Margin
Margin ist die Sicherheitsleistung für gehebelte Positionen. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, was die BaFin vorschreibt und wo der Schutz aufhört.
Das musst du über Margin wissen
- 🔒 Sicherheitsleistung, keine Gebühr: Die Margin bleibt dein Geld. Sie wird auf deinem Handelskonto blockiert und wieder freigegeben, sobald du die Position schließt.
- ⚖️ Feste Untergrenzen bei CFD: Bietet ein Anbieter Privatanlegern in Deutschland CFD an, muss er je nach Basiswert zwischen 3,33 und 50 Prozent des Positionswerts als Ersteinschuss verlangen.
- 📉 Automatische Glattstellung: Der Anbieter muss deine CFD-Positionen schließen, sobald dein Kontoguthaben zusammen mit den unrealisierten Nettogewinnen unter die Hälfte der insgesamt geforderten Initial Margin fällt.
- ⚠️ Der Schutz hat eine Grenze: Futures, Optionen und Swaps sind von diesen Regeln ausdrücklich ausgenommen. Dort kannst du weiterhin mehr verlieren, als auf deinem Konto liegt.
Im Handelsfenster steht neben der Position ein Feld namens Margin, mit einer Zahl weit unter dem Positionswert. Die naheliegende Vermutung: eine Gebühr oder eine Anzahlung. Beides trifft nicht zu.
Was versteht man unter Margin?
Margin ist der Betrag, den du beim Broker als Sicherheit hinterlegen musst, um eine gehebelte Position zu eröffnen und offen zu halten. Das Geld wird nicht abgebucht, sondern gesperrt. Du bleibst Eigentümer, kannst aber nicht darüber verfügen, solange die Position läuft.
Weil du nur einen Bruchteil des Positionswerts hinterlegst, bewegt sich deine Position stärker, als dein eingesetztes Kapital es allein täte. Diese Hebelwirkung ist keine Zusatzfunktion, sondern die direkte Folge der Margin-Konstruktion. Sie wirkt in beide Richtungen gleich stark.
Nicht jedes Wertpapiergeschäft braucht eine Margin. Kaufst du eine Aktie, einen ETF oder eine Kryptowährung direkt und ohne Hebel, zahlst du den vollen Preis und hinterlegst keine Sicherheitsleistung. Margin betrifft nur Geschäfte, bei denen du mit mehr Geld agierst, als du einsetzt.
Initial Margin, Variation Margin und der US-Begriff Maintenance Margin
Drei Begriffe werden rund um Margin regelmäßig vermischt. Sie bedeuten Verschiedenes und stammen teils aus verschiedenen Rechtsräumen.
Initial Margin ist der Ersteinschuss. Sie ist der Betrag, den du hinterlegen musst, um eine Position überhaupt zu eröffnen. Provisionen und Transaktionsgebühren zählen ausdrücklich nicht dazu.
Variation Margin ist der laufende Gewinn- und Verlustausgleich. An der Terminbörse werden offene Positionen börsentäglich neu bewertet, und die Differenz wird in bar ausgeglichen: Wer im Minus steht, zahlt, wer im Plus steht, bekommt gutgeschrieben. Eurex Clearing führt diesen Ausgleich als zentrale Gegenpartei durch und berechnet die Anforderungen fortlaufend, nicht nur zum Handelsschluss.
Maintenance Margin ist der Begriff, bei dem es unsauber wird. Er bezeichnet die Schwelle, unter die das Kontoguthaben nicht fallen darf, und stammt aus der US-Regulierung: FINRA Rule 4210 trägt ihn als Überschrift eines eigenen Abschnitts. Das Regelwerk von Eurex Clearing kennt ihn nicht. Dort heißen die Margin-Arten Current Liquidating Margin, Premium Margin, Spread Margin, Additional Margin, Initial Margin und Variation Margin.
Für dich hat das eine praktische Folge: Handelst du über einen US-Broker, gelten US-Margin-Regeln und der Begriff Maintenance Margin ist korrekt. Handelst du an einer europäischen Terminbörse, ist er es nicht. Viele deutschsprachige Erklärtexte übernehmen die US-Systematik trotzdem unkommentiert.
Welche Margin die BaFin für CFD vorschreibt
Bei Differenzkontrakten, kurz CFD, ist die Mindest-Margin nicht dem Anbieter überlassen. Die BaFin hat am 23. Juli 2019 eine Allgemeinverfügung erlassen, gestützt auf Artikel 42 der europäischen Finanzmarktverordnung MiFIR. Sie gilt seit dem 1. August 2019 und ersetzt eine frühere Verfügung vom 8. Mai 2017.
Davor galten dieselben Grenzen als befristete Maßnahme der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA. Diese Maßnahme ist ausgelaufen. Wer heute schreibt, in Deutschland gälten ESMA-Hebelgrenzen, nennt die falsche Rechtsgrundlage. Die Regeln kommen von der BaFin, auch wenn sie inhaltlich der früheren europäischen Vorgabe entsprechen.
