Lexikon

Realzins

Der Realzins ist der Zins, der dir nach Abzug der Inflation bleibt. Hier erfährst du, wie du ihn mit Faustformel und exakter Formel berechnest, was die Abgeltungsteuer daran ändert und wann er negativ wird.

Was du über den Realzins wissen musst

  • 📉 Definition: Der Realzins ist der Nominalzins, bereinigt um die Inflationsrate. Er zeigt, wie viel Kaufkraft dein Guthaben in einem Jahr gewinnt oder verliert.
  • 🧮 Formel: Als Faustformel ziehst du die Inflationsrate vom Nominalzins ab. Exakt rechnest du (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt das 1,00 % bzw. 0,98 %.
  • 💰 Steuer: Übersteigen deine gesamten Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung), gehen vom Zins darüber 26,375 % an das Finanzamt, ohne Kirchensteuer gerechnet. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation sinkt der Realzins dann von 0,98 % auf 0,20 %.
  • ⚠️ Negativer Realzins: Liegt die Inflationsrate über dem Zins, wächst dein Kontostand, aber seine Kaufkraft schrumpft. Bei täglich fälligen Einlagen privater Haushalte war das in 242 von 277 Monaten der Bundesbank-Statistik der Fall.

Was ist der Realzins?

Der Realzins ist die Verzinsung einer Geldanlage, korrigiert um die Entwicklung der Kaufkraft. Der Nominalzins ist dagegen der Satz, den du mit deiner Bank vereinbarst und der deinem Konto gutgeschrieben wird. Den Unterschied macht die Inflation: Steigen die Preise schneller als dein Guthaben, kaufst du dir mit mehr Geld weniger.

Als Inflationsrate gilt in Deutschland die Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat. Das Statistische Bundesamt misst sie jeden Monat an einem Warenkorb aus rund 700 Güterarten. Für August 2026 meldet es eine Inflationsrate von 2,9 %.

Wie groß der Abstand über die Jahre wird, zeigt ein Modell. 10.000 € wachsen bei 3 % Zins mit jährlicher Gutschrift in 10 Jahren auf 13.439,16 €. Steigen die Preise in derselben Zeit um 2 % pro Jahr, hat dieses Endkapital die Kaufkraft von 11.024,80 € in heutigem Geld. Von 3.439,16 € Zinsen bleiben real 1.024,80 € Zuwachs.

Im engen Sinn zieht der Realzins nur die Inflation ab. Wenn Sparer vom Realzins sprechen, meinen sie oft den Zins nach Steuer und Inflation. Diese zweite Größe heißt genauer Realzins nach Steuern. Der Realzins nach Steuern liegt unter dem Realzins vor Steuern, sobald auf deine Zinsen Steuer anfällt.

Realzins berechnen: Faustformel und exakte Formel

Die Faustformel für den Realzins lautet: Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt sie 1,00 %. Die Europäische Zentralbank erklärt den Realzins mit genau dieser Differenz. Die Bundesbank nennt sie eine Näherung, die bei geringen Zinsen und Preisänderungen trägt.

Die exakte Formel heißt Fisher-Gleichung oder Fisher-Parität: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Mit denselben Werten rechnest du 1,03 ÷ 1,02 = 1,009804, minus 1 ergibt 0,98 %. Die Bundesbank berechnet ihre Realzinsstatistik mit dieser exakten Form.

Die Faustformel entsteht aus der exakten Formel, wenn man ein kleines Produkt aus Realzins und Inflationsrate weglässt. Der Fehler der Faustformel beträgt (Nominalzins − Inflationsrate) × Inflationsrate ÷ (1 + Inflationsrate). Er wächst mit der Inflationsrate und mit dem Abstand zwischen Zins und Inflation. Bei positiver Inflation zeigt die Faustformel Gewinne und Verluste etwas größer, als sie tatsächlich sind.

Nominalzins Inflationsrate Realzins Faustformel Realzins exakt Abweichung in Prozentpunkten
3,00 % 2,0 % 1,00 % 0,98 % 0,02
2,00 % 2,9 % −0,90 % −0,87 % 0,03
5,00 % 8,0 % −3,00 % −2,78 % 0,22
1,00 % 8,8 % −7,80 % −7,17 % 0,63

Modellrechnung. Die Zinssätze sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Die Inflationsraten 2,9 % und 8,8 % entsprechen dem Verbraucherpreisindex für August 2026 und Oktober 2022 (Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank).

Realzins nach Steuern

Die Abgeltungsteuer setzt am Nominalzins an, nicht am Realzins. Zinsen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Die Steuer beträgt 25 % des Kapitalertrags (§ 32d Abs. 1 und § 43a Abs. 1 EStG), dazu kommt ein Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer (§ 4 SolZG). Ohne Kirchensteuer sind das zusammen 26,375 % deiner Zinsen. Besteuert wird der gutgeschriebene Zins. Einen Abzug für den Kaufkraftverlust sieht das Gesetz nicht vor. Auch tatsächliche Werbungskosten kannst du neben dem Sparerpauschbetrag nicht abziehen (§ 20 Abs. 9 EStG).

Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehegatten 2.000 €. Liegen deine gesamten Kapitalerträge darunter, fällt keine Steuer an, und dein Realzins nach Steuern ist gleich dem Realzins vor Steuern. Damit deine Bank in diesem Fall nichts einbehält, erteilst du ihr einen Freistellungsauftrag.

Oberhalb des Freibetrags rechnest du den Realzins nach Steuern in zwei Schritten. Zuerst ermittelst du den Nettozins: Nominalzins × 0,73625. Aus 3 % werden so 2,209 %. Dann setzt du den Nettozins in die exakte Formel ein: 1,02209 ÷ 1,02 − 1 ergibt 0,20 %.

Nominalzins Realzins vor Steuern Nettozins nach 26,375 % Realzins nach Steuern
2,00 % 0,00 % 1,473 % −0,52 %
3,00 % 0,98 % 2,209 % 0,20 %
4,00 % 1,96 % 2,945 % 0,93 %

Modellrechnung bei 2 % Inflation für Zinsen oberhalb des Sparerpauschbetrags, Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer. Die Zinssätze sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken.

In Euro sieht das so aus: 1.000 € oberhalb des Freibetrags bringen bei 3 % Zins 30,00 € im Jahr. Davon gehen 7,50 € Abgeltungsteuer und 0,41 € Solidaritätszuschlag ab, es bleiben 22,09 €. Bei 2 % Inflation brauchst du davon 20,00 €, nur um die Kaufkraft deiner 1.000 € zu halten. Die Steuer nimmt also 26,375 % der Zinsen, aber 79 % des realen Ertrags.

Daraus folgt eine einfache Schwelle. Oberhalb des Freibetrags hält ein Zins die Kaufkraft erst, wenn er die Inflationsrate geteilt durch 0,73625 erreicht. Bei 2 % Inflation sind das 2,72 %, bei 2,9 % Inflation wie im August 2026 schon 3,94 %. Innerhalb des Freibetrags reicht ein Zins in Höhe der Inflationsrate. Wie sich der Steuersatz mit Kirchensteuer verändert, erklärt der Eintrag zur Abgeltungsteuer.

Negativer Realzins: Kontostand steigt, Kaufkraft sinkt

Ein negativer Realzins entsteht, wenn die Inflationsrate über dem Nominalzins liegt. Die Zinsgutschrift gleicht den Kaufkraftverlust dann nicht aus, und dein Guthaben verliert real an Wert. Ein Modell mit der Inflationsrate von August 2026: 10.000 € zu 1 % Zins stehen nach einem Jahr bei 10.100,00 €. Bei 2,9 % Inflation entspricht das einer Kaufkraft von 9.815,35 € in heutigem Geld, der Realzins liegt bei −1,85 %.

Für Sparer in Deutschland ist ein negativer Realzins eher die Regel als die Ausnahme. Die Bundesbank veröffentlicht Realzinsen auf neu angelegte Einlagen privater Haushalte. Für täglich fällige Einlagen lagen sie von Januar 2021 bis Juli 2026 in jedem Monat unter null, im Juli 2026 bei −2,24 %. Einlagen mit einer Laufzeit bis 1 Jahr kamen im selben Monat auf −0,56 %, Einlagen mit einer Laufzeit über 2 Jahre auf −0,10 %.

Den niedrigsten Wert seit Beginn der Reihe im Juli 2003 erreichten täglich fällige Einlagen im Oktober 2022 mit −8,08 % bei 8,8 % Inflation. Alle diese Werte sind Durchschnitte aus der Zinsstatistik der Bundesbank, keine Aussage über einzelne Angebote. Welche Zinsen Banken aktuell für Tagesgeld zahlen, siehst du im Tagesgeld-Vergleich.

Stand: September 2026. Quellen: Deutsche Bundesbank, Realzinssätze auf Bankeinlagen (Neugeschäft, Werte bis Juli 2026); Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex August 2026.

Ex ante und ex post: erwarteter und tatsächlicher Realzins

Beim Festgeld kennst du den Nominalzins bei Abschluss, die Inflation der kommenden Jahre aber nicht. Rechnest du mit der erwarteten Inflation, erhältst du den Ex-ante-Realzins. Setzt du die tatsächlich eingetretene Inflation ein, ergibt sich der Ex-post-Realzins. Die Bundesbank-Statistik zu Bankeinlagen weist Ex-post-Werte aus. Für erwartete Realzinsen zieht die Bundesbank die erwartete Inflation von der Rendite 5- und 10-jähriger Anleihen ab.

Ein Modell zeigt den Unterschied. Du legst 10.000 € für 3 Jahre zu 3 % an und erwartest 2 % Inflation pro Jahr. Ex ante planst du mit einem Realzins von 0,98 %. Steigen die Preise tatsächlich um 3 % pro Jahr, liegt der Ex-post-Realzins bei 0,00 %. Das Endkapital von 10.927,27 € hat dann genau die Kaufkraft deiner 10.000 € bei Abschluss statt der geplanten 10.297,01 €. Für dein Festgeld heißt das: Der Zins ist fest, der Realzins nicht.

