Geldmarktfonds
Ein Geldmarktfonds ist ein Investmentfonds, der Geld in sehr kurz laufende Zinspapiere und Bankeinlagen anlegt. Hier erfährst du, was ihn ausmacht, wie er geschützt ist und wo seine Grenzen liegen.
Das musst du über Geldmarktfonds wissen
- 🏦 Kurze Laufzeiten, keine Aktien: Ein Geldmarktfonds legt in Geldmarktpapiere, Bankeinlagen und Pensionsgeschäfte an, Aktien sind verboten. Einzelne Geldmarktpapiere laufen höchstens 397 Tage, bei Standard-Geldmarktfonds bis zu zwei Jahre, wenn ihr Zins spätestens nach 397 Tagen neu festgelegt wird.
- 🏷️ Geschützter Name: Geldmarktfonds darf sich ein Fonds in der EU nur nennen, wenn er nach der Verordnung (EU) 2017/1131 zugelassen ist. Seine Unterlagen müssen dann Typ und Kategorie angeben.
- 🛡️ Sondervermögen statt Einlage: Bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds gehört das Fondsvermögen nicht zur Insolvenzmasse der Fondsgesellschaft. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt für Fondsanteile nicht, weil sie keine Bankeinlage sind.
- ⚠️ Keine Garantie: Der Anteilswert kann sinken, etwa wenn die Geldmarktzinsen unter null liegen oder ein Schuldner des Fonds ausfällt. Das Risiko eines Kapitalverlusts trägst du als Anleger.
Was ist ein Geldmarktfonds?
Ein Geldmarktfonds ist ein Investmentfonds, der in kurzfristige Anlagen investiert und eine Rendite in Höhe der Geldmarktzinsen oder den Erhalt des angelegten Werts anstrebt. So beschreibt ihn die EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131). Der Geldmarkt ist der Teil des Finanzmarkts, auf dem sich Banken, Staaten und Unternehmen für kurze Zeit Geld leihen. Auf Englisch heißt der Fonds Money Market Fund, kurz MMF.
Was ein Geldmarktfonds kaufen darf, legt die Verordnung abschließend fest: Geldmarktinstrumente, also kurz laufende Schuldtitel von Staaten, Banken und Unternehmen, außerdem Einlagen bei Banken, Pensionsgeschäfte, bestimmte Verbriefungen und Anteile an anderen Geldmarktfonds. Aktien und Rohstoffe sind verboten, auch über Umwege wie Derivate oder Indizes.
Ein einzelnes Geldmarktinstrument darf höchstens 397 Tage bis zur Fälligkeit haben. Oft liest du, Geldmarktfonds legten nur für maximal ein Jahr an. Das stimmt nicht ganz: Standard-Geldmarktfonds dürfen auch Papiere mit bis zu zwei Jahren Restlaufzeit halten, sofern deren Zins spätestens nach 397 Tagen an den Geldmarkt angepasst wird.
Der Name ist geschützt. Nach Artikel 6 der Verordnung darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen oder den Eindruck erwecken, einer zu sein, wenn er als Geldmarktfonds zugelassen ist. Für in Deutschland aufgelegte Publikumsfonds geht die BaFin einen Schritt weiter: Schon der Namensbestandteil „Geldmarkt“ setzt nach ihrer Fondskategorien-Richtlinie voraus, dass der Fonds ein Geldmarktfonds im Sinne der Verordnung ist. Ob ein Fonds zugelassen ist, kannst du im öffentlichen Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA nachsehen.
Welche Arten von Geldmarktfonds gibt es?
Die Verordnung sortiert Geldmarktfonds nach zwei Merkmalen: wie der Anteilspreis entsteht und wie lang die Papiere im Portfolio laufen dürfen.
Nach dem Anteilspreis: VNAV, CNAV und LVNAV
- VNAV-Geldmarktfonds (variabler Nettoinventarwert): Der Anteilspreis folgt dem Marktwert der Anlagen und kann steigen oder fallen.
