf dem eigenen Buch zu halten. Auf Xetra verpflichten sich sogenannte Designated Sponsors, dabei einen maximalen Spread und eine Mindeststückzahl einzuhalten. Jeder ETF auf Xetra wird von mindestens einem Designated Sponsor betreut.

Beim Emittenten von Zertifikaten

Bei Anlagezertifikaten und Hebelprodukten wie Optionsscheinen stellt in der Regel der Emittent selbst die Kurse, direkt oder als Market Maker an einer Börse. Laut BaFin legt er den Preis nach eigenem Ermessen fest und kann Margen, Vertriebs- und Absicherungskosten einpreisen. Zu einer fortlaufenden Kursstellung ist er nicht verpflichtet.

Was das PFOF-Verbot geändert hat

Broker in Deutschland durften bis Ende Juni 2026 Geld dafür annehmen, dass sie Aufträge ihrer Kunden an einen bestimmten Handelsplatz oder Market Maker weiterleiten. Diese Rückvergütung heißt Payment for Order Flow (PFOF). Eine EU-Verordnung verbietet sie, Deutschland hatte eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 genutzt. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot laut BaFin auch hier. Manche Broker wickeln Aufträge seitdem im Eigenhandel ab: Sie übernehmen dein Wertpapier selbst oder treten selbst als Market Maker auf. Dann kann der Spread zur Einnahmequelle deines Brokers werden. Schau deshalb bei jeder Order auf den Kurs, nicht nur auf die Ordergebühr.

Börse oder Direkthandel: was sich beim Spread unterscheidet

Beim Kauf wählst du in der Ordermaske einen Handelsplatz, an der Börse oder im Direkthandel.

An der Börse siehst du bei Handelsplätzen mit offenem Orderbuch, welche Aufträge zu welchen Kursen anstehen. Die Handelsüberwachungsstelle der Börse kontrolliert den Handel.

Im Direkthandel, auch außerbörslicher Handel genannt, handelst du mit einem Handelspartner, der dir einen Kurs nennt und selbst dein Gegenüber ist. Meist ist das ein Market Maker, der an der Spanne zwischen seinen Kursen verdient. Ein offenes Orderbuch gibt es nicht. Der Handelspartner orientiert sich an den Kursen der Börsen und bietet oft längere Handelszeiten an. Sind die Börsen geschlossen, fehlt dir aber der Vergleichskurs, und der Spread kann deutlich weiter ausfallen.

Lassen die Ausführungsgrundsätze deines Brokers Aufträge außerhalb von Handelsplätzen zu, muss er dich gesondert darauf hinweisen und deine ausdrückliche Einwilligung einholen, generell oder für jedes Geschäft (§ 82 Abs. 5 WpHG). Welche Ausführungsplätze dein Broker nutzt, steht ebenfalls in diesen Ausführungsgrundsätzen.

Wovon hängt die Höhe des Spreads ab?

Liquidität: Je mehr in einem Wertpapier gehandelt wird, desto enger ist in der Regel der Spread. Die Deutsche Börse wertet enge Spannen als Zeichen hoher Marktliquidität und niedriger Transaktionskosten. Aktien großer Unternehmen haben deshalb meist engere Spreads als Nebenwerte.

Handelszeit: Laut Deutscher Börse fallen die Spreads bei ETFs zu Beginn des Handels in der Regel höher aus. Bei ausländischen Wertpapieren zählt die Heimatbörse: Ist sie geschlossen, fehlt dem Market Maker ein aktueller Preis, und er rechnet einen höheren Risikoaufschlag ein.

Kursschwankungen: In hektischen Marktphasen steigt das Risiko für jeden, der Kurse stellt. Auf Xetra gilt für Designated Sponsors in solchen Stressphasen ein doppelt so weiter maximaler Spread. Bei außergewöhnlichen Umständen sind regulierte Market Maker auf Xetra ganz von ihrer Pflicht entbunden, Kurse zu stellen.

ETFs: Beim ETF zählt weniger, wie oft der ETF selbst gehandelt wird, sondern wie gut sich die enthaltenen Wertpapiere handeln lassen. Ein ETF mit US-Aktien hat deshalb meist engere Spreads, während die US-Börsen geöffnet sind.

Spread und Ordergebühr: die Kosten zusammen sehen

Die Ordergebühr siehst du auf der Abrechnung, den Spread nicht. Er steckt im Ausführungskurs; die Deutsche Börse spricht von impliziten Handelskosten, die nicht direkt ausgewiesen werden. Kaufst und verkaufst du die 100 Aktien aus dem Beispiel oben, kostet dich der Spread 10 Euro, dazu kommen zwei Ordergebühren. Liegen beide Ordergebühren zusammen unter 10 Euro, ist in diesem Beispiel der Spread der größere Kostenposten.

Diese Gesamtsicht schreibt auch das Gesetz vor: Führt ein Broker Aufträge von Privatkunden aus, muss sich das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt orientieren, also am Preis des Wertpapiers plus allen Kosten der Ausführung (§ 82 Abs. 3 WpHG). Ein Handelsplatz ohne Ordergebühr ist deshalb nicht automatisch günstiger, wenn dort der Kurs schlechter ist. Was Orders und Depots sonst kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten.

Setz beim Kauf ein Limit, statt „billigst" zu ordern. Mit einer Limit-Order legst du fest, wie viel du höchstens zahlst. Bei einem weiten Spread schützt dich das davor, zu einem unerwartet hohen Kurs zu kaufen.