Die Verfügung legt fest, wie viel Prozent des Positionswerts ein Privatanleger mindestens hinterlegen muss:
| Basiswert | Mindest-Initial-Margin | Entspricht einem Hebel von |
|---|---|---|
| Währungspaar aus zwei der Währungen US-Dollar, Euro, Yen, Pfund Sterling, kanadischer Dollar, Schweizer Franken | 3,33 % | rund 30:1 |
| Zehn namentlich genannte Aktienindizes (unter anderem DAX 30, EURO STOXX 50, S&P 500, Nikkei 225), Währungspaare mit einer weiteren Währung, Gold | 5 % | 20:1 |
| Andere Rohstoffe und andere Aktienindizes | 10 % | 10:1 |
| Einzelaktien und alle nicht gesondert aufgeführten Basiswerte | 20 % | 5:1 |
| Kryptowährungen | 50 % | 2:1 |
Mindest-Initial-Margin nach dem Tenor der BaFin-Allgemeinverfügung bezüglich Differenzgeschäften vom 23.07.2019. Stand: September 2026.
Die Hebelangabe in der dritten Spalte steht so nicht in der Verfügung. Sie ist der Kehrwert des Margin-Satzes: Ein Hebel ergibt sich aus 1 geteilt durch den Margin-Satz. Bei 5 Prozent sind das exakt 20, bei 3,33 Prozent rechnerisch 30,03, weshalb dort rund 30:1 steht und nicht glatt 30:1.
Der Krypto-Satz ist der strengste. Bei 50 Prozent musst du die Hälfte des Positionswerts hinterlegen, der Hebel ist auf 2:1 gedeckelt. Wer Kryptowährungen ohne Hebel halten will, kauft sie direkt und braucht überhaupt keine Margin.
Margin Call und automatische Glattstellung
Läuft der Kurs gegen dich, schrumpft dein Guthaben. Ein Margin Call ist die Aufforderung des Anbieters, Geld nachzuschießen oder Positionen zu verkleinern, bevor es zur Zwangsschließung kommt.
Bei CFD an Privatanleger ist die Schwelle dafür nicht verhandelbar. Der Anbieter muss eine oder mehrere offene Positionen zu den für dich günstigsten Bedingungen schließen, sobald die Summe aus dem Guthaben auf dem CFD-Handelskonto und den unrealisierten Nettogewinnen aller offenen Positionen unter die Hälfte der insgesamt geforderten Initial Margin fällt.
Beide Größen zählen zusammen. Ein Konto mit wenig Guthaben, aber hohen unrealisierten Gewinnen aus anderen Positionen kann über der Schwelle bleiben; umgekehrt reicht ein hohes Guthaben nicht, wenn die offenen Positionen tief im Minus stehen.
Dazu kommt der Negativsaldoschutz. Er begrenzt deine gesamte Haftung aus allen CFD eines Handelskontos auf die Gelder, die auf diesem Konto liegen. Eine Nachschusspflicht über das Kontoguthaben hinaus ist bei CFD an Privatanleger damit ausgeschlossen. Wie sich die konkrete Margin für eine einzelne Position berechnet, zeigt unser Ratgeber zu Hebel und Margin bei CFD.
Wo der Schutz aufhört: Futures und Optionen
Das ist der Punkt, den die meisten Erklärtexte auslassen. Hebelgrenze, Glattstellungsschutz und Negativsaldoschutz gelten für CFD. Für andere Hebelprodukte gelten sie nicht.
Die Verfügung definiert CFD ausdrücklich als Derivat mit Ausnahme von Optionen, Terminkontrakten, Swaps und außerbörslichen Zinstermingeschäften. Diese vier Produktgruppen sind von der Beschränkung ausgenommen. Sie sind deshalb nicht harmloser, sondern schlicht anders reguliert.
An der Terminbörse bestimmt die Clearingstelle die Sicherheitsleistung, nicht eine Aufsichtsbehörde mit festen Prozentsätzen. Und die tägliche Variation Margin ist dort genau das, was der Negativsaldoschutz bei CFD verhindert: eine echte Zahlungspflicht. Wer eine Futures-Position hält, die gegen ihn läuft, muss den Verlust börsentäglich in bar ausgleichen, unabhängig davon, wie viel er ursprünglich eingezahlt hat.
Der Wechsel vom CFD-Konto zum Terminbörsenkonto ist damit kein Formatwechsel, sondern ein Wechsel des Schutzniveaus.
Margin ist kein Wertpapierkredit
Margin und Wertpapierkredit werden oft in einen Topf geworfen, weil beide Hebelwirkung erzeugen. Rechtlich und wirtschaftlich sind sie verschieden.
Beim Wertpapierkredit, auch Lombardkredit genannt, leiht dir die Bank Geld und nimmt dein Depot als Sicherheit. Du schuldest die Kreditsumme und zahlst darauf Sollzinsen. Die Wertpapiere bleiben dein Eigentum, sind aber verpfändet.
