Finanzlexikon
Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.
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Abgeltungssteuer
Die Abgeltungssteuer ist die pauschale Steuer auf deine Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Hier siehst du, wie sie berechnet wird und wann sie abgegolten ist. Was du über die Abgeltungssteuer wissen musst 💰 Steuersatz: 25 % auf Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer. Ohne Kirchensteuer sind das 26,375 %. 💵 Kirchensteuer: Bist du kirchensteuerpflichtig, kommen in Bayern und Baden-Württemberg meist 8 %, sonst 9 % hinzu. Weil sie die Kapitalertragsteuer senkt, liegt die Gesamtlast bei 27,82 % oder 27,99 %. 🏦 Abgeltung: Hat eine deutsche Bank die Steuer einbehalten, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt. Erträge ohne deutschen Steuerabzug, etwa bei einem ausländischen Broker, gibst du selbst in der Anlage KAP an. 💡 Zurückholen: Liegt dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 %, kann die Günstigerprüfung Steuer zurückbringen. Einen ungenutzten Sparerpauschbetrag holst du ebenfalls über die Anlage KAP nach. Die Abgeltungssteuer ist in Deutschland die Einkommensteuer auf private Kapitalerträge: eine Steuer mit festem Satz von 25 %, die deine Bank gleich vom Ertrag abzieht und an das Finanzamt abführt (§ 32d Abs. 1 EStG). Amtlich heißt sie Abgeltungsteuer, ohne Fugen-s. Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Der Name beschreibt die Wirkung: Mit dem Abzug an der Quelle ist die Einkommensteuer auf diese Erträge abgegolten (§ 43 Abs. 5 EStG). Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, von denen eine deutsche Bank die Steuer schon einbehalten hat, musst du in der Regel nicht mehr in die Steuererklärung schreiben. Was ist die Abgeltungssteuer, einfach erklärt? Die Abgeltungssteuer gilt für Kapitalerträge, die dir seit dem 1. Januar 2009 zufließen. Eingeführt wurde sie mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008. Seitdem besteuert der Staat Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapierverkäufen im Privatvermögen einheitlich mit 25 %, unabhängig von deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Deine Bank oder dein Broker arbeitet dabei wie ein Arbeitgeber bei der Lohnsteuer und behält die Steuer ein, bevor der Ertrag auf deinem Konto landet. Dieser Abzug heißt Kapitalertragsteuer (§ 43 EStG). Tatsächliche Kosten wie Depotgebühren kannst du nicht absetzen. Stattdessen gilt pauschal der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr, 2.000 € für zusammen veranlagte Ehepaare (§ 20 Abs. 9 EStG). Mit einem Freistellungsauftrag berücksichtigt ihn deine Bank schon beim Abzug. Wie hoch ist die Abgeltungssteuer? Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % des steuerpflichtigen Kapitalertrags. Auf diese Steuer kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % (§§ 3, 4 SolZG). Die Soli-Freigrenze bei der Einkommensteuer gilt hier nicht: Auf die Kapitalertragsteuer wird der Soli weiterhin erhoben. Ohne Kirchensteuer ergibt das 26,375 %. Bestandteil Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalertragsteuer 25,00 % 24,51 % 24,45 % Solidaritätszuschlag (5,5 % der Steuer) 1,375 % 1,35 % 1,34 % Kirchensteuer 0 % 1,96 % 2,20 % Gesamtbelastung 26,375 % 27,82 % 27,99 % Anteil am steuerpflichtigen Kapitalertrag, gerundet. Rechtsgrundlage: § 32d Abs. 1 EStG, §§ 3, 4 SolZG, Kirchensteuerbeschlüsse der Länder. Stand: September 2026. Warum mit Kirchensteuer keine 34 % herauskommen Die Kirchensteuer wird nicht einfach auf die 25 % aufgeschlagen. Das Gesetz senkt die Kapitalertragsteuer um ein Viertel der Kirchensteuer, die auf den Ertrag entfällt (§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG). So wird pauschal berücksichtigt, dass Kirchensteuer sonst als Sonderausgabe abziehbar wäre. Daraus ergibt sich die Formel: Kapitalertragsteuer = Ertrag ÷ (4 + Kirchensteuersatz), mit dem Kirchensteuersatz als Dezimalzahl, also 0,08 oder 0,09. Bei 9 % Kirchensteuer sinkt die Kapitalertragsteuer so auf 24,45 %, bei 8 % auf 24,51 %. Soli und Kirchensteuer werden danach auf diesen niedrigeren Betrag berechnet. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge kannst du deshalb nicht noch einmal als Sonderausgabe absetzen. Ob 8 % oder 9 % gelten, hängt von deinem Wohnsitz ab. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer in der Regel 8 %, in den übrigen Bundesländern 9 %. Die Kirchensteuer behält deine Bank seit 2015 automatisch ein, die Religionszugehörigkeit fragt sie beim Bundeszentralamt für Steuern ab (§ 51a Abs. 2c EStG). Widersprichst du mit einem Sperrvermerk, bleibt die Kirchensteuerpflicht bestehen, und du musst deine Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben (§ 51a Abs. 2e EStG). Rechenbeispiel: 5.000 € Kapitalerträge im Jahr Angenommen, du erhältst in einem Jahr 5.000 € Zinsen und Dividenden bei einer deutschen Bank und hast dort einen Freistellungsauftrag über 1.000 € erteilt. Steuerpflichtig sind dann 4.000 €. Posten Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalerträge 5.000,00 € 5.000,00 € 5.000,00 € Steuerpflichtig nach Freistellungsauftrag 4.000,00 € 4.000,00 € 4.000,00 € Steuer gesamt (Kapitalertragsteuer, Soli, Kirchensteuer) 1.055,00 € 1.112,75 € 1.119,80 € Dir bleiben 3.945,00 € 3.887,25 € 3.880,20 € Eigene Berechnung nach § 32d Abs. 1 EStG und § 4 SolZG. Ohne Kirchensteuer: 1.000,00 € Kapitalertragsteuer und 55,00 € Soli. Mit Kirchensteuer rechnet die Bank jeden Bestandteil einzeln auf den Cent, Abweichungen von einem Cent sind möglich. Stand: September 2026. Welche Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen Die Abgeltungssteuer erfasst Einkünfte aus Kapitalvermögen im Privatvermögen. Für Sparer und Anleger sind vier Arten wichtig: Zinsen auf Tagesgeld, Festgeld, Sparkonten und Anleihen. Wie das bei Tagesgeld konkret abläuft, erklärt der Ratgeber zu Steuern auf Tagesgeldzinsen. Dividenden aus Aktien und Ausschüttungen von Fonds. Kursgewinne beim Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen, unabhängig davon, wie lange du sie gehalten hast. Fondserträge einschließlich der Vorabpauschale. Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung, § 20 Abs. 1 InvStG). Wie das im Depot zusammenspielt, zeigt der Ratgeber zu Steuern im Depot. Übersteigen deine gesamten Einkünfte einschließlich der Kapitalerträge den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung des Finanzamts ganz vom Steuerabzug (§ 44a Abs. 2 EStG). Wie das für Kinder funktioniert, zeigt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung fürs Kinderdepot. Festgeld: In welchem Jahr die Zinsen steuerlich zählen Zinsen gelten in dem Jahr als zugeflossen, in dem sie fällig werden, nicht in dem Jahr, für das sie gezahlt werden (§ 11 Abs. 1 EStG, BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 242). Bei Festgeld mit Zinszahlung am Laufzeitende fällt deshalb der ganze Zinsertrag in ein einziges Steuerjahr. Ein Beispiel, vereinfacht ohne Zinseszins: Ein Festgeld bringt dir über drei Jahre 1.000 € Zinsen pro Jahr, andere Kapitalerträge hast du nicht. Werden die Zinsen jährlich ausgezahlt, deckt der Sparerpauschbetrag jedes Jahr die vollen 1.000 €, und es fällt keine Abgeltungssteuer an. Werden alle 3.000 € erst am Ende ausgezahlt, deckt er nur 1.000 €. Auf die übrigen 2.000 € fallen 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli an, mit Kirchensteuer etwas mehr. Achte beim Festgeld-Vergleich deshalb auch auf den Zinstermin. Mehr dazu, wie Festgeldzinsen besteuert werden, steht im Festgeld-Ratgeber. Verlustverrechnung: zwei Töpfe bei deiner Bank Verluste aus Kapitalvermögen darfst du nur mit Kapitalerträgen verrechnen, nicht mit deinem Gehalt oder anderen Einkünften (§ 20 Abs. 6 EStG). Die Bank erledigt das automatisch über sogenannte Verlustverrechnungstöpfe (§ 43a Abs. 3 EStG). Aktientopf: Verluste aus dem Verkauf von Aktien dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden. Allgemeiner Topf: Alle übrigen Verluste, etwa aus Fonds, ETFs oder Anleihen, darfst du mit allen Kapitalerträgen verrechnen, auch mit Zinsen, Dividenden und Aktiengewinnen. Ein Beispiel: Du hast 2.000 € Zinsen erhalten, dein Freistellungsauftrag ist schon ausgeschöpft, und du verkaufst eine Aktie mit 2.000 € Verlust. Der Aktienverlust darf die Zinsen nicht mindern. Die Bank behält 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli auf die Zinsen ein und trägt den Aktienverlust ins nächste Jahr vor, bis ein Aktiengewinn dazukommt. Hast du Depots bei mehreren Banken, lassen sich Verluste nur über die Steuererklärung bankübergreifend verrechnen. Dafür brauchst du eine Verlustbescheinigung. Die beantragst du bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres bei der Bank, bei der der Verlust entstanden ist (§ 43a Abs. 3 Satz 5 EStG). Wie du zu viel gezahlte Abgeltungssteuer zurückholst Die Bank kennt nur ihre eigenen Konten, nicht dein übriges Einkommen. Deshalb fällt der Abzug manchmal zu hoch aus. Korrigieren lässt du ihn über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung, auf zwei Wegen. Die Werte dafür stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Überprüfung des Steuereinbehalts (§ 32d Abs. 4 EStG): Das Finanzamt rechnet einzelne Punkte nach, etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag, weil der Freistellungsauftrag bei der falschen Bank lag, noch nicht verrechnete Verluste oder ausländische Quellensteuer. Du gibst nur die betroffenen Erträge an. Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG): Das Finanzamt besteuert deine Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz statt mit 25 %, wenn das insgesamt zu einer niedrigeren Steuer führt. Nach der Faustregel der Finanzämter in Baden-Württemberg und Niedersachsen lohnt sich das, wenn dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 % liegt, zum Beispiel bei niedrigem Einkommen im Studium oder in der Rente. Ist die Günstigerprüfung erfolgreich, rechnet das Finanzamt auch den einbehaltenen Soli und die Kirchensteuer an. Führt dein persönlicher Steuersatz nicht zu einer niedrigeren Steuer, gilt der Antrag auf Günstigerprüfung als nicht gestellt, und es bleibt bei der Abgeltungssteuer (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 150). Beantragen kannst du sie aber nur für alle Kapitalerträge des Jahres, als Ehepaar nur gemeinsam. Hast du ein Depot bei einem ausländischen Broker ohne deutschen Steuerabzug, ist die Anlage KAP ohnehin Pflicht. Wie das geht, erklärt der Ratgeber zur Anlage KAP bei ausländischen Brokern. Wann die Abgeltungssteuer gilt und wann nicht Hier greift die Abgeltungssteuer mit 25 % Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Privatvermögen, die dir seit 2009 zufließen Erträge bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker: Abzug an der Quelle, die Steuer ist abgegolten Erträge bei einem ausländischen Broker: derselbe Satz von 25 %, aber du erklärst sie selbst in der Anlage KAP (§ 32d Abs. 3 EStG) Zinsen aus einem Privatdarlehen: meist ebenfalls 25 %, aber ohne Steuerabzug, deshalb gehören sie in die Anlage KAP Hier gelten andere Regeln Kapitalerträge im Betriebsvermögen, etwa auf dem Geschäftskonto von Selbstständigen: persönlicher Steuersatz, weil sie zum Gewinn zählen (§ 20 Abs. 8, § 43 Abs. 5 Satz 2 EStG) Zinsen von einer GmbH, an der du mit mindestens 10 % beteiligt bist: persönlicher Steuersatz, wenn die GmbH die Zinsen als Betriebsausgabe abzieht (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 EStG) Gewinne aus Kryptowährungen: privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG mit eigenen Regeln, siehe Krypto-Steuern Aktien, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und privat gehalten hast: Gewinne beim Verkauf sind steuerfrei, weil für sie noch die alte einjährige Spekulationsfrist gilt (§ 52 Abs. 28 Satz 11 EStG) Ein Grenzfall sind Fondsanteile, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und seitdem privat gehalten hast. Anders als bei Einzelaktien sind deren Wertzuwächse ab 2018 steuerpflichtig, soweit der Gewinn 100.000 € übersteigt (§ 56 Abs. 6 InvStG). Diesen Freibetrag berücksichtigt die Bank nicht, du machst ihn über die Anlage KAP geltend. Unsere Einschätzung: Bei deutschen Banken läuft die Abgeltungssteuer automatisch, deine Stellschrauben liegen daneben. Verteile den Freistellungsauftrag nach deinen tatsächlichen Erträgen je Bank, achte beim Festgeld auf den Zinstermin und beantrage bei mehreren Depots die Verlustbescheinigung bis zum 15. Dezember. Blieb Freibetrag ungenutzt oder ist dein Einkommen niedrig, lohnt sich die Anlage KAP. Wenn du im Tagesgeld-Vergleich oder im Depot-Vergleich Angebote gegenüberstellst, rechne mit dem Ertrag nach Steuern. Häufige Fragen zur Abgeltungssteuer Was ist der Unterschied zwischen Kapitalertragsteuer und Abgeltungssteuer? Die Kapitalertragsteuer ist der Abzug, den deine Bank vom Kapitalertrag vornimmt (§ 43 EStG). Abgeltungssteuer meint den besonderen Steuersatz von 25 % für private Kapitalerträge (§ 32d EStG) und die Wirkung, dass mit dem Abzug die Einkommensteuer darauf erledigt ist. Im Alltag, auch bei den Finanzämtern, werden beide Begriffe gleichbedeutend verwendet. Wie bekomme ich die Abgeltungssteuer zurück? Über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung. Mit der Überprüfung des Steuereinbehalts rechnet das Finanzamt etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag oder Verluste bei anderen Banken nach. Mit der Günstigerprüfung besteuert es alle Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz, falls das günstiger ist. Die Werte stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Wann muss ich keine Abgeltungssteuer zahlen? Keine Abgeltungssteuer zahlst du, solange deine Kapitalerträge im Jahr den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Ehepaare 2.000 €) nicht übersteigen und deine Bank einen passenden Freistellungsauftrag hat. Übersteigen deine gesamten Einkünfte den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine NV-Bescheinigung vom Abzug. Wann muss man Abgeltungssteuer bezahlen? Sobald dir ein Kapitalertrag zufließt: bei Zinsen im Jahr ihrer Fälligkeit, bei Dividenden mit der Auszahlung, bei Kursgewinnen mit dem Verkauf. Eine deutsche Bank zieht die Steuer in diesem Moment ab, du musst nichts überweisen. Bei einem ausländischen Broker zahlst du sie erst mit dem Steuerbescheid nach deiner Steuererklärung. Heißt es Abgeltungssteuer oder Abgeltungsteuer? Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Bundesfinanzministerium, Bundeszentralamt für Steuern und Finanzämter schreiben „Abgeltungsteuer“ ohne Fugen-s, so heißt auch das BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“. Im Alltag ist „Abgeltungssteuer“ deutlich häufiger. In diesem Lexikon steht die gebräuchliche Form, die amtliche nennen wir mit. Fällt auf Kryptowährungen Abgeltungssteuer an? Nein, derzeit nicht. Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen im Privatvermögen werden als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG behandelt. Verkaufst du innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, zahlst du grundsätzlich deinen persönlichen Steuersatz, danach bleibt der Gewinn in der Regel steuerfrei. Stand: September 2026. Quellen: EStG, SolZG, InvStG, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025, Finanzverwaltungen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg, Bundeszentralamt für Steuern. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.
Annuitätendarlehen
Kurz & knapp: Beim Annuitätendarlehen zahlst du jeden Monat dieselbe Rate – die sogenannte Annuität. Sie setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld, deshalb verschiebt sich die Aufteilung: Der Zinsanteil wird kleiner, der Tilgungsanteil wächst. Bei 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung liegt die Monatsrate bei 1.677,08 €. Annuitätendarlehen sind in Deutschland der Standard für Baufinanzierungen. Definition: Was ist ein Annuitätendarlehen? Ein Annuitätendarlehen ist ein Tilgungsdarlehen mit gleichbleibender Monatsrate. Der Begriff kommt vom lateinischen annus (Jahr) und bezeichnet ursprünglich die jährlich konstante Zahlung. Heute wird die Annuität meist auf zwölf Monatsraten aufgeteilt, die du über die gesamte Zinsbindung gleich hoch ablieferst. Hierbei zahlst du immer denselben Betrag – aber die innere Zusammensetzung verschiebt sich: Am Anfang besteht die Rate überwiegend aus Zinsen, gegen Ende fast nur noch aus Tilgung. Daher der Name Annuitätendarlehen: Die Annuität bleibt konstant, die Restschuld sinkt. Die Annuitätenformel Mathematisch lässt sich die jährliche Annuität exakt berechnen. Die Formel lautet: A = K × qn × (q − 1) / (qn − 1) Dabei stehen die Variablen für: A = jährliche Annuität (Zins + Tilgung) K = Darlehenssumme (Kreditbetrag) q = Zinsfaktor = 1 + Sollzinssatz (z. B. 1,0375 bei 3,75 %) n = Laufzeit in Jahren Für die Praxis ist eine vereinfachte Variante üblich: Du addierst Sollzinssatz und Anfangstilgung, multiplizierst mit der Darlehenssumme und teilst durch zwölf. So erhältst du die monatliche Rate für die ersten Monate. Beispielrechnung: 350.000 € Baufinanzierung Gehen wir das einmal konkret durch. Du nimmst ein Annuitätendarlehen über 350.000 € auf, der Sollzinssatz beträgt 3,75 %, die Anfangstilgung liegt bei 2 %. Berechnung der Monatsrate: Anfangsannuität = 350.000 € × (3,75 % + 2 %) = 350.000 € × 5,75 % = 20.125 € pro Jahr Monatsrate = 20.125 € ÷ 12 = 1.677,08 € Im ersten Monat zahlst du davon rund 1.094 € Zinsen (350.000 € × 3,75 % ÷ 12) und 583 € Tilgung. Nach einem Jahr ist die Restschuld auf etwa 342.900 € gesunken – damit verringert sich auch der Zinsanteil der nächsten Rate. Dieser Effekt summiert sich: Die Tilgung beschleunigt sich automatisch, weil immer weniger Geld in den Zinsanteil fließt. Bei diesen Konditionen tilgst du das Darlehen in rund 28,5 Jahren komplett ab. Mit einer höheren Anfangstilgung von 3 % wären es nur noch 22 Jahre. Wer schneller schuldenfrei sein möchte, sollte deshalb am Tilgungssatz drehen – und nicht an der Zinsbindung. Aufteilung Zins und Tilgung über die Laufzeit Die Verschiebung von Zins zu Tilgung ist das eigentliche Prinzip des Annuitätendarlehens. Hierbei gilt: Mit jeder Monatsrate sinkt die Restschuld, dadurch fallen weniger Zinsen an, dadurch wandert mehr Geld in die Tilgung. Daher beschleunigt sich die Tilgung im Zeitverlauf von selbst. JahrZinsanteilTilgungsanteilRestschuld (Jahresende) 1~13.020 €~7.105 €~342.895 € 10~10.690 €~9.435 €~278.300 € 20~6.260 €~13.865 €~152.300 € 28~770 €~19.355 €~0 € Die Werte sind gerundet und basieren auf 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins, 2 % Anfangstilgung ohne Sondertilgungen. Annuitätendarlehen vs. Tilgungsdarlehen Ein Tilgungsdarlehen funktioniert genau umgekehrt: Hier bleibt der Tilgungsbetrag konstant, die Rate sinkt im Lauf der Zeit. Einerseits zahlst du dadurch insgesamt weniger Zinsen, andererseits ist die Anfangsbelastung höher. Allerdings sind reine Tilgungsdarlehen für Privatkunden in Deutschland kaum noch zu bekommen – Banken bieten sie meist nur Unternehmen an. MerkmalAnnuitätendarlehenTilgungsdarlehen MonatsrateKonstantSinkt monatlich TilgungsanteilWächstKonstant ZinsanteilSinktSinkt PlanbarkeitSehr hochMittel Verfügbarkeit (Privatkunden)StandardSelten Vorteile und Nachteile Wenn du eine Baufinanzierung planst, bietet das Annuitätendarlehen klare Stärken – aber auch ein paar Stolperfallen, die du kennen solltest. Stärken: Du hast über die gesamte Zinsbindung hinweg Planungssicherheit. Die Rate ist konstant, du kannst dein Haushaltsbudget exakt kalkulieren. Zudem beschleunigt sich die Tilgung automatisch – ein eingebauter Schneeballeffekt zu deinen Gunsten. Schwächen: Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld, die du anschlussfinanzieren musst. Steigen die Zinsen bis dahin, wird die Anschlussfinanzierung teurer. Daher gilt: Je höher der Tilgungssatz, desto kleiner das Zinsänderungsrisiko. Sondertilgungen nutzen Die meisten Banken erlauben dir kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € zusätzlich, die direkt die Restschuld reduzieren. Wer jedes Jahr 5.000 € extra tilgt, spart über die Laufzeit fünfstellige Zinsbeträge und verkürzt die Volltilgung um mehrere Jahre. Wenn du flexibel bleiben möchtest, achte beim Vertragsabschluss auf zwei Klauseln: Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel. Letzterer erlaubt dir, den Tilgungssatz während der Zinsbindung anzupassen – ein wertvoller Hebel bei verändertem Einkommen. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um deine konkrete Monatsrate, Restschuld und Volltilgungsdauer für deinen Wunschbetrag zu berechnen. So siehst du sofort, wie sich Tilgungssatz und Zinsbindung auf deine Gesamtkosten auswirken. Häufige Fragen Wann lohnt sich ein Annuitätendarlehen? Grundsätzlich gilt: Wer eine Immobilie finanziert und Planungssicherheit über zehn bis zwanzig Jahre möchte, ist mit dem Annuitätendarlehen gut bedient. Es ist der Standard-Kredittyp für Wohnimmobilien in Deutschland. Wie hoch sollte die Anfangstilgung sein? Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, besser 3 %. Bei niedrigem Zinsniveau solltest du eher höher tilgen, um die Laufzeit überschaubar zu halten. Was passiert nach der Zinsbindung? Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt die Restschuld bestehen. Du kannst dann eine Anschlussfinanzierung abschließen – entweder bei deiner bisherigen Bank (Prolongation) oder durch Umschuldung zu einem neuen Anbieter. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.
