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Kündigungsgeld: Was ist das und für wen lohnt es sich?
Geldanlagen

Kündigungsgeld: Was ist das und für wen lohnt es sich?

Kündigungsgeld zahlt mehr Zinsen als Tagesgeld, ist aber flexibler als Festgeld. So funktioniert die Mischform und wann sie sich rechnet.

Alexander SengerAlexander Senger
|
26. Mai 2026

Das musst du über Kündigungsgeld wissen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 💰 Mehr Zins als Tagesgeld: Aktuell rund 2,00–2,65 % p. a. bei 30 bis 90 Tagen Kündigungsfrist, deutlich über dem Tagesgeld-Marktdurchschnitt von 1,25–1,75 %
  • ⏱️ Flexibler als Festgeld: Kein fixes Laufzeitende — du kündigst nur, wenn du das Geld wirklich brauchst
  • 🔁 Variabler Zins: Die Bank darf den Satz jederzeit anpassen, nach oben wie nach unten
  • ✅ Gesetzlich gesichert: 100.000 EUR pro Bank und Person durch die harmonisierte EU-Einlagensicherung

Tagesgeld ist täglich verfügbar, zahlt aber wenig. Festgeld zahlt mehr, sperrt dein Geld aber für Jahre. Dazwischen gibt es eine dritte Option, die viele Sparer übersehen: das Kündigungsgeld. Du bekommst einen spürbaren Zinsaufschlag und behältst dabei eine planbare Flexibilität — vorausgesetzt, du weisst, wie das Konstrukt funktioniert und welche Fallstricke es gibt.

Was ist Kündigungsgeld?

Kündigungsgeld ist eine Termineinlage mit vereinbarter Kündigungsfrist, aber ohne festes Laufzeitende. Du legst dein Geld bei einer Bank an und vereinbarst beim Abschluss eine Frist — typisch sind 30, 60, 90 oder 180 Tage, möglich sind Fristen von wenigen Tagen bis zu 366 Tagen. Solange du nicht kündigst, bleibt das Kapital angelegt und wird verzinst. Sobald du das Geld brauchst, kündigst du, lässt die Frist laufen — und am Tag nach Fristablauf wird der Betrag auf dein Referenzkonto überwiesen.

Andere Namen für dasselbe Produkt: Kündigungsgeldkonto, Flexgeld (vor allem bei Volksbanken), Notice Account (englischsprachiger Begriff) oder allgemein Termingeld.

Im Gegensatz zum Tagesgeldkonto, das täglich verfügbar ist, akzeptierst du beim Kündigungsgeld eine Wartezeit zwischen Kündigung und Auszahlung. Im Gegenzug bekommst du einen höheren Zinssatz. Im Gegensatz zum Festgeld kannst du jederzeit kündigen — du musst nicht warten, bis eine fixe Laufzeit von 6, 12 oder 36 Monaten abgelaufen ist.

Wie funktioniert Kündigungsgeld?

Der Ablauf ist in vier Schritten beschrieben:

  1. Einzahlung: Du überweist dein Kapital vom Referenzkonto auf das Kündigungsgeldkonto. Mindestanlagen liegen häufig zwischen 1 EUR und 5.000 EUR, in Einzelfällen höher.
  2. Verzinsung läuft: Ab dem ersten Tag wird dein Guthaben verzinst — meist quartalsweise oder jährlich gutgeschrieben. Der Zinssatz ist variabel und kann von der Bank jederzeit angepasst werden.
  3. Kündigung: Sobald du Geld benötigst, kündigst du den gewünschten Betrag schriftlich oder im Online-Banking. Ab diesem Zeitpunkt läuft die vereinbarte Frist.
  4. Auszahlung: Am Tag nach Fristablauf wird der gekündigte Betrag auf dein Referenzkonto überwiesen. Bis dahin läuft die Verzinsung weiter.

Zuzahlungen sind bei den meisten Anbietern jederzeit möglich. Teilkündigungen dagegen sind nicht immer erlaubt — manche Banken erfordern die Kündigung des Gesamtguthabens, andere lassen flexible Teilbeträge zu. Ein Blick in die AGB lohnt sich.

Rechenbeispiel:

Du legst 50.000 EUR auf einem Kündigungsgeldkonto mit 90 Tagen Kündigungsfrist und 2,30 % Zins p. a. an. Nach 12 Monaten hast du etwa 1.150 EUR Zinsen vor Steuern erwirtschaftet. Zum Vergleich: Bei einem Tagesgeldkonto mit 1,50 % wären es nur 750 EUR — eine Differenz von 400 EUR pro Jahr allein durch die Bindung.

