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Anlagehorizont: Langfristige vs. kurzfristige Anlagestrategien

Vielleicht hattest du die folgende Situation in ähnlicher Weise auch schon einmal. Dir wird eine gewisse Summe Geld vererbt oder du siehst, dass sich auf deinem Sparkonto mittlerweile einige Euro angesammelt haben. Da du nicht untätig sein und das Beste aus dem verfügbaren Kapital herausholen möchtest, denkst du über unterschiedliche Investments nach. In diesem Zusammenhang taucht bald schon die Frage auf, ob die Anlage tendenziell eher kurz- oder langfristig ausgerichtet sein soll. Genau hiermit beschäftigt sich auch dieser Ratgeber und versucht, dich bei deiner Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Warum überhaupt investieren?

Manch einer könnte den Status Quo einfach Status Quo sein lassen und sich um die Geldanlage nicht weiter kümmern. Natürlich ist auch dies in Ordnung, die sinnvollste Option wäre es jedoch nicht. Wieso? Das hat mit einem Begriff zu tun, der sich für viele unmittelbar im Alltag bemerkbar macht – die Rede ist von der Inflation. Besonders tückisch an ihr ist, dass sie sich nicht sichtbar auf den Kontostand niederschlägt. Vielmehr verliert das eigene Geld an Kaufkraft. Die Güter werden teurer, das Vermögen unverzinst allerdings nicht mehr. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug die Inflation im September 2023 noch immer 4,5% und war damit nach wie vor deutlich über dem eigentlich angestrebten Niveau der EZB von 2%. Das zeigt eindrücklich, dass ein Handeln beinahe unumgänglich ist, sofern man die unsichtbaren Verluste nicht ohne Weiteres hinnehmen möchte.

Was heißt kurz- und langfristig eigentlich?

Eine in Stein gemeißelte Definition gibt es als Antwort auf diese Frage nicht. Allerdings werden diesbezüglich immer wieder dieselben Zeiträume genannt, weshalb sie zunächst als gute Orientierung dienen können. Meist spricht man dann von einer kurzfristigen Anlage, wenn diese maximal zwei Jahre beibehalten werden soll. Mittelfristig ausgerichtet ist ein Investment hingegen bei einer Laufzeit von zwei bis fünf Jahren. Alles, was darüber angesiedelt ist, darf unter die Eigenschaft langfristig subsumiert werden. Was für wen letzten Endes am besten geeignet scheint, muss stets vor dem Hintergrund der individuellen Rahmenbedingungen entschieden werden. Zu diesen gehören unter anderem der Anlagehorizont, die Investitionssumme, aber natürlich auch Dinge wie die beabsichtigte Rendite und das Risiko.

Das Wichtigste zu kurzfristigen Anlagestrategien

Planst du bereits jetzt, dein Kapital in spätestens zwei Jahren wieder für Anschaffungen jedweder Art zu benötigen, sollte deine bis dato laufende Investition vor allem liquide sein. Dies ist deshalb so wichtig, als dass du damit sicherstellst, nicht zu ungünstigen Zeitpunkten verkaufen und dadurch eventuell Verluste realisieren zu müssen. Achte demnach bei kurzfristigen Anlageformen darauf, dass du möglichst jederzeit auf dein Geld zugreifen kannst. Überdies bietet es sich immer an, einen Notgroschen in Höhe von bis zu drei Monatsgehältern bereitzuhalten, der dich im Fall der Fälle über Wasser halten kann, ohne dass du deine Investition ungeplant in Angriff nehmen musst.

Nun fragst du dich sicherlich, welche Möglichkeiten kurzfristiger Anlagen es gibt und wie sie sich wiederum voneinander unterscheiden. Die folgenden Abschnitte sollen genau das erläutern.

Sparbücher, Tagesgelder und Girokonten gelten als Investitionsformen mit kurzem bis sehr kurzem Anlagehorizont. Außerdem zeichnen sie sich durch ein im Vergleich zu anderen Alternativen auf dem Finanzmarkt besonders niedrigem Risiko aus. Im Gegenzug darfst du hier jedoch keine hohen Renditen erwarten, wenngleich die Zinssätze zuletzt wieder merklich angezogen haben. Sparbücher, Tagesgelder und Girokonten dienen vor allem zur Sicherstellung deiner Liquidität. Auf das Kapital kannst du demnach sehr flexibel zugreifen, weshalb es in erster Linie als Anlaufpunkt für die alltäglichen Anschaffungen geplant sein sollte.

