Welche Faktoren bestimmen die Kreditkosten?

In Form von Angeboten wie einer 0-Prozent-Finanzierung haben sich Kredite im Einzelhandel zu einer selbstverständlichen Form der Konsumfinanzierung entwickelt. Dabei sind zwei Bereiche zu unterscheiden: Der Ratenkredit, den Verbraucher bei einer Bank direkt aufnehmen, und Finanzierungen, welche direkt über den Händler bei dessen Partnerbanken beantragt werden. Egal, welche der beiden Optionen in Erwägung gezogen wird: Der Zinssatz spielt in der Entscheidung des Verbrauchers immer eine Rolle.

Aktuell befinden wir uns in einer Zeit der Niedrigzinspolitik. Die Zentralbanken verleihen Geld zu extrem günstigen Konditionen an Banken – was letztendlich auch Kredit- und Anlagezinsen beeinflusst. Entsprechend der Zinsstatistik der Bundesbank ist der durchschnittliche Zinssatz für Wohnungsbaukredite in den letzten fünf Jahren von 2,27% (August 2015) auf 1,82% gefallen (Februar 2020).  Das macht die aktuelle Phase auch zu einer guten Zeit für die Investition in Immobilien.

Doch wie viel ein Kreditnehmer letztlich an Zinsen aufbringen muss, lässt sich pauschal nicht immer vorab einschätzen. Der Grund: Die Zinsgestaltung kann seitens der Kreditgeber durchaus recht individuell gehandhabt werden. Welche Faktoren haben auf jeden Fall Einfluss auf die Kreditzinsen? Und wie gehen Verbraucher mit diesem Wissen um?

Die Zinspolitik des Anbieters

Die Gestaltung der Kreditzinsen ist grundsätzlich Sache der Banken. Aber: Einige Einflussfaktoren spielen häufig eine Rolle. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung der Leitzinsen. Letztere werden für Europa über die EZB vorgegeben. Hintergrund: Der Leitzins beeinflusst Kosten, welche den Banken für die Kapitalbeschaffung entstehen. In Phasen eines niedrigen Leitzinssatzes ist daher mit tendenziell eher niedrigen Kreditzinsen zu rechnen.

Achtung: Diese Faustregel muss – je nach Kreditvariante – differenziert betrachtet werden. Gerade bei Immobilienkrediten sind die Entwicklungen bei den Pfandbriefen ein wichtiger Indikator für die Zinsverläufe.

Zur Höhe der Kreditzinsen für den einzelnen Verbraucher spielt die Geschäftspolitik der Banken eine wesentliche Rolle. Hintergrund: Heute sind zwei „Zinsmodelle“ gängige Praxis – und zwar:

  • Kredite mit bonitätsabhängigen Zinsen
  • Kredite mit für alle Kreditnehmer identischem Zins.

Welche Auswirkung hat dies in der Praxis? Ganz einfach: Bietet die Bank für alle Antragsteller einen identischen Zinssatz an, ist für alle der Kredit von vornherein planbar. Bei bonitätsabhängigen Zinsen kann es durchaus passieren, dass zwei Kreditnehmer einen völlig anderen Zinssatz „schlucken“ müssen.

Die so geforderten Zinsen der Kreditanbieter sind ein großer Faktor in den gesamtkosten eines Kredites, weshalb sie sich als Kriterium gut miteinander vergleichen lassen, um den optimalen Tarif zu finden. Diese Vergleiche sind unter anderem kostenlos online durchführbar und helfen dabei, die Vielzahl an verfügbaren Kreditinstituten leichter zu überschauen.

Wichtig: Wer Zinsen miteinander vergleichen will, sollte nicht den Nominalzins vergleichen. Hiermit geben Banken die eigentlichen Kosten der Geldleihe wieder. Wesentliche aussagekräftiger ist der effektive Zinssatz, in den bereits Preisaufschläge enthalten sind. Letzterer muss nach der Preisangabenverordnung veröffentlicht werden.