- CNAV-Geldmarktfonds für öffentliche Schuldtitel (konstanter Nettoinventarwert): Der Fonds strebt einen gleichbleibenden Anteilspreis an und muss dafür mindestens 99,5 Prozent seines Vermögens in Staatspapiere, damit besicherte Pensionsgeschäfte und Barmittel anlegen.
- LVNAV-Geldmarktfonds (Nettoinventarwert mit niedriger Volatilität): Auch er darf Anteile zu einem konstanten Preis ausgeben und zurücknehmen, aber nur, solange dieser Preis nicht mehr als 20 Basispunkte (0,20 Prozentpunkte) vom Marktwert abweicht. Bei einer größeren Abweichung gilt der tatsächliche Marktwert.
Für dich heißt das: Ein konstanter Anteilspreis ist ein Ziel, keine Garantie.
Nach der Laufzeit: kurzfristig oder Standard
Kurzfristige Geldmarktfonds halten ihr Portfolio sehr kurz. Standard-Geldmarktfonds dürfen länger anlegen, um eine etwas höhere Rendite als am Geldmarkt zu erzielen. Sie sind immer VNAV-Fonds.
| Vorgabe der Verordnung | Kurzfristiger VNAV-Geldmarktfonds | Kurzfristiger CNAV- oder LVNAV-Geldmarktfonds | Standard-Geldmarktfonds (nur VNAV) |
|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Zinsbindung (WAM), höchstens | 60 Tage | 60 Tage | 6 Monate |
| Durchschnittliche Restlaufzeit (WAL), höchstens | 120 Tage | 120 Tage | 12 Monate |
| Täglich fällige Mittel, mindestens (Anteil am Fondsvermögen) | 7,5 % | 10 % | 7,5 % |
| Wöchentlich fällige Mittel, mindestens (Anteil am Fondsvermögen) | 15 % | 30 % | 15 % |
| Restlaufzeit eines einzelnen Geldmarktinstruments | bis 397 Tage | bis 397 Tage | bis 2 Jahre, Zinsanpassung spätestens nach 397 Tagen |
Die WAM (Weighted Average Maturity) misst, wie lange es im Schnitt dauert, bis der Zins der Papiere neu festgelegt wird. An ihr siehst du, wie stark der Fonds auf Zinsänderungen reagiert. Die WAL (Weighted Average Life) misst die durchschnittliche Zeit bis zur Rückzahlung der Papiere und damit, wie lange der Fonds seinen Schuldnern Geld leiht.
Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 2, 3, 10, 24, 25, 33 und 36; ESMA, TRV Risk Analysis 2019 und 2021. Stand: September 2026.
Wie sicher ist ein Geldmarktfonds?
Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht
Das Geld im Fonds ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds ist es ein Sondervermögen: Die Gesellschaft muss es getrennt von ihrem eigenen Vermögen halten, es haftet nicht für ihre Schulden, und bei ihrer Insolvenz fällt es nicht in die Insolvenzmasse. Jeder zugelassene Geldmarktfonds hat außerdem eine Verwahrstelle, die das Fondsvermögen verwahrt. Ist ein Fonds in einem anderen EU-Staat aufgelegt, gilt das Fondsrecht dieses Staates.
Wenn deine Depotbank pleitegeht
Fondsanteile in deinem Depot sind Wertpapiere in deinem Eigentum. Laut BaFin kannst du bei einer Insolvenz der Bank die Herausgabe verlangen oder das Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Wie das in der Praxis abläuft, erklärt der Ratgeber zur Sicherheit beim Broker.
Warum die Einlagensicherung nicht greift
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt dein Guthaben auf Bankkonten bis 100.000 Euro je Kunde und Bank. Ein Fondsanteil ist aber keine Einlage, sondern ein Anteil an einem Fondsvermögen, dessen Wert schwanken kann. Das Einlagensicherungsgesetz erfasst nur Guthaben, die zum Nennwert zurückzuzahlen sind, und die BaFin nennt Investmentfondsanteile ausdrücklich als nicht geschützt. Wie der Schutz von Bankguthaben funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld.
