
Kaufen oder Mieten: Wann sich der Hauskauf wirklich lohnt
Kaufen oder mieten? Mietrendite-Faustregel, ehrliche Beispielrechnung über 30 Jahre und versteckte Kosten beider Seiten — Stand Mai 2026.
Was zeigt der Vergleich Kauf vs. Miete?
Du kennst das Gefühl: Du scrollst seit Wochen durch ImmoScout, hast drei Besichtigungen hinter dir, ein Bauträger schickt dir täglich neue Exposés — und trotzdem fragst du dich nachts: Lohnt sich das überhaupt? Oder bin ich mit Mieten am Ende besser dran?
Die Frage ist klüger als sie klingt. Denn Kaufen ist nicht automatisch der Königsweg. Und Mieten ist nicht automatisch „rausgeschmissenes Geld", wie es der Stammtisch gerne behauptet. Es kommt darauf an — und zwar auf konkrete Zahlen, nicht auf Bauchgefühl.
In diesem Ratgeber bekommst du eine ehrliche Faustregel, eine Beispielrechnung über 30 Jahre und einen Blick auf die versteckten Kosten beider Seiten. Damit du am Ende nicht spekulierst, sondern entscheidest.
Kurz & knapp:
- Mietrendite-Faustregel als erster Filter: > 4 % spricht für Kauf, < 3 % für Miete.
- Aktuelle Bauzinsen: 3,65 – 4,20 % effektiv (10 Jahre Zinsbindung, Stand Mai 2026).
- Eine ehrliche Entscheidung braucht einen 30-Jahre-Horizont — und Klarheit über die geplante Wohndauer.
Bevor du in Excel-Tabellen versinkst: Schau auf die Statistik. In Deutschland besitzt rund die Hälfte der Haushalte ihr Zuhause selbst — laut Statistischem Bundesamt liegt die Wohneigentumsquote bei 46,5 % (Mikrozensus 2022). Damit ist Deutschland eines der mietlastigsten Länder Europas. Die andere Hälfte mietet — und das ist kein Versagen, sondern oft eine bewusste Entscheidung.
Wenn du Kauf und Miete miteinander vergleichst, geht es im Kern nie nur um die Frage „Wer bezahlt monatlich weniger?". Diese Sicht greift zu kurz. Drei Achsen entscheiden mit:
- Liquidität: Wie viel Eigenkapital bindest du dauerhaft? Wie viel bleibt frei?
- Flexibilität: Wie schnell kannst du den Wohnort wechseln, wenn sich das Leben dreht?
- Vermögen: Bauen die monatlichen Zahlungen langfristig Eigentum auf — oder sind sie weg?
Beim Mieten zahlst du für die Nutzung. Beim Kauf zahlst du für die Nutzung und baust gleichzeitig Eigentum auf. Klingt wie ein klarer Kauf-Sieg — wäre da nicht der Effektivzins, die Instandhaltung, die Eigenkapitalbindung und die Frage, was du mit dem nicht gebundenen Geld als Mieter alternativ tun könntest. Genau deshalb brauchst du eine Faustregel, die diese Schlachtfelder auf einen einzigen Wert verdichtet: die Mietrendite.
Die Mietrendite-Faustregel: dein erster Filter
Die Mietrendite ist eine simple, aber harte Kennzahl. Sie sagt dir, wie viel Prozent vom Kaufpreis du jährlich als Miete zurückbekommen würdest, wenn du dieselbe Wohnung vermieten würdest. Daran lässt sich ablesen, ob ein Kauf gegenüber einer vergleichbaren Miete „fair" gepreist ist.
Die Formel:
Mietrendite (in %) = Jahres-Kaltmiete eines vergleichbaren Objekts / Kaufpreis × 100
Beispiel: Eine 70-m²-Wohnung kostet 350.000 EUR. Eine vergleichbare Wohnung im selben Viertel wird für 1.200 EUR Kaltmiete pro Monat angeboten. Jahresmiete = 14.400 EUR. Mietrendite = 14.400 / 350.000 = 4,1 %.
Grundsätzlich gilt:
- Mietrendite über 4 % → Kauf ist tendenziell günstiger als Mieten
- Mietrendite 3 % bis 4 % → unentschieden, individuelle Rechnung entscheidet
- Mietrendite unter 3 % → Mieten ist tendenziell günstiger
Die Faustregel ersetzt keine vollständige Kalkulation — aber sie verhindert, dass du in München für 7.000 EUR/m² kaufst, während die vergleichbare Mietwohnung nebenan zwei Prozent Mietrendite abwirft. Hierbei lohnt sich kein Kauf-Optimismus, der ist mathematisch nicht zu retten.
Beispielrechnung: 30 Jahre Kauf vs. Miete
Eine Faustregel reicht für die erste Sortierung. Für die echte Entscheidung brauchst du den Langzeit-Blick. Stiftung Warentest empfiehlt deshalb, Kauf und Miete über mindestens 30 Jahre durchzurechnen — nur dann zeigen sich Tilgungseffekt, Mietsteigerung und Instandhaltung in voller Wirkung.