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Bonität: Einkommen & Kreditwürdigkeit

Die persönlichen Verhältnisse spielen für die Zinsgestaltung nicht immer aber oft eine wichtige Rolle. Warum betrachten Banken die Finanzen überhaupt so genau? Grundsätzlich ist es das Ziel der Kreditgeber, mit den Darlehen Geld zu verdienen. Banken besorgen sich – etwa über die Zentralbanken – Geld und verleihen dieses zu einem höheren Zins. Durch die Zinsschere erwirtschaften Banken einen Teil ihrer Gewinne.

Und natürlich haben die Kreditgeber immer ein Interesse daran, das verliehene Kapital wiederzusehen. Die Bewertung erfolgt über die Bonität / Kreditwürdigkeit. Hier spielen:

  • Einkommen
  • Verbindlichkeiten (bestehende Kreditschulden)
  • Lebenshaltung und Unterhalt
  • Zahlungsmoral

eine Rolle. Die Zahlungsmoral fasst das Verhalten als Kreditnehmer in der Vergangenheit zusammen – sprich hat der Antragsteller Darlehen bisher immer störungsfrei bedient oder nicht.

Wann steigt der Kreditzins?

Bonitätsabhängige Kreditzinsen verändern sich entsprechend der Bewertung der wirtschaftlichen Situation des Antragstellers. Warum? Die Höhe des Kreditzinses spiegelt an dieser Stelle die Einschätzung der Bank wider, wie hoch das Ausfallrisiko ist.

Bedeutet: Je höher der Zinssatz, umso schlechter schätzt die Bank die eigene Bonität ein.

Tipp: Sobald mit Darlehen geworben wird, muss der im repräsentativen Beispiel genannte Zins so gefasst sein, dass er zwei Drittel der zustande gekommenen Verträge widerspiegelt.

Auswirkungen auf den Kreditzins bei von der Bonität abhängigen Krediten haben:

  • hohe Unterhaltsleistungen
  • bestehende Kreditschulden
  • niedrige Eigenkapitalsummen.

Letzteres wirkt sich besonders bei Baugeld aus. Hier steigen die Zinssätze für Haushalte mit Vollfinanzierungswunsch oft sehr deutlich an.

Laufzeit: Niedrige Raten, aber hohe Kosten?

Neben der Person des Kreditnehmers kann auch das Darlehen selbst die Zinsen beeinflussen. Was bedeutet dies in der Praxis? Zu den individuellen Rahmenbedingungen jeder Kreditvergabe gehören Vereinbarungen zur Laufzeit. Je nach Kreditart kann diese variieren. Üblich sind:

  • für Konsumfinanzierungen (wenige tausend Euro) etwa 36 bis 48 Monate
  • für Kfz-Kredite bis zu 60 Monate (oft weniger)
  • für Immobilien 15 Jahre bis 20 Jahre.

Achtung: Baudarlehen werden nicht mit der Laufzeit angeben, sondern der Zinsbindungsfrist.

Aufgenommen werden können Kredite meist ab sechs Monaten bis 12 Monaten. Je nach Kreditsumme kann sich gerade bei kurzer Laufzeit eine erhebliche monatliche Tilgung ergeben. Aber: Zu weit sollte das Darlehen nicht gestreckt werden. Generell erheben Banken für hohe Laufzeiten einen Aufschlag beim Kreditzins. Es rechnet sich, Rate und finanziellen Spielraum nicht einfach pauschal, sondern gründlich aufeinander abzustimmen.

Sondertilgungen: Clever Zinsen sparen

Einige Rahmenbedingungen des Kreditvertrages – wie die Laufzeit oder die Darlehenshöhe – haben direkt Einfluss auf den Zinssatz. Diese Aspekte tauchen daher auch im angegebenen Effektivzins wieder auf. Allerdings gibt es in der Praxis den einen oder anderen Punkt, welche indirekt in den Zins einfließt. Die Rede ist von den sogenannten Sondertilgungen. Was ist darunter zu verstehen? Ratenkredite mit festem Zins werden entsprechend eines Tilgungsplans an die Bank zurückgeführt. Pro Jahr ist hier eine konkrete Tilgungsleistung vorgesehen.

