Finanzlexikon

Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.

3

3D-Secure

3D-Secure ist das Verfahren, mit dem du eine Online-Zahlung mit Kredit- oder Debitkarte zusätzlich bei deiner Bank bestätigst. Hier erfährst du, wann die Freigabe Pflicht ist, wann sie fehlen darf und wer bei Missbrauch haftet. Was du über 3D-Secure wissen musst 🔐 Was es ist: 3D-Secure lässt dich eine Online-Kartenzahlung bei deinem Kartenherausgeber bestätigen, zum Beispiel in der App deiner Bank per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN. ⚖️ Pflicht: Deine Bank muss bei einer Online-Zahlung eine starke Kundenauthentifizierung mit zwei unabhängigen Faktoren verlangen, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift (§ 55 ZAG). 💳 Ausnahme Kleinbetrag: Bei Online-Zahlungen bis 30 Euro darf deine Bank auf die Freigabe verzichten, solange seit der letzten Freigabe höchstens 100 Euro oder, je nach Zählweise der Bank, fünf solcher Zahlungen zusammengekommen sind. ⚠️ Haftung: Verlangt deine Bank keine starke Kundenauthentifizierung, haftest du für eine missbräuchliche Zahlung nicht, außer du hast in betrügerischer Absicht gehandelt (§ 675v Abs. 4 BGB). Du bestellst online, gibst deine Kartendaten ein, und dann meldet sich die App deiner Bank: Zahlung bestätigen? Das ist 3D-Secure. Die Abfrage soll sicherstellen, dass wirklich du bezahlst und nicht jemand, der nur deine Kartennummer und die Prüfziffer kennt. Was ist 3D-Secure? 3D-Secure ist ein Sicherheitsprotokoll für Kartenzahlungen, bei denen die Karte nicht vorgelegt wird, also beim Online-Shopping und in Apps. Beim Bezahlen übermittelt der Händler Daten zur Zahlung, zur Karte und zu deinem Gerät an deinen Kartenherausgeber. Der Herausgeber prüft diese Daten und entscheidet, ob er die Zahlung ohne Rückfrage zulässt oder eine Bestätigung von dir verlangt. Das „3-D“ steht für drei Domänen, die an jeder Prüfung beteiligt sind: der Händler mit seinem Zahlungsdienstleister, dein Kartenherausgeber und dazwischen das Kartennetzwerk, etwa Visa oder Mastercard. Der aktuelle Standard heißt EMV 3-D Secure und wird vom Standardisierungsgremium EMVCo gepflegt. 3D-Secure gilt nicht nur für Kreditkarten. Auch Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Funktion nutzen das Verfahren für Online-Zahlungen. Wie sich die beiden Kartenarten sonst unterscheiden, zeigt dir unser Ratgeber Debitkarte und Kreditkarte im Vergleich. So läuft eine Freigabe mit 3D-Secure ab 1 Kartendaten eingeben Du gibst im Checkout Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfziffer ein. Laut BaFin genügen diese Angaben allein für eine Online-Zahlung nicht, außer deine Bank nutzt eine Ausnahme. 2 Daten gehen an deine Bank Der Händler schickt die Zahlungsdaten über das Kartennetzwerk an deinen Kartenherausgeber, also an die Bank, die deine Karte ausgegeben hat. 3 Deine Bank entscheidet Sie prüft das Risiko. Greift eine gesetzliche Ausnahme, kann sie die Zahlung ohne Rückfrage durchlassen. Sonst fordert sie eine Freigabe an. 4 Du bestätigst Du nutzt zwei voneinander unabhängige Faktoren aus drei Kategorien: Wissen (PIN, Passwort), Besitz (registriertes Smartphone) oder Inhärenz (Fingerabdruck, Gesicht). So definiert es § 1 Abs. 24 ZAG. Eine echte Freigabe zeigt dir Betrag und Empfänger der Zahlung an. Das schreibt Art. 5 der EU-Verordnung 2018/389 vor, und der Freigabecode gilt nur für genau diesen Betrag und diesen Händler. Stimmen Betrag oder Händler nicht mit deinem Einkauf überein, brich ab. Genau das rät auch die BaFin. Visa Secure, Mastercard Identity Check, SafeKey: ein Verfahren, drei Namen Die Kartennetzwerke vermarkten 3D-Secure unter eigenen Namen. Technisch steckt überall der Standard EMV 3-D Secure dahinter. Kartennetzwerk Name des Verfahrens Hinweis Visa Visa Secure löste „Verified by Visa“ ab Mastercard Mastercard Identity Check hieß früher „Mastercard SecureCode“ American Express American Express SafeKey Karten sind laut Anbieter automatisch freigeschaltet Quellen: Visa Deutschland, Mastercard Deutschland, American Express Deutschland. Stand: September 2026. Wie du freigibst, legt deine Bank fest, nicht das Netzwerk: per App mit Fingerabdruck, per SMS-Code oder mit Teilen deiner Karten-PIN. Was die Netzwerke sonst trennt, zeigen die Unterschiede zwischen Visa und Mastercard. Ist 3D-Secure Pflicht? Das Gesetz schreibt nicht 3D-Secure vor, sondern eine starke Kundenauthentifizierung. Nach § 55 Abs. 1 ZAG muss dein Zahlungsdienstleister sie verlangen, wenn du eine elektronische Zahlung auslöst. Die Vorschrift setzt Art. 97 der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 um. 3D-Secure ist das Protokoll, mit dem Händler und Banken diese Pflicht im Online-Handel umsetzen. So beschreibt es auch Visa für sein Programm Visa Secure. Die Detailregeln samt Ausnahmen stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389. Sie gilt seit dem 14. September 2019. Für Online-Kartenzahlungen setzte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA eine Umstellungsfrist bis zum 31. Dezember 2020. Seit dem Ende dieser Frist gilt die Pflicht auch beim Online-Einkauf mit Karte ohne Aufschub. Ob du deine Karte einmalig für 3D-Secure registrieren musst, legt dein Kartenherausgeber fest. Mastercard verweist dafür auf die jeweilige Bank, American Express schaltet seine Karten automatisch frei. Wann du ohne Freigabe zahlst Nicht jede Online-Zahlung löst eine Freigabe aus. Die EU-Verordnung 2018/389 erlaubt deiner Bank Ausnahmen, für Online-Käufe zählen vor allem vier: Kleinbeträge: Eine Online-Zahlung bis 30 Euro darf ohne Freigabe laufen, solange seit der letzten Freigabe je nach Zählweise deiner Bank höchstens 100 Euro oder höchstens fünf solcher Zahlungen zusammengekommen sind. Wird die Grenze überschritten, verlangt die Bank wieder eine Freigabe, sofern keine andere Ausnahme greift. Vertrauenswürdige Empfänger: Bietet deine Bank eine Liste vertrauenswürdiger Empfänger an, darf sie Zahlungen an Händler auf dieser Liste ohne Freigabe durchlassen. Das Anlegen und Ändern der Liste verlangt selbst eine starke Kundenauthentifizierung, und nur du kannst Einträge vornehmen, nicht der Händler. Risikoanalyse: Stuft deine Bank eine Online-Zahlung nach einer Echtzeit-Prüfung als risikoarm ein, darf sie auf die Freigabe verzichten. Das geht nur bis zu festen Betragsgrenzen und nur, solange die Betrugsquote der Bank unter einer gesetzlichen Obergrenze liegt. Ungewöhnliches Kaufverhalten, ein ungewöhnlicher Ort oder Schadsoftware schließen die Ausnahme aus. Vom Händler ausgelöste Zahlungen: Richtest du ein Abo mit Karte ein, bestätigst du beim Einrichten. Die späteren Abbuchungen löst der Händler selbst aus, ohne dass du etwas tust, und sie brauchen keine erneute Freigabe. Dasselbe Prinzip gilt für die Lastschrift im Internet. Alle Ausnahmen sind Kann-Regeln. Deine Bank darf trotzdem jedes Mal eine Freigabe verlangen. Über eine Ausnahme entscheiden die beteiligten Zahlungsdienstleister, nie der Händler selbst. Rechtsgrundlage: Art. 13, 16 und 18 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389; EBA-Auslegungen 2018_4031, 2018_4128 und 2019_4785. Stand: September 2026. Wer haftet, wenn trotzdem Geld abgebucht wird? Hast du eine Zahlung nicht ausgelöst, muss deine Bank sie spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach deiner Meldung erstatten. Das gilt nicht, wenn sie der Aufsicht schriftlich einen begründeten Betrugsverdacht gegen dich meldet (§ 675u BGB). Ob du einen Teil des Schadens trägst, regelt § 675v BGB: Situation Deine Haftung Rechtsgrundlage Karte verloren, gestohlen oder missbraucht, ohne grobe Pflichtverletzung von dir höchstens 50 Euro § 675v Abs. 1 BGB Deine Bank hat keine starke Kundenauthentifizierung verlangt, etwa weil sie eine Ausnahme genutzt hat 0 Euro, außer bei Betrugsabsicht § 675v Abs. 4 BGB Missbrauch nach deiner Sperrmeldung 0 Euro, außer bei Betrugsabsicht § 675v Abs. 5 BGB Betrugsabsicht oder vorsätzliche beziehungsweise grob fahrlässige Verletzung deiner Sorgfaltspflichten gesamter Schaden § 675v Abs. 3 BGB Rechtsgrundlage: §§ 675l, 675u, 675v, 675w und 676b BGB, umgesetzt aus Art. 69 bis 74 PSD2. Stand: September 2026. Die Regel aus § 675v Abs. 4 BGB zeigt, warum 3D-Secure auch dich absichert: Verzichtet deine Bank auf die Freigabe, trägt sie das Risiko, und die 50 Euro Selbstbeteiligung entfallen. Bestreitest du eine Zahlung, muss die Bank die korrekte Authentifizierung beweisen. Eine aufgezeichnete Freigabe allein beweist nach § 675w BGB noch keine grobe Fahrlässigkeit, dafür braucht die Bank weitere Beweismittel. Melde eine fremde Zahlung sofort. Spätestens 13 Monate nach dem Tag der Belastung sind deine Ansprüche ausgeschlossen, sofern deine Bank dich über die Zahlung informiert hat (§ 676b BGB). Wie du deine Karte schnell sperrst, zeigt dir der Ratgeber Karte sofort sperren. Wo 3D-Secure schützt und wo nicht 3D-Secure schützt dich wenn jemand deine Kartennummer und Prüfziffer ausgespäht hat: Verlangt deine Bank eine Freigabe, reichen die Daten allein nicht für eine Online-Zahlung wenn ein Shop den Betrag nachträglich ändern will: Der Freigabecode gilt nur für den angezeigten Betrag und Händler wenn deine Bank auf die Freigabe verzichtet: Dann liegt das Missbrauchsrisiko bei ihr, nicht bei dir 3D-Secure schützt dich nicht wenn du selbst eine Zahlung freigibst, die du nicht ausgelöst hast, etwa weil ein angeblicher Bankmitarbeiter am Telefon darum bittet bei Abo-Folgebuchungen, die der Händler nach deiner ersten Freigabe selbst auslöst bei Händlern, deren Zahlungsdienstleister außerhalb der EU sitzt: Er ist nicht an die EU-Regeln gebunden. Kann deine Bank keine Freigabe anfordern, entscheidet sie selbst, ob sie die Zahlung blockiert oder durchlässt und dann dafür haftet Wie Betrüger an Kartendaten und Freigaben kommen, zeigt der Ratgeber zu typischen Betrugsmaschen bei Kreditkarten. Gib nur eine Zahlung frei, deren Betrag und Händler du gerade selbst ausgelöst hast. Unsere Einschätzung: 3D-Secure ist lästig, wenn die App im falschen Moment klingelt. Aber es verschiebt das Risiko zu deinen Gunsten. Ohne deine Freigabe haftest du nur in engen Grenzen, und verzichtet die Bank darauf, trägt sie den Schaden. Lass die Benachrichtigungen deiner Banking-App aktiv, lies bei jeder Freigabe Betrag und Händler und brich ab, wenn etwas nicht passt. Wenn du eine neue Karte suchst, findest du die Angebote in unserem Überblick Kreditkarten im Vergleich. Häufige Fragen zu 3D-Secure Was versteht man unter 3-D Secure? 3-D Secure ist ein Sicherheitsprotokoll für Online-Kartenzahlungen. Dein Kartenherausgeber prüft die Zahlungsdaten und verlangt bei Bedarf eine Bestätigung von dir, zum Beispiel per App oder SMS-Code. Visa nennt das Verfahren Visa Secure, Mastercard nennt es Mastercard Identity Check. Ist 3-D Secure Pflicht? Pflicht ist die starke Kundenauthentifizierung: Nach § 55 ZAG muss deine Bank sie bei Online-Zahlungen verlangen, sofern keine Ausnahme greift. 3-D Secure ist das Verfahren, mit dem Kartenzahlungen diese Pflicht erfüllen. Die EU-Regeln gelten seit dem 14. September 2019, für Online-Kartenzahlungen nach einer Übergangszeit bis Ende 2020. Wie kann ich 3-D Secure aktivieren? Das hängt von deinem Kartenherausgeber ab. Manche Banken verlangen eine einmalige Registrierung der Karte, andere schalten sie automatisch frei, zum Beispiel American Express. Die Anleitung findest du auf der Website oder in der App deiner Bank. Gilt 3D-Secure auch für Debitkarten? Ja. Die Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung gilt für elektronische Zahlungen allgemein. Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Funktion nutzen online dasselbe Verfahren wie Kreditkarten. Kann ich 3D-Secure deaktivieren? Nein. Deine Bank ist nach § 55 ZAG verpflichtet, bei Online-Zahlungen eine starke Kundenauthentifizierung zu verlangen. Verzichten darf nur sie, und nur in den gesetzlich erlaubten Ausnahmefällen, etwa bei Kleinbeträgen bis 30 Euro. Warum musste ich bei einem Online-Kauf nichts bestätigen? Dann hat deine Bank eine Ausnahme genutzt, etwa für einen Kleinbetrag, einen Händler auf deiner Liste vertrauenswürdiger Empfänger oder eine risikoarme Zahlung. Oder der Händler hat eine Abo-Folgebuchung ausgelöst. Hat deine Bank bei einer Zahlung, die du nicht autorisiert hast, keine starke Kundenauthentifizierung verlangt, haftest du nicht, außer bei Betrugsabsicht (§ 675v Abs. 4 BGB). Datenstand: September 2026 | Quellen: Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (§§ 1, 55 ZAG), Bürgerliches Gesetzbuch (§§ 675l, 675u, 675v, 675w, 676b BGB), Richtlinie (EU) 2015/2366 (PSD2), Delegierte Verordnung (EU) 2018/389, BaFin, Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), EMVCo, Visa, Mastercard, American Express. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

A

Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer ist die pauschale Steuer auf deine Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Hier siehst du, wie sie berechnet wird und wann sie abgegolten ist. Was du über die Abgeltungssteuer wissen musst 💰 Steuersatz: 25 % auf Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer. Ohne Kirchensteuer sind das 26,375 %. 💵 Kirchensteuer: Bist du kirchensteuerpflichtig, kommen in Bayern und Baden-Württemberg meist 8 %, sonst 9 % hinzu. Weil sie die Kapitalertragsteuer senkt, liegt die Gesamtlast bei 27,82 % oder 27,99 %. 🏦 Abgeltung: Hat eine deutsche Bank die Steuer einbehalten, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt. Erträge ohne deutschen Steuerabzug, etwa bei einem ausländischen Broker, gibst du selbst in der Anlage KAP an. 💡 Zurückholen: Liegt dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 %, kann die Günstigerprüfung Steuer zurückbringen. Einen ungenutzten Sparerpauschbetrag holst du ebenfalls über die Anlage KAP nach. Die Abgeltungssteuer ist in Deutschland die Einkommensteuer auf private Kapitalerträge: eine Steuer mit festem Satz von 25 %, die deine Bank gleich vom Ertrag abzieht und an das Finanzamt abführt (§ 32d Abs. 1 EStG). Amtlich heißt sie Abgeltungsteuer, ohne Fugen-s. Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Der Name beschreibt die Wirkung: Mit dem Abzug an der Quelle ist die Einkommensteuer auf diese Erträge abgegolten (§ 43 Abs. 5 EStG). Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, von denen eine deutsche Bank die Steuer schon einbehalten hat, musst du in der Regel nicht mehr in die Steuererklärung schreiben. Was ist die Abgeltungssteuer, einfach erklärt? Die Abgeltungssteuer gilt für Kapitalerträge, die dir seit dem 1. Januar 2009 zufließen. Eingeführt wurde sie mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008. Seitdem besteuert der Staat Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapierverkäufen im Privatvermögen einheitlich mit 25 %, unabhängig von deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Deine Bank oder dein Broker arbeitet dabei wie ein Arbeitgeber bei der Lohnsteuer und behält die Steuer ein, bevor der Ertrag auf deinem Konto landet. Dieser Abzug heißt Kapitalertragsteuer (§ 43 EStG). Tatsächliche Kosten wie Depotgebühren kannst du nicht absetzen. Stattdessen gilt pauschal der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr, 2.000 € für zusammen veranlagte Ehepaare (§ 20 Abs. 9 EStG). Mit einem Freistellungsauftrag berücksichtigt ihn deine Bank schon beim Abzug. Wie hoch ist die Abgeltungssteuer? Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % des steuerpflichtigen Kapitalertrags. Auf diese Steuer kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % (§§ 3, 4 SolZG). Die Soli-Freigrenze bei der Einkommensteuer gilt hier nicht: Auf die Kapitalertragsteuer wird der Soli weiterhin erhoben. Ohne Kirchensteuer ergibt das 26,375 %. Bestandteil Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalertragsteuer 25,00 % 24,51 % 24,45 % Solidaritätszuschlag (5,5 % der Steuer) 1,375 % 1,35 % 1,34 % Kirchensteuer 0 % 1,96 % 2,20 % Gesamtbelastung 26,375 % 27,82 % 27,99 % Anteil am steuerpflichtigen Kapitalertrag, gerundet. Rechtsgrundlage: § 32d Abs. 1 EStG, §§ 3, 4 SolZG, Kirchensteuerbeschlüsse der Länder. Stand: September 2026. Warum mit Kirchensteuer keine 34 % herauskommen Die Kirchensteuer wird nicht einfach auf die 25 % aufgeschlagen. Das Gesetz senkt die Kapitalertragsteuer um ein Viertel der Kirchensteuer, die auf den Ertrag entfällt (§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG). So wird pauschal berücksichtigt, dass Kirchensteuer sonst als Sonderausgabe abziehbar wäre. Daraus ergibt sich die Formel: Kapitalertragsteuer = Ertrag ÷ (4 + Kirchensteuersatz), mit dem Kirchensteuersatz als Dezimalzahl, also 0,08 oder 0,09. Bei 9 % Kirchensteuer sinkt die Kapitalertragsteuer so auf 24,45 %, bei 8 % auf 24,51 %. Soli und Kirchensteuer werden danach auf diesen niedrigeren Betrag berechnet. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge kannst du deshalb nicht noch einmal als Sonderausgabe absetzen. Ob 8 % oder 9 % gelten, hängt von deinem Wohnsitz ab. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer in der Regel 8 %, in den übrigen Bundesländern 9 %. Die Kirchensteuer behält deine Bank seit 2015 automatisch ein, die Religionszugehörigkeit fragt sie beim Bundeszentralamt für Steuern ab (§ 51a Abs. 2c EStG). Widersprichst du mit einem Sperrvermerk, bleibt die Kirchensteuerpflicht bestehen, und du musst deine Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben (§ 51a Abs. 2e EStG). Rechenbeispiel: 5.000 € Kapitalerträge im Jahr Angenommen, du erhältst in einem Jahr 5.000 € Zinsen und Dividenden bei einer deutschen Bank und hast dort einen Freistellungsauftrag über 1.000 € erteilt. Steuerpflichtig sind dann 4.000 €. Posten Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalerträge 5.000,00 € 5.000,00 € 5.000,00 € Steuerpflichtig nach Freistellungsauftrag 4.000,00 € 4.000,00 € 4.000,00 € Steuer gesamt (Kapitalertragsteuer, Soli, Kirchensteuer) 1.055,00 € 1.112,75 € 1.119,80 € Dir bleiben 3.945,00 € 3.887,25 € 3.880,20 € Eigene Berechnung nach § 32d Abs. 1 EStG und § 4 SolZG. Ohne Kirchensteuer: 1.000,00 € Kapitalertragsteuer und 55,00 € Soli. Mit Kirchensteuer rechnet die Bank jeden Bestandteil einzeln auf den Cent, Abweichungen von einem Cent sind möglich. Stand: September 2026. Welche Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen Die Abgeltungssteuer erfasst Einkünfte aus Kapitalvermögen im Privatvermögen. Für Sparer und Anleger sind vier Arten wichtig: Zinsen auf Tagesgeld, Festgeld, Sparkonten und Anleihen. Wie das bei Tagesgeld konkret abläuft, erklärt der Ratgeber zu Steuern auf Tagesgeldzinsen. Dividenden aus Aktien und Ausschüttungen von Fonds. Kursgewinne beim Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen, unabhängig davon, wie lange du sie gehalten hast. Fondserträge einschließlich der Vorabpauschale. Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung, § 20 Abs. 1 InvStG). Wie das im Depot zusammenspielt, zeigt der Ratgeber zu Steuern im Depot. Übersteigen deine gesamten Einkünfte einschließlich der Kapitalerträge den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung des Finanzamts ganz vom Steuerabzug (§ 44a Abs. 2 EStG). Wie das für Kinder funktioniert, zeigt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung fürs Kinderdepot. Festgeld: In welchem Jahr die Zinsen steuerlich zählen Zinsen gelten in dem Jahr als zugeflossen, in dem sie fällig werden, nicht in dem Jahr, für das sie gezahlt werden (§ 11 Abs. 1 EStG, BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 242). Bei Festgeld mit Zinszahlung am Laufzeitende fällt deshalb der ganze Zinsertrag in ein einziges Steuerjahr. Ein Beispiel, vereinfacht ohne Zinseszins: Ein Festgeld bringt dir über drei Jahre 1.000 € Zinsen pro Jahr, andere Kapitalerträge hast du nicht. Werden die Zinsen jährlich ausgezahlt, deckt der Sparerpauschbetrag jedes Jahr die vollen 1.000 €, und es fällt keine Abgeltungssteuer an. Werden alle 3.000 € erst am Ende ausgezahlt, deckt er nur 1.000 €. Auf die übrigen 2.000 € fallen 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli an, mit Kirchensteuer etwas mehr. Achte beim Festgeld-Vergleich deshalb auch auf den Zinstermin. Mehr dazu, wie Festgeldzinsen besteuert werden, steht im Festgeld-Ratgeber. Verlustverrechnung: zwei Töpfe bei deiner Bank Verluste aus Kapitalvermögen darfst du nur mit Kapitalerträgen verrechnen, nicht mit deinem Gehalt oder anderen Einkünften (§ 20 Abs. 6 EStG). Die Bank erledigt das automatisch über sogenannte Verlustverrechnungstöpfe (§ 43a Abs. 3 EStG). Aktientopf: Verluste aus dem Verkauf von Aktien dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden. Allgemeiner Topf: Alle übrigen Verluste, etwa aus Fonds, ETFs oder Anleihen, darfst du mit allen Kapitalerträgen verrechnen, auch mit Zinsen, Dividenden und Aktiengewinnen. Ein Beispiel: Du hast 2.000 € Zinsen erhalten, dein Freistellungsauftrag ist schon ausgeschöpft, und du verkaufst eine Aktie mit 2.000 € Verlust. Der Aktienverlust darf die Zinsen nicht mindern. Die Bank behält 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli auf die Zinsen ein und trägt den Aktienverlust ins nächste Jahr vor, bis ein Aktiengewinn dazukommt. Hast du Depots bei mehreren Banken, lassen sich Verluste nur über die Steuererklärung bankübergreifend verrechnen. Dafür brauchst du eine Verlustbescheinigung. Die beantragst du bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres bei der Bank, bei der der Verlust entstanden ist (§ 43a Abs. 3 Satz 5 EStG). Wie du zu viel gezahlte Abgeltungssteuer zurückholst Die Bank kennt nur ihre eigenen Konten, nicht dein übriges Einkommen. Deshalb fällt der Abzug manchmal zu hoch aus. Korrigieren lässt du ihn über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung, auf zwei Wegen. Die Werte dafür stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Überprüfung des Steuereinbehalts (§ 32d Abs. 4 EStG): Das Finanzamt rechnet einzelne Punkte nach, etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag, weil der Freistellungsauftrag bei der falschen Bank lag, noch nicht verrechnete Verluste oder ausländische Quellensteuer. Du gibst nur die betroffenen Erträge an. Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG): Das Finanzamt besteuert deine Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz statt mit 25 %, wenn das insgesamt zu einer niedrigeren Steuer führt. Nach der Faustregel der Finanzämter in Baden-Württemberg und Niedersachsen lohnt sich das, wenn dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 % liegt, zum Beispiel bei niedrigem Einkommen im Studium oder in der Rente. Ist die Günstigerprüfung erfolgreich, rechnet das Finanzamt auch den einbehaltenen Soli und die Kirchensteuer an. Führt dein persönlicher Steuersatz nicht zu einer niedrigeren Steuer, gilt der Antrag auf Günstigerprüfung als nicht gestellt, und es bleibt bei der Abgeltungssteuer (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 150). Beantragen kannst du sie aber nur für alle Kapitalerträge des Jahres, als Ehepaar nur gemeinsam. Hast du ein Depot bei einem ausländischen Broker ohne deutschen Steuerabzug, ist die Anlage KAP ohnehin Pflicht. Wie das geht, erklärt der Ratgeber zur Anlage KAP bei ausländischen Brokern. Wann die Abgeltungssteuer gilt und wann nicht Hier greift die Abgeltungssteuer mit 25 % Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Privatvermögen, die dir seit 2009 zufließen Erträge bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker: Abzug an der Quelle, die Steuer ist abgegolten Erträge bei einem ausländischen Broker: derselbe Satz von 25 %, aber du erklärst sie selbst in der Anlage KAP (§ 32d Abs. 3 EStG) Zinsen aus einem Privatdarlehen: meist ebenfalls 25 %, aber ohne Steuerabzug, deshalb gehören sie in die Anlage KAP Hier gelten andere Regeln Kapitalerträge im Betriebsvermögen, etwa auf dem Geschäftskonto von Selbstständigen: persönlicher Steuersatz, weil sie zum Gewinn zählen (§ 20 Abs. 8, § 43 Abs. 5 Satz 2 EStG) Zinsen von einer GmbH, an der du mit mindestens 10 % beteiligt bist: persönlicher Steuersatz, wenn die GmbH die Zinsen als Betriebsausgabe abzieht (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 EStG) Gewinne aus Kryptowährungen: privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG mit eigenen Regeln, siehe Krypto-Steuern Aktien, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und privat gehalten hast: Gewinne beim Verkauf sind steuerfrei, weil für sie noch die alte einjährige Spekulationsfrist gilt (§ 52 Abs. 28 Satz 11 EStG) Ein Grenzfall sind Fondsanteile, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und seitdem privat gehalten hast. Anders als bei Einzelaktien sind deren Wertzuwächse ab 2018 steuerpflichtig, soweit der Gewinn 100.000 € übersteigt (§ 56 Abs. 6 InvStG). Diesen Freibetrag berücksichtigt die Bank nicht, du machst ihn über die Anlage KAP geltend. Unsere Einschätzung: Bei deutschen Banken läuft die Abgeltungssteuer automatisch, deine Stellschrauben liegen daneben. Verteile den Freistellungsauftrag nach deinen tatsächlichen Erträgen je Bank, achte beim Festgeld auf den Zinstermin und beantrage bei mehreren Depots die Verlustbescheinigung bis zum 15. Dezember. Blieb Freibetrag ungenutzt oder ist dein Einkommen niedrig, lohnt sich die Anlage KAP. Wenn du im Tagesgeld-Vergleich oder im Depot-Vergleich Angebote gegenüberstellst, rechne mit dem Ertrag nach Steuern. Häufige Fragen zur Abgeltungssteuer Was ist der Unterschied zwischen Kapitalertragsteuer und Abgeltungssteuer? Die Kapitalertragsteuer ist der Abzug, den deine Bank vom Kapitalertrag vornimmt (§ 43 EStG). Abgeltungssteuer meint den besonderen Steuersatz von 25 % für private Kapitalerträge (§ 32d EStG) und die Wirkung, dass mit dem Abzug die Einkommensteuer darauf erledigt ist. Im Alltag, auch bei den Finanzämtern, werden beide Begriffe gleichbedeutend verwendet. Wie bekomme ich die Abgeltungssteuer zurück? Über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung. Mit der Überprüfung des Steuereinbehalts rechnet das Finanzamt etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag oder Verluste bei anderen Banken nach. Mit der Günstigerprüfung besteuert es alle Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz, falls das günstiger ist. Die Werte stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Wann muss ich keine Abgeltungssteuer zahlen? Keine Abgeltungssteuer zahlst du, solange deine Kapitalerträge im Jahr den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Ehepaare 2.000 €) nicht übersteigen und deine Bank einen passenden Freistellungsauftrag hat. Übersteigen deine gesamten Einkünfte den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine NV-Bescheinigung vom Abzug. Wann muss man Abgeltungssteuer bezahlen? Sobald dir ein Kapitalertrag zufließt: bei Zinsen im Jahr ihrer Fälligkeit, bei Dividenden mit der Auszahlung, bei Kursgewinnen mit dem Verkauf. Eine deutsche Bank zieht die Steuer in diesem Moment ab, du musst nichts überweisen. Bei einem ausländischen Broker zahlst du sie erst mit dem Steuerbescheid nach deiner Steuererklärung. Heißt es Abgeltungssteuer oder Abgeltungsteuer? Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Bundesfinanzministerium, Bundeszentralamt für Steuern und Finanzämter schreiben „Abgeltungsteuer“ ohne Fugen-s, so heißt auch das BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“. Im Alltag ist „Abgeltungssteuer“ deutlich häufiger. In diesem Lexikon steht die gebräuchliche Form, die amtliche nennen wir mit. Fällt auf Kryptowährungen Abgeltungssteuer an? Nein, derzeit nicht. Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen im Privatvermögen werden als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG behandelt. Verkaufst du innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, zahlst du grundsätzlich deinen persönlichen Steuersatz, danach bleibt der Gewinn in der Regel steuerfrei. Stand: September 2026. Quellen: EStG, SolZG, InvStG, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025, Finanzverwaltungen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg, Bundeszentralamt für Steuern. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Annuitätendarlehen