Das Risiko, das bleibt
Keine dieser Regeln schützt dich vor Verlusten am Markt. Ein Geldmarktfonds hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Die Verordnung verbietet sogar, dass Dritte, etwa der Initiator des Fonds, einspringen, um den Anteilswert oder die Zahlungsfähigkeit des Fonds zu stützen. Die kurzen Laufzeiten sollen Zins- und Ausfallrisiko niedrig halten, ausschließen können sie beides nicht.
Liegen die Geldmarktzinsen unter null, kann dein Anteil an Wert verlieren. Der Einlagesatz der EZB war von Juni 2014 bis Juli 2022 negativ. Außerdem darf eine Fondsgesellschaft die Rücknahme von Anteilen in außergewöhnlichen Situationen vorübergehend aussetzen. Für CNAV- und LVNAV-Fonds sieht die Verordnung zusätzlich Gebühren und Obergrenzen für Rückgaben vor, wenn ihre wöchentlich fälligen Mittel knapp werden.
Quellen: §§ 92, 93, 98, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; § 2 Einlagensicherungsgesetz; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 4, 34, 35 und 36; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, Zinssätze der EZB. Stand: September 2026.
So hältst du einen Geldmarktfonds im Depot
Geldmarktfonds kaufst du wie andere Fonds über ein Wertpapierdepot, je nach Fonds über die Börse oder direkt bei der Fondsgesellschaft. Beim direkten Kauf und bei der Rückgabe entspricht der Preis dem aktuellen Anteilswert, Gebühren aus dem Verkaufsprospekt können hinzukommen. Dazu kommen die laufenden Kosten des Fonds und die Ordergebühren deines Depots. Depots für den Fondskauf findest du im Depot-Vergleich.
Oft steckt ein Geldmarktfonds auch dort, wo du ihn nicht selbst kaufst. Manche Finanzanbieter legen Guthaben ganz oder teilweise in Geldmarktfonds an, statt es als Bankeinlage zu führen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat 2025 bei einem Neobroker beanstandet, dass Kunden das erst im Kleingedruckten erfuhren. Frag deshalb nach, welcher Teil deines Guthabens als Einlage geführt wird und welcher in Fondsanteilen liegt. Nur für den Einlagenteil gilt die Einlagensicherung.
Steuerlich ist ein Geldmarktfonds ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds. Weil Geldmarktfonds weder Aktien noch Immobilien halten dürfen, gehören sie nicht dazu. Wie Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag auf diese Erträge wirken, erklärt der Ratgeber zu Steuern im Depot.
Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 9 und 33; §§ 16, 20 Investmentsteuergesetz; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 11.02.2025. Stand: September 2026.
Geldmarktfonds, Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF?
Geldmarktfonds werden oft als Alternative zum Tagesgeld besprochen. Bei beiden hängt der Ertrag vom Zinsniveau ab, rechtlich sind sie aber grundverschieden. Aktuelle Zinsen für Bankeinlagen zeigt der Tagesgeld-Vergleich.
| Merkmal | Geldmarktfonds | Tagesgeld |
|---|---|---|
| Was du besitzt | Anteile an einem Fondsvermögen | Forderung gegen die Bank |
| Schutz | keine Einlagensicherung, Fondsvermögen getrennt von der Fondsgesellschaft | gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank |
| Wert | kann schwanken und sinken | Nennwert plus Zinsen |
| Ertrag | orientiert sich an den Geldmarktzinsen, abzüglich Fondskosten | variabler Zins, den die Bank festlegt |
| Zugriff | Verkauf oder Rückgabe über das Depot | Überweisung auf das Referenzkonto |
Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, häufig per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht. Was das für Schutz und Steuer bedeutet, erklärt der Eintrag zum Geldmarkt-ETF.