Wir nehmen unser Beispielobjekt von oben und legen klare Annahmen offen.
| Kaufpreis | 350.000 EUR |
| Eigenkapital | 70.000 EUR (20 %) |
| Darlehen | 280.000 EUR |
| Effektivzins | 3,90 % p.a. (Mitte der Marktrange Mai 2026) |
| Anfängliche Tilgung | 2,00 % p.a. |
| Zinsbindung | 10 Jahre |
| Instandhaltung | 70 EUR/Monat (1 EUR pro m²) |
| Kaltmiete heute | 1.200 EUR/Monat |
| Mietsteigerung | 1,5 % p.a. |
Monatsrate Kauf
Anfängliche Annuität (Zins + Tilgung) = 5,90 % auf 280.000 EUR = rund 1.377 EUR/Monat. Plus 70 EUR Instandhaltung = 1.447 EUR/Monat brutto in den ersten Jahren.
Kumulierter Kauf-Cashflow nach 30 Jahren
Die Monatsrate summiert sich (mit Tilgungseffekt + Anschlussfinanzierung) auf rund 496.000 EUR Kreditbelastung, plus 25.000 EUR Instandhaltung, plus 70.000 EUR Eigenkapital, plus rund 50.000 EUR Nebenkosten. Macht in Summe rund 640.000 EUR Cash-Outflow — am Ende besitzt du eine bezahlte Immobilie.
Kumulierter Miet-Cashflow nach 30 Jahren
Bei 1,5 % Mietsteigerung pro Jahr steigst du in Jahr 1 mit 14.400 EUR und endest in Jahr 30 bei rund 22.000 EUR Jahresmiete. Summe über 30 Jahre: rund 541.000 EUR. Du besitzt am Ende keine Immobilie — aber du hattest 30 Jahre Flexibilität und freies Eigenkapital.
Was sagt das?
Auf den ersten Blick zahlt der Käufer rund 99.000 EUR mehr Cash. Allerdings gehört ihm am Ende die Immobilie. Wenn die Wohnung nach 30 Jahren noch 350.000 EUR wert ist, liegt der Käufer im Vermögensvergleich klar vorn. Wenn der Mieter sein freies Eigenkapital alternativ in einen ETF mit 5 % p.a. investiert hätte, würde sich das Bild wieder ausgleichen.
Versteckte Kosten beider Seiten
Die offiziellen Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. Hingegen schlummern auf beiden Seiten Kosten, die in Vergleichsrechnern oft fehlen.
Kauf — was gerne vergessen wird
- Instandhaltung: rund 1 EUR pro m²/Monat — über 30 Jahre rund 25.000 EUR
- Modernisierungsrücklage: Heizung, Bad, Dach — irgendwann fünfstellig
- Hausgeld bei ETW: typisch 3 EUR pro m²/Monat, davon ein Teil nicht umlagefähig
- Grundsteuer: seit Reform 2025 stark regional unterschiedlich
- Eigenkapital-Bindung: 70.000 EUR stecken in Stein — Opportunitätskosten
- Kaufnebenkosten: rund 10–15 % vom Kaufpreis (Notar, Grunderwerbsteuer, Makler) — siehe Eigenkapital-Anteil
Miete — was gerne kleingeredet wird
- Mietsteigerung: 1–2 % p.a. — über 30 Jahre eine Verteuerung um über 50 %
- Kein Vermögensaufbau: jede gezahlte Miete ist konsumiert
- Abhängigkeit vom Vermieter: Eigenbedarf, Modernisierungsumlage, Mietspiegel
- Umzugskosten: realistisch 5.000–10.000 EUR pro Umzug
Beide Seiten haben blinde Flecken. Daher ist es ehrlicher, sie nebeneinanderzustellen, statt eine Seite romantisch zu überhöhen.
Wann passt Kaufen, wann passt Mieten zu dir?
Zahlen alleine entscheiden nicht. Deine Lebensphase, deine Karriere und deine Risikobereitschaft sind genauso wichtig. Hier ein paar pragmatische Wegweiser:
- Wenn du 10 Jahre oder länger an einem Ort bleiben willst, 20 % Eigenkapital plus Nebenkosten beisammen hast und ein stabiles Einkommen mitbringst — dann lohnt sich der Kauf-Pfad ernsthaft zu prüfen.
- Wenn deine Karriere noch in Bewegung ist und ein Standortwechsel innerhalb von 3–5 Jahren wahrscheinlich ist — bleib bei der Miete und investiere stattdessen breit gestreut. Ein zu früh gekauftes Haus kann dich Jahre kosten.
- Wenn Familienplanung ansteht und der Standort fix ist — dann verschiebt sich das Argument deutlich Richtung Kauf, weil du Stabilität und Planungssicherheit kaufst.