Kurz & knapp: Beim Annuitätendarlehen zahlst du jeden Monat dieselbe Rate – die sogenannte Annuität. Sie setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld, deshalb verschiebt sich die Aufteilung: Der Zinsanteil wird kleiner, der Tilgungsanteil wächst. Bei 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung liegt die Monatsrate bei 1.677,08 €. Annuitätendarlehen sind in Deutschland der Standard für Baufinanzierungen. Definition: Was ist ein Annuitätendarlehen? Ein Annuitätendarlehen ist ein Tilgungsdarlehen mit gleichbleibender Monatsrate. Der Begriff kommt vom lateinischen annus (Jahr) und bezeichnet ursprünglich die jährlich konstante Zahlung. Heute wird die Annuität meist auf zwölf Monatsraten aufgeteilt, die du über die gesamte Zinsbindung gleich hoch ablieferst. Hierbei zahlst du immer denselben Betrag – aber die innere Zusammensetzung verschiebt sich: Am Anfang besteht die Rate überwiegend aus Zinsen, gegen Ende fast nur noch aus Tilgung. Daher der Name Annuitätendarlehen: Die Annuität bleibt konstant, die Restschuld sinkt. Die Annuitätenformel Mathematisch lässt sich die jährliche Annuität exakt berechnen. Die Formel lautet: A = K × qn × (q − 1) / (qn − 1) Dabei stehen die Variablen für: A = jährliche Annuität (Zins + Tilgung) K = Darlehenssumme (Kreditbetrag) q = Zinsfaktor = 1 + Sollzinssatz (z. B. 1,0375 bei 3,75 %) n = Laufzeit in Jahren Für die Praxis ist eine vereinfachte Variante üblich: Du addierst Sollzinssatz und Anfangstilgung, multiplizierst mit der Darlehenssumme und teilst durch zwölf. So erhältst du die monatliche Rate für die ersten Monate. Beispielrechnung: 350.000 € Baufinanzierung Gehen wir das einmal konkret durch. Du nimmst ein Annuitätendarlehen über 350.000 € auf, der Sollzinssatz beträgt 3,75 %, die Anfangstilgung liegt bei 2 %. Berechnung der Monatsrate: Anfangsannuität = 350.000 € × (3,75 % + 2 %) = 350.000 € × 5,75 % = 20.125 € pro Jahr Monatsrate = 20.125 € ÷ 12 = 1.677,08 € Im ersten Monat zahlst du davon rund 1.094 € Zinsen (350.000 € × 3,75 % ÷ 12) und 583 € Tilgung. Nach einem Jahr ist die Restschuld auf etwa 342.900 € gesunken – damit verringert sich auch der Zinsanteil der nächsten Rate. Dieser Effekt summiert sich: Die Tilgung beschleunigt sich automatisch, weil immer weniger Geld in den Zinsanteil fließt. Bei diesen Konditionen tilgst du das Darlehen in rund 28,5 Jahren komplett ab. Mit einer höheren Anfangstilgung von 3 % wären es nur noch 22 Jahre. Wer schneller schuldenfrei sein möchte, sollte deshalb am Tilgungssatz drehen – und nicht an der Zinsbindung. Aufteilung Zins und Tilgung über die Laufzeit Die Verschiebung von Zins zu Tilgung ist das eigentliche Prinzip des Annuitätendarlehens. Hierbei gilt: Mit jeder Monatsrate sinkt die Restschuld, dadurch fallen weniger Zinsen an, dadurch wandert mehr Geld in die Tilgung. Daher beschleunigt sich die Tilgung im Zeitverlauf von selbst. JahrZinsanteilTilgungsanteilRestschuld (Jahresende) 1~13.020 €~7.105 €~342.895 € 10~10.690 €~9.435 €~278.300 € 20~6.260 €~13.865 €~152.300 € 28~770 €~19.355 €~0 € Die Werte sind gerundet und basieren auf 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins, 2 % Anfangstilgung ohne Sondertilgungen. Annuitätendarlehen vs. Tilgungsdarlehen Ein Tilgungsdarlehen funktioniert genau umgekehrt: Hier bleibt der Tilgungsbetrag konstant, die Rate sinkt im Lauf der Zeit. Einerseits zahlst du dadurch insgesamt weniger Zinsen, andererseits ist die Anfangsbelastung höher. Allerdings sind reine Tilgungsdarlehen für Privatkunden in Deutschland kaum noch zu bekommen – Banken bieten sie meist nur Unternehmen an. MerkmalAnnuitätendarlehenTilgungsdarlehen MonatsrateKonstantSinkt monatlich TilgungsanteilWächstKonstant ZinsanteilSinktSinkt PlanbarkeitSehr hochMittel Verfügbarkeit (Privatkunden)StandardSelten Vorteile und Nachteile Wenn du eine Baufinanzierung planst, bietet das Annuitätendarlehen klare Stärken – aber auch ein paar Stolperfallen, die du kennen solltest. Stärken: Du hast über die gesamte Zinsbindung hinweg Planungssicherheit. Die Rate ist konstant, du kannst dein Haushaltsbudget exakt kalkulieren. Zudem beschleunigt sich die Tilgung automatisch – ein eingebauter Schneeballeffekt zu deinen Gunsten. Schwächen: Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld, die du anschlussfinanzieren musst. Steigen die Zinsen bis dahin, wird die Anschlussfinanzierung teurer. Daher gilt: Je höher der Tilgungssatz, desto kleiner das Zinsänderungsrisiko. Sondertilgungen nutzen Die meisten Banken erlauben dir kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € zusätzlich, die direkt die Restschuld reduzieren. Wer jedes Jahr 5.000 € extra tilgt, spart über die Laufzeit fünfstellige Zinsbeträge und verkürzt die Volltilgung um mehrere Jahre. Wenn du flexibel bleiben möchtest, achte beim Vertragsabschluss auf zwei Klauseln: Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel. Letzterer erlaubt dir, den Tilgungssatz während der Zinsbindung anzupassen – ein wertvoller Hebel bei verändertem Einkommen. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um deine konkrete Monatsrate, Restschuld und Volltilgungsdauer für deinen Wunschbetrag zu berechnen. So siehst du sofort, wie sich Tilgungssatz und Zinsbindung auf deine Gesamtkosten auswirken. Häufige Fragen Wann lohnt sich ein Annuitätendarlehen? Grundsätzlich gilt: Wer eine Immobilie finanziert und Planungssicherheit über zehn bis zwanzig Jahre möchte, ist mit dem Annuitätendarlehen gut bedient. Es ist der Standard-Kredittyp für Wohnimmobilien in Deutschland. Wie hoch sollte die Anfangstilgung sein? Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, besser 3 %. Bei niedrigem Zinsniveau solltest du eher höher tilgen, um die Laufzeit überschaubar zu halten. Was passiert nach der Zinsbindung? Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt die Restschuld bestehen. Du kannst dann eine Anschlussfinanzierung abschließen – entweder bei deiner bisherigen Bank (Prolongation) oder durch Umschuldung zu einem neuen Anbieter. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.

B

Beleihungswert

Kurz & knapp: Der Beleihungswert ist der vorsichtige Wert, den eine Bank deiner Immobilie zuschreibt – typisch 75–90 % des Verkehrswertes. Aus diesem Wert berechnet die Bank den Beleihungsauslauf (Darlehen geteilt durch Beleihungswert). Dieser Auslauf entscheidet maßgeblich über deinen Zinssatz: Je niedriger, desto günstiger. Was ist der Beleihungswert? Wenn du eine Immobilie finanzierst, schaut die Bank nicht auf den Kaufpreis allein – sie ermittelt einen eigenen, vorsichtigen Wert: den Beleihungswert. Er ist die Grundlage für die Sicherheit, die deine Immobilie als Pfand bietet. Geregelt ist das in § 16 Abs. 2 Pfandbriefgesetz (PfandBG): Der Beleihungswert darf den Wert nicht überschreiten, der sich bei einer vorsichtigen Bewertung der zukünftigen Verkaufsmöglichkeiten ergibt. In der Praxis liegt der Beleihungswert bei etwa 75–90 % des Verkehrswertes. Die Differenz ist der sogenannte Sicherheitsabschlag der Bank – meist 10 bis 20 %. Er soll Wertschwankungen am Immobilienmarkt abfedern. Falls die Bank verwerten muss, will sie auch in einer schwachen Marktphase ihren Kredit zurückbekommen. So berechnet die Bank den Beleihungsauslauf Der Beleihungsauslauf (BLA) ist der Anteil deines Darlehens am Beleihungswert. Die Formel ist simpel: Beleihungsauslauf = Darlehensbetrag ÷ Beleihungswert × 100 Ein Beispiel: Du kaufst ein Haus für 500.000 €. Die Bank setzt einen Sicherheitsabschlag von 15 % an, der Beleihungswert liegt also bei 425.000 €. Wenn du 340.000 € Darlehen aufnimmst, beträgt der Beleihungsauslauf 80 %. Effekt auf den Zinssatz: Warum 60 % der Sweet Spot ist Hier wird es spannend. Banken staffeln ihre Konditionen nach Beleihungsauslauf – und der Effekt auf den Zinssatz ist deutlich: BeleihungsauslaufZinsaufschlag (typisch)Bezeichnung bis 60 %+0,0 PP (Basis)1a-Beleihung – beste Konditionen bis 80 %+0,2 PPStandard bis 100 %+0,5–0,7 PPVollfinanzierung Die 1a-Beleihung bis 60 % des Beleihungswertes ist der goldene Bereich. In diesem Korridor refinanziert die Bank dein Darlehen besonders günstig über Pfandbriefe – und gibt diesen Vorteil an dich weiter. Auf 30 Jahre gerechnet, machen 0,5 Prozentpunkte Unterschied bei einem 400.000-Euro-Darlehen schnell 50.000 € und mehr aus. Praktische Konsequenz: Wenn du knapp über einer Schwelle landest (z. B. 81 % statt 80 %), kann es sich lohnen, etwas mehr Eigenkapital einzubringen oder einen Teil aus Bausparvertrag oder KfW-Förderung zu ziehen, um unter die nächste Stufe zu kommen. Beleihungswert vs. Verkehrswert vs. Kaufpreis Drei Begriffe, die oft verwechselt werden: Kaufpreis – das, was du tatsächlich zahlst (Verhandlungsergebnis). Verkehrswert – der objektive Marktwert, den ein Gutachter oder die Bank im aktuellen Markt schätzt. Beleihungswert – der vorsichtige Wert, von dem die Bank ausgeht. Immer der niedrigste der drei. Hingegen kann es passieren, dass dein Kaufpreis über dem Verkehrswert liegt – zum Beispiel in überhitzten Märkten. Dann erhöht sich dein Beleihungsauslauf rechnerisch, weil die Bank mit dem niedrigeren Beleihungswert kalkuliert. In solchen Fällen brauchst du entweder mehr Eigenkapital oder du musst höhere Zinsen akzeptieren. Häufige Fragen Kann ich den Beleihungswert verhandeln? Nur begrenzt. Die Bank folgt internen Bewertungsrichtlinien. Allerdings lohnt es sich, mehrere Banken zu vergleichen – die Sicherheitsabschläge variieren zwischen 10 und 20 %. Was zählt als Eigenkapital für die Beleihung? Ersparnisse, Schenkungen, Eigenleistung (anrechenbar) und Bausparguthaben. Auch unbelastete Grundstücke können den Beleihungsauslauf senken. Wie ermittelt die Bank den Beleihungswert konkret? Üblicherweise via Sachwert- oder Ertragswertverfahren – bei selbstgenutzten Eigenheimen meist nach Sachwert (Bodenwert + Gebäudesachwert). Banken nutzen entweder eigene Gutachter oder beauftragen externe Sachverständige. Bei kleineren Beträgen reicht oft ein Kurzgutachten oder eine Hedonik-Bewertung über automatisierte Datenbanken. Ändert sich der Beleihungswert im Laufe der Finanzierung? Grundsätzlich nicht – er ist zum Zeitpunkt der Kreditvergabe festgelegt. Allerdings sinkt durch deine Tilgung der Beleihungsauslauf kontinuierlich. Daher kannst du bei einer Anschlussfinanzierung oder Umschuldung in eine günstigere Beleihungsklasse rutschen und so deutlich bessere Zinsen aushandeln. Mehr zur richtigen Eigenkapital-Strategie liest du im Capitalo-Ratgeber zu Eigenkapital beim Hauskauf. Falls dir Eigenkapital fehlt, schau dir die Optionen einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital an. Wer aktuelle Konditionen prüfen will, vergleicht Anbieter im Baufinanzierung-Vergleich. Hinweis: Die genannten Zinsaufschläge sind typische Bandbreiten und können je nach Anbieter, Bonität und Marktphase abweichen. Eine Baufinanzierung ist eine langfristige Verpflichtung – lass dich bei wesentlichen Entscheidungen individuell beraten.

Bereitstellungszinsen

Kurz & knapp: Bereitstellungszinsen sind eine Gebühr, die die Bank dir für den noch nicht abgerufenen Teil deines Darlehens berechnet — typischerweise 0,20 bis 0,25 % pro Monat. Sie greifen meist ab dem 6. bis 12. Monat nach Zusage und sind besonders bei Neubauten relevant, weil dort in Tranchen ausgezahlt wird. Was sind Bereitstellungszinsen? Wenn die Bank dir 400.000 € für deinen Neubau zusagt, du aber wegen des Baufortschritts erst 150.000 € abgerufen hast, dann ruhen die restlichen 250.000 € — die Bank hält das Geld für dich bereit. Genau dafür berechnet sie dir die Bereitstellungszinsen. Sie sind also keine Strafe, sondern ein Entgelt dafür, dass die Bank das Geld nicht anderweitig verleihen kann. Die Höhe ist marktüblich standardisiert: 0,25 % pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag — was 3,0 % pro Jahr entspricht. Manche Banken liegen mit 0,20 %/Monat (= 2,4 % p.a.) etwas darunter. Die genauen Konditionen findest du in deinem Darlehensvertrag und im Europäischen Standardisierten Merkblatt (ESIS). Ab wann greifen Bereitstellungszinsen? Hierbei lohnt sich genaues Hinsehen. Banken gewähren dir eine sogenannte bereitstellungszinsfreie Zeit, in der noch keine Gebühren anfallen. Diese Frist variiert deutlich: Bank-TypBereitstellungszinsfreie ZeitDanach typisch Standard-Angebot3 bis 6 Monate0,25 % / Monat Verhandelt / guter Bonität6 bis 12 Monate0,25 % / Monat Neubau-Spezialist12 bis 24 Monate0,20 % / Monat Daher gilt: Wer einen Neubau plant, sollte die bereitstellungszinsfreie Zeit aktiv verhandeln. Bei einem Bauvorhaben, das 18 Monate dauert, kann der Unterschied zwischen 6 und 12 Monaten freier Zeit schnell vierstellig werden. Rechenbeispiel: Was kostet das konkret? Stell dir vor, du baust ein Haus und hast ein Darlehen über 400.000 €. Nach 12 Monaten bereitstellungszinsfreier Zeit sind erst 200.000 € abgerufen — die restlichen 200.000 € liegen auf der Bank. PositionWert Nicht abgerufenes Darlehen200.000 € Bereitstellungszins pro Monat0,25 % Kosten pro Monat500 € Über 6 weitere Monate3.000 € 500 € pro Monat — und das parallel zur regulären Tilgung deiner bereits abgerufenen Tranche. Das tut weh, vor allem in der ohnehin kostenintensiven Bauphase. Verhandlungstipps für Bereitstellungszinsen Hier kannst du aktiv sparen. Bereitstellungszinsen sind verhandelbar — anders als der Sollzins, bei dem die Bank fest bei ihrer Marge bleibt. Drei konkrete Hebel: • Bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern: Statt 6 Monate frei → 12 Monate frei verhandeln. Bei realistischer Bauzeit das wichtigste Argument. • Höheren Sollzins akzeptieren: Manche Banken bieten +0,05 PP Sollzins gegen 12 Monate freie Zeit — bei langen Bauzeiten oft günstiger. • Mehrere Angebote einholen: Banken sind flexibel, sobald sie sehen, dass du andere Angebote auf dem Tisch hast. Konkret hilft dir hier ein unabhängiger Baufinanzierungs-Vergleich, um die Bandbreite der Konditionen zu sehen. Bei einer späteren Anschlussfinanzierung spielt das Thema in der Regel keine Rolle mehr, weil dort die Auszahlung in einem Schritt erfolgt. Auch die aktuelle Zinslage beeinflusst, wie offensiv Banken bei Bereitstellungszinsen verhandeln. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die genauen Konditionen unterscheiden sich je nach Bank, Bonität und Bauvorhaben. Stand: Mai 2026.

