Lexikon

Geldmarkt-ETF

Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der den Euro-Übernachtzins €STR abbildet. So funktioniert er, so ist er geschützt, das kostet er.

Das musst du über Geldmarkt-ETFs wissen

  • 📈 Zins vom Geldmarkt: Ein Geldmarkt-ETF bildet in vielen Fällen den €STR ab, den Zins für unbesicherte Übernachtkredite unter Banken im Euroraum. Deine Rendite ist dieser Zins abzüglich der laufenden Fondskosten.
  • 🏦 Fondsanteil statt Konto: Du kaufst ihn über ein Wertpapierdepot. Weil Fondsanteile keine Einlagen sind, gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro für ihn nicht.
  • 🛡️ Getrenntes Fondsvermögen: Geht die Fondsgesellschaft pleite, fällt das Fondsvermögen nicht in ihre Insolvenzmasse. Vor Kursverlusten schützt diese Trennung nicht.
  • ⚠️ Kein fester Zins: Die Rendite folgt dem Einlagesatz der EZB nach oben und nach unten. Liegt der Geldmarktzins unter null, wie von Juni 2014 bis Juli 2022, schrumpft der Anteilswert.

Was ist ein Geldmarkt-ETF?

Ein Geldmarkt-ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird und die Verzinsung des Geldmarkts nachbildet, also des Marktes, auf dem sich Banken für sehr kurze Zeit Geld leihen. Bei vielen Euro-Geldmarkt-ETFs ist der Maßstab der €STR (Euro Short-Term Rate). Der €STR ist der Zins, den Banken im Euroraum für unbesicherte Übernachtkredite zahlen. Die Europäische Zentralbank berechnet ihn aus den tatsächlichen Geschäften des Vortags und veröffentlicht ihn seit dem 2. Oktober 2019 an jedem Geschäftstag des Zahlungssystems TARGET2.

Der €STR bewegt sich nah am Einlagesatz der EZB, über den die Notenbank ihre Geldpolitik steuert. Hebt die EZB den Einlagesatz an, steigt die Rendite eines Geldmarkt-ETFs kurz darauf mit. Senkt sie ihn, sinkt die Rendite genauso schnell.

Manche Vergleichsseiten sprechen auch von Tagesgeld-ETFs. Der Name führt in die Irre: Du hast kein Konto bei einer Bank, sondern Fondsanteile, und für Schutz, Kosten und Steuern gelten andere Regeln als beim Tagesgeld.

Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF?

Ein Geldmarkt-ETF legt das Geld seiner Anleger so an, dass es sich wie eine Einlage zum Geldmarktzins entwickelt. Bei thesaurierenden Geldmarkt-ETFs wird der Zins täglich wieder angelegt, der Anteilspreis steigt deshalb in kleinen, gleichmäßigen Schritten. Ausschüttende Varianten zahlen die Erträge regelmäßig aus.

Kaufen und verkaufen kannst du Anteile an jedem Börsentag über dein Depot. Dabei zahlst du die Ordergebühr deines Brokers und den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Innerhalb des Fonds zieht die Fondsgesellschaft ihre laufenden Kosten ab, ausgewiesen als Gesamtkostenquote (TER).

Physisch oder per Swap: was wirklich im Fonds steckt

Den €STR selbst kann ein Fonds nicht kaufen, denn er ist ein Zinssatz und kein Wertpapier. Fondsanbieter lösen das auf zwei Wegen:

  • Physische Nachbildung: Der Fonds kauft kurzlaufende Anleihen, Geldmarktpapiere und Bankeinlagen, deren Ertrag nah am Geldmarktzins liegt.
  • Synthetische Nachbildung per Swap: Der Fonds hält ein sogenanntes Trägerportfolio aus anderen Wertpapieren und tauscht dessen Wertentwicklung per Vertrag mit einer Bank gegen die Geldmarktverzinsung.

