Finanzlexikon

Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.

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3D-Secure

3D-Secure ist das Verfahren, mit dem du eine Online-Zahlung mit Kredit- oder Debitkarte zusätzlich bei deiner Bank bestätigst. Hier erfährst du, wann die Freigabe Pflicht ist, wann sie fehlen darf und wer bei Missbrauch haftet. Was du über 3D-Secure wissen musst 🔐 Was es ist: 3D-Secure lässt dich eine Online-Kartenzahlung bei deinem Kartenherausgeber bestätigen, zum Beispiel in der App deiner Bank per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder PIN. ⚖️ Pflicht: Deine Bank muss bei einer Online-Zahlung eine starke Kundenauthentifizierung mit zwei unabhängigen Faktoren verlangen, sofern keine gesetzliche Ausnahme greift (§ 55 ZAG). 💳 Ausnahme Kleinbetrag: Bei Online-Zahlungen bis 30 Euro darf deine Bank auf die Freigabe verzichten, solange seit der letzten Freigabe höchstens 100 Euro oder, je nach Zählweise der Bank, fünf solcher Zahlungen zusammengekommen sind. ⚠️ Haftung: Verlangt deine Bank keine starke Kundenauthentifizierung, haftest du für eine missbräuchliche Zahlung nicht, außer du hast in betrügerischer Absicht gehandelt (§ 675v Abs. 4 BGB). Du bestellst online, gibst deine Kartendaten ein, und dann meldet sich die App deiner Bank: Zahlung bestätigen? Das ist 3D-Secure. Die Abfrage soll sicherstellen, dass wirklich du bezahlst und nicht jemand, der nur deine Kartennummer und die Prüfziffer kennt. Was ist 3D-Secure? 3D-Secure ist ein Sicherheitsprotokoll für Kartenzahlungen, bei denen die Karte nicht vorgelegt wird, also beim Online-Shopping und in Apps. Beim Bezahlen übermittelt der Händler Daten zur Zahlung, zur Karte und zu deinem Gerät an deinen Kartenherausgeber. Der Herausgeber prüft diese Daten und entscheidet, ob er die Zahlung ohne Rückfrage zulässt oder eine Bestätigung von dir verlangt. Das „3-D“ steht für drei Domänen, die an jeder Prüfung beteiligt sind: der Händler mit seinem Zahlungsdienstleister, dein Kartenherausgeber und dazwischen das Kartennetzwerk, etwa Visa oder Mastercard. Der aktuelle Standard heißt EMV 3-D Secure und wird vom Standardisierungsgremium EMVCo gepflegt. 3D-Secure gilt nicht nur für Kreditkarten. Auch Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Funktion nutzen das Verfahren für Online-Zahlungen. Wie sich die beiden Kartenarten sonst unterscheiden, zeigt dir unser Ratgeber Debitkarte und Kreditkarte im Vergleich. So läuft eine Freigabe mit 3D-Secure ab 1 Kartendaten eingeben Du gibst im Checkout Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfziffer ein. Laut BaFin genügen diese Angaben allein für eine Online-Zahlung nicht, außer deine Bank nutzt eine Ausnahme. 2 Daten gehen an deine Bank Der Händler schickt die Zahlungsdaten über das Kartennetzwerk an deinen Kartenherausgeber, also an die Bank, die deine Karte ausgegeben hat. 3 Deine Bank entscheidet Sie prüft das Risiko. Greift eine gesetzliche Ausnahme, kann sie die Zahlung ohne Rückfrage durchlassen. Sonst fordert sie eine Freigabe an. 4 Du bestätigst Du nutzt zwei voneinander unabhängige Faktoren aus drei Kategorien: Wissen (PIN, Passwort), Besitz (registriertes Smartphone) oder Inhärenz (Fingerabdruck, Gesicht). So definiert es § 1 Abs. 24 ZAG. Eine echte Freigabe zeigt dir Betrag und Empfänger der Zahlung an. Das schreibt Art. 5 der EU-Verordnung 2018/389 vor, und der Freigabecode gilt nur für genau diesen Betrag und diesen Händler. Stimmen Betrag oder Händler nicht mit deinem Einkauf überein, brich ab. Genau das rät auch die BaFin. Visa Secure, Mastercard Identity Check, SafeKey: ein Verfahren, drei Namen Die Kartennetzwerke vermarkten 3D-Secure unter eigenen Namen. Technisch steckt überall der Standard EMV 3-D Secure dahinter. Kartennetzwerk Name des Verfahrens Hinweis Visa Visa Secure löste „Verified by Visa“ ab Mastercard Mastercard Identity Check hieß früher „Mastercard SecureCode“ American Express American Express SafeKey Karten sind laut Anbieter automatisch freigeschaltet Quellen: Visa Deutschland, Mastercard Deutschland, American Express Deutschland. Stand: September 2026. Wie du freigibst, legt deine Bank fest, nicht das Netzwerk: per App mit Fingerabdruck, per SMS-Code oder mit Teilen deiner Karten-PIN. Was die Netzwerke sonst trennt, zeigen die Unterschiede zwischen Visa und Mastercard. Ist 3D-Secure Pflicht? Das Gesetz schreibt nicht 3D-Secure vor, sondern eine starke Kundenauthentifizierung. Nach § 55 Abs. 1 ZAG muss dein Zahlungsdienstleister sie verlangen, wenn du eine elektronische Zahlung auslöst. Die Vorschrift setzt Art. 97 der EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 um. 3D-Secure ist das Protokoll, mit dem Händler und Banken diese Pflicht im Online-Handel umsetzen. So beschreibt es auch Visa für sein Programm Visa Secure. Die Detailregeln samt Ausnahmen stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389. Sie gilt seit dem 14. September 2019. Für Online-Kartenzahlungen setzte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA eine Umstellungsfrist bis zum 31. Dezember 2020. Seit dem Ende dieser Frist gilt die Pflicht auch beim Online-Einkauf mit Karte ohne Aufschub. Ob du deine Karte einmalig für 3D-Secure registrieren musst, legt dein Kartenherausgeber fest. Mastercard verweist dafür auf die jeweilige Bank, American Express schaltet seine Karten automatisch frei. Wann du ohne Freigabe zahlst Nicht jede Online-Zahlung löst eine Freigabe aus. Die EU-Verordnung 2018/389 erlaubt deiner Bank Ausnahmen, für Online-Käufe zählen vor allem vier: Kleinbeträge: Eine Online-Zahlung bis 30 Euro darf ohne Freigabe laufen, solange seit der letzten Freigabe je nach Zählweise deiner Bank höchstens 100 Euro oder höchstens fünf solcher Zahlungen zusammengekommen sind. Wird die Grenze überschritten, verlangt die Bank wieder eine Freigabe, sofern keine andere Ausnahme greift. Vertrauenswürdige Empfänger: Bietet deine Bank eine Liste vertrauenswürdiger Empfänger an, darf sie Zahlungen an Händler auf dieser Liste ohne Freigabe durchlassen. Das Anlegen und Ändern der Liste verlangt selbst eine starke Kundenauthentifizierung, und nur du kannst Einträge vornehmen, nicht der Händler. Risikoanalyse: Stuft deine Bank eine Online-Zahlung nach einer Echtzeit-Prüfung als risikoarm ein, darf sie auf die Freigabe verzichten. Das geht nur bis zu festen Betragsgrenzen und nur, solange die Betrugsquote der Bank unter einer gesetzlichen Obergrenze liegt. Ungewöhnliches Kaufverhalten, ein ungewöhnlicher Ort oder Schadsoftware schließen die Ausnahme aus. Vom Händler ausgelöste Zahlungen: Richtest du ein Abo mit Karte ein, bestätigst du beim Einrichten. Die späteren Abbuchungen löst der Händler selbst aus, ohne dass du etwas tust, und sie brauchen keine erneute Freigabe. Dasselbe Prinzip gilt für die Lastschrift im Internet. Alle Ausnahmen sind Kann-Regeln. Deine Bank darf trotzdem jedes Mal eine Freigabe verlangen. Über eine Ausnahme entscheiden die beteiligten Zahlungsdienstleister, nie der Händler selbst. Rechtsgrundlage: Art. 13, 16 und 18 der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389; EBA-Auslegungen 2018_4031, 2018_4128 und 2019_4785. Stand: September 2026. Wer haftet, wenn trotzdem Geld abgebucht wird? Hast du eine Zahlung nicht ausgelöst, muss deine Bank sie spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach deiner Meldung erstatten. Das gilt nicht, wenn sie der Aufsicht schriftlich einen begründeten Betrugsverdacht gegen dich meldet (§ 675u BGB). Ob du einen Teil des Schadens trägst, regelt § 675v BGB: Situation Deine Haftung Rechtsgrundlage Karte verloren, gestohlen oder missbraucht, ohne grobe Pflichtverletzung von dir höchstens 50 Euro § 675v Abs. 1 BGB Deine Bank hat keine starke Kundenauthentifizierung verlangt, etwa weil sie eine Ausnahme genutzt hat 0 Euro, außer bei Betrugsabsicht § 675v Abs. 4 BGB Missbrauch nach deiner Sperrmeldung 0 Euro, außer bei Betrugsabsicht § 675v Abs. 5 BGB Betrugsabsicht oder vorsätzliche beziehungsweise grob fahrlässige Verletzung deiner Sorgfaltspflichten gesamter Schaden § 675v Abs. 3 BGB Rechtsgrundlage: §§ 675l, 675u, 675v, 675w und 676b BGB, umgesetzt aus Art. 69 bis 74 PSD2. Stand: September 2026. Die Regel aus § 675v Abs. 4 BGB zeigt, warum 3D-Secure auch dich absichert: Verzichtet deine Bank auf die Freigabe, trägt sie das Risiko, und die 50 Euro Selbstbeteiligung entfallen. Bestreitest du eine Zahlung, muss die Bank die korrekte Authentifizierung beweisen. Eine aufgezeichnete Freigabe allein beweist nach § 675w BGB noch keine grobe Fahrlässigkeit, dafür braucht die Bank weitere Beweismittel. Melde eine fremde Zahlung sofort. Spätestens 13 Monate nach dem Tag der Belastung sind deine Ansprüche ausgeschlossen, sofern deine Bank dich über die Zahlung informiert hat (§ 676b BGB). Wie du deine Karte schnell sperrst, zeigt dir der Ratgeber Karte sofort sperren. Wo 3D-Secure schützt und wo nicht 3D-Secure schützt dich wenn jemand deine Kartennummer und Prüfziffer ausgespäht hat: Verlangt deine Bank eine Freigabe, reichen die Daten allein nicht für eine Online-Zahlung wenn ein Shop den Betrag nachträglich ändern will: Der Freigabecode gilt nur für den angezeigten Betrag und Händler wenn deine Bank auf die Freigabe verzichtet: Dann liegt das Missbrauchsrisiko bei ihr, nicht bei dir 3D-Secure schützt dich nicht wenn du selbst eine Zahlung freigibst, die du nicht ausgelöst hast, etwa weil ein angeblicher Bankmitarbeiter am Telefon darum bittet bei Abo-Folgebuchungen, die der Händler nach deiner ersten Freigabe selbst auslöst bei Händlern, deren Zahlungsdienstleister außerhalb der EU sitzt: Er ist nicht an die EU-Regeln gebunden. Kann deine Bank keine Freigabe anfordern, entscheidet sie selbst, ob sie die Zahlung blockiert oder durchlässt und dann dafür haftet Wie Betrüger an Kartendaten und Freigaben kommen, zeigt der Ratgeber zu typischen Betrugsmaschen bei Kreditkarten. Gib nur eine Zahlung frei, deren Betrag und Händler du gerade selbst ausgelöst hast. Unsere Einschätzung: 3D-Secure ist lästig, wenn die App im falschen Moment klingelt. Aber es verschiebt das Risiko zu deinen Gunsten. Ohne deine Freigabe haftest du nur in engen Grenzen, und verzichtet die Bank darauf, trägt sie den Schaden. Lass die Benachrichtigungen deiner Banking-App aktiv, lies bei jeder Freigabe Betrag und Händler und brich ab, wenn etwas nicht passt. Wenn du eine neue Karte suchst, findest du die Angebote in unserem Überblick Kreditkarten im Vergleich. Häufige Fragen zu 3D-Secure Was versteht man unter 3-D Secure? 3-D Secure ist ein Sicherheitsprotokoll für Online-Kartenzahlungen. Dein Kartenherausgeber prüft die Zahlungsdaten und verlangt bei Bedarf eine Bestätigung von dir, zum Beispiel per App oder SMS-Code. Visa nennt das Verfahren Visa Secure, Mastercard nennt es Mastercard Identity Check. Ist 3-D Secure Pflicht? Pflicht ist die starke Kundenauthentifizierung: Nach § 55 ZAG muss deine Bank sie bei Online-Zahlungen verlangen, sofern keine Ausnahme greift. 3-D Secure ist das Verfahren, mit dem Kartenzahlungen diese Pflicht erfüllen. Die EU-Regeln gelten seit dem 14. September 2019, für Online-Kartenzahlungen nach einer Übergangszeit bis Ende 2020. Wie kann ich 3-D Secure aktivieren? Das hängt von deinem Kartenherausgeber ab. Manche Banken verlangen eine einmalige Registrierung der Karte, andere schalten sie automatisch frei, zum Beispiel American Express. Die Anleitung findest du auf der Website oder in der App deiner Bank. Gilt 3D-Secure auch für Debitkarten? Ja. Die Pflicht zur starken Kundenauthentifizierung gilt für elektronische Zahlungen allgemein. Debitkarten mit Visa- oder Mastercard-Funktion nutzen online dasselbe Verfahren wie Kreditkarten. Kann ich 3D-Secure deaktivieren? Nein. Deine Bank ist nach § 55 ZAG verpflichtet, bei Online-Zahlungen eine starke Kundenauthentifizierung zu verlangen. Verzichten darf nur sie, und nur in den gesetzlich erlaubten Ausnahmefällen, etwa bei Kleinbeträgen bis 30 Euro. Warum musste ich bei einem Online-Kauf nichts bestätigen? Dann hat deine Bank eine Ausnahme genutzt, etwa für einen Kleinbetrag, einen Händler auf deiner Liste vertrauenswürdiger Empfänger oder eine risikoarme Zahlung. Oder der Händler hat eine Abo-Folgebuchung ausgelöst. Hat deine Bank bei einer Zahlung, die du nicht autorisiert hast, keine starke Kundenauthentifizierung verlangt, haftest du nicht, außer bei Betrugsabsicht (§ 675v Abs. 4 BGB). Datenstand: September 2026 | Quellen: Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (§§ 1, 55 ZAG), Bürgerliches Gesetzbuch (§§ 675l, 675u, 675v, 675w, 676b BGB), Richtlinie (EU) 2015/2366 (PSD2), Delegierte Verordnung (EU) 2018/389, BaFin, Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), EMVCo, Visa, Mastercard, American Express. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

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Abgeltungssteuer

Die Abgeltungssteuer ist die pauschale Steuer auf deine Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Hier siehst du, wie sie berechnet wird und wann sie abgegolten ist. Was du über die Abgeltungssteuer wissen musst 💰 Steuersatz: 25 % auf Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer. Ohne Kirchensteuer sind das 26,375 %. 💵 Kirchensteuer: Bist du kirchensteuerpflichtig, kommen in Bayern und Baden-Württemberg meist 8 %, sonst 9 % hinzu. Weil sie die Kapitalertragsteuer senkt, liegt die Gesamtlast bei 27,82 % oder 27,99 %. 🏦 Abgeltung: Hat eine deutsche Bank die Steuer einbehalten, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt. Erträge ohne deutschen Steuerabzug, etwa bei einem ausländischen Broker, gibst du selbst in der Anlage KAP an. 💡 Zurückholen: Liegt dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 %, kann die Günstigerprüfung Steuer zurückbringen. Einen ungenutzten Sparerpauschbetrag holst du ebenfalls über die Anlage KAP nach. Die Abgeltungssteuer ist in Deutschland die Einkommensteuer auf private Kapitalerträge: eine Steuer mit festem Satz von 25 %, die deine Bank gleich vom Ertrag abzieht und an das Finanzamt abführt (§ 32d Abs. 1 EStG). Amtlich heißt sie Abgeltungsteuer, ohne Fugen-s. Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Der Name beschreibt die Wirkung: Mit dem Abzug an der Quelle ist die Einkommensteuer auf diese Erträge abgegolten (§ 43 Abs. 5 EStG). Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, von denen eine deutsche Bank die Steuer schon einbehalten hat, musst du in der Regel nicht mehr in die Steuererklärung schreiben. Was ist die Abgeltungssteuer, einfach erklärt? Die Abgeltungssteuer gilt für Kapitalerträge, die dir seit dem 1. Januar 2009 zufließen. Eingeführt wurde sie mit dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008. Seitdem besteuert der Staat Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapierverkäufen im Privatvermögen einheitlich mit 25 %, unabhängig von deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Deine Bank oder dein Broker arbeitet dabei wie ein Arbeitgeber bei der Lohnsteuer und behält die Steuer ein, bevor der Ertrag auf deinem Konto landet. Dieser Abzug heißt Kapitalertragsteuer (§ 43 EStG). Tatsächliche Kosten wie Depotgebühren kannst du nicht absetzen. Stattdessen gilt pauschal der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr, 2.000 € für zusammen veranlagte Ehepaare (§ 20 Abs. 9 EStG). Mit einem Freistellungsauftrag berücksichtigt ihn deine Bank schon beim Abzug. Wie hoch ist die Abgeltungssteuer? Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % des steuerpflichtigen Kapitalertrags. Auf diese Steuer kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % (§§ 3, 4 SolZG). Die Soli-Freigrenze bei der Einkommensteuer gilt hier nicht: Auf die Kapitalertragsteuer wird der Soli weiterhin erhoben. Ohne Kirchensteuer ergibt das 26,375 %. Bestandteil Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalertragsteuer 25,00 % 24,51 % 24,45 % Solidaritätszuschlag (5,5 % der Steuer) 1,375 % 1,35 % 1,34 % Kirchensteuer 0 % 1,96 % 2,20 % Gesamtbelastung 26,375 % 27,82 % 27,99 % Anteil am steuerpflichtigen Kapitalertrag, gerundet. Rechtsgrundlage: § 32d Abs. 1 EStG, §§ 3, 4 SolZG, Kirchensteuerbeschlüsse der Länder. Stand: September 2026. Warum mit Kirchensteuer keine 34 % herauskommen Die Kirchensteuer wird nicht einfach auf die 25 % aufgeschlagen. Das Gesetz senkt die Kapitalertragsteuer um ein Viertel der Kirchensteuer, die auf den Ertrag entfällt (§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG). So wird pauschal berücksichtigt, dass Kirchensteuer sonst als Sonderausgabe abziehbar wäre. Daraus ergibt sich die Formel: Kapitalertragsteuer = Ertrag ÷ (4 + Kirchensteuersatz), mit dem Kirchensteuersatz als Dezimalzahl, also 0,08 oder 0,09. Bei 9 % Kirchensteuer sinkt die Kapitalertragsteuer so auf 24,45 %, bei 8 % auf 24,51 %. Soli und Kirchensteuer werden danach auf diesen niedrigeren Betrag berechnet. Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge kannst du deshalb nicht noch einmal als Sonderausgabe absetzen. Ob 8 % oder 9 % gelten, hängt von deinem Wohnsitz ab. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer in der Regel 8 %, in den übrigen Bundesländern 9 %. Die Kirchensteuer behält deine Bank seit 2015 automatisch ein, die Religionszugehörigkeit fragt sie beim Bundeszentralamt für Steuern ab (§ 51a Abs. 2c EStG). Widersprichst du mit einem Sperrvermerk, bleibt die Kirchensteuerpflicht bestehen, und du musst deine Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben (§ 51a Abs. 2e EStG). Rechenbeispiel: 5.000 € Kapitalerträge im Jahr Angenommen, du erhältst in einem Jahr 5.000 € Zinsen und Dividenden bei einer deutschen Bank und hast dort einen Freistellungsauftrag über 1.000 € erteilt. Steuerpflichtig sind dann 4.000 €. Posten Ohne Kirchensteuer Mit 8 % Kirchensteuer Mit 9 % Kirchensteuer Kapitalerträge 5.000,00 € 5.000,00 € 5.000,00 € Steuerpflichtig nach Freistellungsauftrag 4.000,00 € 4.000,00 € 4.000,00 € Steuer gesamt (Kapitalertragsteuer, Soli, Kirchensteuer) 1.055,00 € 1.112,75 € 1.119,80 € Dir bleiben 3.945,00 € 3.887,25 € 3.880,20 € Eigene Berechnung nach § 32d Abs. 1 EStG und § 4 SolZG. Ohne Kirchensteuer: 1.000,00 € Kapitalertragsteuer und 55,00 € Soli. Mit Kirchensteuer rechnet die Bank jeden Bestandteil einzeln auf den Cent, Abweichungen von einem Cent sind möglich. Stand: September 2026. Welche Erträge unter die Abgeltungssteuer fallen Die Abgeltungssteuer erfasst Einkünfte aus Kapitalvermögen im Privatvermögen. Für Sparer und Anleger sind vier Arten wichtig: Zinsen auf Tagesgeld, Festgeld, Sparkonten und Anleihen. Wie das bei Tagesgeld konkret abläuft, erklärt der Ratgeber zu Steuern auf Tagesgeldzinsen. Dividenden aus Aktien und Ausschüttungen von Fonds. Kursgewinne beim Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen, unabhängig davon, wie lange du sie gehalten hast. Fondserträge einschließlich der Vorabpauschale. Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung, § 20 Abs. 1 InvStG). Wie das im Depot zusammenspielt, zeigt der Ratgeber zu Steuern im Depot. Übersteigen deine gesamten Einkünfte einschließlich der Kapitalerträge den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung des Finanzamts ganz vom Steuerabzug (§ 44a Abs. 2 EStG). Wie das für Kinder funktioniert, zeigt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung fürs Kinderdepot. Festgeld: In welchem Jahr die Zinsen steuerlich zählen Zinsen gelten in dem Jahr als zugeflossen, in dem sie fällig werden, nicht in dem Jahr, für das sie gezahlt werden (§ 11 Abs. 1 EStG, BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 242). Bei Festgeld mit Zinszahlung am Laufzeitende fällt deshalb der ganze Zinsertrag in ein einziges Steuerjahr. Ein Beispiel, vereinfacht ohne Zinseszins: Ein Festgeld bringt dir über drei Jahre 1.000 € Zinsen pro Jahr, andere Kapitalerträge hast du nicht. Werden die Zinsen jährlich ausgezahlt, deckt der Sparerpauschbetrag jedes Jahr die vollen 1.000 €, und es fällt keine Abgeltungssteuer an. Werden alle 3.000 € erst am Ende ausgezahlt, deckt er nur 1.000 €. Auf die übrigen 2.000 € fallen 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli an, mit Kirchensteuer etwas mehr. Achte beim Festgeld-Vergleich deshalb auch auf den Zinstermin. Mehr dazu, wie Festgeldzinsen besteuert werden, steht im Festgeld-Ratgeber. Verlustverrechnung: zwei Töpfe bei deiner Bank Verluste aus Kapitalvermögen darfst du nur mit Kapitalerträgen verrechnen, nicht mit deinem Gehalt oder anderen Einkünften (§ 20 Abs. 6 EStG). Die Bank erledigt das automatisch über sogenannte Verlustverrechnungstöpfe (§ 43a Abs. 3 EStG). Aktientopf: Verluste aus dem Verkauf von Aktien dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden. Allgemeiner Topf: Alle übrigen Verluste, etwa aus Fonds, ETFs oder Anleihen, darfst du mit allen Kapitalerträgen verrechnen, auch mit Zinsen, Dividenden und Aktiengewinnen. Ein Beispiel: Du hast 2.000 € Zinsen erhalten, dein Freistellungsauftrag ist schon ausgeschöpft, und du verkaufst eine Aktie mit 2.000 € Verlust. Der Aktienverlust darf die Zinsen nicht mindern. Die Bank behält 527,50 € Abgeltungssteuer und Soli auf die Zinsen ein und trägt den Aktienverlust ins nächste Jahr vor, bis ein Aktiengewinn dazukommt. Hast du Depots bei mehreren Banken, lassen sich Verluste nur über die Steuererklärung bankübergreifend verrechnen. Dafür brauchst du eine Verlustbescheinigung. Die beantragst du bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres bei der Bank, bei der der Verlust entstanden ist (§ 43a Abs. 3 Satz 5 EStG). Wie du zu viel gezahlte Abgeltungssteuer zurückholst Die Bank kennt nur ihre eigenen Konten, nicht dein übriges Einkommen. Deshalb fällt der Abzug manchmal zu hoch aus. Korrigieren lässt du ihn über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung, auf zwei Wegen. Die Werte dafür stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Überprüfung des Steuereinbehalts (§ 32d Abs. 4 EStG): Das Finanzamt rechnet einzelne Punkte nach, etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag, weil der Freistellungsauftrag bei der falschen Bank lag, noch nicht verrechnete Verluste oder ausländische Quellensteuer. Du gibst nur die betroffenen Erträge an. Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG): Das Finanzamt besteuert deine Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz statt mit 25 %, wenn das insgesamt zu einer niedrigeren Steuer führt. Nach der Faustregel der Finanzämter in Baden-Württemberg und Niedersachsen lohnt sich das, wenn dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 % liegt, zum Beispiel bei niedrigem Einkommen im Studium oder in der Rente. Ist die Günstigerprüfung erfolgreich, rechnet das Finanzamt auch den einbehaltenen Soli und die Kirchensteuer an. Führt dein persönlicher Steuersatz nicht zu einer niedrigeren Steuer, gilt der Antrag auf Günstigerprüfung als nicht gestellt, und es bleibt bei der Abgeltungssteuer (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rz. 150). Beantragen kannst du sie aber nur für alle Kapitalerträge des Jahres, als Ehepaar nur gemeinsam. Hast du ein Depot bei einem ausländischen Broker ohne deutschen Steuerabzug, ist die Anlage KAP ohnehin Pflicht. Wie das geht, erklärt der Ratgeber zur Anlage KAP bei ausländischen Brokern. Wann die Abgeltungssteuer gilt und wann nicht Hier greift die Abgeltungssteuer mit 25 % Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Privatvermögen, die dir seit 2009 zufließen Erträge bei einer deutschen Bank oder einem deutschen Broker: Abzug an der Quelle, die Steuer ist abgegolten Erträge bei einem ausländischen Broker: derselbe Satz von 25 %, aber du erklärst sie selbst in der Anlage KAP (§ 32d Abs. 3 EStG) Zinsen aus einem Privatdarlehen: meist ebenfalls 25 %, aber ohne Steuerabzug, deshalb gehören sie in die Anlage KAP Hier gelten andere Regeln Kapitalerträge im Betriebsvermögen, etwa auf dem Geschäftskonto von Selbstständigen: persönlicher Steuersatz, weil sie zum Gewinn zählen (§ 20 Abs. 8, § 43 Abs. 5 Satz 2 EStG) Zinsen von einer GmbH, an der du mit mindestens 10 % beteiligt bist: persönlicher Steuersatz, wenn die GmbH die Zinsen als Betriebsausgabe abzieht (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 EStG) Gewinne aus Kryptowährungen: privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG mit eigenen Regeln, siehe Krypto-Steuern Aktien, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und privat gehalten hast: Gewinne beim Verkauf sind steuerfrei, weil für sie noch die alte einjährige Spekulationsfrist gilt (§ 52 Abs. 28 Satz 11 EStG) Ein Grenzfall sind Fondsanteile, die du vor dem 1. Januar 2009 gekauft und seitdem privat gehalten hast. Anders als bei Einzelaktien sind deren Wertzuwächse ab 2018 steuerpflichtig, soweit der Gewinn 100.000 € übersteigt (§ 56 Abs. 6 InvStG). Diesen Freibetrag berücksichtigt die Bank nicht, du machst ihn über die Anlage KAP geltend. Unsere Einschätzung: Bei deutschen Banken läuft die Abgeltungssteuer automatisch, deine Stellschrauben liegen daneben. Verteile den Freistellungsauftrag nach deinen tatsächlichen Erträgen je Bank, achte beim Festgeld auf den Zinstermin und beantrage bei mehreren Depots die Verlustbescheinigung bis zum 15. Dezember. Blieb Freibetrag ungenutzt oder ist dein Einkommen niedrig, lohnt sich die Anlage KAP. Wenn du im Tagesgeld-Vergleich oder im Depot-Vergleich Angebote gegenüberstellst, rechne mit dem Ertrag nach Steuern. Häufige Fragen zur Abgeltungssteuer Was ist der Unterschied zwischen Kapitalertragsteuer und Abgeltungssteuer? Die Kapitalertragsteuer ist der Abzug, den deine Bank vom Kapitalertrag vornimmt (§ 43 EStG). Abgeltungssteuer meint den besonderen Steuersatz von 25 % für private Kapitalerträge (§ 32d EStG) und die Wirkung, dass mit dem Abzug die Einkommensteuer darauf erledigt ist. Im Alltag, auch bei den Finanzämtern, werden beide Begriffe gleichbedeutend verwendet. Wie bekomme ich die Abgeltungssteuer zurück? Über die Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung. Mit der Überprüfung des Steuereinbehalts rechnet das Finanzamt etwa einen ungenutzten Sparerpauschbetrag oder Verluste bei anderen Banken nach. Mit der Günstigerprüfung besteuert es alle Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz, falls das günstiger ist. Die Werte stehen in der Jahressteuerbescheinigung deiner Bank. Wann muss ich keine Abgeltungssteuer zahlen? Keine Abgeltungssteuer zahlst du, solange deine Kapitalerträge im Jahr den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Ehepaare 2.000 €) nicht übersteigen und deine Bank einen passenden Freistellungsauftrag hat. Übersteigen deine gesamten Einkünfte den Grundfreibetrag nicht, befreit dich eine NV-Bescheinigung vom Abzug. Wann muss man Abgeltungssteuer bezahlen? Sobald dir ein Kapitalertrag zufließt: bei Zinsen im Jahr ihrer Fälligkeit, bei Dividenden mit der Auszahlung, bei Kursgewinnen mit dem Verkauf. Eine deutsche Bank zieht die Steuer in diesem Moment ab, du musst nichts überweisen. Bei einem ausländischen Broker zahlst du sie erst mit dem Steuerbescheid nach deiner Steuererklärung. Heißt es Abgeltungssteuer oder Abgeltungsteuer? Beide Schreibweisen meinen dieselbe Steuer. Bundesfinanzministerium, Bundeszentralamt für Steuern und Finanzämter schreiben „Abgeltungsteuer“ ohne Fugen-s, so heißt auch das BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“. Im Alltag ist „Abgeltungssteuer“ deutlich häufiger. In diesem Lexikon steht die gebräuchliche Form, die amtliche nennen wir mit. Fällt auf Kryptowährungen Abgeltungssteuer an? Nein, derzeit nicht. Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen im Privatvermögen werden als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG behandelt. Verkaufst du innerhalb eines Jahres nach dem Kauf, zahlst du grundsätzlich deinen persönlichen Steuersatz, danach bleibt der Gewinn in der Regel steuerfrei. Stand: September 2026. Quellen: EStG, SolZG, InvStG, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025, Finanzverwaltungen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg, Bundeszentralamt für Steuern. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Anlage KAP