D

Debitkarte

Eine Debitkarte ist eine Bankkarte, bei der jede Zahlung direkt deinem Girokonto belastet wird. Hier erfährst du, wie die Abbuchung läuft, welche Arten es gibt und woran du deine Karte erkennst. Was du über die Debitkarte wissen musst 💳 Abbuchung: Die Debitkarte belastet dein Girokonto sofort oder innerhalb weniger Tage. Ausgeben kannst du dein Guthaben und, wenn deine Bank es zulässt, einen eingeräumten Dispo. 🏦 Girocard ist Debit: Die Girocard, umgangssprachlich EC-Karte, ist die Debitkarte der deutschen Banken und Sparkassen. Visa Debit und Debit Mastercard sind internationale Debitkarten. 💡 Erkennen: Neu ausgegebene Karten müssen nach der EU-Verordnung 2015/751 ihre Kartenart sichtbar tragen. Bei Visa- und Mastercard-Karten steht deshalb in der Regel „Debit“ oder „Credit“ auf der Karte. ⚠️ Kaution: Steht der Betrag einer Kartenzahlung noch nicht fest, etwa im Hotel, darf deine Bank auf dem Girokonto nur eine Summe sperren, deren genauer Höhe du zugestimmt hast. Manche Hotels und Autovermieter nehmen Debitkarten für eine Kaution gar nicht an. Was ist eine Debitkarte? Eine Debitkarte ist eine Zahlungskarte, die deine Bank zu deinem Girokonto ausgibt und mit der jede Zahlung direkt diesem Konto belastet wird. Der Name kommt vom englischen „debit“ für Soll oder Kontobelastung. Anders als eine Kreditkarte räumt dir die Debitkarte keinen eigenen Kreditrahmen ein: Du bezahlst mit dem Geld, das auf dem Konto liegt. Mit einer Debitkarte kannst du: an der Ladenkasse bezahlen, mit PIN oder kontaktlos am Geldautomaten Bargeld abheben im Smartphone hinterlegen und mobil bezahlen, wenn deine Bank die Wallet unterstützt online bezahlen, wenn es eine internationale Debitkarte wie Visa Debit oder Debit Mastercard ist Reicht das Guthaben auf dem Girokonto nicht, lehnt die Bank die Kartenzahlung ab oder bucht sie in einen eingeräumten Dispositionskredit. Welche Variante gilt, regeln die Kartenbedingungen deiner Bank. Im Dispo zahlst du Zinsen, obwohl du mit einer Debitkarte bezahlt hast. So funktioniert die Abbuchung Zwischen dem Bezahlen und der Buchung auf deinem Kontoauszug liegen drei Schritte. Endgültig belastet wird dein Girokonto sofort oder innerhalb weniger Tage, je nach Bank und Kartensystem. 1 Freigabe Das Kartenterminal oder der Onlineshop fragt bei deiner Bank an, ob die Karte gültig und der Betrag gedeckt ist. Du gibst die Zahlung per PIN oder kontaktlos frei. 2 Vormerkung Deine Bank merkt den Betrag vor. In der Banking-App erscheint er meist als vorgemerkter Umsatz, dein verfügbarer Betrag sinkt schon jetzt. 3 Buchung Der Händler reicht die Zahlung ein, deine Bank bucht den Betrag endgültig vom Girokonto ab. Eine gesammelte Monatsabrechnung wie bei der Kreditkarte gibt es nicht. Reservierung bei Hotel, Mietwagen und Tankstelle Steht der Endbetrag beim Bezahlen noch nicht fest, etwa beim Hotel-Check-in oder an der Zapfsäule, lässt der Händler zunächst einen Betrag blockieren. Nach § 675t Abs. 4 BGB darf deine Bank dafür einen Betrag auf deinem Girokonto nur sperren, wenn du der genauen Höhe zugestimmt hast. Sobald der endgültige Betrag feststeht oder der Zahlungsauftrag eingeht, muss sie die Sperre unverzüglich aufheben. Dieselbe Regel steht in Art. 75 der EU-Zahlungsdiensterichtlinie 2015/2366. Bei einer Debitkarte trifft eine solche Sperre direkt dein Girokonto. Der gesperrte Betrag steht dir bis zur Freigabe nicht zur Verfügung, auch nicht für Miete oder Lastschriften. Girocard, Visa Debit und Debit Mastercard In Deutschland begegnen dir zwei Gruppen von Debitkarten, und davon hängt ab, wo deine Karte funktioniert. Girocard Die Girocard ist das Debitkartenverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft für die Ladenkasse und das deutsche Geldautomatensystem. Sie arbeitet mit Chip und PIN, ist auch digital für das Smartphone verfügbar und wird laut Deutscher Bundesbank in der Regel bei der Eröffnung eines Girokontos ausgegeben. Manche Banken bieten sie nur noch als Zusatzkarte an. Umgangssprachlich heißt sie weiter EC-Karte, ein Name aus der Zeit der Eurocheque- und später Electronic-Cash-Karte. Visa Debit und Debit Mastercard Visa Debit und Debit Mastercard laufen über die weltweiten Netze von Visa und Mastercard, also über dieselben Systeme wie die Kreditkarten dieser Marken. Sie tragen eine Kartennummer, ein Ablaufdatum und eine Prüfnummer und lassen sich deshalb auch online und im Ausland einsetzen. Abgebucht wird trotzdem direkt vom Girokonto. Worin sich die beiden Netze unterscheiden, erklärt der Ratgeber Visa oder Mastercard. Co-Badge: zwei Systeme auf einer Karte Viele Girocards tragen ein zweites Logo, das sogenannte Co-Badge. Früher war das meist Maestro oder V Pay, heute eher Visa Debit oder Debit Mastercard. Im Inland läuft die Zahlung dann in der Regel über die Girocard, im Ausland über das zweite System. Merkmal Girocard Visa Debit und Debit Mastercard Verfahren Deutsche Kreditwirtschaft Visa bzw. Mastercard Hauptsächlicher Einsatz Ladenkasse und Geldautomat in Deutschland Ladenkasse, Geldautomat und Onlinehandel Einsatz im Ausland über ein Co-Badge (zweites Logo) im weltweiten Netz der Marke Belastung direkt vom Girokonto direkt vom Girokonto Kartenart nach EU-Recht Debitkarte Debitkarte Quellen: Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), EURO Kartensysteme (girocard.eu, 24.10.2024), Mastercard (Debit Mastercard, 2020). Abgerufen am 10.09.2026. So erkennst du deine Karte Die EU-Verordnung 2015/751 verpflichtet Banken, neu ausgegebene Karten so zu kennzeichnen, dass du und der Händler die Kartenart eindeutig erkennen: Guthaben-, Debit-, Kredit- oder Firmenkarte (Art. 10 Abs. 5). Auf Karten von Visa und Mastercard steht deshalb in der Regel „Debit“ oder „Credit“. Eine Girocard erkennst du am girocard-Logo, und jede Girocard ist eine Debitkarte. Fehlt der Aufdruck, etwa auf einer älteren Karte, hilft die Umsatzliste in deiner Banking-App: Gehen die Umsätze einzeln vom Girokonto ab, ist es eine Debitkarte. Kommt einmal im Monat eine Sammelabrechnung, ist es keine. Was das Recht unter einer Debitkarte versteht Die EU-Verordnung über Interbankenentgelte definiert die Debitkarte über ihr Gegenstück. Eine Kreditkartentransaktion liegt vor, wenn der Betrag aus einer vorab vereinbarten Kreditfazilität an einem vorab vereinbarten Kalendertag ganz oder teilweise abgebucht wird. Jede andere Kartenzahlung ist eine Debitkartentransaktion (Art. 2 Nr. 4 und 5 der Verordnung (EU) 2015/751). Daraus folgen zwei Abgrenzungen, die im Alltag oft verwechselt werden: Charge-Karte: Eine Karte, die alle Umsätze einmal im Monat gesammelt und zinsfrei vom Girokonto abbucht, ist nach EU-Recht eine Kreditkarte. Die Verordnung nennt sie „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“ und zählt sie ausdrücklich zu den Kreditkarten (Erwägungsgrund 17). Auch die Deutsche Bundesbank ordnet Chargekarten den Kreditkarten zu. Prepaid-Karte: Eine Karte, auf die du vorher Guthaben lädst, gehört zur eigenen Kartenart Guthabenkarte und ist weder Debit- noch Kreditkarte (Art. 2 Nr. 33 und 35). Mehr dazu unter Prepaid-Kreditkarte. Der Unterschied zur Kreditkarte liegt damit im Zeitpunkt der Belastung und im Kreditrahmen: Die Kreditkarte sammelt Umsätze in einem eigenen Verfügungsrahmen und rechnet später ab. Was das beim Reisen, bei Kautionen und bei den Kosten bedeutet, zeigt der Ratgeber Debitkarte und Kreditkarte im direkten Vergleich. Wo die Debitkarte an Grenzen stößt Die meisten Nachteile der Debitkarte folgen aus ihrer Stärke: Das Geld kommt direkt vom Girokonto. Kaution bei Hotel und Mietwagen Hotels und Autovermieter lassen für eine Kaution einen Betrag blockieren, der erst nach Abreise oder Rückgabe wieder frei wird, bei der Debitkarte direkt auf deinem Girokonto. Manche Autovermieter nehmen Debitkarten für die Kaution gar nicht an, das meldeten Verbraucher 2023 dem Verbraucherzentrale Bundesverband. Wer regelmäßig Mietwagen bucht, braucht deshalb meist eine echte Kreditkarte, einen Überblick gibt der Kreditkarten-Vergleich. Händler dürfen Kartenarten ablehnen Innerhalb einer Kartenmarke dürfen Händler nach Kartenart unterscheiden, also etwa Visa-Kreditkarten annehmen und Visa-Debitkarten ablehnen oder umgekehrt. Wer nicht alle Karten eines Systems akzeptiert, muss das am Eingang und an der Kasse deutlich sichtbar anzeigen, im Onlinehandel vor dem Kauf auf der Website (Art. 10 Abs. 2 und 4 der Verordnung (EU) 2015/751). Manche Geschäfte in Deutschland nehmen außerdem nur die Girocard an, dort hilft dir eine reine Visa Debit nicht weiter. Missbrauch trifft das Girokonto Wird deine Debitkarte missbraucht, fehlt das Geld sofort auf deinem Girokonto und nicht in einem getrennten Kreditrahmen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht bei den Debitkarten von Visa und Mastercard deshalb ein höheres Risiko im Betrugsfall als bei der Kreditkarte. Für eine nicht autorisierte Zahlung muss die Bank dein Konto aber unverzüglich wieder auf den alten Stand bringen, in der Regel spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach deiner Meldung (§ 675u BGB). Nach Verlust, Diebstahl oder Missbrauch der Karte haftest du für nicht autorisierte Zahlungen mit höchstens 50 Euro. Hast du betrügerisch gehandelt oder deine Sorgfaltspflichten vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt, haftest du für den ganzen Schaden (§ 675v BGB, Art. 74 der Richtlinie (EU) 2015/2366). Wie du eine Karte nach Verlust sofort sperren lässt, steht im Ratgeber So schützt du deine Karten vor Betrug. Plane eine Kaution nie mit der einzigen Karte, die an deinem Girokonto hängt. Prüfe vor Hotel oder Mietwagen, welche Kartenart der Anbieter annimmt, und nimm eine zweite Karte mit. Wann eine Karte als Debitkarte gilt und wann nicht Debitkarte im Sinne des Begriffs wenn jede Zahlung einzeln deinem Girokonto belastet wird, sofort oder nach wenigen Tagen wenn die Karte „Debit“ trägt oder eine Girocard ist wenn es eine virtuelle Debitkarte in der Banking-App ist, die ebenfalls direkt vom Girokonto abbucht Keine Debitkarte, auch wenn es so wirkt wenn die Bank alle Umsätze einmal im Monat gesammelt vom Girokonto abbucht: Das ist eine Charge-Karte und nach EU-Recht eine Kreditkarte wenn du vorher Guthaben aufladen musst: Das ist eine Prepaid- oder Guthabenkarte Grenzfall: Zahlst du mit der Debitkarte ins Minus, bleibt sie eine Debitkarte, aber du nimmst einen Dispositionskredit mit Zinsen in Anspruch Unsere Einschätzung: Für den Alltag in Deutschland reicht eine Debitkarte zum Girokonto meist aus. Du siehst jede Ausgabe sofort, und es gibt keinen separaten Kreditrahmen, den du am Monatsende ausgleichen musst. Achte beim Kontowechsel darauf, welche Karte die Bank ausgibt: eine Girocard, eine Visa Debit oder Debit Mastercard, oder beides. Wer oft reist, Mietwagen bucht oder im Hotel eine Kaution hinterlegen muss, sollte zusätzlich eine Kreditkarte haben. Konten mit passender Kartenausstattung findest du im Girokonto-Vergleich. Häufige Fragen zur Debitkarte Ist eine Debitkarte auch eine EC-Karte? Nicht jede. „EC-Karte“ ist der umgangssprachliche Name für die Girocard, und die Girocard ist eine Debitkarte. Visa Debit und Debit Mastercard sind ebenfalls Debitkarten, aber keine Girocards: Sie laufen über die Netze von Visa und Mastercard. Woher weiß ich, ob meine EC-Karte eine Debitkarte ist? Eine Girocard ist immer eine Debitkarte, du erkennst sie am girocard-Logo. Auf Karten von Visa und Mastercard steht in der Regel „Debit“ oder „Credit“, weil die EU-Verordnung 2015/751 für neu ausgegebene Karten eine sichtbare Kennzeichnung der Kartenart vorschreibt. Was ist der Unterschied zwischen Debitkarte und Girocard? Debitkarte ist der Oberbegriff für alle Karten, die dein Girokonto direkt belasten. Die Girocard ist eine bestimmte Debitkarte: das Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft für Ladenkassen und Geldautomaten in Deutschland. Im Ausland funktioniert sie über ein zweites Logo, etwa Visa Debit oder Debit Mastercard. Was ist der Unterschied von Debit- und Kreditkarte? Die Debitkarte belastet dein Girokonto sofort oder nach wenigen Tagen und hat keinen eigenen Kreditrahmen. Die Kreditkarte sammelt Umsätze in einem Verfügungsrahmen und bucht sie an einem vereinbarten Tag ab, in der Regel einmal im Monat. Was ist der Nachteil einer Debitkarte? Vor allem bei Kautionen: Hotels und Autovermieter blockieren den Betrag direkt auf deinem Girokonto, manche nehmen Debitkarten dafür gar nicht an. Dazu kommen Akzeptanzlücken, wenn ein Geschäft nur die Girocard oder nur Kreditkarten annimmt. Kann ich mit einer Debitkarte ins Minus gehen? Das hängt von deiner Bank ab. Hast du einen eingeräumten Dispositionskredit und lässt die Bank Kartenzahlungen darüber zu, geht die Zahlung durch und du zahlst Dispozinsen. Sonst lehnt die Bank die Zahlung ab, sobald das Guthaben nicht reicht. Stand: 10.09.2026. Rechtsgrundlagen: Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte (Art. 2, Art. 10, Erwägungsgrund 17), Richtlinie (EU) 2015/2366 (Art. 74, 75), §§ 675t, 675u, 675v BGB. Weitere Quellen: Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), EURO Kartensysteme (girocard.eu), Mastercard, Verbraucherzentrale Bundesverband (Ergebnispapier Zahlungskarten, 31.08.2023). Dieser Eintrag erklärt den Begriff und ersetzt keine Rechtsberatung.

E

Effektivzins

Kurz & knapp: Der Effektivzins ist die einzige Zahl, mit der du Baufinanzierungs-Angebote wirklich vergleichen kannst. Er enthält den Sollzins plus alle Pflichtkosten der Bank — und ist nach § 16 PAngV verbindlich anzugeben. Ein Beispiel: 3,75 % Sollzins werden so schnell zu 3,82 % Effektivzins. Was ist der Effektivzins? Der Effektivzins — offiziell effektiver Jahreszins — ist der Zinssatz, der dir die tatsächlichen jährlichen Gesamtkosten deines Kredits in Prozent angibt. Er enthält nicht nur den reinen Zins (Sollzins), sondern auch die meisten Pflichtkosten, die die Bank dir berechnet. Damit ist er die einzige Kennzahl, mit der du Baufinanzierungs-Angebote unterschiedlicher Anbieter fair vergleichen kannst. Grundlage ist die Preisangabenverordnung (PAngV), konkret § 16 PAngV. Diese Vorschrift verpflichtet alle Kreditgeber in Deutschland, den Effektivzins nach einer einheitlichen Berechnungsformel auszuweisen. Das ist Verbraucherschutz pur: Banken können dich mit niedrigem Sollzins nicht mehr ködern und dann über versteckte Gebühren teurer werden — die Wahrheit landet im Effektivzins. Was steckt im Effektivzins drin — und was nicht? Hierbei lohnt sich ein genauer Blick. Nicht jede Position fließt automatisch in den Effektivzins ein. Enthalten im EffektivzinsNICHT enthalten Sollzins (Nominalzins)Notarkosten Bearbeitungs- und VermittlungsgebührenGrundbuchkosten (Eintragung Eigentum) Schätzkosten der ImmobilieGrunderwerbsteuer Anteilige Grundbuchkosten für die GrundschuldMaklerprovision Tilgungsverrechnung & AuszahlungskursRestschuldversicherung (sofern freiwillig) Daher gilt: Der Effektivzins zeigt dir die echten Bank-Kosten, aber er ist nicht der Komplettpreis deines Hauskaufs. Die Kaufnebenkosten wie Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer kommen on top. Sollzins vs. Effektivzins — ein Rechenbeispiel Stell dir vor, du finanzierst 300.000 € über 10 Jahre Sollzinsbindung. Die Bank nennt einen Sollzins von 3,75 %. Berechnet werden außerdem 0,25 % Schätzgebühr und 0,15 % anteilige Grundbuchkosten für die Grundschuld. PositionWert Sollzins (nominal)3,75 % + Pflichtkosten anteilig~0,07 % p.a. Effektivzins (PAngV)3,82 % Der Unterschied wirkt klein — auf 300.000 € und 10 Jahre summiert sich das aber auf rund 2.100 € Mehrkosten. Genau deshalb verlangt der Gesetzgeber den Effektivzins als Pflichtangabe. Mehr zum Zusammenspiel mit der Sollzinsbindung findest du im verlinkten Eintrag. Tipp: Vergleiche Angebote ausschließlich über den Effektivzins. Sollzins-Vergleiche führen dich systematisch in die Irre, sobald die Banken unterschiedliche Bearbeitungs- oder Schätzgebühren ansetzen. Warum der Effektivzins für Bauzinsen besonders wichtig ist Bei einer Baufinanzierung sprechen wir über sechsstellige Beträge und Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren. Schon 0,1 Prozentpunkte Unterschied bedeuten über die Laufzeit oft mehrere tausend Euro. Daher ist der Effektivzins-Vergleich kein Detail, sondern der wichtigste Hebel beim Konditionen-Check. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Der ausgewiesene Effektivzins gilt nur für die Sollzinsbindungs-Periode. Was nach 10 oder 15 Jahren passiert (Anschlussfinanzierung), steckt nicht in der Zahl drin. Konkret hilft dir hier der Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung und ein unabhängiger Vergleich mehrerer Anbieter. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Bauzinsen sind tagesaktuell und hängen von Bonität, Beleihungsauslauf und Eigenkapitalquote ab. Stand: Mai 2026.

