Kurz und knapp:
Wenn du heute eine Baufinanzierung abschließt, sicherst du dir einen Zinssatz für 10 Jahre. Was aber machst du danach? Bei aktuellen Effektivzinsen von 3,65 – 4,20 % für eine 10-jährige Sollzinsbindung (Stand: Mai 2026) ist die Anschlussfinanzierung in 2036 ein offenes Spielfeld — und genau hier kommt der Bausparvertrag ins Spiel.
Bausparen ist keine Geldanlage im klassischen Sinn. Es ist ein Werkzeug, mit dem du dir einen niedrigen Darlehenszins für die Zukunft sicherst. Ob das für dich lohnt, hängt von zwei Faktoren ab: deinem Einkommen (wegen der staatlichen Förderung) und deiner Lebensplanung in den nächsten 7–15 Jahren. In diesem Artikel bekommst du die Funktionsweise, alle Förderungen mit konkreten Beträgen, eine ehrliche Pro/Contra-Übersicht und ein Rechenbeispiel für die Anschluss-Sicherung. Wenn du noch ganz am Anfang stehst, lohnt sich vorher ein Blick auf die Baufinanzierung im Überblick.
Grundsätzlich gilt: Beim Bausparen sparst du gemeinsam mit einem Kollektiv anderer Bausparer ein Guthaben an, aus dem die Bausparkasse später Darlehen auszahlt. Das Prinzip ist über 100 Jahre alt — heute sind in Deutschland rund 24 Millionen Bausparverträge aktiv (Quelle: Verband der Privaten Bausparkassen).
Drei Akteure stehen sich gegenüber:
Die größten Anbieter in Deutschland sind Bausparkasse Schwäbisch Hall (Marktführer), Wüstenrot, die Landesbausparkassen (LBS), Bausparkasse Mainz, Debeka Bausparkasse und Alte Leipziger Bauspar. Welcher Tarif zu dir passt, hängt von Sparrate, Bausparsumme und gewünschter Zuteilungszeit ab — Stiftung Warentest veröffentlicht laufend Vergleiche der Tarifklassen.
Wichtig zu wissen: Bausparkassen unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) bis 100.000 EUR pro Kunde und Bausparkasse. Dein Guthaben ist also regulär abgesichert.
Ein Bausparvertrag läuft in drei klar getrennten Etappen ab — und genau diese Trennung macht ihn besonders.
Phase 1 — Sparphase (5 bis 10 Jahre). Du zahlst monatlich oder unregelmäßig in den Vertrag ein. Der Guthabenzins ist niedrig, typischerweise zwischen 0,1 und 1,0 % p.a. — abhängig vom Tarif. Ziel ist, das Mindestguthaben (meist 30–50 % der Bausparsumme) zu erreichen und gleichzeitig eine ausreichende Bewertungszahl anzusammeln. Die Bewertungszahl bestimmt deine Position in der Zuteilungswarteschlange.
Phase 2 — Zuteilung. Sobald Mindestguthaben und Bewertungszahl erreicht sind, ist dein Vertrag »zuteilungsreif«. Jetzt entscheidest du:
Phase 3 — Darlehensphase (8 bis 15 Jahre). Wenn du das Bauspardarlehen abrufst, gilt der Darlehenszins, den die Bausparkasse schon bei Vertragsabschluss zugesichert hat. Typische Effektivzinsen für Bauspardarlehen liegen laut Stiftung Warentest bei 2,5 – 3,5 %, je nach Tarifklasse. Die Tilgung läuft deutlich schneller als beim klassischen Annuitätendarlehen, und Sondertilgungen sind nach Bausparkassengesetz jederzeit kostenlos möglich.
Hier gibt es einen entscheidenden Faktor, den viele übersehen: Bausparen lebt zu großen Teilen von der staatlichen Förderung. Wer die Förderung nicht mitnimmt, bekommt von der Sparphase fast nur niedrige Guthabenzinsen.
| Förderung | Höhe | Begünstigte Sparleistung | Einkommensgrenze (zvE) | Maximum/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Wohnungsbauprämie (WoPG) | 10 % | bis 700 EUR (Ledige) / 1.400 EUR (Verheiratete) | 35.000 EUR / 70.000 EUR | 70 EUR / 140 EUR |
| Arbeitnehmer-Sparzulage (5. VermBG) | 9,0 % | bis 470 EUR VL pro Jahr | 40.000 EUR / 80.000 EUR | 42,30 EUR |
| Wohn-Riester | bis 175 EUR Grundzulage + Kinderzulagen | 4 % des Vorjahreseinkommens (max. 2.100 EUR/Jahr inkl. Zulage) | keine | individuell |
Quellen: Wohnungsbauprämiengesetz (§ 2a), 5. Vermögensbildungsgesetz (§ 13), Eigenheimrentengesetz/EStG. Stand: Mai 2026.
Wohnungsbauprämie: Die Prämie wird jedes Jahr beantragt, ausgezahlt aber erst bei wohnungswirtschaftlicher Verwendung — also wenn du das Geld tatsächlich für eine Immobilie einsetzt. Bei freier Verwendung verfällt die Prämie. Daher gilt: Nur wer ernsthaft plant zu bauen, zu kaufen oder zu modernisieren, sollte sie als Renditefaktor einrechnen.