Die Anlage KAP ist das Steuerformular für deine Kapitalerträge. Hier siehst du, wann du sie abgeben musst, wann sie sich lohnt und was wohin gehört. Was du über die Anlage KAP wissen musst 📄 Was sie ist: Die Anlage KAP ist die Anlage zur Einkommensteuererklärung für Zinsen, Dividenden und Kursgewinne. Hat eine deutsche Bank die Abgeltungssteuer schon einbehalten, brauchst du sie in der Regel nicht. ⚠️ Pflicht: Hast du Kapitalerträge ohne deutschen Steuerabzug, etwa bei einem ausländischen Broker, musst du sie abgeben, auch wenn die Erträge unter dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € bleiben. Pflicht ist sie auch, wenn du kirchensteuerpflichtig bist und die Bank Kapitalertragsteuer, wegen eines Sperrvermerks aber keine Kirchensteuer einbehalten hat. 💰 Freiwillig lohnend: Blieb dein Sparerpauschbetrag ungenutzt oder hast du Verluste bei einer anderen Bank mit Verlustbescheinigung, holst du über die Anlage KAP zu viel gezahlte Steuer zurück. Liegt dein Grenzsteuersatz unter 26,375 %, kann zusätzlich die Günstigerprüfung Steuer sparen. 🏦 Drei Anlagen: Liegen Fonds oder ETFs in einem Depot ohne deutschen Steuerabzug, gehören ihre Erträge in die Anlage KAP-INV. Beteiligungen mit gesonderter Feststellung gehören in die Anlage KAP-BET. Die Anlage KAP ist die Anlage zur Einkommensteuererklärung, in der du Einkünfte aus Kapitalvermögen angibst: Zinsen, Dividenden, Gewinne aus Wertpapierverkäufen und die Steuern, die darauf schon einbehalten wurden. „KAP" steht für Kapitalvermögen. Du reichst sie zusammen mit deiner Steuererklärung ein, zum Beispiel elektronisch über ELSTER. Für die meisten Sparer und Anleger ist sie überflüssig. Hat deine deutsche Bank die Abgeltungssteuer von 25 % einbehalten, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge erledigt, und du musst sie in der Regel nicht erklären. Die Anlage KAP brauchst du, wenn der deutsche Steuerabzug fehlt oder zu hoch war. Was ist die Anlage KAP? Die Anlage KAP ist ein amtlicher Vordruck mit festem Aufbau. Oben stellst du Anträge, etwa auf Günstigerprüfung. Darunter folgen Kapitalerträge, von denen eine deutsche Bank schon Steuer abgezogen hat, dann Erträge ohne deutschen Steuerabzug. Am Ende stehen die Steuern, die bereits einbehalten wurden. So kann das Finanzamt sie auf deine Steuer anrechnen oder dir erstatten. Die Anlage KAP gilt nur für Kapitalerträge im Privatvermögen. Gehören Zinsen oder Dividenden zu einem Gewerbebetrieb, einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Vermietung, zählen sie zu diesen Einkünften (§ 20 Abs. 8 EStG). Wann du die Anlage KAP abgeben musst In zwei Fällen, die Privatanleger häufig betreffen, verpflichtet dich das Gesetz ausdrücklich zur Steuererklärung mit Anlage KAP, auch wenn du sonst keine Steuererklärung abgeben müsstest. Kapitalerträge ohne deutschen Steuerabzug Kapitalerträge, von denen keine Kapitalertragsteuer einbehalten wurde, musst du in der Steuererklärung angeben (§ 32d Abs. 3 EStG). Typische Fälle nennen die Finanzämter in Nordrhein-Westfalen: Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bei einem ausländischen Broker oder einer ausländischen Bank, weil ausländische Institute nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet werden können Zinsen aus einem Privatdarlehen Erstattungszinsen, die dir das Finanzamt auf eine Steuererstattung zahlt Die Steuer beträgt auch hier 25 %, das Finanzamt setzt sie mit dem Steuerbescheid fest. Laut amtlicher Anleitung zur Anlage KAP 2025 gilt die Erklärungspflicht auch dann, wenn diese Erträge unter dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € bleiben, für zusammen veranlagte Ehepaare 2.000 €. Im Ausland einbehaltene Quellensteuer lässt du über die Anlage KAP anrechnen. Wie du die Erträge eines ausländischen Brokers Schritt für Schritt einträgst, zeigt der Ratgeber zur Steuererklärung bei ausländischen Brokern. Kirchensteuer nicht einbehalten Bist du kirchensteuerpflichtig, zieht deine Bank die Kirchensteuer normalerweise automatisch mit ab. Hast du beim Bundeszentralamt für Steuern einen Sperrvermerk beantragt, erfährt die Bank deine Religionszugehörigkeit nicht und behält keine Kirchensteuer ein. Dann musst du für jedes Jahr, in dem Kapitalertragsteuer einbehalten wurde, eine Steuererklärung abgeben (§ 51a Abs. 2e EStG). In der Anlage KAP 2025 kreuzt du dafür Zeile 6 an und trägst die einbehaltene Kapitalertragsteuer und den Solidaritätszuschlag ein. Seltener sind weitere Pflichtfälle aus der amtlichen Anleitung, etwa Zinsen aus einem Darlehen an eine Kapitalgesellschaft, an der du mit mindestens 10 % beteiligt bist. Zieht die Gesellschaft die Zinsen als Betriebsausgabe ab, versteuerst du sie mit deinem persönlichen Steuersatz statt mit 25 % (§ 32d Abs. 2 EStG). Wann sich die Anlage KAP freiwillig lohnt Deine Bank sieht nur ihre eigenen Konten. Deshalb behält sie manchmal mehr Steuer ein, als du schuldest. Über die Anlage KAP lässt du das mit zwei Anträgen korrigieren, die du unabhängig voneinander stellen kannst. Überprüfung des Steuereinbehalts Mit diesem Antrag rechnet das Finanzamt nur die betroffenen Erträge nach, nicht alle (§ 32d Abs. 4 EStG). In der Anlage KAP 2025 steht er in Zeile 5. Typische Anlässe: Dein Sparerpauschbetrag blieb ungenutzt, weil der Freistellungsauftrag fehlte oder bei der falschen Bank lag. Du hast Verluste bei einer Bank und Gewinne bei einer anderen. Die Banken verrechnen das nicht untereinander. Ausländische Quellensteuer wurde beim Steuerabzug nicht berücksichtigt. Ein Beispiel ohne Kirchensteuer: Du hast bei Bank A einen Freistellungsauftrag über 200 € erteilt und bei Bank B über 800 €. Bank A schreibt dir 800 € Zinsen gut, Bank B 300 €. Bank A behält auf 600 € Kapitalertragsteuer von 150 € ein, bei Bank B bleiben 500 € Freibetrag ungenutzt. Von deinen 1.100 € Zinsen wären nur 100 € steuerpflichtig, also 25 € Kapitalertragsteuer. Mit der Anlage KAP bekommst du die 125 € zurück, die Bank A zu viel einbehalten hat. Für Verluste bei einer anderen Bank brauchst du von dieser Bank eine Verlustbescheinigung. Den unwiderruflichen Antrag stellst du bis zum 15. Dezember des laufenden Jahres (§ 43a Abs. 3 EStG). Die Bank trägt den Verlust dann nicht ins Folgejahr vor, und du legst die Bescheinigung deiner Steuererklärung bei. Günstigerprüfung Bei der Günstigerprüfung besteuert das Finanzamt deine Kapitalerträge mit deinem persönlichen Steuersatz statt mit 25 %, wenn das zu einer niedrigeren Steuer führt (§ 32d Abs. 6 EStG). In der Anlage KAP 2025 kreuzt du dafür Zeile 4 an. Nach Einschätzung der Finanzämter in Nordrhein-Westfalen lohnt sie sich in vielen Fällen nur, wenn dein Grenzsteuersatz unter 26,375 % liegt, dem Satz aus Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag. Das betrifft vor allem Jahre mit niedrigem Einkommen, etwa im Studium oder in der Rente. Für die Günstigerprüfung musst du sämtliche Kapitalerträge des Jahres angeben, als zusammen veranlagtes Ehepaar die von euch beiden. Die Günstigerprüfung verschlechtert deine Steuer nicht. Das Finanzamt rechnet beide Varianten und wendet die günstigere an. Führt dein persönlicher Steuersatz zu keiner niedrigeren Steuer, bleibt es bei der Abgeltungssteuer. Anlage KAP, KAP-INV und KAP-BET: welche Anlage wofür Für Kapitalerträge gibt es drei Vordrucke. Welcher passt, hängt von der Art des Ertrags ab. Anlage Wofür Typischer Fall Anlage KAP Kapitalerträge im Privatvermögen, Anträge und einbehaltene Steuern Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne, Günstigerprüfung, Sperrvermerk Anlage KAP-INV Investmenterträge, die nicht dem deutschen Steuerabzug unterlegen haben ETF oder Fonds in einem Depot im Ausland: Ausschüttungen, Vorabpauschalen, Verkaufsgewinne Anlage KAP-BET Kapitalerträge und anrechenbare Steuern aus Beteiligungen, die gesondert und einheitlich festgestellt werden Beteiligung, für die dir die Beträge aus einer Feststellung mitgeteilt werden, nicht aus deiner Bankbescheinigung Quelle: Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2025, Anlagen KAP, KAP-BET und KAP-INV. Stand: September 2026. Bei ETFs in einem Depot im Ausland kommt es hier leicht zur Verwechslung: Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Verkaufsgewinne aus Fonds gehören nicht in die Anlage KAP, sondern in die Anlage KAP-INV. Laut amtlicher Anleitung trägst du sie dort getrennt nach Fondsart und in voller Höhe ein, also vor der Teilfreistellung. Die Teilfreistellung zieht das Finanzamt selbst ab. Die Anlage KAP füllst du in der Regel trotzdem mit aus, denn dort gibst du an, wie viel Sparerpauschbetrag deine Banken schon berücksichtigt haben. Wohin die Werte aus der Steuerbescheinigung gehören Für Erträge bei deutschen Banken stellt dir die Bank eine Steuerbescheinigung aus, oft Jahressteuerbescheinigung genannt. Laut amtlicher Anleitung ist darin die passende Zeile der Anlage KAP als Eintragungshilfe angegeben. Hast du mehrere Bescheinigungen, addierst du die Werte und trägst die Summe ein. Die Zeilennummern unten gelten für die Anlage KAP 2025, also für die Steuererklärung 2025. In anderen Jahren können sie abweichen. Zeile (Anlage KAP 2025) Was du einträgst Woher der Wert kommt 4 Antrag auf Günstigerprüfung (ankreuzen) deine Entscheidung 5 Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts (ankreuzen) deine Entscheidung 6 Kirchensteuerpflicht ohne Kirchensteuerabzug (ankreuzen) deine Angabe, zum Beispiel bei Sperrvermerk 7 Kapitalerträge mit deutschem Steuerabzug Steuerbescheinigung 12 und 13 Nicht ausgeglichene Verluste aus Aktien und übrige Verluste nur aus einer Verlustbescheinigung 16 und 17 Bereits genutzter Sparerpauschbetrag, gegebenenfalls 0 Steuerbescheinigung 18 Inländische Kapitalerträge ohne Steuerabzug, etwa Zinsen aus einem Privatdarlehen eigene Unterlagen 19 Ausländische Kapitalerträge ohne Fondserträge Erträgnisaufstellung des ausländischen Instituts 37 bis 39 Einbehaltene Kapitalertragsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer Steuerbescheinigung 41 Anrechenbare, noch nicht angerechnete ausländische Steuern Steuerbescheinigung oder Unterlagen des ausländischen Instituts Zeilen laut amtlichem Vordruck Anlage KAP 2025 und Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2025. Stand: September 2026. Stellst du nur die Anträge in Zeile 4 oder 5, reichst du die Steuerbescheinigungen erst ein, wenn das Finanzamt sie anfordert. Trägst du Verluste in Zeile 12 oder 13 ein, legst du die Bescheinigung immer bei. Wann du die Anlage KAP brauchst und wann nicht Anlage KAP ausfüllen Depot oder Konto im Ausland, auch wenn die Erträge unter dem Sparerpauschbetrag bleiben Zinsen aus einem Privatdarlehen oder Erstattungszinsen vom Finanzamt Sperrvermerk gegen den Kirchensteuerabzug, wenn die Bank Kapitalertragsteuer einbehalten hat Freistellungsauftrag falsch verteilt, Verlustbescheinigung vorhanden oder Grenzsteuersatz unter 26,375 % Anlage KAP meist verzichtbar Alle Erträge bei deutschen Banken, Steuer korrekt einbehalten, Freistellungsaufträge passend verteilt Erträge bei deutschen Banken unter dem Sparerpauschbetrag, mit passendem Freistellungsauftrag: Es wurde keine Steuer einbehalten, die du zurückholen könntest Kapitalerträge im Betriebsvermögen: Sie gehören zu den betrieblichen Einkünften, nicht in die Anlage KAP Ein Grenzfall ist ein kleines ETF-Depot bei einem ausländischen Broker. Reicht dein Sparerpauschbetrag für alle Kapitalerträge des Jahres, fällt keine Steuer an. Die Anlage KAP-INV musst du laut amtlicher Anleitung trotzdem abgeben. Unsere Einschätzung: Liegen alle deine Konten und Depots bei deutschen Banken und passen die Freistellungsaufträge zu deinen Erträgen, kannst du dir die Anlage KAP in der Regel sparen. Wirf trotzdem jedes Jahr einen Blick in die Steuerbescheinigungen: Blieb Sparerpauschbetrag ungenutzt oder liegen Verluste bei einer Bank, holst du mit der Anlage KAP Geld zurück. Bringt ein Depot im Ausland Erträge, ist die Erklärung jedes Jahr Pflicht. Rechne diese Arbeit mit ein, wenn du im Depot-Vergleich Anbieter gegenüberstellst. Häufige Fragen zur Anlage KAP Wer muss die Anlage KAP ausfüllen? Pflicht ist die Anlage KAP, wenn du Kapitalerträge ohne deutschen Steuerabzug hast, etwa bei einem ausländischen Broker, aus einem Privatdarlehen oder als Erstattungszinsen vom Finanzamt. Pflicht ist sie auch, wenn du kirchensteuerpflichtig bist und die Bank Kapitalertragsteuer, wegen eines Sperrvermerks aber keine Kirchensteuer einbehalten hat. Liegen alle Erträge bei deutschen Banken und wurde die Abgeltungssteuer korrekt einbehalten, musst du sie in der Regel nicht ausfüllen. Muss ich die Anlage KAP trotz Freistellungsauftrag ausfüllen? Nein, wenn alle Erträge bei deutschen Banken liegen und deine Freistellungsaufträge zu den Erträgen passen. Freiwillig lohnt sie sich, wenn bei einer Bank Steuer einbehalten wurde, obwohl dein Sparerpauschbetrag insgesamt nicht ausgeschöpft war. Pflicht bleibt sie bei Erträgen ohne deutschen Steuerabzug, unabhängig von deinen Freistellungsaufträgen. Wann lohnt sich Anlage KAP auszufüllen? Die Anlage KAP lohnt sich, wenn deine Banken zu viel Steuer einbehalten haben: bei ungenutztem Sparerpauschbetrag, bei Verlusten bei einer anderen Bank mit Verlustbescheinigung und bei nicht berücksichtigter ausländischer Quellensteuer. Bei niedrigem Einkommen kann die Günstigerprüfung Steuer zurückbringen, wenn dein Grenzsteuersatz unter 26,375 % liegt. Wie füllt man die Anlage KAP richtig aus? Nimm die Steuerbescheinigungen deiner deutschen Banken und übertrage die Werte in die Zeilen, die dort als Eintragungshilfe genannt sind. Mehrere Bescheinigungen addierst du. Erträge eines ausländischen Instituts trägst du in der Anlage KAP 2025 in Zeile 19 ein, Fondserträge ohne deutschen Steuerabzug in die Anlage KAP-INV. Willst du Steuer zurückholen, kreuzt du Zeile 4 für die Günstigerprüfung oder Zeile 5 für die Überprüfung an. Wie füllen Ehepaare die Anlage KAP aus? Jede Person gibt eine eigene Anlage KAP ab, Erträge von Gemeinschaftskonten teilt ihr auf beide auf. Bei Zusammenveranlagung steht euch ein gemeinsamer Sparerpauschbetrag von 2.000 € zu. Die Günstigerprüfung könnt ihr nur gemeinsam und nur für die Kapitalerträge von euch beiden beantragen. Stand: September 2026. Rechtsgrundlagen: §§ 20, 32d, 43a und 51a EStG, § 4 SolZG. Zeilenangaben: Vordruck Anlage KAP 2025 und Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2025. Weitere Quellen: Finanzämter Nordrhein-Westfalen, Service-Portal Berlin. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Annuitätendarlehen

Kurz & knapp: Beim Annuitätendarlehen zahlst du jeden Monat dieselbe Rate – die sogenannte Annuität. Sie setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld, deshalb verschiebt sich die Aufteilung: Der Zinsanteil wird kleiner, der Tilgungsanteil wächst. Bei 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung liegt die Monatsrate bei 1.677,08 €. Annuitätendarlehen sind in Deutschland der Standard für Baufinanzierungen. Definition: Was ist ein Annuitätendarlehen? Ein Annuitätendarlehen ist ein Tilgungsdarlehen mit gleichbleibender Monatsrate. Der Begriff kommt vom lateinischen annus (Jahr) und bezeichnet ursprünglich die jährlich konstante Zahlung. Heute wird die Annuität meist auf zwölf Monatsraten aufgeteilt, die du über die gesamte Zinsbindung gleich hoch ablieferst. Hierbei zahlst du immer denselben Betrag – aber die innere Zusammensetzung verschiebt sich: Am Anfang besteht die Rate überwiegend aus Zinsen, gegen Ende fast nur noch aus Tilgung. Daher der Name Annuitätendarlehen: Die Annuität bleibt konstant, die Restschuld sinkt. Die Annuitätenformel Mathematisch lässt sich die jährliche Annuität exakt berechnen. Die Formel lautet: A = K × qn × (q − 1) / (qn − 1) Dabei stehen die Variablen für: A = jährliche Annuität (Zins + Tilgung) K = Darlehenssumme (Kreditbetrag) q = Zinsfaktor = 1 + Sollzinssatz (z. B. 1,0375 bei 3,75 %) n = Laufzeit in Jahren Für die Praxis ist eine vereinfachte Variante üblich: Du addierst Sollzinssatz und Anfangstilgung, multiplizierst mit der Darlehenssumme und teilst durch zwölf. So erhältst du die monatliche Rate für die ersten Monate. Beispielrechnung: 350.000 € Baufinanzierung Gehen wir das einmal konkret durch. Du nimmst ein Annuitätendarlehen über 350.000 € auf, der Sollzinssatz beträgt 3,75 %, die Anfangstilgung liegt bei 2 %. Berechnung der Monatsrate: Anfangsannuität = 350.000 € × (3,75 % + 2 %) = 350.000 € × 5,75 % = 20.125 € pro Jahr Monatsrate = 20.125 € ÷ 12 = 1.677,08 € Im ersten Monat zahlst du davon rund 1.094 € Zinsen (350.000 € × 3,75 % ÷ 12) und 583 € Tilgung. Nach einem Jahr ist die Restschuld auf etwa 342.900 € gesunken – damit verringert sich auch der Zinsanteil der nächsten Rate. Dieser Effekt summiert sich: Die Tilgung beschleunigt sich automatisch, weil immer weniger Geld in den Zinsanteil fließt. Bei diesen Konditionen tilgst du das Darlehen in rund 28,5 Jahren komplett ab. Mit einer höheren Anfangstilgung von 3 % wären es nur noch 22 Jahre. Wer schneller schuldenfrei sein möchte, sollte deshalb am Tilgungssatz drehen – und nicht an der Zinsbindung. Aufteilung Zins und Tilgung über die Laufzeit Die Verschiebung von Zins zu Tilgung ist das eigentliche Prinzip des Annuitätendarlehens. Hierbei gilt: Mit jeder Monatsrate sinkt die Restschuld, dadurch fallen weniger Zinsen an, dadurch wandert mehr Geld in die Tilgung. Daher beschleunigt sich die Tilgung im Zeitverlauf von selbst. JahrZinsanteilTilgungsanteilRestschuld (Jahresende) 1~13.020 €~7.105 €~342.895 € 10~10.690 €~9.435 €~278.300 € 20~6.260 €~13.865 €~152.300 € 28~770 €~19.355 €~0 € Die Werte sind gerundet und basieren auf 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins, 2 % Anfangstilgung ohne Sondertilgungen. Annuitätendarlehen vs. Tilgungsdarlehen Ein Tilgungsdarlehen funktioniert genau umgekehrt: Hier bleibt der Tilgungsbetrag konstant, die Rate sinkt im Lauf der Zeit. Einerseits zahlst du dadurch insgesamt weniger Zinsen, andererseits ist die Anfangsbelastung höher. Allerdings sind reine Tilgungsdarlehen für Privatkunden in Deutschland kaum noch zu bekommen – Banken bieten sie meist nur Unternehmen an. MerkmalAnnuitätendarlehenTilgungsdarlehen MonatsrateKonstantSinkt monatlich TilgungsanteilWächstKonstant ZinsanteilSinktSinkt PlanbarkeitSehr hochMittel Verfügbarkeit (Privatkunden)StandardSelten Vorteile und Nachteile Wenn du eine Baufinanzierung planst, bietet das Annuitätendarlehen klare Stärken – aber auch ein paar Stolperfallen, die du kennen solltest. Stärken: Du hast über die gesamte Zinsbindung hinweg Planungssicherheit. Die Rate ist konstant, du kannst dein Haushaltsbudget exakt kalkulieren. Zudem beschleunigt sich die Tilgung automatisch – ein eingebauter Schneeballeffekt zu deinen Gunsten. Schwächen: Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt eine Restschuld, die du anschlussfinanzieren musst. Steigen die Zinsen bis dahin, wird die Anschlussfinanzierung teurer. Daher gilt: Je höher der Tilgungssatz, desto kleiner das Zinsänderungsrisiko. Sondertilgungen nutzen Die meisten Banken erlauben dir kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € zusätzlich, die direkt die Restschuld reduzieren. Wer jedes Jahr 5.000 € extra tilgt, spart über die Laufzeit fünfstellige Zinsbeträge und verkürzt die Volltilgung um mehrere Jahre. Wenn du flexibel bleiben möchtest, achte beim Vertragsabschluss auf zwei Klauseln: Sondertilgungsrecht und Tilgungssatzwechsel. Letzterer erlaubt dir, den Tilgungssatz während der Zinsbindung anzupassen – ein wertvoller Hebel bei verändertem Einkommen. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um deine konkrete Monatsrate, Restschuld und Volltilgungsdauer für deinen Wunschbetrag zu berechnen. So siehst du sofort, wie sich Tilgungssatz und Zinsbindung auf deine Gesamtkosten auswirken. Häufige Fragen Wann lohnt sich ein Annuitätendarlehen? Grundsätzlich gilt: Wer eine Immobilie finanziert und Planungssicherheit über zehn bis zwanzig Jahre möchte, ist mit dem Annuitätendarlehen gut bedient. Es ist der Standard-Kredittyp für Wohnimmobilien in Deutschland. Wie hoch sollte die Anfangstilgung sein? Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, besser 3 %. Bei niedrigem Zinsniveau solltest du eher höher tilgen, um die Laufzeit überschaubar zu halten. Was passiert nach der Zinsbindung? Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt die Restschuld bestehen. Du kannst dann eine Anschlussfinanzierung abschließen – entweder bei deiner bisherigen Bank (Prolongation) oder durch Umschuldung zu einem neuen Anbieter. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.

B

Beleihungswert

Kurz & knapp: Der Beleihungswert ist der vorsichtige Wert, den eine Bank deiner Immobilie zuschreibt – typisch 75–90 % des Verkehrswertes. Aus diesem Wert berechnet die Bank den Beleihungsauslauf (Darlehen geteilt durch Beleihungswert). Dieser Auslauf entscheidet maßgeblich über deinen Zinssatz: Je niedriger, desto günstiger. Was ist der Beleihungswert? Wenn du eine Immobilie finanzierst, schaut die Bank nicht auf den Kaufpreis allein – sie ermittelt einen eigenen, vorsichtigen Wert: den Beleihungswert. Er ist die Grundlage für die Sicherheit, die deine Immobilie als Pfand bietet. Geregelt ist das in § 16 Abs. 2 Pfandbriefgesetz (PfandBG): Der Beleihungswert darf den Wert nicht überschreiten, der sich bei einer vorsichtigen Bewertung der zukünftigen Verkaufsmöglichkeiten ergibt. In der Praxis liegt der Beleihungswert bei etwa 75–90 % des Verkehrswertes. Die Differenz ist der sogenannte Sicherheitsabschlag der Bank – meist 10 bis 20 %. Er soll Wertschwankungen am Immobilienmarkt abfedern. Falls die Bank verwerten muss, will sie auch in einer schwachen Marktphase ihren Kredit zurückbekommen. So berechnet die Bank den Beleihungsauslauf Der Beleihungsauslauf (BLA) ist der Anteil deines Darlehens am Beleihungswert. Die Formel ist simpel: Beleihungsauslauf = Darlehensbetrag ÷ Beleihungswert × 100 Ein Beispiel: Du kaufst ein Haus für 500.000 €. Die Bank setzt einen Sicherheitsabschlag von 15 % an, der Beleihungswert liegt also bei 425.000 €. Wenn du 340.000 € Darlehen aufnimmst, beträgt der Beleihungsauslauf 80 %. Effekt auf den Zinssatz: Warum 60 % der Sweet Spot ist Hier wird es spannend. Banken staffeln ihre Konditionen nach Beleihungsauslauf – und der Effekt auf den Zinssatz ist deutlich: BeleihungsauslaufZinsaufschlag (typisch)Bezeichnung bis 60 %+0,0 PP (Basis)1a-Beleihung – beste Konditionen bis 80 %+0,2 PPStandard bis 100 %+0,5–0,7 PPVollfinanzierung Die 1a-Beleihung bis 60 % des Beleihungswertes ist der goldene Bereich. In diesem Korridor refinanziert die Bank dein Darlehen besonders günstig über Pfandbriefe – und gibt diesen Vorteil an dich weiter. Auf 30 Jahre gerechnet, machen 0,5 Prozentpunkte Unterschied bei einem 400.000-Euro-Darlehen schnell 50.000 € und mehr aus. Praktische Konsequenz: Wenn du knapp über einer Schwelle landest (z. B. 81 % statt 80 %), kann es sich lohnen, etwas mehr Eigenkapital einzubringen oder einen Teil aus Bausparvertrag oder KfW-Förderung zu ziehen, um unter die nächste Stufe zu kommen. Beleihungswert vs. Verkehrswert vs. Kaufpreis Drei Begriffe, die oft verwechselt werden: Kaufpreis – das, was du tatsächlich zahlst (Verhandlungsergebnis). Verkehrswert – der objektive Marktwert, den ein Gutachter oder die Bank im aktuellen Markt schätzt. Beleihungswert – der vorsichtige Wert, von dem die Bank ausgeht. Immer der niedrigste der drei. Hingegen kann es passieren, dass dein Kaufpreis über dem Verkehrswert liegt – zum Beispiel in überhitzten Märkten. Dann erhöht sich dein Beleihungsauslauf rechnerisch, weil die Bank mit dem niedrigeren Beleihungswert kalkuliert. In solchen Fällen brauchst du entweder mehr Eigenkapital oder du musst höhere Zinsen akzeptieren. Häufige Fragen Kann ich den Beleihungswert verhandeln? Nur begrenzt. Die Bank folgt internen Bewertungsrichtlinien. Allerdings lohnt es sich, mehrere Banken zu vergleichen – die Sicherheitsabschläge variieren zwischen 10 und 20 %. Was zählt als Eigenkapital für die Beleihung? Ersparnisse, Schenkungen, Eigenleistung (anrechenbar) und Bausparguthaben. Auch unbelastete Grundstücke können den Beleihungsauslauf senken. Wie ermittelt die Bank den Beleihungswert konkret? Üblicherweise via Sachwert- oder Ertragswertverfahren – bei selbstgenutzten Eigenheimen meist nach Sachwert (Bodenwert + Gebäudesachwert). Banken nutzen entweder eigene Gutachter oder beauftragen externe Sachverständige. Bei kleineren Beträgen reicht oft ein Kurzgutachten oder eine Hedonik-Bewertung über automatisierte Datenbanken. Ändert sich der Beleihungswert im Laufe der Finanzierung? Grundsätzlich nicht – er ist zum Zeitpunkt der Kreditvergabe festgelegt. Allerdings sinkt durch deine Tilgung der Beleihungsauslauf kontinuierlich. Daher kannst du bei einer Anschlussfinanzierung oder Umschuldung in eine günstigere Beleihungsklasse rutschen und so deutlich bessere Zinsen aushandeln. Mehr zur richtigen Eigenkapital-Strategie liest du im Capitalo-Ratgeber zu Eigenkapital beim Hauskauf. Falls dir Eigenkapital fehlt, schau dir die Optionen einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital an. Wer aktuelle Konditionen prüfen will, vergleicht Anbieter im Baufinanzierung-Vergleich. Hinweis: Die genannten Zinsaufschläge sind typische Bandbreiten und können je nach Anbieter, Bonität und Marktphase abweichen. Eine Baufinanzierung ist eine langfristige Verpflichtung – lass dich bei wesentlichen Entscheidungen individuell beraten.

Bereitstellungszinsen

Kurz & knapp: Bereitstellungszinsen sind eine Gebühr, die die Bank dir für den noch nicht abgerufenen Teil deines Darlehens berechnet — typischerweise 0,20 bis 0,25 % pro Monat. Sie greifen meist ab dem 6. bis 12. Monat nach Zusage und sind besonders bei Neubauten relevant, weil dort in Tranchen ausgezahlt wird. Was sind Bereitstellungszinsen? Wenn die Bank dir 400.000 € für deinen Neubau zusagt, du aber wegen des Baufortschritts erst 150.000 € abgerufen hast, dann ruhen die restlichen 250.000 € — die Bank hält das Geld für dich bereit. Genau dafür berechnet sie dir die Bereitstellungszinsen. Sie sind also keine Strafe, sondern ein Entgelt dafür, dass die Bank das Geld nicht anderweitig verleihen kann. Die Höhe ist marktüblich standardisiert: 0,25 % pro Monat auf den noch nicht abgerufenen Betrag — was 3,0 % pro Jahr entspricht. Manche Banken liegen mit 0,20 %/Monat (= 2,4 % p.a.) etwas darunter. Die genauen Konditionen findest du in deinem Darlehensvertrag und im Europäischen Standardisierten Merkblatt (ESIS). Ab wann greifen Bereitstellungszinsen? Hierbei lohnt sich genaues Hinsehen. Banken gewähren dir eine sogenannte bereitstellungszinsfreie Zeit, in der noch keine Gebühren anfallen. Diese Frist variiert deutlich: Bank-TypBereitstellungszinsfreie ZeitDanach typisch Standard-Angebot3 bis 6 Monate0,25 % / Monat Verhandelt / guter Bonität6 bis 12 Monate0,25 % / Monat Neubau-Spezialist12 bis 24 Monate0,20 % / Monat Daher gilt: Wer einen Neubau plant, sollte die bereitstellungszinsfreie Zeit aktiv verhandeln. Bei einem Bauvorhaben, das 18 Monate dauert, kann der Unterschied zwischen 6 und 12 Monaten freier Zeit schnell vierstellig werden. Rechenbeispiel: Was kostet das konkret? Stell dir vor, du baust ein Haus und hast ein Darlehen über 400.000 €. Nach 12 Monaten bereitstellungszinsfreier Zeit sind erst 200.000 € abgerufen — die restlichen 200.000 € liegen auf der Bank. PositionWert Nicht abgerufenes Darlehen200.000 € Bereitstellungszins pro Monat0,25 % Kosten pro Monat500 € Über 6 weitere Monate3.000 € 500 € pro Monat — und das parallel zur regulären Tilgung deiner bereits abgerufenen Tranche. Das tut weh, vor allem in der ohnehin kostenintensiven Bauphase. Verhandlungstipps für Bereitstellungszinsen Hier kannst du aktiv sparen. Bereitstellungszinsen sind verhandelbar — anders als der Sollzins, bei dem die Bank fest bei ihrer Marge bleibt. Drei konkrete Hebel: • Bereitstellungszinsfreie Zeit verlängern: Statt 6 Monate frei → 12 Monate frei verhandeln. Bei realistischer Bauzeit das wichtigste Argument. • Höheren Sollzins akzeptieren: Manche Banken bieten +0,05 PP Sollzins gegen 12 Monate freie Zeit — bei langen Bauzeiten oft günstiger. • Mehrere Angebote einholen: Banken sind flexibel, sobald sie sehen, dass du andere Angebote auf dem Tisch hast. Konkret hilft dir hier ein unabhängiger Baufinanzierungs-Vergleich, um die Bandbreite der Konditionen zu sehen. Bei einer späteren Anschlussfinanzierung spielt das Thema in der Regel keine Rolle mehr, weil dort die Auszahlung in einem Schritt erfolgt. Auch die aktuelle Zinslage beeinflusst, wie offensiv Banken bei Bereitstellungszinsen verhandeln. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die genauen Konditionen unterscheiden sich je nach Bank, Bonität und Bauvorhaben. Stand: Mai 2026.