F

Freistellungsauftrag

Mit einem Freistellungsauftrag zahlt dir deine Bank Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne Steuerabzug aus. Hier erfährst du, wie hoch er ist, wie du ihn erteilst und wie du ihn auf mehrere Banken verteilst. Was du über den Freistellungsauftrag wissen musst 🏦 Auftrag an die Bank: Der Freistellungsauftrag weist deine Bank an, Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne Kapitalertragsteuer gutzuschreiben. Das funktioniert nur bei Instituten, die in Deutschland Steuer einbehalten. 💰 Höhe: Pro Person sind es bis zu 1.000 Euro im Jahr. 2.000 Euro gelten nur für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden können und einen gemeinsamen Auftrag erteilen. ⚖️ Verteilen: Du kannst den Betrag auf mehrere Banken aufteilen, solange die Summe aller Aufträge den Höchstbetrag nicht übersteigt. Ohne deine Steuer-ID ist ein Auftrag unwirksam. ⚠️ Ohne Auftrag: Die Bank zieht ab dem ersten Euro 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Zurück bekommst du das Geld mit einem Auftrag, den du bis 31. Januar des Folgejahres nachreichst, solange die Bank noch keine Steuerbescheinigung erstellt hat, oder über die Anlage KAP deiner Steuererklärung. Was ist ein Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag ist deine Anweisung an eine Bank, Kapitalerträge bis zu einem festgelegten Betrag ohne Abzug von Kapitalertragsteuer auszuzahlen. Rechtsgrundlage ist § 44a Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz (EStG). Der Auftrag muss nach dem amtlich vorgeschriebenen Muster erteilt werden, das das Bundesfinanzministerium vorgibt. Banken bieten ihn als Formular oder im Online-Banking an. Hinter dem Freistellungsauftrag steht der Sparer-Pauschbetrag aus § 20 Absatz 9 EStG. Bis zu dieser Grenze bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei. Der Auftrag sorgt nur dafür, dass die Bank das schon beim Steuerabzug berücksichtigt und du nicht bis zur Steuererklärung warten musst. Der Freistellungsauftrag erfasst die typischen Erträge von Sparern und Anlegern: Zinsen auf dem Tagesgeldkonto und aus Festgeld, Dividenden, Ausschüttungen von Fonds und ETFs sowie Kursgewinne aus dem Wertpapierdepot. Alles darüber versteuert die Bank mit dem Abgeltungsteuersatz von 25 % (§ 32d Absatz 1 EStG), zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Du bekommst in einem Jahr 1.300 Euro Zinsen und Dividenden bei einer Bank und hast dort einen Freistellungsauftrag über 1.000 Euro. Die Bank zieht dann nur auf 300 Euro Kapitalertragsteuer ab, das sind 75 Euro. Ohne Auftrag wären es 25 % auf 1.300 Euro, also 325 Euro. Beide Werte sind ohne Kirchensteuer und vor Solidaritätszuschlag gerechnet. Wie hoch ist der Freistellungsauftrag? Der Freistellungsauftrag darf höchstens so hoch sein wie dein Sparer-Pauschbetrag. Der beträgt nach § 20 Absatz 9 EStG 1.000 Euro pro Person und Kalenderjahr. Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, erhalten einen gemeinsamen Sparer-Pauschbetrag von 2.000 Euro. Konstellation Höchstbetrag aller Freistellungsaufträge pro Jahr Voraussetzung Einzelperson 1.000 Euro Steuer-ID im Auftrag Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner, gemeinsamer Auftrag 2.000 Euro Voraussetzungen der Zusammenveranlagung (§ 26 Absatz 1 EStG), Steuer-IDs beider Partner Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner, Einzelaufträge je 1.000 Euro jeder Partner erteilt eigene Aufträge Kind mit Konto oder Depot auf eigenen Namen 1.000 Euro Unterschrift der Eltern als gesetzliche Vertreter Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Absatz 9 und § 44a Absatz 2a EStG, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025 mit Anlage 2 (amtliches Muster). Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben die Wahl zwischen einem gemeinsamen Auftrag und zwei Einzelaufträgen. Der gemeinsame Freistellungsauftrag gilt für Gemeinschaftskonten und für Konten, die nur auf einen Partner laufen. Er hat einen Zusatznutzen: Die Bank verrechnet am Jahresende Verluste des einen Partners mit Gewinnen des anderen, soweit beide bei ihr anfallen (§ 43a Absatz 3 Satz 2 EStG). Die Beträge von 1.000 und 2.000 Euro gelten seit dem 1. Januar 2023. Der Regierungsentwurf zur Einkommensteuerreform 2027 vom 2. September 2026 ändert den Sparer-Pauschbetrag nicht. So erteilst du einen Freistellungsauftrag 1 Steuer-ID bereitlegen Ein Freistellungsauftrag ist nach § 44a Absatz 2a EStG nur mit deiner steuerlichen Identifikationsnummer wirksam, beim gemeinsamen Auftrag mit den IDs beider Partner. 2 Formular oder Online-Banking wählen Die Bank nimmt den Auftrag auf dem amtlichen Muster entgegen, unterschrieben oder elektronisch per PIN und TAN. 3 Betrag festlegen Du kreuzt entweder den vollen Sparer-Pauschbetrag an oder trägst einen Teilbetrag ein, wenn du den Rest bei anderen Banken nutzt. 4 Laufzeit festlegen Der Auftrag gilt ab dem 1. Januar oder ab Kontoeröffnung. Du wählst „bis auf Widerruf“ oder ein Enddatum, das immer auf den 31. Dezember fallen muss. Ein Freistellungsauftrag gilt für alle Konten und Depots, die du bei dieser Bank hast. Auf einzelne Konten beschränken lässt er sich nicht. Er ist außerdem nur für Privatpersonen möglich, nicht für Konten von Firmen oder Vereinen. Auch ein Auftrag, den du erst im Herbst erteilst, wirkt für das ganze Kalenderjahr. Hat die Bank vorher schon Steuer abgezogen, muss sie die Abrechnung korrigieren, solange sie die Jahressteuerbescheinigung noch nicht erstellt hat (§ 44b Absatz 5 EStG). Der Sparer-Pauschbetrag steht jeder steuerpflichtigen Person zu, auch einem Kind. Für ein Konto oder ein Junior-Depot auf den Namen des Kindes unterschreiben die Eltern als gesetzliche Vertreter. Wann zusätzlich eine NV-Bescheinigung fürs Kinderdepot sinnvoll ist, liest du im eigenen Ratgeber. Freistellungsauftrag verteilen und ändern Du verteilst deinen Sparer-Pauschbetrag am besten nach den Erträgen, die du bei jeder Bank erwartest. Rechnest du bei Bank A mit 600 Euro Tagesgeldzinsen und bei Bank B mit 400 Euro Ausschüttungen im Depot, erteilst du Aufträge über 600 und 400 Euro. Ändern kannst du einen Freistellungsauftrag jederzeit im Laufe des Jahres. Ein neuer Auftrag ersetzt den alten bei derselben Bank, er kommt nicht obendrauf. Senken darfst du ihn aber nur bis zu dem Betrag, den die Bank im laufenden Jahr schon freigestellt hat. Überblick verloren: So findest du deine Aufträge wieder Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hat keine Übersicht über deine erteilten Freistellungsaufträge. Die Aufträge selbst siehst du nur bei jeder Bank, meist im Online-Banking. Im ELSTER-Portal kannst du über „Abruf von Bescheinigungen“ einsehen, welche Kapitalerträge deine Banken tatsächlich freigestellt haben, sobald sie die Daten gemeldet haben. Die Höhe der einzelnen Aufträge steht dort nicht. Hast du ein Konto vollständig gekündigt, gilt der Freistellungsauftrag dort ab dem Folgejahr als nicht mehr gültig. Willst du den Rest schon im selben Jahr bei einer anderen Bank nutzen, setzt du den alten Auftrag auf den dort bereits genutzten Betrag herab. Rückwirkend erteilen: bis 31. Januar Einen vergessenen Freistellungsauftrag für das abgelaufene Jahr kannst du nach dem BMF-Schreiben vom 14.05.2025 noch bis spätestens 31. Januar des Folgejahres erteilen oder erhöhen. Das klappt nur, solange die Bank die Steuerbescheinigung für dieses Jahr noch nicht erstellt hat. Danach bleibt dir die Anlage KAP: Mit der Steuererklärung holst du den nicht genutzten Sparer-Pauschbetrag zurück (§ 32d Absatz 4 EStG). Mehr verteilt als erlaubt Die Summe aller Aufträge darf 1.000 Euro, beim gemeinsamen Auftrag 2.000 Euro, nicht übersteigen. Das versicherst du mit deiner Unterschrift auf dem amtlichen Muster. Alle Banken melden die freigestellten Erträge an das BZSt (§ 45d EStG), die Finanzverwaltung kann sie abgleichen. Liegen die insgesamt freigestellten Erträge über deinem Pauschbetrag, ist der Überschuss steuerpflichtig, obwohl keine Bank Steuer abgezogen hat. Diese Erträge musst du in der Steuererklärung angeben (§ 32d Absatz 3 EStG). Prüfe die Aufteilung jedes Mal, wenn du ein Konto eröffnest oder kündigst. Ein Auftrag bei einer Bank ohne Erträge verschenkt Freibetrag, der woanders Steuer spart. Freistellungsauftrag oder NV-Bescheinigung? Die Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) ist der zweite Weg, den Steuerabzug zu vermeiden (§ 44a Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 EStG). Sie lohnt sich für Menschen mit geringem Einkommen, deren Kapitalerträge über dem Sparer-Pauschbetrag liegen, etwa Rentner, Studierende oder Minijobber. Merkmal Freistellungsauftrag NV-Bescheinigung Wer stellt aus du selbst, bei deiner Bank dein Wohnsitzfinanzamt auf Antrag Voraussetzung Steuer-ID gesamte Einkünfte inklusive Kapitalerträgen nicht über dem Grundfreibetrag Freigestellte Erträge bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne festen Höchstbetrag, solange die Voraussetzung besteht Geltungsdauer bis auf Widerruf oder bis 31. Dezember höchstens drei Jahre, endet immer am 31. Dezember Vorlage eine Bank je Auftrag, Summe begrenzt jede Bank braucht die Bescheinigung Stand: 10.09.2026. Quellen: § 44a Absatz 2 EStG, Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Liegt einer Bank eine NV-Bescheinigung vor, ist dein Freistellungsauftrag dort überflüssig. Fallen die Voraussetzungen weg, musst du die Bescheinigung dem Finanzamt zurückgeben. Wann der Freistellungsauftrag greift und wann nicht Der Freistellungsauftrag greift bei Zinsen auf Tagesgeld, Festgeld und Sparkonten einer Bank mit deutschem Steuerabzug bei Dividenden, Fondsausschüttungen und Kursgewinnen im Depot eines inländischen Instituts beim gemeinsamen Auftrag auch für Konten, die nur auf einen Partner laufen Der Freistellungsauftrag greift nicht bei ausländischen Banken und Brokern ohne deutschen Steuerabzug: Die Erträge gehören in die Anlage KAP für Konten und Depots von Firmen oder Vereinen für einzelne Konten derselben Bank: Der Auftrag gilt immer für alle für Betriebseinnahmen und Einnahmen aus Vermietung Ausländische Institute sind nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet. Wie du ihre Erträge erklärst, zeigt der Ratgeber zu ausländischen Brokern und der Anlage KAP. Ein Sonderfall betrifft Depots mit Verlusten. Die Bank verrechnet realisierte Verluste zuerst mit deinen Erträgen, Verluste aus Aktienverkäufen allerdings nur mit Aktiengewinnen. Erst der Rest verbraucht den Freistellungsauftrag (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Randnummer 230). Wer im selben Jahr bei derselben Bank Gewinne und Verluste hat, verbraucht also weniger vom Auftrag, als die Summe der Erträge vermuten lässt. Der Rest steht für spätere Erträge im selben Jahr bereit. Unsere Einschätzung: Erteile den Freistellungsauftrag direkt bei der Kontoeröffnung und schau jedes Jahr im Dezember nach, ob die Verteilung noch zu deinen Erträgen passt. Wer mit Tagesgeld von Bank zu Bank wechselt, hat sonst schnell Freibetrag auf einem Konto liegen, das keine Zinsen mehr bringt. Wie Vorabpauschale und Teilfreistellung bei ETFs dazukommen, erklären wir im Ratgeber zu Steuern im Depot. Rechenbeispiele für Zinsen findest du unter Steuer auf Tagesgeld-Zinsen und Festgeld-Zinsen versteuern. Häufige Fragen zum Freistellungsauftrag Wie hoch ist der gesetzliche Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag darf höchstens so hoch sein wie der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Absatz 9 EStG: 1.000 Euro pro Person und Jahr. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, die die Voraussetzungen der Zusammenveranlagung erfüllen, können einen gemeinsamen Auftrag über bis zu 2.000 Euro erteilen. Die Summe aller Aufträge bei allen Banken darf diese Grenzen nicht übersteigen. Wie funktioniert das mit dem Freistellungsauftrag? Du erteilst deiner Bank den Auftrag auf dem amtlichen Muster, mit deiner Steuer-ID und einem Betrag bis zum Sparer-Pauschbetrag. Bis zu diesem Betrag schreibt die Bank Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ohne Kapitalertragsteuer gut. Erst Erträge darüber versteuert sie mit 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die freigestellten Beträge meldet sie an das Bundeszentralamt für Steuern. Was passiert, wenn man keinen Freistellungsauftrag gestellt hat? Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Kapitalertragsteuer ab. Das Geld ist nicht verloren: Für das Vorjahr kannst du den Auftrag bis spätestens 31. Januar nachreichen, solange die Bank noch keine Steuerbescheinigung erstellt hat. Danach holst du den nicht genutzten Sparer-Pauschbetrag über die Anlage KAP in deiner Steuererklärung zurück. Für wen lohnt sich ein Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag lohnt sich für alle, die bei einer Bank mit deutschem Steuerabzug Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne erzielen. Er erspart dir, zu viel gezahlte Steuer erst mit der Steuererklärung zurückzuholen. Wer ein geringes Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag hat und mehr als 1.000 Euro Kapitalerträge erwartet, prüft zusätzlich eine NV-Bescheinigung beim Finanzamt. Kann ich einen Freistellungsauftrag rückwirkend erteilen? Für das laufende Jahr wirkt jeder neue Freistellungsauftrag ab dem 1. Januar, die Bank korrigiert bereits abgezogene Steuer. Für das abgelaufene Jahr ist das nach dem BMF-Schreiben vom 14.05.2025 bis spätestens 31. Januar des Folgejahres möglich, und nur, solange die Steuerbescheinigung noch nicht erstellt ist. Banken setzen für die Annahme oft eigene, frühere Termine. Muss ich einen alten Freistellungsauftrag an die 1.000 Euro anpassen? Nein. Freistellungsaufträge, die vor dem 1. Januar 2023 erteilt wurden, haben die Banken nach § 52 Absatz 43 EStG automatisch um 24,844 % erhöht. Ein Auftrag über den vollen damaligen Pauschbetrag gilt damit jetzt für 1.000 Euro. Prüfen solltest du trotzdem, ob die Verteilung auf deine Banken noch zu deinen heutigen Erträgen passt. Datenstand: 10.09.2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 20 Abs. 9, § 32d, § 43a, § 44a, § 44b, § 45d, § 52 Abs. 43 EStG), BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025 mit amtlichem Muster, Bundeszentralamt für Steuern, Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

G

Geldmarkt-ETF

Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der den Euro-Übernachtzins €STR abbildet. So funktioniert er, so ist er geschützt, das kostet er. Das musst du über Geldmarkt-ETFs wissen 📈 Zins vom Geldmarkt: Ein Geldmarkt-ETF bildet in vielen Fällen den €STR ab, den Zins für unbesicherte Übernachtkredite unter Banken im Euroraum. Deine Rendite ist dieser Zins abzüglich der laufenden Fondskosten. 🏦 Fondsanteil statt Konto: Du kaufst ihn über ein Wertpapierdepot. Weil Fondsanteile keine Einlagen sind, gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro für ihn nicht. 🛡️ Getrenntes Fondsvermögen: Geht die Fondsgesellschaft pleite, fällt das Fondsvermögen nicht in ihre Insolvenzmasse. Vor Kursverlusten schützt diese Trennung nicht. ⚠️ Kein fester Zins: Die Rendite folgt dem Einlagesatz der EZB nach oben und nach unten. Liegt der Geldmarktzins unter null, wie von Juni 2014 bis Juli 2022, schrumpft der Anteilswert. Was ist ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird und die Verzinsung des Geldmarkts nachbildet, also des Marktes, auf dem sich Banken für sehr kurze Zeit Geld leihen. Bei vielen Euro-Geldmarkt-ETFs ist der Maßstab der €STR (Euro Short-Term Rate). Der €STR ist der Zins, den Banken im Euroraum für unbesicherte Übernachtkredite zahlen. Die Europäische Zentralbank berechnet ihn aus den tatsächlichen Geschäften des Vortags und veröffentlicht ihn seit dem 2. Oktober 2019 an jedem Geschäftstag des Zahlungssystems TARGET2. Der €STR bewegt sich nah am Einlagesatz der EZB, über den die Notenbank ihre Geldpolitik steuert. Hebt die EZB den Einlagesatz an, steigt die Rendite eines Geldmarkt-ETFs kurz darauf mit. Senkt sie ihn, sinkt die Rendite genauso schnell. Manche Vergleichsseiten sprechen auch von Tagesgeld-ETFs. Der Name führt in die Irre: Du hast kein Konto bei einer Bank, sondern Fondsanteile, und für Schutz, Kosten und Steuern gelten andere Regeln als beim Tagesgeld. Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF legt das Geld seiner Anleger so an, dass es sich wie eine Einlage zum Geldmarktzins entwickelt. Bei thesaurierenden Geldmarkt-ETFs wird der Zins täglich wieder angelegt, der Anteilspreis steigt deshalb in kleinen, gleichmäßigen Schritten. Ausschüttende Varianten zahlen die Erträge regelmäßig aus. Kaufen und verkaufen kannst du Anteile an jedem Börsentag über dein Depot. Dabei zahlst du die Ordergebühr deines Brokers und den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Innerhalb des Fonds zieht die Fondsgesellschaft ihre laufenden Kosten ab, ausgewiesen als Gesamtkostenquote (TER). Physisch oder per Swap: was wirklich im Fonds steckt Den €STR selbst kann ein Fonds nicht kaufen, denn er ist ein Zinssatz und kein Wertpapier. Fondsanbieter lösen das auf zwei Wegen: Physische Nachbildung: Der Fonds kauft kurzlaufende Anleihen, Geldmarktpapiere und Bankeinlagen, deren Ertrag nah am Geldmarktzins liegt. Synthetische Nachbildung per Swap: Der Fonds hält ein sogenanntes Trägerportfolio aus anderen Wertpapieren und tauscht dessen Wertentwicklung per Vertrag mit einer Bank gegen die Geldmarktverzinsung. Viele große Geldmarkt-ETFs arbeiten mit Swap. Was im Trägerportfolio liegt, unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich: Staatsanleihen aus dem Euroraum, aber auch Unternehmensanleihen, Anleihen aus Schwellenländern oder sogar Aktien. Für deine laufende Rendite spielt das im Normalfall keine Rolle, weil der Swap sie ausgleicht. Für das Risiko im Ausnahmefall und für die Steuer spielt es sehr wohl eine Rolle. Wie ein Fonds arbeitet, steht im Factsheet und im Basisinformationsblatt unter „Replikation" oder „Portfoliomethode". Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds: nicht automatisch dasselbe Jeder Geldmarkt-ETF ist ein Investmentfonds, aber nicht jeder ist rechtlich ein Geldmarktfonds. Nach der EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 6) darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen, wenn er nach dieser Verordnung zugelassen ist und ihre Vorgaben zu Laufzeiten, Liquidität und Streuung einhält. Manche Produkte, die im Alltag Geldmarkt-ETF heißen, sind dagegen Anleihen- oder Swap-ETFs, die einen Geldmarktindex abbilden. Einen zugelassenen Geldmarktfonds erkennst du an seinen Unterlagen: Er muss angeben, ob er ein kurzfristiger oder ein Standard-Geldmarktfonds ist. Wie sicher ist ein Geldmarkt-ETF? Die Frage nach der Sicherheit hat drei Antworten, je nachdem, wer ausfällt. Dazu kommt ein Risiko, gegen das keine der drei Schutzebenen hilft. Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht Das Geld im Fonds gehört nicht der Fondsgesellschaft. Das Kapitalanlagegesetzbuch schreibt vor, dass das Fondsvermögen als Sondervermögen getrennt vom eigenen Vermögen der Gesellschaft zu halten ist (§ 92 KAGB), nicht für ihre Schulden haftet (§ 93 Abs. 2 KAGB) und bei ihrer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse fällt (§ 99 Abs. 3 KAGB). Verwahrt wird es bei einer Verwahrstelle, die es getrennt von ihren eigenen Beständen führen muss. Manche Geldmarkt-ETFs sind in anderen EU-Staaten aufgelegt, etwa in Luxemburg. Auch für sie schreibt das EU-Fondsrecht die getrennte Verwahrung vor. Wenn deine Depotbank oder dein Broker pleitegeht Deine ETF-Anteile sind Wertpapiere in deinem Eigentum und keine Forderung gegen die Bank. Laut BaFin fallen Investmentfondsanteile zwar nicht unter die Einlagensicherung. Im Insolvenzfall kannst du aber die Herausgabe verlangen oder dein Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Anders das Guthaben auf deinem Verrechnungskonto: Liegt es bei einer Bank, ist es eine Einlage. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt es bis 100.000 Euro je Einleger und Bank (§ 8 EinSiG). Wie eine Broker-Pleite in der Praxis abläuft, liest du im Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Wenn die Swap-Bank ausfällt Bei synthetischen Geldmarkt-ETFs kommt ein drittes Risiko hinzu: Die Bank, mit der der Fonds den Swap abgeschlossen hat, könnte ihre Zahlungen nicht mehr leisten. Dieses Kontrahentenrisiko begrenzt das EU-Fondsrecht, und in der verbreiteten Konstruktion gehört das Trägerportfolio dem Fonds. Fällt die Swap-Bank aus, hängt dein Ergebnis davon ab, was in diesem Trägerportfolio liegt. Das Risiko, das bleibt: Zins und Kosten Keine der drei Schutzebenen schützt vor dem, was der Markt macht. Ein Geldmarkt-ETF hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Liegt der Geldmarktzins unter null, verliert der Anteil Tag für Tag an Wert. Das ist kein Gedankenspiel: Der Einlagesatz der EZB war vom 11. Juni 2014 bis Ende Juli 2022 negativ, und die Geldmarktsätze folgten ihm unter die Nulllinie. Liegt der Zins nur knapp über null, können laufende Kosten und Ordergebühren den Ertrag aufzehren. Ein Geldmarkt-ETF ist eine Wertpapieranlage und keine Bankeinlage. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nicht, der Anteilswert kann schwanken und bei negativen Zinsen oder beim Ausfall eines Emittenten oder der Swap-Bank sinken. Laufende Kosten (TER), Ordergebühren und Spread mindern deine Rendite. Eine Garantie auf den eingezahlten Betrag gibt es nicht. Quellen: §§ 92, 93, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; BaFin, Rundschreiben 05/2020 (WA) zur Verwahrstelle; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; §§ 2, 8 Einlagensicherungsgesetz; Verordnung (EU) 2017/1131; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, €STR und EZB-Zinssätze. Stand: September 2026. Was kostet ein Geldmarkt-ETF und wie wird er besteuert? Kosten fallen an drei Stellen an: die laufenden Fondskosten (TER), die Ordergebühr deines Brokers und der Spread. Weil der Geldmarktzins selbst niedrig ist, wiegen feste Ordergebühren bei kleinen Beträgen und häufigem Umschichten am schwersten. Was Orders bei welchem Depot kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten. Steuerlich ist ein Geldmarkt-ETF ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale (§ 16 InvStG). Alle drei zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Mit einem Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank bleiben sie bis zur Höhe deines Sparerpauschbetrags steuerfrei. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zu Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag im Depot. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass auch thesaurierende Fonds jedes Jahr besteuert werden. Sie hängt vom Anteilswert zu Jahresbeginn und einem jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Basiszins ab, ist aber auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt (§ 18 InvStG). Bei einem Geldmarkt-ETF, der gleichmäßig mit dem Zins wächst, kann so ein großer Teil des Jahresertrags schon als Vorabpauschale versteuert werden. Beim Verkauf mindern die angesetzten Vorabpauschalen den Gewinn (§ 19 InvStG), du zahlst also nicht doppelt. Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds (§ 20 InvStG). Geldmarkt-ETFs aus Anleihen und Einlagen gehören nicht dazu. Ein Swap-ETF mit Aktien im Trägerportfolio kann dagegen als Aktienfonds gelten. Voraussetzung: Seine Anlagebedingungen schreiben vor, fortlaufend mehr als 50 Prozent des Aktivvermögens in Aktien und vergleichbare Kapitalbeteiligungen anzulegen (§ 2 Abs. 6 InvStG). Ein Aktien-Swap allein reicht dafür nicht. Ob ein Geldmarkt-ETF steuerlich als Aktienfonds zählt, entscheiden seine Anlagebedingungen, nicht sein Name. Ist er so eingestuft, berücksichtigt eine deutsche Depotbank die Teilfreistellung beim Steuerabzug automatisch. Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 44a Einkommensteuergesetz; Bundesministerium der Finanzen, Anwendungsfragen zum Investmentsteuergesetz (Rz. 2.6, Rz. 19.5) und Basiszins zur Vorabpauschale vom 13.01.2026; Finanzverwaltung NRW. Stand: September 2026. Sind Geldmarkt-ETFs eine gute Idee? Das hängt weniger vom ETF ab als von deiner Situation. Ein Geldmarkt-ETF ersetzt nicht das Tagesgeldkonto für den Notgroschen. Er ergänzt es dort, wo Tagesgeld an Grenzen stößt. Ein Geldmarkt-ETF passt wenn du ohnehin ein Depot hast und Geld zwischen zwei Käufen parken willst wenn du deutlich mehr als 100.000 Euro kurzfristig anlegst und die Einlagensicherung bei einer einzelnen Bank nicht mehr reicht wenn du den Marktzins willst, ohne alle paar Monate einem neuen Neukundenangebot hinterherzuwechseln Ein Geldmarkt-ETF passt nicht für den Notgroschen, den du ohne Umweg über die Börse und unabhängig von Handelszeiten brauchst wenn du einen festen Zins willst, der auch bei sinkenden Leitzinsen gilt: Den bietet Festgeld wenn du kleine Beträge oft umschichtest und jede Order eine feste Gebühr kostet Ein Grenzfall zeigt, dass die 100.000-Euro-Grenze nicht immer gilt. Verkaufst du deine selbst genutzte Wohnung und liegen 300.000 Euro auf dem Konto, schützt die Einlagensicherung solche Beträge bis zu sechs Monate nach der Gutschrift bis 500.000 Euro (§ 8 Abs. 2 EinSiG). Danach gilt wieder die Grenze von 100.000 Euro je Bank. Wer das Geld länger parkt, verteilt es auf mehrere Banken oder wählt eine Anlage mit anderem Schutz, etwa einen Geldmarkt-ETF. Wie der Schutz von Bankeinlagen im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld. Umgekehrt gilt: Zahlt dir eine Bank für einige Monate einen Neukundenzins deutlich über dem Geldmarktzins, ist Tagesgeld für diese Zeit meist die bessere Wahl. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich, Depots für den Kauf eines Geldmarkt-ETFs im Depot-Vergleich. Fazit: ein Werkzeug für Geld im Wartestand Unsere Einschätzung: Ein Geldmarkt-ETF passt für Geld, das im Depot auf den nächsten Einsatz wartet, und für Beträge oberhalb der Einlagensicherung. Den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto ersetzt er nicht: kein fester Zins, keine Einlagensicherung, dafür Kosten. Mein Tipp: Schau vor dem Kauf ins Factsheet und beantworte drei Fragen. Welchen Zins bildet der Fonds ab? Arbeitet er physisch oder per Swap? Und was liegt im Trägerportfolio? Wenn du das weißt, weißt du, was du kaufst. Häufige Fragen zum Geldmarkt-ETF Wie hoch ist die Rendite eines Geldmarkt-ETFs? Vor Steuern liegt die Rendite ungefähr beim €STR, abzüglich der laufenden Kosten (TER) und deiner Ordergebühren. Manche Indizes rechnen einen kleinen festen Aufschlag auf den €STR ein. Einen festen Wert gibt es nicht, weil sich die Rendite mit jedem Zinsschritt der EZB ändert. Welche Geldmarkt-ETFs sind die besten? Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, weil sich die Fonds weniger in der Rendite als in der Konstruktion unterscheiden. Vergleiche vier Punkte: den abgebildeten Zins, die laufenden Kosten (TER), die Nachbildung (physisch oder per Swap, bei Swap das Trägerportfolio) und den Spread an deinem Handelsplatz. Was ist der Unterschied zwischen Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds? Geldmarktfonds ist der Oberbegriff für Fonds, die in kurzfristige Geldmarktanlagen investieren. Wer sich rechtlich so nennen will, braucht eine Zulassung nach der EU-Geldmarktfondsverordnung. Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, oft per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht. Kann man mit einem Geldmarkt-ETF Geld verlieren? Ja. Bei negativen Geldmarktzinsen sinkt der Anteilswert, Kosten können einen niedrigen Zins aufzehren, und bei synthetischen ETFs besteht ein begrenztes Ausfallrisiko gegenüber der Swap-Bank. Starke Kursschwankungen wie bei Aktien sind wegen der sehr kurzen Zinsbindung untypisch, eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Kann ich einen Sparplan auf einen Geldmarkt-ETF anlegen? Das hängt von deinem Broker ab: Manche bieten Sparpläne auf Geldmarkt-ETFs an, andere nicht, und auch die Kosten je Ausführung unterscheiden sich. Welche Anbieter ETF-Sparpläne zu welchen Bedingungen führen, zeigt der ETF-Sparplan-Vergleich. Datenstand: September 2026 | Quellen: Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Einkommensteuergesetz, Verordnung (EU) 2017/1131, BaFin, Bundesministerium der Finanzen, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.