Aktuelle Zinsen im Vergleich

Das Zinsumfeld 2026 ist überschaubar: Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagezins zuletzt am 11. Juni 2025 auf 2,00 % gesenkt und seitdem unverändert gelassen. Tagesgeldkonten liegen im Marktdurchschnitt entsprechend bei 1,25–1,75 % p. a., Aktionsangebote für Neukunden gehen bis 2,30 % — allerdings nur befristet, meist über 3 bis 6 Monate garantiert.

Kündigungsgeld mit 30 bis 90 Tagen Frist liegt aktuell bei 2,00–2,65 % p. a. — also dauerhaft auf dem Niveau der besten Tagesgeld-Aktionsangebote, oft sogar darüber. Längere Fristen ab 180 Tagen ermöglichen bei einzelnen Anbietern bis zu 2,80 %. Die höchsten Sätze findest du in der Regel über Zinsplattformen wie Raisin (WeltSparen) oder ZinsPilot, die europäische Banken bündeln und dir den Zugang zu Anbietern in den Niederlanden, Frankreich, Italien oder Skandinavien öffnen.

Aktuelle Tagesgeld-Zinsen im Vergleich findest du in unserem Live-Tool — dort sind alle Konditionen tagesaktuell hinterlegt.

Variable Zinsen können sinken. Bei Kündigungsgeld passt die Bank den Zins regelmässig an. Wenn die EZB ihren Leitzins weiter senkt, geben Banken diese Senkung erfahrungsgemäss schneller weiter, als sie Erhöhungen weitergeben. Plane ein, dass dein Zinssatz innerhalb der nächsten 12 Monate um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte fallen kann.

Kündigungsgeld vs. Tagesgeld vs. Festgeld

Hier liegt der entscheidende Punkt für deine Entscheidung. Die drei Anlageformen unterscheiden sich in drei zentralen Dimensionen:

Merkmal Tagesgeld Kündigungsgeld Festgeld
Verfügbarkeit Täglich, sofort Nach Kündigungsfrist (30–366 Tage) Erst nach Laufzeitende (6–120 Monate)
Zinsbindung Variabel Variabel Fest für die gesamte Laufzeit
Zinshöhe (Mai 2026) 1,25–1,75 % 2,00–2,65 % 2,40–3,20 % (je nach Laufzeit)
Mindestanlage Oft 0 EUR 1–5.000 EUR 500–10.000 EUR
Zuzahlungen Jederzeit Meist möglich Nicht möglich
Vorzeitiger Zugriff Jederzeit ohne Gebühr Nur bei Sonderkündigung gegen Gebühr Meist gar nicht oder mit Vorfälligkeitsentschädigung
Einlagensicherung 100.000 EUR 100.000 EUR 100.000 EUR

Für wen lohnt sich was?

Tagesgeld ist die richtige Wahl, wenn du eine Notfallreserve hältst, regelmässige Ein- und Auszahlungen planst oder dein Geld kurzfristig parken willst (z. B. zwischen ETF-Käufen). Hier zählt Flexibilität mehr als Rendite.

Kündigungsgeld ist die richtige Wahl, wenn du Geld für 6 bis 24 Monate nicht brauchst, dich aber nicht endgültig festlegen willst. Der Zinsaufschlag gegenüber Tagesgeld zahlt sich aus, und im Notfall kannst du mit 30 Tagen Frist immer noch reagieren.

Festgeld ist die richtige Wahl, wenn du Geld definitiv über eine fixe Laufzeit nicht brauchst und Planungssicherheit beim Zins willst. Wenn du heute 3,20 % für 24 Monate festschreibst, bekommst du diesen Satz auch dann, wenn die EZB den Leitzins inzwischen auf 1,50 % gesenkt hat.

Eine ausführliche Gegenüberstellung von Tagesgeld und Festgeld findest du im Ratgeber Tagesgeld oder Festgeld?. Wer den direkten Vergleich der Festgeld-Konditionen sucht, schaut in unser Festgeld-Vergleichstool.

Welche Kündigungsfristen gibt es?

Die gängigen Fristen liegen zwischen 30 und 180 Tagen, einzelne Anbieter bieten auch deutlich kürzere oder längere Fristen an. Grundsätzlich gilt: Je länger die Frist, desto höher der Zinssatz.