C

Charge Card

Eine Charge Card ist eine Kreditkarte, die deine Umsätze sammelt und einmal im Abrechnungszeitraum komplett von deinem Girokonto abbucht, ohne Zinsen. Hier erfährst du, wie die Abrechnung läuft, was sie von Revolving-, Debit- und Prepaid-Karte trennt und was sich rechtlich am 20. November 2026 ändert. Was du über die Charge Card wissen musst 💳 Sammelabrechnung: Die Charge Card sammelt deine Kartenumsätze, in der Regel einen Monat lang, und bucht sie dann in einer Summe per Lastschrift von deinem Girokonto ab. Für den Aufschub bis zur Abbuchung zahlst du keine Zinsen. ✅ Kreditkarte ohne Raten: Das EU-Recht nennt die Charge Card „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“ und zählt sie trotzdem zu den Kreditkarten. Anders als bei der Revolving-Karte gleichst du die Abrechnung immer vollständig aus. ⚠️ Deckung am Abbuchungstag: Übersteigt die Abbuchung das Guthaben auf deinem Girokonto, gelten die Regeln für den Dispo oder die geduldete Überziehung, mit den Zinsen, die dein Kontovertrag dafür vorsieht. 🏦 Neues Recht ab 20.11.2026: Zinsfreie Kurzkredite fallen dann grundsätzlich unter das Verbraucherkreditrecht. Charge Cards von Banken und Zahlungsinstituten bleiben ausgenommen, wenn du binnen 40 Tagen zurückzahlst, keine Zinsen anfallen und nur geringe Entgelte für die Zahlungsdienstleistung. Was ist eine Charge Card? Eine Charge Card ist eine Kreditkarte, bei der der Kartenausgeber alle Umsätze eines Abrechnungszeitraums sammelt und dein Konto zu einem vorher vereinbarten Termin mit der Gesamtsumme belastet, in der Regel einmal im Monat. Zinsen fallen für diesen Aufschub nicht an. So beschreibt die EU-Verordnung 2015/751 über Interbankenentgelte die Karte in Erwägungsgrund 17. Bezahlst du mit der Charge Card, begleicht der Kartenausgeber den Betrag beim Händler sofort. Du schuldest ihn dann dem Kartenausgeber und zahlst ihn erst mit der nächsten Abrechnung zurück. Die Karte gewährt dir damit einen kurzen, zinsfreien Kredit, obwohl sie keine Ratenzahlung kennt. Im Deutschen heißt die Karte auch Charge-Karte, Chargekarte oder Charge-Kreditkarte. Das EU-Recht und das neue deutsche Verbraucherkreditrecht sprechen von einer „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“. Das klingt nach Debitkarte, gemeint ist aber eine Kreditkarte: Die EU-Verordnung nennt sie ausdrücklich als eine von zwei Arten von Kreditkarten, und die Deutsche Bundesbank ordnet Chargekarten ebenfalls den Kreditkarten zu. Wie viel du bis zur nächsten Abrechnung ausgeben kannst, legt der Kartenausgeber als Verfügungsrahmen fest, in der Regel nach deiner Bonität. Wie dieser Rahmen entsteht, erklärt die Seite Kreditkarte mit Verfügungsrahmen. So läuft die Abrechnung Zwischen dem Bezahlen und der Abbuchung vom Girokonto liegen bei der Charge Card drei Schritte. 1 Bezahlen Du zahlst an der Kasse, online oder am Geldautomaten. Der Umsatz landet auf deinem Kartenkonto, dein verfügbarer Rahmen sinkt, dein Girokonto bleibt vorerst unberührt. 2 Abrechnung Zum Abrechnungstag fasst der Kartenausgeber alle Umsätze des Zeitraums in einer Abrechnung zusammen. Was du nach diesem Tag bezahlst, erscheint erst in der nächsten Abrechnung. 3 Abbuchung Einige Tage nach der Abrechnung zieht der Kartenausgeber die Gesamtsumme per Lastschrift von deinem Referenzkonto ein, meist deinem Girokonto. Wie lange dein Geld zinsfrei bei dir bleibt, hängt vom Kaufdatum ab. Kaufst du kurz nach dem Abrechnungstag ein, wartet der Betrag fast einen ganzen Abrechnungszeitraum plus die Tage bis zur Abbuchung. Kaufst du kurz davor, wird er schon wenige Tage später fällig. Wann Banken abrechnen und abbuchen, zeigt der Ratgeber Kreditkarte Abbuchung. Wenn das Girokonto am Abbuchungstag nicht reicht Die Charge Card verschiebt die Zahlung, sie verkleinert sie nicht. Am Abbuchungstag muss die Gesamtsumme auf deinem Girokonto gedeckt sein. Übersteigt die Abbuchung dein Guthaben, gelten die Regeln deines Kontovertrags für den eingeräumten Dispo oder die geduldete Überziehung, einschließlich der Zinsen dafür. Das stellen die EU-Verbraucherkreditrichtlinie 2023/2225 (Erwägungsgrund 18) und die Begründung des deutschen Umsetzungsgesetzes ausdrücklich klar. Löst deine Bank die Lastschrift nicht ein, bleibt die Kartenabrechnung offen. Welche Kosten dann anfallen und ob der Kartenausgeber die Karte sperrt, regelt dein Kartenvertrag. Charge Card, Revolving-Karte, Debitkarte und Prepaid-Karte Kartenarten unterscheiden sich vor allem darin, wann und wie dein Geld abfließt. Die EU-Verordnung über Interbankenentgelte trennt dabei Kreditkarten, Debitkarten und Guthabenkarten. Kartenart Wann dein Konto belastet wird Eigener Kreditrahmen Zinsen auf Kartenumsätze Charge Card gesammelt, in der Regel einmal im Monat, immer die volle Summe ja, Verfügungsrahmen keine Revolving-Karte monatlich eine Rate, der Rest bleibt als Kredit stehen ja, Verfügungsrahmen ja, auf den offenen Rest Debitkarte jede Zahlung einzeln, sofort oder nach wenigen Tagen nein keine (im Dispo zahlst du Dispozinsen am Girokonto) Prepaid-Karte vorher, wenn du Guthaben auflädst nein keine Quellen: Verordnung (EU) 2015/751 (Erwägungsgrund 17, Art. 2), Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), Verbraucherzentrale Niedersachsen (Stand 12.01.2026). Abgerufen am 15.09.2026. Charge Card oder Revolving-Karte Bei der Revolving-Karte zahlst du jeden Monat nur einen Teil der Abrechnung zurück, zum Beispiel eine vereinbarte Mindestrate. Auf den offenen Rest verlangt der Kartenausgeber Zinsen. Die Charge Card kennt diese Option nicht, die ganze Summe wird fällig. Was Teilzahlung kostet, erklärt der Ratgeber Kreditkarte mit Ratenzahlung. Ob deine Karte eine Charge Card ist, erkennst du nicht am Produktnamen, sondern am Kartenvertrag. Steht dort, dass die Umsätze vollständig vom Girokonto abgebucht werden, ist es eine Charge Card. Sieht der Vertrag eine monatliche Rate oder eine Mindestzahlung vor, ist es eine Revolving-Karte. Charge Card, Debitkarte und Prepaid-Karte Eine Debitkarte belastet dein Girokonto mit jeder einzelnen Zahlung, sofort oder nach wenigen Tagen. Die Charge Card sammelt dagegen und bucht einmal ab. Was eine Debitkarte genau ausmacht, steht im Lexikon unter Debitkarte. Eine Prepaid-Karte funktioniert nur mit Guthaben, das du vorher auflädst. Einen Kreditrahmen hat sie nicht, mehr dazu unter Prepaid-Kreditkarte. Richte die Abbuchung deiner Charge Card auf ein Konto ein, auf dem am Abbuchungstag genug Geld liegt. Lies im Kartenvertrag nach, ob die volle Summe oder nur eine Rate abgebucht wird. Was das Recht unter einer Charge Card versteht Rechtlich ist die Charge Card eine Kreditkarte, bei der dir der Kartenausgeber einen zinsfreien Zahlungsaufschub gewährt. Ob dafür das Verbraucherkreditrecht des BGB gilt, ändert sich am 20. November 2026. Bis 19. November 2026 Nach § 491 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 BGB sind Verträge keine Verbraucherdarlehen, wenn du das Geld binnen drei Monaten zurückzahlen musst und nur geringe Kosten vereinbart sind. Über § 506 Abs. 4 BGB gilt diese Ausnahme auch für Zahlungsaufschübe. Bei einer Charge Card mit monatlicher Abrechnung liegt die Rückzahlung innerhalb dieser Frist. Ob die Kosten gering sind, hängt von den Entgelten der jeweiligen Karte ab. Ab 20. November 2026 Mit dem Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie fallen die Drei-Monats-Ausnahme und die bisherige Grenze von 200 Euro weg. Das Verbraucherkreditrecht erfasst dann grundsätzlich auch zinsfreie und kurzfristige Kredite und Zahlungsaufschübe. Für Charge Cards gibt es eine eigene Ausnahme in § 506 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 BGB. Sie gilt, wenn alle vier Bedingungen erfüllt sind: Die Karte gibt ein Kreditinstitut oder ein Zahlungsinstitut aus. Du musst das Geld binnen 40 Tagen zurückzahlen. Für den Aufschub fallen keine Zinsen an. Für die Zahlungsdienstleistung fallen nur geringe Entgelte an. Die Ausnahme setzt Art. 2 Abs. 5 der Richtlinie 2023/2225 um. Greift sie, gelten für die Charge Card die Vorschriften für Verbraucherdarlehen nicht, darunter die vorvertraglichen Informationspflichten (§ 491a BGB) und die gesetzliche Kreditwürdigkeitsprüfung (§ 505a BGB). Greift sie nicht, etwa weil du länger als 40 Tage Zeit zum Zurückzahlen hast, ist das Verbraucherkreditrecht grundsätzlich anwendbar. Bei Karten mit Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Lounge-Zugang ist laut Gesetzesbegründung im Einzelfall zu prüfen, ob das Entgelt für die Zahlungsdienstleistung oder für die Zusatzleistung anfällt (BT-Drucksache 21/5381). Relevant ist das zum Beispiel bei Premium-Kreditkarten, deren Jahresgebühr auch Versicherungen und Reiseleistungen abdeckt. Für Kartenverträge, die schon vor dem 20. November 2026 bestanden, gilt grundsätzlich das bisherige Recht weiter (Art. 229 § 71 EGBGB). Bei unbefristeten Verträgen greifen einzelne neue Vorschriften trotzdem. Stand: 15.09.2026. Quellen: §§ 491, 506 BGB in der bis 19.11.2026 geltenden Fassung, BGBl. 2026 I Nr. 139 vom 18.05.2026 (in Kraft ab 20.11.2026), Richtlinie (EU) 2023/2225 (Erwägungsgründe 15 und 18, Art. 2, Art. 48), BT-Drucksache 21/5381. Charge Card und Schufa Beantragst du eine Kreditkarte, kann die Bank laut Schufa eine Bonitätsauskunft einholen. Im neuen Schufa-Score ist die Zahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten ein eigenes Kriterium. Mehrere Anfragen und Abschlüsse innerhalb von 28 Tagen zählt die Schufa nach eigenen Angaben nur einmal. Solange der Kartenvertrag läuft, kann er bei der Schufa gespeichert sein. Endet ein störungsfreier Kreditkartenvertrag, löscht die Schufa ihn nach eigenen Angaben unmittelbar, sobald das Unternehmen das Vertragsende meldet. Negativ gespeichert werden unter anderem unbestrittene, fällige und mehrfach angemahnte Forderungen. Eine Kartenabrechnung, die du trotz Mahnungen nicht bezahlst, kann also zum Negativeintrag werden. Wann eine Karte eine Charge Card ist und wann nicht Charge Card im Sinne des Begriffs wenn alle Umsätze eines Zeitraums gesammelt und in voller Höhe vom Girokonto abgebucht werden wenn für den Aufschub bis zur Abbuchung keine Zinsen anfallen auch wenn Vertrag oder Gesetz sie „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“ nennen Keine Charge Card, auch wenn es so wirkt wenn der Vertrag eine monatliche Rate oder Mindestzahlung vorsieht: Das ist eine Revolving-Karte wenn jede Zahlung einzeln vom Girokonto abgeht: Das ist eine Debitkarte wenn du vorher Guthaben aufladen musst: Das ist eine Prepaid-Karte Grenzfall: Reicht dein Girokonto am Abbuchungstag nicht und die Bank bucht trotzdem ab, bleibt die Karte eine Charge Card. Die Zinsen zahlst du dann für den Dispo oder die Überziehung am Girokonto, nicht für die Karte. Unsere Einschätzung: Die Charge Card passt zu dir, wenn du deine Kartenrechnung ohnehin jeden Monat komplett bezahlst. Du bekommst einen kurzen, zinsfreien Aufschub, und Teilzahlungszinsen können auf der Karte nicht entstehen. Achte beim Antrag auf zwei Punkte: ob der Vertrag die volle Abbuchung oder eine Rate vorsieht und wofür eine hohe Jahresgebühr bezahlt wird. Aktuelle Karten und Konditionen vergleichst du im Kreditkarten-Vergleich. Häufige Fragen zur Charge Card Was bedeutet Charge Karte? Charge Karte ist eine andere Schreibweise für Charge Card: eine Kreditkarte, die deine Umsätze sammelt und einmal im Abrechnungszeitraum vollständig von deinem Girokonto abbucht. Zinsen fallen für diesen Aufschub nicht an. Der Begriff kommt aus dem Englischen, „to charge“ bedeutet belasten oder in Rechnung stellen. Was ist der Unterschied zwischen einer Revolving- und einer Charge-Kreditkarte? Bei der Charge-Kreditkarte zahlst du die gesamte Abrechnung auf einmal zurück, Zinsen fallen dafür nicht an. Bei der Revolving-Kreditkarte zahlst du monatlich nur einen Teil, und auf den offenen Rest verlangt der Kartenausgeber Zinsen. Welche Variante du hast, steht im Kartenvertrag. Was bedeutet Kartentyp MC Charge? MC steht für Mastercard, Charge für das Abrechnungsmodell. Gemeint ist eine Mastercard-Kreditkarte, deren Umsätze gesammelt und einmal im Abrechnungszeitraum vollständig vom Girokonto abgebucht werden. Es ist also keine Debitkarte, bei der jede Zahlung einzeln abgeht. Ist eine Charge Card eine Debitkarte? Nein. Auch wenn das EU-Recht von einer „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“ spricht, zählt es die Charge Card ausdrücklich zu den Kreditkarten. Eine Debitkarte belastet dein Girokonto mit jeder einzelnen Zahlung, die Charge Card sammelt und bucht einmal ab. Kostet eine Charge Card Zinsen? Für den Aufschub bis zur Abbuchung nicht. Zinsen können trotzdem entstehen, wenn die Abbuchung dein Girokonto ins Minus bringt: Dann zahlst du Dispo- oder Überziehungszinsen am Girokonto. Eine Jahresgebühr ist keine Zinszahlung. Ob eine Karte eine hat, hängt vom Angebot ab. Wird eine Charge Card bei der Schufa eingetragen? Laut Schufa kann die Bank beim Antrag eine Bonitätsauskunft einholen, und laufende Kreditkartenverträge können gespeichert sein. Nach dem Ende eines störungsfreien Vertrags löscht die Schufa den Eintrag unmittelbar, sobald das Unternehmen das Vertragsende meldet. Stand: 15.09.2026. Rechtsgrundlagen: Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte (Erwägungsgrund 17, Art. 2), Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge (Erwägungsgründe 15 und 18, Art. 2, Art. 48), §§ 491, 506 BGB in der bis 19.11.2026 geltenden Fassung, Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 vom 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 139, in Kraft ab 20.11.2026), BT-Drucksache 21/5381, Art. 229 § 71 EGBGB. Weitere Quellen: Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), SCHUFA Holding AG (Datenspeicherung, Score-Kriterium Girokonten und Kreditkarten), Volksbanken Raiffeisenbanken, Nassauische Sparkasse, Verbraucherzentrale Niedersachsen. Dieser Eintrag erklärt den Begriff und ersetzt keine Rechtsberatung.

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Debitkarte

Eine Debitkarte ist eine Bankkarte, bei der jede Zahlung direkt deinem Girokonto belastet wird. Hier erfährst du, wie die Abbuchung läuft, welche Arten es gibt und woran du deine Karte erkennst. Was du über die Debitkarte wissen musst 💳 Abbuchung: Die Debitkarte belastet dein Girokonto sofort oder innerhalb weniger Tage. Ausgeben kannst du dein Guthaben und, wenn deine Bank es zulässt, einen eingeräumten Dispo. 🏦 Girocard ist Debit: Die Girocard, umgangssprachlich EC-Karte, ist die Debitkarte der deutschen Banken und Sparkassen. Visa Debit und Debit Mastercard sind internationale Debitkarten. 💡 Erkennen: Neu ausgegebene Karten müssen nach der EU-Verordnung 2015/751 ihre Kartenart sichtbar tragen. Bei Visa- und Mastercard-Karten steht deshalb in der Regel „Debit“ oder „Credit“ auf der Karte. ⚠️ Kaution: Steht der Betrag einer Kartenzahlung noch nicht fest, etwa im Hotel, darf deine Bank auf dem Girokonto nur eine Summe sperren, deren genauer Höhe du zugestimmt hast. Manche Hotels und Autovermieter nehmen Debitkarten für eine Kaution gar nicht an. Was ist eine Debitkarte? Eine Debitkarte ist eine Zahlungskarte, die deine Bank zu deinem Girokonto ausgibt und mit der jede Zahlung direkt diesem Konto belastet wird. Der Name kommt vom englischen „debit“ für Soll oder Kontobelastung. Anders als eine Kreditkarte räumt dir die Debitkarte keinen eigenen Kreditrahmen ein: Du bezahlst mit dem Geld, das auf dem Konto liegt. Mit einer Debitkarte kannst du: an der Ladenkasse bezahlen, mit PIN oder kontaktlos am Geldautomaten Bargeld abheben im Smartphone hinterlegen und mobil bezahlen, wenn deine Bank die Wallet unterstützt online bezahlen, wenn es eine internationale Debitkarte wie Visa Debit oder Debit Mastercard ist Reicht das Guthaben auf dem Girokonto nicht, lehnt die Bank die Kartenzahlung ab oder bucht sie in einen eingeräumten Dispositionskredit. Welche Variante gilt, regeln die Kartenbedingungen deiner Bank. Im Dispo zahlst du Zinsen, obwohl du mit einer Debitkarte bezahlt hast. So funktioniert die Abbuchung Zwischen dem Bezahlen und der Buchung auf deinem Kontoauszug liegen drei Schritte. Endgültig belastet wird dein Girokonto sofort oder innerhalb weniger Tage, je nach Bank und Kartensystem. 1 Freigabe Das Kartenterminal oder der Onlineshop fragt bei deiner Bank an, ob die Karte gültig und der Betrag gedeckt ist. Du gibst die Zahlung per PIN oder kontaktlos frei. 2 Vormerkung Deine Bank merkt den Betrag vor. In der Banking-App erscheint er meist als vorgemerkter Umsatz, dein verfügbarer Betrag sinkt schon jetzt. 3 Buchung Der Händler reicht die Zahlung ein, deine Bank bucht den Betrag endgültig vom Girokonto ab. Eine gesammelte Monatsabrechnung wie bei der Kreditkarte gibt es nicht. Reservierung bei Hotel, Mietwagen und Tankstelle Steht der Endbetrag beim Bezahlen noch nicht fest, etwa beim Hotel-Check-in oder an der Zapfsäule, lässt der Händler zunächst einen Betrag blockieren. Nach § 675t Abs. 4 BGB darf deine Bank dafür einen Betrag auf deinem Girokonto nur sperren, wenn du der genauen Höhe zugestimmt hast. Sobald der endgültige Betrag feststeht oder der Zahlungsauftrag eingeht, muss sie die Sperre unverzüglich aufheben. Dieselbe Regel steht in Art. 75 der EU-Zahlungsdiensterichtlinie 2015/2366. Bei einer Debitkarte trifft eine solche Sperre direkt dein Girokonto. Der gesperrte Betrag steht dir bis zur Freigabe nicht zur Verfügung, auch nicht für Miete oder Lastschriften. Girocard, Visa Debit und Debit Mastercard In Deutschland begegnen dir zwei Gruppen von Debitkarten, und davon hängt ab, wo deine Karte funktioniert. Girocard Die Girocard ist das Debitkartenverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft für die Ladenkasse und das deutsche Geldautomatensystem. Sie arbeitet mit Chip und PIN, ist auch digital für das Smartphone verfügbar und wird laut Deutscher Bundesbank in der Regel bei der Eröffnung eines Girokontos ausgegeben. Manche Banken bieten sie nur noch als Zusatzkarte an. Umgangssprachlich heißt sie weiter EC-Karte, ein Name aus der Zeit der Eurocheque- und später Electronic-Cash-Karte. Visa Debit und Debit Mastercard Visa Debit und Debit Mastercard laufen über die weltweiten Netze von Visa und Mastercard, also über dieselben Systeme wie die Kreditkarten dieser Marken. Sie tragen eine Kartennummer, ein Ablaufdatum und eine Prüfnummer und lassen sich deshalb auch online und im Ausland einsetzen. Abgebucht wird trotzdem direkt vom Girokonto. Worin sich die beiden Netze unterscheiden, erklärt der Ratgeber Visa oder Mastercard. Co-Badge: zwei Systeme auf einer Karte Viele Girocards tragen ein zweites Logo, das sogenannte Co-Badge. Früher war das meist Maestro oder V Pay, heute eher Visa Debit oder Debit Mastercard. Im Inland läuft die Zahlung dann in der Regel über die Girocard, im Ausland über das zweite System. Merkmal Girocard Visa Debit und Debit Mastercard Verfahren Deutsche Kreditwirtschaft Visa bzw. Mastercard Hauptsächlicher Einsatz Ladenkasse und Geldautomat in Deutschland Ladenkasse, Geldautomat und Onlinehandel Einsatz im Ausland über ein Co-Badge (zweites Logo) im weltweiten Netz der Marke Belastung direkt vom Girokonto direkt vom Girokonto Kartenart nach EU-Recht Debitkarte Debitkarte Quellen: Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), EURO Kartensysteme (girocard.eu, 24.10.2024), Mastercard (Debit Mastercard, 2020). Abgerufen am 10.09.2026. So erkennst du deine Karte Die EU-Verordnung 2015/751 verpflichtet Banken, neu ausgegebene Karten so zu kennzeichnen, dass du und der Händler die Kartenart eindeutig erkennen: Guthaben-, Debit-, Kredit- oder Firmenkarte (Art. 10 Abs. 5). Auf Karten von Visa und Mastercard steht deshalb in der Regel „Debit“ oder „Credit“. Eine Girocard erkennst du am girocard-Logo, und jede Girocard ist eine Debitkarte. Fehlt der Aufdruck, etwa auf einer älteren Karte, hilft die Umsatzliste in deiner Banking-App: Gehen die Umsätze einzeln vom Girokonto ab, ist es eine Debitkarte. Kommt einmal im Monat eine Sammelabrechnung, ist es keine. Was das Recht unter einer Debitkarte versteht Die EU-Verordnung über Interbankenentgelte definiert die Debitkarte über ihr Gegenstück. Eine Kreditkartentransaktion liegt vor, wenn der Betrag aus einer vorab vereinbarten Kreditfazilität an einem vorab vereinbarten Kalendertag ganz oder teilweise abgebucht wird. Jede andere Kartenzahlung ist eine Debitkartentransaktion (Art. 2 Nr. 4 und 5 der Verordnung (EU) 2015/751). Daraus folgen zwei Abgrenzungen, die im Alltag oft verwechselt werden: Charge-Karte: Eine Karte, die alle Umsätze einmal im Monat gesammelt und zinsfrei vom Girokonto abbucht, ist nach EU-Recht eine Kreditkarte. Die Verordnung nennt sie „Debitkarte mit Zahlungsaufschub“ und zählt sie ausdrücklich zu den Kreditkarten (Erwägungsgrund 17). Auch die Deutsche Bundesbank ordnet Chargekarten den Kreditkarten zu. Prepaid-Karte: Eine Karte, auf die du vorher Guthaben lädst, gehört zur eigenen Kartenart Guthabenkarte und ist weder Debit- noch Kreditkarte (Art. 2 Nr. 33 und 35). Mehr dazu unter Prepaid-Kreditkarte. Der Unterschied zur Kreditkarte liegt damit im Zeitpunkt der Belastung und im Kreditrahmen: Die Kreditkarte sammelt Umsätze in einem eigenen Verfügungsrahmen und rechnet später ab. Was das beim Reisen, bei Kautionen und bei den Kosten bedeutet, zeigt der Ratgeber Debitkarte und Kreditkarte im direkten Vergleich. Wo die Debitkarte an Grenzen stößt Die meisten Nachteile der Debitkarte folgen aus ihrer Stärke: Das Geld kommt direkt vom Girokonto. Kaution bei Hotel und Mietwagen Hotels und Autovermieter lassen für eine Kaution einen Betrag blockieren, der erst nach Abreise oder Rückgabe wieder frei wird, bei der Debitkarte direkt auf deinem Girokonto. Manche Autovermieter nehmen Debitkarten für die Kaution gar nicht an, das meldeten Verbraucher 2023 dem Verbraucherzentrale Bundesverband. Wer regelmäßig Mietwagen bucht, braucht deshalb meist eine echte Kreditkarte, einen Überblick gibt der Kreditkarten-Vergleich. Händler dürfen Kartenarten ablehnen Innerhalb einer Kartenmarke dürfen Händler nach Kartenart unterscheiden, also etwa Visa-Kreditkarten annehmen und Visa-Debitkarten ablehnen oder umgekehrt. Wer nicht alle Karten eines Systems akzeptiert, muss das am Eingang und an der Kasse deutlich sichtbar anzeigen, im Onlinehandel vor dem Kauf auf der Website (Art. 10 Abs. 2 und 4 der Verordnung (EU) 2015/751). Manche Geschäfte in Deutschland nehmen außerdem nur die Girocard an, dort hilft dir eine reine Visa Debit nicht weiter. Missbrauch trifft das Girokonto Wird deine Debitkarte missbraucht, fehlt das Geld sofort auf deinem Girokonto und nicht in einem getrennten Kreditrahmen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht bei den Debitkarten von Visa und Mastercard deshalb ein höheres Risiko im Betrugsfall als bei der Kreditkarte. Für eine nicht autorisierte Zahlung muss die Bank dein Konto aber unverzüglich wieder auf den alten Stand bringen, in der Regel spätestens bis zum Ende des Geschäftstags nach deiner Meldung (§ 675u BGB). Nach Verlust, Diebstahl oder Missbrauch der Karte haftest du für nicht autorisierte Zahlungen mit höchstens 50 Euro. Hast du betrügerisch gehandelt oder deine Sorgfaltspflichten vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt, haftest du für den ganzen Schaden (§ 675v BGB, Art. 74 der Richtlinie (EU) 2015/2366). Wie du eine Karte nach Verlust sofort sperren lässt, steht im Ratgeber So schützt du deine Karten vor Betrug. Plane eine Kaution nie mit der einzigen Karte, die an deinem Girokonto hängt. Prüfe vor Hotel oder Mietwagen, welche Kartenart der Anbieter annimmt, und nimm eine zweite Karte mit. Wann eine Karte als Debitkarte gilt und wann nicht Debitkarte im Sinne des Begriffs wenn jede Zahlung einzeln deinem Girokonto belastet wird, sofort oder nach wenigen Tagen wenn die Karte „Debit“ trägt oder eine Girocard ist wenn es eine virtuelle Debitkarte in der Banking-App ist, die ebenfalls direkt vom Girokonto abbucht Keine Debitkarte, auch wenn es so wirkt wenn die Bank alle Umsätze einmal im Monat gesammelt vom Girokonto abbucht: Das ist eine Charge-Karte und nach EU-Recht eine Kreditkarte wenn du vorher Guthaben aufladen musst: Das ist eine Prepaid- oder Guthabenkarte Grenzfall: Zahlst du mit der Debitkarte ins Minus, bleibt sie eine Debitkarte, aber du nimmst einen Dispositionskredit mit Zinsen in Anspruch Unsere Einschätzung: Für den Alltag in Deutschland reicht eine Debitkarte zum Girokonto meist aus. Du siehst jede Ausgabe sofort, und es gibt keinen separaten Kreditrahmen, den du am Monatsende ausgleichen musst. Achte beim Kontowechsel darauf, welche Karte die Bank ausgibt: eine Girocard, eine Visa Debit oder Debit Mastercard, oder beides. Wer oft reist, Mietwagen bucht oder im Hotel eine Kaution hinterlegen muss, sollte zusätzlich eine Kreditkarte haben. Konten mit passender Kartenausstattung findest du im Girokonto-Vergleich. Häufige Fragen zur Debitkarte Ist eine Debitkarte auch eine EC-Karte? Nicht jede. „EC-Karte“ ist der umgangssprachliche Name für die Girocard, und die Girocard ist eine Debitkarte. Visa Debit und Debit Mastercard sind ebenfalls Debitkarten, aber keine Girocards: Sie laufen über die Netze von Visa und Mastercard. Woher weiß ich, ob meine EC-Karte eine Debitkarte ist? Eine Girocard ist immer eine Debitkarte, du erkennst sie am girocard-Logo. Auf Karten von Visa und Mastercard steht in der Regel „Debit“ oder „Credit“, weil die EU-Verordnung 2015/751 für neu ausgegebene Karten eine sichtbare Kennzeichnung der Kartenart vorschreibt. Was ist der Unterschied zwischen Debitkarte und Girocard? Debitkarte ist der Oberbegriff für alle Karten, die dein Girokonto direkt belasten. Die Girocard ist eine bestimmte Debitkarte: das Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft für Ladenkassen und Geldautomaten in Deutschland. Im Ausland funktioniert sie über ein zweites Logo, etwa Visa Debit oder Debit Mastercard. Was ist der Unterschied von Debit- und Kreditkarte? Die Debitkarte belastet dein Girokonto sofort oder nach wenigen Tagen und hat keinen eigenen Kreditrahmen. Die Kreditkarte sammelt Umsätze in einem Verfügungsrahmen und bucht sie an einem vereinbarten Tag ab, in der Regel einmal im Monat. Was ist der Nachteil einer Debitkarte? Vor allem bei Kautionen: Hotels und Autovermieter blockieren den Betrag direkt auf deinem Girokonto, manche nehmen Debitkarten dafür gar nicht an. Dazu kommen Akzeptanzlücken, wenn ein Geschäft nur die Girocard oder nur Kreditkarten annimmt. Kann ich mit einer Debitkarte ins Minus gehen? Das hängt von deiner Bank ab. Hast du einen eingeräumten Dispositionskredit und lässt die Bank Kartenzahlungen darüber zu, geht die Zahlung durch und du zahlst Dispozinsen. Sonst lehnt die Bank die Zahlung ab, sobald das Guthaben nicht reicht. Stand: 10.09.2026. Rechtsgrundlagen: Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte (Art. 2, Art. 10, Erwägungsgrund 17), Richtlinie (EU) 2015/2366 (Art. 74, 75), §§ 675t, 675u, 675v BGB. Weitere Quellen: Deutsche Bundesbank (Kartenzahlungen), EURO Kartensysteme (girocard.eu), Mastercard, Verbraucherzentrale Bundesverband (Ergebnispapier Zahlungskarten, 31.08.2023). Dieser Eintrag erklärt den Begriff und ersetzt keine Rechtsberatung.

Depotgesetz

Das Depotgesetz beantwortet die Frage hinter jeder Depoteröffnung: Wem gehören die Aktien und ETFs, die dein Broker für dich verwahrt? Hier erfährst du, welche Verwahrform der Regelfall ist, worauf dein Herausgabeanspruch in der Insolvenz beruht und warum bei Auslandsbeständen andere Regeln gelten. Depotgesetz: das Wichtigste in Kürze 📘 Amtlicher Name: „Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren". Die Kurzüberschrift „Depotgesetz" und die Abkürzung „DepotG" stehen seit 1985 selbst im Gesetz. Es gilt die Neufassung vom 11. Januar 1995, zuletzt geändert am 23. Oktober 2024. 🏦 Regelfall ist die Sammelverwahrung: Deine Wertpapiere liegen im Sammelbestand einer Wertpapiersammelbank, und du erhältst Miteigentum nach Bruchteilen daran (§ 6 Abs. 1 DepotG). ⚖️ Miteigentum ist ein dingliches Recht: Deshalb kannst du dein Depot in der Insolvenz des Verwahrers aussondern (§ 47 InsO) und musst dich nicht als Insolvenzgläubiger anstellen, solange die Papiere ordnungsgemäß für dich verwahrt sind. 🌍 Auslandsbestände laufen anders: Dort bekommst du meist kein Miteigentum, sondern eine Gutschrift in Wertpapierrechnung. Deine Bank hält die Rechtsstellung treuhänderisch, dein Anspruch gegen sie ist schuldrechtlich. Was das Depotgesetz regelt Das Depotgesetz ist das Zivilrecht des Depots. Es bestimmt, wie ein Verwahrer Wertpapiere für dich aufbewahren darf und welche Rechte du an ihnen hast. Verwahrer ist, wem im Betrieb seines Gewerbes Wertpapiere unverschlossen zur Verwahrung anvertraut werden (§ 1 Abs. 2 DepotG): jede Bank und jeder Broker, der für dich ein Depot führt. Der Wertpapierbegriff des Gesetzes ist eng: Aktien, Inhaber- und Orderschuldverschreibungen und andere vertretbare Wertpapiere, inzwischen auch elektronisch begebene (§ 1 Abs. 1 DepotG). Liegen elektronische Wertpapiere als Sammeleintragung im Register, gelten die Regeln zur Sammelverwahrung sinngemäß (§ 9b DepotG). Kryptowerte, GmbH-Anteile und Schuldscheindarlehen fallen laut BaFin-Merkblatt zum Depotgeschäft nicht darunter. Die Sammelverwahrung läuft über eine Wertpapiersammelbank, also einen nach Artikel 16 der EU-Zentralverwahrerverordnung zugelassenen Zentralverwahrer (§ 1 Abs. 3 DepotG). In Deutschland ist das die Clearstream Banking AG in Frankfurt, die die Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte ausdrücklich als „die deutsche Wertpapiersammelbank" bezeichnen. Sammelverwahrung, Sonderverwahrung, unregelmäßige Verwahrung Das Depotgesetz kennt mehrere Verwahrformen, und sie unterscheiden sich in genau einem entscheidenden Punkt: was für ein Recht dir danach an den Papieren zusteht. Verwahrform Norm Deine Rechtsstellung Wann sie greift Sammelverwahrung (Girosammelverwahrung) §§ 5 bis 8 DepotG Miteigentum nach Bruchteilen am Sammelbestand Regelfall bei allen sammelverwahrfähigen Wertpapieren Sonderverwahrung (Streifbanddepot) § 2 DepotG Alleineigentum an bestimmten, dir zugeordneten Stücken Wenn die Papiere nicht sammelverwahrfähig sind oder du es ausdrücklich verlangst Unregelmäßige Verwahrung § 15 DepotG Kein Eigentum, nur ein schuldrechtlicher Anspruch auf Lieferung gleichartiger Papiere Nur mit ausdrücklicher Einzelerklärung in Textform, etwa bei einer Wertpapierleihe Regelfall ist die Sammelverwahrung, und zwar aus einem praktischen Grund: Eine ganze Emission steckt heute in einer einzigen Sammelurkunde bei der Wertpapiersammelbank (§ 9a DepotG), eine physische Trennung nach Anlegern wäre gar nicht möglich. Deshalb arbeitet das Gesetz mit Bruchteilen statt mit Stücken. Sobald die Papiere beim Sammelverwahrer eingehen, entsteht für dich Miteigentum, bemessen nach Nennbetrag oder Stückzahl (§ 6 Abs. 1 DepotG). Die Kehrseite: Du kannst Auslieferung in Höhe deines Bestands verlangen, aber nicht die Stücke zurückfordern, die du eingeliefert hast (§ 7 Abs. 1 DepotG). Die dritte Form verdient besondere Aufmerksamkeit: Bei der unregelmäßigen Verwahrung geht das Eigentum sofort auf den Verwahrer über. Weil das deine Rechtsstellung massiv verschlechtert, verlangt das Gesetz dafür eine ausdrückliche Erklärung in Textform für jedes einzelne Geschäft, die weder in den Geschäftsbedingungen stehen noch auf andere Urkunden verweisen darf (§ 15 Abs. 2 DepotG). Eine Bank kann dir dein Eigentum also nicht per Kleingedrucktem abnehmen. Warum dein Depot nicht in die Insolvenzmasse fällt Der Herausgabeanspruch in der Insolvenz des Depotführers stützt sich nicht auf einen Vertrag, sondern auf dein Eigentum. Das ist der Kern des Depotgesetzes. Bei der Sammelverwahrung bist du Miteigentümer nach Bruchteilen (§ 6 Abs. 1 DepotG), bei der Sonderverwahrung sogar Alleineigentümer. Wer aufgrund eines dinglichen Rechts geltend machen kann, dass ein Gegenstand nicht zur Insolvenzmasse gehört, ist kein Insolvenzgläubiger (§ 47 InsO). Sein Anspruch heißt Aussonderung, und das Depotgesetz verwendet diesen Begriff in seinen Strafvorschriften selbst (§ 37 DepotG). Der oft gelesene Begriff „Sondervermögen" gehört dagegen ins Investmentrecht und meint dort das Fondsvermögen, nicht dein Depot. Deine Wertpapiere gehören nicht dem Broker, sondern dir. Ein Insolvenzverwalter kann sie deshalb nicht verwerten, um andere Gläubiger zu bedienen. In der Praxis wird dein Depot auf ein Institut deiner Wahl übertragen. Die Höhe des Depots spielt dabei keine Rolle, weil es keine Einlage ist und deshalb auch keine Deckungssumme gibt. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken formuliert es genauso: Wertpapiere zählen nicht zu den abgesicherten Produkten, weil sie ohnehin dein Eigentum bleiben und auf ein anderes Depot übertragen werden können. Das Aufsichtsrecht flankiert das. Nach § 84 Abs. 4 WpHG muss ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen deine Eigentumsrechte schützen, ausdrücklich auch für den Insolvenzfall (BaFin-Rundschreiben MaDepot 07/2019). Zwei Grenzen gehören dazu. Erstens: Ist der Sammelbestand selbst geschrumpft, weil jemand unberechtigt darüber verfügt hat, darf der Verwahrer die Auslieferung insoweit verweigern und haftet dir auf den Ausfall (§ 7 Abs. 2 DepotG). Zweitens: Hast du bezahlt, aber noch kein Eigentum erlangt, greift kein Aussonderungsrecht. Dafür schafft das Gesetz einen Vorrang vor allen übrigen Insolvenzgläubigern aus einer eigens gebildeten Sondermasse (§ 32 DepotG), also weniger als Aussonderung, aber deutlich mehr als eine gewöhnliche Insolvenzforderung. Die vorsätzliche Verfügung über anvertraute Kundenpapiere ist als Depotunterschlagung mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht (§ 34 DepotG). Depotgesetz und Anlegerentschädigung sind zwei verschiedene Ebenen Diese beiden Schutzebenen werden ständig vermischt, obwohl sie unterschiedliche Fälle regeln. Das Depotgesetz gibt dir Eigentum und damit einen Herausgabeanspruch ohne Obergrenze. Das Anlegerentschädigungsgesetz gibt dir Geld, und zwar genau dann, wenn dieses Eigentum nicht mehr herausgegeben werden kann. Der Entschädigungsanspruch ist auf 90 Prozent der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften und den Gegenwert von 20.000 Euro begrenzt (§ 4 Abs. 2 AnlEntG). Diese Obergrenze gilt für deine Gesamtforderung gegen das Institut, unabhängig von der Zahl deiner Konten (§ 4 Abs. 4 AnlEntG). Bei einem Gemeinschaftsdepot zählt der Anteil jedes Inhabers einzeln, mangels besonderer Bestimmungen zu gleichen Teilen (§ 4 Abs. 5 AnlEntG). Zuständig ist bei Banken die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, bei reinen Wertpapierhandelsunternehmen, Finanzdienstleistungsinstituten und Kapitalverwaltungsgesellschaften die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen. Entscheidend ist der Auslöser. Nach der Übersicht der BaFin greift die Anlegerentschädigung bei einer Bank dann, wenn sie den Anspruch auf Herausgabe deiner Wertpapiere nicht erfüllen kann, etwa nach bankinternem Betrug. Für Ausschüttungen und Verkaufserlöse, also Geldforderungen, ist dagegen die Einlagensicherung zuständig; für Verluste aus falscher Beratung zahlt keine der beiden Einrichtungen. Die 20.000 Euro sind also keine Obergrenze für dein Depot, sondern eine für den Missbrauchsfall. Wie die Ebenen im Alltag zusammenspielen, zeigt der Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Was bei ausländischen Verwahrstellen anders ist Kauft dein Broker Wertpapiere im Ausland an, gilt für die Verwahrung das Recht des Lagerlands. Wem die Papiere gehören, richtet sich nach dem Recht des Staates, in dem das Register geführt wird oder die kontoführende Stelle sitzt (§ 17a DepotG). Viele Rechtsordnungen kennen das deutsche Bruchteilsmiteigentum am Sammelbestand schlicht nicht. Das Gesetz löst das über eine Sonderregel für das Auslandsgeschäft: Die Bank muss dir das Eigentum erst auf dein Verlangen verschaffen, wenn die Papiere vereinbarungsgemäß im Ausland angeschafft und aufbewahrt werden (§ 22 DepotG). Was stattdessen passiert, steht in Nr. 12 der Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte, die praktisch jede deutsche Bank verwendet: Sie verschafft sich Eigentum, Miteigentum oder eine im Lagerland übliche, gleichwertige Rechtsstellung, hält diese Rechtsstellung treuhänderisch für dich und erteilt dir darüber eine Gutschrift in Wertpapierrechnung. Der Unterschied in einem Satz: Bei einer Girosammel-Gutschrift im Inland gehören dir die Papiere dinglich. Bei einer Gutschrift in Wertpapierrechnung gehören sie rechtlich der Bank, die sie treuhänderisch für dich hält; dein Anspruch auf Herausgabe ist schuldrechtlich und richtet sich gegen sie. Die Treuhandkonstruktion soll dich wirtschaftlich wie einen Eigentümer stellen, auch in der Insolvenz. Sie ist aber nicht dasselbe wie Miteigentum, und zwei Klauseln zeigen, wo das durchschlägt. Die Bank muss deine Auslieferungsansprüche nur aus dem Deckungsbestand erfüllen, den sie im Lagerland unterhält; Schäden an diesem Bestand durch höhere Gewalt oder Zugriffe von hoher Hand trägst du anteilig mit (Nr. 12 Abs. 4). Und bei Auslandsverwahrung beschränkt sich die Haftung der Bank auf die sorgfältige Auswahl und Unterweisung des ausländischen Verwahrers; nur wenn die Zwischenverwahrung über die deutsche Wertpapiersammelbank oder eine eigene Auslandsstelle läuft, haftet sie für deren Verschulden (Nr. 19 Abs. 2). Einen Fall regelt das Gesetz selbst: Reicht die deutsche Wertpapiersammelbank Papiere im grenzüberschreitenden Effektengiroverkehr an einen ausländischen Zentralverwahrer weiter, verlangt § 5 Abs. 4 DepotG eine für dich gleichwertige Rechtsstellung und dass dem Auslieferungsanspruch keine Verbote des Sitzstaats entgegenstehen. Steuerlich ist der Auslandsbestand eine eigene Frage, dazu hilft der Ratgeber zu ausländischen Brokern und der Anlage KAP. Wann das Depotgesetz greift und wann nicht Aktien, ETF-Anteile und Anleihen im Depot einer deutschen Bank: Sammelverwahrung mit Miteigentum, Aussonderung in der Insolvenz. Elektronisch begebene Wertpapiere in Sammeleintragung: depotrechtlich wie Sammelbestände behandelt (§ 9b DepotG). Nicht sammelverwahrfähige Papiere: Sonderverwahrung mit Alleineigentum, auf Verlangen auch für sammelverwahrfähige Stücke. Geld auf dem Verrechnungskonto: keine Verwahrung, sondern eine Einlage. Dafür gilt die Einlagensicherung, nicht das Depotgesetz. Kryptowerte, GmbH-Anteile, Schuldscheindarlehen: keine Wertpapiere im Sinne des § 1 Abs. 1 DepotG. Edge Case Wertpapierleihe: Verleihst du deine Aktien, greift § 15 DepotG. Das Eigentum geht auf die Gegenseite über, und du hast nur noch einen schuldrechtlichen Rückgabeanspruch samt Ausfallrisiko. Unsere Einschätzung: Das Depotgesetz ist der Grund, warum die Größe deines Depots für die Insolvenzfestigkeit keine Rolle spielt, während beim Verrechnungskonto eine harte Grenze steht. Wer das auseinanderhält, schaut auf die zwei Punkte, die wirklich zählen: Auslandsbestände, bei denen statt Miteigentum eine Treuhandkonstruktion steht, und Erklärungen zur Wertpapierleihe, mit denen du dein Eigentum bewusst aufgibst. Beides steht in den Sonderbedingungen deiner Bank, nicht im Preisverzeichnis. Lies vor der Eröffnung nach, wo deine Papiere liegen sollen, und vergleiche die Anbieter im Depot Vergleich. Häufige Fragen zum Depotgesetz Wie heißt das Depotgesetz offiziell? Der amtliche Langtitel lautet „Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren". Die Kurzüberschrift „Depotgesetz" und die Abkürzung „DepotG" sind keine Umgangssprache: Sie wurden 1985 in das Gesetz eingefügt und sind seither amtlich. Maßgeblich ist heute die Fassung der Bekanntmachung vom 11. Januar 1995, zuletzt geändert durch Artikel 24 des Gesetzes vom 23. Oktober 2024. Was ist der Unterschied zwischen Sammelverwahrung und Sonderverwahrung? Bei der Sammelverwahrung liegen gleichartige Wertpapiere aller Anleger in einem Sammelbestand bei einer Wertpapiersammelbank. Du erhältst Miteigentum nach Bruchteilen (§ 6 Abs. 1 DepotG) und kannst Auslieferung nach Nennbetrag oder Stückzahl verlangen, aber nicht deine ursprünglichen Stücke. Bei der Sonderverwahrung, auch Streifbanddepot genannt, werden die Papiere unter deiner Bezeichnung getrennt aufbewahrt und du bleibst Alleineigentümer (§ 2 DepotG). Die Sammelverwahrung ist der Regelfall, die Sonderverwahrung greift bei nicht sammelverwahrfähigen Papieren oder auf dein ausdrückliches Verlangen. Worauf stützt sich mein Anspruch, wenn mein Broker insolvent wird? Auf dein Eigentum, nicht auf den Depotvertrag. Bei Sammelverwahrung bist du Miteigentümer nach Bruchteilen am Sammelbestand (§ 6 Abs. 1 DepotG), bei Sonderverwahrung Alleineigentümer. Dieses dingliche Recht macht dich zum Aussonderungsberechtigten nach § 47 InsO, nicht zum Insolvenzgläubiger. Hast du zwar bezahlt, aber noch kein Eigentum erlangt, greift stattdessen der Vorrang aus einer Sondermasse nach § 32 DepotG. Deckt die Anlegerentschädigung mein Depot bis 20.000 Euro ab? Nein, sie ist keine Obergrenze für dein Depot. Dein Depot ist über das Eigentum geschützt und kennt keine Deckungssumme. Die Anlegerentschädigung springt erst ein, wenn dir verwahrte Wertpapiere oder Gelder aus Wertpapiergeschäften nicht mehr herausgegeben werden können, etwa nach Unterschlagung. Dann sind 90 Prozent der Forderung und höchstens 20.000 Euro gedeckt (§ 4 Abs. 2 AnlEntG). Für Ausschüttungen und Verkaufserlöse bei einer Bank ist laut BaFin die Einlagensicherung zuständig, für Beratungsfehler keine der beiden Einrichtungen. Gilt das Depotgesetz auch für Aktien, die im Ausland verwahrt werden? Nur eingeschränkt. Wem die Papiere gehören, richtet sich nach dem Recht des Registerorts oder der kontoführenden Stelle (§ 17a DepotG). Werden Wertpapiere vereinbarungsgemäß im Ausland angeschafft und aufbewahrt, muss die Bank dir das Eigentum erst auf Verlangen verschaffen (§ 22 DepotG). In der Praxis erhältst du eine Gutschrift in Wertpapierrechnung: Die Bank hält Eigentum, Miteigentum oder eine gleichwertige Rechtsstellung treuhänderisch für dich. Dein Herausgabeanspruch ist dann schuldrechtlich und auf den Deckungsbestand im Lagerland beschränkt. Was hat das Depotgesetz mit einem Depotwechsel zu tun? Weil dir die Wertpapiere gehören, kannst du sie zu einem anderen Verwahrer mitnehmen, ohne sie zu verkaufen. Übertragen wird bei Sammelverwahrung der Miteigentumsanteil am Sammelbestand, nicht ein bestimmtes Stück. Wie der Ablauf und die Fristen aussehen, steht im Ratgeber zum Depotübertrag. Stand: 16.09.2026. Quellen: Depotgesetz (Gesetz über die Verwahrung und Anschaffung von Wertpapieren) in der Fassung vom 11.01.1995, zuletzt geändert durch Art. 24 G v. 23.10.2024, sowie Insolvenzordnung und Anlegerentschädigungsgesetz, jeweils über gesetze-im-internet.de (Bundesministerium der Justiz); BaFin, Merkblatt „Hinweise zum Tatbestand des Depotgeschäfts" (Stand Dezember 2021), Rundschreiben 07/2019 (WA) MaDepot und Verbraucherinformation zu Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; Entschädigungseinrichtung deutscher Banken; Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte (Nr. 11, 12 und 19). Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Direktbank

