
ETF-Boom in Deutschland: Frauen und Kinder treiben das Depot-Wachstum
Exchange Traded Funds (ETF), also börsengehandelte Indexfonds, sind endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Laut aktuellen Zahlen der ING vom Mai 2026 hat sich die Zahl der Depotkunden mit mindestens einem ETF seit 2022 auf rund 1,8 Millionen verdoppelt. Auffällig ist vor allem, wer den Trend trägt: Anlegerinnen und Minderjährige legen prozentual am stärksten zu.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
Die ING ist mit über neun Millionen Kundinnen und Kunden eine der größten Direktbanken Deutschlands. Ihre Auswertung gibt damit einen guten Hinweis auf den Gesamtmarkt. Diese Zahlen stechen heraus (Stand: Mai 2026):
| Kennzahl | 2022 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Depotkunden mit mindestens einem ETF | 922.000 | 1,8 Mio. | +95 % |
| Aktive ETF-Anleger (Käufe Jan.–März) | 629.000 | 1,3 Mio. | mehr als verdoppelt |
| davon Anlegerinnen | 245.000 | 581.000 | +137 % |
| Minderjährige (unter 18 Jahren) | 55.000 | 221.000 | +302 % |
Quelle: ING Deutschland, Auswertung Mai 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Wichtig zur Einordnung: Die 1,8 Millionen beziehen sich auf alle Depots, in denen mindestens ein ETF liegt. Die Zahl der aktiv kaufenden ETF-Anleger liegt mit 1,3 Millionen etwas niedriger, hat sich seit 2022 aber ebenfalls mehr als verdoppelt. Die starken Zuwächse bei Frauen und Jugendlichen beziehen sich auf diese aktiven Anleger.
Was hinter den Zahlen steckt
Der Zuwachs bei den Anlegerinnen ist mit 137 Prozent deutlich höher als bei den Männern, die im selben Zeitraum um 96 Prozent zulegten. Damit schließt sich die Lücke langsam, auch wenn Männer in absoluten Zahlen weiterhin vorne liegen. Bei den unter 18-Jährigen hat sich die Zahl der ETF-Anleger fast vervierfacht. Im Schnitt besparen sie ihr Depot mit 87 Euro im Monat.
Laut der Capitalo-Analyse wirken hier zwei Faktoren zusammen: ein wachsendes Bewusstsein für den eigenen Vermögensaufbau und niedrige Einstiegshürden. ETF-Sparpläne sind bei vielen Anbietern bereits ab einem Euro im Monat möglich und lassen sich automatisiert ausführen. Wer einmal eingerichtet hat, muss sich um nichts mehr kümmern.
Allerdings bleibt Luft nach oben: Bundesweit besitzen laut Deutschem Aktieninstitut rund neun Millionen Menschen Anteile an Aktienfonds oder ETFs (Stand 2025). Langfristiges Investieren ist also längst kein Nischenthema mehr, aber auch noch nicht der Standard.
Die Frühstartrente als möglicher Treiber
Ein Grund für das wachsende Interesse an Kinderdepots ist die geplante Frühstartrente, eine kapitalmarktbasierte Altersvorsorge für Kinder. Sie rückt das Thema frühzeitige Vorsorge zusätzlich in den Fokus vieler Familien.
Frühstartrente – das ist bisher bekannt: Pro Kind zwischen 6 und 18 Jahren soll der Staat 10 Euro im Monat in ein privates Altersvorsorgedepot einzahlen, über maximal zwölf Jahre also bis zu 1.440 Euro. Stand heute sind allerdings nur die Eckpunkte beschlossen (Bundeskabinett, Dezember 2025). Das Gesetz steht noch aus, der tatsächliche Start wird voraussichtlich 2027 erfolgen, beginnend mit dem Geburtsjahrgang 2020.
Es bleibt abzuwarten, wie die Förderung am Ende konkret ausgestaltet wird. Klar ist aber schon jetzt: Das Thema Vorsorge für die nächste Generation gewinnt an Aufmerksamkeit, und ein ETF-Sparplan im Kinderdepot ist dafür ein naheliegender Baustein.
Einordnung im Depot-Markt
Der Trend zeigt sich nicht nur bei der ING. Branchenweit ist die Zahl der ausgeführten ETF-Sparpläne laut extraETF bis Ende 2024 auf rund 9,5 Millionen pro Monat gestiegen, für 2026 wird die Marke von 20 Millionen erwartet. Der Wettbewerb der Anbieter sorgt dabei für sinkende Kosten.
Im Capitalo-Vergleich bieten Direktbanken und Neobroker wie ING, Trade Republic, Scalable Capital, Consorsbank und comdirect ETF-Sparpläne überwiegend kostenlos und ab einem Euro Sparrate an. Das ING Direkt-Depot erreicht im Capitalo Score 4,5 von 5 Sternen und das Label „Sehr gut" – unter anderem wegen der kostenfreien Depotführung und der gebührenfreien Sparpläne.
Hingegen lohnt sich der genaue Blick auf die Details: Bei der einmaligen ETF-Order und bei den sparplanfähigen Fonds unterscheiden sich die Anbieter teils deutlich. Wer viel handelt, sollte andere Schwerpunkte setzen als jemand, der nur monatlich automatisiert bespart.
Was das für dich bedeutet
Ob für dich selbst oder für deine Kinder: Entscheidend sind niedrige Ordergebühren, kostenlose Sparplanausführungen und eine kostenfreie Depotführung. Genau hier lohnt sich der Vergleich, weil schon kleine Gebührenunterschiede über lange Laufzeiten ins Gewicht fallen. Ein ETF-Sparplan passt zu dir, wenn du regelmäßig und automatisiert investieren möchtest, ohne den Markt ständig beobachten zu müssen.
Fazit
Der ETF-Boom in Deutschland ist breiter geworden: Frauen und junge Sparer holen kräftig auf, und das Kinderdepot entwickelt sich vom Randthema zum Trend. Die geplante Frühstartrente dürfte diese Entwicklung weiter befeuern, auch wenn die Details noch offen sind. Für den Einstieg zählt am Ende vor allem eines: ein günstiges Depot mit kostenlosen Sparplänen.
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Stand: Juni 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.