Bei der Margin leihst du dir nichts. Du hinterlegst eigenes Geld als Sicherheit für eine Verpflichtung, die du eingegangen bist. Es gibt keine Kreditsumme und keinen Zins auf die Margin selbst.
Kostenlos ist der Hebel deswegen nicht. Er wird über andere Posten bezahlt: über die Geld-Brief-Spanne, den Spread, und bei über Nacht gehaltenen Positionen über Finanzierungskosten. Diese Haltekosten fallen unabhängig davon an, ob deine Position im Plus oder im Minus steht.
Wann Margin dich schützt und wann nicht
Margin wirkt für dich, wenn
- du bei CFD handelst und Privatanleger bist, denn dann greifen Hebelgrenze, Glattstellungsschwelle und Negativsaldoschutz automatisch
- du den Ersteinschuss als Risikomaß liest: Ein hoher geforderter Margin-Satz signalisiert einen schwankungsanfälligen Basiswert
- deine Position groß genug bleibt, dass die Glattstellung greift, bevor das gesamte Guthaben aufgebraucht ist
Margin schützt dich nicht, wenn
- du Futures, Optionen oder Swaps handelst, denn diese sind von den CFD-Regeln ausgenommen
- du als professioneller Kunde eingestuft bist, denn die Regeln gelten für Privatanleger
- der Kurs springt, statt zu laufen: Bei einer Kurslücke gibt es zwischen zwei Preisniveaus keinen handelbaren Kurs
Den letzten Punkt unterschätzen Anleger am häufigsten. Springt der Kurs nach einer Nachricht auf ein weit entferntes Niveau, kann der Anbieter erst zum nächsten verfügbaren Kurs schließen, nicht an der Glattstellungsschwelle. Der Negativsaldoschutz greift trotzdem und begrenzt den Verlust auf das Kontoguthaben, die Schwelle selbst hält aber nicht. Wie stark Kurse dabei abweichen, beschreibt der Begriff Slippage.
Rechne bei jeder gehebelten Position damit, dass die hinterlegte Margin vollständig verloren geht, und setze nur Geld ein, dessen Verlust dein Budget nicht trifft.
Fazit
An der Margin liest du das Risiko einer gehebelten Position ab, bevor du sie eröffnest. Je kleiner der Ersteinschuss, desto weniger Kursbewegung zehrt dein Kapital auf: Ein CFD auf ein Währungspaar mit 3,33 Prozent Margin ist bei gleicher Positionsgröße weit empfindlicher als einer auf eine Einzelaktie mit 20 Prozent.
Prüfe vor dem ersten Hebelgeschäft zwei Dinge: den Margin-Satz deines Basiswerts und ob das Produkt überhaupt unter die CFD-Regeln fällt. Bei Futures und Optionen fehlt der Negativsaldoschutz, und damit verschiebt sich das Risiko von begrenzt auf unbegrenzt.
Häufige Fragen zu Margin
Margin ist die Sicherheitsleistung, die du beim Broker hinterlegen musst, um eine gehebelte Position zu eröffnen und offen zu halten. Sie ist keine Gebühr: Das Geld bleibt deines und wird lediglich blockiert, bis du die Position schließt. Weil du nur einen Bruchteil des Positionswerts hinterlegst, entsteht die Hebelwirkung.
Ist Margin Gewinn?Nein, das sind zwei verschiedene Bedeutungen desselben englischen Worts. Im Wertpapierhandel meint Margin die Sicherheitsleistung. Im kaufmännischen Sprachgebrauch meint das englische margin die Marge, also die Spanne zwischen Erlös und Kosten. Wenn in einem Geschäftsbericht von margin die Rede ist, geht es um Rentabilität, nicht um Sicherheitsleistungen.
Wie berechnet sich die Margin?Die Margin ist ein Prozentsatz des Positionswerts, nicht deines Kontoguthabens. Du multiplizierst also den Wert der Position mit dem Margin-Satz des jeweiligen Basiswerts. Umgekehrt ergibt sich der Hebel aus 1 geteilt durch den Margin-Satz: 5 Prozent Margin entsprechen einem Hebel von 20:1. Den vollständigen Rechenweg mit Beispiel findest du in unserem Ratgeber zu Hebel und Margin bei CFD.
Was bedeutet "gross margin" auf Deutsch?Gross margin heißt Bruttomarge oder Rohertragsmarge und ist eine Kennzahl der Unternehmensanalyse. Sie beschreibt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt. Mit der Margin im Wertpapierhandel hat der Begriff nichts zu tun, außer dem gemeinsamen englischen Wortstamm.
Stand: September 2026. Rechtsgrundlage: Allgemeinverfügung der BaFin bezüglich Differenzgeschäften vom 23.07.2019 nach Art. 42 MiFIR und die zugehörigen BaFin-Leitlinien; Produktinterventionsbeschlüsse der ESMA (ESMA35-43-1135); Clearing-Bedingungen und Margining-Verfahren der Eurex Clearing AG; FINRA Rule 4210. Abgerufen am 16.09.2026.