Ein Geldmarktfonds kann passen
- für Geld, das im Depot auf den nächsten Kauf wartet
- für Beträge, die über die Einlagensicherung einer einzelnen Bank hinausgehen
- wenn du dem Zinsniveau folgen willst, ohne für Neukundenzinsen die Bank zu wechseln
Ein Geldmarktfonds passt nicht
- für den Notgroschen, den du ohne Verkauf über das Depot erreichen willst
- wenn du einen festen Zins für eine feste Laufzeit suchst
- für kleine Beträge, bei denen feste Ordergebühren den Ertrag aufzehren
Ein Grenzfall ist die Währung. Geldmarktfonds gibt es auch in US-Dollar und anderen Währungen. Dann entscheidet neben dem Zins der Wechselkurs, wie viele Euro du am Ende zurückbekommst. Die kurzen Laufzeiten schützen nicht vor Währungsverlusten.
Ob ein Fonds ein Geldmarktfonds ist, entscheidet seine Zulassung, nicht sein Name oder die Werbung. Ein zugelassener Geldmarktfonds muss in seinen Unterlagen angeben, ob er ein VNAV-, CNAV- oder LVNAV-Fonds ist und ob er kurzfristig oder Standard ist.
Fazit: ein Fonds für Geld im Wartestand
Unsere Einschätzung: Ein Geldmarktfonds ist kein Konto mit anderem Namen, sondern ein eigens regulierter Wertpapierfonds mit kurzen Laufzeiten. Sein Schutz liegt im getrennten Fondsvermögen, nicht in der Einlagensicherung. Für Geld, das im Depot wartet, und für Beträge über 100.000 Euro kann er das Tagesgeld ergänzen, den Notgroschen ersetzt er nicht. Unser Tipp: Prüf vor dem Kauf Typ und Kategorie in den Unterlagen, und frag bei Zinsangeboten von Brokern und Apps, welcher Teil deines Guthabens im Fonds liegt.
Häufige Fragen zu Geldmarktfonds
Unter Geldmarktfonds versteht man Investmentfonds, die in kurz laufende Geldmarktinstrumente, Bankeinlagen und Pensionsgeschäfte investieren. Sie streben eine Rendite in Höhe der Geldmarktzinsen oder den Erhalt des angelegten Werts an. In der EU darf sich nur ein Fonds so nennen, der nach der Verordnung (EU) 2017/1131 zugelassen ist.
Sind Geldmarktfonds sinnvoll?Das hängt vom Zweck ab. Für Geld, das kurzfristig im Depot geparkt wird, oder für Beträge oberhalb der Einlagensicherung einer Bank können sie sinnvoll sein. Für den Notgroschen bleibt ein Tagesgeldkonto die robustere Wahl, weil ein Fondsanteil schwanken kann und nicht unter die Einlagensicherung fällt.
Wie hoch ist die Rendite bei Geldmarktfonds?Einen festen Wert gibt es nicht. Die Rendite orientiert sich an den Zinsen am Geldmarkt, die die EZB über ihren Einlagesatz steuert, und sinkt um die laufenden Kosten des Fonds. Standard-Geldmarktfonds legen länger an und zielen deshalb auf eine leicht höhere Rendite. Aktuelle Werte stehen im Factsheet des jeweiligen Fonds.
Welche sind die besten Geldmarktfonds?Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, und der Name allein sagt wenig. Vergleiche fünf Punkte: den Typ (VNAV, CNAV oder LVNAV), die Kategorie (kurzfristig oder Standard), die laufenden Kosten, die Währung und die Qualität der Schuldner im Portfolio. Laufzeiten, Kreditprofil und größte Positionen muss der Fonds seinen Anlegern regelmäßig offenlegen.
Kann man mit Geldmarktfonds Geld verlieren?Ja. Der Anteilswert kann sinken, wenn die Geldmarktzinsen negativ sind, wenn ein Schuldner des Fonds ausfällt oder wenn die Kosten den Zinsertrag übersteigen. Die Verordnung schreibt vor, dass Geldmarktfonds in ihren Vertriebsunterlagen darauf hinweisen: Ein Geldmarktfonds ist keine garantierte Anlage, und das Risiko des Kapitalverlusts trägt der Anleger.
Datenstand: September 2026. Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, ESMA, BaFin, Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.