Festgelder werden manchmal fälschlicherweise synonym zu den eben genannten Anlagemöglichkeiten genannt. Zwar stimmt es, dass auch hier das Risiko vergleichsweise niedrig ist. Auch die Rendite kann bei weitem nicht mit Investitionen in beispielsweise Aktien oder ETFs mithalten, ist aber in erster Linie von der gewählten Laufzeit abhängig. Je höher diese ist, desto mehr Zins darf der Sparer erwarten. In der Regel empfiehlt sich bei Festgeldern ein Anlagehorizont von ein bis maximal zwei Jahren. Wichtig zu berücksichtigen in diesem Zusammenhang ist der Umstand, dass die anfallenden Zinsen nicht ausbezahlt werden, sondern zum eingelegten Kapital hinzukommen. Auf diese Weise profitieren Anleger sogar noch vom berühmten Zinseszinseffekt. Vorteilhaft an Festgeldern ist außerdem die Tatsache, dass sich die Gewinne beziehungsweise die Rendite bereits im Vorhinein genau bestimmen lassen. Dank der gesetzlichen Einlagensicherung sind die Gelder pro Kunde und Bank bis zu einem Betrag von 100.000 Euro geschützt.

Wem Festgelder zu statisch sind, der kann mittlerweile auf eine gute Alternative in Form sogenannter Flexgelder zurückgreifen. Vereinfacht gesagt versteht man darunter Festgelder mit flexibler Komponente. Demnach ist eine Kontoauflösung schon während der Laufzeit und ohne zusätzliche Gebühren möglich. Damit eignen sich Flexgelder hervorragend für all jene, die bei niedrigem Risiko zumindest ein wenig Rendite einfahren und gleichzeitig ein Höchstmaß an Flexibilität beibehalten wollen. Einziger Nachteil dabei sind die etwas niedrigeren Zinsen. Wie so oft bietet sich an dieser Stelle ein Vergleich zwischen den unterschiedlichen Anbietern an, um die bestmöglichen Konditionen für sich herauszuschlagen.

Hin und wieder kann es vorkommen, dass man Geld auf absehbare Zeit nicht benötigt, weil sich der Lebensstandard aus dem laufenden Einkommen gut finanzieren lässt. Dann sollte über langfristige Investmentmöglichkeiten nachgedacht werden. Alles, was es dazu zu erwähnen gibt, haben wir in den nächsten Abschnitten für dich zusammengefasst.

Das Wichtigste zu langfristigen Anlagestrategien

Prinzipiell gilt, dass du umso risikoreicher agieren kannst, je länger dein Investmenthorizont ist. Über lange Zeit gleichen sich etwa Schwankungen an den Börsen aus. Natürlich solltest du das nur dann in Erwägung ziehen, wenn du dich mit deinem Portfolio wohl fühlst. Letztlich kommt es bei der Geldanlage immer auf die individuellen Umstände an.

Wenn du also schon heute weißt, dass in den kommenden Jahren keine großen Anschaffungen bevorstehen, kann sich ein Blick auf die Börse allemal lohnen. Historisch betrachtet lassen sich dort die besten Renditen erzielen, gleichwohl das einhergehende Risko immer wieder betont werden muss. Dank eines langfristigen Horizonts lässt sich letztgenanntes aber vergleichsweise gut managen. Welche Chancen konkret auf dich warten, verraten wir dir jetzt.

Aktien und in besonderem Maße ETFs konnten in den vergangenen Jahren stark an Popularität zulegen. Einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung dürften die soliden Performances der Anlageklassen haben. Gleichzeitig ist klar, dass es auch an den Börsen nicht dauerhaft in eine Richtung gehen wird. Um sich für eventuell herausfordernde Zeiten zu wappnen, spielt das Thema Diversifikation bei Aktien und ETFs als langfristigen Investments daher eine bedeutende Rolle. Darunter versteht man die Aufteilung des Kapitals auf unterschiedliche Titel, um auf diese Weise das Risiko zu reduzieren. Außerdem lässt sich die Volatilität deiner Anlagen dadurch besser kontrollieren.