Eine Direktbank ist eine Bank ohne Filialnetz. Hier liest du, wer sie beaufsichtigt, wie weit dein Geld gedeckt ist und wann sie die Abgeltungssteuer für dich abzieht. Was du über Direktbanken wissen musst 🏦 Direktbank: Eine Direktbank betreut dich ohne Filialnetz über Internet, App, Telefon oder Post; wer im Inland Einlagen annimmt, braucht dafür die Erlaubnis der BaFin nach § 32 Abs. 1 KWG und wird von BaFin und Bundesbank überwacht 💰 Einlagensicherung: Gesetzlich sind 100.000 Euro je Einleger und Institut gedeckt; die Grenze gilt für deine Gesamtforderung gegen diese Bank, also für alle Konten zusammen, auch unter zwei Marken ✅ Freiwillige Sicherung: Wirkt die Bank am Einlagensicherungsfonds der privaten Banken mit, sind je Privatperson bis zu 3 Millionen Euro gedeckt, höchstens aber 8,75 Prozent ihrer Eigenmittel; einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht ⚠️ Steuer: Nur eine inländische auszahlende Stelle zieht die 25 Prozent Abgeltungssteuer ab und berücksichtigt deinen Freistellungsauftrag; sitzt die Bank ohne deutsche Zweigniederlassung im Ausland, erklärst du die Zinsen selbst Der Begriff begegnet dir in Tagesgeld- und Festgeldvergleichen und immer dann, wenn ein gutes Zinsangebot von einer Bank kommt, deren Namen du noch nie an einer Hausfassade gesehen hast. Was ist eine Direktbank? Eine Direktbank wickelt ihre Geschäfte nicht über ein Filialnetz ab, sondern über Internet, App, Telefon und teils Post. Kontoeröffnung, Überweisungen und Sparen erledigst du selbst, Rückfragen klärst du telefonisch, im Chat oder schriftlich. Rechtlich ist sie eine Bank wie jede andere. Das Einlagengeschäft, also die Annahme fremder Gelder als Einlagen, ist ein Bankgeschäft nach § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 KWG, und wer es im Inland gewerbsmäßig betreiben will, braucht dafür eine Erlaubnis (§ 32 Abs. 1 KWG). Der Unterschied zur Filialbank liegt im Vertriebsweg, nicht im Aufsichtsrecht. Ohne Filialen fallen Miet- und Personalkosten weg. Das gibt einer Direktbank Spielraum bei Zinsen und Entgelten, verpflichtet sie aber zu nichts. Typisch ist eine Verschiebung statt einer Ersparnis: Die Kontoführung ist oft entgeltfrei oder an einen monatlichen Geldeingang geknüpft, während Bargeldabhebungen, Fremdwährungseinsätze und Papieraufträge einzeln abgerechnet werden. Viele Direktbanken sind Töchter größerer Banken, manche nur eine zweite Marke eines bestehenden Instituts. Für die Einlagensicherung entscheidet die Erlaubnis, nicht die Marke: Eine eigene Erlaubnis bedeutet ein eigenes Institut mit eigener Deckungssumme. Direktbank, Filialbank und Neobank: der Unterschied Filialbank und Direktbank unterscheiden sich im Weg zu dir. Beide brauchen eine Erlaubnis, unterliegen der Bankenaufsicht und müssen einem Einlagensicherungssystem angehören; die Filialbank bietet zusätzlich Beratung und Kasse vor Ort. Neobank ist ein Marktbegriff für App-Anbieter, kein deutsches Aufsichtsgesetz kennt diese Kategorie. Hinter einer Neobank kann eine Bank mit voller Erlaubnis stehen, dann ist sie aufsichtsrechtlich eine Direktbank. Es kann aber auch ein E-Geld- oder Zahlungsinstitut sein, das ohne Bankerlaubnis arbeitet. Für dein Guthaben ändert das alles. Ein E-Geld-Institut betreibt kein Einlagengeschäft, dein Guthaben dort ist also keine Einlage, und die Einlagensicherung schützt laut BaFin Kundeneinlagen. Stattdessen muss das Institut die entgegengenommenen Beträge nach § 17 Abs. 1 ZAG sichern: getrennt vom eigenen Vermögen, auf einem gesonderten Konto oder in sicheren liquiden Aktiva. Merkmal Filialbank Direktbank Neobank Kontakt Filiale, Online-Banking, Telefon Internet, App, Telefon, Post App und online Zulassung Erlaubnis nach § 32 KWG Erlaubnis nach § 32 KWG Erlaubnis nach § 32 KWG oder Zulassung als E-Geld- bzw. Zahlungsinstitut Einlagengeschäft ja ja nur mit Erlaubnis nach § 32 KWG Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Einleger und Institut bis 100.000 Euro je Einleger und Institut nur mit Erlaubnis nach § 32 KWG; E-Geld-Guthaben sind keine Einlagen Stand: 16.09.2026. Quellen: KWG §§ 1, 32; ZAG § 17; EinSiG § 8; BaFin, „Einlagensicherung und Anlegerentschädigung". Wer eine Direktbank in Deutschland beaufsichtigt Hat die Direktbank ihren Sitz in Deutschland, braucht sie die Erlaubnis der BaFin (§ 32 Abs. 1 KWG). Die laufende Aufsicht teilen sich BaFin und Deutsche Bundesbank: Die Bundesbank wertet Unterlagen und Prüfungsberichte aus und führt die bankgeschäftlichen Prüfungen durch (§ 7 Abs. 1 KWG). Als bedeutend eingestufte Banken beaufsichtigt die Europäische Zentralbank direkt (§ 7 Abs. 1a KWG, Verordnung (EU) Nr. 1024/2013). Hat die Direktbank ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums, braucht sie keine deutsche Erlaubnis. Die Zulassung in ihrem Herkunftsland berechtigt sie, auch in Deutschland Bankgeschäfte zu betreiben, über eine Zweigniederlassung oder im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr (§ 53b Abs. 1 KWG). Voraussetzung ist, dass die Geschäfte von der Zulassung gedeckt sind und die Behörden des Herkunftslandes die Bank beaufsichtigen. Im Ernstfall ist dann nicht die BaFin deine erste Adresse, sondern die Aufsicht des Sitzlandes. Wo die Bank sitzt, steht im Impressum. Einlagensicherung: 100.000 Euro gesetzlich, freiwillig mehr Einlagen bei einer Direktbank sind gesetzlich genauso gedeckt wie bei einer Filialbank: bis 100.000 Euro (§ 8 Abs. 1 EinSiG). Die Deckungssumme bezieht sich auf die Gesamtforderung des Einlegers gegen das Institut, unabhängig von der Zahl der Konten (§ 7 Abs. 3 EinSiG). Entschädigt wird spätestens sieben Arbeitstage nach Feststellung des Entschädigungsfalls, ohne Antrag (§ 14 Abs. 3 EinSiG). Für Sonderfälle wie Geld aus dem Verkauf einer selbst genutzten Wohnimmobilie steigt die Summe sechs Monate lang ab Gutschrift auf bis zu 500.000 Euro (§ 8 Abs. 2 EinSiG). Gedeckt sind Kontoguthaben, Spareinlagen und Termingeld. Wertpapiere im Depot fallen nicht darunter, bleiben aber dein Eigentum und können im Insolvenzfall übertragen werden. Welches System zahlt, hängt am Sitz der Bank. Bei einer privaten Bank mit Sitz in Deutschland ist es die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, und die BaFin stellt den Entschädigungsfall fest. Bei einer Bank aus einem anderen EU-Staat zahlt das System ihres Herkunftsstaates, auch wenn sie hier eine Zweigniederlassung hat. Viele private Banken wirken zusätzlich am freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken mit. Er deckt seit dem 1. Januar 2025 je Privatperson bis zu 3 Millionen Euro ab, höchstens aber 8,75 Prozent der Eigenmittel dieser Bank; ab dem 1. Januar 2030 sinkt die Grenze auf 1 Million Euro. Zwei Einschränkungen: Einen Rechtsanspruch gibt es nicht, und bei einer kleinen Bank greift eher der Prozentsatz als die 3 Millionen Euro. Beides, zuständiges System und Sicherungsgrenze deiner Bank, steht im Informationsbogen für Einleger. Die Bank muss ihn dir vor Beginn der Geschäftsbeziehung geben und danach mindestens einmal jährlich, bei Internetbanking elektronisch, auf Wunsch in Papierform (§ 23a Abs. 1 KWG). Im Alltag zeigen das die Ratgeber dazu, wie die Einlagensicherung beim Tagesgeld greift und was bei längeren Laufzeiten gilt. Konto ohne Filiale: so weist du deine Identität nach Ohne Schalter läuft der Identitätsnachweis anders. Das Geldwäschegesetz lässt zwei Wege zu: die Prüfung eines vor Ort vorgelegten Dokuments oder ein sonstiges Verfahren mit gleichwertigem Sicherheitsniveau (§ 13 Abs. 1 GwG). Zulässige Mittel sind ein gültiger amtlicher Lichtbildausweis, der elektronische Identitätsnachweis des Personalausweises und eine qualifizierte elektronische Signatur (§ 12 Abs. 1 GwG); die Online-Ausweisfunktion nutzt du ab 16 Jahren (§ 18 PAuswG). In der Praxis siehst du drei Varianten. PostIdent heißt: Ausweis in einer Filiale des Dienstleisters vorlegen, also Vor-Ort-Prüfung. Bei VideoIdent identifiziert dich ein geschulter Mitarbeiter im Videogespräch; die Anforderungen hat die BaFin im Rundschreiben 3/2017 (GW) festgelegt, zugelassen ist es nur für natürliche Personen. Dritte Variante ist die Online-Ausweisfunktion mit Ausweis, PIN und Smartphone. Beim Tages- und Festgeld kommt fast immer ein Referenzkonto dazu: ein von dir benanntes Girokonto, auf das Auszahlungen ausschließlich zurückfließen, selbst wenn jemand deine Zugangsdaten hat. Steuern: wann die Direktbank die Abgeltungssteuer abzieht Zinsen auf Bankguthaben versteuerst du mit 25 Prozent (§ 32d Abs. 1 Satz 1 EStG, § 43a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und, bei Kirchensteuerpflicht, die Kirchensteuer, die den Steuersatz im Gegenzug etwas mindert. Wer abführt, hängt am Sitz der Bank. Den Abzug nimmt die auszahlende Stelle vor, und das ist nach § 44 Abs. 1 Satz 4 EStG ein inländisches Kreditinstitut. Eine Direktbank mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland zieht die Steuer also ab, damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen in der Regel erledigt. Dieselbe Stelle kann vom Abzug absehen, solange deine Kapitalerträge den Sparer-Pauschbetrag nicht übersteigen und du einen Freistellungsauftrag erteilt hast (§ 44a Abs. 1 EStG). Der Pauschbetrag liegt bei 1.000 Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten bei 2.000 Euro (§ 20 Abs. 9 EStG). Bietet eine Bank aus einem anderen Staat ihre Konten ohne deutsche Zweigniederlassung an, gibt es keine inländische auszahlende Stelle. Dann zieht niemand etwas ab, und ein Freistellungsauftrag läuft dort ins Leere. Du gibst die Zinsen in der Anlage KAP deiner Einkommensteuererklärung an; der Satz bleibt 25 Prozent, der Sparer-Pauschbetrag wird über die Veranlagung berücksichtigt. Modellfall: Bei 400 Euro Zinsen und bereits ausgeschöpftem Sparer-Pauschbetrag fallen 100 Euro Abgeltungssteuer an, plus Solidaritätszuschlag. Die Details stehen in den Einträgen zur Abgeltungssteuer im Detail und dazu, wie du deinen Freistellungsauftrag richtig aufteilen kannst. Wann eine Direktbank zu dir passt und wann nicht Eine Direktbank passt Du erledigst Überweisungen, Daueraufträge und Sparen selbst online oder per App und vergleichst Konditionen eigenständig Die Bank hat Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland: Dann laufen Steuerabzug und Freistellungsauftrag ohne dein Zutun Die Bank wirkt am freiwilligen Fonds mit: Dann reicht die Deckung über die 100.000 Euro hinaus Eine Direktbank passt weniger Du willst Beratung von Angesicht zu Angesicht oder zahlst regelmäßig Bargeld ein: Eine eigene Kasse gibt es nicht, Einzahlungen laufen über Partnernetze, oft entgeltpflichtig oder gedeckelt Die Bank sitzt im EWR ohne deutsche Zweigniederlassung: Du erklärst die Zinsen jedes Jahr selbst, im Sicherungsfall ist die Aufsicht des Sitzlandes zuständig Grenzfall zweite Marke: Führt dieselbe Bank deine Konten unter zwei Namen, teilen sie sich eine Deckungssumme. Bei 70.000 und 50.000 Euro sind 100.000 Euro gedeckt, 20.000 Euro nicht Grenzfall E-Geld: Hat der App-Anbieter keine Erlaubnis nach § 32 KWG, ist dein Guthaben keine Einlage und nicht von der Einlagensicherung erfasst Prüf vor jeder Kontoeröffnung bei einer Direktbank drei Dinge: den Sitz der Bank im Impressum, das zuständige Sicherungssystem samt Sicherungsgrenze im Informationsbogen für Einleger, und ob die Bank die Abgeltungssteuer für dich abzieht. Eine Direktbank ist eine vollwertige Bank ohne Filialen. Ob sie aus Deutschland oder einem anderen EWR-Staat kommt, ändert nichts an den 100.000 Euro, wohl aber daran, welche Aufsicht und welches Sicherungssystem zuständig sind und ob du die Zinsen selbst erklärst. Bei zweiten Marken und App-Anbietern ohne Bankerlaubnis fällt die Deckung anders aus, als sie zunächst aussieht. Konkrete Empfehlung: Vergleich zuerst Zinsen und Entgelte, dann prüf Sitz, Sicherungssystem und Steuerabzug. Angebote findest du im Tagesgeld-Vergleich, bei Festgeld mit fester Laufzeit und im Girokonto-Vergleich. Häufige Fragen zur Direktbank Was versteht man unter einer Direktbank? Unter einer Direktbank versteht man eine Bank ohne eigenes Filialnetz. Sie wickelt ihre Geschäfte über Internet, App, Telefon oder Post ab. Aufsichtsrechtlich ist sie eine vollwertige Bank: Sie braucht für das Einlagengeschäft eine Erlaubnis nach § 32 Abs. 1 KWG, wird von BaFin und Bundesbank überwacht und gehört einem Einlagensicherungssystem an. Viele Direktbanken sind Töchter oder zweite Marken größerer Banken. Was sind die Nachteile einer Direktbank? Du bekommst keine Beratung am Schalter, und Bargeld kannst du nicht in einer eigenen Filiale einzahlen, sondern nur über Partnernetze, häufig gegen Entgelt. Hat die Bank weder Sitz noch Zweigniederlassung in Deutschland, zieht sie keine Abgeltungssteuer ab, ein Freistellungsauftrag greift dort nicht, und du erklärst die Zinsen selbst. Ist die Direktbank nur die zweite Marke deiner bisherigen Bank, teilen sich beide Konten die gesetzliche Deckungssumme von 100.000 Euro. Welche Direktbank ist gut? Das hängt davon ab, wofür du sie brauchst: Girokonto, Tagesgeld oder Festgeld. Capitalo bewertet die Angebote in den Vergleichen mit dem Capitalo Score. Prüf zusätzlich drei Punkte, die kein Zinssatz zeigt: den Sitz der Bank, das zuständige Sicherungssystem samt Sicherungsgrenze und ob die Bank den Steuerabzug für dich übernimmt. Welche Online-Bank ist die sicherste? Diese Frage lässt sich nicht mit einem Namen beantworten. Der gesetzliche Schutz ist für alle Banken mit Erlaubnis gleich: 100.000 Euro je Einleger und Institut. Unterschiede entstehen an drei Stellen: am Sitzland, weil es bestimmt, welche Aufsicht und welches Sicherungssystem zuständig sind; an der Mitwirkung am freiwilligen Fonds, die über die gesetzliche Deckung hinausgeht, aber keinen Rechtsanspruch begründet; und an der Rechtsform des Anbieters, weil ein E-Geld-Institut gar keine Einlagen entgegennimmt. Ist eine Neobank eine Direktbank? Nur wenn sie eine Erlaubnis nach § 32 KWG hat. Neobank ist ein Marktbegriff für App-Anbieter und kein Rechtsbegriff. Hat der Anbieter die volle Bankerlaubnis, ist er aufsichtsrechtlich eine Direktbank mit Einlagensicherung. Ist er ein E-Geld-Institut, betreibt er kein Einlagengeschäft; sein Kundengeld wird nach § 17 Abs. 1 ZAG getrennt gehalten und fällt nicht unter die Einlagensicherung. Wie zahle ich bei einer Direktbank Bargeld ein? Eine eigene Kasse hat eine Direktbank nicht. Einzahlungen laufen über Partnernetze, etwa über Geldautomaten kooperierender Banken oder über Kassen im Einzelhandel. Wie viel du je Vorgang und Monat einzahlen kannst und ob ein Entgelt anfällt, regelt jede Bank in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis. Wenn du regelmäßig größere Bargeldbeträge einzahlst, ist das der Punkt, an dem du vor der Eröffnung genau hinsehen solltest. Rechtsstand: KWG §§ 1, 7, 23a, 32 und 53b, EinSiG §§ 7, 8 und 14, GwG §§ 12 und 13, ZAG § 17, EStG §§ 20, 32d, 43a, 44 und 44a sowie PAuswG § 18 in der tagesaktuellen Fassung (gesetze-im-internet.de, abgerufen am 16.09.2026); Verordnung (EU) Nr. 1024/2013. Quellen: BaFin, „Einlagensicherung und Anlegerentschädigung" und Rundschreiben 3/2017 (GW); Deutsche Bundesbank, „Einlagensicherung"; Statut des Einlagensicherungsfonds § 6 Abs. 8 (Bundesverband deutscher Banken). Das Rechenbeispiel ist eine eigene Modellrechnung.

E

Effektivzins

Kurz & knapp: Der Effektivzins ist die einzige Zahl, mit der du Baufinanzierungs-Angebote wirklich vergleichen kannst. Er enthält den Sollzins plus alle Pflichtkosten der Bank — und ist nach § 16 PAngV verbindlich anzugeben. Ein Beispiel: 3,75 % Sollzins werden bei monatlicher Zinsverrechnung zu 3,82 % Effektivzins, noch bevor Kosten dazukommen. Was ist der Effektivzins? Der Effektivzins — offiziell effektiver Jahreszins — ist der Zinssatz, der dir die tatsächlichen jährlichen Gesamtkosten deines Kredits in Prozent angibt. Er enthält nicht nur den reinen Zins (Sollzins), sondern auch die meisten Pflichtkosten, die die Bank dir berechnet. Damit ist er die einzige Kennzahl, mit der du Baufinanzierungs-Angebote unterschiedlicher Anbieter fair vergleichen kannst. Grundlage ist die Preisangabenverordnung (PAngV), konkret § 16 PAngV. Diese Vorschrift verpflichtet alle Kreditgeber in Deutschland, den Effektivzins nach einer einheitlichen Berechnungsformel auszuweisen. Das ist Verbraucherschutz pur: Banken können dich mit niedrigem Sollzins nicht mehr ködern und dann über versteckte Gebühren teurer werden — die Wahrheit landet im Effektivzins. Was steckt im Effektivzins drin — und was nicht? Hierbei lohnt sich ein genauer Blick. Nicht jede Position fließt automatisch in den Effektivzins ein. Enthalten im EffektivzinsNICHT enthalten Sollzins (Nominalzins)Notarkosten Bearbeitungs- und VermittlungsgebührenGrundbuchkosten (Eintragung Eigentum) Schätzkosten der ImmobilieGrunderwerbsteuer Anteilige Grundbuchkosten für die GrundschuldMaklerprovision Tilgungsverrechnung & AuszahlungskursRestschuldversicherung (sofern freiwillig) Daher gilt: Der Effektivzins zeigt dir die echten Bank-Kosten, aber er ist nicht der Komplettpreis deines Hauskaufs. Die Kaufnebenkosten wie Notar, Grundbuch und Grunderwerbsteuer kommen on top. Sollzins vs. Effektivzins — ein Rechenbeispiel Stell dir vor, du finanzierst 300.000 € über 10 Jahre Sollzinsbindung. Die Bank nennt einen Sollzins von 3,75 % und verrechnet die Zinsen monatlich. Weitere Kosten fallen in diesem Beispiel nicht an. PositionWert Sollzins (nominal)3,75 % + Effekt der monatlichen Zinsverrechnung~0,07 % p.a. Effektivzins (PAngV)3,82 % Der Effektivzins liegt also schon ohne Gebühren über dem Sollzins, weil du Zinsen monatlich zahlst statt einmal im Jahr. Verlangt die Bank zusätzlich Kosten, die sie zur Bedingung für den Kredit macht, etwa eine Schätzgebühr, steigt er weiter. Genau deshalb verlangt der Gesetzgeber den Effektivzins als Pflichtangabe: Er macht Zahlweise und Kosten vergleichbar. Mehr zum Zusammenspiel mit der Sollzinsbindung findest du im verlinkten Eintrag. Tipp: Vergleiche Angebote ausschließlich über den Effektivzins. Sollzins-Vergleiche führen dich systematisch in die Irre, sobald die Banken unterschiedliche Bearbeitungs- oder Schätzgebühren ansetzen. Warum der Effektivzins für Bauzinsen besonders wichtig ist Bei einer Baufinanzierung sprechen wir über sechsstellige Beträge und Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren. Schon 0,1 Prozentpunkte Unterschied bedeuten über die Laufzeit oft mehrere tausend Euro. Daher ist der Effektivzins-Vergleich kein Detail, sondern der wichtigste Hebel beim Konditionen-Check. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Der ausgewiesene Effektivzins gilt nur für die Sollzinsbindungs-Periode. Was nach 10 oder 15 Jahren passiert (Anschlussfinanzierung), steckt nicht in der Zahl drin. Konkret hilft dir hier der Blick auf die aktuelle Zinsentwicklung und ein unabhängiger Vergleich mehrerer Anbieter. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Bauzinsen sind tagesaktuell und hängen von Bonität, Beleihungsauslauf und Eigenkapitalquote ab. Stand: Mai 2026.