Ob der Spread für dich ins Gewicht fällt, hängt vor allem davon ab, wie oft und was du handelst.

Der Spread wiegt leicht

  • wenn du ein viel gehandeltes Wertpapier kaufst und jahrelang hältst
  • wenn du handelst, während die Heimatbörse des Wertpapiers geöffnet ist
  • wenn du an einem Handelsplatz mit viel Umsatz handelst

Der Spread wiegt schwer

  • wenn du oft kaufst und verkaufst, denn er fällt bei jedem Geschäft an
  • bei Nebenwerten und Zertifikaten mit wenig Umsatz
  • wenn du in Randzeiten handelst und kein Vergleichskurs da ist

Ein Sonderfall ist der Kauf von Fondsanteilen direkt über die Fondsgesellschaft. Dort gibt es keinen fortlaufenden Börsenkurs mit Spread, sondern einmal täglich einen festgesetzten Ausgabe- und Rücknahmepreis. Kosten entstehen dann etwa über einen möglichen Ausgabeaufschlag, den der Fonds in seinen Unterlagen ausweist.

Spread bei CFDs

Bei CFDs, also Differenzkontrakten, fällt der Spread bei jedem Kauf und Verkauf an. CFDs werden laut BaFin außerbörslich angeboten, der Anbieter stellt die Kurse selbst. Sein Spread kann einen Aufschlag auf die Marktpreise enthalten, die er von einem Liquiditätsgeber bezieht. Welche Kosten beim CFD-Handel sonst anfallen, zeigen die CFD-Gebühren im Überblick.

CFDs sind komplexe Instrumente und beinhalten wegen der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. Anbieter müssen in ihrer Risikowarnung angeben, wie viel Prozent ihrer Kleinanlegerkonten beim CFD-Handel Geld verlieren.

Fazit: der Preis für den sofortigen Handel

Unsere Einschätzung: Der Spread ist der Preis dafür, dass du jederzeit kaufen und verkaufen kannst. Teuer wird er, wenn du ihn übersiehst: bei häufigem Handeln, bei wenig gehandelten Wertpapieren und in Randzeiten. Mein Tipp: Vergleiche vor jeder Order Geld- und Briefkurs an zwei Handelsplätzen, handle, wenn die Heimatbörse geöffnet ist, und setz ein Limit. Welches Depot zu deinem Handelsverhalten passt, zeigt der Depot-Vergleich.

Häufige Fragen zum Spread

Wie hoch ist ein guter Spread?

Einen festen Grenzwert gibt es nicht, weil der Spread vom Wertpapier, vom Handelsplatz und von der Uhrzeit abhängt. Als Maßstab taugt der Spread desselben Wertpapiers an einem Handelsplatz mit viel Umsatz, während die Heimatbörse geöffnet ist. Ist der Spread an deinem Handelsplatz deutlich weiter, lohnt ein anderer Handelsplatz oder ein anderer Zeitpunkt. Rechne ihn in Prozent um, dann kannst du ihn direkt mit deiner Ordergebühr vergleichen.

Was sind Spread-Gebühren?

Spread-Gebühren sind keine Gebühr, die als eigene Position auf deiner Abrechnung steht. Gemeint sind die Kosten, die durch den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs entstehen. Sie stecken im Ausführungskurs. Bei CFDs fallen sie bei jedem Kauf und Verkauf an und gehören zu den wichtigsten Kostenposten.

Was ist der Spread bei ETFs?

Beim ETF ist der Spread die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du Anteile kaufst, und dem Kurs, zu dem du sie verkaufst. Auf Xetra stellt für jeden ETF mindestens ein Designated Sponsor verbindliche Kurse. Wie eng der Spread ist, hängt vor allem davon ab, wie liquide die enthaltenen Wertpapiere sind und ob deren Börsen gerade geöffnet sind. Mehr zum Einstieg liest du im Ratgeber ETF für Anfänger.

Ist der Spread gut oder schlecht?

Der Spread ist ein Kostenfaktor, den du kaum vermeiden, aber beeinflussen kannst. Ein enger Spread ist für dich günstiger und zeigt, dass viel gehandelt wird. Ein weiter Spread zeigt wenig Handel oder hohe Unsicherheit und macht jeden Kauf und Verkauf teurer. Für Market Maker ist er der Ausgleich dafür, dass sie jederzeit handelbare Kurse stellen.

Quellen: Deutsche Börse (Börsenlexikon „Spread", Designated Sponsor Guide vom 10.11.2025, Market-Maker-Regeln Xetra, ETF-Liquiditätsanalyse); §§ 2, 82 Wertpapierhandelsgesetz; § 1 Kreditwesengesetz; Verordnung (EU) 2024/791 (Art. 39a MiFIR); BaFin, Aufsichtsmitteilung 05/2026 vom 22.07.2026 und Verbraucherinformation zum PFOF-Verbot; BaFin, Fachartikel zum Market Making vom 16.01.2019, FAQ zur Preisstellung bei Zertifikaten und Allgemeinverfügung zu CFD vom 23.07.2019; Gabler Wirtschaftslexikon. Stand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlageberatung.

Synonyme

Geld-Brief-SpanneGeld-Brief-SpreadHandelsspanneBid-Ask-SpreadSpanne