Übrigens gibt es auch einen nicht zu unterschätzenden Unterschied zwischen ETFs auf der einen und Aktienfonds auf der anderen Seite. Die sogenannten Exchange Traded Funds warten mit besonders niedrigen Gebühren von meist unter 0,5% pro anno auf und bilden einen beliebigen Index automatisch ab. Vor allem für Anfänger bietet sich diese Form der langfristigen Geldanlage an. Möchtest du stattdessen die Chancen auf höhere Renditen wahren, musst du ein größeres Risiko eingehen. Umsetzen lässt sich dies unter anderem durch den Kauf von Einzelaktien. Beachte bei dieser Vorgehensweise jedoch, dass bereits eine gewisse Portion Erfahrung und Vorwissen hinsichtlich der Aktienmärkte vonnöten ist.

Als weitere langfristige Anlagemöglichkeit gelten Anleihen, die aufgrund schwacher Verzinsungen in den vergangenen Jahren aber deutlich an Beliebtheit einbüßen mussten. Auch hier gilt, ähnlich wie schon bei Festgeldern, dass der Zinssatz in der Regel mit der Laufzeit ansteigt. Im Kontext der Anleihen ist zudem immer ein Blick auf den Emittenten zu werfen, von dem beispielsweise bei schwacher Bonität ein gewisses Risiko ausgehen kann. Ein gutes Beispiel dafür sind Staatsanleihen. Deutsche Staatsanleihen werden aufgrund der wirtschaftlichen Stabilität des Landes sehr gering verzinst, das Ausfallrisiko ist schließlich äußerst niedrig. Gänzlich anders ist die Lage zu bewerten, wenn du etwa Staatsanleihen eines Entwicklungslandes kaufst. Hier kannst du regelmäßig eine deutlich höhere Verzinsung erwarten, gehst aber auch ein wesentlich höheres Risiko ein.

Beispiele für kurzfristige Anlagestrategien

Bislang wurde im Wesentlichen aufgezählt, welche Investitionsformen für die kurzfristige Geldanlage infrage kommen. Daneben kannst du aber beispielsweise auch an der Börse kurzfristig handeln. Dies wird unter anderem mittels der nachfolgenden Strategien umgesetzt.

Day-Trading: Hierbei geht es um das sehr kurzfristige Handeln mit Wertpapieren und Derivaten. Die Zeitspanne beläuft sich dem Namen nach auf einen einzigen Tag. Anleger kaufen und verkaufen beim Day-Trading ihre Positionen also innerhalb eines Handelstages. Die Herangehensweise ist allerdings mit hohem Risiko verbunden und sollte nur von erfahrenen Investoren durchgeführt werden. Oft gibt es zu Beginn außerdem Demokontos.

Momentum-Strategie: Bei dieser werden Wertpapiere nach dem Motto „the trend is your friend“ gekauft beziehungsweise umgekehrt verkauft. Man setzt in gewisser Weise also auf Schwarmintelligenz, weshalb bei der Momentum-Strategie auch vom prozyklischen Investieren die Rede ist. Gekauft werden Titel, die zuletzt gut liefen, verkauft hingegen solche, die jüngst eine schwache Entwicklung hingelegt haben. Zwar kann sich ein Trend über längere Zeit halten, oftmals ist die Momentum-Strategie allerdings kurzfristig ausgerichtet.

Scalping: Wer diesen Ansatz anwendet, darf zweifelsfrei zu den aktivsten Tradern überhaupt gezählt werden. Das Scalping kann als Steigerungsform des Day-Trading verstanden werden, denn hier können Positionen bereits Sekunden nach ihrer Eröffnung wieder geschlossen werden. Das Ziel besteht dabei darin, schon von kleinsten Kursbewegungen zu profitieren. Da diese jedoch nur kleine Gewinne versprechen, braucht es eine entsprechend hohe Anzahl an Trades, um mit Scalping Geld zu verdienen.

Swingtrading: Der für diese Strategie maßgebende Zeitraum beläuft sich in vielen Fällen auf mehrere Tage bis wenige Wochen. Das Swingtrading darf noch zu den aktiven und kurzfristigen Anlagestrategien gezählt werden, ist aufgrund dem im Vergleich zum Daytrading oder gar dem Scalping wesentlich geringeren Zeitraum aber durchaus auch für Berufstätige eine Überlegung wert. Selbst der technische Aufwand ist nicht sonderlich hoch, eine Chartsoftware sowie ein guter Broker reichen in der Regel aus. Gehandelt werden kann von klassischen Aktien bis hin zu Devisen und diversen Rohstoffen alles. Auch hier wird versucht, Gewinne durch das kurzfristige Ausnutzen von Preisschwankungen an den Märkten zu generieren.