Kündigungsfrist Markt-Zinsspanne (Mai 2026) Zinsertrag bei 50.000 EUR Anlage (12 Monate, brutto)
30 Tage 2,00 – 2,30 % 1.000 – 1.150 EUR
60 Tage 2,10 – 2,40 % 1.050 – 1.200 EUR
90 Tage 2,20 – 2,55 % 1.100 – 1.275 EUR
180 Tage 2,40 – 2,75 % 1.200 – 1.375 EUR
365 Tage 2,50 – 2,80 % 1.250 – 1.400 EUR

Der Unterschied zwischen 30 und 180 Tagen Frist bringt also bei 50.000 EUR rund 200 EUR pro Jahr zusätzlich — vor Steuern. Ob dir das den Zugriffsverzicht wert ist, hängt davon ab, wie hoch deine Liquiditätsreserve auf dem Tagesgeld bereits ist. Allerdings gilt: Je länger die Frist, desto näher kommt das Produkt einem Festgeld — und dann lohnt sich oft direkt ein Festgeld mit fixer Verzinsung.

Steuern und Sparerpauschbetrag

Zinserträge aus Kündigungsgeld werden wie alle Kapitalerträge in Deutschland mit der Abgeltungsteuer versteuert. Hierbei gelten folgende Regeln:

  • 25 % Abgeltungsteuer (§ 32d Abs. 1 EStG)
  • 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuerschuld → effektiv 26,375 % Gesamtbelastung
  • Ggf. Kirchensteuer (8 oder 9 %, je nach Bundesland)

Dem gegenüber steht der Sparer-Pauschbetrag, der seit dem 1. Januar 2023 bei 1.000 EUR für Ledige und 2.000 EUR für gemeinsam veranlagte Ehepartner liegt (§ 20 Abs. 9 EStG). Bis zu diesem Betrag bleiben deine Zinserträge steuerfrei — vorausgesetzt, du hast einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank eingerichtet. Ohne Freistellungsauftrag wird ab dem ersten Euro Steuer abgeführt, die du dir später über die Steuererklärung zurückholen müsstest.

Bei Auslandsbanken über Zinsplattformen (z. B. eine niederländische oder französische Bank über Raisin) kann zusätzlich eine Quellensteuer im Sitzland anfallen. Diese kannst du auf Basis bestehender Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) gemäss § 34c EStG in deiner deutschen Steuererklärung anrechnen lassen. Die Plattformen stellen dafür meist Bescheinigungen aus, die der Anrechnung dienen.

Eine detaillierte Anleitung zur korrekten Versteuerung findest du im Ratgeber Tagesgeld versteuern: Abgeltungssteuer und Freistellungsauftrag — die Regeln sind für Tagesgeld und Kündigungsgeld identisch.

Wie sicher ist Kündigungsgeld?

Kündigungsgeld zählt zu den sichersten Anlageformen, die du in Deutschland abschliessen kannst. Dein Guthaben ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 EUR pro Person und Bank geschützt. Grundlage ist das Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) vom 28. Mai 2015, das die EU-Richtlinie 2014/49/EU in deutsches Recht umsetzt. Die Aufsicht über das System hat die BaFin, die Auszahlung übernimmt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB). Sie zahlt im Schadensfall innerhalb von 7 Werktagen aus.

Bei besonderen Lebensereignissen — etwa nach dem Verkauf einer Immobilie — gilt für sechs Monate eine erweiterte Sicherung bis 500.000 EUR. Das hat das Bundesfinanzministerium in seiner FAQ zur harmonisierten EU-Einlagensicherung bestätigt (Stand Februar 2025).

Vorsicht bei EU-Auslandsbanken

Innerhalb der EU ist die 100.000-EUR-Grenze einheitlich. Allerdings unterscheidet sich die Leistungsfähigkeit der nationalen Sicherungssysteme erheblich. Bei einer Bankeninsolvenz im EU-Ausland gelten die Fristen und Verfahren des jeweiligen Sitzlandes — und die Sprache der Korrespondenz ist nicht selten die Landessprache der ausländischen Behörde. Wenn du Geld bei einer Bank in einem Land mit schwächerem Länderrating anlegst (z. B. einem Land mit niedrigem Sovereign Rating), trägst du implizit ein Bonitätsrisiko mit. Für maximale Sicherheit lohnt sich ein Blick auf die Länderbewertungen der grossen Rating-Agenturen.