Arbeitnehmer-Sparzulage: Voraussetzung sind vermögenswirksame Leistungen (VL) deines Arbeitgebers — viele Tarifverträge sehen 6,65 – 40 EUR pro Monat vor. Wer 470 EUR pro Jahr in einen Bausparvertrag einlegt, bekommt 42,30 EUR Sparzulage zusätzlich. Die Einkommensgrenzen wurden zum Veranlagungszeitraum 2024 deutlich angehoben — vorher lagen sie bei 17.900 / 35.800 EUR.
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an — und zwar genau auf zwei Bedingungen.
Bedingung 1 — Zinserwartung. Wer mit weiter steigenden oder volatilen Bauzinsen rechnet, sichert sich mit Bausparen heute eine Kalkulationsgrundlage für 2032 bis 2036. Bei aktuellen Bauzinsen von 3,65 – 4,20 % effektiv (Mai 2026, 10 Jahre Sollzinsbindung) liegt der spätere Bauspardarlehenszins bei typisch 2,5 – 3,5 % — du gewinnst also bei stabilen oder steigenden Zinsen, verlierst aber bei stark fallenden Zinsen.
Bedingung 2 — Konkrete Verwendung. Bausparen ohne wohnungswirtschaftliche Verwendung verliert die Förderung — und damit den Großteil der Rendite. Wer nicht ernsthaft plant zu bauen, zu kaufen oder eine Anschlussfinanzierung zu brauchen, sollte ETFs, Tagesgeld oder andere Anlageformen prüfen.
Stell dir folgende Situation vor: Du finanzierst 2026 eine Immobilie mit 350.000 EUR Darlehen, 10 Jahren Sollzinsbindung und einem Effektivzins von 3,80 %. Bei 2 % Tilgung liegt deine Restschuld nach 10 Jahren bei rund 260.000 EUR — etwa 75 % der ursprünglichen Darlehenssumme. 2036 brauchst du also eine Anschlussfinanzierung — und niemand weiß heute, wo die Bauzinsen 2036 stehen werden.
Die Bauspar-Lösung: Heute schließt du parallel zur Erstfinanzierung einen Bausparvertrag ab — Bausparsumme 80.000 – 100.000 EUR, Sparbeitrag 200–300 EUR pro Monat. In 10 Jahren ist die Bausparsumme zuteilungsreif, dein Bauspardarlehen aktiviert sich mit dem 2026 zugesicherten Zinssatz von typisch 2,5 – 3,5 %. Du nutzt das Bauspardarlehen, um einen Teil der 260.000 EUR Restschuld abzulösen — der Rest läuft als reguläre Anschlussfinanzierung zum dann gültigen Marktzins.
Vergleich mit dem Forward-Darlehen. Ein Forward-Darlehen sichert dir den Zins typisch maximal 5,5 Jahre vorab — gegen einen Zinsaufschlag (»Forward-Aufschlag«). Bausparen sichert dir den Zins 7–15 Jahre vorab — kostet dich aber Abschlussgebühr, Sparphase mit niedrigem Guthabenzins und Bindung. Welcher Weg passt, hängt vom Vorlauf bis zur Anschlussfinanzierung ab. Wer noch 8+ Jahre hat, profitiert von Bausparen. Wer 1–5 Jahre Vorlauf hat, sollte das Forward-Darlehen prüfen.
Diese Beispielrechnung ist illustrativ. Konkrete Tarife, Bewertungszahlen und Darlehenszinsen sind individuell mit der Bausparkasse und gegebenenfalls einem Vermittler zu klären.
Ein Bausparvertrag ist ein Sparvertrag mit Anspruch auf ein zinsgesichertes Baudarlehen in der Zukunft. Du sparst Guthaben an, bekommst staatliche Förderung und kannst nach Zuteilung ein Bauspardarlehen zum heute schon festgelegten Zinssatz abrufen.
10 % auf bis zu 700 EUR Sparleistung pro Jahr (Ledige) bzw. 1.400 EUR (Verheiratete). Maximal also 70 EUR bzw. 140 EUR pro Jahr — bei einem zu versteuernden Einkommen unter 35.000 EUR (Ledige) bzw. 70.000 EUR (Verheiratete).
Sobald du das Mindestguthaben (meist 30–50 % der Bausparsumme) angespart hast und die geforderte Bewertungszahl erreicht ist — typischerweise nach 5–10 Jahren, abhängig von Sparrate und Tarif.
Typischerweise 1,0 – 1,6 % der Bausparsumme, sofort fällig. Bei 100.000 EUR Bausparsumme also 1.000 – 1.600 EUR. Bei vorzeitiger Kündigung wird die Gebühr in der Regel nicht erstattet (Quelle: Verbraucherzentrale).
Direkt absetzen kannst du Bausparbeiträge nicht. Die Förderung läuft über Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmer-Sparzulage und gegebenenfalls Wohn-Riester. Bei Wohn-Riester werden die geförderten Beträge in der Rentenphase nachgelagert besteuert.
Es gibt nicht »die beste« Bausparkasse — passende Tarife hängen von Sparrate, Zielzeit und Bausparsumme ab. Stiftung Warentest veröffentlicht laufend Vergleiche der Tarifklassen. Capitalo führt aktuell keinen direkten Bausparkassen-Vergleich.
Du bekommst dein Guthaben plus Guthabenzinsen zurück, verlierst aber die Abschlussgebühr und in der Regel die Wohnungsbauprämie (weil keine wohnungswirtschaftliche Verwendung erfolgt).
Ja, wenn dein Vorlauf 7+ Jahre beträgt und dein Einkommen unter den Förderungsgrenzen liegt. Bei kürzerem Vorlauf von 1–5 Jahren ist meist ein Forward-Darlehen die bessere Wahl.