Viele große Geldmarkt-ETFs arbeiten mit Swap. Was im Trägerportfolio liegt, unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich: Staatsanleihen aus dem Euroraum, aber auch Unternehmensanleihen, Anleihen aus Schwellenländern oder sogar Aktien. Für deine laufende Rendite spielt das im Normalfall keine Rolle, weil der Swap sie ausgleicht. Für das Risiko im Ausnahmefall und für die Steuer spielt es sehr wohl eine Rolle. Wie ein Fonds arbeitet, steht im Factsheet und im Basisinformationsblatt unter „Replikation" oder „Portfoliomethode".

Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds: nicht automatisch dasselbe

Jeder Geldmarkt-ETF ist ein Investmentfonds, aber nicht jeder ist rechtlich ein Geldmarktfonds. Nach der EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 6) darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen, wenn er nach dieser Verordnung zugelassen ist und ihre Vorgaben zu Laufzeiten, Liquidität und Streuung einhält. Manche Produkte, die im Alltag Geldmarkt-ETF heißen, sind dagegen Anleihen- oder Swap-ETFs, die einen Geldmarktindex abbilden.

Einen zugelassenen Geldmarktfonds erkennst du an seinen Unterlagen: Er muss angeben, ob er ein kurzfristiger oder ein Standard-Geldmarktfonds ist.

Wie sicher ist ein Geldmarkt-ETF?

Die Frage nach der Sicherheit hat drei Antworten, je nachdem, wer ausfällt. Dazu kommt ein Risiko, gegen das keine der drei Schutzebenen hilft.

Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht

Das Geld im Fonds gehört nicht der Fondsgesellschaft. Das Kapitalanlagegesetzbuch schreibt vor, dass das Fondsvermögen als Sondervermögen getrennt vom eigenen Vermögen der Gesellschaft zu halten ist (§ 92 KAGB), nicht für ihre Schulden haftet (§ 93 Abs. 2 KAGB) und bei ihrer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse fällt (§ 99 Abs. 3 KAGB). Verwahrt wird es bei einer Verwahrstelle, die es getrennt von ihren eigenen Beständen führen muss. Manche Geldmarkt-ETFs sind in anderen EU-Staaten aufgelegt, etwa in Luxemburg. Auch für sie schreibt das EU-Fondsrecht die getrennte Verwahrung vor.

Wenn deine Depotbank oder dein Broker pleitegeht

Deine ETF-Anteile sind Wertpapiere in deinem Eigentum und keine Forderung gegen die Bank. Laut BaFin fallen Investmentfondsanteile zwar nicht unter die Einlagensicherung. Im Insolvenzfall kannst du aber die Herausgabe verlangen oder dein Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Anders das Guthaben auf deinem Verrechnungskonto: Liegt es bei einer Bank, ist es eine Einlage. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt es bis 100.000 Euro je Einleger und Bank (§ 8 EinSiG). Wie eine Broker-Pleite in der Praxis abläuft, liest du im Ratgeber zur Sicherheit beim Broker.

Wenn die Swap-Bank ausfällt

Bei synthetischen Geldmarkt-ETFs kommt ein drittes Risiko hinzu: Die Bank, mit der der Fonds den Swap abgeschlossen hat, könnte ihre Zahlungen nicht mehr leisten. Dieses Kontrahentenrisiko begrenzt das EU-Fondsrecht, und in der verbreiteten Konstruktion gehört das Trägerportfolio dem Fonds. Fällt die Swap-Bank aus, hängt dein Ergebnis davon ab, was in diesem Trägerportfolio liegt.

Das Risiko, das bleibt: Zins und Kosten

Keine der drei Schutzebenen schützt vor dem, was der Markt macht. Ein Geldmarkt-ETF hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Liegt der Geldmarktzins unter null, verliert der Anteil Tag für Tag an Wert. Das ist kein Gedankenspiel: Der Einlagesatz der EZB war vom 11. Juni 2014 bis Ende Juli 2022 negativ, und die Geldmarktsätze folgten ihm unter die Nulllinie. Liegt der Zins nur knapp über null, können laufende Kosten und Ordergebühren den Ertrag aufzehren.