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Beleihungswert
Kurz & knapp: Der Beleihungswert ist der vorsichtige Wert, den eine Bank deiner Immobilie zuschreibt – typisch 75–90 % des Verkehrswertes. Aus diesem Wert berechnet die Bank den Beleihungsauslauf (Darlehen geteilt durch Beleihungswert). Dieser Auslauf entscheidet maßgeblich über deinen Zinssatz: Je niedriger, desto günstiger. Was ist der Beleihungswert? Wenn du eine Immobilie finanzierst, schaut die Bank nicht auf den Kaufpreis allein – sie ermittelt einen eigenen, vorsichtigen Wert: den Beleihungswert. Er ist die Grundlage für die Sicherheit, die deine Immobilie als Pfand bietet. Geregelt ist das in § 16 Abs. 2 Pfandbriefgesetz (PfandBG): Der Beleihungswert darf den Wert nicht überschreiten, der sich bei einer vorsichtigen Bewertung der zukünftigen Verkaufsmöglichkeiten ergibt. In der Praxis liegt der Beleihungswert bei etwa 75–90 % des Verkehrswertes. Die Differenz ist der sogenannte Sicherheitsabschlag der Bank – meist 10 bis 20 %. Er soll Wertschwankungen am Immobilienmarkt abfedern. Falls die Bank verwerten muss, will sie auch in einer schwachen Marktphase ihren Kredit zurückbekommen. So berechnet die Bank den Beleihungsauslauf Der Beleihungsauslauf (BLA) ist der Anteil deines Darlehens am Beleihungswert. Die Formel ist simpel: Beleihungsauslauf = Darlehensbetrag ÷ Beleihungswert × 100 Ein Beispiel: Du kaufst ein Haus für 500.000 €. Die Bank setzt einen Sicherheitsabschlag von 15 % an, der Beleihungswert liegt also bei 425.000 €. Wenn du 340.000 € Darlehen aufnimmst, beträgt der Beleihungsauslauf 80 %. Effekt auf den Zinssatz: Warum 60 % der Sweet Spot ist Hier wird es spannend. Banken staffeln ihre Konditionen nach Beleihungsauslauf – und der Effekt auf den Zinssatz ist deutlich: BeleihungsauslaufZinsaufschlag (typisch)Bezeichnung bis 60 %+0,0 PP (Basis)1a-Beleihung – beste Konditionen bis 80 %+0,2 PPStandard bis 100 %+0,5–0,7 PPVollfinanzierung Die 1a-Beleihung bis 60 % des Beleihungswertes ist der goldene Bereich. In diesem Korridor refinanziert die Bank dein Darlehen besonders günstig über Pfandbriefe – und gibt diesen Vorteil an dich weiter. Auf 30 Jahre gerechnet, machen 0,5 Prozentpunkte Unterschied bei einem 400.000-Euro-Darlehen schnell 50.000 € und mehr aus. Praktische Konsequenz: Wenn du knapp über einer Schwelle landest (z. B. 81 % statt 80 %), kann es sich lohnen, etwas mehr Eigenkapital einzubringen oder einen Teil aus Bausparvertrag oder KfW-Förderung zu ziehen, um unter die nächste Stufe zu kommen. Beleihungswert vs. Verkehrswert vs. Kaufpreis Drei Begriffe, die oft verwechselt werden: Kaufpreis – das, was du tatsächlich zahlst (Verhandlungsergebnis). Verkehrswert – der objektive Marktwert, den ein Gutachter oder die Bank im aktuellen Markt schätzt. Beleihungswert – der vorsichtige Wert, von dem die Bank ausgeht. Immer der niedrigste der drei. Hingegen kann es passieren, dass dein Kaufpreis über dem Verkehrswert liegt – zum Beispiel in überhitzten Märkten. Dann erhöht sich dein Beleihungsauslauf rechnerisch, weil die Bank mit dem niedrigeren Beleihungswert kalkuliert. In solchen Fällen brauchst du entweder mehr Eigenkapital oder du musst höhere Zinsen akzeptieren. Häufige Fragen Kann ich den Beleihungswert verhandeln? Nur begrenzt. Die Bank folgt internen Bewertungsrichtlinien. Allerdings lohnt es sich, mehrere Banken zu vergleichen – die Sicherheitsabschläge variieren zwischen 10 und 20 %. Was zählt als Eigenkapital für die Beleihung? Ersparnisse, Schenkungen, Eigenleistung (anrechenbar) und Bausparguthaben. Auch unbelastete Grundstücke können den Beleihungsauslauf senken. Wie ermittelt die Bank den Beleihungswert konkret? Üblicherweise via Sachwert- oder Ertragswertverfahren – bei selbstgenutzten Eigenheimen meist nach Sachwert (Bodenwert + Gebäudesachwert). Banken nutzen entweder eigene Gutachter oder beauftragen externe Sachverständige. Bei kleineren Beträgen reicht oft ein Kurzgutachten oder eine Hedonik-Bewertung über automatisierte Datenbanken. Ändert sich der Beleihungswert im Laufe der Finanzierung? Grundsätzlich nicht – er ist zum Zeitpunkt der Kreditvergabe festgelegt. Allerdings sinkt durch deine Tilgung der Beleihungsauslauf kontinuierlich. Daher kannst du bei einer Anschlussfinanzierung oder Umschuldung in eine günstigere Beleihungsklasse rutschen und so deutlich bessere Zinsen aushandeln. Mehr zur richtigen Eigenkapital-Strategie liest du im Capitalo-Ratgeber zu Eigenkapital beim Hauskauf. Falls dir Eigenkapital fehlt, schau dir die Optionen einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital an. Wer aktuelle Konditionen prüfen will, vergleicht Anbieter im Baufinanzierung-Vergleich. Hinweis: Die genannten Zinsaufschläge sind typische Bandbreiten und können je nach Anbieter, Bonität und Marktphase abweichen. Eine Baufinanzierung ist eine langfristige Verpflichtung – lass dich bei wesentlichen Entscheidungen individuell beraten.
Bereitstellungszinsen
Kurz & knapp: Bereitstellungszinsen sind eine Gebühr, die die Bank dir für den noch nicht abgerufenen Teil deines Darlehens berechnet — typischerweise 0,20 bis 0,25 % pro Monat. Sie greifen meist ab dem 6. bis 12. Monat nach Zusage und sind besonders bei Neubauten relevant, weil dort in Tranchen ausgezahlt wird. Was sind Bereitstellungszinsen? Wenn die Bank dir 400.000 € für deinen Neubau zusagt, du aber wegen des Baufortschritts erst 150.000 € abgerufen hast, dann ruhen die restlichen 250.000 € — die Bank hält das Geld für dich bereit. Genau dafür berechnet sie dir die Bereitstellungszinsen. Sie sind also keine Strafe, sondern ein Entgelt dafür, dass die Bank das Geld nicht anderweitig verleihen kann. Die Höhe ist marktüblich standardisiert: 0,25 % pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag — was 3,0 % pro Jahr entspricht. Manche Banken liegen mit 0,20 %/Monat (= 2,4 % p.a.) etwas darunter. Die genauen Konditionen findest du in deinem Darlehensvertrag und im Europäischen Standardisierten Merkblatt (ESIS). Ab wann greifen Bereitstellungszinsen? Hierbei lohnt sich genaues Hinsehen. Banken gewähren dir eine sogenannte bereitstellungszinsfreie Zeit, in der noch keine Gebühren anfallen. Diese Frist variiert deutlich: Bank-TypBereitstellungszinsfreie ZeitDanach typisch Standard-Angebot3 bis 6 Monate0,25 % / Monat Verhandelt / guter Bonität6 bis 12 Monate0,25 % / Monat Neubau-Spezialist12 bis 24 Monate0,20 % / Monat Daher gilt: Wer einen Neubau plant, sollte die bereitstellungszinsfreie Zeit aktiv verhandeln. Bei einem Bauvorhaben, das 18 Monate dauert, kann der Unterschied zwischen 6 und 12 Monaten freier Zeit schnell vierstellig werden. Rechenbeispiel: Was kostet das konkret? Stell dir vor, du baust ein Haus und hast ein Darlehen über 400.000 €. Nach 12 Monaten bereitstellungszinsfreier Zeit sind erst 200.000 € abgerufen — die restlichen 200.000 € liegen auf der Bank. PositionWert Nicht abgerufenes Darlehen200.000 € Bereitstellungszins pro Monat0,25 % Kosten pro Monat500 € Über 6 weitere Monate3.000 € 500 € pro Monat — und das parallel zur regulären Tilgung deiner bereits abgerufenen Tranche. Das tut weh, vor allem in der ohnehin kostenintensiven Bauphase. Verhandlungstipps für Bereitstellungszinsen Hier kannst du aktiv sparen. Bereitstellungszinsen sind verhandelbar — anders als der Sollzins, bei dem die Bank fest bei ihrer Marge bleibt. Drei konkrete Hebel: • Bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern: Statt 6 Monate frei → 12 Monate frei verhandeln. Bei realistischer Bauzeit das wichtigste Argument. • Höheren Sollzins akzeptieren: Manche Banken bieten +0,05 PP Sollzins gegen 12 Monate freie Zeit — bei langen Bauzeiten oft günstiger. • Mehrere Angebote einholen: Banken sind flexibel, sobald sie sehen, dass du andere Angebote auf dem Tisch hast. Konkret hilft dir hier ein unabhängiger Baufinanzierungs-Vergleich, um die Bandbreite der Konditionen zu sehen. Bei einer späteren Anschlussfinanzierung spielt das Thema in der Regel keine Rolle mehr, weil dort die Auszahlung in einem Schritt erfolgt. Auch die aktuelle Zinslage beeinflusst, wie offensiv Banken bei Bereitstellungszinsen verhandeln. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die genauen Konditionen unterscheiden sich je nach Bank, Bonität und Bauvorhaben. Stand: Mai 2026.