ESMA

Die ESMA ist die Wertpapieraufsicht der EU mit Sitz in Paris. Hier liest du, was sie regelt, wofür die BaFin zuständig ist und was das für dein Depot heißt. Das musst du über die ESMA wissen 🏛️ EU-Behörde in Paris: Die ESMA ist eine unabhängige Behörde der Europäischen Union mit Sitz in Paris. Sie arbeitet seit dem 1. Januar 2011 auf Grundlage der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010. ⚖️ Regeln statt Einzelaufsicht: Die ESMA setzt EU-weite Standards für den Wertpapiermarkt. Deinen Broker mit Sitz in Deutschland beaufsichtigt die BaFin; direkt beaufsichtigt die ESMA nur bestimmte Marktakteure wie Ratingagenturen und Transaktionsregister. 📉 CFD-Hebelgrenzen: Die ESMA hat 2018 befristete Hebelgrenzen von 30:1 bis 2:1 für Kleinanleger eingeführt. In Deutschland gelten sie seit dem 1. August 2019 als dauerhafte Regel der BaFin, für professionelle Kunden gelten sie nicht. ⚠️ Falsche ESMA-Kontakte: Die ESMA fragt nach eigenen Angaben nie nach deinen Daten oder einer Gebühr, um verlorenes Geld zurückzuholen. Wer so auftritt, gibt sich nur als ESMA aus. Du stößt auf die ESMA, wenn dein Broker Hebelgrenzen nennt, ein Krypto-Anbieter auf einen Registereintrag verweist oder dich jemand im Namen der Behörde anruft. Was ist die ESMA? Die ESMA (European Securities and Markets Authority), auf Deutsch Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, ist die Aufsichtsbehörde der Europäischen Union für die Wertpapiermärkte. Sie ist eine unabhängige Einrichtung der EU mit eigener Rechtspersönlichkeit und hat ihren Sitz in Paris. Errichtet wurde die ESMA durch die Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 vom 24. November 2010. Am 1. Januar 2011 nahm sie ihre Arbeit auf und ersetzte den Ausschuss der europäischen Wertpapierregulierungsbehörden (CESR), ein Netzwerk der nationalen Aufseher. Anlass war die Finanzkrise 2008, nach der die EU ihre Finanzaufsicht enger verzahnen wollte. Der Auftrag der ESMA hat drei Teile: den Anlegerschutz verbessern, das ordnungsgemäße Funktionieren der Finanzmärkte gewährleisten und die Stabilität des Finanzsystems wahren. Zuständig ist sie für die Wertpapiermärkte und alle, die daran beteiligt sind, von Börsen über Händler bis zu Fonds. Welche Rolle spielt die ESMA im Europäischen Finanzaufsichtssystem? Die ESMA ist Teil des Europäischen Systems der Finanzaufsicht (ESFS). Dazu gehören drei europäische Aufsichtsbehörden (ESMA, EBA und EIOPA), deren Gemeinsamer Ausschuss, der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und die nationalen Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten wie die BaFin. Die Arbeitsteilung folgt einem Grundsatz der Gründungsverordnung: Die laufende Beaufsichtigung der Unternehmen bleibt auf nationaler Ebene. Die europäischen Behörden sorgen dafür, dass dieselben Regeln in allen Mitgliedstaaten gleich ausgelegt und angewendet werden. BehördeEbeneZuständig fürSitz ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde)EUWertpapiermärkte, Börsen, Fonds, WertpapierfirmenParis EBA (Europäische Bankenaufsichtsbehörde)EUBankenParis EIOPA (Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung)EUVersicherungen und betriebliche AltersversorgungFrankfurt am Main BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht)nationalBanken, Finanzdienstleister, Versicherer und Wertpapierhandel in DeutschlandBonn und Frankfurt am Main Quellen: Verordnung (EU) Nr. 1095/2010, Art. 2, 7 und 40; Europäische Union, Profile von ESMA, EBA und EIOPA; BaFin, Europäische Aufsicht. Stand: September 2026. Die Richtung und die wesentlichen Beschlüsse der ESMA bestimmt der Rat der Aufseher. Stimmberechtigt sind darin die Leitungen der nationalen Aufsichtsbehörden, für Deutschland die BaFin. Die EU-Kommission, der ESRB sowie EBA und EIOPA sitzen ohne Stimmrecht mit am Tisch. Was macht die ESMA? Die ESMA arbeitet mit fünf Werkzeugen, die bei dir als Privatanleger ankommen, meist über deinen Anbieter: Regeln ausarbeiten: Sie entwirft technische Standards, die die EU-Kommission als verbindliches Recht erlässt. Leitlinien und Q&As: Leitlinien und Antworten auf Auslegungsfragen sind zunächst unverbindlich. In Deutschland wirken sie, sobald die BaFin sie in ihre Aufsichtspraxis übernimmt, was sie nach eigener Aussage grundsätzlich tut. Warnungen: Sie darf öffentlich warnen, wenn eine Finanztätigkeit Anleger, Märkte oder die Finanzstabilität ernsthaft bedroht. Produktintervention: Seit Januar 2018 kann die ESMA nach der Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (MiFIR) den Vertrieb bestimmter Finanzprodukte in der ganzen EU befristet beschränken oder verbieten. Direkte Aufsicht: Einige Marktakteure beaufsichtigt sie selbst, etwa Ratingagenturen, Transaktionsregister und Datenbereitstellungsdienstleister. Dazu kommen öffentliche Register. Das Register der Wertpapierfirmen bündelt, welche Anbieter die nationalen Aufsichten in der EU zugelassen haben. Fehlt dort ein Eintrag, hilft das Register der jeweiligen Heimatbehörde weiter. Nach der EU-Kryptoverordnung MiCA führt die ESMA außerdem ein Register zugelassener Krypto-Dienstleister. Die BaFin veröffentlicht Zulassungen deutscher Anbieter zusätzlich in ihrer Unternehmensdatenbank. Bevor du bei einer Plattform aus dem Krypto-Börsen-Vergleich Geld einzahlst, lohnt der Blick in beide Register. ESMA oder BaFin: Wer ist für dich zuständig? Für deinen Broker oder deine Bank mit Sitz in Deutschland ist die BaFin zuständig. Sie erteilt die Erlaubnis, prüft die Einhaltung der Regeln und schreitet bei Verstößen ein. Die ESMA beaufsichtigt Broker und Banken nicht selbst. Sitzt ein Anbieter in einem anderen EU-Staat, ist in erster Linie die Aufsicht seines Heimatlandes zuständig. Auch bei Streit mit deinem Anbieter hilft dir die ESMA nicht weiter. Sie schreibt selbst, dass sie für Streitigkeiten zwischen Anlegern und Wertpapierfirmen nicht zuständig ist. Der Weg führt über eine Beschwerde beim Anbieter und danach über eine Schlichtungsstelle. Bei grenzüberschreitenden Fällen hilft das europäische Netzwerk FIN-NET, die passende Stelle im Land des Anbieters zu finden. Ob ein Anbieter zugelassen ist, prüfst du bei der Aufsicht seines Heimatlandes, in Deutschland in der Unternehmensdatenbank der BaFin. Ein Werbehinweis auf die ESMA ersetzt diesen Blick nicht, weil die ESMA Broker nicht selbst zulässt. Wie du eine Lizenz Schritt für Schritt prüfst und woran du unseriöse Angebote erkennst, zeigt der Ratgeber zur Broker-Sicherheit. ESMA und CFD: Was gilt heute in Deutschland? Die bekannteste ESMA-Maßnahme betrifft Differenzkontrakte (CFD), also Verträge, mit denen du mit Hebel auf Kursbewegungen setzt. Die Regeln dafür sind in drei Stufen entstanden. Im Mai 2017 verbot die BaFin in Deutschland den Vertrieb von CFD mit Nachschusspflicht an Privatkunden. Mit dem Beschluss (EU) 2018/796 beschränkte die ESMA ab dem 1. August 2018 den CFD-Vertrieb an Kleinanleger in der ganzen EU, unter anderem mit Hebelgrenzen. Diese Maßnahme war befristet: Die ESMA verlängerte sie dreimal und ließ sie am 31. Juli 2019 auslaufen. Seit dem 1. August 2019 gilt in Deutschland die Allgemeinverfügung der BaFin vom 23. Juli 2019. Sie übernimmt die ESMA-Regeln im Wesentlichen und ist unbefristet, denn dauerhafte Maßnahmen dürfen nach Artikel 42 MiFIR nur die nationalen Aufsichten erlassen. Die Hebelgrenzen, die Broker heute nennen, sind in Deutschland also eine BaFin-Regel, die auf eine ESMA-Maßnahme zurückgeht. Basiswert des CFDHöchster Hebel für KleinanlegerMindest-Margin Währungspaare aus zwei Hauptwährungen (US-Dollar, Euro, Yen, Pfund, Kanadischer Dollar, Schweizer Franken)30:13,33 % Andere Währungspaare, Gold, große Aktienindizes wie EURO STOXX 50 oder S&P 50020:15 % Andere Rohstoffe und andere Aktienindizes10:110 % Einzelaktien und sonstige Basiswerte5:120 % Kryptowährungen2:150 % Quellen: BaFin, Allgemeinverfügung bezüglich Differenzgeschäften vom 23.07.2019, Ziffer 2; ESMA, Beschluss (EU) 2018/796 und Pressemitteilung vom 01.06.2018. Die Mindest-Margin ist der Anteil am Wert der Position, den du als Sicherheit hinterlegst. Stand: September 2026. Für Kleinanleger kommen vier weitere Bedingungen dazu. Sinkt das Guthaben im CFD-Konto samt offener Gewinne und Verluste unter die Hälfte der Mindest-Margin aller offenen Positionen, muss der Anbieter Positionen schließen. Der Negativsaldoschutz begrenzt deinen Verlust auf das Guthaben im CFD-Konto, eine Nachschusspflicht gibt es damit nicht. Boni und andere Anreize zum Handeln sind verboten. Und jede Werbung muss eine Risikowarnung enthalten, die angibt, wie viel Prozent der Privatkundenkonten beim jeweiligen Anbieter mit CFD Geld verlieren. Ähnlich lief es bei binären Optionen: Die ESMA verbot ihren Vertrieb an Kleinanleger ab dem 2. Juli 2018 befristet. Seit Juli 2019 verbietet die BaFin ihn in Deutschland dauerhaft, mit engen Ausnahmen. Die Regeln begrenzen das Risiko, sie beseitigen es nicht. CFD bleiben Hebelprodukte, mit denen du dein eingesetztes Geld schnell und vollständig verlieren kannst. Wie Hebel und Margin im Detail rechnen, erklärt der Ratgeber zu CFD-Hebel und Margin. Anbieter und ihre Kosten vergleichst du im CFD-Broker-Vergleich. Quellen: BaFin, Allgemeinverfügungen vom 08.05.2017, 01.07.2019 und 23.07.2019 sowie Leitlinien zur CFD-Allgemeinverfügung; ESMA, Beschlüsse (EU) 2018/795 und 2018/796, Technical Advice ESMA35-43-2134, Statement ESMA35-36-1743; Art. 40 und 42 Verordnung (EU) Nr. 600/2014 (MiFIR). Stand: September 2026. Woran erkennst du falsche ESMA-Kontakte? Betrüger nutzen Namen und Logo der ESMA, oft gegenüber Menschen, die schon bei einem unseriösen Anbieter Geld verloren haben. Typisch ist das Versprechen, das Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen. Die ESMA nennt selbst diese Merkmale: Sie spricht dich nie von sich aus an, um dir gegen eine Gebühr oder gegen persönliche Daten verlorenes Geld zurückzuholen. Echte E-Mails der Behörde enden auf @esma.europa.eu. Die Behörde sitzt nur in Paris und hat keine Außenstellen. Echte Telefonnummern beginnen mit +33. Betrugsfälle von Anlegern bearbeitet sie nicht. Anzeige erstattest du bei der Polizei. Hattest du schon Kontakt, brich ihn ab. Zweifelst du, ob eine Nachricht echt ist, kannst du sie der ESMA an scamreport@esma.europa.eu melden. Wann schützen dich die Regeln und wann nicht? Die Schutzregeln greifen wenn du als Kleinanleger CFD bei einem Anbieter handelst, der Kunden in Deutschland bedient: Dann gelten Hebelgrenzen und Negativsaldoschutz wenn dein Anbieter in der EU zugelassen ist und damit Standards und Leitlinien beachten muss, die die ESMA mitgestaltet wenn ein Produkt unter eine Produktintervention fällt, wie binäre Optionen Die Schutzregeln greifen nicht wenn du dich als professioneller Kunde einstufen lässt, auch auf eigenen Antrag: Dann gelten die CFD-Beschränkungen nicht bei Futures und Optionen, die die CFD-Regel ausdrücklich ausnimmt; für Futures mit Nachschusspflicht gilt seit dem 1. Januar 2023 eine eigene BaFin-Beschränkung bei Anbietern ohne Zulassung einer EU-Aufsicht: Dort fehlen Aufsicht, Entschädigungseinrichtung und Schlichtung bei Kursverlusten, vor denen keine Aufsichtsregel dein Kapital schützt Der wichtigste Grenzfall ist der Profi-Status. Lässt du dich bei einem Anbieter auf eigenen Antrag als professioneller Kunde einstufen, etwa für einen höheren Hebel, fallen drei Schutzregeln weg: die Hebelgrenzen, die Glattstellungsregel und der Negativsaldoschutz. Die Allgemeinverfügung schützt nur Kleinanleger. Quellen: ESMA, Statement ESMA35-36-1743 zur Anwendung der Produktintervention; BaFin, Allgemeinverfügung vom 23.07.2019 und Allgemeinverfügung zu Futures vom 30.09.2022; ESMA, Investor Corner. Stand: September 2026. Fazit: die ESMA wirkt im Hintergrund Unsere Einschätzung: Für dich als Privatanleger ist die ESMA vor allem die Stelle, die EU-weit die Regeln vorgibt. Zuständig für deinen Anbieter, deine Beschwerde und die heute geltenden CFD-Grenzen ist in Deutschland die BaFin. Mein Tipp: Prüfe vor jeder Kontoeröffnung, ob der Anbieter in der Unternehmensdatenbank der BaFin oder im Register seiner Heimatbehörde steht. Und behandle jeden Anruf „von der ESMA“ mit Geldforderung als Betrugsversuch. Welche Depots zu dir passen, vergleichst du im Depot-Vergleich; die Zulassung prüfst du vor der Eröffnung trotzdem selbst. Häufige Fragen zur ESMA Für was steht ESMA? ESMA steht für European Securities and Markets Authority. Das ist die Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde der Europäischen Union mit Sitz in Paris, errichtet durch die Verordnung (EU) Nr. 1095/2010. Was bedeutet ESMA auf Deutsch? Der deutsche Name lautet Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde. Häufig liest du auch die Kurzform EU-Wertpapieraufsicht. Was macht die ESMA? Die ESMA sorgt dafür, dass die Regeln für Wertpapiermärkte in der EU einheitlich angewendet werden. Sie entwirft technische Standards, gibt Leitlinien heraus, warnt vor Risiken, kann Finanzprodukte befristet beschränken und beaufsichtigt einige Marktakteure wie Ratingagenturen direkt. Banken und Broker in Deutschland beaufsichtigt die BaFin. Sitzt die ESMA in Frankfurt? Nein. Die ESMA sitzt in Paris. In Frankfurt am Main sitzt die EIOPA, die europäische Aufsichtsbehörde für Versicherungen und betriebliche Altersversorgung, außerdem hat die BaFin dort einen ihrer beiden Standorte. Gelten die ESMA-Hebelgrenzen für CFD noch? Die Grenzen gelten weiter, aber nicht mehr als ESMA-Maßnahme. Die ESMA-Beschränkung lief am 31. Juli 2019 aus. Seit dem 1. August 2019 gelten dieselben Hebelgrenzen für Kleinanleger in Deutschland dauerhaft über eine Allgemeinverfügung der BaFin. Wie sich ein CFD von einer Aktie unterscheidet, liest du im Ratgeber Aktien vs. CFD. Datenstand: September 2026 | Quellen: Verordnung (EU) Nr. 1095/2010, Verordnung (EU) Nr. 600/2014 (MiFIR), ESMA, Europäische Union, Europäisches Parlament, BaFin. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Rechtsberatung.

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Freistellungsauftrag

Mit einem Freistellungsauftrag zahlt dir deine Bank Zinsen, Dividenden und Kursgewinne bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne Steuerabzug aus. Hier erfährst du, wie hoch er ist, wie du ihn erteilst und wie du ihn auf mehrere Banken verteilst. Was du über den Freistellungsauftrag wissen musst 🏦 Auftrag an die Bank: Der Freistellungsauftrag weist deine Bank an, Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne Kapitalertragsteuer gutzuschreiben. Das funktioniert nur bei Instituten, die in Deutschland Steuer einbehalten. 💰 Höhe: Pro Person sind es bis zu 1.000 Euro im Jahr. 2.000 Euro gelten nur für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden können und einen gemeinsamen Auftrag erteilen. ⚖️ Verteilen: Du kannst den Betrag auf mehrere Banken aufteilen, solange die Summe aller Aufträge den Höchstbetrag nicht übersteigt. Ohne deine Steuer-ID ist ein Auftrag unwirksam. ⚠️ Ohne Auftrag: Die Bank zieht ab dem ersten Euro 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Zurück bekommst du das Geld mit einem Auftrag, den du bis 31. Januar des Folgejahres nachreichst, solange die Bank noch keine Steuerbescheinigung erstellt hat, oder über die Anlage KAP deiner Steuererklärung. Was ist ein Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag ist deine Anweisung an eine Bank, Kapitalerträge bis zu einem festgelegten Betrag ohne Abzug von Kapitalertragsteuer auszuzahlen. Rechtsgrundlage ist § 44a Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz (EStG). Der Auftrag muss nach dem amtlich vorgeschriebenen Muster erteilt werden, das das Bundesfinanzministerium vorgibt. Banken bieten ihn als Formular oder im Online-Banking an. Hinter dem Freistellungsauftrag steht der Sparer-Pauschbetrag aus § 20 Absatz 9 EStG. Bis zu dieser Grenze bleiben deine Kapitalerträge steuerfrei. Der Auftrag sorgt nur dafür, dass die Bank das schon beim Steuerabzug berücksichtigt und du nicht bis zur Steuererklärung warten musst. Der Freistellungsauftrag erfasst die typischen Erträge von Sparern und Anlegern: Zinsen auf dem Tagesgeldkonto und aus Festgeld, Dividenden, Ausschüttungen von Fonds und ETFs sowie Kursgewinne aus dem Wertpapierdepot. Alles darüber versteuert die Bank mit dem Abgeltungsteuersatz von 25 % (§ 32d Absatz 1 EStG), zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Du bekommst in einem Jahr 1.300 Euro Zinsen und Dividenden bei einer Bank und hast dort einen Freistellungsauftrag über 1.000 Euro. Die Bank zieht dann nur auf 300 Euro Kapitalertragsteuer ab, das sind 75 Euro. Ohne Auftrag wären es 25 % auf 1.300 Euro, also 325 Euro. Beide Werte sind ohne Kirchensteuer und vor Solidaritätszuschlag gerechnet. Wie hoch ist der Freistellungsauftrag? Der Freistellungsauftrag darf höchstens so hoch sein wie dein Sparer-Pauschbetrag. Der beträgt nach § 20 Absatz 9 EStG 1.000 Euro pro Person und Kalenderjahr. Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, erhalten einen gemeinsamen Sparer-Pauschbetrag von 2.000 Euro. Konstellation Höchstbetrag aller Freistellungsaufträge pro Jahr Voraussetzung Einzelperson 1.000 Euro Steuer-ID im Auftrag Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner, gemeinsamer Auftrag 2.000 Euro Voraussetzungen der Zusammenveranlagung (§ 26 Absatz 1 EStG), Steuer-IDs beider Partner Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner, Einzelaufträge je 1.000 Euro jeder Partner erteilt eigene Aufträge Kind mit Konto oder Depot auf eigenen Namen 1.000 Euro Unterschrift der Eltern als gesetzliche Vertreter Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Absatz 9 und § 44a Absatz 2a EStG, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025 mit Anlage 2 (amtliches Muster). Ehepaare und eingetragene Lebenspartner haben die Wahl zwischen einem gemeinsamen Auftrag und zwei Einzelaufträgen. Der gemeinsame Freistellungsauftrag gilt für Gemeinschaftskonten und für Konten, die nur auf einen Partner laufen. Er hat einen Zusatznutzen: Die Bank verrechnet am Jahresende Verluste des einen Partners mit Gewinnen des anderen, soweit beide bei ihr anfallen (§ 43a Absatz 3 Satz 2 EStG). Die Beträge von 1.000 und 2.000 Euro gelten seit dem 1. Januar 2023. Der Regierungsentwurf zur Einkommensteuerreform 2027 vom 2. September 2026 ändert den Sparer-Pauschbetrag nicht. So erteilst du einen Freistellungsauftrag 1 Steuer-ID bereitlegen Ein Freistellungsauftrag ist nach § 44a Absatz 2a EStG nur mit deiner steuerlichen Identifikationsnummer wirksam, beim gemeinsamen Auftrag mit den IDs beider Partner. 2 Formular oder Online-Banking wählen Die Bank nimmt den Auftrag auf dem amtlichen Muster entgegen, unterschrieben oder elektronisch per PIN und TAN. 3 Betrag festlegen Du kreuzt entweder den vollen Sparer-Pauschbetrag an oder trägst einen Teilbetrag ein, wenn du den Rest bei anderen Banken nutzt. 4 Laufzeit festlegen Der Auftrag gilt ab dem 1. Januar oder ab Kontoeröffnung. Du wählst „bis auf Widerruf“ oder ein Enddatum, das immer auf den 31. Dezember fallen muss. Ein Freistellungsauftrag gilt für alle Konten und Depots, die du bei dieser Bank hast. Auf einzelne Konten beschränken lässt er sich nicht. Er ist außerdem nur für Privatpersonen möglich, nicht für Konten von Firmen oder Vereinen. Auch ein Auftrag, den du erst im Herbst erteilst, wirkt für das ganze Kalenderjahr. Hat die Bank vorher schon Steuer abgezogen, muss sie die Abrechnung korrigieren, solange sie die Jahressteuerbescheinigung noch nicht erstellt hat (§ 44b Absatz 5 EStG). Der Sparer-Pauschbetrag steht jeder steuerpflichtigen Person zu, auch einem Kind. Für ein Konto oder ein Junior-Depot auf den Namen des Kindes unterschreiben die Eltern als gesetzliche Vertreter. Wann zusätzlich eine NV-Bescheinigung fürs Kinderdepot sinnvoll ist, liest du im eigenen Ratgeber. Freistellungsauftrag verteilen und ändern Du verteilst deinen Sparer-Pauschbetrag am besten nach den Erträgen, die du bei jeder Bank erwartest. Rechnest du bei Bank A mit 600 Euro Tagesgeldzinsen und bei Bank B mit 400 Euro Ausschüttungen im Depot, erteilst du Aufträge über 600 und 400 Euro. Ändern kannst du einen Freistellungsauftrag jederzeit im Laufe des Jahres. Ein neuer Auftrag ersetzt den alten bei derselben Bank, er kommt nicht obendrauf. Senken darfst du ihn aber nur bis zu dem Betrag, den die Bank im laufenden Jahr schon freigestellt hat. Überblick verloren: So findest du deine Aufträge wieder Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hat keine Übersicht über deine erteilten Freistellungsaufträge. Die Aufträge selbst siehst du nur bei jeder Bank, meist im Online-Banking. Im ELSTER-Portal kannst du über „Abruf von Bescheinigungen“ einsehen, welche Kapitalerträge deine Banken tatsächlich freigestellt haben, sobald sie die Daten gemeldet haben. Die Höhe der einzelnen Aufträge steht dort nicht. Hast du ein Konto vollständig gekündigt, gilt der Freistellungsauftrag dort ab dem Folgejahr als nicht mehr gültig. Willst du den Rest schon im selben Jahr bei einer anderen Bank nutzen, setzt du den alten Auftrag auf den dort bereits genutzten Betrag herab. Rückwirkend erteilen: bis 31. Januar Einen vergessenen Freistellungsauftrag für das abgelaufene Jahr kannst du nach dem BMF-Schreiben vom 14.05.2025 noch bis spätestens 31. Januar des Folgejahres erteilen oder erhöhen. Das klappt nur, solange die Bank die Steuerbescheinigung für dieses Jahr noch nicht erstellt hat. Danach bleibt dir die Anlage KAP: Mit der Steuererklärung holst du den nicht genutzten Sparer-Pauschbetrag zurück (§ 32d Absatz 4 EStG). Mehr verteilt als erlaubt Die Summe aller Aufträge darf 1.000 Euro, beim gemeinsamen Auftrag 2.000 Euro, nicht übersteigen. Das versicherst du mit deiner Unterschrift auf dem amtlichen Muster. Alle Banken melden die freigestellten Erträge an das BZSt (§ 45d EStG), die Finanzverwaltung kann sie abgleichen. Liegen die insgesamt freigestellten Erträge über deinem Pauschbetrag, ist der Überschuss steuerpflichtig, obwohl keine Bank Steuer abgezogen hat. Diese Erträge musst du in der Steuererklärung angeben (§ 32d Absatz 3 EStG). Prüfe die Aufteilung jedes Mal, wenn du ein Konto eröffnest oder kündigst. Ein Auftrag bei einer Bank ohne Erträge verschenkt Freibetrag, der woanders Steuer spart. Freistellungsauftrag oder NV-Bescheinigung? Die Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV-Bescheinigung) ist der zweite Weg, den Steuerabzug zu vermeiden (§ 44a Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 EStG). Sie lohnt sich für Menschen mit geringem Einkommen, deren Kapitalerträge über dem Sparer-Pauschbetrag liegen, etwa Rentner, Studierende oder Minijobber. Merkmal Freistellungsauftrag NV-Bescheinigung Wer stellt aus du selbst, bei deiner Bank dein Wohnsitzfinanzamt auf Antrag Voraussetzung Steuer-ID gesamte Einkünfte inklusive Kapitalerträgen nicht über dem Grundfreibetrag Freigestellte Erträge bis zum Sparer-Pauschbetrag ohne festen Höchstbetrag, solange die Voraussetzung besteht Geltungsdauer bis auf Widerruf oder bis 31. Dezember höchstens drei Jahre, endet immer am 31. Dezember Vorlage eine Bank je Auftrag, Summe begrenzt jede Bank braucht die Bescheinigung Stand: 10.09.2026. Quellen: § 44a Absatz 2 EStG, Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Liegt einer Bank eine NV-Bescheinigung vor, ist dein Freistellungsauftrag dort überflüssig. Fallen die Voraussetzungen weg, musst du die Bescheinigung dem Finanzamt zurückgeben. Wann der Freistellungsauftrag greift und wann nicht Der Freistellungsauftrag greift bei Zinsen auf Tagesgeld, Festgeld und Sparkonten einer Bank mit deutschem Steuerabzug bei Dividenden, Fondsausschüttungen und Kursgewinnen im Depot eines inländischen Instituts beim gemeinsamen Auftrag auch für Konten, die nur auf einen Partner laufen Der Freistellungsauftrag greift nicht bei ausländischen Banken und Brokern ohne deutschen Steuerabzug: Die Erträge gehören in die Anlage KAP für Konten und Depots von Firmen oder Vereinen für einzelne Konten derselben Bank: Der Auftrag gilt immer für alle für Betriebseinnahmen und Einnahmen aus Vermietung Ausländische Institute sind nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet. Wie du ihre Erträge erklärst, zeigt der Ratgeber zu ausländischen Brokern und der Anlage KAP. Ein Sonderfall betrifft Depots mit Verlusten. Die Bank verrechnet realisierte Verluste zuerst mit deinen Erträgen, Verluste aus Aktienverkäufen allerdings nur mit Aktiengewinnen. Erst der Rest verbraucht den Freistellungsauftrag (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Randnummer 230). Wer im selben Jahr bei derselben Bank Gewinne und Verluste hat, verbraucht also weniger vom Auftrag, als die Summe der Erträge vermuten lässt. Der Rest steht für spätere Erträge im selben Jahr bereit. Unsere Einschätzung: Erteile den Freistellungsauftrag direkt bei der Kontoeröffnung und schau jedes Jahr im Dezember nach, ob die Verteilung noch zu deinen Erträgen passt. Wer mit Tagesgeld von Bank zu Bank wechselt, hat sonst schnell Freibetrag auf einem Konto liegen, das keine Zinsen mehr bringt. Wie Vorabpauschale und Teilfreistellung bei ETFs dazukommen, erklären wir im Ratgeber zu Steuern im Depot. Rechenbeispiele für Zinsen findest du unter Steuer auf Tagesgeld-Zinsen und Festgeld-Zinsen versteuern. Häufige Fragen zum Freistellungsauftrag Wie hoch ist der gesetzliche Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag darf höchstens so hoch sein wie der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Absatz 9 EStG: 1.000 Euro pro Person und Jahr. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, die die Voraussetzungen der Zusammenveranlagung erfüllen, können einen gemeinsamen Auftrag über bis zu 2.000 Euro erteilen. Die Summe aller Aufträge bei allen Banken darf diese Grenzen nicht übersteigen. Wie funktioniert das mit dem Freistellungsauftrag? Du erteilst deiner Bank den Auftrag auf dem amtlichen Muster, mit deiner Steuer-ID und einem Betrag bis zum Sparer-Pauschbetrag. Bis zu diesem Betrag schreibt die Bank Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ohne Kapitalertragsteuer gut. Erst Erträge darüber versteuert sie mit 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die freigestellten Beträge meldet sie an das Bundeszentralamt für Steuern. Was passiert, wenn man keinen Freistellungsauftrag gestellt hat? Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Kapitalertragsteuer ab. Das Geld ist nicht verloren: Für das Vorjahr kannst du den Auftrag bis spätestens 31. Januar nachreichen, solange die Bank noch keine Steuerbescheinigung erstellt hat. Danach holst du den nicht genutzten Sparer-Pauschbetrag über die Anlage KAP in deiner Steuererklärung zurück. Für wen lohnt sich ein Freistellungsauftrag? Ein Freistellungsauftrag lohnt sich für alle, die bei einer Bank mit deutschem Steuerabzug Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne erzielen. Er erspart dir, zu viel gezahlte Steuer erst mit der Steuererklärung zurückzuholen. Wer ein geringes Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag hat und mehr als 1.000 Euro Kapitalerträge erwartet, prüft zusätzlich eine NV-Bescheinigung beim Finanzamt. Kann ich einen Freistellungsauftrag rückwirkend erteilen? Für das laufende Jahr wirkt jeder neue Freistellungsauftrag ab dem 1. Januar, die Bank korrigiert bereits abgezogene Steuer. Für das abgelaufene Jahr ist das nach dem BMF-Schreiben vom 14.05.2025 bis spätestens 31. Januar des Folgejahres möglich, und nur, solange die Steuerbescheinigung noch nicht erstellt ist. Banken setzen für die Annahme oft eigene, frühere Termine. Muss ich einen alten Freistellungsauftrag an die 1.000 Euro anpassen? Nein. Freistellungsaufträge, die vor dem 1. Januar 2023 erteilt wurden, haben die Banken nach § 52 Absatz 43 EStG automatisch um 24,844 % erhöht. Ein Auftrag über den vollen damaligen Pauschbetrag gilt damit jetzt für 1.000 Euro. Prüfen solltest du trotzdem, ob die Verteilung auf deine Banken noch zu deinen heutigen Erträgen passt. Datenstand: 10.09.2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 20 Abs. 9, § 32d, § 43a, § 44a, § 44b, § 45d, § 52 Abs. 43 EStG), BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025 mit amtlichem Muster, Bundeszentralamt für Steuern, Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