Beispiele für langfristige Anlagestrategien

Grundsätzlich gilt an der Börse, dass sich das Risiko einzelner Investments reduzieren lässt, je länger diese gehalten werden. Natürlich trifft dies nicht immer zu. Trotzdem versuchen viele Anleger genau aus diesem Grund, ihre Positionen für einen gewissen Zeitraum beizubehalten. In der Vergangenheit haben sich zudem einige langfristige Herangehensweisen bewährt, die nun kurz vorgestellt werden sollen.

Value-Investing: Dieser Ansatz basiert vor allem auf der Fundamentalanalyse und zielt auf das Auffinden von unterbewerteten Wertpapieren ab. Um solche Titel identifizieren zu können, berechnen Anhänger des Value-Stils unterschiedlichste Kennzahlen, unter anderem das PE-Ratio sowie die Eigenkapitalrendite eines Unternehmens oder stellen ganze Discounted Cash Flow Modelle auf. Auf deren Basis erhalten sie dann einen konkreten Wert der Aktie, der mit dem tatsächlichen Preis verglichen wird. Da es Zeit in Anspruch nehmen kann, bis sich ein Titel seinem subjektiv errechneten Wert annähert, darf das Value-Investing definitiv in die langfristig ausgerichteten Strategien eingeordnet werden. Wichtig ist anzumerken, dass eine Aktie auch dauerhaft über oder unter dem sogenannten inneren Wert notieren kann.

Growth-Investing: Mit dieser Herangehensweise versuchen Investoren, vielversprechende Aktien wachstumsstarker Unternehmen möglichst früh zu erwerben, um im Anschluss von potenziell kräftigen Kurssteigerungen zu profitieren. Die fundamentale Situation einer Firma steht dabei nicht so sehr im Vordergrund, deutlich wichtiger sind dagegen die Zukunftsaussichten.

Die Erwartungen der Anleger wiederum können jedoch zu klaren Übertreibungen hinsichtlich der Bewertung führen, an deren Ende mitunter schmerzhafte Kursabstürze stehen, sofern das

Unternehmen die Prognosen doch nicht erfüllen kann. Prinzipiell eignet sich die Wachstumsstrategie daher für risikoaverse Investoren weniger. Manchmal bedarf es aber auch einfach nur Zeit, bis sich der Kandidat entwickelt und sein Potenzial entfaltet. Geduld braucht es beim Growth-Investing also allemal.

Buy-and-Hold-Strategie: Einer der legendärsten Investoren aller Zeiten und zugleich reichsten Männer der Welt, Warren Buffett, ist genau mit dieser Vorgehensweise sehr vermögend geworden. Geschafft hat er dies aber selbstverständlich nicht von heute auf morgen, sondern indem er seine Beteiligungen für Jahre und teilweise Jahrzehnte gehalten hat. Das wiederum ist vereinfacht gesagt auch der Kern der Buy-and-Hold-Strategie. Ein Anleger kauft qualitativ hochwertige Aktien, die er dann langfristig im Portfolio hält, und zwar weitgehend ungeachtet von temporären Kursschwankungen.

Das Fazit am Ende

Die vorgenannten Strategien sind lediglich ein kleiner Ausschnitt von Ansätzen, die an der Börse angewandt werden können. Ob man sich mit langfristigen oder kurzfristigen Herangehensweisen wohler fühlt, ist immer eine individuelle Ermessensentscheidung. Denkbar ist natürlich auch, Ansätze zu mischen und ein Portfolio somit beispielsweise mit Wertpapieren zu bestücken, die einerseits der Growth-Strategie, andererseits der Value-Strategie entstammen.

Hinweis: Trotz gewissenhafter Recherche kann die Richtigkeit und Aktualität der Angaben nicht garantiert werden.

Autor
Über den Autor Tim Krupka

Tim Krupka beschäftigt sich bereits seit seinem 14. Lebensjahr leidenschaftlich mit Themen rund um Finanzen, Aktien und Börse. Um diesem Interesse nachzugehen und weiteres Wissen zu generieren, studiert er seit 2022 Betriebswirtschaftslehre. Für CAPITALO schreibt er am liebsten über diverse Geldanlagemöglichkeiten und hat dabei stets die Bedürfnisse der Verbraucher im Blick.

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