- Wenn dein Eigenkapital unter 10 % liegt oder dein Einkommen schwankt — dann ist Mieten plus paralleler ETF-Sparplan in den meisten Fällen die robustere Wahl. Vollfinanzierung ist möglich, aber teuer und riskanter.
Hierbei ist Ehrlichkeit mit dir selbst die wichtigste Währung. Wenn du tiefer rechnen willst — also nicht nur „kann ich es bezahlen", sondern „was bleibt mir am Monatsende übrig" — dann führt der nächste logische Schritt zu unserem Ratgeber zur Frage, wie viel Haus du dir leisten kannst. Wer eher das konkrete Zahlenwerk sucht, wirft einen Blick in den Budgetrechner Baufinanzierung — dort kannst du Eigenkapital, Tilgung und Zinsbindung in 60 Sekunden durchspielen.
Was du jetzt tun solltest
Du hast die Faustregel, du kennst die Größenordnungen einer 30-Jahre-Rechnung, und du hast die versteckten Kosten beider Seiten auf dem Tisch. Das ist mehr Klarheit, als die meisten beim ersten Notartermin haben.
Wenn die Mietrendite in deiner Wunschlage über 4 % liegt und du langfristig planst, lohnt sich der nächste Schritt: in unserer Baufinanzierungs-Übersicht findest du, wie das konkrete Zahlenwerk für dein Vorhaben aussehen würde.
Wenn die Mietrendite unter 3 % liegt oder deine Lebensplanung gerade in Bewegung ist — bleib gelassen bei der Miete und nutze die Differenz, um parallel breit zu investieren. Das ist keine Niederlage, sondern eine kluge Entscheidung.
Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. Konkrete Entscheidungen über Kauf oder Miete einer Immobilie hängen von individuellen Lebens- und Vermögensumständen ab. Die genannten Zinssätze und Kalkulationen basieren auf marktüblichen Annahmen (Stand: Mai 2026) und sind keine garantierten Werte.
Quellen: Statistisches Bundesamt (Wohneigentumsquote 2022), Verbraucherzentrale Bundesverband, Stiftung Warentest (Methodik 30-Jahre-Vergleich), Deutsche Bundesbank (MFI-Zinsstatistik), Immobilienverbände VDM/IVD (Instandhaltungs-Faustregel). Stand: Mai 2026.
Häufige Fragen
Ab wann lohnt sich ein Hauskauf?
Grundsätzlich gilt: ab einer geplanten Wohndauer von 10 bis 15 Jahren — und nur, wenn die Mietrendite vergleichbarer Objekte über 4 % liegt. Kürzer wird es selten attraktiv, weil Kaufnebenkosten und Tilgungsstart die ersten Jahre besonders teuer machen.
Was ist günstiger — Kaufen oder Mieten?
Es kommt auf drei Variablen an: Mietrendite, geplante Wohndauer und Eigenkapital. Eine seriöse Antwort gibt es nur über die individuelle 30-Jahre-Rechnung — Pauschalaussagen sind in der Regel falsch.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für den Kauf?
Als Richtwert: 20 % des Kaufpreises plus die Nebenkosten von 10–15 %. Bei einem 350.000-EUR-Objekt reden wir also von rund 100.000 EUR. Mehr Details findest du in unserem Ratgeber zum Eigenkapital-Anteil.
Sollte ich 2026 bei den aktuellen Zinsen kaufen?
Die Bauzinsen liegen aktuell bei 3,65 bis 4,20 % effektiv für 10 Jahre Zinsbindung (Stand Mai 2026). Das ist deutlich höher als 2021, aber nicht ungewöhnlich im historischen Vergleich. Wichtiger als die Marktphase ist deine individuelle Rechnung — die Faustregel und der 30-Jahre-Horizont gelten unabhängig vom aktuellen Zinsniveau.
Was kostet ein Haus auf 30 Jahre wirklich?
Eine grobe Daumenregel: rechne mit dem Kaufpreis plus rund 30 % Zinsen und plus rund 30 % Instandhaltung. Bei einem 350.000-EUR-Objekt landest du also kalkulatorisch bei rund 560.000–650.000 EUR Cash-Outflow über 30 Jahre — abhängig von Zinsentwicklung und Tilgungstempo.
Welche Mietrendite-Schwelle ist entscheidend?
Verbraucherorganisationen sehen 4 % als Pro-Kauf-Schwelle, 3 % als Pro-Miete-Schwelle. Dazwischen liegt die Grauzone — hier entscheidet die individuelle Rechnung. In den deutschen Top-7-Städten liegen Mietrenditen seit Jahren oft unter 3 %, auf dem Land häufig über 4 %.

Geprüft und freigegeben von
Alexander Senger
Gründer & Geschäftsführer
Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.
Erfahrung
15+ Jahre Finanzbranche
Qualifikation
Diplom-Finanzfachwirt (FH)
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