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Geldmarkt-ETF
Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der den Euro-Übernachtzins €STR abbildet. So funktioniert er, so ist er geschützt, das kostet er. Das musst du über Geldmarkt-ETFs wissen 📈 Zins vom Geldmarkt: Ein Geldmarkt-ETF bildet in vielen Fällen den €STR ab, den Zins für unbesicherte Übernachtkredite unter Banken im Euroraum. Deine Rendite ist dieser Zins abzüglich der laufenden Fondskosten. 🏦 Fondsanteil statt Konto: Du kaufst ihn über ein Wertpapierdepot. Weil Fondsanteile keine Einlagen sind, gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro für ihn nicht. 🛡️ Getrenntes Fondsvermögen: Geht die Fondsgesellschaft pleite, fällt das Fondsvermögen nicht in ihre Insolvenzmasse. Vor Kursverlusten schützt diese Trennung nicht. ⚠️ Kein fester Zins: Die Rendite folgt dem Einlagesatz der EZB nach oben und nach unten. Liegt der Geldmarktzins unter null, wie von Juni 2014 bis Juli 2022, schrumpft der Anteilswert. Was ist ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird und die Verzinsung des Geldmarkts nachbildet, also des Marktes, auf dem sich Banken für sehr kurze Zeit Geld leihen. Bei vielen Euro-Geldmarkt-ETFs ist der Maßstab der €STR (Euro Short-Term Rate). Der €STR ist der Zins, den Banken im Euroraum für unbesicherte Übernachtkredite zahlen. Die Europäische Zentralbank berechnet ihn aus den tatsächlichen Geschäften des Vortags und veröffentlicht ihn seit dem 2. Oktober 2019 an jedem Geschäftstag des Zahlungssystems TARGET2. Der €STR bewegt sich nah am Einlagesatz der EZB, über den die Notenbank ihre Geldpolitik steuert. Hebt die EZB den Einlagesatz an, steigt die Rendite eines Geldmarkt-ETFs kurz darauf mit. Senkt sie ihn, sinkt die Rendite genauso schnell. Manche Vergleichsseiten sprechen auch von Tagesgeld-ETFs. Der Name führt in die Irre: Du hast kein Konto bei einer Bank, sondern Fondsanteile, und für Schutz, Kosten und Steuern gelten andere Regeln als beim Tagesgeld. Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF legt das Geld seiner Anleger so an, dass es sich wie eine Einlage zum Geldmarktzins entwickelt. Bei thesaurierenden Geldmarkt-ETFs wird der Zins täglich wieder angelegt, der Anteilspreis steigt deshalb in kleinen, gleichmäßigen Schritten. Ausschüttende Varianten zahlen die Erträge regelmäßig aus. Kaufen und verkaufen kannst du Anteile an jedem Börsentag über dein Depot. Dabei zahlst du die Ordergebühr deines Brokers und den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Innerhalb des Fonds zieht die Fondsgesellschaft ihre laufenden Kosten ab, ausgewiesen als Gesamtkostenquote (TER). Physisch oder per Swap: was wirklich im Fonds steckt Den €STR selbst kann ein Fonds nicht kaufen, denn er ist ein Zinssatz und kein Wertpapier. Fondsanbieter lösen das auf zwei Wegen: Physische Nachbildung: Der Fonds kauft kurzlaufende Anleihen, Geldmarktpapiere und Bankeinlagen, deren Ertrag nah am Geldmarktzins liegt. Synthetische Nachbildung per Swap: Der Fonds hält ein sogenanntes Trägerportfolio aus anderen Wertpapieren und tauscht dessen Wertentwicklung per Vertrag mit einer Bank gegen die Geldmarktverzinsung. Viele große Geldmarkt-ETFs arbeiten mit Swap. Was im Trägerportfolio liegt, unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich: Staatsanleihen aus dem Euroraum, aber auch Unternehmensanleihen, Anleihen aus Schwellenländern oder sogar Aktien. Für deine laufende Rendite spielt das im Normalfall keine Rolle, weil der Swap sie ausgleicht. Für das Risiko im Ausnahmefall und für die Steuer spielt es sehr wohl eine Rolle. Wie ein Fonds arbeitet, steht im Factsheet und im Basisinformationsblatt unter „Replikation" oder „Portfoliomethode". Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds: nicht automatisch dasselbe Jeder Geldmarkt-ETF ist ein Investmentfonds, aber nicht jeder ist rechtlich ein Geldmarktfonds. Nach der EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 6) darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen, wenn er nach dieser Verordnung zugelassen ist und ihre Vorgaben zu Laufzeiten, Liquidität und Streuung einhält. Manche Produkte, die im Alltag Geldmarkt-ETF heißen, sind dagegen Anleihen- oder Swap-ETFs, die einen Geldmarktindex abbilden. Einen zugelassenen Geldmarktfonds erkennst du an seinen Unterlagen: Er muss angeben, ob er ein kurzfristiger oder ein Standard-Geldmarktfonds ist. Wie sicher ist ein Geldmarkt-ETF? Die Frage nach der Sicherheit hat drei Antworten, je nachdem, wer ausfällt. Dazu kommt ein Risiko, gegen das keine der drei Schutzebenen hilft. Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht Das Geld im Fonds gehört nicht der Fondsgesellschaft. Das Kapitalanlagegesetzbuch schreibt vor, dass das Fondsvermögen als Sondervermögen getrennt vom eigenen Vermögen der Gesellschaft zu halten ist (§ 92 KAGB), nicht für ihre Schulden haftet (§ 93 Abs. 2 KAGB) und bei ihrer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse fällt (§ 99 Abs. 3 KAGB). Verwahrt wird es bei einer Verwahrstelle, die es getrennt von ihren eigenen Beständen führen muss. Manche Geldmarkt-ETFs sind in anderen EU-Staaten aufgelegt, etwa in Luxemburg. Auch für sie schreibt das EU-Fondsrecht die getrennte Verwahrung vor. Wenn deine Depotbank oder dein Broker pleitegeht Deine ETF-Anteile sind Wertpapiere in deinem Eigentum und keine Forderung gegen die Bank. Laut BaFin fallen Investmentfondsanteile zwar nicht unter die Einlagensicherung. Im Insolvenzfall kannst du aber die Herausgabe verlangen oder dein Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Anders das Guthaben auf deinem Verrechnungskonto: Liegt es bei einer Bank, ist es eine Einlage. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt es bis 100.000 Euro je Einleger und Bank (§ 8 EinSiG). Wie eine Broker-Pleite in der Praxis abläuft, liest du im Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Wenn die Swap-Bank ausfällt Bei synthetischen Geldmarkt-ETFs kommt ein drittes Risiko hinzu: Die Bank, mit der der Fonds den Swap abgeschlossen hat, könnte ihre Zahlungen nicht mehr leisten. Dieses Kontrahentenrisiko begrenzt das EU-Fondsrecht, und in der verbreiteten Konstruktion gehört das Trägerportfolio dem Fonds. Fällt die Swap-Bank aus, hängt dein Ergebnis davon ab, was in diesem Trägerportfolio liegt. Das Risiko, das bleibt: Zins und Kosten Keine der drei Schutzebenen schützt vor dem, was der Markt macht. Ein Geldmarkt-ETF hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Liegt der Geldmarktzins unter null, verliert der Anteil Tag für Tag an Wert. Das ist kein Gedankenspiel: Der Einlagesatz der EZB war vom 11. Juni 2014 bis Ende Juli 2022 negativ, und die Geldmarktsätze folgten ihm unter die Nulllinie. Liegt der Zins nur knapp über null, können laufende Kosten und Ordergebühren den Ertrag aufzehren. Ein Geldmarkt-ETF ist eine Wertpapieranlage und keine Bankeinlage. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nicht, der Anteilswert kann schwanken und bei negativen Zinsen oder beim Ausfall eines Emittenten oder der Swap-Bank sinken. Laufende Kosten (TER), Ordergebühren und Spread mindern deine Rendite. Eine Garantie auf den eingezahlten Betrag gibt es nicht. Quellen: §§ 92, 93, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; BaFin, Rundschreiben 05/2020 (WA) zur Verwahrstelle; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; §§ 2, 8 Einlagensicherungsgesetz; Verordnung (EU) 2017/1131; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, €STR und EZB-Zinssätze. Stand: September 2026. Was kostet ein Geldmarkt-ETF und wie wird er besteuert? Kosten fallen an drei Stellen an: die laufenden Fondskosten (TER), die Ordergebühr deines Brokers und der Spread. Weil der Geldmarktzins selbst niedrig ist, wiegen feste Ordergebühren bei kleinen Beträgen und häufigem Umschichten am schwersten. Was Orders bei welchem Depot kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten. Steuerlich ist ein Geldmarkt-ETF ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale (§ 16 InvStG). Alle drei zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Mit einem Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank bleiben sie bis zur Höhe deines Sparerpauschbetrags steuerfrei. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zu Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag im Depot. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass auch thesaurierende Fonds jedes Jahr besteuert werden. Sie hängt vom Anteilswert zu Jahresbeginn und einem jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Basiszins ab, ist aber auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt (§ 18 InvStG). Bei einem Geldmarkt-ETF, der gleichmäßig mit dem Zins wächst, kann so ein großer Teil des Jahresertrags schon als Vorabpauschale versteuert werden. Beim Verkauf mindern die angesetzten Vorabpauschalen den Gewinn (§ 19 InvStG), du zahlst also nicht doppelt. Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds (§ 20 InvStG). Geldmarkt-ETFs aus Anleihen und Einlagen gehören nicht dazu. Ein Swap-ETF mit Aktien im Trägerportfolio kann dagegen als Aktienfonds gelten. Voraussetzung: Seine Anlagebedingungen schreiben vor, fortlaufend mehr als 50 Prozent des Aktivvermögens in Aktien und vergleichbare Kapitalbeteiligungen anzulegen (§ 2 Abs. 6 InvStG). Ein Aktien-Swap allein reicht dafür nicht. Ob ein Geldmarkt-ETF steuerlich als Aktienfonds zählt, entscheiden seine Anlagebedingungen, nicht sein Name. Ist er so eingestuft, berücksichtigt eine deutsche Depotbank die Teilfreistellung beim Steuerabzug automatisch. Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 44a Einkommensteuergesetz; Bundesministerium der Finanzen, Anwendungsfragen zum Investmentsteuergesetz (Rz. 2.6, Rz. 19.5) und Basiszins zur Vorabpauschale vom 13.01.2026; Finanzverwaltung NRW. Stand: September 2026. Sind Geldmarkt-ETFs eine gute Idee? Das hängt weniger vom ETF ab als von deiner Situation. Ein Geldmarkt-ETF ersetzt nicht das Tagesgeldkonto für den Notgroschen. Er ergänzt es dort, wo Tagesgeld an Grenzen stößt. Ein Geldmarkt-ETF passt wenn du ohnehin ein Depot hast und Geld zwischen zwei Käufen parken willst wenn du deutlich mehr als 100.000 Euro kurzfristig anlegst und die Einlagensicherung bei einer einzelnen Bank nicht mehr reicht wenn du den Marktzins willst, ohne alle paar Monate einem neuen Neukundenangebot hinterherzuwechseln Ein Geldmarkt-ETF passt nicht für den Notgroschen, den du ohne Umweg über die Börse und unabhängig von Handelszeiten brauchst wenn du einen festen Zins willst, der auch bei sinkenden Leitzinsen gilt: Den bietet Festgeld wenn du kleine Beträge oft umschichtest und jede Order eine feste Gebühr kostet Ein Grenzfall zeigt, dass die 100.000-Euro-Grenze nicht immer gilt. Verkaufst du deine selbst genutzte Wohnung und liegen 300.000 Euro auf dem Konto, schützt die Einlagensicherung solche Beträge bis zu sechs Monate nach der Gutschrift bis 500.000 Euro (§ 8 Abs. 2 EinSiG). Danach gilt wieder die Grenze von 100.000 Euro je Bank. Wer das Geld länger parkt, verteilt es auf mehrere Banken oder wählt eine Anlage mit anderem Schutz, etwa einen Geldmarkt-ETF. Wie der Schutz von Bankeinlagen im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld. Umgekehrt gilt: Zahlt dir eine Bank für einige Monate einen Neukundenzins deutlich über dem Geldmarktzins, ist Tagesgeld für diese Zeit meist die bessere Wahl. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich, Depots für den Kauf eines Geldmarkt-ETFs im Depot-Vergleich. Fazit: ein Werkzeug für Geld im Wartestand Unsere Einschätzung: Ein Geldmarkt-ETF passt für Geld, das im Depot auf den nächsten Einsatz wartet, und für Beträge oberhalb der Einlagensicherung. Den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto ersetzt er nicht: kein fester Zins, keine Einlagensicherung, dafür Kosten. Mein Tipp: Schau vor dem Kauf ins Factsheet und beantworte drei Fragen. Welchen Zins bildet der Fonds ab? Arbeitet er physisch oder per Swap? Und was liegt im Trägerportfolio? Wenn du das weißt, weißt du, was du kaufst. Häufige Fragen zum Geldmarkt-ETF Wie hoch ist die Rendite eines Geldmarkt-ETFs? Vor Steuern liegt die Rendite ungefähr beim €STR, abzüglich der laufenden Kosten (TER) und deiner Ordergebühren. Manche Indizes rechnen einen kleinen festen Aufschlag auf den €STR ein. Einen festen Wert gibt es nicht, weil sich die Rendite mit jedem Zinsschritt der EZB ändert. Welche Geldmarkt-ETFs sind die besten? Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, weil sich die Fonds weniger in der Rendite als in der Konstruktion unterscheiden. Vergleiche vier Punkte: den abgebildeten Zins, die laufenden Kosten (TER), die Nachbildung (physisch oder per Swap, bei Swap das Trägerportfolio) und den Spread an deinem Handelsplatz. Was ist der Unterschied zwischen Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds? Geldmarktfonds ist der Oberbegriff für Fonds, die in kurzfristige Geldmarktanlagen investieren. Wer sich rechtlich so nennen will, braucht eine Zulassung nach der EU-Geldmarktfondsverordnung. Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, oft per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht. Kann man mit einem Geldmarkt-ETF Geld verlieren? Ja. Bei negativen Geldmarktzinsen sinkt der Anteilswert, Kosten können einen niedrigen Zins aufzehren, und bei synthetischen ETFs besteht ein begrenztes Ausfallrisiko gegenüber der Swap-Bank. Starke Kursschwankungen wie bei Aktien sind wegen der sehr kurzen Zinsbindung untypisch, eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Kann ich einen Sparplan auf einen Geldmarkt-ETF anlegen? Das hängt von deinem Broker ab: Manche bieten Sparpläne auf Geldmarkt-ETFs an, andere nicht, und auch die Kosten je Ausführung unterscheiden sich. Welche Anbieter ETF-Sparpläne zu welchen Bedingungen führen, zeigt der ETF-Sparplan-Vergleich. Datenstand: September 2026 | Quellen: Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Einkommensteuergesetz, Verordnung (EU) 2017/1131, BaFin, Bundesministerium der Finanzen, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.