FSCS

Das Financial Services Compensation Scheme, kurz FSCS, ist die gesetzliche Einlagensicherung und Anlegerentschädigung des Vereinigten Königreichs. Seit dem EU-Austritt ist es für dich kein europäisches System mehr, sondern das eines Drittstaats: mit eigener Deckungssumme, eigener Währung und eigenen Grenzen. Hier steht, wie hoch der Schutz ist, wann er dich erreicht und an welcher Stelle er endet. Was du über das FSCS wissen musst 💷 120.000 GBP für Einlagen: Fällt ein von der britischen Aufsicht PRA zugelassenes Institut ab dem 1. Dezember 2025 aus, ersetzt das FSCS bis zu 120.000 GBP je entschädigungsfähiger Person und je Institut. Für Ausfälle davor bleibt es bei 85.000 GBP. 📈 85.000 GBP für Wertpapierdienstleistungen: Hat ein von FCA oder PRA zugelassenes Institut eine regulierte Wertpapierdienstleistung für dich erbracht und fällt nach dem 1. April 2019 aus, gilt eine eigene Grenze von 85.000 GBP je Person und Institut. 🌍 Dein Wohnsitz zählt nicht: Der Anspruch hängt daran, dass die Einlage bei einer britischen Niederlassung eines britisch zugelassenen Instituts liegt. Wo du wohnst, ist dafür ohne Bedeutung. ⚠️ Seit dem 1. Januar 2021 außerhalb: Einlagen bei einer Zweigniederlassung eines britischen Instituts im Europäischen Wirtschaftsraum fallen seit dem Ende des Brexit-Übergangs nicht mehr unter das FSCS. Das FSCS ist eine gesetzliche Einrichtung und wird von der britischen Finanzbranche über Umlagen finanziert. Für dich als Einleger oder Anleger ist es kostenlos. Zuständig für die Regeln sind zwei Behörden: Die Prudential Regulation Authority (PRA) setzt die Regeln für Einlagen, die Financial Conduct Authority (FCA) die für Wertpapierdienstleistungen. Deshalb gibt es auch zwei unterschiedliche Deckungssummen. Relevant wird das FSCS für dich in zwei Fällen: wenn du ein Konto oder Depot direkt bei einem britisch zugelassenen Institut führst, oder wenn ein Anbieter mit britischen Wurzeln dich über eine Konzerngesellschaft in der EU betreut. Der zweite Fall ist der häufigere, und dort greift das FSCS gerade nicht. Deckungssumme für Einlagen: 120.000 Pfund Die britische Aufsicht PRA hat die Einlagendeckung am 18. November 2025 von 85.000 auf 120.000 GBP angehoben. Die neue Grenze gilt für Institute, die ab dem 1. Dezember 2025 ausfallen. Fällt ein Institut vorher aus, bleibt es bei 85.000 GBP. Begründet hat die PRA die Anhebung mit der Verbraucherpreisentwicklung seit der letzten Änderung im Jahr 2017. Die Grenze gilt pro Person und pro zugelassenem Institut, nicht pro Konto. Führen mehrere Marken dieselbe Banklizenz, werden alle Guthaben zusammengezählt und einmal auf 120.000 GBP gedeckelt. Bei einem Gemeinschaftskonto steht jedem Inhaber die volle Grenze zu. Für bestimmte Lebensereignisse gibt es eine erhöhte Grenze. Ein sogenannter Temporary High Balance, etwa der Erlös aus einem privaten Immobilienverkauf oder eine Abfindung, ist für sechs Monate ab Gutschrift bis 1,4 Millionen GBP gedeckt. Auch diese Grenze wurde zum 1. Dezember 2025 angehoben, vorher lag sie bei 1 Million GBP. Wertpapierdienstleistungen: eigene Grenze von 85.000 Pfund Für Wertpapiergeschäfte gilt ein zweiter, davon getrennter Topf. Er ersetzt bis zu 85.000 GBP je Person und Institut, wenn das Institut nach dem 1. April 2019 ausgefallen ist, von FCA oder PRA zugelassen war und die erbrachte Tätigkeit reguliert war. Diese Grenze hat die Anhebung vom Dezember 2025 nicht mitgemacht: Sie betrifft nur Einlagen und Versicherungen, für die die PRA zuständig ist. Kursverluste ersetzt das FSCS nicht. Es springt ein, wenn ein Institut ausfällt und dir deshalb Geld oder Wertpapiere fehlen, nicht wenn eine Anlage an Wert verliert. Auch Kryptowerte und Peer-to-Peer-Kredite stehen außerhalb des Schutzes. Gilt der Schutz, wenn du in Deutschland wohnst? Ja, dein Wohnsitz ist kein Kriterium. Das FSCS stellt ausdrücklich klar, dass Kundinnen und Kunden nicht im Vereinigten Königreich leben müssen, damit der Einlagenschutz greift. Für Ansprüche aus Wertpapiergeschäften gilt dasselbe: Das FSCS kennt dafür keine Wohnsitzvoraussetzung. Nicht dein Wohnsitz entscheidet, sondern der Ort, an dem das Institut die Einlage hält. Nach den Regeln der PRA ist eine Einlage nur dann entschädigungsfähig, wenn sie bei einer britischen Niederlassung eines zugelassenen Instituts liegt. Gibraltar ist dabei gesondert geregelt. Zweigniederlassungen: Wo das Geld liegt, entscheidet An dieser Stelle werden die meisten Darstellungen ungenau. Ob das FSCS greift, hängt an zwei Merkmalen gleichzeitig: an der Zulassung des Instituts und am Land der Niederlassung, die dein Konto führt. Beide Merkmale können auseinanderfallen. Wo dein Konto geführt wird Zuständiges Sicherungssystem Deckungssumme Britische Niederlassung eines britisch zugelassenen Instituts FSCS 120.000 GBP je Person und Institut Deutsche Zweigstelle eines britischen Instituts Kein FSCS. Die Zweigstelle gilt nach deutschem Recht als Kreditinstitut und wird einem deutschen Einlagensicherungssystem zugeordnet, sofern die BaFin sie nicht auf Antrag befreit 100.000 Euro, bei Befreiung der vom Institut benannte Schutz Britische Zweigniederlassung eines Instituts aus dem Europäischen Wirtschaftsraum FSCS, weil diese Zweigniederlassungen seit dem 1. Januar 2021 britisch zugelassen und FSCS-Mitglied sind 120.000 GBP je Person und Institut Zweigniederlassung eines britischen Instituts in Deutschland oder einem anderen EWR-Staat Kein FSCS. Zuständig ist das System des Sitzlands der Zweigniederlassung, sofern sie einem beigetreten ist In Deutschland 100.000 Euro Stand: 16.09.2026. Quellen: Depositor Protection Part des PRA-Regelwerks, Financial Services Compensation Scheme, § 1 und § 59 Einlagensicherungsgesetz, § 53 Kreditwesengesetz, Richtlinie 2014/49/EU Art. 15. Die zweite Zeile verdient eine Fußnote, weil sie oft falsch wiedergegeben wird. Eine deutsche Zweigstelle eines Instituts mit Sitz außerhalb des EWR muss einem deutschen Einlagensicherungssystem beitreten. Die BaFin kann sie davon nur auf Antrag befreien, und nur dann, wenn der Schutz im Herkunftsland gleichwertig ist. Gleichwertig heißt laut Gesetz: Es sind ausschließlich die im Einlagensicherungsgesetz genannten Einlagen ausgenommen, und die Deckung erreicht mindestens die deutschen 100.000 Euro. Ist eine Zweigstelle befreit, muss sie ihre Einleger über die tatsächlich geltenden Sicherungsvorkehrungen informieren. Was der EU-Austritt geändert hat Bis zum Ende des Übergangszeitraums galt im Vereinigten Königreich die EU-Einlagensicherungsrichtlinie. Deren Artikel 14 Absatz 1 folgt dem Herkunftslandprinzip: Das System des Heimatlands deckt auch die Einleger an Zweigniederlassungen in anderen Mitgliedstaaten ab. Eine deutsche Filiale einer britischen Bank lief damit über das FSCS. Der Übergangszeitraum endete am 31. Dezember 2020 um 23 Uhr GMT. Seit dem 1. Januar 2021 gilt EU-Recht im Vereinigten Königreich nicht mehr, und die PRA hat ihre Regeln entsprechend enger gefasst: Entschädigungsfähig ist seither nur noch eine Einlage bei einer britischen Niederlassung. Das FSCS formuliert die Folge unmissverständlich: Der Schutz für Einlagen in EWR-Zweigniederlassungen britischer Institute ist zu diesem Zeitpunkt entfallen. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA hat Verbraucher damals gesondert darauf hingewiesen. In der Gegenrichtung ist der Effekt umgekehrt. Britische Zweigniederlassungen von Banken aus dem EWR wurden britisch zugelassen und damit FSCS-Mitglied. Wer als Deutscher ein Konto bei der Londoner Filiale einer EU-Bank führt, fällt seither unter das FSCS und nicht mehr unter die Sicherung des Sitzlands. Wie Aufsicht und Zulassung im europäischen Rahmen zusammenspielen, ordnet der Eintrag zur ESMA ein. Auszahlung, Frist und Währung Bei Einlagen zahlt das FSCS automatisch aus. Du musst keinen Antrag stellen und nichts bezahlen. Die Regelfrist beträgt seit dem 1. Januar 2024 sieben Arbeitstage ab dem Stichtag, an dem die Einlagen für nicht verfügbar erklärt wurden. Komplexere Fälle dauern länger: Ansprüche aus einem Temporary High Balance und Konten, bei denen der wirtschaftlich Berechtigte nicht offensichtlich ist, können bis zu drei Monate brauchen und erfordern ein Antragsformular. Für die Währung gibt es eine eigene Regel. Das FSCS leistet in Pfund Sterling; wurde das Konto in einer anderen Währung geführt, rechnet es zum Kurs des Stichtags um. Für dich heißt das zweierlei: Die Deckungssumme ist ein Pfund-Betrag, ihr Euro-Gegenwert bewegt sich mit dem Wechselkurs, und die Umrechnung in Euro nach der Auszahlung liegt bei dir. Ein Kursrutsch zwischen Kontoeröffnung und Entschädigungsfall geht zu deinen Lasten. Zum Vergleich: Die deutsche gesetzliche Einlagensicherung deckt 100.000 Euro je Einleger und Institut ab, für sechs Monate bis zu 500.000 Euro bei bestimmten Lebensereignissen, und muss ebenfalls binnen sieben Arbeitstagen leisten. Wie das in der Praxis abläuft, steht im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld. Wann das FSCS greift und wann nicht Konto oder Depot bei einer britischen Niederlassung eines britisch zugelassenen Instituts, unabhängig von deinem Wohnsitz. Konto bei der britischen Zweigniederlassung einer Bank aus dem EWR, die seit 2021 britisch zugelassen ist. Fehlbetrag an Geld oder Wertpapieren, weil ein zugelassenes Institut bei einer regulierten Tätigkeit ausgefallen ist. Konto bei einer deutschen oder sonstigen EWR-Zweigniederlassung eines britischen Instituts. Dort ist seit 2021 das lokale System zuständig. Vertrag mit einer EU-Konzerngesellschaft eines britischen Anbieters. Dann gilt das Sicherungssystem des EU-Sitzlands, dessen Grenze niedriger liegen kann. Kursverluste, Kryptowerte und Peer-to-Peer-Kredite. Dafür gibt es keine Entschädigung. Der Edge Case, an dem es in der Praxis hakt: Ein Anbieter wirbt mit britischen Wurzeln und nennt das FSCS in seinen rechtlichen Hinweisen, stellt deinen Vertrag aber über eine Tochtergesellschaft in einem EU-Staat. Dann ist weder die britische noch die deutsche Grenze maßgeblich, sondern die des Sitzlands dieser Tochter. Welche Gesellschaft dein Vertragspartner ist, steht im Impressum und in den vorvertraglichen Informationen, nicht im Werbetext. Wie du das vor der Kontoeröffnung prüfst, zeigt der Ratgeber zur Broker-Sicherheit. Lies im Informationsbogen deines Instituts nach, welches Sicherungssystem genannt ist und auf welche Währung die Deckungssumme lautet. Steht dort das FSCS, prüfe zusätzlich, welche Niederlassung dein Konto führt. Beide Angaben zusammen ergeben erst deinen tatsächlichen Anspruch. Unsere Einschätzung: Für die meisten Sparerinnen und Sparer in Deutschland ist das FSCS kein Thema, weil ihre Konten bei Instituten im EWR liegen und dort die 100.000 Euro greifen. Interessant wird es, sobald ein Anbieter mit britischem Namen ins Spiel kommt. Dann ist die entscheidende Frage nicht, wie hoch die britische Deckungssumme ist, sondern ob sie dich überhaupt erreicht. Wer nur die Zahl 120.000 GBP liest und den Rest überspringt, verlässt sich auf ein System, das für sein Konto möglicherweise gar nicht zuständig ist. Wenn du Zinsen im Euroraum suchst und dir diese Frage sparen willst, findest du die Konditionen im Festgeld-Vergleich. Die deutschen Regeln im Detail stehen im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Festgeld. Häufige Fragen zum FSCS Was ist das FSCS? Das Financial Services Compensation Scheme ist die gesetzliche Entschädigungseinrichtung des Vereinigten Königreichs. Es ersetzt Einlagen und bestimmte Forderungen aus Wertpapiergeschäften, wenn ein von der PRA oder FCA zugelassenes Institut ausfällt. Die Einrichtung wird von der britischen Finanzbranche finanziert und ist für Kundinnen und Kunden kostenlos. Wie hoch ist die FSCS-Deckungssumme? Für Einlagen liegt sie bei 120.000 GBP je entschädigungsfähiger Person und je zugelassenem Institut, gültig für Institute, die ab dem 1. Dezember 2025 ausfallen. Davor galten 85.000 GBP. Für Forderungen aus Wertpapierdienstleistungen gilt eine eigene Grenze von 85.000 GBP je Person und Institut bei Ausfällen nach dem 1. April 2019. Bin ich als Deutscher vom FSCS geschützt? Dein Wohnsitz spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass dein Konto bei einer britischen Niederlassung eines britisch zugelassenen Instituts geführt wird. Ist das der Fall, hast du denselben Anspruch wie eine Person mit Wohnsitz im Vereinigten Königreich. Liegt dein Konto bei einer deutschen Zweigstelle oder einer EU-Tochtergesellschaft, greift das FSCS nicht. Was hat sich durch den Brexit geändert? Bis zum 31. Dezember 2020 galt im Vereinigten Königreich die EU-Einlagensicherungsrichtlinie mit ihrem Herkunftslandprinzip, sodass das FSCS auch Einleger an EWR-Zweigniederlassungen britischer Banken abdeckte. Seit dem 1. Januar 2021 ist eine Einlage nach den Regeln der PRA nur noch dann entschädigungsfähig, wenn sie bei einer britischen Niederlassung gehalten wird. Britische Zweigniederlassungen von EWR-Banken wurden im Gegenzug britisch zugelassen und FSCS-Mitglied. Wie lange dauert die Auszahlung und in welcher Währung? Bei Einlagen zahlt das FSCS automatisch und ohne Antrag aus, in der Regel binnen sieben Arbeitstagen ab dem Stichtag. Ansprüche aus einem Temporary High Balance oder aus Treuhandkonstruktionen können bis zu drei Monate dauern. Gezahlt wird in Pfund Sterling; Fremdwährungskonten werden zum Kurs des Stichtags umgerechnet. Das Wechselkursrisiko bis zum Umtausch in Euro trägst du. Deckt das FSCS auch Kursverluste im Depot ab? Nein. Das FSCS entschädigt nur, wenn ein zugelassenes Institut ausgefallen ist und daraus ein Fehlbetrag entstanden ist. Für Verluste, die allein aus der Kursentwicklung einer Anlage stammen, gibt es keine Entschädigung. Auch Kryptowerte und Peer-to-Peer-Kredite fallen nicht unter den Schutz. Stand: 16.09.2026. Quellen: Financial Services Compensation Scheme (Deckungssummen, Fristen, Brexit-Hinweise); Prudential Regulation Authority, Policy Statement PS24/25 „Depositor protection" vom 18.11.2025 sowie Depositor Protection Part und Supervisory Statement SS18/15; FCA Handbook COMP 10.2.3R; Richtlinie 2014/49/EU Art. 14 und 15; Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA; §§ 1, 8, 14, 59 Einlagensicherungsgesetz; § 53 Kreditwesengesetz; § 4 Anlegerentschädigungsgesetz; BaFin; Deutsche Bundesbank. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.

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Geldmarkt-ETF

Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der den Euro-Übernachtzins €STR abbildet. So funktioniert er, so ist er geschützt, das kostet er. Das musst du über Geldmarkt-ETFs wissen 📈 Zins vom Geldmarkt: Ein Geldmarkt-ETF bildet in vielen Fällen den €STR ab, den Zins für unbesicherte Übernachtkredite unter Banken im Euroraum. Deine Rendite ist dieser Zins abzüglich der laufenden Fondskosten. 🏦 Fondsanteil statt Konto: Du kaufst ihn über ein Wertpapierdepot. Weil Fondsanteile keine Einlagen sind, gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro für ihn nicht. 🛡️ Getrenntes Fondsvermögen: Geht die Fondsgesellschaft pleite, fällt das Fondsvermögen nicht in ihre Insolvenzmasse. Vor Kursverlusten schützt diese Trennung nicht. ⚠️ Kein fester Zins: Die Rendite folgt dem Einlagesatz der EZB nach oben und nach unten. Liegt der Geldmarktzins unter null, wie von Juni 2014 bis Juli 2022, schrumpft der Anteilswert. Was ist ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird und die Verzinsung des Geldmarkts nachbildet, also des Marktes, auf dem sich Banken für sehr kurze Zeit Geld leihen. Bei vielen Euro-Geldmarkt-ETFs ist der Maßstab der €STR (Euro Short-Term Rate). Der €STR ist der Zins, den Banken im Euroraum für unbesicherte Übernachtkredite zahlen. Die Europäische Zentralbank berechnet ihn aus den tatsächlichen Geschäften des Vortags und veröffentlicht ihn seit dem 2. Oktober 2019 an jedem Geschäftstag des Zahlungssystems TARGET2. Der €STR bewegt sich nah am Einlagesatz der EZB, über den die Notenbank ihre Geldpolitik steuert. Hebt die EZB den Einlagesatz an, steigt die Rendite eines Geldmarkt-ETFs kurz darauf mit. Senkt sie ihn, sinkt die Rendite genauso schnell. Manche Vergleichsseiten sprechen auch von Tagesgeld-ETFs. Der Name führt in die Irre: Du hast kein Konto bei einer Bank, sondern Fondsanteile, und für Schutz, Kosten und Steuern gelten andere Regeln als beim Tagesgeld. Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF? Ein Geldmarkt-ETF legt das Geld seiner Anleger so an, dass es sich wie eine Einlage zum Geldmarktzins entwickelt. Bei thesaurierenden Geldmarkt-ETFs wird der Zins täglich wieder angelegt, der Anteilspreis steigt deshalb in kleinen, gleichmäßigen Schritten. Ausschüttende Varianten zahlen die Erträge regelmäßig aus. Kaufen und verkaufen kannst du Anteile an jedem Börsentag über dein Depot. Dabei zahlst du die Ordergebühr deines Brokers und den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Innerhalb des Fonds zieht die Fondsgesellschaft ihre laufenden Kosten ab, ausgewiesen als Gesamtkostenquote (TER). Physisch oder per Swap: was wirklich im Fonds steckt Den €STR selbst kann ein Fonds nicht kaufen, denn er ist ein Zinssatz und kein Wertpapier. Fondsanbieter lösen das auf zwei Wegen: Physische Nachbildung: Der Fonds kauft kurzlaufende Anleihen, Geldmarktpapiere und Bankeinlagen, deren Ertrag nah am Geldmarktzins liegt. Synthetische Nachbildung per Swap: Der Fonds hält ein sogenanntes Trägerportfolio aus anderen Wertpapieren und tauscht dessen Wertentwicklung per Vertrag mit einer Bank gegen die Geldmarktverzinsung. Viele große Geldmarkt-ETFs arbeiten mit Swap. Was im Trägerportfolio liegt, unterscheidet sich je nach Anbieter deutlich: Staatsanleihen aus dem Euroraum, aber auch Unternehmensanleihen, Anleihen aus Schwellenländern oder sogar Aktien. Für deine laufende Rendite spielt das im Normalfall keine Rolle, weil der Swap sie ausgleicht. Für das Risiko im Ausnahmefall und für die Steuer spielt es sehr wohl eine Rolle. Wie ein Fonds arbeitet, steht im Factsheet und im Basisinformationsblatt unter „Replikation" oder „Portfoliomethode". Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds: nicht automatisch dasselbe Jeder Geldmarkt-ETF ist ein Investmentfonds, aber nicht jeder ist rechtlich ein Geldmarktfonds. Nach der EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 6) darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen, wenn er nach dieser Verordnung zugelassen ist und ihre Vorgaben zu Laufzeiten, Liquidität und Streuung einhält. Manche Produkte, die im Alltag Geldmarkt-ETF heißen, sind dagegen Anleihen- oder Swap-ETFs, die einen Geldmarktindex abbilden. Einen zugelassenen Geldmarktfonds erkennst du an seinen Unterlagen: Er muss angeben, ob er ein kurzfristiger oder ein Standard-Geldmarktfonds ist. Wie sicher ist ein Geldmarkt-ETF? Die Frage nach der Sicherheit hat drei Antworten, je nachdem, wer ausfällt. Dazu kommt ein Risiko, gegen das keine der drei Schutzebenen hilft. Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht Das Geld im Fonds gehört nicht der Fondsgesellschaft. Das Kapitalanlagegesetzbuch schreibt vor, dass das Fondsvermögen als Sondervermögen getrennt vom eigenen Vermögen der Gesellschaft zu halten ist (§ 92 KAGB), nicht für ihre Schulden haftet (§ 93 Abs. 2 KAGB) und bei ihrer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse fällt (§ 99 Abs. 3 KAGB). Verwahrt wird es bei einer Verwahrstelle, die es getrennt von ihren eigenen Beständen führen muss. Manche Geldmarkt-ETFs sind in anderen EU-Staaten aufgelegt, etwa in Luxemburg. Auch für sie schreibt das EU-Fondsrecht die getrennte Verwahrung vor. Wenn deine Depotbank oder dein Broker pleitegeht Deine ETF-Anteile sind Wertpapiere in deinem Eigentum und keine Forderung gegen die Bank. Laut BaFin fallen Investmentfondsanteile zwar nicht unter die Einlagensicherung. Im Insolvenzfall kannst du aber die Herausgabe verlangen oder dein Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Anders das Guthaben auf deinem Verrechnungskonto: Liegt es bei einer Bank, ist es eine Einlage. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt es bis 100.000 Euro je Einleger und Bank (§ 8 EinSiG). Wie eine Broker-Pleite in der Praxis abläuft, liest du im Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Wenn die Swap-Bank ausfällt Bei synthetischen Geldmarkt-ETFs kommt ein drittes Risiko hinzu: Die Bank, mit der der Fonds den Swap abgeschlossen hat, könnte ihre Zahlungen nicht mehr leisten. Dieses Kontrahentenrisiko begrenzt das EU-Fondsrecht, und in der verbreiteten Konstruktion gehört das Trägerportfolio dem Fonds. Fällt die Swap-Bank aus, hängt dein Ergebnis davon ab, was in diesem Trägerportfolio liegt. Das Risiko, das bleibt: Zins und Kosten Keine der drei Schutzebenen schützt vor dem, was der Markt macht. Ein Geldmarkt-ETF hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Liegt der Geldmarktzins unter null, verliert der Anteil Tag für Tag an Wert. Das ist kein Gedankenspiel: Der Einlagesatz der EZB war vom 11. Juni 2014 bis Ende Juli 2022 negativ, und die Geldmarktsätze folgten ihm unter die Nulllinie. Liegt der Zins nur knapp über null, können laufende Kosten und Ordergebühren den Ertrag aufzehren. Ein Geldmarkt-ETF ist eine Wertpapieranlage und keine Bankeinlage. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nicht, der Anteilswert kann schwanken und bei negativen Zinsen oder beim Ausfall eines Emittenten oder der Swap-Bank sinken. Laufende Kosten (TER), Ordergebühren und Spread mindern deine Rendite. Eine Garantie auf den eingezahlten Betrag gibt es nicht. Quellen: §§ 92, 93, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; BaFin, Rundschreiben 05/2020 (WA) zur Verwahrstelle; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; §§ 2, 8 Einlagensicherungsgesetz; Verordnung (EU) 2017/1131; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, €STR und EZB-Zinssätze. Stand: September 2026. Was kostet ein Geldmarkt-ETF und wie wird er besteuert? Kosten fallen an drei Stellen an: die laufenden Fondskosten (TER), die Ordergebühr deines Brokers und der Spread. Weil der Geldmarktzins selbst niedrig ist, wiegen feste Ordergebühren bei kleinen Beträgen und häufigem Umschichten am schwersten. Was Orders bei welchem Depot kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten. Steuerlich ist ein Geldmarkt-ETF ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale (§ 16 InvStG). Alle drei zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen und unterliegen der Abgeltungsteuer. Mit einem Freistellungsauftrag bei deiner Depotbank bleiben sie bis zur Höhe deines Sparerpauschbetrags steuerfrei. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zu Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag im Depot. Die Vorabpauschale sorgt dafür, dass auch thesaurierende Fonds jedes Jahr besteuert werden. Sie hängt vom Anteilswert zu Jahresbeginn und einem jährlich vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Basiszins ab, ist aber auf den tatsächlichen Wertzuwachs des Jahres begrenzt (§ 18 InvStG). Bei einem Geldmarkt-ETF, der gleichmäßig mit dem Zins wächst, kann so ein großer Teil des Jahresertrags schon als Vorabpauschale versteuert werden. Beim Verkauf mindern die angesetzten Vorabpauschalen den Gewinn (§ 19 InvStG), du zahlst also nicht doppelt. Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds (§ 20 InvStG). Geldmarkt-ETFs aus Anleihen und Einlagen gehören nicht dazu. Ein Swap-ETF mit Aktien im Trägerportfolio kann dagegen als Aktienfonds gelten. Voraussetzung: Seine Anlagebedingungen schreiben vor, fortlaufend mehr als 50 Prozent des Aktivvermögens in Aktien und vergleichbare Kapitalbeteiligungen anzulegen (§ 2 Abs. 6 InvStG). Ein Aktien-Swap allein reicht dafür nicht. Ob ein Geldmarkt-ETF steuerlich als Aktienfonds zählt, entscheiden seine Anlagebedingungen, nicht sein Name. Ist er so eingestuft, berücksichtigt eine deutsche Depotbank die Teilfreistellung beim Steuerabzug automatisch. Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 44a Einkommensteuergesetz; Bundesministerium der Finanzen, Anwendungsfragen zum Investmentsteuergesetz (Rz. 2.6, Rz. 19.5) und Basiszins zur Vorabpauschale vom 13.01.2026; Finanzverwaltung NRW. Stand: September 2026. Sind Geldmarkt-ETFs eine gute Idee? Das hängt weniger vom ETF ab als von deiner Situation. Ein Geldmarkt-ETF ersetzt nicht das Tagesgeldkonto für den Notgroschen. Er ergänzt es dort, wo Tagesgeld an Grenzen stößt. Ein Geldmarkt-ETF passt wenn du ohnehin ein Depot hast und Geld zwischen zwei Käufen parken willst wenn du deutlich mehr als 100.000 Euro kurzfristig anlegst und die Einlagensicherung bei einer einzelnen Bank nicht mehr reicht wenn du den Marktzins willst, ohne alle paar Monate einem neuen Neukundenangebot hinterherzuwechseln Ein Geldmarkt-ETF passt nicht für den Notgroschen, den du ohne Umweg über die Börse und unabhängig von Handelszeiten brauchst wenn du einen festen Zins willst, der auch bei sinkenden Leitzinsen gilt: Den bietet Festgeld wenn du kleine Beträge oft umschichtest und jede Order eine feste Gebühr kostet Ein Grenzfall zeigt, dass die 100.000-Euro-Grenze nicht immer gilt. Verkaufst du deine selbst genutzte Wohnung und liegen 300.000 Euro auf dem Konto, schützt die Einlagensicherung solche Beträge bis zu sechs Monate nach der Gutschrift bis 500.000 Euro (§ 8 Abs. 2 EinSiG). Danach gilt wieder die Grenze von 100.000 Euro je Bank. Wer das Geld länger parkt, verteilt es auf mehrere Banken oder wählt eine Anlage mit anderem Schutz, etwa einen Geldmarkt-ETF. Wie der Schutz von Bankeinlagen im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld. Umgekehrt gilt: Zahlt dir eine Bank für einige Monate einen Neukundenzins deutlich über dem Geldmarktzins, ist Tagesgeld für diese Zeit meist die bessere Wahl. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich, Depots für den Kauf eines Geldmarkt-ETFs im Depot-Vergleich. Fazit: ein Werkzeug für Geld im Wartestand Unsere Einschätzung: Ein Geldmarkt-ETF passt für Geld, das im Depot auf den nächsten Einsatz wartet, und für Beträge oberhalb der Einlagensicherung. Den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto ersetzt er nicht: kein fester Zins, keine Einlagensicherung, dafür Kosten. Mein Tipp: Schau vor dem Kauf ins Factsheet und beantworte drei Fragen. Welchen Zins bildet der Fonds ab? Arbeitet er physisch oder per Swap? Und was liegt im Trägerportfolio? Wenn du das weißt, weißt du, was du kaufst. Häufige Fragen zum Geldmarkt-ETF Wie hoch ist die Rendite eines Geldmarkt-ETFs? Vor Steuern liegt die Rendite ungefähr beim €STR, abzüglich der laufenden Kosten (TER) und deiner Ordergebühren. Manche Indizes rechnen einen kleinen festen Aufschlag auf den €STR ein. Einen festen Wert gibt es nicht, weil sich die Rendite mit jedem Zinsschritt der EZB ändert. Welche Geldmarkt-ETFs sind die besten? Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, weil sich die Fonds weniger in der Rendite als in der Konstruktion unterscheiden. Vergleiche vier Punkte: den abgebildeten Zins, die laufenden Kosten (TER), die Nachbildung (physisch oder per Swap, bei Swap das Trägerportfolio) und den Spread an deinem Handelsplatz. Was ist der Unterschied zwischen Geldmarkt-ETF und Geldmarktfonds? Geldmarktfonds ist der Oberbegriff für Fonds, die in kurzfristige Geldmarktanlagen investieren. Wer sich rechtlich so nennen will, braucht eine Zulassung nach der EU-Geldmarktfondsverordnung. Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, oft per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht. Kann man mit einem Geldmarkt-ETF Geld verlieren? Ja. Bei negativen Geldmarktzinsen sinkt der Anteilswert, Kosten können einen niedrigen Zins aufzehren, und bei synthetischen ETFs besteht ein begrenztes Ausfallrisiko gegenüber der Swap-Bank. Starke Kursschwankungen wie bei Aktien sind wegen der sehr kurzen Zinsbindung untypisch, eine Garantie gibt es trotzdem nicht. Kann ich einen Sparplan auf einen Geldmarkt-ETF anlegen? Das hängt von deinem Broker ab: Manche bieten Sparpläne auf Geldmarkt-ETFs an, andere nicht, und auch die Kosten je Ausführung unterscheiden sich. Welche Anbieter ETF-Sparpläne zu welchen Bedingungen führen, zeigt der ETF-Sparplan-Vergleich. Datenstand: September 2026 | Quellen: Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Einkommensteuergesetz, Verordnung (EU) 2017/1131, BaFin, Bundesministerium der Finanzen, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.

Geldmarktfonds

Ein Geldmarktfonds ist ein Investmentfonds, der Geld in sehr kurz laufende Zinspapiere und Bankeinlagen anlegt. Hier erfährst du, was ihn ausmacht, wie er geschützt ist und wo seine Grenzen liegen. Das musst du über Geldmarktfonds wissen 🏦 Kurze Laufzeiten, keine Aktien: Ein Geldmarktfonds legt in Geldmarktpapiere, Bankeinlagen und Pensionsgeschäfte an, Aktien sind verboten. Einzelne Geldmarktpapiere laufen höchstens 397 Tage, bei Standard-Geldmarktfonds bis zu zwei Jahre, wenn ihr Zins spätestens nach 397 Tagen neu festgelegt wird. 🏷️ Geschützter Name: Geldmarktfonds darf sich ein Fonds in der EU nur nennen, wenn er nach der Verordnung (EU) 2017/1131 zugelassen ist. Seine Unterlagen müssen dann Typ und Kategorie angeben. 🛡️ Sondervermögen statt Einlage: Bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds gehört das Fondsvermögen nicht zur Insolvenzmasse der Fondsgesellschaft. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt für Fondsanteile nicht, weil sie keine Bankeinlage sind. ⚠️ Keine Garantie: Der Anteilswert kann sinken, etwa wenn die Geldmarktzinsen unter null liegen oder ein Schuldner des Fonds ausfällt. Das Risiko eines Kapitalverlusts trägst du als Anleger. Was ist ein Geldmarktfonds? Ein Geldmarktfonds ist ein Investmentfonds, der in kurzfristige Anlagen investiert und eine Rendite in Höhe der Geldmarktzinsen oder den Erhalt des angelegten Werts anstrebt. So beschreibt ihn die EU-Geldmarktfondsverordnung (Verordnung (EU) 2017/1131). Der Geldmarkt ist der Teil des Finanzmarkts, auf dem sich Banken, Staaten und Unternehmen für kurze Zeit Geld leihen. Auf Englisch heißt der Fonds Money Market Fund, kurz MMF. Was ein Geldmarktfonds kaufen darf, legt die Verordnung abschließend fest: Geldmarktinstrumente, also kurz laufende Schuldtitel von Staaten, Banken und Unternehmen, außerdem Einlagen bei Banken, Pensionsgeschäfte, bestimmte Verbriefungen und Anteile an anderen Geldmarktfonds. Aktien und Rohstoffe sind verboten, auch über Umwege wie Derivate oder Indizes. Ein einzelnes Geldmarktinstrument darf höchstens 397 Tage bis zur Fälligkeit haben. Oft liest du, Geldmarktfonds legten nur für maximal ein Jahr an. Das stimmt nicht ganz: Standard-Geldmarktfonds dürfen auch Papiere mit bis zu zwei Jahren Restlaufzeit halten, sofern deren Zins spätestens nach 397 Tagen an den Geldmarkt angepasst wird. Der Name ist geschützt. Nach Artikel 6 der Verordnung darf sich ein Fonds nur dann Geldmarktfonds nennen oder den Eindruck erwecken, einer zu sein, wenn er als Geldmarktfonds zugelassen ist. Für in Deutschland aufgelegte Publikumsfonds geht die BaFin einen Schritt weiter: Schon der Namensbestandteil „Geldmarkt“ setzt nach ihrer Fondskategorien-Richtlinie voraus, dass der Fonds ein Geldmarktfonds im Sinne der Verordnung ist. Ob ein Fonds zugelassen ist, kannst du im öffentlichen Register der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA nachsehen. Welche Arten von Geldmarktfonds gibt es? Die Verordnung sortiert Geldmarktfonds nach zwei Merkmalen: wie der Anteilspreis entsteht und wie lang die Papiere im Portfolio laufen dürfen. Nach dem Anteilspreis: VNAV, CNAV und LVNAV VNAV-Geldmarktfonds (variabler Nettoinventarwert): Der Anteilspreis folgt dem Marktwert der Anlagen und kann steigen oder fallen. CNAV-Geldmarktfonds für öffentliche Schuldtitel (konstanter Nettoinventarwert): Der Fonds strebt einen gleichbleibenden Anteilspreis an und muss dafür mindestens 99,5 Prozent seines Vermögens in Staatspapiere, damit besicherte Pensionsgeschäfte und Barmittel anlegen. LVNAV-Geldmarktfonds (Nettoinventarwert mit niedriger Volatilität): Auch er darf Anteile zu einem konstanten Preis ausgeben und zurücknehmen, aber nur, solange dieser Preis nicht mehr als 20 Basispunkte (0,20 Prozentpunkte) vom Marktwert abweicht. Bei einer größeren Abweichung gilt der tatsächliche Marktwert. Für dich heißt das: Ein konstanter Anteilspreis ist ein Ziel, keine Garantie. Nach der Laufzeit: kurzfristig oder Standard Kurzfristige Geldmarktfonds halten ihr Portfolio sehr kurz. Standard-Geldmarktfonds dürfen länger anlegen, um eine etwas höhere Rendite als am Geldmarkt zu erzielen. Sie sind immer VNAV-Fonds. Vorgabe der Verordnung Kurzfristiger VNAV-Geldmarktfonds Kurzfristiger CNAV- oder LVNAV-Geldmarktfonds Standard-Geldmarktfonds (nur VNAV) Durchschnittliche Zinsbindung (WAM), höchstens 60 Tage 60 Tage 6 Monate Durchschnittliche Restlaufzeit (WAL), höchstens 120 Tage 120 Tage 12 Monate Täglich fällige Mittel, mindestens (Anteil am Fondsvermögen) 7,5 % 10 % 7,5 % Wöchentlich fällige Mittel, mindestens (Anteil am Fondsvermögen) 15 % 30 % 15 % Restlaufzeit eines einzelnen Geldmarktinstruments bis 397 Tage bis 397 Tage bis 2 Jahre, Zinsanpassung spätestens nach 397 Tagen Die WAM (Weighted Average Maturity) misst, wie lange es im Schnitt dauert, bis der Zins der Papiere neu festgelegt wird. An ihr siehst du, wie stark der Fonds auf Zinsänderungen reagiert. Die WAL (Weighted Average Life) misst die durchschnittliche Zeit bis zur Rückzahlung der Papiere und damit, wie lange der Fonds seinen Schuldnern Geld leiht. Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 2, 3, 10, 24, 25, 33 und 36; ESMA, TRV Risk Analysis 2019 und 2021. Stand: September 2026. Wie sicher ist ein Geldmarktfonds? Wenn die Fondsgesellschaft pleitegeht Das Geld im Fonds ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Bei einem in Deutschland aufgelegten Fonds ist es ein Sondervermögen: Die Gesellschaft muss es getrennt von ihrem eigenen Vermögen halten, es haftet nicht für ihre Schulden, und bei ihrer Insolvenz fällt es nicht in die Insolvenzmasse. Jeder zugelassene Geldmarktfonds hat außerdem eine Verwahrstelle, die das Fondsvermögen verwahrt. Ist ein Fonds in einem anderen EU-Staat aufgelegt, gilt das Fondsrecht dieses Staates. Wenn deine Depotbank pleitegeht Fondsanteile in deinem Depot sind Wertpapiere in deinem Eigentum. Laut BaFin kannst du bei einer Insolvenz der Bank die Herausgabe verlangen oder das Depot auf ein anderes Institut übertragen lassen, sofern die Papiere nicht als Kreditsicherheit dienen. Wie das in der Praxis abläuft, erklärt der Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Warum die Einlagensicherung nicht greift Die gesetzliche Einlagensicherung schützt dein Guthaben auf Bankkonten bis 100.000 Euro je Kunde und Bank. Ein Fondsanteil ist aber keine Einlage, sondern ein Anteil an einem Fondsvermögen, dessen Wert schwanken kann. Das Einlagensicherungsgesetz erfasst nur Guthaben, die zum Nennwert zurückzuzahlen sind, und die BaFin nennt Investmentfondsanteile ausdrücklich als nicht geschützt. Wie der Schutz von Bankguthaben funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Tagesgeld. Das Risiko, das bleibt Keine dieser Regeln schützt dich vor Verlusten am Markt. Ein Geldmarktfonds hat keinen festen Zins und keinen garantierten Rückzahlungsbetrag. Die Verordnung verbietet sogar, dass Dritte, etwa der Initiator des Fonds, einspringen, um den Anteilswert oder die Zahlungsfähigkeit des Fonds zu stützen. Die kurzen Laufzeiten sollen Zins- und Ausfallrisiko niedrig halten, ausschließen können sie beides nicht. Liegen die Geldmarktzinsen unter null, kann dein Anteil an Wert verlieren. Der Einlagesatz der EZB war von Juni 2014 bis Juli 2022 negativ. Außerdem darf eine Fondsgesellschaft die Rücknahme von Anteilen in außergewöhnlichen Situationen vorübergehend aussetzen. Für CNAV- und LVNAV-Fonds sieht die Verordnung zusätzlich Gebühren und Obergrenzen für Rückgaben vor, wenn ihre wöchentlich fälligen Mittel knapp werden. Ein Geldmarktfonds ist eine Wertpapieranlage und keine Bankeinlage. Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nicht. Der Anteilswert kann schwanken und sinken, etwa bei negativen Geldmarktzinsen oder wenn ein Schuldner des Fonds ausfällt. Laufende Fondskosten und Ordergebühren mindern den Ertrag. Einen garantierten Rückzahlungsbetrag gibt es nicht, das Risiko eines Kapitalverlusts trägst du. Quellen: §§ 92, 93, 98, 99 Kapitalanlagegesetzbuch; § 2 Einlagensicherungsgesetz; BaFin, Einlagensicherung und Anlegerentschädigung; Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 4, 34, 35 und 36; Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank, Zinssätze der EZB. Stand: September 2026. So hältst du einen Geldmarktfonds im Depot Geldmarktfonds kaufst du wie andere Fonds über ein Wertpapierdepot, je nach Fonds über die Börse oder direkt bei der Fondsgesellschaft. Beim direkten Kauf und bei der Rückgabe entspricht der Preis dem aktuellen Anteilswert, Gebühren aus dem Verkaufsprospekt können hinzukommen. Dazu kommen die laufenden Kosten des Fonds und die Ordergebühren deines Depots. Depots für den Fondskauf findest du im Depot-Vergleich. Oft steckt ein Geldmarktfonds auch dort, wo du ihn nicht selbst kaufst. Manche Finanzanbieter legen Guthaben ganz oder teilweise in Geldmarktfonds an, statt es als Bankeinlage zu führen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat 2025 bei einem Neobroker beanstandet, dass Kunden das erst im Kleingedruckten erfuhren. Frag deshalb nach, welcher Teil deines Guthabens als Einlage geführt wird und welcher in Fondsanteilen liegt. Nur für den Einlagenteil gilt die Einlagensicherung. Steuerlich ist ein Geldmarktfonds ein Investmentfonds. Steuerpflichtig sind Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und bei thesaurierenden Fonds die Vorabpauschale. Eine Teilfreistellung, bei der ein Teil der Erträge steuerfrei bleibt, gibt es nur für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds. Weil Geldmarktfonds weder Aktien noch Immobilien halten dürfen, gehören sie nicht dazu. Wie Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag auf diese Erträge wirken, erklärt der Ratgeber zu Steuern im Depot. Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, Art. 9 und 33; §§ 16, 20 Investmentsteuergesetz; Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 11.02.2025. Stand: September 2026. Geldmarktfonds, Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF? Geldmarktfonds werden oft als Alternative zum Tagesgeld besprochen. Bei beiden hängt der Ertrag vom Zinsniveau ab, rechtlich sind sie aber grundverschieden. Aktuelle Zinsen für Bankeinlagen zeigt der Tagesgeld-Vergleich. Merkmal Geldmarktfonds Tagesgeld Was du besitzt Anteile an einem Fondsvermögen Forderung gegen die Bank Schutz keine Einlagensicherung, Fondsvermögen getrennt von der Fondsgesellschaft gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank Wert kann schwanken und sinken Nennwert plus Zinsen Ertrag orientiert sich an den Geldmarktzinsen, abzüglich Fondskosten variabler Zins, den die Bank festlegt Zugriff Verkauf oder Rückgabe über das Depot Überweisung auf das Referenzkonto Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der einen Geldmarktzins abbildet, häufig per Swap. Er kann ein zugelassener Geldmarktfonds sein, muss es aber nicht. Was das für Schutz und Steuer bedeutet, erklärt der Eintrag zum Geldmarkt-ETF. Ein Geldmarktfonds kann passen für Geld, das im Depot auf den nächsten Kauf wartet für Beträge, die über die Einlagensicherung einer einzelnen Bank hinausgehen wenn du dem Zinsniveau folgen willst, ohne für Neukundenzinsen die Bank zu wechseln Ein Geldmarktfonds passt nicht für den Notgroschen, den du ohne Verkauf über das Depot erreichen willst wenn du einen festen Zins für eine feste Laufzeit suchst für kleine Beträge, bei denen feste Ordergebühren den Ertrag aufzehren Ein Grenzfall ist die Währung. Geldmarktfonds gibt es auch in US-Dollar und anderen Währungen. Dann entscheidet neben dem Zins der Wechselkurs, wie viele Euro du am Ende zurückbekommst. Die kurzen Laufzeiten schützen nicht vor Währungsverlusten. Ob ein Fonds ein Geldmarktfonds ist, entscheidet seine Zulassung, nicht sein Name oder die Werbung. Ein zugelassener Geldmarktfonds muss in seinen Unterlagen angeben, ob er ein VNAV-, CNAV- oder LVNAV-Fonds ist und ob er kurzfristig oder Standard ist. Fazit: ein Fonds für Geld im Wartestand Unsere Einschätzung: Ein Geldmarktfonds ist kein Konto mit anderem Namen, sondern ein eigens regulierter Wertpapierfonds mit kurzen Laufzeiten. Sein Schutz liegt im getrennten Fondsvermögen, nicht in der Einlagensicherung. Für Geld, das im Depot wartet, und für Beträge über 100.000 Euro kann er das Tagesgeld ergänzen, den Notgroschen ersetzt er nicht. Unser Tipp: Prüf vor dem Kauf Typ und Kategorie in den Unterlagen, und frag bei Zinsangeboten von Brokern und Apps, welcher Teil deines Guthabens im Fonds liegt. Häufige Fragen zu Geldmarktfonds Was versteht man unter Geldmarktfonds? Unter Geldmarktfonds versteht man Investmentfonds, die in kurz laufende Geldmarktinstrumente, Bankeinlagen und Pensionsgeschäfte investieren. Sie streben eine Rendite in Höhe der Geldmarktzinsen oder den Erhalt des angelegten Werts an. In der EU darf sich nur ein Fonds so nennen, der nach der Verordnung (EU) 2017/1131 zugelassen ist. Sind Geldmarktfonds sinnvoll? Das hängt vom Zweck ab. Für Geld, das kurzfristig im Depot geparkt wird, oder für Beträge oberhalb der Einlagensicherung einer Bank können sie sinnvoll sein. Für den Notgroschen bleibt ein Tagesgeldkonto die robustere Wahl, weil ein Fondsanteil schwanken kann und nicht unter die Einlagensicherung fällt. Wie hoch ist die Rendite bei Geldmarktfonds? Einen festen Wert gibt es nicht. Die Rendite orientiert sich an den Zinsen am Geldmarkt, die die EZB über ihren Einlagesatz steuert, und sinkt um die laufenden Kosten des Fonds. Standard-Geldmarktfonds legen länger an und zielen deshalb auf eine leicht höhere Rendite. Aktuelle Werte stehen im Factsheet des jeweiligen Fonds. Welche sind die besten Geldmarktfonds? Eine pauschale Bestenliste gibt es nicht, und der Name allein sagt wenig. Vergleiche fünf Punkte: den Typ (VNAV, CNAV oder LVNAV), die Kategorie (kurzfristig oder Standard), die laufenden Kosten, die Währung und die Qualität der Schuldner im Portfolio. Laufzeiten, Kreditprofil und größte Positionen muss der Fonds seinen Anlegern regelmäßig offenlegen. Kann man mit Geldmarktfonds Geld verlieren? Ja. Der Anteilswert kann sinken, wenn die Geldmarktzinsen negativ sind, wenn ein Schuldner des Fonds ausfällt oder wenn die Kosten den Zinsertrag übersteigen. Die Verordnung schreibt vor, dass Geldmarktfonds in ihren Vertriebsunterlagen darauf hinweisen: Ein Geldmarktfonds ist keine garantierte Anlage, und das Risiko des Kapitalverlusts trägt der Anleger. Datenstand: September 2026. Quellen: Verordnung (EU) 2017/1131, ESMA, BaFin, Kapitalanlagegesetzbuch, Einlagensicherungsgesetz, Investmentsteuergesetz, Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung.