Ein Geldmarkt-ETF ist eine Wertpapieranlage und keine Bankeinlage. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nicht, der Anteilswert kann schwanken und bei negativen Zinsen oder beim Ausfall eines Emittenten oder der Swap-Bank sinken. Laufende Kosten (TER), Ordergebühren und Spread mindern deine Rendite. Eine Garantie auf den eingezahlten Betrag gibt es nicht.

Quellen: §§ 92, 93, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; BaFin, Rundschreiben 05/2020 (WA) zur Verwahrstelle; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; §§ 2, 8 Einlagensicherungsgesetz; Verordnung (EU) 2017/1131; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, €STR und EZB-Zinssätze. Stand: September 2026.

Was kostet ein Geldmarkt-ETF und wie wird er besteuert?

Kosten fallen an drei Stellen an: die laufenden Fondskosten (TER), die Ordergebühr deines Brokers und der Spread. Weil der Geldmarktzins selbst niedrig ist, wiegen feste Ordergebühren bei kleinen Beträgen und häufigem Umschichten am schwersten. Was Orders bei welchem Depot kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten.

Steuerlich ist ein Geldmarkt-ETF ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale (§ 16 InvStG). Alle drei zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Mit einem Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank bleiben sie bis zur Höhe deines Sparerpauschbetrags steuerfrei. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zu Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag im Depot.

Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass auch thesaurierende Fonds jedes Jahr besteuert werden. Sie hängt vom Anteilswert zu Jahresbeginn und einem jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Basiszins ab, ist aber auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt (§ 18 InvStG). Bei einem Geldmarkt-ETF, der gleichmäßig mit dem Zins wächst, kann so ein großer Teil des Jahresertrags schon als Vorabpauschale versteuert werden. Beim Verkauf mindern die angesetzten Vorabpauschalen den Gewinn (§ 19 InvStG), du zahlst also nicht doppelt.

Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds (§ 20 InvStG). Geldmarkt-ETFs aus Anleihen und Einlagen gehören nicht dazu. Ein Swap-ETF mit Aktien im Trägerportfolio kann dagegen als Aktienfonds gelten. Voraussetzung: Seine Anlagebedingungen schreiben vor, fortlaufend mehr als 50 Prozent des Aktivvermögens in Aktien und vergleichbare Kapitalbeteiligungen anzulegen (§ 2 Abs. 6 InvStG). Ein Aktien-Swap allein reicht dafür nicht.

Ob ein Geldmarkt-ETF steuerlich als Aktienfonds zählt, entscheiden seine Anlagebedingungen, nicht sein Name. Ist er so eingestuft, berücksichtigt eine deutsche Depotbank die Teilfreistellung beim Steuerabzug automatisch.

Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 44a Einkommensteuergesetz; Bundesministerium der Finanzen, Anwendungsfragen zum Investmentsteuergesetz (Rz. 2.6, Rz. 19.5) und Basiszins zur Vorabpauschale vom 13.01.2026; Finanzverwaltung NRW. Stand: September 2026.

Sind Geldmarkt-ETFs eine gute Idee?

Das hängt weniger vom ETF ab als von deiner Situation. Ein Geldmarkt-ETF ersetzt nicht das Tagesgeldkonto für den Notgroschen. Er ergänzt es dort, wo Tagesgeld an Grenzen stößt.

Ein Geldmarkt-ETF passt

  • wenn du ohnehin ein Depot hast und Geld zwischen zwei Käufen parken willst
  • wenn du deutlich mehr als 100.000 Euro kurzfristig anlegst und die Einlagensicherung bei einer einzelnen Bank nicht mehr reicht
  • wenn du den Marktzins willst, ohne alle paar Monate einem neuen Neukundenangebot hinterherzuwechseln

Ein Geldmarkt-ETF passt nicht

  • für den Notgroschen, den du ohne Umweg über die Börse und unabhängig von Handelszeiten brauchst
  • wenn du einen festen Zins willst, der auch bei sinkenden Leitzinsen gilt: Den bietet Festgeld
  • wenn du kleine Beträge oft umschichtest und jede Order eine feste Gebühr kostet