Grundbuch
Kurz & knapp: Das Grundbuch ist ein öffentliches Register, das beim Amtsgericht geführt wird. Nach § 873 BGB wirst du erst durch die Eintragung im Grundbuch zum rechtmäßigen Eigentümer einer Immobilie. Das Grundbuch besteht aus drei Abteilungen — Eigentümer, Belastungen, Hypotheken/Grundschulden. Die Eintragungskosten liegen bei rund 0,5 % des Kaufpreises. Definition: Was ist das Grundbuch? Das Grundbuch ist ein staatlich geführtes Verzeichnis aller Grundstücke in Deutschland. Es dokumentiert, wem ein Grundstück gehört, welche Belastungen darauf liegen und welche Rechte Dritter daran bestehen. Geführt wird es vom Grundbuchamt, das beim örtlich zuständigen Amtsgericht angesiedelt ist. Die Rechtsgrundlage ist die Grundbuchordnung (GBO), ergänzt durch die einschlägigen Vorschriften im BGB. Das Wichtigste vorweg: Das Grundbuch genießt öffentlichen Glauben nach § 892 BGB. Was dort steht, gilt — auch wenn es im Einzelfall mal nicht der materiellen Rechtslage entspricht. Daher ist der Grundbucheintrag keine Formalie, sondern der entscheidende rechtliche Akt beim Immobilienkauf. § 873 BGB — warum die Eintragung Pflicht ist § 873 Abs. 1 BGB regelt unmissverständlich: Zur Übertragung des Eigentums an einem Grundstück sind zwei Dinge nötig — die Einigung der Beteiligten und die Eintragung im Grundbuch. Beides muss zusammenkommen. Der Kaufvertrag beim Notar ist also nur die halbe Miete. Du wirst erst dann Eigentümer, wenn dein Name im Grundbuch steht. Bis dahin sicherst du dich über eine Auflassungsvormerkung in Abteilung II ab — eine Art "Reservierung", die verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück doppelt veräußert. Die drei Abteilungen des Grundbuchs Jedes Grundbuchblatt ist in drei Abteilungen gegliedert. Wenn du einen Grundschuld-Eintrag oder eine Hypothek verstehen willst, musst du wissen, wo was steht: AbteilungInhaltBeispiele Abteilung IEigentümerAktuelle und frühere Eigentümer, Erwerbsgrund (Kauf, Erbschaft, Schenkung) Abteilung IILasten und BeschränkungenWegerechte, Wohnrechte, Nießbrauch, Auflassungsvormerkungen, Vorkaufsrechte Abteilung IIIHypotheken, Grundschulden, RentenschuldenGrundschulden für Banken, Bauhandwerker-Sicherungshypotheken Vor jedem Immobilienkauf solltest du einen Grundbuchauszug einsehen — dort siehst du auf einen Blick, wer Eigentümer ist und welche Belastungen das Grundstück hat. Ein vergessenes Wegerecht in Abteilung II kann den Wert deiner Immobilie deutlich mindern. Grundbuchauszug — so kommst du dran Ein berechtigtes Interesse vorausgesetzt (z.B. als Käufer, Erbe oder Gläubiger) kannst du einen Grundbuchauszug beantragen. Drei Wege: Direkt beim Grundbuchamt: Persönlich oder schriftlich beim zuständigen Amtsgericht. Kosten: 10 EUR (unbeglaubigt) bzw. 20 EUR (beglaubigt) — bundesweit einheitlich nach KostO/GNotKG. Über den Notar: Beim Immobilienkauf üblich — der Notar holt den aktuellen Auszug automatisch ein. Online (in einigen Bundesländern): Über das elektronische Grundbuch (z.B. Solum-Star in Bayern, ELRV in NRW). Voraussetzung: Anwaltszulassung, Notarberechtigung oder berechtigtes Interesse mit Identitätsprüfung. Eintragungskosten beim Hauskauf Die Grundbucheintragung gehört zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb. Faustformel: rund 0,5 % des Kaufpreises für Notar- und Grundbuchgebühren zusammen, wobei sich der Betrag etwa hälftig aufteilt. Konkretes Beispiel bei einem Kaufpreis von 400.000 EUR: Notarkosten (Beurkundung Kaufvertrag, Auflassung): rund 0,8 - 1,0 % = ca. 3.500 EUR Grundbuchgebühren (Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung, Grundschuld-Eintragung): rund 0,5 % = ca. 2.000 EUR Für die Grundschuld-Eintragung kommen weitere Kosten hinzu, die sich nach der Höhe der Grundschuld richten — typischerweise 0,2 - 0,3 % der Grundschuldsumme. Hinweis Auflassungsvormerkung: Diese Eintragung in Abteilung II ist dein wichtigster Schutz im Schwebezustand zwischen Kaufvertrag und Eigentumsumschreibung. Sie verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück ein zweites Mal verkauft oder weitere Belastungen einträgt. Ohne Vormerkung trägst du das volle Insolvenzrisiko des Verkäufers — daher ist sie Standardpraxis bei jedem Kauf. Was bedeutet "öffentlicher Glaube" konkret? Der öffentliche Glaube nach § 892 BGB schützt den gutgläubigen Erwerber: Wenn du eine Immobilie von der im Grundbuch eingetragenen Person kaufst, wirst du auch dann Eigentümer, wenn diese Person eigentlich gar nicht (mehr) Eigentümer war — vorausgesetzt, du wusstest nichts von der falschen Eintragung. Daher ist das Grundbuch kein bürokratisches Beiwerk, sondern die rechtliche Wahrheit. Fazit Das Grundbuch ist beim Immobilienkauf das wichtigste Dokument überhaupt. Drei Punkte solltest du dir merken: Eigentum entsteht erst mit der Eintragung — nicht mit der Unterschrift beim Notar (§ 873 BGB). Drei Abteilungen, drei Themen: Eigentümer, Lasten, Geld-Sicherheiten. Vor jedem Kauf: Aktuellen Auszug ziehen und Abteilung II auf versteckte Belastungen prüfen. Die Grundbuchgebühren sind ein fester Bestandteil deiner Kaufnebenkosten — kalkulier sie von Anfang an mit ein. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.
Grundschuld
Kurz & knapp: Die Grundschuld ist ein Grundpfandrecht nach § 1191 BGB. Sie sichert in Deutschland mehr als 95 % aller Immobilienfinanzierungen. Anders als die Hypothek ist sie nicht an eine konkrete Forderung gebunden (Abstraktheitsprinzip) — das macht sie für Banken und Kreditnehmer flexibler. Definition: Was ist eine Grundschuld? § 1191 BGB definiert es so: Ein Grundstück kann derart belastet werden, dass an den Begünstigten eine bestimmte Geldsumme aus dem Grundstück zu zahlen ist. Klingt erstmal wie eine Hypothek — der entscheidende Unterschied steckt jedoch in dem, was nicht im Gesetzestext steht: Eine Forderung muss nicht existieren. Die Grundschuld ist abstrakt. Sie steht für sich allein im Grundbuch, unabhängig davon, ob du gerade einen Kredit laufen hast oder nicht. Das Abstraktheitsprinzip — der Schlüssel zur Flexibilität Stell dir die Grundschuld wie eine wiederverwendbare Sicherheits-Box vor. Du füllst sie mit einer Forderung (deinem Kredit), und wenn der Kredit getilgt ist, bleibt die leere Box im Grundbuch stehen — bereit für die nächste Finanzierung. Damit du als Schuldner trotzdem geschützt bist, schließt du mit der Bank zusätzlich eine Sicherungsabrede (auch Zweckerklärung genannt). Sie regelt, wofür die Grundschuld konkret haftet. Drei Funktionen: Sie verbindet die abstrakte Grundschuld mit deinem konkreten Kredit. Sie verpflichtet die Bank, die Grundschuld nur für den vereinbarten Zweck zu nutzen. Sie regelt die Rückgewähr nach Tilgung (du kannst dann Löschung oder Abtretung verlangen). Grundschuld vs. Hypothek — die 6 wichtigsten Unterschiede MerkmalGrundschuld (§ 1191 BGB)Hypothek (§ 1113 BGB) Bindung an ForderungNein (abstrakt)Ja (akzessorisch) Wiederverwendbar nach TilgungJa — für neue Kredite nutzbarNein — wird zur Eigentümergrundschuld Flexibilität bei Bank-WechselHoch (Abtretung einfach)Niedriger (Forderung muss mit übergehen) Bürokratie bei AnpassungGeringHöher Praxis-Anteil DE 2026> 95 %< 5 % Rückgewähr nach TilgungAktiv beantragen (Löschungsbewilligung)Wandelt sich automatisch in Eigentümergrundschuld Briefgrundschuld vs. Buchgrundschuld Die Grundschuld gibt es in zwei Formen — du wirst beim Notartermin nach deiner Präferenz gefragt: Briefgrundschuld: Es wird zusätzlich zum Grundbucheintrag ein Grundschuldbrief ausgestellt — ein physisches Wertpapier. Vorteil: Übertragung an einen anderen Gläubiger auch ohne Grundbuchänderung möglich. Nachteil: Brief kann verloren gehen, Aufgebotsverfahren ist teuer. Buchgrundschuld: Nur Grundbucheintrag, kein Brief. Standard bei modernen Baufinanzierungen. Geringere Notarkosten, weniger Risiko. Empfehlung: Für die normale Baufinanzierung reicht eine Buchgrundschuld völlig aus. Brief macht nur Sinn, wenn die Grundschuld häufig übertragen werden soll. Warum bevorzugen Banken die Grundschuld? Drei Gründe machen die Grundschuld zum Standard: Wiederverwendbarkeit: Tilgst du den Kredit, kann die Grundschuld stehen bleiben und für Modernisierung, Anschlussfinanzierung oder ein zweites Darlehen genutzt werden — ohne neuen Notartermin. Handelbarkeit: Banken können Kreditportfolios verkaufen oder verbriefen. Eine abstrakte Grundschuld ist deutlich leichter zu übertragen als eine akzessorische Hypothek. Geringere Bürokratie: Bei Aufstockungen oder Konditionsänderungen muss die Grundschuld nicht angepasst werden, solange die Höhe ausreicht. Tipp für die Anschlussfinanzierung: Frag bei deiner alten Bank nach einer Abtretung der Grundschuld an deine neue Bank — statt einer Löschung und Neueintragung. Das spart dir Notarkosten in Höhe von etwa 0,2 % der Grundschuldsumme. Bei einer 300.000-EUR-Grundschuld sind das rund 600 EUR. Was passiert nach der vollständigen Tilgung? Hier ist der wichtige Unterschied zur Hypothek: Die Grundschuld erlischt nicht automatisch. Du hast drei Optionen: Löschung: Bank stellt eine Löschungsbewilligung aus, du beauftragst den Notar mit der Löschung im Grundbuch. Sauber, aber kostet. Abtretung: Du lässt dir die Grundschuld an dich selbst abtreten (Eigentümergrundschuld) — bleibt für künftige Finanzierungen nutzbar. Stehenlassen: Grundschuld bleibt zugunsten der Bank eingetragen. Spart Kosten, kann aber bei Bankwechsel später Aufwand verursachen. Fazit Die Grundschuld ist heute der unangefochtene Standard für Immobilienfinanzierungen in Deutschland. Ihr Abstraktheitsprinzip macht sie flexibler als die Hypothek, der Schutz für dich als Schuldner kommt aus der Sicherungsabrede mit der Bank. Beim Notartermin zur Bestellung der Grundschuld solltest du auf zwei Punkte achten: erstens auf eine ausgewogene Zweckerklärung (nicht zu weit gefasst), zweitens auf die Wahl Buchgrundschuld statt Brief — für die meisten Baufinanzierungen die richtige Lösung. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.