Gemeinschaftsdepot

Ein Gemeinschaftsdepot ist ein Wertpapierdepot mit zwei oder mehr Inhabern, meist einem Paar. Wem die Wertpapiere darin gehören, regelt es aber nicht. Was du über das Gemeinschaftsdepot wissen musst 🏦 Oder oder Und: Beim Oder-Depot darf jeder Inhaber allein über das Depot verfügen, beim Und-Depot nur alle Inhaber gemeinsam. Verbreiteter ist das Oder-Depot. ⚖️ Eigentum: Wer über das Depot verfügen darf, sagt nichts darüber, wem die Wertpapiere gehören. Entscheidend sind eure Absprachen und wer die Papiere bezahlt hat, gleiche Anteile gelten nur im Zweifel. 💰 Freistellungsauftrag: Ehepaare, die unbeschränkt steuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben, können für das Gemeinschaftsdepot einen gemeinsamen Freistellungsauftrag über bis zu 2.000 Euro erteilen. Unverheiratete Paare können das nicht, die Bank behält die Steuer ein. ⚠️ Schenkung: Zahlt nur einer ein und kann der andere frei über die Hälfte verfügen, kann das Finanzamt eine Schenkung annehmen. Steuerfrei bleiben innerhalb von zehn Jahren 20.000 Euro zwischen unverheirateten Partnern und 500.000 Euro zwischen Ehepartnern. Ein Gemeinschaftsdepot ist ein Wertpapierdepot, das auf die Namen von zwei oder mehr Personen läuft. Meist eröffnen es Paare, die gemeinsam in Aktien, ETFs oder Fonds anlegen wollen. Beim Oder-Depot darf jeder Inhaber allein handeln, beim Und-Depot nur alle zusammen. Steuerlich macht die Ehe den Unterschied: Bist du verheiratet, nutzt du mit deinem Partner einen gemeinsamen Freistellungsauftrag. Unverheiratete Paare können für ihr Gemeinschaftsdepot keinen erteilen. Was ist ein Gemeinschaftsdepot? Ein Gemeinschaftsdepot ist ein Depot für die gemeinsame Rechnung mehrerer Personen. Alle sind Depotinhaber und damit Vertragspartner der Bank. Was ein Depot grundsätzlich ist, erklärt der Ratgeber Was ist ein Depot? Gemeinschaftsdepots gibt es nicht nur für Ehepaare. Das Bundesfinanzministerium regelt ausdrücklich auch Gemeinschaftsdepots von unverheirateten Paaren (BMF-Schreiben vom 16.05.2025, Rn. 11). Die Bedingungen legt jede Bank selbst fest: Manche verlangen ein gemeinsames Verrechnungskonto, andere dieselbe Meldeadresse beider Inhaber. Oder-Depot und Und-Depot Bei der Eröffnung legst du mit deinem Partner fest, wer allein handeln darf. Verbreiteter ist nach Angaben des Bankenverbands das Oder-Depot. Merkmal Oder-Depot Und-Depot Kaufen, verkaufen, übertragen jeder Inhaber allein nur alle Inhaber gemeinsam Wertpapierkredit und Termingeschäfte nur mit allen Inhabern nur mit allen Inhabern Wechsel der Verfügungsform jeder Inhaber kann die Einzelverfügung widerrufen, danach verfügen alle nur noch gemeinsam entfällt Worauf du achten musst ein Inhaber kann ohne den anderen das ganze Depot verkaufen jede Order braucht die Zustimmung aller Inhaber Quelle: übliche Bedingungen der Kreditwirtschaft für Gemeinschaftskonten und -depots (Bankpraxis, einzelne Banken können abweichen); Bankenverband, 28.05.2026. Stand: 15.09.2026. Beim Oder-Depot seid ihr gegenüber der Bank Gesamtgläubiger: Jeder von euch kann die ganze Leistung verlangen (§ 428 BGB). Das ist bequem, heißt aber auch, dass dein Partner ohne dich alle Wertpapiere verkaufen kann. Das Und-Depot schützt davor, ist im Alltag aber umständlicher. Ein Oder-Depot lässt sich nach den üblichen Bankbedingungen durch Widerruf eines Inhabers in diese Form umwandeln. Der Bundesgerichtshof hat das für ein Oder-Konto gebilligt, wenn der Vertrag es vorsieht (Urteil vom 20.03.2018, XI ZR 30/16). Wem gehören die Wertpapiere im Gemeinschaftsdepot? Wer über ein Depot verfügen darf und wem die Wertpapiere darin gehören, sind zwei verschiedene Fragen. Der Bundesgerichtshof unterscheidet beim Oder-Depot ausdrücklich zwischen den Rechten aus dem Depotvertrag und dem Eigentum an den Papieren. Über das Eigentum gibt ein Oder-Depot nach seinem Urteil in der Regel keinen Aufschluss (Urteil vom 25.02.1997, XI ZR 321/95). Der Bundesfinanzhof hat diese Linie für die Schenkungsteuer übernommen. Im Verhältnis zueinander sind Gesamtgläubiger zu gleichen Anteilen berechtigt, soweit nichts anderes bestimmt ist (§ 430 BGB). Diese Regel betrifft nach dem BGH aber nur die Rechte aus dem Depotvertrag. Für das Eigentum gilt die Zweifelsregel des § 742 BGB, nach der jedem im Zweifel ein gleicher Anteil zusteht. Der BGH nennt sie „nur schwach ausgeprägt“. Kauft einer von euch Wertpapiere und trägt der andere nichts dazu bei, gehören sie regelmäßig dem, der sie angeschafft hat. Wichtig wird das bei einer Trennung oder im Todesfall. Die Aufteilung zwischen dir und deinem Partner zählt dann auch für die Schenkungsteuer und die Erbschaftsteuer. Steuern: Freistellungsauftrag und Verlustverrechnung Beim Freistellungsauftrag hängt beim Gemeinschaftsdepot alles davon ab, ob du verheiratet bist. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner, die unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben, können einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilen. Er gilt für ihre Gemeinschaftskonten und -depots und für die Konten und Depots, die nur auf einen von beiden laufen (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 261). Steuerfrage beim Gemeinschaftsdepot Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner Unverheiratetes Paar Freistellungsauftrag ein gemeinsamer Auftrag über bis zu 2.000 Euro nicht möglich Steuerabzug durch die Bank erst, wenn der freigestellte Betrag ausgeschöpft ist vom ersten Euro an Verlustverrechnung durch die Bank mit gemeinsamem Auftrag über alle Konten und Depots beider bei dieser Bank eigener Verlusttopf für das Gemeinschaftsdepot, keine Verrechnung mit euren Einzeldepots Steuer zurückholen über die Steuererklärung, etwa bei nicht ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag über die Steuererklärung jedes Partners, Aufteilung auf der Steuerbescheinigung vermerkt Quelle: § 20 Abs. 9, § 32d Abs. 4, § 43a Abs. 3 EStG; BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 219, 220, 261; BMF-Schreiben vom 16.05.2025, Rn. 25. Stand: 15.09.2026. Der gemeinsame Sparerpauschbetrag zusammen veranlagter Ehepaare beträgt 2.000 Euro, jeder Einzelne hat 1.000 Euro (§ 20 Abs. 9 EStG). Laut Bankenverband gelten Einzel-Freistellungsaufträge über jeweils 1.000 Euro nicht für Gemeinschaftsdepots, dafür brauchst du den gemeinsamen Auftrag. Mit ihm verrechnet die Bank außerdem Verluste übergreifend: Verluste aus deinem Einzeldepot mindern dann auch Gewinne im Gemeinschaftsdepot (§ 43a Abs. 3 Satz 2 EStG, BMF Rn. 219). Unverheiratete Paare dürfen für ein Gemeinschaftskonto keinen Freistellungsauftrag erteilen, die Bank behält die Kapitalertragsteuer ein (BMF-Schreiben vom 16.05.2025, Rn. 25). Für ihr Gemeinschaftsdepot gilt dasselbe, denn Einzel-Freistellungsaufträge wirken dort nicht. Die einbehaltene Abgeltungsteuer holst du über deine Steuererklärung zurück, soweit dein Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft ist (§ 32d Abs. 4 EStG). Die Bank stellt die Steuerbescheinigung auf beide Namen aus. Auf dem Original vermerkt ihr, wie die Erträge aufgeteilt werden, fertigt eine Kopie an und unterschreibt beide. Mehr zur Abrechnung zeigt der Ratgeber Depot und Steuern. Einzeldepot in ein Gemeinschaftsdepot übertragen Überträgst du Wertpapiere aus deinem Einzeldepot in ein Gemeinschaftsdepot, gilt das für den Steuerabzug zunächst als Verkauf an einen anderen Gläubiger (§ 43 Abs. 1 Satz 4 EStG). Teilst du der Bank mit, dass der Übertrag unentgeltlich ist, entfällt der Steuerabzug, und die Bank meldet den Übertrag ihrem Finanzamt (§ 43 Abs. 1 Satz 5 und 6 EStG). Bei Ehepaaren gilt der Übertrag vom Einzeldepot eines Partners in ihr Gemeinschaftsdepot für den Steuerabzug als unentgeltlich, die Bank braucht aber die Steuer-Identifikationsnummern beider (BMF Rn. 168). Den Ablauf eines Übertrags erklärt die Seite Depot übertragen. Schenkungsteuer bei ungleichen Einzahlungen Zahlt nur einer von euch ein und bekommt der andere dadurch Anspruch auf die Hälfte, kann das eine Schenkung sein, also eine freigebige Zuwendung unter Lebenden (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Der Bundesfinanzhof hat die Hürde für Ehepaare hoch gelegt (Urteil vom 23.11.2011, II R 33/10). Das Finanzamt muss nachweisen, dass der Partner, der nichts eingezahlt hat, tatsächlich und rechtlich frei über die Hälfte des Guthabens verfügen kann. Allein die Einzahlung auf ein Oder-Konto reicht dafür nicht. Maßgeblich ist, wie ihr das Depot tatsächlich handhabt und was ihr vereinbart habt. Gibt es deutliche Anhaltspunkte für gleiche Anteile, musst du als Beschenkter das Gegenteil belegen. Ob eine Schenkung Steuer kostet, hängt vom Freibetrag ab. Ehepartner und eingetragene Lebenspartner haben 500.000 Euro frei (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Unverheiratete Partner fallen in Steuerklasse III und haben 20.000 Euro (§ 15 Abs. 1, § 16 Abs. 1 Nr. 7 ErbStG). Schenkungen derselben Person innerhalb von zehn Jahren werden zusammengerechnet (§ 14 Abs. 1 ErbStG). Ein Beispiel: Dein Partner zahlt innerhalb von zehn Jahren 60.000 Euro allein in euer Oder-Depot ein, und du kannst frei über die Hälfte verfügen. Dann kann das Finanzamt 30.000 Euro als Schenkung an dich werten. Als unverheiratetes Paar liegt ihr damit 10.000 Euro über dem Freibetrag, als Ehepaar weit darunter. Eine Schenkung ist dem Finanzamt binnen drei Monaten anzuzeigen, verpflichtet ist auch der Schenker (§ 30 Abs. 1 und 2 ErbStG). Was passiert beim Tod eines Depotinhabers? Nach den üblichen Bankbedingungen bleibt ein Oder-Depot nach dem Tod eines Inhabers bestehen. Die übrigen Inhaber können weiter allein verfügen und das Depot auch ohne die Erben auflösen. Jeder Erbe kann die Einzelverfügung aber widerrufen. Bei einem Und-Depot verfügen die übrigen Inhaber nur zusammen mit den Erben. Für die Erbschaftsteuer zählt nur der Teil des Depots, der dem Verstorbenen im Verhältnis zu den anderen Inhabern zustand. Bei Ehepaaren geht das Finanzamt ohne andere Erkenntnisse von der Hälfte aus (Landesamt für Steuern Rheinland-Pfalz; § 430 BGB). Die Bank zeigt das Depot des Verstorbenen dem Erbschaftsteuer-Finanzamt an, auch wenn weitere Personen daran beteiligt sind (§ 33 Abs. 1 ErbStG, § 1 Abs. 2 ErbStDV). Wann ein Gemeinschaftsdepot passt und wann nicht Ein Gemeinschaftsdepot passt für Ehepaare, die gemeinsam wirtschaften und einen gemeinsamen Freistellungsauftrag nutzen wenn ihr etwa gleich viel einzahlt oder die Aufteilung schriftlich festhaltet wenn jeder von euch auch allein handeln können soll, dann als Oder-Depot wenn der überlebende Partner nach einem Todesfall weiter verfügen können soll, ohne auf die Erben angewiesen zu sein Zwei Einzeldepots sind oft besser für unverheiratete Paare, weil für das Gemeinschaftsdepot kein Freistellungsauftrag möglich ist wenn einer von euch deutlich mehr einzahlt als der andere wenn du anders anlegen willst als dein Partner Ein Sonderfall ist die Trennung von Ehepaaren. Im Jahr der Trennung dürft ihr noch einen gemeinsamen Freistellungsauftrag nutzen, ab dem folgenden Kalenderjahr nur noch Einzel-Freistellungsaufträge (BMF Rn. 264 und 265). Spätestens dann solltet ihr klären, wie ihr das Gemeinschaftsdepot aufteilt. Zahlt ihr ungleich viel ein oder seid ihr nicht verheiratet, führt zwei Einzeldepots oder haltet schriftlich fest, wem welcher Anteil gehört. Das Gemeinschaftsdepot selbst beantwortet diese Frage nicht. Unsere Einschätzung: Bist du verheiratet und sparst gemeinsam mit deinem Partner, ist ein Gemeinschaftsdepot praktisch: ein Freistellungsauftrag für alle Konten und Depots bei derselben Bank, übergreifende Verlustverrechnung und beim Oder-Depot Zugriff nach einem Todesfall. Unverheiratet fährst du mit zwei Einzeldepots meist besser, weil jeder sein eigenes Geld anlegt und seinen eigenen Freistellungsauftrag nutzt. Vergleiche vor der Eröffnung im Depot-Vergleich, welche Depots infrage kommen, und frag nach, ob die Bank Gemeinschaftsdepots als Oder- oder Und-Depot führt. Denk daran: Wertpapiere schwanken im Wert, Verluste sind möglich. Häufige Fragen zum Gemeinschaftsdepot Welche Nachteile hat ein Gemeinschaftsdepot? Unverheiratete Paare können dafür keinen Freistellungsauftrag erteilen, die Bank zieht die Steuer vom ersten Euro an ab. Zahlt nur einer ein, kann eine Schenkung vorliegen, wenn der andere frei über die Hälfte verfügen kann. Beim Oder-Depot kann außerdem jeder Inhaber allein alle Wertpapiere verkaufen. Und wem die Wertpapiere gehören, regelt das Depot nicht, das müsst ihr selbst vereinbaren. Ist ein Gemeinschaftsdepot eine Steuerfalle? Für Ehepaare in der Regel nicht: Sie nutzen einen gemeinsamen Freistellungsauftrag, und der Schenkungsteuer-Freibetrag zwischen Ehepartnern liegt bei 500.000 Euro. Unverheiratete Paare haben zwei Haken. Für das Gemeinschaftsdepot ist kein Freistellungsauftrag möglich, die Steuer holt ihr erst über die Steuererklärung zurück. Und zahlt einer allein ein, kann eine Schenkung über dem Freibetrag von 20.000 Euro in zehn Jahren entstehen. Wer bietet Gemeinschaftsdepot an? Viele Banken und Online-Broker bieten Gemeinschaftsdepots an, aber nicht alle. Die Bedingungen unterscheiden sich: Manche verlangen ein gemeinsames Verrechnungskonto, andere dieselbe Meldeadresse beider Inhaber. Frag vor der Eröffnung nach, ob die Bank das Depot als Oder- oder Und-Depot führt. Kann ein Depot auf zwei Namen laufen? Ja, genau das ist ein Gemeinschaftsdepot. Beide Personen sind Depotinhaber. Bei der Eröffnung legt ihr fest, ob jeder allein verfügen darf (Oder-Depot) oder nur beide gemeinsam (Und-Depot). Die Steuerbescheinigung stellt die Bank auf eure beiden Namen aus. Können unverheiratete Paare ein Gemeinschaftsdepot eröffnen? Ja, sofern die Bank das anbietet. Einen Freistellungsauftrag könnt ihr dafür aber nicht erteilen, die Bank behält die Kapitalertragsteuer ein. Euren Anteil holt ihr über die Steuererklärung zurück, nachdem ihr die Aufteilung der Erträge auf der Steuerbescheinigung vermerkt und beide unterschrieben habt. Zahlt einer von euch deutlich mehr ein, prüft die Schenkungsteuer: Der Freibetrag zwischen unverheirateten Partnern liegt bei 20.000 Euro in zehn Jahren. Kann ich mein Einzeldepot in ein Gemeinschaftsdepot umwandeln? Ja, indem du die Wertpapiere in ein Gemeinschaftsdepot überträgst. Für den Steuerabzug gilt das als Verkauf, außer du teilst der Bank mit, dass der Übertrag unentgeltlich ist. Bei Ehepaaren behandelt die Finanzverwaltung den Übertrag in das gemeinsame Depot automatisch als unentgeltlich, die Bank braucht aber eure Steuer-Identifikationsnummern. Ob der Übertrag zugleich eine Schenkung ist, richtet sich nach den Regeln der Schenkungsteuer. Stand: 15.09.2026. Quellen: §§ 428, 430, 742 Bürgerliches Gesetzbuch; §§ 20, 26, 32d, 43, 43a Einkommensteuergesetz; §§ 7, 14, 15, 16, 30, 33 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz; § 1 Erbschaftsteuer-Durchführungsverordnung; BMF-Schreiben vom 14.05.2025 (Einzelfragen zur Abgeltungsteuer) und vom 16.05.2025 (Ausstellung von Steuerbescheinigungen); Bundesgerichtshof, Urteile vom 25.02.1997, XI ZR 321/95, und vom 20.03.2018, XI ZR 30/16; Bundesfinanzhof, Urteil vom 23.11.2011, II R 33/10; Landesamt für Steuern Rheinland-Pfalz, Steuertipp Erbschaften und Schenkungen; Bankenverband, 28.05.2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Grundbuch

Kurz & knapp: Das Grundbuch ist ein öffentliches Register, das beim Amtsgericht geführt wird. Nach § 873 BGB wirst du erst durch die Eintragung im Grundbuch zum rechtmäßigen Eigentümer einer Immobilie. Das Grundbuch besteht aus drei Abteilungen — Eigentümer, Belastungen, Hypotheken/Grundschulden. Die Eintragungskosten liegen bei rund 0,5 % des Kaufpreises. Definition: Was ist das Grundbuch? Das Grundbuch ist ein staatlich geführtes Verzeichnis aller Grundstücke in Deutschland. Es dokumentiert, wem ein Grundstück gehört, welche Belastungen darauf liegen und welche Rechte Dritter daran bestehen. Geführt wird es vom Grundbuchamt, das beim örtlich zuständigen Amtsgericht angesiedelt ist. Die Rechtsgrundlage ist die Grundbuchordnung (GBO), ergänzt durch die einschlägigen Vorschriften im BGB. Das Wichtigste vorweg: Das Grundbuch genießt öffentlichen Glauben nach § 892 BGB. Was dort steht, gilt — auch wenn es im Einzelfall mal nicht der materiellen Rechtslage entspricht. Daher ist der Grundbucheintrag keine Formalie, sondern der entscheidende rechtliche Akt beim Immobilienkauf. § 873 BGB — warum die Eintragung Pflicht ist § 873 Abs. 1 BGB regelt unmissverständlich: Zur Übertragung des Eigentums an einem Grundstück sind zwei Dinge nötig — die Einigung der Beteiligten und die Eintragung im Grundbuch. Beides muss zusammenkommen. Der Kaufvertrag beim Notar ist also nur die halbe Miete. Du wirst erst dann Eigentümer, wenn dein Name im Grundbuch steht. Bis dahin sicherst du dich über eine Auflassungsvormerkung in Abteilung II ab — eine Art "Reservierung", die verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück doppelt veräußert. Die drei Abteilungen des Grundbuchs Jedes Grundbuchblatt ist in drei Abteilungen gegliedert. Wenn du einen Grundschuld-Eintrag oder eine Hypothek verstehen willst, musst du wissen, wo was steht: AbteilungInhaltBeispiele Abteilung IEigentümerAktuelle und frühere Eigentümer, Erwerbsgrund (Kauf, Erbschaft, Schenkung) Abteilung IILasten und BeschränkungenWegerechte, Wohnrechte, Nießbrauch, Auflassungsvormerkungen, Vorkaufsrechte Abteilung IIIHypotheken, Grundschulden, RentenschuldenGrundschulden für Banken, Bauhandwerker-Sicherungshypotheken Vor jedem Immobilienkauf solltest du einen Grundbuchauszug einsehen — dort siehst du auf einen Blick, wer Eigentümer ist und welche Belastungen das Grundstück hat. Ein vergessenes Wegerecht in Abteilung II kann den Wert deiner Immobilie deutlich mindern. Grundbuchauszug — so kommst du dran Ein berechtigtes Interesse vorausgesetzt (z.B. als Käufer, Erbe oder Gläubiger) kannst du einen Grundbuchauszug beantragen. Drei Wege: Direkt beim Grundbuchamt: Persönlich oder schriftlich beim zuständigen Amtsgericht. Kosten: 10 EUR (unbeglaubigt) bzw. 20 EUR (beglaubigt) — bundesweit einheitlich nach KostO/GNotKG. Über den Notar: Beim Immobilienkauf üblich — der Notar holt den aktuellen Auszug automatisch ein. Online (in einigen Bundesländern): Über das elektronische Grundbuch (z.B. Solum-Star in Bayern, ELRV in NRW). Voraussetzung: Anwaltszulassung, Notarberechtigung oder berechtigtes Interesse mit Identitätsprüfung. Eintragungskosten beim Hauskauf Die Grundbucheintragung gehört zu den Kaufnebenkosten beim Immobilienerwerb. Faustformel: rund 0,5 % des Kaufpreises für Notar- und Grundbuchgebühren zusammen, wobei sich der Betrag etwa hälftig aufteilt. Konkretes Beispiel bei einem Kaufpreis von 400.000 EUR: Notarkosten (Beurkundung Kaufvertrag, Auflassung): rund 0,8 - 1,0 % = ca. 3.500 EUR Grundbuchgebühren (Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung, Grundschuld-Eintragung): rund 0,5 % = ca. 2.000 EUR Für die Grundschuld-Eintragung kommen weitere Kosten hinzu, die sich nach der Höhe der Grundschuld richten — typischerweise 0,2 - 0,3 % der Grundschuldsumme. Hinweis Auflassungsvormerkung: Diese Eintragung in Abteilung II ist dein wichtigster Schutz im Schwebezustand zwischen Kaufvertrag und Eigentumsumschreibung. Sie verhindert, dass der Verkäufer das Grundstück ein zweites Mal verkauft oder weitere Belastungen einträgt. Ohne Vormerkung trägst du das volle Insolvenzrisiko des Verkäufers — daher ist sie Standardpraxis bei jedem Kauf. Was bedeutet "öffentlicher Glaube" konkret? Der öffentliche Glaube nach § 892 BGB schützt den gutgläubigen Erwerber: Wenn du eine Immobilie von der im Grundbuch eingetragenen Person kaufst, wirst du auch dann Eigentümer, wenn diese Person eigentlich gar nicht (mehr) Eigentümer war — vorausgesetzt, du wusstest nichts von der falschen Eintragung. Daher ist das Grundbuch kein bürokratisches Beiwerk, sondern die rechtliche Wahrheit. Fazit Das Grundbuch ist beim Immobilienkauf das wichtigste Dokument überhaupt. Drei Punkte solltest du dir merken: Eigentum entsteht erst mit der Eintragung — nicht mit der Unterschrift beim Notar (§ 873 BGB). Drei Abteilungen, drei Themen: Eigentümer, Lasten, Geld-Sicherheiten. Vor jedem Kauf: Aktuellen Auszug ziehen und Abteilung II auf versteckte Belastungen prüfen. Die Grundbuchgebühren sind ein fester Bestandteil deiner Kaufnebenkosten — kalkulier sie von Anfang an mit ein. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

Grundschuld

Kurz & knapp: Die Grundschuld ist ein Grundpfandrecht nach § 1191 BGB. Sie sichert in Deutschland mehr als 95 % aller Immobilienfinanzierungen. Anders als die Hypothek ist sie nicht an eine konkrete Forderung gebunden (Abstraktheitsprinzip) — das macht sie für Banken und Kreditnehmer flexibler. Definition: Was ist eine Grundschuld? § 1191 BGB definiert es so: Ein Grundstück kann derart belastet werden, dass an den Begünstigten eine bestimmte Geldsumme aus dem Grundstück zu zahlen ist. Klingt erstmal wie eine Hypothek — der entscheidende Unterschied steckt jedoch in dem, was nicht im Gesetzestext steht: Eine Forderung muss nicht existieren. Die Grundschuld ist abstrakt. Sie steht für sich allein im Grundbuch, unabhängig davon, ob du gerade einen Kredit laufen hast oder nicht. Das Abstraktheitsprinzip — der Schlüssel zur Flexibilität Stell dir die Grundschuld wie eine wiederverwendbare Sicherheits-Box vor. Du füllst sie mit einer Forderung (deinem Kredit), und wenn der Kredit getilgt ist, bleibt die leere Box im Grundbuch stehen — bereit für die nächste Finanzierung. Damit du als Schuldner trotzdem geschützt bist, schließt du mit der Bank zusätzlich eine Sicherungsabrede (auch Zweckerklärung genannt). Sie regelt, wofür die Grundschuld konkret haftet. Drei Funktionen: Sie verbindet die abstrakte Grundschuld mit deinem konkreten Kredit. Sie verpflichtet die Bank, die Grundschuld nur für den vereinbarten Zweck zu nutzen. Sie regelt die Rückgewähr nach Tilgung (du kannst dann Löschung oder Abtretung verlangen). Grundschuld vs. Hypothek — die 6 wichtigsten Unterschiede MerkmalGrundschuld (§ 1191 BGB)Hypothek (§ 1113 BGB) Bindung an ForderungNein (abstrakt)Ja (akzessorisch) Wiederverwendbar nach TilgungJa — für neue Kredite nutzbarNein — wird zur Eigentümergrundschuld Flexibilität bei Bank-WechselHoch (Abtretung einfach)Niedriger (Forderung muss mit übergehen) Bürokratie bei AnpassungGeringHöher Praxis-Anteil DE 2026> 95 %< 5 % Rückgewähr nach TilgungAktiv beantragen (Löschungsbewilligung)Wandelt sich automatisch in Eigentümergrundschuld Briefgrundschuld vs. Buchgrundschuld Die Grundschuld gibt es in zwei Formen — du wirst beim Notartermin nach deiner Präferenz gefragt: Briefgrundschuld: Es wird zusätzlich zum Grundbucheintrag ein Grundschuldbrief ausgestellt — ein physisches Wertpapier. Vorteil: Übertragung an einen anderen Gläubiger auch ohne Grundbuchänderung möglich. Nachteil: Brief kann verloren gehen, Aufgebotsverfahren ist teuer. Buchgrundschuld: Nur Grundbucheintrag, kein Brief. Standard bei modernen Baufinanzierungen. Geringere Notarkosten, weniger Risiko. Empfehlung: Für die normale Baufinanzierung reicht eine Buchgrundschuld völlig aus. Brief macht nur Sinn, wenn die Grundschuld häufig übertragen werden soll. Warum bevorzugen Banken die Grundschuld? Drei Gründe machen die Grundschuld zum Standard: Wiederverwendbarkeit: Tilgst du den Kredit, kann die Grundschuld stehen bleiben und für Modernisierung, Anschlussfinanzierung oder ein zweites Darlehen genutzt werden — ohne neuen Notartermin. Handelbarkeit: Banken können Kreditportfolios verkaufen oder verbriefen. Eine abstrakte Grundschuld ist deutlich leichter zu übertragen als eine akzessorische Hypothek. Geringere Bürokratie: Bei Aufstockungen oder Konditionsänderungen muss die Grundschuld nicht angepasst werden, solange die Höhe ausreicht. Tipp für die Anschlussfinanzierung: Frag bei deiner alten Bank nach einer Abtretung der Grundschuld an deine neue Bank — statt einer Löschung und Neueintragung. Das spart dir Notarkosten in Höhe von etwa 0,2 % der Grundschuldsumme. Bei einer 300.000-EUR-Grundschuld sind das rund 600 EUR. Was passiert nach der vollständigen Tilgung? Hier ist der wichtige Unterschied zur Hypothek: Die Grundschuld erlischt nicht automatisch. Du hast drei Optionen: Löschung: Bank stellt eine Löschungsbewilligung aus, du beauftragst den Notar mit der Löschung im Grundbuch. Sauber, aber kostet. Abtretung: Du lässt dir die Grundschuld an dich selbst abtreten (Eigentümergrundschuld) — bleibt für künftige Finanzierungen nutzbar. Stehenlassen: Grundschuld bleibt zugunsten der Bank eingetragen. Spart Kosten, kann aber bei Bankwechsel später Aufwand verursachen. Fazit Die Grundschuld ist heute der unangefochtene Standard für Immobilienfinanzierungen in Deutschland. Ihr Abstraktheitsprinzip macht sie flexibler als die Hypothek, der Schutz für dich als Schuldner kommt aus der Sicherungsabrede mit der Bank. Beim Notartermin zur Bestellung der Grundschuld solltest du auf zwei Punkte achten: erstens auf eine ausgewogene Zweckerklärung (nicht zu weit gefasst), zweitens auf die Wahl Buchgrundschuld statt Brief — für die meisten Baufinanzierungen die richtige Lösung. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

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Hypothek

Kurz & knapp: Eine Hypothek ist ein Grundpfandrecht nach § 1113 BGB. Sie sichert eine konkrete Forderung — meist einen Immobilienkredit — und ist untrennbar mit dieser Forderung verbunden (Akzessorietätsprinzip). In der Praxis nutzen heute mehr als 95 % der deutschen Banken stattdessen die flexiblere Grundschuld. Definition: Was ist eine Hypothek? Die Hypothek ist gesetzlich in § 1113 BGB geregelt. Dort heißt es sinngemäß: Ein Grundstück kann so belastet werden, dass an den Gläubiger eine bestimmte Geldsumme aus dem Grundstück zu zahlen ist — zur Befriedigung einer ihm zustehenden Forderung. Im Klartext: Du nimmst einen Kredit auf, und deine Immobilie dient als Sicherheit. Wenn du den Kredit nicht zurückzahlst, darf die Bank die Immobilie zwangsversteigern und sich aus dem Erlös bedienen. So weit, so klar. Das Akzessorietätsprinzip — der Schlüssel zum Verständnis Hier wird es spannend: Die Hypothek ist akzessorisch. Das bedeutet, sie ist rechtlich an die Forderung gebunden, die sie sichert. Drei praktische Konsequenzen: Forderung sinkt → Hypothek sinkt mit. Tilgst du 50.000 EUR deines 300.000-EUR-Kredits, reduziert sich auch die Hypothek auf 250.000 EUR. Forderung erlischt → Hypothek erlischt. Hast du den Kredit komplett zurückgezahlt, wandelt sich die Hypothek in eine sogenannte Eigentümergrundschuld — der Eintrag im Grundbuch bleibt aber bestehen, bis du ihn aktiv löschen lässt. Forderung wird abgetreten → Hypothek wandert mit. Verkauft deine Bank den Kredit an eine andere Bank, geht automatisch auch die Hypothek mit über. Sicherungshypothek vs. Verkehrshypothek Das BGB kennt zwei Hypotheken-Varianten: MerkmalVerkehrshypothekSicherungshypothek StandardfallJa (Regelform)Sonderfall Beweislast bei StreitBeim SchuldnerBeim Gläubiger ÜbertragbarkeitLeichter handelbarEingeschränkt Typische VerwendungKlassische Baufinanzierung (historisch)Zwangsvollstreckung, Bauhandwerker-Sicherung Hypothek vs. Grundschuld — warum heute fast niemand mehr eine Hypothek nutzt Die Grundschuld ist nach § 1191 BGB nicht akzessorisch — sie steht unabhängig von der Forderung. Genau das macht sie für Banken attraktiver: Sie kann nach Tilgung für eine neue Finanzierung wiederverwendet werden (z.B. für eine Modernisierung oder ein zweites Objekt). Bei Forfaitierung oder Verbriefung lässt sie sich leichter übertragen. Der bürokratische Aufwand bei Anpassungen ist geringer. Daher gilt heute: Mehr als 95 % aller Immobilienfinanzierungen in Deutschland werden über eine Grundschuld besichert, nicht über eine Hypothek. Wenn dir ein Banker also die "Hypothek" anbietet, meint er fast immer juristisch eine Grundschuld — der Begriff hat sich umgangssprachlich gehalten. Praxis-Hinweis: Im Sprachgebrauch werden "Hypothek" und "Hypothekendarlehen" oft synonym für jede Form der Immobilienfinanzierung verwendet. Rechtlich ist das ungenau — aber im Alltag akzeptiert. Wenn du deine Finanzierung planst, nutze gern unseren Hypothekenrechner, um Raten und Restschuld zu kalkulieren. Wann begegnet dir eine echte Hypothek heute noch? Die Hypothek ist nicht völlig verschwunden. Du triffst sie noch in drei Konstellationen: Bauhandwerker-Sicherungshypothek nach § 650e BGB — wenn ein Handwerker offene Rechnungen sichern will. Zwangshypothek aus einem gerichtlichen Vollstreckungstitel. Altbestand in älteren Grundbüchern, der nie gelöscht wurde. Fazit Die Hypothek ist das ältere, strenger geregelte Schwesterprodukt der Grundschuld. Akzessorisch, an die Forderung gebunden, weniger flexibel. Wer heute eine Baufinanzierung abschließt, bekommt in 95 % der Fälle eine Grundschuld — auch wenn umgangssprachlich von der "Hypothek" die Rede ist. Daher gilt: Lies dir vor der Unterschrift den Grundbucheintrag genau durch und frag bei deiner Bank nach, welches Sicherungsrecht konkret bestellt wird. Stand: Mai 2026. Keine Rechts- oder Anlageberatung.