Wo die Realzins-Rechnung trägt und wo sie an Grenzen stößt

Der Realzins hilft dir, wenn

  • du Tagesgeld und Festgeld über mehrere Jahre vergleichst und wissen willst, ob dein Geld an Kaufkraft gewinnt
  • du entscheidest, ob sich eine lange Zinsbindung lohnt, denn beim Festgeld ist nur der Nominalzins fest
  • du einen Kredit bewertest: Die Rechnung gilt auch für Kreditkosten. 4 % Sollzins bei 2 % Inflation entsprechen real 1,96 %

Die Rechnung stößt an Grenzen, wenn

  • deine persönliche Teuerung vom Durchschnittswarenkorb abweicht. Dafür bietet das Statistische Bundesamt einen persönlichen Inflationsrechner an
  • deine Anlage länger läuft als ein Jahr: Die Inflationsrate vergleicht nur einen Monat mit dem Vorjahresmonat
  • die Preise sinken. Bei Deflation liegt der Realzins über dem Nominalzins. Im Juli 2020 lag die Inflationsrate bei −0,6 %, der Realzins auf täglich fällige Einlagen laut Bundesbank bei +0,61 %

Vergleiche Zinsangebote am Realzins nach Steuern, sobald deine Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag übersteigen. Darunter genügt der Realzins vor Steuern.

Unsere Einschätzung: Halte jeden Zins, den dir eine Bank anbietet, gegen die aktuelle Inflationsrate. Liegt er darunter, verliert dein Geld an Kaufkraft, egal wie der Kontostand aussieht. Nutzt du deinen Sparerpauschbetrag schon aus, teile die Inflationsrate durch 0,73625: Erst über diesem Zins bleibt nach Steuern ohne Kirchensteuer real etwas übrig. Wie viel Zinsen dein Guthaben nominal bringt, rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner aus. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich.

Häufige Fragen zum Realzins

Was ist der Unterschied zwischen Real- und Nominalzins?

Der Nominalzins ist der Zinssatz, den deine Bank vereinbart und gutschreibt. Der Realzins ist dieser Zins nach Abzug der Inflationsrate und zeigt, ob dein Guthaben an Kaufkraft gewinnt. Bei 3 % Nominalzins und 2 % Inflation liegt der Realzins nach der exakten Formel (1 + 0,03) ÷ (1 + 0,02) − 1 bei 0,98 %.

Wie hoch ist der aktuelle Realzins in Deutschland?

Einen einzigen Realzins gibt es nicht, er hängt vom Zins deiner Anlage ab. Die Bundesbank weist für neu angelegte Einlagen privater Haushalte im Juli 2026 einen Realzins von −2,24 % bei täglich fälligen Einlagen aus, −0,56 % bei Laufzeiten bis 1 Jahr und −0,10 % bei Laufzeiten über 2 Jahre. Die Inflationsrate lag im August 2026 bei 2,9 % (Statistisches Bundesamt). Deinen eigenen Realzins rechnest du mit deinem Zins und dieser Rate aus.

Wie lautet die Formel für die Berechnung des Realzinses?

Exakt gilt: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Die Prozentwerte setzt du als Dezimalzahl ein, 3 % also als 0,03. Näherungsweise reicht Nominalzins minus Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation weicht die Näherung um 0,02 Prozentpunkte ab, bei 1 % Zins und 8,8 % Inflation um 0,63 Prozentpunkte.

Wird bei der Abgeltungsteuer die Inflation berücksichtigt?

Nein. Die Abgeltungsteuer von 25 % und der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer fallen auf den vollen Zins an, soweit deine Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 € übersteigen (zusammen veranlagte Ehegatten: 2.000 €). Einen Abzug für den Kaufkraftverlust gibt es nicht. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation nimmt die Steuer ohne Kirchensteuer deshalb 26,375 % der Zinsen, aber 79 % des realen Ertrags.

Was bedeutet ein negativer Realzins?

Ein negativer Realzins bedeutet, dass die Preise schneller steigen, als dein Guthaben verzinst wird. Dein Kontostand wächst, aber du kannst dir damit weniger kaufen als vorher. 10.000 € zu 1 % Zins haben bei 2,9 % Inflation nach einem Jahr nur noch die Kaufkraft von 9.815,35 €, obwohl 10.100,00 € auf dem Konto stehen.

Stand: September 2026. Quellen: Europäische Zentralbank, Nominalzins und Realzins; Deutsche Bundesbank, Realzinssätze auf Bankeinlagen, Erwartete Realzinssätze und Monatsbericht Juli 2017; Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex; §§ 20, 32d, 43a, 44a EStG; § 4 SolZG. Alle Zinssätze in den Rechenbeispielen sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Synonyme

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