Grundbuch

Kurz & knapp: Das Grundbuch ist ein öffentliches Register, das beim Amtsgericht geführt wird. Nach § 873 BGB wirst du erst durch die Eintragung im Grundbuch zum rechtmäßigen Eigentümer einer Immobilie. Das Grundbuch besteht aus drei Abteilungen — Eigentümer, Belastungen, Hypotheken/Grundschulden. Die Eintragungskosten liegen bei rund 0,5 % des Kaufpreises. Definition: Was ist das Grundbuch? Das Grundbuch ist ein staatlich geführtes Verzeichnis aller Grundstücke in Deutschland. Es dokumentiert, wem ein Grundstück gehört, welche Belastungen darauf liegen und welche Rechte Dritter daran bestehen. Geführt wird es vom Grundbuchamt, das beim örtlich zuständigen Amtsgericht angesiedelt ist. Die Rechtsgrundlage ist die Grundbuchordnung (GBO), ergänzt durch die einschlägigen Vorschriften im BGB. Das Wichtigste vorweg: Das Grundbuch genießt öffentlichen Glauben nach § 892 BGB. Was dort steht, gilt — auch wenn es im Einzelfall mal nicht der materiellen Rechtslage entspricht. Daher ist der Grundbucheintrag keine Formalie, sondern der entscheidende rechtliche Akt beim Immobilienkauf. § 873 BGB — warum die Eintragung Pflicht ist § 873 Abs. 1 BGB regelt unmissverständlich: Zur Übertragung des Eigentums an einem Grundstück sind zwei Dinge nötig — die Einigung der Beteiligten und die Eintragung im Grundbuch. Beides muss zusammenkommen. Der Kaufvertrag beim Notar ist also nur die halbe Miete. Du wirst erst dann Eigentümer, wenn dein Name im Grundbuch steht. Bis dahin sicherst du dich über eine Auflassungsvormerkung in Abteilung II ab — eine Art "Reservierung", die verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück doppelt veräußert. Die drei Abteilungen des Grundbuchs Jedes Grundbuchblatt ist in drei Abteilungen gegliedert. Wenn du einen Grundschuld-Eintrag oder eine Hypothek verstehen willst, musst du wissen, wo was steht: AbteilungInhaltBeispiele Abteilung IEigentümerAktuelle und frühere Eigentümer, Erwerbsgrund (Kauf, Erbschaft, Schenkung) Abteilung IILasten und BeschränkungenWegerechte, Wohnrechte, Nießbrauch, Auflassungsvormerkungen, Vorkaufsrechte Abteilung IIIHypotheken, Grundschulden, RentenschuldenGrundschulden für Banken, Bauhandwerker-Sicherungshypotheken Vor jedem Immobilienkauf solltest du einen Grundbuchauszug einsehen — dort siehst du auf einen Blick, wer Eigentümer ist und welche Belastungen das Grundstück hat. Ein vergessenes Wegerecht in Abteilung II kann den Wert deiner Immobilie deutlich mindern. Grundbuchauszug — so kommst du dran Ein berechtigtes Interesse vorausgesetzt (z.B. als Käufer, Erbe oder Gläubiger) kannst du einen Grundbuchauszug beantragen. Drei Wege: Direkt beim Grundbuchamt: Persönlich oder schriftlich beim zuständigen Amtsgericht. Kosten: 10 EUR (unbeglaubigt) bzw. 20 EUR (beglaubigt) — bundesweit einheitlich nach KostO/GNotKG. Über den Notar: Beim Immobilienkauf üblich — der Notar holt den aktuellen Auszug automatisch ein. Online (in einigen Bundesländern): Über das elektronische Grundbuch (z.B. Solum-Star in Bayern, ELRV in NRW). Voraussetzung: Anwaltszulassung, Notarberechtigung oder berechtigtes Interesse mit Identitätsprüfung. Eintragungskosten beim Hauskauf Die Grundbucheintragung gehört zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb. Faustformel: rund 0,5 % des Kaufpreises für Notar- und Grundbuchgebühren zusammen, wobei sich der Betrag etwa hälftig aufteilt. Konkretes Beispiel bei einem Kaufpreis von 400.000 EUR: Notarkosten (Beurkundung Kaufvertrag, Auflassung): rund 0,8 - 1,0 % = ca. 3.500 EUR Grundbuchgebühren (Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung, Grundschuld-Eintragung): rund 0,5 % = ca. 2.000 EUR Für die Grundschuld-Eintragung kommen weitere Kosten hinzu, die sich nach der Höhe der Grundschuld richten — typischerweise 0,2 - 0,3 % der Grundschuldsumme. Hinweis Auflassungsvormerkung: Diese Eintragung in Abteilung II ist dein wichtigster Schutz im Schwebezustand zwischen Kaufvertrag und Eigentumsumschreibung. Sie verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück ein zweites Mal verkauft oder weitere Belastungen einträgt. Ohne Vormerkung trägst du das volle Insolvenzrisiko des Verkäufers — daher ist sie Standardpraxis bei jedem Kauf. Was bedeutet "öffentlicher Glaube" konkret? Der öffentliche Glaube nach § 892 BGB schützt den gutgläubigen Erwerber: Wenn du eine Immobilie von der im Grundbuch eingetragenen Person kaufst, wirst du auch dann Eigentümer, wenn diese Person eigentlich gar nicht (mehr) Eigentümer war — vorausgesetzt, du wusstest nichts von der falschen Eintragung. Daher ist das Grundbuch kein bürokratisches Beiwerk, sondern die rechtliche Wahrheit. Fazit Das Grundbuch ist beim Immobilienkauf das wichtigste Dokument überhaupt. Drei Punkte solltest du dir merken: Eigentum entsteht erst mit der Eintragung — nicht mit der Unterschrift beim Notar (§ 873 BGB). Drei Abteilungen, drei Themen: Eigentümer, Lasten, Geld-Sicherheiten. Vor jedem Kauf: Aktuellen Auszug ziehen und Abteilung II auf versteckte Belastungen prüfen. Die Grundbuchgebühren sind ein fester Bestandteil deiner Kaufnebenkosten — kalkulier sie von Anfang an mit ein. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

Grundschuld

Kurz & knapp: Die Grundschuld ist ein Grundpfandrecht nach § 1191 BGB. Sie sichert in Deutschland mehr als 95 % aller Immobilienfinanzierungen. Anders als die Hypothek ist sie nicht an eine konkrete Forderung gebunden (Abstraktheitsprinzip) — das macht sie für Banken und Kreditnehmer flexibler. Definition: Was ist eine Grundschuld? § 1191 BGB definiert es so: Ein Grundstück kann derart belastet werden, dass an den Begünstigten eine bestimmte Geldsumme aus dem Grundstück zu zahlen ist. Klingt erstmal wie eine Hypothek — der entscheidende Unterschied steckt jedoch in dem, was nicht im Gesetzestext steht: Eine Forderung muss nicht existieren. Die Grundschuld ist abstrakt. Sie steht für sich allein im Grundbuch, unabhängig davon, ob du gerade einen Kredit laufen hast oder nicht. Das Abstraktheitsprinzip — der Schlüssel zur Flexibilität Stell dir die Grundschuld wie eine wiederverwendbare Sicherheits-Box vor. Du füllst sie mit einer Forderung (deinem Kredit), und wenn der Kredit getilgt ist, bleibt die leere Box im Grundbuch stehen — bereit für die nächste Finanzierung. Damit du als Schuldner trotzdem geschützt bist, schließt du mit der Bank zusätzlich eine Sicherungsabrede (auch Zweckerklärung genannt). Sie regelt, wofür die Grundschuld konkret haftet. Drei Funktionen: Sie verbindet die abstrakte Grundschuld mit deinem konkreten Kredit. Sie verpflichtet die Bank, die Grundschuld nur für den vereinbarten Zweck zu nutzen. Sie regelt die Rückgewähr nach Tilgung (du kannst dann Löschung oder Abtretung verlangen). Grundschuld vs. Hypothek — die 6 wichtigsten Unterschiede MerkmalGrundschuld (§ 1191 BGB)Hypothek (§ 1113 BGB) Bindung an ForderungNein (abstrakt)Ja (akzessorisch) Wiederverwendbar nach TilgungJa — für neue Kredite nutzbarNein — wird zur Eigentümergrundschuld Flexibilität bei Bank-WechselHoch (Abtretung einfach)Niedriger (Forderung muss mit übergehen) Bürokratie bei AnpassungGeringHöher Praxis-Anteil DE 2026> 95 %< 5 % Rückgewähr nach TilgungAktiv beantragen (Löschungsbewilligung)Wandelt sich automatisch in Eigentümergrundschuld Briefgrundschuld vs. Buchgrundschuld Die Grundschuld gibt es in zwei Formen — du wirst beim Notartermin nach deiner Präferenz gefragt: Briefgrundschuld: Es wird zusätzlich zum Grundbucheintrag ein Grundschuldbrief ausgestellt — ein physisches Wertpapier. Vorteil: Übertragung an einen anderen Gläubiger auch ohne Grundbuchänderung möglich. Nachteil: Brief kann verloren gehen, Aufgebotsverfahren ist teuer. Buchgrundschuld: Nur Grundbucheintrag, kein Brief. Standard bei modernen Baufinanzierungen. Geringere Notarkosten, weniger Risiko. Empfehlung: Für die normale Baufinanzierung reicht eine Buchgrundschuld völlig aus. Brief macht nur Sinn, wenn die Grundschuld häufig übertragen werden soll. Warum bevorzugen Banken die Grundschuld? Drei Gründe machen die Grundschuld zum Standard: Wiederverwendbarkeit: Tilgst du den Kredit, kann die Grundschuld stehen bleiben und für Modernisierung, Anschlussfinanzierung oder ein zweites Darlehen genutzt werden — ohne neuen Notartermin. Handelbarkeit: Banken können Kreditportfolios verkaufen oder verbriefen. Eine abstrakte Grundschuld ist deutlich leichter zu übertragen als eine akzessorische Hypothek. Geringere Bürokratie: Bei Aufstockungen oder Konditionsänderungen muss die Grundschuld nicht angepasst werden, solange die Höhe ausreicht. Tipp für die Anschlussfinanzierung: Frag bei deiner alten Bank nach einer Abtretung der Grundschuld an deine neue Bank — statt einer Löschung und Neueintragung. Das spart dir Notarkosten in Höhe von etwa 0,2 % der Grundschuldsumme. Bei einer 300.000-EUR-Grundschuld sind das rund 600 EUR. Was passiert nach der vollständigen Tilgung? Hier ist der wichtige Unterschied zur Hypothek: Die Grundschuld erlischt nicht automatisch. Du hast drei Optionen: Löschung: Bank stellt eine Löschungsbewilligung aus, du beauftragst den Notar mit der Löschung im Grundbuch. Sauber, aber kostet. Abtretung: Du lässt dir die Grundschuld an dich selbst abtreten (Eigentümergrundschuld) — bleibt für künftige Finanzierungen nutzbar. Stehenlassen: Grundschuld bleibt zugunsten der Bank eingetragen. Spart Kosten, kann aber bei Bankwechsel später Aufwand verursachen. Fazit Die Grundschuld ist heute der unangefochtene Standard für Immobilienfinanzierungen in Deutschland. Ihr Abstraktheitsprinzip macht sie flexibler als die Hypothek, der Schutz für dich als Schuldner kommt aus der Sicherungsabrede mit der Bank. Beim Notartermin zur Bestellung der Grundschuld solltest du auf zwei Punkte achten: erstens auf eine ausgewogene Zweckerklärung (nicht zu weit gefasst), zweitens auf die Wahl Buchgrundschuld statt Brief — für die meisten Baufinanzierungen die richtige Lösung. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

H

Hypothek

Kurz & knapp: Eine Hypothek ist ein Grundpfandrecht nach § 1113 BGB. Sie sichert eine konkrete Forderung — meist einen Immobilienkredit — und ist untrennbar mit dieser Forderung verbunden (Akzessorietätsprinzip). In der Praxis nutzen heute mehr als 95 % der deutschen Banken stattdessen die flexiblere Grundschuld. Definition: Was ist eine Hypothek? Die Hypothek ist gesetzlich in § 1113 BGB geregelt. Dort heißt es sinngemäß: Ein Grundstück kann so belastet werden, dass an den Gläubiger eine bestimmte Geldsumme aus dem Grundstück zu zahlen ist — zur Befriedigung einer ihm zustehenden Forderung. Im Klartext: Du nimmst einen Kredit auf, und deine Immobilie dient als Sicherheit. Wenn du den Kredit nicht zurückzahlst, darf die Bank die Immobilie zwangsversteigern und sich aus dem Erlös bedienen. So weit, so klar. Das Akzessorietätsprinzip — der Schlüssel zum Verständnis Hier wird es spannend: Die Hypothek ist akzessorisch. Das bedeutet, sie ist rechtlich an die Forderung gebunden, die sie sichert. Drei praktische Konsequenzen: Forderung sinkt → Hypothek sinkt mit. Tilgst du 50.000 EUR deines 300.000-EUR-Kredits, reduziert sich auch die Hypothek auf 250.000 EUR. Forderung erlischt → Hypothek erlischt. Hast du den Kredit komplett zurückgezahlt, wandelt sich die Hypothek in eine sogenannte Eigentümergrundschuld — der Eintrag im Grundbuch bleibt aber bestehen, bis du ihn aktiv löschen lässt. Forderung wird abgetreten → Hypothek wandert mit. Verkauft deine Bank den Kredit an eine andere Bank, geht automatisch auch die Hypothek mit über. Sicherungshypothek vs. Verkehrshypothek Das BGB kennt zwei Hypotheken-Varianten: MerkmalVerkehrshypothekSicherungshypothek StandardfallJa (Regelform)Sonderfall Beweislast bei StreitBeim SchuldnerBeim Gläubiger ÜbertragbarkeitLeichter handelbarEingeschränkt Typische VerwendungKlassische Baufinanzierung (historisch)Zwangsvollstreckung, Bauhandwerker-Sicherung Hypothek vs. Grundschuld — warum heute fast niemand mehr eine Hypothek nutzt Die Grundschuld ist nach § 1191 BGB nicht akzessorisch — sie steht unabhängig von der Forderung. Genau das macht sie für Banken attraktiver: Sie kann nach Tilgung für eine neue Finanzierung wiederverwendet werden (z.B. für eine Modernisierung oder ein zweites Objekt). Bei Forfaitierung oder Verbriefung lässt sie sich leichter übertragen. Der bürokratische Aufwand bei Anpassungen ist geringer. Daher gilt heute: Mehr als 95 % aller Immobilienfinanzierungen in Deutschland werden über eine Grundschuld besichert, nicht über eine Hypothek. Wenn dir ein Banker also die "Hypothek" anbietet, meint er fast immer juristisch eine Grundschuld — der Begriff hat sich umgangssprachlich gehalten. Praxis-Hinweis: Im Sprachgebrauch werden "Hypothek" und "Hypothekendarlehen" oft synonym für jede Form der Immobilienfinanzierung verwendet. Rechtlich ist das ungenau — aber im Alltag akzeptiert. Wenn du deine Finanzierung planst, nutze gern unseren Hypothekenrechner, um Raten und Restschuld zu kalkulieren. Wann begegnet dir eine echte Hypothek heute noch? Die Hypothek ist nicht völlig verschwunden. Du triffst sie noch in drei Konstellationen: Bauhandwerker-Sicherungshypothek nach § 650e BGB — wenn ein Handwerker offene Rechnungen sichern will. Zwangshypothek aus einem gerichtlichen Vollstreckungstitel. Altbestand in älteren Grundbüchern, der nie gelöscht wurde. Fazit Die Hypothek ist das ältere, strenger geregelte Schwesterprodukt der Grundschuld. Akzessorisch, an die Forderung gebunden, weniger flexibel. Wer heute eine Baufinanzierung abschließt, bekommt in 95 % der Fälle eine Grundschuld — auch wenn umgangssprachlich von der "Hypothek" die Rede ist. Daher gilt: Lies dir vor der Unterschrift den Grundbucheintrag genau durch und frag bei deiner Bank nach, welches Sicherungsrecht konkret bestellt wird. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

P

Prolongation

Kurz & knapp: Eine Prolongation ist die Verlängerung deines Baudarlehens beim selben Anbieter nach Ablauf der Sollzinsbindung. Bequem und ohne neue Notarkosten – dafür meist 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte teurer als ein Wechsel zur Konkurrenz, weil die Bank ohne Wettbewerbsdruck verhandelt. Was ist eine Prolongation? Wenn deine Sollzinsbindung ausläuft – meist nach 10, 15 oder 20 Jahren – ist die Restschuld deines Darlehens fast nie komplett getilgt. Du brauchst eine Anschlussfinanzierung. Hierbei hast du zwei Wege: Du verlängerst beim aktuellen Anbieter (das ist die Prolongation) oder du wechselst zu einer anderen Bank (das ist die Umschuldung). Bei der Prolongation läuft dein Darlehen technisch weiter, nur die Konditionen werden neu verhandelt: neuer Zinssatz, neue Zinsbindung, ggf. angepasste Tilgung. Die Grundschuld bleibt im Grundbuch unverändert stehen. Genau das ist der Charme der Prolongation – aber auch ihre Schwäche. Prolongation vs. Umschuldung: Der direkte Vergleich ProlongationUmschuldung AnbieterGleicher AnbieterNeuer Anbieter NotarkostenKeineGrundschuld-Abtretung (~0,2 % der Darlehenssumme) AufwandSehr gering – UnterschriftVollständige Bonitätsprüfung, neue Unterlagen ZinsverhandlungSchwach (kein Wettbewerb)Stark (mehrere Angebote) Typischer ZinsvorteilBasis−0,2 bis −0,5 PP gegenüber Prolongation Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber massiv. Bei einer Restschuld von 200.000 € und 10 Jahren Zinsbindung machen 0,3 PP Unterschied rund 6.000 € Mehrkosten aus – abzüglich der Notarkosten von etwa 400 € bleibt also ein klarer Vorteil für die Umschuldung. Wann ist Prolongation trotzdem sinnvoll? Grundsätzlich gilt: Wer die niedrigsten Zinsen will, vergleicht. Allerdings gibt es Situationen, in denen die Prolongation sinnvoll ist: Kleine Restschuld (unter 50.000 €) – die absolute Zinsersparnis rechtfertigt den Aufwand nicht. Schwierige Bonität – wenn sich deine finanzielle Situation seit Abschluss verschlechtert hat (Selbstständigkeit, Elternzeit), prüft eine neue Bank dich strenger als deine Hausbank. Veränderte Beleihung – wenn der Immobilienwert gefallen ist, sieht der Beleihungsauslauf bei der neuen Bank schlechter aus. Top-Konditionen vom Stammanbieter – manche Banken machen aktiv ein gutes Prolongationsangebot, um dich zu halten. Der richtige Zeitpunkt: 6–12 Monate vor Ablauf vergleichen Etwa 3 Monate vor Ablauf der Zinsbindung bekommst du das Prolongationsangebot deiner Bank automatisch zugeschickt. Das ist deutlich zu spät. Wer Verhandlungsmacht aufbauen will, vergleicht 6 bis 12 Monate vorher die Marktkonditionen. Faustregel: Hol dir 2–3 Vergleichsangebote ein, bevor das offizielle Prolongationsangebot kommt. Auch wenn du am Ende beim Stammanbieter bleibst – mit harten Wettbewerbszahlen in der Hand verhandelt sich der Zinssatz deutlich besser. Häufige Fragen Muss ich eine Prolongation annehmen? Nein. Nach Ablauf der Sollzinsbindung bist du gesetzlich frei – nach § 489 BGB kannst du das Darlehen sogar mit dreimonatiger Frist kündigen, wenn du wechseln willst. Kann ich die Tilgung bei der Prolongation anpassen? Ja. Bei der Verlängerung kannst du Tilgungssatz und Zinsbindung neu festlegen – nutze das, um deine Rate an deine aktuelle Lebenssituation anzupassen. Was, wenn ich erst in 3+ Jahren Anschluss brauche? Dann ist ein Forward-Darlehen die bessere Option – damit sicherst du dir heutige Zinsen für die Zukunft. Mehr zu deinen Optionen liest du im Capitalo-Ratgeber zur Anschlussfinanzierung. Konkrete Wechselangebote findest du im Vergleich zur Baufinanzierung-Umschuldung. Hinweis: Die genannten Zinsvorteile sind typische Erfahrungswerte und können je nach Marktphase, Bonität und Restschuld abweichen. Eine Anschlussfinanzierung ist eine bedeutsame Entscheidung – lass dich bei Bedarf individuell beraten.