Ein wichtiger Hinweis aus der Rechtsprechung: Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil XI ZR 102/24 vom 4. Februar 2025 abschliessend entschieden, dass Banken keine Negativzinsen auf Tagesgeld- und Sparkonten erheben dürfen. Damit ist eine Diskussion beendet, die in der Hochzinsphase 2022 nochmals aufgekommen war.

Eine ausführliche Erklärung der Einlagensicherung findest du im Ratgeber Tagesgeld Einlagensicherung erklärt.

Die Kündigungsgeld-Leiter: Strategie für höhere Zinsen

Eine clevere Anlagestrategie, die in dieser Form bei keinem deutschen Mitbewerber zu finden ist: die Kündigungsgeld-Leiter. Das Prinzip funktioniert wie eine Festgeld-Leiter, nur flexibler.

Statt einen Gesamtbetrag auf ein einziges Konto zu legen, verteilst du ihn auf mehrere Kündigungsgelder mit unterschiedlichen Fristen. So hast du immer kurzfristig Zugriff auf einen Teil des Kapitals, profitierst aber gleichzeitig vom höheren Zins der längeren Fristen.

Beispiel: 60.000 EUR auf drei Konten

Konto Frist Betrag Zinssatz (Marktanker) Zinsertrag/Jahr (brutto)
1 30 Tage 20.000 EUR 2,15 % 430 EUR
2 90 Tage 20.000 EUR 2,40 % 480 EUR
3 180 Tage 20.000 EUR 2,60 % 520 EUR
Gesamt   60.000 EUR Ø 2,38 % 1.430 EUR

Im Vergleich zur reinen 30-Tage-Variante hast du etwa 140 EUR mehr Zinsen pro Jahr — bei gleichzeitig sehr ähnlicher Flexibilität. Solange du nicht den vollen Betrag auf einmal brauchst, kannst du immer das Konto mit der kürzesten Frist kündigen.

So baust du deine Leiter in vier Schritten auf

  1. Liquiditätsbedarf prüfen. Wie viel Geld brauchst du sicher innerhalb der nächsten 30 Tage? Das ist dein Tagesgeld-Anker, der nicht in die Leiter gehört.
  2. Drei oder vier Konten festlegen. Üblich sind drei Stufen (30/90/180 Tage) oder vier Stufen (30/60/120/180 Tage).
  3. Beträge gleichmässig verteilen. Wer ungleichmässig verteilt, optimiert auf den Top-Zins — verliert aber Flexibilität.
  4. Jährlich überprüfen. Verschiebt sich das Zinsumfeld deutlich, kannst du eine Stufe in Festgeld umschichten oder auf den Top-Anbieter wechseln.

Wichtig: Die Leiter macht nur Sinn, wenn der Zinsaufschlag der längeren Fristen tatsächlich relevant ist. Bei aktuellen Marktbedingungen mit einem Unterschied von etwa 0,4 Prozentpunkten zwischen 30 und 180 Tagen lohnt sich der Aufwand ab etwa 30.000 EUR Anlagesumme.

Fazit: Wann sich Kündigungsgeld wirklich rechnet

Kündigungsgeld ist die richtige Wahl für mittelfristige Sparziele zwischen 6 und 24 Monaten — vorausgesetzt, du hast eine separate Notfallreserve auf einem Tagesgeldkonto. Der Zinsaufschlag gegenüber Tagesgeld ist spürbar, die Bindung bleibt überschaubar, und die Einlagensicherung garantiert dir bis 100.000 EUR pro Bank.

Wer bereits weiss, dass das Geld 12 oder 24 Monate nicht gebraucht wird, fährt mit Festgeld in der Regel besser — dort sicherst du dir den heutigen Zinssatz auch für die Zukunft.

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Alexander Senger

Geprüft und freigegeben von

Alexander Senger

Gründer & Geschäftsführer

Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.

Erfahrung

15+ Jahre Finanzbranche

Qualifikation

Diplom-Finanzfachwirt (FH)

Registrierung

§34c & §34d GewO

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Inhaltsverzeichnis

  • Das musst du über Kündigungsgeld wissen
  • Was ist Kündigungsgeld?
  • Wie funktioniert Kündigungsgeld?
  • Aktuelle Zinsen im Vergleich
  • Kündigungsgeld vs. Tagesgeld vs. Festgeld
  • Welche Kündigungsfristen gibt es?
  • Steuern und Sparerpauschbetrag
  • Wie sicher ist Kündigungsgeld?
  • Die Kündigungsgeld-Leiter: Strategie für höhere Zinsen
  • Fazit: Wann sich Kündigungsgeld wirklich rechnet

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