Klauseln zur Sondertilgung erlauben dem Kreditnehmer, einen Teil der Kreditsumme außerhalb dieses Tilgungsplans zurückzuführen. Beispiel: In vielen Verträgen wie zum beim Immobilienkredit werden heute häufig Sondertilgungsmöglichkeiten zwischen fünf Prozent bis 10 Prozent eingeräumt. Wer als Kreditnehmer diese Option ausnutzt, kann den real über die gesamte Laufzeit verteilten Kreditzins indirekt beeinflussen:

  Darlehen ohne Sondertilgung Darlehen mit Sondertilgung
Betrag 30.000 Euro
Effektivzins 5,641 Prozent p. a.
Rate (p. Monat) 400 Euro
Sondertilgung 0 Euro p. a. 1.000 Euro p. a.
Laufzeit 7,68 Jahre 6,13 Jahre
Zinskosten (gesamte Laufzeit) ca. 6.844 Euro ca. 5.560 Euro

Abbildung 1: Beispielrechnung für die Wirkung von Sondertilgungen

Anhand des Rechenbeispiels wird deutlich, wie gravierend der Unterschied bereits bei Darlehenssummen im unteren fünfstelligen Eurobereich sein kann. Achtung: Für die in Deutschland eher selten an Verbraucher vergebenen Darlehen mit variablem Zins gelten andere Regeln. Diese dürfen in aller Regel von Haus aus über Sondertilgungen zurückgeführt werden – ohne gesonderte Vereinbarungen zu Sondertilgungsrechten.

0-Prozent-Finanzierung: Gibt’s die Kredite wirklich kostenlos?

Kredite kostenlos in Anspruch nehmen – auf den ersten Blick ein Traum. Experten warnen davor, diese sogenannten 0-Prozent-Finanzierungen falsch zu bewerten. Auf der einen Seite handelt es sich hierbei um ein Konstrukt, dass im Fall einer Retoure oder Reklamation Stolperfallen beinhalten kann. Auf der anderen Seite wird von Verbrauchern teilweise übersehen, was Handel und Banken mit diesen Angeboten kombinieren.

Ein Klassiker ist die Restschuldversicherung. Diese sorgt dafür, dass eine 0-Prozent-Finanzierung am Ende doch teuer wird. Gleiches gilt für zusätzliche Produkte, welche dem Verbraucher über diese Sonderfinanzierung angeboten werden. Bemängelt wird zudem die Tatsache, dass diese Form der Finanzierung schnell zu unüberlegten Einkäufen verleitet – welche in der Folge zum Problem werden. Und eine 0-Prozent-Finanzierung kann davon ablenken, dass der Preis fürs gleiche Produkt bei anderen Anbietern günstiger ist.

Bild: Die EZB in Frankfurt entscheidet über den Leitzins – doch das ist nur einer von vielen Faktoren. Quelle: Charlotte Venema © Unsplash.com

Fazit: Augen auf bei den Kreditkosten

Kredite sind willkommen Finanzspritzen, um Konsumentscheidungen nicht auf die lange Bank schieben zu müssen. Und im Fall der Baufinanzierung wäre das Projekt ohne Darlehen in der Regel nicht denkbar. Die Kosten für Kredite werden durch ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen beeinflusst. Neben der Bonität spielt zum Beispiel die Laufzeit eine Rolle. Zudem hat die Kredithöhe Einfluss auf die Kosten des Finanzierungsprojekts. Wer als Verbraucher immer die richtige Entscheidung treffen will, kann am Ende nur eines tun: Die Angebote verschiedener Banken vergleichen. Nur über den Effektivzins ist es möglich, nach günstigen Darlehen Ausschau zu halten. Durch einen geschickten Vergleich lässt sich in vielen Fällen jedoch ein wirklich großes Sparpotenzial nutzen.

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Alexander Senger ist Geschäftsführer und verantwortet die Online-Marketing von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 2008 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale.

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