Q

Quellensteuer

Die Quellensteuer wird direkt bei der Auszahlung einbehalten, etwa auf Auslandsdividenden. Hier erfährst du, was angerechnet wird und was du zurückholst. Was du über die Quellensteuer wissen musst 🏦 Steuerabzug an der Quelle: Zahlt dir ein ausländisches Unternehmen eine Dividende, behält sein Sitzstaat die Quellensteuer oft schon vor der Gutschrift auf deinem Depot ein. 💡 Anrechnung: Deine Bank in Deutschland rechnet ausländische Quellensteuer bis zum Satz aus dem Doppelbesteuerungsabkommen auf die Abgeltungsteuer an, höchstens 25 % je Ertrag und nur, soweit Abgeltungsteuer anfällt. 🌍 Erstattung: Was ein Staat über den Abkommenssatz hinaus einbehält, etwa die Schweiz 35 % statt 15 %, bekommst du nur per Antrag bei der Steuerbehörde dieses Staates zurück. ⚠️ Freistellungsauftrag: Drückt dein Freistellungsauftrag die Abgeltungsteuer auf null, bleibt die anrechenbare Quellensteuer unverrechnet und verfällt, wenn du sie nicht in der Steuererklärung mit anderer Abgeltungsteuer verrechnen kannst. Was ist die Quellensteuer einfach erklärt? Die Quellensteuer, englisch Withholding Tax, ist keine eigene Steuerart, sondern eine Art, Steuern zu erheben. Wer Einkünfte auszahlt, also ein Arbeitgeber, eine Bank oder ein Unternehmen, behält die Steuer gleich ein und führt sie an den Staat ab. Das Bundesfinanzministerium nennt das bei der Lohnsteuer und der Abgeltungsteuer ein Quellenabzugsverfahren. Einfach erklärt: Eine US-Aktie in deinem Depot zahlt 100 Euro Dividende. Bevor das Geld bei dir ankommt, behalten die USA ihren Anteil ein. Das ist die Quellensteuer. Deutschland will danach ebenfalls Steuern, rechnet die US-Steuer aber bis zum vereinbarten Satz an, damit du nicht doppelt zahlst. Im Depot ist mit Quellensteuer fast immer diese ausländische Steuer auf Dividenden gemeint. Bei Lohn heißt die Quellensteuer in Deutschland Lohnsteuer. In der Schweiz steht der Begriff außerdem für den Steuerabzug vom Lohn bestimmter ausländischer Arbeitnehmender. Dieser Eintrag behandelt die Quellensteuer auf Kapitalerträge. Wie hoch ist die Quellensteuer in Deutschland? Deutschland erhebt auf Kapitalerträge wie Dividenden und Zinsen eine Kapitalertragsteuer von 25 %. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf diese Steuer, zusammen also 26,375 %, bei Kirchensteuerpflicht zusätzlich die Kirchensteuer. Bei Privatanlegern hat dieser Abzug abgeltende Wirkung, deshalb heißt er Abgeltungsteuer. Der Abzug gilt auch dann, wenn der Empfänger im Ausland wohnt. Ausländische Anleger können sich einen Teil beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) erstatten lassen, soweit ihr Doppelbesteuerungsabkommen einen niedrigeren Satz vorsieht. Wie die Abgeltungsteuer im Depot mit Freistellungsauftrag und Verlustverrechnung zusammenspielt, steht in unserem Ratgeber zu Abgeltungsteuer, Freistellungsauftrag und Freibeträgen. So wird ausländische Quellensteuer angerechnet Führt eine Bank in Deutschland dein Depot, rechnet sie die ausländische Quellensteuer automatisch auf deine Abgeltungsteuer an (§ 43a Abs. 3 EStG). Das passiert bei jedem einzelnen ausländischen Ertrag. Du musst dafür nichts beantragen. Die Anrechnung hat drei Grenzen (§ 32d Abs. 5 EStG): Abkommenssatz: Angerechnet wird nur die Steuer, die der Quellenstaat nach dem Doppelbesteuerungsabkommen behalten darf. Was darüber liegt, musst du dort zurückfordern. 25 %: Mehr als 25 % ausländische Steuer auf den einzelnen Ertrag rechnet Deutschland nie an. Deutsche Steuer: Angerechnet wird höchstens so viel, wie im selben Jahr an deutscher Abgeltungsteuer anfällt. Auf 100 Euro Dividende fallen 25 Euro Abgeltungsteuer an. Hat der Quellenstaat 15 Euro anrechenbare Steuer einbehalten, bleiben 10 Euro deutsche Abgeltungsteuer plus 0,55 Euro Solidaritätszuschlag. Die Rechnung ohne Solidaritätszuschlag steht so auch im Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur Abgeltungsteuer. Fall (100 Euro Dividende) Im Ausland einbehalten Davon anrechenbar Deutsche Abgeltungsteuer inkl. Soli Belastung bis zur Erstattung Im Quellenstaat zurückholbar Belastung nach Erstattung USA mit Formular W-8BEN 15,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 25,55 Euro 0,00 Euro 25,55 Euro USA ohne Formular W-8BEN 30,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 40,55 Euro 15,00 Euro 25,55 Euro Schweiz 35,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 45,55 Euro 20,00 Euro 25,55 Euro Stand September 2026. Rechnung nach § 32d Abs. 1 EStG und § 4 SolZG, ohne Kirchensteuer, Dividende bereits in Euro umgerechnet. Sätze: BZSt-Übersicht zur anrechenbaren Quellensteuer (Stand 1. Januar 2026), IRS, ESTV. Nach der Erstattung zahlst du in allen drei Fällen gleich viel. Bis dahin liegt dein Geld beim ausländischen Fiskus, und ohne Antrag bleibt es dort. Quellensteuer nach Ländern: vier Beispiele Jeder Staat legt seinen eigenen Satz fest, das Abkommen mit Deutschland setzt die Obergrenze. Die vier Beispiele zeigen die typischen Fälle für Dividenden an Privatanleger mit Wohnsitz in Deutschland. Land Quellensteuer auf Dividenden Höchstsatz laut Abkommen mit Deutschland In Deutschland anrechenbar Im Quellenstaat zurückholbar USA 30 %, mit Formular W-8BEN direkt 15 % 15 % 15 % 15 Prozentpunkte, wenn 30 % einbehalten wurden Schweiz 35 % (Verrechnungssteuer) 15 % 15 % 20 Prozentpunkte Frankreich 12,8 % 15 % 12,8 % nichts, der französische Satz liegt unter dem Abkommenssatz Österreich 27,5 % (Kapitalertragsteuer) 15 % 15 % 12,5 Prozentpunkte Stand 1. Januar 2026 (BZSt-Übersicht), Quellenstaaten abgerufen im September 2026. Sonderfälle wie Beteiligungen von Kapitalgesellschaften oder steuerbefreite Ausschüttungen sind nicht abgebildet. Quellen: BZSt, IRS, ESTV, Légifrance (Art. 187 CGI), Finanzministerium Österreich, Abkommenstexte. Die Sätze für alle Staaten mit Abkommen veröffentlicht das BZSt jedes Jahr zum Stand 1. Januar. Nach dieser Übersicht rechnen auch die Banken an. Wie holst du zu viel gezahlte Quellensteuer zurück? Die Erstattung läuft immer über die Steuerbehörde des Staates, der die Steuer einbehalten hat. Deine Bank und dein Finanzamt in Deutschland zahlen dir den Überhang nicht aus. 1 Abrechnung prüfen Auf der Dividendenabrechnung steht, wie viel Quellensteuer einbehalten und wie viel angerechnet wurde. Liegt der einbehaltene Satz über dem Abkommenssatz, hast du einen Anspruch im Quellenstaat. 2 Formular des Quellenstaats nutzen Das BZSt verlinkt die Erstattungsformulare vieler Staaten. Für die Schweiz stellst du den Antrag für Erträge mit Fälligkeit ab 1. Januar 2020 nur noch online bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV). 3 Ansässigkeit bestätigen lassen Staaten wie die Schweiz und Österreich verlangen einen Nachweis, dass du in Deutschland steuerlich ansässig bist. Für die Schweiz lässt du das Stempelblatt aus dem Online-Antrag von deinem Finanzamt beglaubigen. 4 Aufwand abwägen Bei 100 Euro Schweizer Dividende geht es um 20 Euro. Prüf, ob sich der Aufwand bei kleinen Beträgen lohnt, und achte auf die Antragsfristen des Quellenstaats. Bei US-Aktien kommst du ohne Erstattung aus. Reichst du das Formular W-8BEN bei der auszahlenden Stelle ein, behält sie direkt nur den Abkommenssatz von 15 % ein. Ohne das Formular sind es in der Regel 30 %, und die Differenz musst du in den USA zurückfordern. Quellensteuer und Freistellungsauftrag: wann die Anrechnung verfällt Dein Freistellungsauftrag senkt die Grundlage für die Abgeltungsteuer, egal ob der Ertrag aus Deutschland oder dem Ausland stammt. Bleibt dadurch weniger deutsche Steuer übrig als anrechenbare Quellensteuer, entsteht ein Überhang. Das gilt genauso, wenn Verluste die Steuer aufzehren. Diesen Überhang weist die Bank in deiner Steuerbescheinigung als noch nicht angerechnete ausländische Steuer aus. Du kannst ihn in der Steuererklärung mit Abgeltungsteuer verrechnen, die an anderer Stelle angefallen ist, etwa bei einer zweiten Bank. Ins nächste Jahr überträgt die Bank ihn nicht. Gibt es nichts zum Verrechnen, verfällt die ausländische Steuer. Von deinen Kapitalerträgen abziehen kannst du sie auch nicht. Die Anrechnung greift, wenn … der Quellenstaat die Steuer festgesetzt und tatsächlich einbehalten hat im selben Jahr deutsche Abgeltungsteuer anfällt, gegen die gerechnet werden kann höchstens der Abkommenssatz einbehalten wurde oder du den Rest im Ausland zurückforderst du beim ausländischen Broker die Quellensteuer in der Anlage KAP angibst Die Anrechnung greift nicht, wenn … der Teil über dem Abkommenssatz betroffen ist, den erstattet nur der Quellenstaat Freistellungsauftrag oder Verluste die Abgeltungsteuer auf null drücken und keine andere Abgeltungsteuer zum Verrechnen da ist die Quellensteuer innerhalb eines Fonds angefallen ist ein Staat ohne Abkommen eine Steuer erhebt, die nicht der deutschen Einkommensteuer entspricht Ein Grenzfall zeigt, wie das zusammenspielt: Du hältst Schweizer Aktien, und deine Dividenden liegen komplett im Freistellungsauftrag. Die Schweiz behält 35 % ein. 20 Prozentpunkte holst du bei der ESTV zurück. Die übrigen 15 Prozentpunkte kann deine Bank nicht anrechnen, weil keine Abgeltungsteuer anfällt, und ohne andere abgeltungsteuerpflichtige Erträge verfallen sie. Quellensteuer bei ETFs und Fonds Bei einem ETF zahlt der Fonds die Quellensteuer, wenn er Dividenden der Unternehmen einsammelt. Du versteuerst dagegen nicht die einzelnen Dividenden, sondern die Ausschüttungen, die Vorabpauschale und Gewinne beim Verkauf deiner Fondsanteile (§ 16 InvStG). Die Quellensteuer auf Fondsebene taucht deshalb nicht als anrechenbare Steuer in deiner Abrechnung auf. Als Ausgleich für die steuerliche Vorbelastung des Fonds bleiben bei Aktienfonds 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung nach § 20 InvStG). Wer ausländische Aktien über ETFs hält, spart sich Erstattungsanträge, hat aber keinen Einfluss darauf, wie viel Quellensteuer der Fonds zahlt. Passende Anbieter findest du beim Vergleich von ETF-Sparplänen. Quellensteuer beim ausländischen Broker Behält ein ausländischer Broker keine deutsche Abgeltungsteuer ein, rechnet er auch keine Quellensteuer an. Du gibst die Erträge dann selbst in der Steuererklärung an und trägst die anrechenbare ausländische Steuer dort ein (§ 32d Abs. 3 und 5 EStG). Es gelten dieselben Grenzen wie bei der Bank. Welche Zeilen du ausfüllst und wie du Beträge in Euro umrechnest, zeigen wir dir Schritt für Schritt im Ratgeber zur Anlage KAP beim ausländischen Broker. Zurückholen kannst du nur, was über dem Abkommenssatz liegt. Den Abkommenssatz selbst verrechnet deine Bank, solange im selben Jahr Abgeltungsteuer anfällt. Fazit: So gehst du mit der Quellensteuer um Die ausländische Quellensteuer wird erst dann zur Zusatzbelastung, wenn du eines von zwei Dingen aus dem Blick verlierst: den Satz, den der Quellenstaat nach dem Abkommen behalten darf, und die deutsche Abgeltungsteuer, gegen die dieser Satz angerechnet wird. Prüf einmal im Jahr deine Steuerbescheinigung auf nicht angerechnete ausländische Steuer. Bei US-Aktien verhindert das Formular W-8BEN einen zu hohen Abzug, bei Schweizer oder österreichischen Einzelaktien planst du den Erstattungsantrag fest ein. Welches Depot bei Kosten und Service zu dir passt, siehst du, wenn du Depots im Vergleich betrachtest. Häufige Fragen zur Quellensteuer Was genau ist die Quellensteuer? Die Quellensteuer ist ein Verfahren, bei dem die auszahlende Stelle die Steuer direkt einbehält und an den Staat abführt, der Empfänger bekommt nur den Nettobetrag. In Deutschland funktionieren Lohnsteuer und Kapitalertragsteuer so. Bei Geldanlagen ist meist die ausländische Quellensteuer auf Dividenden gemeint. Wer muss in Deutschland Quellensteuer bezahlen? Arbeitnehmer zahlen sie als Lohnsteuer, Anleger mit Depot bei einer Bank in Deutschland als Kapitalertragsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag. Auch Anleger im Ausland zahlen diesen Abzug auf deutsche Dividenden und können sich einen Teil nach ihrem Doppelbesteuerungsabkommen beim BZSt erstatten lassen. Für Künstler, Sportler und andere Personen ohne Wohnsitz in Deutschland gilt der Steuerabzug nach § 50a EStG. Wie bekomme ich die Quellensteuer aus der Schweiz zurück? Die Schweiz behält auf Dividenden 35 % Verrechnungssteuer ein, nach dem Abkommen mit Deutschland darf sie 15 % behalten. Die Differenz von 20 Prozentpunkten beantragst du bei der ESTV, für Erträge mit Fälligkeit ab 1. Januar 2020 nur noch online. Das Stempelblatt aus dem Antrag lässt du von deinem Finanzamt beglaubigen und lädst es im Online-Antrag hoch. Wie wird die Schweizer Quellensteuer in Deutschland angerechnet? Anrechenbar sind 15 % der Dividende, also der Satz aus dem Abkommen. Eine Bank in Deutschland rechnet sie automatisch auf die Abgeltungsteuer an, solange im selben Jahr Abgeltungsteuer anfällt; beim ausländischen Broker trägst du sie selbst in der Anlage KAP ein. Die übrigen 20 Prozentpunkte holst du in der Schweiz zurück. Was ist der Quellensteuertopf? Quellensteuertopf nennen Banken die Sammelstelle für anrechenbare ausländische Steuer, die sie noch nicht verrechnen konnten. Fällt später im selben Jahr Abgeltungsteuer an, rechnet die Bank den Topf dagegen. Am Jahresende überträgt sie ihn nicht ins nächste Jahr, sondern weist den Rest in der Steuerbescheinigung aus. Kannst du ihn in der Steuererklärung nicht mit anderer Abgeltungsteuer verrechnen, verfällt er. Stand: September 2026. Quellen: Einkommensteuergesetz (§§ 32d, 43a, 50a EStG), Solidaritätszuschlaggesetz (§ 4), Investmentsteuergesetz (§§ 16, 20), BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14. Mai 2025 (Rn. 201 bis 207), Übersicht des BZSt über die anrechenbare ausländische Quellensteuer 2026, IRS, Eidgenössische Steuerverwaltung, Légifrance, Bundesministerium für Finanzen Österreich, Abkommen Deutschlands mit den USA, der Schweiz, Frankreich und Österreich. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

R

Restschuld

Kurz & knapp: Die Restschuld ist die verbleibende Darlehenssumme nach einer Tilgungsphase. Bei einer Baufinanzierung mit 10-jähriger Sollzinsbindung ist sie der Betrag, den du anschließend neu finanzieren musst – und damit dein größtes Zinsänderungsrisiko. Je höher der Tilgungssatz, desto niedriger die Restschuld. Was ist die Restschuld? Die Restschuld bezeichnet den Teil deines Darlehens, der nach einer bestimmten Zeit noch offen ist. Bei einem Annuitätendarlehen – dem Standardmodell der Baufinanzierung – setzt sich deine monatliche Rate aus Zinsen und Tilgung zusammen. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld; je weiter du tilgst, desto größer wird der Tilgungsanteil und desto kleiner der Zinsanteil. Hierbei ist ein Punkt entscheidend: Nach Ablauf der Sollzinsbindung (üblicherweise 10–15 Jahre) ist die Restschuld nicht null. Sie muss neu finanziert werden – und genau dort liegt dein Kernrisiko. Beispielrechnung: 350.000 € bei 3,75 % Sollzins Wie stark der Tilgungssatz die Restschuld beeinflusst, zeigt diese Modellrechnung. Annahmen: 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins, 10 Jahre Zinsbindung: TilgungssatzMonatsrateRestschuld nach 10 Jahren 1,0 %~1.385 €~307.600 € 2,0 %~1.677 €~265.200 € 3,0 %~1.969 €~222.800 € Was die Tabelle zeigt: Eine Verdoppelung des Tilgungssatzes von 1 auf 2 % senkt deine Restschuld um über 42.000 €. Bei 3 % Tilgung sind es bereits 85.000 € weniger als bei 1 %. Das ist der Hebel, mit dem du dein Zinsänderungsrisiko aktiv steuerst. Faustregel im Niedrigzins ist vorbei: Bei einem Sollzins ab 3 % gehört eine Anfangstilgung von mindestens 2 % zum guten Standard – darunter wird die Restschuld nach 10 Jahren gefährlich hoch. Wer es sich leisten kann, tilgt 3 % oder mehr. Warum die Restschuld dein Kernrisiko ist Stell dir vor, du hast 2026 mit 3,75 % abgeschlossen. Wenn 2036 die Zinsbindung ausläuft und der Marktzins inzwischen bei 5,5 % liegt, finanzierst du deine Restschuld zu deutlich teureren Konditionen. Bei einer Restschuld von 265.000 € (Tilgung 2 %) bedeutet das gegenüber dem ursprünglichen Zinssatz rund 4.600 € jährliche Mehrzinsen. Daher gilt: Je niedriger deine Restschuld bei Ablauf der Zinsbindung, desto kleiner dein Zinsänderungsrisiko. Eine hohe Anfangstilgung ist deine wichtigste Versicherung gegen Zinssprünge. Sondertilgung: Direkter Hebel auf die Restschuld Sondertilgungen reduzieren die Restschuld direkt und sofort. Die meisten Baufinanzierungs-Verträge erlauben kostenlos 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr als Sondertilgung. Bei 350.000 € Darlehen sind das bis zu 17.500 € jährlich. Ein Beispiel: Wenn du im siebten Jahr deiner Finanzierung eine Erbschaft von 30.000 € sondertilgst, sinkt deine Restschuld nach 10 Jahren um diese 30.000 € plus die ersparten Zinsen darauf. Über die nächsten 3 Jahre wären das bei 3,75 % zusätzlich rund 3.500 € weniger Zinsen. Häufige Fragen Wie erfahre ich meine aktuelle Restschuld? Im jährlichen Tilgungsplan deiner Bank oder in deinem Online-Banking. Auch jederzeit auf Anfrage. Kann ich die Restschuld komplett ablösen? Während der Zinsbindung nur gegen Vorfälligkeitsentschädigung. Nach Ablauf jederzeit zinsfrei – siehe § 489 BGB. Was passiert mit der Restschuld am Ende? Du brauchst eine Anschlussfinanzierung – per Anschlussfinanzierung oder als Prolongation beim selben Anbieter. Mehr zu den Mechanismen liest du im Capitalo-Glossar zu Tilgungssatz und Annuitätendarlehen. Wie du mit Sondertilgungen aktiv steuerst, zeigt der Ratgeber zur Sondertilgung. Hinweis: Die Beispielrechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen (konstante Zinsen, monatliche Annuität, keine Sondertilgungen) und dienen der Veranschaulichung. Reale Werte können je nach Vertragsdetails abweichen. Eine Baufinanzierung ist eine langfristige Verpflichtung – lass dich bei wesentlichen Entscheidungen individuell beraten.

S

Sollzinsbindung

Kurz & knapp: Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem dein Sollzins bei der Baufinanzierung vertraglich festgeschrieben ist. Typische Dauern: 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB kannst du nach 10 Jahren mit 6 Monaten Frist kostenfrei kündigen — selbst wenn du dich für 20 Jahre gebunden hast. Was ist die Sollzinsbindung? Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem die Bank dir den vereinbarten Sollzins deiner Baufinanzierung garantiert. Der Begriff ist technisch präziser als die häufig verwendete Zinsbindung, denn festgeschrieben wird ausschließlich der Sollzins — nicht der Effektivzins, der sich rechnerisch leicht verändern kann, sobald sich Pflichtkosten anteilig anders verteilen. In der Praxis werden Sollzinsbindung und Zinsbindung synonym verwendet. Wenn ein Vermittler oder eine Bank von „Zinsbindung 15 Jahre" spricht, meint sie die Sollzinsbindung. Mehr Hintergrund findest du im Eintrag zur Zinsbindung. Typische Dauern und ihre Auswirkung auf den Zins Grundsätzlich gilt: Je länger du dich bindest, desto höher wird der Zins — die Bank lässt sich Planungssicherheit bezahlen. Hier eine typische Marktstaffelung (Stand: Mai 2026): SollzinsbindungAufschlag ggü. 5 JahreGeeignet für 5 JahreBasisErwartung sinkender Zinsen, kurze Restlaufzeit 10 Jahre+0,1 bis +0,2 PPStandard-Konstellation, ausgewogen 15 Jahre+0,3 bis +0,4 PPFamilien, langfristige Planung 20 Jahre+0,4 bis +0,5 PPHohe Sicherheit, Niedrigzins-Phasen Heißt: Zwischen 5 und 20 Jahren Bindung liegen typischerweise rund 0,5 Prozentpunkte. Auf 300.000 € Darlehen können das schnell 50.000 € Mehrzinsen über die volle Laufzeit sein. Das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB Hier kommt der entscheidende Punkt, den viele übersehen: Auch wenn du dich für 20 Jahre Sollzinsbindung entschieden hast, bist du nicht die volle Laufzeit gefesselt. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB hast du als Verbraucher das Recht, den Vertrag zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit einer Frist von 6 Monaten ordentlich zu kündigen — und zwar ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Praktische Konsequenz: Eine 20-jährige Sollzinsbindung gibt dir maximale Sicherheit und maximale Flexibilität gleichzeitig. Wenn die Zinsen nach 10 Jahren deutlich gefallen sind, kündigst du und finanzierst günstiger um. Sind sie gestiegen, bleibst du in deiner günstigen Bindung. Welche Bindung passt zu dir? Wenn du davon ausgehst, dass die Zinsen weiter sinken oder du dein Darlehen schnell zurückzahlen willst, bietet sich eine kurze Bindung von 5 bis 10 Jahren an. Falls du Planungssicherheit über lange Zeiträume brauchst, etwa als Familie mit Kindern, sind 15 bis 20 Jahre die solide Wahl. Hierbei spielt auch die aktuelle Zinslage eine Rolle: In Niedrigzins-Phasen sind lange Bindungen besonders attraktiv, in Hochzins-Phasen lohnt sich Vorsicht vor zu langer Festschreibung. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die optimale Sollzinsbindung hängt von Bonität, Eigenkapital und Lebensplanung ab. Stand: Mai 2026.