Ein Grenzfall zeigt, dass die 100.000-Euro-Grenze nicht immer gilt. Verkaufst du deine selbst genutzte Wohnung und liegen 300.000 Euro auf dem Konto, schützt die Einlagensicherung solche Beträge bis zu sechs Monate nach der Gutschrift bis 500.000 Euro (§ 8 Abs. 2 EinSiG). Danach gilt wieder die Grenze von 100.000 Euro je Bank. Wer das Geld länger parkt, verteilt es auf mehrere Banken oder wählt eine Anlage mit anderem Schutz, etwa einen Geldmarkt-ETF. Wie der Schutz von Bankeinlagen im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld.

Umgekehrt gilt: Zahlt dir eine Bank für einige Monate einen Neukundenzins deutlich über dem Geldmarktzins, ist Tagesgeld für diese Zeit meist die bessere Wahl. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich, Depots für den Kauf eines Geldmarkt-ETFs im Depot-Vergleich.

Fazit: ein Werkzeug für Geld im Wartestand

Unsere Einschätzung: Ein Geldmarkt-ETF passt für Geld, das im Depot auf den nächsten Einsatz wartet, und für Beträge oberhalb der Einlagensicherung. Den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto ersetzt er nicht: kein fester Zins, keine Einlagensicherung, dafür Kosten. Mein Tipp: Schau vor dem Kauf ins Factsheet und beantworte drei Fragen. Welchen Zins bildet der Fonds ab? Arbeitet er physisch oder per Swap? Und was liegt im Trägerportfolio? Wenn du das weißt, weißt du, was du kaufst.

Häufige Fragen zum Geldmarkt-ETF

Wie hoch ist die Rendite eines Geldmarkt-ETFs?

Vor Steuern liegt die Rendite ungefähr beim €STR, abzüglich der laufenden Kosten (TER) und deiner Ordergebühren. Manche Indizes rechnen einen kleinen festen Aufschlag auf den €STR ein. Einen festen Wert gibt es nicht, weil sich die Rendite mit jedem Zinsschritt der EZB ändert.

Welche Geldmarkt-ETFs sind die besten?

Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, weil sich die Fonds weniger in der Rendite als in der Konstruktion unterscheiden. Vergleiche vier Punkte: den abgebildeten Zins, die laufenden Kosten (TER), die Nachbildung (physisch oder per Swap, bei Swap das Trägerportfolio) und den Spread an deinem Handelsplatz.

Was ist der Unterschied zwischen Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds?

Geldmarktfonds ist der Oberbegriff für Fonds, die in kurzfristige Geldmarktanlagen investieren. Wer sich rechtlich so nennen will, braucht eine Zulassung nach der EU-Geldmarktfondsverordnung. Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, oft per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht.

Kann man mit einem Geldmarkt-ETF Geld verlieren?

Ja. Bei negativen Geldmarktzinsen sinkt der Anteilswert, Kosten können einen niedrigen Zins aufzehren, und bei synthetischen ETFs besteht ein begrenztes Ausfallrisiko gegenüber der Swap-Bank. Starke Kursschwankungen wie bei Aktien sind wegen der sehr kurzen Zinsbindung untypisch, eine Garantie gibt es trotzdem nicht.

Kann ich einen Sparplan auf einen Geldmarkt-ETF anlegen?

Das hängt von deinem Broker ab: Manche bieten Sparpläne auf Geldmarkt-ETFs an, andere nicht, und auch die Kosten je Ausführung unterscheiden sich. Welche Anbieter ETF-Sparpläne zu welchen Bedingungen führen, zeigt der ETF-Sparplan-Vergleich.

Datenstand: September 2026 | Quellen: Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Einkommensteuergesetz, Verordnung (EU) 2017/1131, BaFin, Bundesministerium der Finanzen, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.

Synonyme

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