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Sollzinsbindung
Kurz & knapp: Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem dein Sollzins bei der Baufinanzierung vertraglich festgeschrieben ist. Typische Dauern: 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB kannst du nach 10 Jahren mit 6 Monaten Frist kostenfrei kündigen — selbst wenn du dich für 20 Jahre gebunden hast. Was ist die Sollzinsbindung? Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem die Bank dir den vereinbarten Sollzins deiner Baufinanzierung garantiert. Der Begriff ist technisch präziser als die häufig verwendete Zinsbindung, denn festgeschrieben wird ausschließlich der Sollzins — nicht der Effektivzins, der sich rechnerisch leicht verändern kann, sobald sich Pflichtkosten anteilig anders verteilen. In der Praxis werden Sollzinsbindung und Zinsbindung synonym verwendet. Wenn ein Vermittler oder eine Bank von „Zinsbindung 15 Jahre" spricht, meint sie die Sollzinsbindung. Mehr Hintergrund findest du im Eintrag zur Zinsbindung. Typische Dauern und ihre Auswirkung auf den Zins Grundsätzlich gilt: Je länger du dich bindest, desto höher wird der Zins — die Bank lässt sich Planungssicherheit bezahlen. Hier eine typische Marktstaffelung (Stand: Mai 2026): SollzinsbindungAufschlag ggü. 5 JahreGeeignet für 5 JahreBasisErwartung sinkender Zinsen, kurze Restlaufzeit 10 Jahre+0,1 bis +0,2 PPStandard-Konstellation, ausgewogen 15 Jahre+0,3 bis +0,4 PPFamilien, langfristige Planung 20 Jahre+0,4 bis +0,5 PPHohe Sicherheit, Niedrigzins-Phasen Heißt: Zwischen 5 und 20 Jahren Bindung liegen typischerweise rund 0,5 Prozentpunkte. Auf 300.000 € Darlehen können das schnell 50.000 € Mehrzinsen über die volle Laufzeit sein. Das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB Hier kommt der entscheidende Punkt, den viele übersehen: Auch wenn du dich für 20 Jahre Sollzinsbindung entschieden hast, bist du nicht die volle Laufzeit gefesselt. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB hast du als Verbraucher das Recht, den Vertrag zehn Jahre nach vollständiger Auszahlung mit einer Frist von 6 Monaten ordentlich zu kündigen — und zwar ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Praktische Konsequenz: Eine 20-jährige Sollzinsbindung gibt dir maximale Sicherheit und maximale Flexibilität gleichzeitig. Wenn die Zinsen nach 10 Jahren deutlich gefallen sind, kündigst du und finanzierst günstiger um. Sind sie gestiegen, bleibst du in deiner günstigen Bindung. Welche Bindung passt zu dir? Wenn du davon ausgehst, dass die Zinsen weiter sinken oder du dein Darlehen schnell zurückzahlen willst, bietet sich eine kurze Bindung von 5 bis 10 Jahren an. Falls du Planungssicherheit über lange Zeiträume brauchst, etwa als Familie mit Kindern, sind 15 bis 20 Jahre die solide Wahl. Hierbei spielt auch die aktuelle Zinslage eine Rolle: In Niedrigzins-Phasen sind lange Bindungen besonders attraktiv, in Hochzins-Phasen lohnt sich Vorsicht vor zu langer Festschreibung. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die optimale Sollzinsbindung hängt von Bonität, Eigenkapital und Lebensplanung ab. Stand: Mai 2026.
Sparerpauschbetrag
Der Sparerpauschbetrag hält 1.000 EUR Kapitalerträge im Jahr steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 EUR. Hier erfährst du, was er rechtlich ist, wie er sich vom Freistellungsauftrag unterscheidet und was passiert, wenn du ihn überschreitest. Was du über den Sparerpauschbetrag wissen musst 💰 Höhe: Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr; zusammen veranlagte Ehe- und Lebenspartner haben gemeinsam 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, seit 2023) ⚖️ Pauschale statt Kostenabzug: Der Sparerpauschbetrag ersetzt deine tatsächlichen Werbungskosten wie Depotgebühren; höhere Kosten kannst du nicht zusätzlich absetzen 🏦 Freistellungsauftrag: Eine Bank in Deutschland berücksichtigt den Sparerpauschbetrag beim Steuerabzug nur, wenn du ihr einen Freistellungsauftrag erteilt hast; liegt weder Auftrag noch Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, zieht sie ab dem ersten Euro Steuer ab ⚠️ Überschritten oder ungenutzt: Auf Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag behält eine Bank in Deutschland 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein; hat die Bank Steuer abgezogen, obwohl dein Pauschbetrag nicht ausgeschöpft war, holst du sie über die Anlage KAP zurück Was ist der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag, im Gesetz Sparer-Pauschbetrag, ist ein fester Betrag, den das Finanzamt von deinen Einkünften aus Kapitalvermögen abzieht. Rechtsgrundlage ist § 20 Abs. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Bis zu dieser Höhe bleiben deine Kapitalerträge im Kalenderjahr steuerfrei. Kapitalerträge im Sinne von § 20 EStG sind unter anderem Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto, Dividenden, Ausschüttungen von Fonds und ETFs sowie Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen oder Fondsanteilen. Umgangssprachlich heißt er auch Sparerfreibetrag oder Freibetrag auf Kapitaleinkünfte. Einen Überblick über alle Steuern auf Wertpapiere gibt der Ratgeber Steuern im Depot. Freibetrag oder Pauschbetrag? Was das Gesetz regelt Rechtlich ist der Sparerpauschbetrag kein Freibetrag, sondern ein Pauschbetrag für Werbungskosten. § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG zieht 1.000 EUR als Werbungskosten ab und schließt den Abzug der tatsächlichen Werbungskosten aus. Das Bundesfinanzministerium beschreibt ihn als pauschalen Ausgleich für genau diesen Ausschluss. Für dich folgen daraus zwei Regeln: Tatsächliche Kosten zählen nicht: Depotgebühren, Finanzierungskosten oder Beratungshonorare für deine Geldanlage kannst du nicht absetzen, auch wenn sie im Jahr mehr als 1.000 EUR ausmachen. Kein Verlust durch den Pauschbetrag: Er darf nicht höher sein als deine Kapitalerträge (§ 20 Abs. 9 Satz 4 EStG). Bei 400 EUR Zinsen werden 400 EUR abgezogen, nicht 1.000 EUR, und der Rest mindert keine anderen Einkünfte. Auch die Reihenfolge ist festgelegt: Zuerst verrechnet das Finanzamt Gewinne und Verluste aus Kapitalvermögen, erst danach zieht es den Pauschbetrag ab. Laut Bundesfinanzministerium ist er nur zu berücksichtigen, wenn nach dieser Verrechnung positive Einkünfte übrig bleiben (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 119b). Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag aktuell? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, erhalten einen gemeinsamen Betrag von 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 2 Abs. 8 EStG). Beide Werte gelten seit dem Veranlagungszeitraum 2023; das Jahressteuergesetz 2022 hat sie von 801 EUR und 1.602 EUR angehoben. Veranlagung Sparerpauschbetrag seit 2023 Sparerpauschbetrag bis 2022 Einzelveranlagung 1.000 EUR pro Jahr 801 EUR pro Jahr Zusammenveranlagung von Ehe- oder Lebenspartnern 2.000 EUR pro Jahr, gemeinsam 1.602 EUR pro Jahr, gemeinsam Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 EStG (gesetze-im-internet.de), Finanzverwaltung NRW, Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zu den Steueränderungen 2023. Der Sparerpauschbetrag gilt je Kalenderjahr, weil die Einkommensteuer eine Jahressteuer ist (§ 2 Abs. 7 EStG). Was du in einem Jahr nicht ausschöpfst, kannst du nicht ins Folgejahr mitnehmen. So teilen Ehepaare den gemeinsamen Betrag Bei Ehe- und Lebenspartnern mit Zusammenveranlagung wird der gemeinsame Betrag bei jedem Partner zur Hälfte abgezogen. Hat ein Partner weniger als 1.000 EUR Kapitalerträge, geht der ungenutzte Teil seiner Hälfte auf den anderen über (§ 20 Abs. 9 Satz 3 EStG). Ein Beispiel: Du hast im Jahr 1.600 EUR Kapitalerträge, dein Ehepartner 200 EUR. Dein Partner nutzt 200 EUR seiner Hälfte, die übrigen 800 EUR gehen auf dich über. Dir stehen damit 1.800 EUR zu, deine 1.600 EUR bleiben vollständig steuerfrei. Habt ihr bei euren Banken jeweils eigene Freistellungsaufträge erteilt, greift dieser Ausgleich erst mit der Steuererklärung (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 261). Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag: der Unterschied Der Sparerpauschbetrag ist dein Anspruch aus dem Gesetz. Der Freistellungsauftrag ist das Instrument, mit dem du ihn schon beim Steuerabzug durch deine Bank oder deinen Broker nutzt (§ 44a EStG). Liegt weder ein Freistellungsauftrag noch eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, behält eine Bank in Deutschland Steuer ab dem ersten Euro Kapitalertrag ein. Dein Anspruch bleibt trotzdem bestehen, du machst ihn dann über die Steuererklärung geltend. Merkmal Sparerpauschbetrag Freistellungsauftrag Was es ist Pauschbetrag im Einkommensteuergesetz Auftrag an deine Bank oder deinen Broker Rechtsgrundlage § 20 Abs. 9 EStG § 44a EStG Wo er wirkt bei der Ermittlung deiner Kapitaleinkünfte für das Jahr direkt beim Steuerabzug durch die Bank Höhe 1.000 EUR, gemeinsam 2.000 EUR frei wählbar; alle Aufträge zusammen höchstens so hoch wie dein Sparerpauschbetrag Antrag nötig? nein, der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben ja, nach amtlichem Muster und mit deiner steuerlichen Identifikationsnummer Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 und § 44a EStG, Finanzverwaltung NRW, BMF-Schreiben vom 14.05.2025 (Rn. 257, 259a und amtliches Muster). Verteilst du Freistellungsaufträge auf mehrere Banken, darf ihre Summe den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen. Liegt dein gesamtes Einkommen unter dem Grundfreibetrag, kann dir das Finanzamt stattdessen eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung ausstellen, gültig für höchstens drei Jahre (§ 44a Abs. 2 EStG). Mit ihr zahlt die Bank Kapitalerträge ohne Steuerabzug aus, auch oberhalb des Pauschbetrags. Wie das bei Konten und Depots auf den Namen von Kindern funktioniert, erklärt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung im Kinderdepot. Was passiert, wenn du den Sparerpauschbetrag überschreitest? Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags sind steuerpflichtig. Eine Bank in Deutschland behält auf den übersteigenden Teil 25 % Abgeltungsteuer ein, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Mit diesem Abzug ist die Steuer in der Regel abgegolten, eine Angabe in der Steuererklärung ist dann nicht nötig. Ein Beispiel: Du bist ledig, bekommst im Jahr 1.300 EUR Zinsen und hast deiner Bank einen Freistellungsauftrag über 1.000 EUR erteilt. Steuerpflichtig sind 300 EUR; nur auf diesen Teil berechnet die Bank Abgeltungsteuer. Wie das bei Zinsen im Detail aussieht, zeigen die Ratgeber zur Steuer auf Tagesgeld-Zinsen und zu Festgeld und Steuern. Nicht ausgeschöpft: zu viel gezahlte Steuer zurückholen Die Bank kann auch zu viel Steuer abziehen, etwa wenn du keinen Freistellungsauftrag erteilt hast oder deine Aufträge ungünstig auf mehrere Banken verteilt sind. Den nicht genutzten Teil des Pauschbetrags machst du dann mit der Anlage KAP in der Einkommensteuererklärung geltend (§ 32d Abs. 4 EStG). Das Finanzamt erstattet dir die zu viel einbehaltene Steuer. Konto oder Depot im Ausland Ausländische Banken und Broker können nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet werden und zahlen Kapitalerträge in der Regel ohne Abgeltungsteuer aus. Ohne Steuerabzug greift auch kein Freistellungsauftrag. Du gibst die Erträge in der Anlage KAP an (§ 32d Abs. 3 EStG), und das Finanzamt zieht dort deinen Pauschbetrag ab, soweit du ihn nicht schon über Freistellungsaufträge bei deutschen Banken verbraucht hast. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Ratgeber zur Steuererklärung bei ausländischen Brokern. Vorabpauschale und Günstigerprüfung Auch ohne Verkauf verbrauchen Fondsanlagen Sparerpauschbetrag: Die Vorabpauschale, die vor allem bei thesaurierenden Fonds und ETFs anfällt, zählt zu den Kapitalerträgen (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 Investmentsteuergesetz). Liegt ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe vor, verrechnet die Bank sie damit. Ist dein persönlicher Einkommensteuersatz niedrig, kann sich die Günstigerprüfung lohnen (§ 32d Abs. 6 EStG). Auf deinen Antrag in der Steuererklärung vergleicht das Finanzamt die Abgeltungsteuer mit deinem persönlichen Steuersatz und wendet die für dich günstigere Variante an. Wann der Sparerpauschbetrag greift und wann nicht Hier greift er Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto Dividenden sowie Ausschüttungen von Fonds und ETFs Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds Hier greift er nicht Als Ersatz für höhere tatsächliche Kosten: Depotgebühren über 1.000 EUR bleiben unberücksichtigt Zum Erzeugen eines Verlusts: Er ist auf die Höhe deiner Kapitalerträge gedeckelt Vor der Verlustverrechnung: Er wirkt erst auf das, was nach dem Ausgleich von Gewinnen und Verlusten übrig bleibt Als Übertrag: Ein ungenutzter Rest verfällt mit dem Kalenderjahr Ein Grenzfall zeigt, wie diese Regeln zusammenwirken: Du bekommst im Jahr 1.200 EUR Zinsen und verkaufst eine Anleihe mit 1.200 EUR Verlust. Nach der Verlustverrechnung bleiben 0 EUR Kapitaleinkünfte. Der Pauschbetrag wirkt in diesem Jahr gar nicht, und die 1.000 EUR lassen sich weder ins nächste Jahr übertragen noch mit anderen Einkünften verrechnen. Deine Freistellungsaufträge sollten zusammen genau deinem Sparerpauschbetrag entsprechen und dort liegen, wo deine Erträge anfallen. Prüfe die Verteilung einmal im Jahr anhand der Steuerbescheinigungen deiner Banken. Häufige Fragen zum Sparerpauschbetrag Was ist der Unterschied zwischen Freistellungsauftrag und Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag ist der gesetzliche Betrag von 1.000 EUR pro Person und Jahr (2.000 EUR bei Zusammenveranlagung), der von deinen Kapitalerträgen abgezogen wird (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Freistellungsauftrag ist dein Auftrag an die Bank, diesen Betrag schon beim Steuerabzug zu berücksichtigen (§ 44a EStG). Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Steuer ab, den Pauschbetrag bekommst du dann über die Steuererklärung. Was passiert, wenn ich den Sparerpauschbetrag überschreite? Auf den Teil deiner Kapitalerträge, der über dem Sparerpauschbetrag liegt, fallen grundsätzlich 25 % Abgeltungsteuer an, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Eine Bank in Deutschland behält die Steuer automatisch ein. Bei 1.300 EUR Zinsen und 1.000 EUR Pauschbetrag sind als Einzelperson 300 EUR steuerpflichtig. Wie viel Geld darf ich steuerfrei sparen? Für die Höhe deines Guthabens gibt es keine Grenze. Der Sparerpauschbetrag begrenzt die Erträge: Bis 1.000 EUR Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Jahr bleiben steuerfrei, bei Zusammenveranlagung bis 2.000 EUR. Welchem Guthaben das entspricht, hängt vom Zins ab. Bringen je 5.000 EUR Guthaben 100 EUR Zinsen im Jahr, bleiben bei einer Einzelperson die Zinsen auf bis zu 50.000 EUR steuerfrei. Aktuelle Zinsen zeigt der Tagesgeld-Vergleich. Wie hoch ist aktuell der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehe- und Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, haben gemeinsam 2.000 EUR. Diese Werte gelten seit 2023; bis Ende 2022 waren es 801 EUR und 1.602 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, Stand 10.09.2026). Muss ich den Sparerpauschbetrag beantragen? Nein. Der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 20 Abs. 9 EStG), einen Antrag beim Finanzamt gibt es dafür nicht. Damit deine Bank ihn schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du aber einen Freistellungsauftrag. Ohne ihn holst du zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP zurück. Fazit Der Sparerpauschbetrag ist eine feste Rechengröße: 1.000 EUR pro Person und Jahr, 2.000 EUR bei Zusammenveranlagung, gedeckelt auf deine tatsächlichen Kapitalerträge. Im Alltag entscheidet der Freistellungsauftrag, ob du ihn sofort nutzt oder erst mit der Steuererklärung. Unsere Empfehlung: Verteile deine Freistellungsaufträge nach den Erträgen, die du bei jeder Bank erwartest, und gleiche Abweichungen über die Anlage KAP aus. Ob deine Erträge aus Festgeld stammen oder aus deinem Depot, für beide gilt derselbe Pauschbetrag. Datenstand: 10.09.2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 2 Abs. 7 und 8, § 20 Abs. 9, § 32d, § 44a EStG), Investmentsteuergesetz (§ 16 InvStG), Finanzverwaltung NRW, Bundesministerium der Finanzen (Monatsbericht zu den Steueränderungen 2023, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025). Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.
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Termingeld
Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit überlässt. Hier liest du, wann das Wort Festgeld meint und wann auch Kündigungsgeld. Was du über Termingeld wissen musst 💡 Definition: Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist überlässt. Vor dem vereinbarten Termin kommst du in der Regel nicht heran. ⚖️ Zwei Lesarten: Die Bundesbank nutzt Termingeld als Synonym für Festgeld. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff für Festgeld und Kündigungsgeld. 🏦 Schutz: Liegt dein Termingeld bei einer Bank in der EU, schützt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und je Bank. ⚠️ Abgrenzung: Anders als Tagesgeld ist Termingeld nicht täglich verfügbar. Einen festen Zins für die ganze Laufzeit hast du nur beim Festgeld, beim Kündigungsgeld meist nicht. Termingeld ist eine Bankeinlage, die du für eine bestimmte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist anlegst. Bis zum vereinbarten Termin verzichtest du auf den Zugriff, dafür zahlt die Bank in der Regel höhere Zinsen als auf Spareinlagen. Steht das Wort im Angebot deiner Bank, ist meistens Festgeld gemeint, aber nicht immer. Was ist Termingeld? Die Deutsche Bundesbank beschreibt eine Termineinlage als Einlage, die einer Bank „von ihren Kunden oder von anderen Instituten für eine bestimmte Zeit gegen einen festen Zinssatz überlassen wird". Termingeld und Festgeld nennt sie als synonyme Bezeichnungen. Als gängige Laufzeiten gibt sie sechs Monate, ein Jahr oder drei Jahre an. Der Name kommt vom Termin: Das Geld wird an einem vorher festgelegten Tag fällig oder nach Ablauf einer vereinbarten Kündigungsfrist. Bis dahin arbeitet die Bank mit deinem Geld und kann fest damit planen. Deshalb zahlt sie mehr als für Geld, das du jederzeit abziehen kannst. Die Bundesbank unterscheidet drei Arten von Bankguthaben: Sichteinlagen wie Girokonto und Tagesgeld, über die du jederzeit verfügst, Spareinlagen wie das klassische Sparbuch und Termineinlagen, bei denen das Geld für eine vereinbarte Zeit gebunden ist. Termingeld, Festgeld, Kündigungsgeld: zwei Lesarten Ob Termingeld nur Festgeld meint oder auch Kündigungsgeld, hängt davon ab, wen du fragst. Beide Lesarten sind im Umlauf, und beide sind belegt. Enge Lesart: Die Bundesbank setzt Termingeld mit Festgeld gleich. Auch das Gabler Banklexikon versteht unter Termingeld von Kunden eine Einlage „mit vereinbarter fester Laufzeit". Weite Lesart: Das Lexikon „Duden Wirtschaft von A bis Z", das die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, unterscheidet innerhalb der Termineinlagen zwischen Festgeldern und Kündigungsgeldern. Termingeld ist dort der Oberbegriff. Für dich zählt weniger das Etikett als das, was im Vertrag steht. Hat die Anlage ein festes Enddatum, ist es Festgeld. Läuft sie unbefristet weiter, bis du kündigst, ist es Kündigungsgeld. Die Tabelle zeigt, was das praktisch bedeutet, auch im Vergleich zum Tagesgeld. Merkmal Festgeld Kündigungsgeld Tagesgeld Zugriff auf das Geld am Ende der Laufzeit nach Ablauf der Kündigungsfrist jederzeit Zins fest für die ganze Laufzeit meist variabel, die Bank kann ihn anpassen variabel Ende der Anlage festes Datum ab Abschluss offen, bis du kündigst offen Zählt als Termingeld ja, in beiden Lesarten nur in der weiten Lesart nein, Sichteinlage Passt für Geld mit bekanntem Verwendungstermin Geld mit ungefährem Zeitrahmen Notgroschen und Rücklagen Quellen: Deutsche Bundesbank, Glossar (Termineinlage, Sichteinlage); Duden Wirtschaft von A bis Z, Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung 2016. Stand: September 2026. Wie eine Anlage mit Kündigungsfrist im Detail funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Kündigungsgeld. Für Geld, das jederzeit verfügbar bleiben soll, ist Tagesgeld die passende Anlage. So läuft eine Termingeld-Anlage ab Am Beispiel Festgeld sieht der Ablauf so aus: 1 Laufzeit und Betrag festlegen Du wählst, wie lange das Geld liegen soll, und legst den Betrag einmalig an. Zins und Laufzeit stehen ab Abschluss fest. 2 Geld überweisen Die Laufzeit beginnt meist an dem Tag, an dem das Geld auf dem Termingeldkonto gutgeschrieben ist. Ab dann läuft der Zins. 3 Bindung während der Laufzeit Solange die Laufzeit läuft, kommst du nicht an das Geld. Ob ein vorzeitiger Zugriff möglich ist und was er kostet, regelt der Vertrag. Mehr dazu liest du unter Festgeld vorzeitig kündigen. 4 Fälligkeit Am Ende zahlt die Bank Geld und Zinsen aus, meist auf dein Referenzkonto. Manche Verträge verlängern die Anlage automatisch (Prolongation), dann in der Regel zum dann gültigen Zins. Wie ein Festgeldkonto darüber hinaus funktioniert, von der Eröffnung bis zur Auszahlung, erklärt unser Ratgeber Was ist ein Festgeldkonto? Warum du „Termingeld" oft bei Firmenkunden liest Im Privatkundengeschäft heißt das Produkt meist Festgeld. Sparkassen und Filialbanken verwenden „Termingeld" dagegen häufig für Anlagen von Unternehmen und Selbstständigen, manche bieten es ausdrücklich nur für Geschäftsvermögen an. Zwei Dinge findest du dort öfter als beim privaten Festgeld: Fremdwährung: Manche Banken bieten Termingeld auch in US-Dollar, Schweizer Franken oder anderen Währungen an. Dann kommt zum Zins ein Wechselkursrisiko: Fällt die Währung gegenüber dem Euro, bekommst du am Ende unter Umständen weniger Euro zurück, als du eingezahlt hast. Sehr kurze Laufzeiten: Firmenkunden-Termingeld beginnt teils schon bei einer Woche Laufzeit. Dazu kommt eine dritte Bedeutung, die dir als Sparer kaum begegnet. Im Geldhandel leihen sich Banken untereinander Zentralbankgeld für feste Zeiträume. Das Gabler Banklexikon nennt genau das als erste Bedeutung von Termingeld. Für dich ist das nur indirekt wichtig: Das Zinsniveau am Geldmarkt beeinflusst, was Banken dir für Festgeld bieten. Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt vor allem von vier Dingen ab: Laufzeit oder Kündigungsfrist: Jede Laufzeit hat ihren eigenen Zins. Eine längere Bindung bringt nicht automatisch mehr. Zinsniveau am Geldmarkt: Banken richten ihre Angebote am aktuellen Geldmarkt aus, der wiederum stark von den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank abhängt. Anlagebetrag: Laut Duden Wirtschaft hängt der Zinssatz auch von der Höhe der Einlage ab. Die Bank selbst: Jede Bank legt ihre Konditionen selbst fest, bei den Sparkassen jede Sparkasse für sich. Laut Bundesbank sind Termineinlagen in der Regel höher verzinst als Spareinlagen. Welche Bank für welche Laufzeit gerade am meisten zahlt, siehst du im Festgeld-Vergleich, jedes Angebot bewertet mit dem Capitalo Score. Ist Termingeld geschützt? Termingeld ist eine Bankeinlage und fällt damit unter die gesetzliche Einlagensicherung. Geht eine Bank in der EU pleite, sind je Kunde und je Bank bis 100.000 Euro geschützt. Hat die Bank ihren Sitz in einem anderen EU-Land, greift das Sicherungssystem dieses Landes, nicht das deutsche. Die Einlagensicherung schützt vor der Pleite der Bank. Drei Risiken deckt sie nicht ab: Inflation: Liegt die Teuerung über deinem Zins, verliert das Geld trotz Zinsen an Kaufkraft. Zinsänderung: Steigen die Zinsen nach dem Abschluss, bleibt dein Festgeld beim alten Satz. Wechselkurs: Bei Termingeld in Fremdwährung kann der Euro-Betrag am Ende kleiner sein als beim Einzahlen. Quellen: § 8 Einlagensicherungsgesetz; Bundesministerium der Finanzen, Fragen und Antworten zur harmonisierten europäischen Einlagensicherung. Stand: September 2026. Wie die Sicherung für Festgeld im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Festgeld. Wie Zinsen aus Termingeld versteuert werden Zinsen aus Termingeld sind Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Bleiben deine gesamten Kapitalerträge im Jahr innerhalb des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro, zahlst du darauf keine Steuer (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit die Bank das schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du bei ihr einen Freistellungsauftrag. Was über dem Pauschbetrag liegt, versteuert eine Bank in Deutschland direkt mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d EStG). Zinsen von einer Bank im Ausland gibst du in der Regel selbst in der Steuererklärung an. Quellen: §§ 20, 32d Einkommensteuergesetz; Finanzverwaltung NRW; Landesamt für Steuern Niedersachsen. Stand: September 2026. Alle Details zu Freistellungsauftrag und Steuererklärung stehen im Ratgeber Festgeld und Steuern. Wann Termingeld zu dir passt und wann nicht Termingeld passt wenn du Geld für einen bekannten Termin zurücklegst, etwa eine Steuerzahlung oder eine Anschaffung in zwölf Monaten wenn du dir beim Festgeld den Zins für die Laufzeit festschreiben willst, weil du mit sinkenden Zinsen rechnest wenn dein Notgroschen schon auf dem Tagesgeldkonto liegt und dieses Geld wirklich übrig ist Termingeld passt nicht für den Notgroschen: Wenn die Waschmaschine streikt, wartet die Rechnung nicht bis zur Fälligkeit wenn du mit steigenden Zinsen rechnest und dich deshalb nicht lange binden willst wenn du einen festen Zins erwartest, nur weil „Termingeld" auf dem Angebot steht, ohne in den Vertrag zu schauen Ein Sonderfall, den viele übersehen, ist die automatische Verlängerung. Sieht dein Vertrag eine Prolongation vor und du meldest dich vor dem Ende nicht, läuft das Geld für eine neue Laufzeit weiter, in der Regel zum dann gültigen Zins. Der kann deutlich unter dem alten liegen. Trag dir den Fälligkeitstermin in den Kalender und entscheide vorher, was mit dem Geld passieren soll. Leg als Termingeld nur Geld an, das du bis zum Fälligkeitstermin bestimmt nicht brauchst. Alles, worauf du kurzfristig zugreifen musst, gehört auf ein Tagesgeldkonto. Unsere Einschätzung: Lass dich vom Wort nicht verunsichern. Wer dir Termingeld anbietet, meint meistens eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, also Festgeld. Schau trotzdem in den Vertrag: Stehen dort ein Enddatum und ein fester Zinssatz, oder eine Kündigungsfrist mit variablem Zins? Mein Tipp: Vergleich nicht nur den Zins, sondern auch, was am Ende der Laufzeit mit deinem Geld passiert. Die aktuellen Festgeldzinsen je Laufzeit findest du in unserem Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zu Termingeld Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt von Laufzeit, Anlagebetrag, Zinsniveau am Geldmarkt und Bank ab. Laut Bundesbank liegt er in der Regel über dem für Spareinlagen. Was ist der Unterschied zwischen Termingeld und Festgeld? Oft gibt es keinen: Die Bundesbank nennt Termingeld und Festgeld als synonyme Bezeichnungen für eine Einlage mit fester Laufzeit und festem Zins. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff, der neben Festgeld auch Kündigungsgeld umfasst. Kündigungsgeld hat kein festes Enddatum, sondern eine Kündigungsfrist, und meist einen variablen Zins. Welche Bank hat die besten Zinsen für Festgeld? Das wechselt, weil Banken ihre Zinsen für neue Anlagen regelmäßig an das Marktniveau anpassen. Im Festgeld-Vergleich von Capitalo siehst du die aktuellen Zinsen je Laufzeit und die Bewertung jedes Angebots im Capitalo Score. Achte neben dem Zins auf die Einlagensicherung im Sitzland der Bank und darauf, was am Ende der Laufzeit mit dem Geld passiert. Was ist Termingeld bei der Sparkasse? Sparkassen verwenden „Termingeld" als Namen für eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, auf sparkasse.de vor allem im Angebot für Firmenkunden. Die Konditionen legt jede Sparkasse selbst fest, sie orientieren sich am aktuellen Geldmarktniveau. Einlagen bei Sparkassen schützt deren eigenes, gesetzlich als Einlagensicherung anerkanntes Sicherungssystem. Kann ich Termingeld vorzeitig kündigen? Beim Festgeld meist nicht: Während der Laufzeit ist ein vorzeitiger Zugriff in der Regel vertraglich ausgeschlossen oder nur mit Zinsverlust möglich. Beim Kündigungsgeld ist die Kündigung dagegen der normale Weg an dein Geld, du wartest dann die vereinbarte Frist ab. Was für deine Anlage gilt, steht in den Vertragsbedingungen der Bank. Datenstand: September 2026 | Quellen: Deutsche Bundesbank (Glossar: Termineinlage, Sichteinlage), Duden Wirtschaft von A bis Z (Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung, 2016), Gabler Banklexikon, Einlagensicherungsgesetz § 8, Bundesministerium der Finanzen (FAQ Einlagensicherung, Februar 2025), Einkommensteuergesetz §§ 20 und 32d, Finanzverwaltung NRW, Landesamt für Steuern Niedersachsen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Anlageberatung.
Tilgungssatz
Kurz & knapp: Der Tilgungssatz – auch Anfangstilgung genannt – legt fest, mit welchem Prozentsatz du im ersten Jahr deine Darlehenssumme zurückzahlst. Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, im aktuellen Zinsumfeld eher 3 %. Der Effekt ist gewaltig: Bei 3,75 % Sollzins reduziert sich deine Laufzeit von 42 Jahren (1 % Tilgung) auf 22 Jahre (3 % Tilgung). Wer schneller schuldenfrei werden möchte, dreht am Tilgungssatz – nicht an der Zinsbindung. Definition: Was ist der Tilgungssatz? Der Tilgungssatz – häufig auch Anfangstilgung oder Tilgungsrate genannt – gibt an, welcher Prozentsatz der ursprünglichen Darlehenssumme du im ersten Jahr zurückzahlst. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Monatsrate konstant, der Tilgungsanteil steigt aber Monat für Monat – daher heißt es Anfangstilgung. Beispiel: Bei 300.000 € Darlehen und 2 % Anfangstilgung tilgst du im ersten Jahr 6.000 € (300.000 € × 2 %). Daraus ergeben sich rund 500 € Tilgungsanteil pro Monat – zusätzlich zu den Zinsen. Im zweiten Jahr ist der Tilgungsanteil bereits höher, weil die Restschuld gesunken ist und weniger Zinsen anfallen. Empfehlung: 2 % Minimum, 3 % Standard Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Mindesttilgung von 2 % – im aktuellen Zinsumfeld von rund 3,5 bis 4 % sind 3 % die bessere Wahl. Hierbei gilt eine einfache Faustregel: Je niedriger der Sollzins, desto höher solltest du tilgen. Sonst läuft das Darlehen ewig. Warum ist das so? Bei niedrigen Zinsen fließt nur wenig Geld in den Zinsanteil. Wer dann gleichzeitig niedrig tilgt, kommt kaum vom Fleck. Daher gilt im aktuellen Marktumfeld: Mindestens 2 %, besser 3 % Anfangstilgung – und wenn das Einkommen es zulässt, gerne mehr. Effekt auf die Laufzeit Der Tilgungssatz hat den größten Einfluss auf deine Volltilgungsdauer. Schau dir an, wie sich die Laufzeit bei einem Darlehen mit 3,75 % Sollzins verhält: AnfangstilgungAnnuität pro Jahr (350.000 €)Laufzeit bis VolltilgungGesamt-Zinskosten* 1 %16.625 €~42 Jahre~353.000 € 2 %20.125 €~28 Jahre~227.000 € 3 %23.625 €~22 Jahre~169.000 € 4 %27.125 €~18 Jahre~133.000 € *Vereinfachte Berechnung über die gesamte Tilgungsdauer bei konstantem Sollzins von 3,75 %, ohne Sondertilgungen. Allerdings gibt es einen Trade-off: Höhere Tilgung bedeutet höhere Monatsrate. Bei 1 % Anfangstilgung zahlst du rund 1.385 € pro Monat, bei 3 % sind es 1.969 €. Du musst dir also überlegen, wie viel Spielraum dein Haushaltsbudget hergibt. Tilgungssatzwechsel während der Zinsbindung Viele Banken bieten dir die Option, den Tilgungssatz während der Zinsbindung ein- bis dreimal kostenlos anzupassen. Das ist hilfreich, wenn sich deine Lebenssituation ändert: Bei Elternzeit kannst du die Tilgung senken, bei Gehaltssprung erhöhen. Achte beim Vertragsabschluss darauf, dass dieses Recht im Darlehensvertrag steht. Sondertilgungsrecht: 5 % p. a. Standard Zusätzlich zum laufenden Tilgungssatz erlauben dir die meisten deutschen Banken kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € extra – pro Jahr. Was bringt das konkret? Wer jedes Jahr 5.000 € als Sondertilgung leistet, verkürzt die Laufzeit deutlich und spart über die Gesamtdauer fünfstellige Zinsbeträge. Sondertilgungen wirken stärker als ein höherer Anfangstilgungssatz, weil sie direkt die Restschuld reduzieren. Wichtig: Das Sondertilgungsrecht muss explizit im Darlehensvertrag stehen. Ohne diese Klausel verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung, wenn du außerplanmäßig zurückzahlst. Wie wählst du den richtigen Tilgungssatz? Wenn du den passenden Tilgungssatz suchst, hilft dir diese Faustregel: Plane so, dass du spätestens mit 65 bis 70 Jahren schuldenfrei bist. Berechne dafür rückwärts, welche Anfangstilgung du brauchst. Beispiel: Du bist 35 Jahre alt und möchtest mit 65 schuldenfrei sein. Das ergibt 30 Jahre Laufzeit. Bei einem Sollzins von 3,75 % brauchst du dafür mindestens 2 % Anfangstilgung. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, plane mit 2,5 oder 3 %. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um konkrete Szenarien für deine Darlehenssumme durchzuspielen. So findest du den Tilgungssatz, der zu deinem Budget und deiner Lebensplanung passt. Häufige Fragen Was ist der Unterschied zwischen Tilgungssatz und Tilgung? Der Tilgungssatz ist die prozentuale Angabe (z. B. 2 % p. a.), die Tilgung ist der absolute Eurobetrag, den du tatsächlich zurückzahlst. Bei 200.000 € Darlehen und 2 % Tilgungssatz beträgt die Tilgung im ersten Jahr 4.000 €. Kann ich den Tilgungssatz später erhöhen? Ja, wenn dein Darlehensvertrag einen Tilgungssatzwechsel vorsieht. Üblich sind ein bis drei kostenlose Wechsel während der Zinsbindung in einem Korridor von z. B. 1 bis 5 %. Was passiert, wenn ich nur 1 % tilge? Bei 1 % Anfangstilgung und 3,75 % Sollzins läuft das Darlehen rund 42 Jahre. Daher empfiehlt sich diese Variante höchstens bei sehr niedrigem Zinsniveau – im aktuellen Markt ist sie nicht mehr zeitgemäß. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.