Sparerpauschbetrag

Der Sparerpauschbetrag hält 1.000 EUR Kapitalerträge im Jahr steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 EUR. Hier erfährst du, was er rechtlich ist, wie er sich vom Freistellungsauftrag unterscheidet und was passiert, wenn du ihn überschreitest. Was du über den Sparerpauschbetrag wissen musst 💰 Höhe: Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr; zusammen veranlagte Ehe- und Lebenspartner haben gemeinsam 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, seit 2023) ⚖️ Pauschale statt Kostenabzug: Der Sparerpauschbetrag ersetzt deine tatsächlichen Werbungskosten wie Depotgebühren; höhere Kosten kannst du nicht zusätzlich absetzen 🏦 Freistellungsauftrag: Eine Bank in Deutschland berücksichtigt den Sparerpauschbetrag beim Steuerabzug nur, wenn du ihr einen Freistellungsauftrag erteilt hast; liegt weder Auftrag noch Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, zieht sie ab dem ersten Euro Steuer ab ⚠️ Überschritten oder ungenutzt: Auf Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag behält eine Bank in Deutschland 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein; hat die Bank Steuer abgezogen, obwohl dein Pauschbetrag nicht ausgeschöpft war, holst du sie über die Anlage KAP zurück Was ist der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag, im Gesetz Sparer-Pauschbetrag, ist ein fester Betrag, den das Finanzamt von deinen Einkünften aus Kapitalvermögen abzieht. Rechtsgrundlage ist § 20 Abs. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Bis zu dieser Höhe bleiben deine Kapitalerträge im Kalenderjahr steuerfrei. Kapitalerträge im Sinne von § 20 EStG sind unter anderem Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto, Dividenden, Ausschüttungen von Fonds und ETFs sowie Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen oder Fondsanteilen. Umgangssprachlich heißt er auch Sparerfreibetrag oder Freibetrag auf Kapitaleinkünfte. Einen Überblick über alle Steuern auf Wertpapiere gibt der Ratgeber Steuern im Depot. Freibetrag oder Pauschbetrag? Was das Gesetz regelt Rechtlich ist der Sparerpauschbetrag kein Freibetrag, sondern ein Pauschbetrag für Werbungskosten. § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG zieht 1.000 EUR als Werbungskosten ab und schließt den Abzug der tatsächlichen Werbungskosten aus. Das Bundesfinanzministerium beschreibt ihn als pauschalen Ausgleich für genau diesen Ausschluss. Für dich folgen daraus zwei Regeln: Tatsächliche Kosten zählen nicht: Depotgebühren, Finanzierungskosten oder Beratungshonorare für deine Geldanlage kannst du nicht absetzen, auch wenn sie im Jahr mehr als 1.000 EUR ausmachen. Kein Verlust durch den Pauschbetrag: Er darf nicht höher sein als deine Kapitalerträge (§ 20 Abs. 9 Satz 4 EStG). Bei 400 EUR Zinsen werden 400 EUR abgezogen, nicht 1.000 EUR, und der Rest mindert keine anderen Einkünfte. Auch die Reihenfolge ist festgelegt: Zuerst verrechnet das Finanzamt Gewinne und Verluste aus Kapitalvermögen, erst danach zieht es den Pauschbetrag ab. Laut Bundesfinanzministerium ist er nur zu berücksichtigen, wenn nach dieser Verrechnung positive Einkünfte übrig bleiben (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 119b). Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag aktuell? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, erhalten einen gemeinsamen Betrag von 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 2 Abs. 8 EStG). Beide Werte gelten seit dem Veranlagungszeitraum 2023; das Jahressteuergesetz 2022 hat sie von 801 EUR und 1.602 EUR angehoben. Veranlagung Sparerpauschbetrag seit 2023 Sparerpauschbetrag bis 2022 Einzelveranlagung 1.000 EUR pro Jahr 801 EUR pro Jahr Zusammenveranlagung von Ehe- oder Lebenspartnern 2.000 EUR pro Jahr, gemeinsam 1.602 EUR pro Jahr, gemeinsam Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 EStG (gesetze-im-internet.de), Finanzverwaltung NRW, Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zu den Steueränderungen 2023. Der Sparerpauschbetrag gilt je Kalenderjahr, weil die Einkommensteuer eine Jahressteuer ist (§ 2 Abs. 7 EStG). Was du in einem Jahr nicht ausschöpfst, kannst du nicht ins Folgejahr mitnehmen. So teilen Ehepaare den gemeinsamen Betrag Bei Ehe- und Lebenspartnern mit Zusammenveranlagung wird der gemeinsame Betrag bei jedem Partner zur Hälfte abgezogen. Hat ein Partner weniger als 1.000 EUR Kapitalerträge, geht der ungenutzte Teil seiner Hälfte auf den anderen über (§ 20 Abs. 9 Satz 3 EStG). Ein Beispiel: Du hast im Jahr 1.600 EUR Kapitalerträge, dein Ehepartner 200 EUR. Dein Partner nutzt 200 EUR seiner Hälfte, die übrigen 800 EUR gehen auf dich über. Dir stehen damit 1.800 EUR zu, deine 1.600 EUR bleiben vollständig steuerfrei. Habt ihr bei euren Banken jeweils eigene Freistellungsaufträge erteilt, greift dieser Ausgleich erst mit der Steuererklärung (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 261). Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag: der Unterschied Der Sparerpauschbetrag ist dein Anspruch aus dem Gesetz. Der Freistellungsauftrag ist das Instrument, mit dem du ihn schon beim Steuerabzug durch deine Bank oder deinen Broker nutzt (§ 44a EStG). Liegt weder ein Freistellungsauftrag noch eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, behält eine Bank in Deutschland Steuer ab dem ersten Euro Kapitalertrag ein. Dein Anspruch bleibt trotzdem bestehen, du machst ihn dann über die Steuererklärung geltend. Merkmal Sparerpauschbetrag Freistellungsauftrag Was es ist Pauschbetrag im Einkommensteuergesetz Auftrag an deine Bank oder deinen Broker Rechtsgrundlage § 20 Abs. 9 EStG § 44a EStG Wo er wirkt bei der Ermittlung deiner Kapitaleinkünfte für das Jahr direkt beim Steuerabzug durch die Bank Höhe 1.000 EUR, gemeinsam 2.000 EUR frei wählbar; alle Aufträge zusammen höchstens so hoch wie dein Sparerpauschbetrag Antrag nötig? nein, der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben ja, nach amtlichem Muster und mit deiner steuerlichen Identifikationsnummer Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 und § 44a EStG, Finanzverwaltung NRW, BMF-Schreiben vom 14.05.2025 (Rn. 257, 259a und amtliches Muster). Verteilst du Freistellungsaufträge auf mehrere Banken, darf ihre Summe den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen. Liegt dein gesamtes Einkommen unter dem Grundfreibetrag, kann dir das Finanzamt stattdessen eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung ausstellen, gültig für höchstens drei Jahre (§ 44a Abs. 2 EStG). Mit ihr zahlt die Bank Kapitalerträge ohne Steuerabzug aus, auch oberhalb des Pauschbetrags. Wie das bei Konten und Depots auf den Namen von Kindern funktioniert, erklärt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung im Kinderdepot. Was passiert, wenn du den Sparerpauschbetrag überschreitest? Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags sind steuerpflichtig. Eine Bank in Deutschland behält auf den übersteigenden Teil 25 % Abgeltungsteuer ein, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Mit diesem Abzug ist die Steuer in der Regel abgegolten, eine Angabe in der Steuererklärung ist dann nicht nötig. Ein Beispiel: Du bist ledig, bekommst im Jahr 1.300 EUR Zinsen und hast deiner Bank einen Freistellungsauftrag über 1.000 EUR erteilt. Steuerpflichtig sind 300 EUR; nur auf diesen Teil berechnet die Bank Abgeltungsteuer. Wie das bei Zinsen im Detail aussieht, zeigen die Ratgeber zur Steuer auf Tagesgeld-Zinsen und zu Festgeld und Steuern. Nicht ausgeschöpft: zu viel gezahlte Steuer zurückholen Die Bank kann auch zu viel Steuer abziehen, etwa wenn du keinen Freistellungsauftrag erteilt hast oder deine Aufträge ungünstig auf mehrere Banken verteilt sind. Den nicht genutzten Teil des Pauschbetrags machst du dann mit der Anlage KAP in der Einkommensteuererklärung geltend (§ 32d Abs. 4 EStG). Das Finanzamt erstattet dir die zu viel einbehaltene Steuer. Konto oder Depot im Ausland Ausländische Banken und Broker können nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet werden und zahlen Kapitalerträge in der Regel ohne Abgeltungsteuer aus. Ohne Steuerabzug greift auch kein Freistellungsauftrag. Du gibst die Erträge in der Anlage KAP an (§ 32d Abs. 3 EStG), und das Finanzamt zieht dort deinen Pauschbetrag ab, soweit du ihn nicht schon über Freistellungsaufträge bei deutschen Banken verbraucht hast. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Ratgeber zur Steuererklärung bei ausländischen Brokern. Vorabpauschale und Günstigerprüfung Auch ohne Verkauf verbrauchen Fondsanlagen Sparerpauschbetrag: Die Vorabpauschale, die vor allem bei thesaurierenden Fonds und ETFs anfällt, zählt zu den Kapitalerträgen (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 Investmentsteuergesetz). Liegt ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe vor, verrechnet die Bank sie damit. Ist dein persönlicher Einkommensteuersatz niedrig, kann sich die Günstigerprüfung lohnen (§ 32d Abs. 6 EStG). Auf deinen Antrag in der Steuererklärung vergleicht das Finanzamt die Abgeltungsteuer mit deinem persönlichen Steuersatz und wendet die für dich günstigere Variante an. Wann der Sparerpauschbetrag greift und wann nicht Hier greift er Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto Dividenden sowie Ausschüttungen von Fonds und ETFs Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds Hier greift er nicht Als Ersatz für höhere tatsächliche Kosten: Depotgebühren über 1.000 EUR bleiben unberücksichtigt Zum Erzeugen eines Verlusts: Er ist auf die Höhe deiner Kapitalerträge gedeckelt Vor der Verlustverrechnung: Er wirkt erst auf das, was nach dem Ausgleich von Gewinnen und Verlusten übrig bleibt Als Übertrag: Ein ungenutzter Rest verfällt mit dem Kalenderjahr Ein Grenzfall zeigt, wie diese Regeln zusammenwirken: Du bekommst im Jahr 1.200 EUR Zinsen und verkaufst eine Anleihe mit 1.200 EUR Verlust. Nach der Verlustverrechnung bleiben 0 EUR Kapitaleinkünfte. Der Pauschbetrag wirkt in diesem Jahr gar nicht, und die 1.000 EUR lassen sich weder ins nächste Jahr übertragen noch mit anderen Einkünften verrechnen. Deine Freistellungsaufträge sollten zusammen genau deinem Sparerpauschbetrag entsprechen und dort liegen, wo deine Erträge anfallen. Prüfe die Verteilung einmal im Jahr anhand der Steuerbescheinigungen deiner Banken. Häufige Fragen zum Sparerpauschbetrag Was ist der Unterschied zwischen Freistellungsauftrag und Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag ist der gesetzliche Betrag von 1.000 EUR pro Person und Jahr (2.000 EUR bei Zusammenveranlagung), der von deinen Kapitalerträgen abgezogen wird (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Freistellungsauftrag ist dein Auftrag an die Bank, diesen Betrag schon beim Steuerabzug zu berücksichtigen (§ 44a EStG). Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Steuer ab, den Pauschbetrag bekommst du dann über die Steuererklärung. Was passiert, wenn ich den Sparerpauschbetrag überschreite? Auf den Teil deiner Kapitalerträge, der über dem Sparerpauschbetrag liegt, fallen grundsätzlich 25 % Abgeltungsteuer an, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Eine Bank in Deutschland behält die Steuer automatisch ein. Bei 1.300 EUR Zinsen und 1.000 EUR Pauschbetrag sind als Einzelperson 300 EUR steuerpflichtig. Wie viel Geld darf ich steuerfrei sparen? Für die Höhe deines Guthabens gibt es keine Grenze. Der Sparerpauschbetrag begrenzt die Erträge: Bis 1.000 EUR Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Jahr bleiben steuerfrei, bei Zusammenveranlagung bis 2.000 EUR. Welchem Guthaben das entspricht, hängt vom Zins ab. Bringen je 5.000 EUR Guthaben 100 EUR Zinsen im Jahr, bleiben bei einer Einzelperson die Zinsen auf bis zu 50.000 EUR steuerfrei. Aktuelle Zinsen zeigt der Tagesgeld-Vergleich. Wie hoch ist aktuell der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehe- und Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, haben gemeinsam 2.000 EUR. Diese Werte gelten seit 2023; bis Ende 2022 waren es 801 EUR und 1.602 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, Stand 10.09.2026). Muss ich den Sparerpauschbetrag beantragen? Nein. Der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 20 Abs. 9 EStG), einen Antrag beim Finanzamt gibt es dafür nicht. Damit deine Bank ihn schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du aber einen Freistellungsauftrag. Ohne ihn holst du zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP zurück. Fazit Der Sparerpauschbetrag ist eine feste Rechengröße: 1.000 EUR pro Person und Jahr, 2.000 EUR bei Zusammenveranlagung, gedeckelt auf deine tatsächlichen Kapitalerträge. Im Alltag entscheidet der Freistellungsauftrag, ob du ihn sofort nutzt oder erst mit der Steuererklärung. Unsere Empfehlung: Verteile deine Freistellungsaufträge nach den Erträgen, die du bei jeder Bank erwartest, und gleiche Abweichungen über die Anlage KAP aus. Ob deine Erträge aus Festgeld stammen oder aus deinem Depot, für beide gilt derselbe Pauschbetrag. Datenstand: 10.09.2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 2 Abs. 7 und 8, § 20 Abs. 9, § 32d, § 44a EStG), Investmentsteuergesetz (§ 16 InvStG), Finanzverwaltung NRW, Bundesministerium der Finanzen (Monatsbericht zu den Steueränderungen 2023, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025). Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

T

Termingeld

Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit überlässt. Hier liest du, wann das Wort Festgeld meint und wann auch Kündigungsgeld. Was du über Termingeld wissen musst 💡 Definition: Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist überlässt. Vor dem vereinbarten Termin kommst du in der Regel nicht heran. ⚖️ Zwei Lesarten: Die Bundesbank nutzt Termingeld als Synonym für Festgeld. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff für Festgeld und Kündigungsgeld. 🏦 Schutz: Liegt dein Termingeld bei einer Bank in der EU, schützt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und je Bank. ⚠️ Abgrenzung: Anders als Tagesgeld ist Termingeld nicht täglich verfügbar. Einen festen Zins für die ganze Laufzeit hast du nur beim Festgeld, beim Kündigungsgeld meist nicht. Termingeld ist eine Bankeinlage, die du für eine bestimmte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist anlegst. Bis zum vereinbarten Termin verzichtest du auf den Zugriff, dafür zahlt die Bank in der Regel höhere Zinsen als auf Spareinlagen. Steht das Wort im Angebot deiner Bank, ist meistens Festgeld gemeint, aber nicht immer. Was ist Termingeld? Die Deutsche Bundesbank beschreibt eine Termineinlage als Einlage, die einer Bank „von ihren Kunden oder von anderen Instituten für eine bestimmte Zeit gegen einen festen Zinssatz überlassen wird". Termingeld und Festgeld nennt sie als synonyme Bezeichnungen. Als gängige Laufzeiten gibt sie sechs Monate, ein Jahr oder drei Jahre an. Der Name kommt vom Termin: Das Geld wird an einem vorher festgelegten Tag fällig oder nach Ablauf einer vereinbarten Kündigungsfrist. Bis dahin arbeitet die Bank mit deinem Geld und kann fest damit planen. Deshalb zahlt sie mehr als für Geld, das du jederzeit abziehen kannst. Die Bundesbank unterscheidet drei Arten von Bankguthaben: Sichteinlagen wie Girokonto und Tagesgeld, über die du jederzeit verfügst, Spareinlagen wie das klassische Sparbuch und Termineinlagen, bei denen das Geld für eine vereinbarte Zeit gebunden ist. Termingeld, Festgeld, Kündigungsgeld: zwei Lesarten Ob Termingeld nur Festgeld meint oder auch Kündigungsgeld, hängt davon ab, wen du fragst. Beide Lesarten sind im Umlauf, und beide sind belegt. Enge Lesart: Die Bundesbank setzt Termingeld mit Festgeld gleich. Auch das Gabler Banklexikon versteht unter Termingeld von Kunden eine Einlage „mit vereinbarter fester Laufzeit". Weite Lesart: Das Lexikon „Duden Wirtschaft von A bis Z", das die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, unterscheidet innerhalb der Termineinlagen zwischen Festgeldern und Kündigungsgeldern. Termingeld ist dort der Oberbegriff. Für dich zählt weniger das Etikett als das, was im Vertrag steht. Hat die Anlage ein festes Enddatum, ist es Festgeld. Läuft sie unbefristet weiter, bis du kündigst, ist es Kündigungsgeld. Die Tabelle zeigt, was das praktisch bedeutet, auch im Vergleich zum Tagesgeld. Merkmal Festgeld Kündigungsgeld Tagesgeld Zugriff auf das Geld am Ende der Laufzeit nach Ablauf der Kündigungsfrist jederzeit Zins fest für die ganze Laufzeit meist variabel, die Bank kann ihn anpassen variabel Ende der Anlage festes Datum ab Abschluss offen, bis du kündigst offen Zählt als Termingeld ja, in beiden Lesarten nur in der weiten Lesart nein, Sichteinlage Passt für Geld mit bekanntem Verwendungstermin Geld mit ungefährem Zeitrahmen Notgroschen und Rücklagen Quellen: Deutsche Bundesbank, Glossar (Termineinlage, Sichteinlage); Duden Wirtschaft von A bis Z, Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung 2016. Stand: September 2026. Wie eine Anlage mit Kündigungsfrist im Detail funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Kündigungsgeld. Für Geld, das jederzeit verfügbar bleiben soll, ist Tagesgeld die passende Anlage. So läuft eine Termingeld-Anlage ab Am Beispiel Festgeld sieht der Ablauf so aus: 1 Laufzeit und Betrag festlegen Du wählst, wie lange das Geld liegen soll, und legst den Betrag einmalig an. Zins und Laufzeit stehen ab Abschluss fest. 2 Geld überweisen Die Laufzeit beginnt meist an dem Tag, an dem das Geld auf dem Termingeldkonto gutgeschrieben ist. Ab dann läuft der Zins. 3 Bindung während der Laufzeit Solange die Laufzeit läuft, kommst du nicht an das Geld. Ob ein vorzeitiger Zugriff möglich ist und was er kostet, regelt der Vertrag. Mehr dazu liest du unter Festgeld vorzeitig kündigen. 4 Fälligkeit Am Ende zahlt die Bank Geld und Zinsen aus, meist auf dein Referenzkonto. Manche Verträge verlängern die Anlage automatisch (Prolongation), dann in der Regel zum dann gültigen Zins. Wie ein Festgeldkonto darüber hinaus funktioniert, von der Eröffnung bis zur Auszahlung, erklärt unser Ratgeber Was ist ein Festgeldkonto? Warum du „Termingeld" oft bei Firmenkunden liest Im Privatkundengeschäft heißt das Produkt meist Festgeld. Sparkassen und Filialbanken verwenden „Termingeld" dagegen häufig für Anlagen von Unternehmen und Selbstständigen, manche bieten es ausdrücklich nur für Geschäftsvermögen an. Zwei Dinge findest du dort öfter als beim privaten Festgeld: Fremdwährung: Manche Banken bieten Termingeld auch in US-Dollar, Schweizer Franken oder anderen Währungen an. Dann kommt zum Zins ein Wechselkursrisiko: Fällt die Währung gegenüber dem Euro, bekommst du am Ende unter Umständen weniger Euro zurück, als du eingezahlt hast. Sehr kurze Laufzeiten: Firmenkunden-Termingeld beginnt teils schon bei einer Woche Laufzeit. Dazu kommt eine dritte Bedeutung, die dir als Sparer kaum begegnet. Im Geldhandel leihen sich Banken untereinander Zentralbankgeld für feste Zeiträume. Das Gabler Banklexikon nennt genau das als erste Bedeutung von Termingeld. Für dich ist das nur indirekt wichtig: Das Zinsniveau am Geldmarkt beeinflusst, was Banken dir für Festgeld bieten. Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt vor allem von vier Dingen ab: Laufzeit oder Kündigungsfrist: Jede Laufzeit hat ihren eigenen Zins. Eine längere Bindung bringt nicht automatisch mehr. Zinsniveau am Geldmarkt: Banken richten ihre Angebote am aktuellen Geldmarkt aus, der wiederum stark von den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank abhängt. Anlagebetrag: Laut Duden Wirtschaft hängt der Zinssatz auch von der Höhe der Einlage ab. Die Bank selbst: Jede Bank legt ihre Konditionen selbst fest, bei den Sparkassen jede Sparkasse für sich. Laut Bundesbank sind Termineinlagen in der Regel höher verzinst als Spareinlagen. Welche Bank für welche Laufzeit gerade am meisten zahlt, siehst du im Festgeld-Vergleich, jedes Angebot bewertet mit dem Capitalo Score. Ist Termingeld geschützt? Termingeld ist eine Bankeinlage und fällt damit unter die gesetzliche Einlagensicherung. Geht eine Bank in der EU pleite, sind je Kunde und je Bank bis 100.000 Euro geschützt. Hat die Bank ihren Sitz in einem anderen EU-Land, greift das Sicherungssystem dieses Landes, nicht das deutsche. Die Einlagensicherung schützt vor der Pleite der Bank. Drei Risiken deckt sie nicht ab: Inflation: Liegt die Teuerung über deinem Zins, verliert das Geld trotz Zinsen an Kaufkraft. Zinsänderung: Steigen die Zinsen nach dem Abschluss, bleibt dein Festgeld beim alten Satz. Wechselkurs: Bei Termingeld in Fremdwährung kann der Euro-Betrag am Ende kleiner sein als beim Einzahlen. Quellen: § 8 Einlagensicherungsgesetz; Bundesministerium der Finanzen, Fragen und Antworten zur harmonisierten europäischen Einlagensicherung. Stand: September 2026. Wie die Sicherung für Festgeld im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Festgeld. Wie Zinsen aus Termingeld versteuert werden Zinsen aus Termingeld sind Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Bleiben deine gesamten Kapitalerträge im Jahr innerhalb des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro, zahlst du darauf keine Steuer (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit die Bank das schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du bei ihr einen Freistellungsauftrag. Was über dem Pauschbetrag liegt, versteuert eine Bank in Deutschland direkt mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d EStG). Zinsen von einer Bank im Ausland gibst du in der Regel selbst in der Steuererklärung an. Quellen: §§ 20, 32d Einkommensteuergesetz; Finanzverwaltung NRW; Landesamt für Steuern Niedersachsen. Stand: September 2026. Alle Details zu Freistellungsauftrag und Steuererklärung stehen im Ratgeber Festgeld und Steuern. Wann Termingeld zu dir passt und wann nicht Termingeld passt wenn du Geld für einen bekannten Termin zurücklegst, etwa eine Steuerzahlung oder eine Anschaffung in zwölf Monaten wenn du dir beim Festgeld den Zins für die Laufzeit festschreiben willst, weil du mit sinkenden Zinsen rechnest wenn dein Notgroschen schon auf dem Tagesgeldkonto liegt und dieses Geld wirklich übrig ist Termingeld passt nicht für den Notgroschen: Wenn die Waschmaschine streikt, wartet die Rechnung nicht bis zur Fälligkeit wenn du mit steigenden Zinsen rechnest und dich deshalb nicht lange binden willst wenn du einen festen Zins erwartest, nur weil „Termingeld" auf dem Angebot steht, ohne in den Vertrag zu schauen Ein Sonderfall, den viele übersehen, ist die automatische Verlängerung. Sieht dein Vertrag eine Prolongation vor und du meldest dich vor dem Ende nicht, läuft das Geld für eine neue Laufzeit weiter, in der Regel zum dann gültigen Zins. Der kann deutlich unter dem alten liegen. Trag dir den Fälligkeitstermin in den Kalender und entscheide vorher, was mit dem Geld passieren soll. Leg als Termingeld nur Geld an, das du bis zum Fälligkeitstermin bestimmt nicht brauchst. Alles, worauf du kurzfristig zugreifen musst, gehört auf ein Tagesgeldkonto. Unsere Einschätzung: Lass dich vom Wort nicht verunsichern. Wer dir Termingeld anbietet, meint meistens eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, also Festgeld. Schau trotzdem in den Vertrag: Stehen dort ein Enddatum und ein fester Zinssatz, oder eine Kündigungsfrist mit variablem Zins? Mein Tipp: Vergleich nicht nur den Zins, sondern auch, was am Ende der Laufzeit mit deinem Geld passiert. Die aktuellen Festgeldzinsen je Laufzeit findest du in unserem Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zu Termingeld Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt von Laufzeit, Anlagebetrag, Zinsniveau am Geldmarkt und Bank ab. Laut Bundesbank liegt er in der Regel über dem für Spareinlagen. Was ist der Unterschied zwischen Termingeld und Festgeld? Oft gibt es keinen: Die Bundesbank nennt Termingeld und Festgeld als synonyme Bezeichnungen für eine Einlage mit fester Laufzeit und festem Zins. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff, der neben Festgeld auch Kündigungsgeld umfasst. Kündigungsgeld hat kein festes Enddatum, sondern eine Kündigungsfrist, und meist einen variablen Zins. Welche Bank hat die besten Zinsen für Festgeld? Das wechselt, weil Banken ihre Zinsen für neue Anlagen regelmäßig an das Marktniveau anpassen. Im Festgeld-Vergleich von Capitalo siehst du die aktuellen Zinsen je Laufzeit und die Bewertung jedes Angebots im Capitalo Score. Achte neben dem Zins auf die Einlagensicherung im Sitzland der Bank und darauf, was am Ende der Laufzeit mit dem Geld passiert. Was ist Termingeld bei der Sparkasse? Sparkassen verwenden „Termingeld" als Namen für eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, auf sparkasse.de vor allem im Angebot für Firmenkunden. Die Konditionen legt jede Sparkasse selbst fest, sie orientieren sich am aktuellen Geldmarktniveau. Einlagen bei Sparkassen schützt deren eigenes, gesetzlich als Einlagensicherung anerkanntes Sicherungssystem. Kann ich Termingeld vorzeitig kündigen? Beim Festgeld meist nicht: Während der Laufzeit ist ein vorzeitiger Zugriff in der Regel vertraglich ausgeschlossen oder nur mit Zinsverlust möglich. Beim Kündigungsgeld ist die Kündigung dagegen der normale Weg an dein Geld, du wartest dann die vereinbarte Frist ab. Was für deine Anlage gilt, steht in den Vertragsbedingungen der Bank. Datenstand: September 2026 | Quellen: Deutsche Bundesbank (Glossar: Termineinlage, Sichteinlage), Duden Wirtschaft von A bis Z (Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung, 2016), Gabler Banklexikon, Einlagensicherungsgesetz § 8, Bundesministerium der Finanzen (FAQ Einlagensicherung, Februar 2025), Einkommensteuergesetz §§ 20 und 32d, Finanzverwaltung NRW, Landesamt für Steuern Niedersachsen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Anlageberatung.

Tilgungssatz

Kurz & knapp: Der Tilgungssatz – auch Anfangstilgung genannt – legt fest, mit welchem Prozentsatz du im ersten Jahr deine Darlehenssumme zurückzahlst. Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, im aktuellen Zinsumfeld eher 3 %. Der Effekt ist gewaltig: Bei 3,75 % Sollzins reduziert sich deine Laufzeit von 42 Jahren (1 % Tilgung) auf 22 Jahre (3 % Tilgung). Wer schneller schuldenfrei werden möchte, dreht am Tilgungssatz – nicht an der Zinsbindung. Definition: Was ist der Tilgungssatz? Der Tilgungssatz – häufig auch Anfangstilgung oder Tilgungsrate genannt – gibt an, welcher Prozentsatz der ursprünglichen Darlehenssumme du im ersten Jahr zurückzahlst. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Monatsrate konstant, der Tilgungsanteil steigt aber Monat für Monat – daher heißt es Anfangstilgung. Beispiel: Bei 300.000 € Darlehen und 2 % Anfangstilgung tilgst du im ersten Jahr 6.000 € (300.000 € × 2 %). Daraus ergeben sich rund 500 € Tilgungsanteil pro Monat – zusätzlich zu den Zinsen. Im zweiten Jahr ist der Tilgungsanteil bereits höher, weil die Restschuld gesunken ist und weniger Zinsen anfallen. Empfehlung: 2 % Minimum, 3 % Standard Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Mindesttilgung von 2 % – im aktuellen Zinsumfeld von rund 3,5 bis 4 % sind 3 % die bessere Wahl. Hierbei gilt eine einfache Faustregel: Je niedriger der Sollzins, desto höher solltest du tilgen. Sonst läuft das Darlehen ewig. Warum ist das so? Bei niedrigen Zinsen fließt nur wenig Geld in den Zinsanteil. Wer dann gleichzeitig niedrig tilgt, kommt kaum vom Fleck. Daher gilt im aktuellen Marktumfeld: Mindestens 2 %, besser 3 % Anfangstilgung – und wenn das Einkommen es zulässt, gerne mehr. Effekt auf die Laufzeit Der Tilgungssatz hat den größten Einfluss auf deine Volltilgungsdauer. Schau dir an, wie sich die Laufzeit bei einem Darlehen mit 3,75 % Sollzins verhält: AnfangstilgungAnnuität pro Jahr (350.000 €)Laufzeit bis VolltilgungGesamt-Zinskosten* 1 %16.625 €~42 Jahre~353.000 € 2 %20.125 €~28 Jahre~227.000 € 3 %23.625 €~22 Jahre~169.000 € 4 %27.125 €~18 Jahre~133.000 € *Vereinfachte Berechnung über die gesamte Tilgungsdauer bei konstantem Sollzins von 3,75 %, ohne Sondertilgungen. Allerdings gibt es einen Trade-off: Höhere Tilgung bedeutet höhere Monatsrate. Bei 1 % Anfangstilgung zahlst du rund 1.385 € pro Monat, bei 3 % sind es 1.969 €. Du musst dir also überlegen, wie viel Spielraum dein Haushaltsbudget hergibt. Tilgungssatzwechsel während der Zinsbindung Viele Banken bieten dir die Option, den Tilgungssatz während der Zinsbindung ein- bis dreimal kostenlos anzupassen. Das ist hilfreich, wenn sich deine Lebenssituation ändert: Bei Elternzeit kannst du die Tilgung senken, bei Gehaltssprung erhöhen. Achte beim Vertragsabschluss darauf, dass dieses Recht im Darlehensvertrag steht. Sondertilgungsrecht: 5 % p. a. Standard Zusätzlich zum laufenden Tilgungssatz erlauben dir die meisten deutschen Banken kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € extra – pro Jahr. Was bringt das konkret? Wer jedes Jahr 5.000 € als Sondertilgung leistet, verkürzt die Laufzeit deutlich und spart über die Gesamtdauer fünfstellige Zinsbeträge. Sondertilgungen wirken stärker als ein höherer Anfangstilgungssatz, weil sie direkt die Restschuld reduzieren. Wichtig: Das Sondertilgungsrecht muss explizit im Darlehensvertrag stehen. Ohne diese Klausel verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung, wenn du außerplanmäßig zurückzahlst. Wie wählst du den richtigen Tilgungssatz? Wenn du den passenden Tilgungssatz suchst, hilft dir diese Faustregel: Plane so, dass du spätestens mit 65 bis 70 Jahren schuldenfrei bist. Berechne dafür rückwärts, welche Anfangstilgung du brauchst. Beispiel: Du bist 35 Jahre alt und möchtest mit 65 schuldenfrei sein. Das ergibt 30 Jahre Laufzeit. Bei einem Sollzins von 3,75 % brauchst du dafür mindestens 2 % Anfangstilgung. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, plane mit 2,5 oder 3 %. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um konkrete Szenarien für deine Darlehenssumme durchzuspielen. So findest du den Tilgungssatz, der zu deinem Budget und deiner Lebensplanung passt. Häufige Fragen Was ist der Unterschied zwischen Tilgungssatz und Tilgung? Der Tilgungssatz ist die prozentuale Angabe (z. B. 2 % p. a.), die Tilgung ist der absolute Eurobetrag, den du tatsächlich zurückzahlst. Bei 200.000 € Darlehen und 2 % Tilgungssatz beträgt die Tilgung im ersten Jahr 4.000 €. Kann ich den Tilgungssatz später erhöhen? Ja, wenn dein Darlehensvertrag einen Tilgungssatzwechsel vorsieht. Üblich sind ein bis drei kostenlose Wechsel während der Zinsbindung in einem Korridor von z. B. 1 bis 5 %. Was passiert, wenn ich nur 1 % tilge? Bei 1 % Anfangstilgung und 3,75 % Sollzins läuft das Darlehen rund 42 Jahre. Daher empfiehlt sich diese Variante höchstens bei sehr niedrigem Zinsniveau – im aktuellen Markt ist sie nicht mehr zeitgemäß. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.

V

Vorabpauschale

Die Vorabpauschale ist ein fiktiver Jahresertrag, auf den du bei Fonds und ETFs im Depot Steuern zahlst, auch wenn du nichts verkaufst. Was du über die Vorabpauschale wissen musst 💡 Fiktiver Ertrag: Die Vorabpauschale besteuert bei Fonds und ETFs im Depot jedes Jahr einen Teil der Wertsteigerung vorab, auch wenn du keinen Anteil verkaufst (§ 18 InvStG). 💰 Formel: 70 % des Basiszinses auf den Fondswert zu Jahresbeginn, höchstens die Wertsteigerung des Jahres plus Ausschüttungen, abzüglich der Ausschüttungen. Ohne Wertzuwachs fällt nichts an. 🏦 Abbuchung im Januar: Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen. Eine deutsche Depotbank zieht die Steuer dann vom Verrechnungskonto ab, soweit dein Freistellungsauftrag sie nicht abdeckt. ✅ Keine Doppelbesteuerung: Verkaufst du später, zieht das Finanzamt alle angesetzten Vorabpauschalen vom Veräußerungsgewinn ab. Die Vorabpauschale ist nach § 18 Investmentsteuergesetz (InvStG) ein fiktiver Ertrag aus Investmentfonds und ETFs. Für 2026 gilt ein Basiszins von 3,20 %. Davon werden 70 % auf den Fondswert zu Jahresbeginn angesetzt, das sind 224 € je 10.000 € Fondswert, sofern der Fonds im Jahr mindestens so viel zulegt und nichts ausschüttet. Die Steuer darauf bucht eine deutsche Depotbank Anfang Januar 2027 ab, soweit dein Freistellungsauftrag sie nicht abdeckt. Beim späteren Verkauf wird die Vorabpauschale angerechnet. Was ist die Vorabpauschale? Die Vorabpauschale ist ein steuerlicher Rechenwert, kein Geld, das dir zufließt. Das Investmentsteuergesetz zählt sie neben Ausschüttungen und Veräußerungsgewinnen zu den Erträgen aus Investmentfonds (§ 16 Abs. 1 InvStG). Eingeführt wurde sie mit der Reform der Investmentbesteuerung, die seit 2018 gilt. Der Grund liegt bei thesaurierenden Fonds und ETFs. Diese Fonds legen Dividenden und Zinsen wieder an, statt sie auszuzahlen. Ohne Vorabpauschale entstünde bei ihnen bis zum Verkauf keine Steuer, bei ausschüttenden Fonds dagegen jedes Jahr. Die Finanzverwaltung NRW nennt sie deshalb eine „pauschal bemessene, jährlich nachträgliche Mindestbesteuerung“, soweit Ausschüttungen diese nicht schon erreicht haben. Die Vorabpauschale trifft nicht nur Thesaurierer. Auch ein ausschüttender ETF löst eine aus, wenn seine Ausschüttungen im Jahr unter dem Basisertrag bleiben. Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld sind keine Investmentfonds, für sie gibt es keine Vorabpauschale. Wie wird die Vorabpauschale berechnet? Die Vorabpauschale entsteht in vier Schritten. Grundlage ist § 18 Abs. 1 und 2 InvStG, das Bundesfinanzministerium rechnet in seinem Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz genauso. 1 Basisertrag ermitteln Nimm den Rücknahmepreis deiner Fondsanteile zu Beginn des Kalenderjahres und multipliziere ihn mit 70 % des Basiszinses. Setzt der Fonds keinen Rücknahmepreis fest, zählt der Börsen- oder Marktpreis. 2 Deckel prüfen Der Basisertrag ist höchstens so hoch wie die Wertsteigerung des Jahres, also letzter minus erster Rücknahmepreis, plus die Ausschüttungen des Jahres. Liegt der Wert am Jahresende samt Ausschüttungen nicht über dem Wert vom Jahresanfang, entsteht keine Vorabpauschale. 3 Ausschüttungen abziehen Vom Basisertrag ziehst du die Ausschüttungen des Jahres ab. Was übrig bleibt, ist die Vorabpauschale. Schüttet der Fonds mindestens den Basisertrag aus, ist sie null. 4 Kaufjahr berücksichtigen Im Jahr, in dem du Anteile kaufst, sinkt die Vorabpauschale um ein Zwölftel für jeden vollen Monat vor dem Kaufmonat. Kaufst du im Mai, zählen 8 von 12 Monaten. Auf das Ergebnis wendet deine Bank die Teilfreistellung an und berechnet auf den Rest Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag. Der Basiszins für 2025 und 2026 Der Basiszins leitet sich aus der langfristigen Rendite von Bundeswertpapieren ab. Maßgeblich ist der Wert, den die Deutsche Bundesbank am ersten Börsentag des Jahres für Bundeswertpapiere mit jährlicher Kuponzahlung und 15 Jahren Restlaufzeit errechnet. Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht ihn im Bundessteuerblatt (§ 18 Abs. 4 InvStG). Vorabpauschale für Basiszins davon 70 % Basisertrag je 10.000 € Fondswert gilt als zugeflossen am 2025 2,53 % 1,771 % 177,10 € 2. Januar 2026 2026 3,20 % 2,240 % 224,00 € 4. Januar 2027 Quelle: BMF-Schreiben vom 10.01.2025 und 13.01.2026, übereinstimmend mit der Bundesbank-Zeitreihe „Aus der Zinsstruktur abgeleitete Renditen für Bundeswertpapiere mit jährl. Kuponzahlungen, RLZ 15 Jahre“ (Abruf 10.09.2026). Der Basisertrag ist die Obergrenze vor Deckel und Ausschüttungen. Der Basiszins für die Vorabpauschale 2027 steht erst nach dem ersten Börsentag 2027 fest. Rechenbeispiel: Vorabpauschale 2026 für einen Aktien-ETF Angenommen, du hältst Anteile an einem thesaurierenden Aktien-ETF, die du vor 2026 gekauft hast. Zu Jahresbeginn 2026 sind die Anteile 10.000 € wert, am Jahresende 10.800 €. Der ETF schüttet nichts aus. Schritt Rechnung Ergebnis Basisertrag 10.000 € × 3,20 % × 70 % 224,00 € Deckel Wertsteigerung 800 € liegt über 224 € greift nicht Vorabpauschale 224,00 € minus 0 € Ausschüttung 224,00 € Teilfreistellung Aktienfonds 224,00 € × 70 % steuerpflichtig 156,80 € Steuer bei verbrauchtem Sparer-Pauschbetrag 156,80 € × 26,375 % 41,36 € Hast du noch Sparer-Pauschbetrag frei und einen ausreichenden Freistellungsauftrag erteilt, bucht deine Bank nichts ab. Kirchensteuer ist im Beispiel nicht enthalten. So verändert sich das Ergebnis, wenn eine Annahme anders ist: Fall Vorabpauschale 2026 steuerpflichtig nach 30 % Teilfreistellung Wertsteigerung nur 100 € statt 800 € 100,00 € (Deckel greift) 70,00 € Wert fällt im Jahr auf 9.500 € 0,00 € 0,00 € Kauf im Mai 2026, sonst wie oben 149,33 € (8 von 12 Monaten) 104,53 € Ausschüttender ETF, 150 € Ausschüttung, Kurs +800 € 74,00 € (224 € minus 150 €) 51,80 € Modellrechnung Capitalo, nachgerechnet mit dem Rechenweg aus § 18 InvStG. Banken rechnen je Anteil und runden erst am Ende, daher sind Abweichungen im Centbereich möglich. Teilfreistellung: welcher Teil steuerfrei bleibt Die Teilfreistellung gilt auch für die Vorabpauschale (§ 20 InvStG). Sie gleicht aus, dass manche Fonds bereits auf Fondsebene Steuern zahlen. Wie viel steuerfrei bleibt, hängt von der Fondsart ab: Fondsart Voraussetzung laut Anlagebedingungen steuerfrei Aktienfonds fortlaufend mehr als 50 % in Kapitalbeteiligungen 30 % Mischfonds fortlaufend mindestens 25 % in Kapitalbeteiligungen 15 % Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % in Immobilien und Immobilien-Gesellschaften 60 % Auslands-Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % in ausländischen Immobilien 80 % alle anderen, etwa Renten- oder Geldmarktfonds keine 0 % Quelle: § 2 Abs. 6, 7 und 9, § 20 InvStG; Finanzverwaltung NRW. Werte für Privatanleger. Auf den steuerpflichtigen Rest fallen 25 % Abgeltungsteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer an, zusammen 26,375 %. Bist du kirchensteuerpflichtig, kommt Kirchensteuer dazu. Wann wird die Vorabpauschale fällig? Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres als zugeflossen (§ 18 Abs. 3 InvStG). Für die Vorabpauschale 2026 ist das laut Bundesfinanzministerium der 4. Januar 2027, für 2025 war es der 2. Januar 2026. Deine deutsche Depotbank bucht die Steuer zu diesem Zeitpunkt vom Verrechnungskonto ab und führt sie ans Finanzamt ab. Deckt dein Freistellungsauftrag die Vorabpauschale, entfällt die Abbuchung. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehepaare bei 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG). Wie du ihn auf mehrere Banken verteilst, steht im Ratgeber Depot und Steuern. Wie viel Fondsvermögen braucht es, bis die Vorabpauschale allein den Pauschbetrag verbraucht? Bei thesaurierenden Aktien-ETFs sind es für 2026 rund 63.800 € Fondswert zu Jahresbeginn, bei Ehepaaren rund 127.600 €. Das gilt nur, wenn die ETFs im Jahr mindestens um den Basisertrag steigen und keine anderen Kapitalerträge den Pauschbetrag belegen. Fehlt Anfang Januar Geld auf dem Verrechnungskonto, darf die Bank den Betrag von einem anderen Konto einziehen, das du bei ihr führst. Dafür darf sie auch einen noch nicht genutzten Dispo nutzen, wenn du dem nicht vorher widersprochen hast. Klappt der Einzug nicht, meldet die Bank das dem Finanzamt, und die Steuer wird über deine Steuererklärung nachgefordert (§ 44 Abs. 1 Satz 7 bis 11 EStG). Prüf vor dem Jahreswechsel, ob dein Freistellungsauftrag zur Vorabpauschale passt, und lass auf dem Verrechnungskonto genug Guthaben für die Abbuchung Anfang Januar. Wie wird die Vorabpauschale beim Verkauf berücksichtigt? Beim Verkauf zieht das Finanzamt alle Vorabpauschalen, die während deiner Haltedauer angesetzt wurden, in voller Höhe vom Veräußerungsgewinn ab (§ 19 Abs. 1 InvStG). Erst danach greift die Teilfreistellung. Das gilt auch für Vorabpauschalen, auf die wegen deines Freistellungsauftrags keine Steuer angefallen ist. Im Beispiel von oben verkaufst du die Anteile 2027 für 12.000 €. Der Gewinn von 2.000 € sinkt um die Vorabpauschale 2026 von 224 € auf 1.776 €. Nach Teilfreistellung sind 1.243,20 € steuerpflichtig statt 1.400 €. Die Differenz von 156,80 € ist genau der Betrag, den du über die Vorabpauschale 2026 schon versteuert hast. Verkaufst du mit Verlust, erhöht der Abzug den steuerlich wirksamen Verlust. Wann die Vorabpauschale gilt und wann nicht Die Vorabpauschale fällt an bei thesaurierenden Fonds und ETFs, deren Wert im Jahr gestiegen ist bei ausschüttenden Fonds, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen im Kaufjahr anteilig, ab dem Kaufmonat bei Renten- und Geldmarktfonds ohne Teilfreistellung, also auf den vollen Betrag Die Vorabpauschale fällt nicht an in einem Jahr, in dem der Fonds samt Ausschüttungen an Wert verloren hat wenn der Basiszins null oder negativ ist für Anteile, die du im selben Kalenderjahr wieder verkauft hast in zertifizierten Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen wie Riester und Rürup (§ 16 Abs. 2 InvStG) bei Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld Ein Sonderfall ist das Depot bei einem Broker ohne deutsche Steuerabwicklung. Die Kapitalertragsteuer auf die Vorabpauschale zieht nur ein inländisches Institut ab. Liegt dein Depot im Ausland, bucht niemand etwas ab. Du musst die Vorabpauschale dann selbst in der Anlage KAP-INV erklären. Wie die Steuererklärung bei ausländischen Brokern grundsätzlich abläuft, erklären wir in einem eigenen Ratgeber. Welche Rolle die Vorabpauschale beim Vergleich mit dem geförderten Altersvorsorgedepot spielt, rechnet der Ratgeber Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan über 30 Jahre vor. Unsere Einschätzung: Die Vorabpauschale ist lästig, aber kein Grund, auf thesaurierende ETFs zu verzichten. Du zahlst keine Steuer zusätzlich, du zahlst einen Teil früher. Bei einem Basiszins von 3,20 % sind das für 10.000 € in einem thesaurierenden Aktien-ETF höchstens 41,36 € Steuer im Jahr, ohne Kirchensteuer. Wichtiger als die Wahl zwischen thesaurierend und ausschüttend sind ein passender Freistellungsauftrag und niedrige Kosten. Welche Depots und Sparpläne dafür infrage kommen, zeigen der Depot-Vergleich und der ETF-Sparplan-Vergleich. Denk daran: Fonds und ETFs schwanken im Wert, Verluste sind möglich. Die Vorabpauschale ändert daran nichts. Häufige Fragen zur Vorabpauschale Wie funktioniert das mit der Vorabpauschale? Das Finanzamt setzt für deine Fonds- und ETF-Anteile jedes Jahr einen fiktiven Ertrag an: 70 % des Basiszinses auf den Wert zu Jahresbeginn, höchstens die Wertsteigerung des Jahres plus Ausschüttungen, abzüglich der Ausschüttungen. Nach der Teilfreistellung zahlst du darauf Abgeltungsteuer, sofern dein Sparer-Pauschbetrag verbraucht ist. Wann wird die Vorabpauschale fällig? Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen, für 2026 am 4. Januar 2027 und für 2025 am 2. Januar 2026. Anfang Januar bucht deine deutsche Depotbank dann die Steuer ab, soweit kein Freistellungsauftrag sie abdeckt. Wie wird die Vorabpauschale beim Verkauf berücksichtigt? Das Finanzamt zieht alle während deiner Haltedauer angesetzten Vorabpauschalen in voller Höhe vom Veräußerungsgewinn ab, auch solche, die über deinen Freistellungsauftrag steuerfrei blieben. Erst danach greift die Teilfreistellung. Bekommt man die Vorabpauschale zurück? Nicht als Auszahlung, aber über die Anrechnung beim Verkauf: Angesetzte Vorabpauschalen mindern den späteren Veräußerungsgewinn, sodass derselbe Wertzuwachs nicht zweimal besteuert wird. Hat deine Bank Steuer einbehalten, obwohl dein Sparer-Pauschbetrag nicht ausgeschöpft war, kannst du sie mit der Steuererklärung zurückholen (§ 32d Abs. 4 EStG). Muss ich die Vorabpauschale in der Steuererklärung angeben? Bei einem Depot in Deutschland ist die Steuer mit dem Abzug durch die Bank in der Regel erledigt, eine gesonderte Angabe brauchst du nicht. Bei einem Depot im Ausland zieht niemand die Steuer ab. Dann trägst du sie selbst in der Anlage KAP-INV ein. Fällt die Vorabpauschale auch bei ausschüttenden ETFs an? Ja, wenn die Ausschüttungen im Jahr kleiner sind als der Basisertrag. Die Vorabpauschale ist dann genau die Differenz. Schüttet ein ETF mindestens den Basisertrag aus, entfällt sie. Die Ausschüttung selbst ist in dem Fall der steuerpflichtige Ertrag. Was passiert, wenn auf dem Verrechnungskonto kein Geld ist? Die Bank darf den fehlenden Betrag von einem anderen Konto einziehen, das du bei ihr führst. Einen eingeräumten, noch nicht genutzten Dispo darf sie dafür nutzen, wenn du dem nicht vor dem Zufluss widersprochen hast. Klappt der Einzug nicht, meldet sie das dem Finanzamt, das die Steuer über deine Steuererklärung nachfordert. Stand: 10.09.2026. Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 32d, 44 EStG; § 4 Solidaritätszuschlaggesetz; BMF-Schreiben zum Basiszins vom 10.01.2025 und 13.01.2026; BMF-Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz vom 21.05.2019; Deutsche Bundesbank, Zinsstrukturdaten; Finanzverwaltung NRW, „Erträge aus Investmentfonds“. Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Z

Zinsbindung

Kurz & knapp: Die Zinsbindung legt fest, wie lange dein Sollzinssatz unveränderlich bleibt – üblich sind 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB hast du als Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht: Auch bei längerer Bindung kannst du dein Darlehen zehn Jahre nach vollständigem Empfang mit sechs Monaten Frist kostenfrei kündigen. Lange Bindung = Planungssicherheit, kurze Bindung = mehr Flexibilität bei sinkenden Zinsen. Definition: Was bedeutet Zinsbindung? Die Zinsbindung – auch Zinsfestschreibung oder Sollzinsbindung genannt – ist der Zeitraum, für den eine Bank dir den Sollzinssatz vertraglich garantiert. Während dieser Phase ändert sich deine Monatsrate nicht, unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Hierbei sprechen Banken meist von 5, 10, 15 oder 20 Jahren – seltener auch 25 oder 30 Jahren. Beispiel: Du schließt eine Baufinanzierung mit 10 Jahren Zinsbindung und 3,75 % Sollzins ab. Egal, ob die Marktzinsen in der Zwischenzeit auf 5 % steigen oder auf 2 % fallen – du zahlst zehn Jahre lang exakt 3,75 %. Erst danach wird neu verhandelt. Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB Hier gibt es einen entscheidenden Faktor, den viele Bauherren nicht kennen: Das Bürgerliche Gesetzbuch räumt dir ein Sonderkündigungsrecht ein, das jede längere Zinsbindung relativiert. § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB: Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzinssatz ganz oder teilweise kündigen, in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten. Das heißt im Klartext: Auch wenn du eine 20-jährige Zinsbindung vereinbart hast, kannst du nach zehn Jahren plus sechs Monate Kündigungsfrist kostenfrei aussteigen – ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das macht lange Zinsbindungen deutlich attraktiver als oft angenommen: Du bekommst die Sicherheit der langen Bindung, ohne dauerhaft daran gefesselt zu sein. Wichtig zu wissen: Die Zehn-Jahres-Frist beginnt mit dem vollständigen Empfang des Darlehens, nicht mit Vertragsabschluss. Bei Bauträgerverträgen mit gestaffelter Auszahlung kann das einige Monate später sein. 5 vs. 10 vs. 15 vs. 20 Jahre: Welche Bindung ist sinnvoll? Die Wahl der richtigen Zinsbindung hängt vom aktuellen Zinsumfeld, deiner Lebensplanung und deiner Risikobereitschaft ab. Grundsätzlich gilt: Je länger die Bindung, desto höher der Zinsaufschlag – aber auch desto größer die Planungssicherheit. ZinsbindungZinsaufschlag*Geeignet fürRisiko 5 Jahre~ 0 %Erwartete sinkende Zinsen, kurzfristige PläneHoch (Anschlussfinanzierung früh) 10 Jahre+ 0,1 bis 0,3 %Standard-Empfehlung, ausgewogenes ProfilMittel 15 Jahre+ 0,3 bis 0,5 %Zinssicherheit + § 489 BGB nutzbarNiedrig 20 Jahre+ 0,5 bis 0,8 %Maximale Sicherheit bei niedrigen MarktzinsenSehr niedrig *Indikativer Zinsaufschlag gegenüber der 10-jährigen Standardbindung. Tatsächliche Werte variieren je nach Anbieter und Marktlage. Stand Mai 2026. Strategie: Wann lohnt welche Bindung? Einerseits bietet eine kurze Bindung Flexibilität, andererseits schützt eine lange Bindung vor Zinssteigerungen. Die richtige Wahl hängt davon ab, wo wir im Zinszyklus stehen. Niedrige Zinsen + Erwartung steigender Zinsen: Lange Zinsbindung (15 oder 20 Jahre) wählen. Du sicherst dir das günstige Niveau langfristig und hast über § 489 BGB nach 10 Jahren trotzdem ein Ausstiegsrecht. Hohe Zinsen + Erwartung sinkender Zinsen: Eher kürzere Bindung (5 oder 10 Jahre) erwägen, um nach Ablauf von einem niedrigeren Niveau zu profitieren. Allerdings ist das Markt-Timing schwer – niemand weiß sicher, wohin sich Zinsen entwickeln. Mittleres Zinsniveau: 10 oder 15 Jahre sind die typische Empfehlung. Du hast Sicherheit, ohne dich zu sehr festzulegen. Was passiert nach der Zinsbindung? Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt in der Regel eine Restschuld, die du anschlussfinanzieren musst. Hierfür hast du zwei Wege: Prolongation: Du verlängerst bei deiner aktuellen Bank zu den dann gültigen Konditionen. Das ist der bequemste Weg – aber selten der günstigste. Umschuldung: Du wechselst zu einem neuen Anbieter mit besseren Konditionen. Lohnt sich oft, kostet aber etwas Aufwand für Grundbuch-Abtretung und Bonitätsprüfung. Wer rechtzeitig plant, kann die Anschlussfinanzierung mit einem Forward-Darlehen bereits bis zu 60 Monate im Voraus zu heutigen Konditionen sichern – gegen einen kleinen Zinsaufschlag pro Wartemonat. Praxis-Tipp: Behalte die aktuellen Bauzinsen im Blick und vergleiche frühzeitig Anschluss-Angebote – idealerweise 12 bis 36 Monate vor Ablauf deiner Zinsbindung. So hast du Zeit, in Ruhe zu verhandeln. Zinsbindung vs. Sollzinsbindung – gibt es einen Unterschied? In der Praxis werden die Begriffe synonym verwendet. Die Sollzinsbindung ist die formal korrekte Bezeichnung im Darlehensvertrag und meint genau dasselbe: den Zeitraum, in dem der Sollzinssatz unveränderlich ist. Wenn dir Banken oder Vergleichsportale „Zinsbindung" anbieten, meinen sie Sollzinsbindung. Häufige Fragen Kann ich die Zinsbindung verlängern? Während der laufenden Zinsbindung nicht. Aber rund 6 bis 12 Monate vor Ablauf bietet dir deine Bank eine Prolongation an – dort kannst du eine neue Zinsbindung über 5, 10, 15 oder 20 Jahre wählen. Was kostet das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB? Nichts. Die Kündigung nach 10 Jahren ist gesetzlich verbrieft und kostenfrei. Es fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Wichtig ist nur die Sechs-Monats-Frist. Was ist der Unterschied zwischen Zinsbindung und Laufzeit? Die Zinsbindung ist meist kürzer als die Gesamt-Laufzeit. Beispiel: Bei 30 Jahren Volltilgungsdauer und 10 Jahren Zinsbindung musst du nach Ablauf der Bindung zwei Mal anschlussfinanzieren. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Gesetzliche Regelungen sind Stand Mai 2026. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.