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Margin

Margin ist die Sicherheitsleistung für gehebelte Positionen. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, was die BaFin vorschreibt und wo der Schutz aufhört. Das musst du über Margin wissen 🔒 Sicherheitsleistung, keine Gebühr: Die Margin bleibt dein Geld. Sie wird auf deinem Handelskonto blockiert und wieder freigegeben, sobald du die Position schließt. ⚖️ Feste Untergrenzen bei CFD: Bietet ein Anbieter Privatanlegern in Deutschland CFD an, muss er je nach Basiswert zwischen 3,33 und 50 Prozent des Positionswerts als Ersteinschuss verlangen. 📉 Automatische Glattstellung: Der Anbieter muss deine CFD-Positionen schließen, sobald dein Kontoguthaben zusammen mit den unrealisierten Nettogewinnen unter die Hälfte der insgesamt geforderten Initial Margin fällt. ⚠️ Der Schutz hat eine Grenze: Futures, Optionen und Swaps sind von diesen Regeln ausdrücklich ausgenommen. Dort kannst du weiterhin mehr verlieren, als auf deinem Konto liegt. Im Handelsfenster steht neben der Position ein Feld namens Margin, mit einer Zahl weit unter dem Positionswert. Die naheliegende Vermutung: eine Gebühr oder eine Anzahlung. Beides trifft nicht zu. Was versteht man unter Margin? Margin ist der Betrag, den du beim Broker als Sicherheit hinterlegen musst, um eine gehebelte Position zu eröffnen und offen zu halten. Das Geld wird nicht abgebucht, sondern gesperrt. Du bleibst Eigentümer, kannst aber nicht darüber verfügen, solange die Position läuft. Weil du nur einen Bruchteil des Positionswerts hinterlegst, bewegt sich deine Position stärker, als dein eingesetztes Kapital es allein täte. Diese Hebelwirkung ist keine Zusatzfunktion, sondern die direkte Folge der Margin-Konstruktion. Sie wirkt in beide Richtungen gleich stark. Einfach erklärt: Denk an die Kaution für einen Mietwagen. Sie ist nicht der Mietpreis, du bekommst sie zurück, und bei einem Schaden wird sie verrechnet. Genau so deckt die Margin den möglichen Verlust ab und wird aufgezehrt, wenn der Kurs gegen dich läuft. Nicht jedes Wertpapiergeschäft braucht eine Margin. Kaufst du eine Aktie, einen ETF oder eine Kryptowährung direkt und ohne Hebel, zahlst du den vollen Preis und hinterlegst keine Sicherheitsleistung. Margin betrifft nur Geschäfte, bei denen du mit mehr Geld agierst, als du einsetzt. Initial Margin, Variation Margin und der US-Begriff Maintenance Margin Drei Begriffe werden rund um Margin regelmäßig vermischt. Sie bedeuten Verschiedenes und stammen teils aus verschiedenen Rechtsräumen. Initial Margin ist der Ersteinschuss. Sie ist der Betrag, den du hinterlegen musst, um eine Position überhaupt zu eröffnen. Provisionen und Transaktionsgebühren zählen ausdrücklich nicht dazu. Variation Margin ist der laufende Gewinn- und Verlustausgleich. An der Terminbörse werden offene Positionen börsentäglich neu bewertet, und die Differenz wird in bar ausgeglichen: Wer im Minus steht, zahlt, wer im Plus steht, bekommt gutgeschrieben. Eurex Clearing führt diesen Ausgleich als zentrale Gegenpartei durch und berechnet die Anforderungen fortlaufend, nicht nur zum Handelsschluss. Maintenance Margin ist der Begriff, bei dem es unsauber wird. Er bezeichnet die Schwelle, unter die das Kontoguthaben nicht fallen darf, und stammt aus der US-Regulierung: FINRA Rule 4210 trägt ihn als Überschrift eines eigenen Abschnitts. Das Regelwerk von Eurex Clearing kennt ihn nicht. Dort heißen die Margin-Arten Current Liquidating Margin, Premium Margin, Spread Margin, Additional Margin, Initial Margin und Variation Margin. Für dich hat das eine praktische Folge: Handelst du über einen US-Broker, gelten US-Margin-Regeln und der Begriff Maintenance Margin ist korrekt. Handelst du an einer europäischen Terminbörse, ist er es nicht. Viele deutschsprachige Erklärtexte übernehmen die US-Systematik trotzdem unkommentiert. Welche Margin die BaFin für CFD vorschreibt Bei Differenzkontrakten, kurz CFD, ist die Mindest-Margin nicht dem Anbieter überlassen. Die BaFin hat am 23. Juli 2019 eine Allgemeinverfügung erlassen, gestützt auf Artikel 42 der europäischen Finanzmarktverordnung MiFIR. Sie gilt seit dem 1. August 2019 und ersetzt eine frühere Verfügung vom 8. Mai 2017. Davor galten dieselben Grenzen als befristete Maßnahme der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA. Diese Maßnahme ist ausgelaufen. Wer heute schreibt, in Deutschland gälten ESMA-Hebelgrenzen, nennt die falsche Rechtsgrundlage. Die Regeln kommen von der BaFin, auch wenn sie inhaltlich der früheren europäischen Vorgabe entsprechen. Die Verfügung legt fest, wie viel Prozent des Positionswerts ein Privatanleger mindestens hinterlegen muss: Basiswert Mindest-Initial-Margin Entspricht einem Hebel von Währungspaar aus zwei der Währungen US-Dollar, Euro, Yen, Pfund Sterling, kanadischer Dollar, Schweizer Franken 3,33 % rund 30:1 Zehn namentlich genannte Aktienindizes (unter anderem DAX 30, EURO STOXX 50, S&P 500, Nikkei 225), Währungspaare mit einer weiteren Währung, Gold 5 % 20:1 Andere Rohstoffe und andere Aktienindizes 10 % 10:1 Einzelaktien und alle nicht gesondert aufgeführten Basiswerte 20 % 5:1 Kryptowährungen 50 % 2:1 Mindest-Initial-Margin nach dem Tenor der BaFin-Allgemeinverfügung bezüglich Differenzgeschäften vom 23.07.2019. Stand: September 2026. Die Hebelangabe in der dritten Spalte steht so nicht in der Verfügung. Sie ist der Kehrwert des Margin-Satzes: Ein Hebel ergibt sich aus 1 geteilt durch den Margin-Satz. Bei 5 Prozent sind das exakt 20, bei 3,33 Prozent rechnerisch 30,03, weshalb dort rund 30:1 steht und nicht glatt 30:1. Der Krypto-Satz ist der strengste. Bei 50 Prozent musst du die Hälfte des Positionswerts hinterlegen, der Hebel ist auf 2:1 gedeckelt. Wer Kryptowährungen ohne Hebel halten will, kauft sie direkt und braucht überhaupt keine Margin. Margin Call und automatische Glattstellung Läuft der Kurs gegen dich, schrumpft dein Guthaben. Ein Margin Call ist die Aufforderung des Anbieters, Geld nachzuschießen oder Positionen zu verkleinern, bevor es zur Zwangsschließung kommt. Bei CFD an Privatanleger ist die Schwelle dafür nicht verhandelbar. Der Anbieter muss eine oder mehrere offene Positionen zu den für dich günstigsten Bedingungen schließen, sobald die Summe aus dem Guthaben auf dem CFD-Handelskonto und den unrealisierten Nettogewinnen aller offenen Positionen unter die Hälfte der insgesamt geforderten Initial Margin fällt. Beide Größen zählen zusammen. Ein Konto mit wenig Guthaben, aber hohen unrealisierten Gewinnen aus anderen Positionen kann über der Schwelle bleiben; umgekehrt reicht ein hohes Guthaben nicht, wenn die offenen Positionen tief im Minus stehen. Dazu kommt der Negativsaldoschutz. Er begrenzt deine gesamte Haftung aus allen CFD eines Handelskontos auf die Gelder, die auf diesem Konto liegen. Eine Nachschusspflicht über das Kontoguthaben hinaus ist bei CFD an Privatanleger damit ausgeschlossen. Wie sich die konkrete Margin für eine einzelne Position berechnet, zeigt unser Ratgeber zu Hebel und Margin bei CFD. Wo der Schutz aufhört: Futures und Optionen Das ist der Punkt, den die meisten Erklärtexte auslassen. Hebelgrenze, Glattstellungsschutz und Negativsaldoschutz gelten für CFD. Für andere Hebelprodukte gelten sie nicht. Die Verfügung definiert CFD ausdrücklich als Derivat mit Ausnahme von Optionen, Terminkontrakten, Swaps und außerbörslichen Zinstermingeschäften. Diese vier Produktgruppen sind von der Beschränkung ausgenommen. Sie sind deshalb nicht harmloser, sondern schlicht anders reguliert. An der Terminbörse bestimmt die Clearingstelle die Sicherheitsleistung, nicht eine Aufsichtsbehörde mit festen Prozentsätzen. Und die tägliche Variation Margin ist dort genau das, was der Negativsaldoschutz bei CFD verhindert: eine echte Zahlungspflicht. Wer eine Futures-Position hält, die gegen ihn läuft, muss den Verlust börsentäglich in bar ausgleichen, unabhängig davon, wie viel er ursprünglich eingezahlt hat. Der Wechsel vom CFD-Konto zum Terminbörsenkonto ist damit kein Formatwechsel, sondern ein Wechsel des Schutzniveaus. Margin ist kein Wertpapierkredit Margin und Wertpapierkredit werden oft in einen Topf geworfen, weil beide Hebelwirkung erzeugen. Rechtlich und wirtschaftlich sind sie verschieden. Beim Wertpapierkredit, auch Lombardkredit genannt, leiht dir die Bank Geld und nimmt dein Depot als Sicherheit. Du schuldest die Kreditsumme und zahlst darauf Sollzinsen. Die Wertpapiere bleiben dein Eigentum, sind aber verpfändet. Bei der Margin leihst du dir nichts. Du hinterlegst eigenes Geld als Sicherheit für eine Verpflichtung, die du eingegangen bist. Es gibt keine Kreditsumme und keinen Zins auf die Margin selbst. Kostenlos ist der Hebel deswegen nicht. Er wird über andere Posten bezahlt: über die Geld-Brief-Spanne, den Spread, und bei über Nacht gehaltenen Positionen über Finanzierungskosten. Diese Haltekosten fallen unabhängig davon an, ob deine Position im Plus oder im Minus steht. Wann Margin dich schützt und wann nicht Margin wirkt für dich, wenn du bei CFD handelst und Privatanleger bist, denn dann greifen Hebelgrenze, Glattstellungsschwelle und Negativsaldoschutz automatisch du den Ersteinschuss als Risikomaß liest: Ein hoher geforderter Margin-Satz signalisiert einen schwankungsanfälligen Basiswert deine Position groß genug bleibt, dass die Glattstellung greift, bevor das gesamte Guthaben aufgebraucht ist Margin schützt dich nicht, wenn du Futures, Optionen oder Swaps handelst, denn diese sind von den CFD-Regeln ausgenommen du als professioneller Kunde eingestuft bist, denn die Regeln gelten für Privatanleger der Kurs springt, statt zu laufen: Bei einer Kurslücke gibt es zwischen zwei Preisniveaus keinen handelbaren Kurs Den letzten Punkt unterschätzen Anleger am häufigsten. Springt der Kurs nach einer Nachricht auf ein weit entferntes Niveau, kann der Anbieter erst zum nächsten verfügbaren Kurs schließen, nicht an der Glattstellungsschwelle. Der Negativsaldoschutz greift trotzdem und begrenzt den Verlust auf das Kontoguthaben, die Schwelle selbst hält aber nicht. Wie stark Kurse dabei abweichen, beschreibt der Begriff Slippage. Rechne bei jeder gehebelten Position damit, dass die hinterlegte Margin vollständig verloren geht, und setze nur Geld ein, dessen Verlust dein Budget nicht trifft. Fazit An der Margin liest du das Risiko einer gehebelten Position ab, bevor du sie eröffnest. Je kleiner der Ersteinschuss, desto weniger Kursbewegung zehrt dein Kapital auf: Ein CFD auf ein Währungspaar mit 3,33 Prozent Margin ist bei gleicher Positionsgröße weit empfindlicher als einer auf eine Einzelaktie mit 20 Prozent. Prüfe vor dem ersten Hebelgeschäft zwei Dinge: den Margin-Satz deines Basiswerts und ob das Produkt überhaupt unter die CFD-Regeln fällt. Bei Futures und Optionen fehlt der Negativsaldoschutz, und damit verschiebt sich das Risiko von begrenzt auf unbegrenzt. Risikohinweis: Gehebelte Finanzinstrumente sind hochriskant. Kursverluste werden durch den Hebel verstärkt, und ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Bei Produkten ohne Negativsaldoschutz kann der Verlust über das eingesetzte Kapital hinausgehen. Dieser Text erklärt einen Fachbegriff und ist keine Anlageberatung und keine Handelsempfehlung. Wer ein Wertpapierdepot sucht, findet im Depot-Vergleich einen Überblick. Häufige Fragen zu Margin Was versteht man unter Margin? Margin ist die Sicherheitsleistung, die du beim Broker hinterlegen musst, um eine gehebelte Position zu eröffnen und offen zu halten. Sie ist keine Gebühr: Das Geld bleibt deines und wird lediglich blockiert, bis du die Position schließt. Weil du nur einen Bruchteil des Positionswerts hinterlegst, entsteht die Hebelwirkung. Ist Margin Gewinn? Nein, das sind zwei verschiedene Bedeutungen desselben englischen Worts. Im Wertpapierhandel meint Margin die Sicherheitsleistung. Im kaufmännischen Sprachgebrauch meint das englische margin die Marge, also die Spanne zwischen Erlös und Kosten. Wenn in einem Geschäftsbericht von margin die Rede ist, geht es um Rentabilität, nicht um Sicherheitsleistungen. Wie berechnet sich die Margin? Die Margin ist ein Prozentsatz des Positionswerts, nicht deines Kontoguthabens. Du multiplizierst also den Wert der Position mit dem Margin-Satz des jeweiligen Basiswerts. Umgekehrt ergibt sich der Hebel aus 1 geteilt durch den Margin-Satz: 5 Prozent Margin entsprechen einem Hebel von 20:1. Den vollständigen Rechenweg mit Beispiel findest du in unserem Ratgeber zu Hebel und Margin bei CFD. Was bedeutet "gross margin" auf Deutsch? Gross margin heißt Bruttomarge oder Rohertragsmarge und ist eine Kennzahl der Unternehmensanalyse. Sie beschreibt, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt. Mit der Margin im Wertpapierhandel hat der Begriff nichts zu tun, außer dem gemeinsamen englischen Wortstamm. Stand: September 2026. Rechtsgrundlage: Allgemeinverfügung der BaFin bezüglich Differenzgeschäften vom 23.07.2019 nach Art. 42 MiFIR und die zugehörigen BaFin-Leitlinien; Produktinterventionsbeschlüsse der ESMA (ESMA35-43-1135); Clearing-Bedingungen und Margining-Verfahren der Eurex Clearing AG; FINRA Rule 4210. Abgerufen am 16.09.2026.

Mietrendite

Die Mietrendite zeigt, wie viel Prozent des Kaufpreises eine Immobilie jährlich als Miete einbringt. So rechnest du sie brutto und netto. Was du über die Mietrendite wissen musst 💡 Definition: Die Mietrendite setzt die Jahreskaltmiete einer Immobilie ins Verhältnis zum Kaufpreis. Sie ist eine Kennzahl vor Zinsen und vor Steuern. 🧮 Brutto und netto: Die Bruttomietrendite teilt die Jahreskaltmiete durch den Kaufpreis. Die Nettomietrendite zieht deine Kosten als Vermieter und den Mietausfall ab und rechnet die Kaufnebenkosten zum Kaufpreis. 🏦 Mit Kredit: Eine Finanzierung erhöht deine Eigenkapitalrendite nur, wenn der Kreditzins unter der Nettomietrendite liegt. Liegt er darüber, sinkt sie. ⚠️ Keine feste Schwelle: Eine allgemeingültige Grenze für eine gute Mietrendite gibt es nicht. Vergleiche sie mit deinem Kreditzins und mit ähnlichen Objekten in derselben Lage. Die Mietrendite ist das Verhältnis aus Jahreskaltmiete und Kaufpreis einer vermieteten Immobilie, ausgedrückt in Prozent. Die Bruttomietrendite ist schnell gerechnet, zeichnet aber ein zu gutes Bild. Aussagekräftig ist die Nettomietrendite, die Kosten und Kaufnebenkosten einbezieht. Was ist die Mietrendite? Die Mietrendite beantwortet eine einfache Frage: Wie viel Prozent des eingesetzten Geldes fließen jedes Jahr als Miete zurück? Gerechnet wird mit der Kaltmiete, denn umgelegte Betriebskosten wie Wasser oder Müllabfuhr sind für dich ein durchlaufender Posten. Kapitalanleger vergleichen mit der Kennzahl Kaufangebote und prüfen, ob die Miete Kosten und Finanzierung trägt. Selbstnutzer prüfen damit, wie teuer eine Wohnung im Verhältnis zur Miete für eine vergleichbare Wohnung ist. Wie du daraus eine Entscheidung ableitest, erklärt unser Ratgeber Kaufen oder Mieten. Mietrendite berechnen: brutto und netto Für die Bruttomietrendite brauchst du nur zwei Zahlen, die in jedem Exposé stehen: Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100 Die Jahreskaltmiete ist die monatliche Kaltmiete mal zwölf. Der Wert eignet sich als erster Filter, um Angebote grob zu sortieren. Er lässt aber alles weg, was dich als Eigentümer Geld kostet. Die Nettomietrendite korrigiert das an zwei Stellen. Im Zähler steht die Jahreskaltmiete abzüglich der Kosten, die du selbst trägst. Im Nenner steht die Gesamtinvestition, also Kaufpreis plus Kaufnebenkosten: Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten − Mietausfall) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100 „Netto" heißt hier nicht „nach Steuern", sondern nur: nach den Kosten der Vermietung. Was in die Nettorechnung gehört Welche Kosten die Rendite drücken, kannst du am Mietrecht ablesen. Auf die Mieter umlegen darfst du nur Betriebskosten, und die Betriebskostenverordnung nimmt zwei Posten ausdrücklich aus: Verwaltungskosten sowie Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten (§ 1 Abs. 2 BetrKV). Diese Kosten kannst du nicht über die Nebenkostenabrechnung weitergeben. Verwaltung: Kosten für eine Haus- oder Mietverwaltung. Bei einer Eigentumswohnung steckt die Vergütung des Verwalters im Hausgeld. Instandhaltung: Geld für Reparaturen und Erneuerungen, etwa an Heizung, Fenstern oder Dach. Bei einer Eigentumswohnung zahlst du einen Teil davon als Beitrag zur Erhaltungsrücklage. Setz einen Betrag an, der zu Alter und Zustand des Gebäudes passt. Mietausfall und Leerstand: Zieht ein Mieter aus oder zahlt nicht, fehlt die Miete, und die Kosten der leeren Wohnung trägst du selbst. Die amtliche Immobilienbewertung fasst das als Mietausfallwagnis zusammen und setzt dafür bei Wohnungen 2 Prozent des Rohertrags an (§ 32 und Anlage 3 ImmoWertV). Das ist ein Modellwert, keine Erfahrungszahl für dein Objekt. Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch, gegebenenfalls ein Makler. Sie gehören in den Nenner, weil du sie beim Kauf zahlst. Mit welchen Beträgen du rechnen musst, zeigt unser Ratgeber zu den Kaufnebenkosten. Zinsen, Tilgung und Steuern gehören nicht in die Nettomietrendite. Sie hängen von deiner Finanzierung und deinem Einkommen ab, nicht vom Objekt, und würden den Vergleich zweier Angebote verzerren. Auch eine mögliche Wertsteigerung oder ein Wertverlust der Immobilie ist nicht enthalten. Quellen: § 1 Abs. 2 Betriebskostenverordnung; Bundesministerium der Justiz, Wohnraummietrecht: Kleiner Leitfaden (Ausgabe Juli 2025); §§ 31, 32 und Anlage 3 Immobilienwertermittlungsverordnung; Gutachterausschuss Düsseldorf, Grundstücksmarktbericht 2025. Stand: September 2026. Modellrechnung: von brutto zu netto Die Rechnung nutzt angenommene Werte, keine Marktpreise einer bestimmten Region. Position Betrag Kaufpreis320.000 Euro Kaufnebenkosten (Annahme)32.000 Euro Gesamtinvestition352.000 Euro Jahreskaltmiete (1.100 Euro im Monat)13.200 Euro Verwaltung (Annahme)minus 400 Euro Instandhaltung (Annahme)minus 1.600 Euro Mietausfallwagnis (2 Prozent der Jahreskaltmiete)minus 264 Euro Jahresreinertrag vor Zinsen und Steuern10.936 Euro Bruttomietrendite (13.200 ÷ 320.000)4,1 Prozent Nettomietrendite (10.936 ÷ 352.000)3,1 Prozent Kaufpreisfaktor (320.000 ÷ 13.200)24,2 Modellrechnung mit angenommenen Werten, keine Marktdaten. Mietausfallwagnis nach dem Modellansatz der Immobilienwertermittlungsverordnung (Anlage 3). Stand: September 2026. Von 4,1 Prozent brutto bleiben in diesem Beispiel 3,1 Prozent netto, also rund ein Prozentpunkt weniger. Bei einem älteren Gebäude mit höherem Instandhaltungsbedarf oder bei einer Wohnung, die sich schwer vermieten lässt, wird der Abstand größer. Kaufpreisfaktor: die Mietrendite als Vielfaches Der Kaufpreisfaktor dreht die Bruttomietrendite um. Er sagt, wie viele Jahreskaltmieten der Kaufpreis ausmacht: Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete = 100 ÷ Bruttomietrendite Eine Bruttomietrendite von 4 Prozent entspricht einem Faktor von 25. Je höher der Faktor, desto teurer ist die Immobilie im Verhältnis zur Miete. Die Zahl heißt auch Mietmultiplikator. Einen neutralen Vergleich liefert der Grundstücksmarktbericht des örtlichen Gutachterausschusses. Der Gutachterausschuss in Düsseldorf etwa weist dort Ertragsfaktoren aus, also das Verhältnis von Kaufpreisen zu den jährlichen Erträgen vergleichbarer Objekte (§ 20 ImmoWertV). Grundlage sind tatsächlich gezahlte Kaufpreise aus der Kaufpreissammlung. Der Düsseldorfer Ausschuss betont selbst, dass es Mittelwerte und keine Richtwerte sind. Mietrendite mit Finanzierung: die Eigenkapitalrendite Finanzierst du einen Teil des Kaufpreises mit einem Kredit, zählt für dich die Eigenkapitalrendite: der Überschuss nach Zinsen im Verhältnis zu dem Geld, das du selbst einbringst. Eigenkapitalrendite = (Jahresreinertrag − Zinskosten) ÷ Eigenkapital × 100 Ob der Kredit die Rendite hebt oder drückt, entscheidet ein Vergleich. Liegt der Kreditzins unter der Nettomietrendite, bringt jeder geliehene Euro mehr ein, als er kostet, und die Eigenkapitalrendite steigt. Liegt der Zins darüber, kostet der Kredit mehr, als das finanzierte Stück der Immobilie abwirft. Diesen Hebel nennt man Leverage-Effekt. Das Modell von oben mit 92.000 Euro Eigenkapital und 260.000 Euro Darlehen: Merkmal Szenario A Szenario B Angenommener Kreditzins2,5 Prozent4,0 Prozent Zinskosten im Jahr6.500 Euro10.400 Euro Überschuss vor Steuern und Tilgung4.436 Euro536 Euro Eigenkapitalrendite4,8 Prozent0,6 Prozent Im Vergleich zur Nettomietrendite von 3,1 Prozenthöherniedriger Modellrechnung mit angenommenen Zinssätzen, keine aktuellen Kreditkonditionen. Vor Steuern, ohne Tilgung und ohne Wertänderung. Stand: September 2026. Die Tilgung taucht in dieser Rechnung nicht auf, weil sie kein Aufwand ist: Du baust damit Schulden ab. Für deinen Kontostand zählt sie trotzdem. Bei einem Annuitätendarlehen zahlst du Zins und Tilgung in einer festen Rate. Deckt die Miete nach Kosten diese Rate nicht, legst du jeden Monat Geld dazu. Wie viel dir die Bank zu welchen Konditionen leiht, hängt auch vom Beleihungswert ab, den sie für die Immobilie ansetzt. Vergleiche Kreditangebote über den Effektivzins und plane dein Eigenkapital beim Immobilienkauf mit ein. Aktuelle Angebote findest du im Baufinanzierungsvergleich. Mietrendite und Steuern Die Mietrendite ist eine Kennzahl vor Steuern. Mieteinnahmen sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung (§ 21 EStG). Versteuert wird der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten. Zu den Werbungskosten gehören die Schuldzinsen und die Absetzung für Abnutzung (AfA) des Gebäudes (§ 9 Abs. 1 EStG), nicht aber die Tilgung. Die lineare AfA richtet sich nach dem Jahr der Fertigstellung. Für vermietete Wohngebäude gelten jährlich 3 Prozent bei Fertigstellung nach dem 31. Dezember 2022, 2 Prozent bei Fertigstellung zwischen 1925 und 2022 und 2,5 Prozent bei Fertigstellung vor 1925 (§ 7 Abs. 4 EStG). Abschreiben kannst du nur den Gebäudeanteil, denn Grund und Boden nutzen sich nicht ab. Den Kaufpreis teilst du dafür auf, das Bundesfinanzministerium bietet eine Arbeitshilfe an. Für Neubauten sieht das Gesetz unter Bedingungen zusätzlich eine degressive AfA (§ 7 Abs. 5a EStG) und eine Sonderabschreibung (§ 7b EStG) vor. Was nach Steuern bleibt, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab. Die Details klärst du am besten mit einer Steuerberatung. Quellen: §§ 7, 9 und 21 Einkommensteuergesetz; Bundesrat-Drucksache 627/22 (Jahressteuergesetz 2022); Bundesministerium der Finanzen, Arbeitshilfe zur Aufteilung eines Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück; Vordruck Anlage V 2025. Stand: September 2026. Wann die Mietrendite dir hilft und wann nicht Die Mietrendite hilft dir beim Sortieren mehrerer Exposés, bevor du Zeit in Besichtigungen steckst beim Vergleich mit anderen Geldanlagen, wenn du die Nettomietrendite rechnest als Messlatte für ein Kreditangebot: Liegt der Zins darüber, drückt der Kredit deine Eigenkapitalrendite Die Mietrendite führt dich in die Irre wenn du nur brutto rechnest und Verwaltung, Instandhaltung und Leerstand weglässt wenn du Objekte aus unterschiedlichen Lagen nebeneinanderstellst: Eine höhere Rendite kann der Ausgleich für mehr Leerstandsrisiko oder Sanierungsbedarf sein wenn du sie für den Überschuss nach Steuern hältst Ein Sonderfall kann im Exposé selbst stecken: Steht dort eine erwartete Miete nach Neuvermietung oder die letzte Stufe einer Staffelmiete statt der heute gezahlten Miete, sieht die Rendite besser aus, als sie ist. Rechne mit der Miete aus dem laufenden Mietvertrag und lass ihn dir vor dem Kauf zeigen. Erhöhen kannst du sie bei einem bestehenden Mietverhältnis nur in den Grenzen des Mietrechts. Rechne vor jedem Kauf die Nettomietrendite mit deinen eigenen Kostenannahmen und stell sie neben den Effektivzins deiner Finanzierung. Liegt der Zins darüber, senkt jeder zusätzlich geliehene Euro deine Eigenkapitalrendite. Unsere Einschätzung: Die Bruttomietrendite ist ein guter Filter und eine schlechte Entscheidungsgrundlage. Entscheide über die Nettomietrendite mit ehrlich angesetzten Kosten für Verwaltung, Instandhaltung und Leerstand, und stell sie neben den Kreditzins und den Ertragsfaktor deiner Region. Finanzierungsangebote vergleichst du im Baufinanzierungsvergleich. Häufige Fragen zur Mietrendite Wie hoch ist eine gute Mietrendite? Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, weil die Mietrendite immer auch das Risiko einer Lage abbildet. Eine hohe Rendite kann der Ausgleich für Leerstand oder Sanierungsbedarf sein, eine niedrige der Preis für eine gefragte Lage. Prüfe drei Dinge: ob die Nettomietrendite über dem Zins deiner Finanzierung liegt, wie der Kaufpreisfaktor im Vergleich zum Ertragsfaktor des Gutachterausschusses ausfällt und ob nach allen Kosten noch Geld für Reparaturen übrig bleibt. Was bleibt von 1000 € Mieteinnahmen? Das hängt von deinen Kosten, deiner Finanzierung und deinem Steuersatz ab. In unserer Modellrechnung bleiben von 1.000 Euro Kaltmiete nach Verwaltung, Instandhaltung und Mietausfallwagnis rund 828 Euro, vor Zinsen und Steuern. Davon gehen noch die Kreditzinsen ab. Bleibt nach Abzug aller Werbungskosten ein steuerlicher Überschuss, zahlst du darauf Einkommensteuer. Was bedeutet 4% Mietrendite? Bei 4 Prozent Bruttomietrendite kostet die Immobilie das 25-Fache der Jahreskaltmiete. Rechnerisch spielt die Kaltmiete den Kaufpreis in 25 Jahren einmal ein, vor Kosten, Zinsen und Steuern. Ob 4 Prozent brutto oder netto gemeint sind, macht einen großen Unterschied: 4 Prozent netto setzen eine deutlich höhere Bruttomietrendite voraus. Was bedeutet 6% Mietrendite? 6 Prozent Bruttomietrendite entsprechen einem Kaufpreisfaktor von rund 16,7: Die Immobilie kostet knapp das 17-Fache der Jahreskaltmiete. Im Verhältnis zur Miete ist sie damit günstiger als bei 4 Prozent. Frag bei solchen Werten nach dem Grund, etwa Lage, Leerstand, Zustand des Gebäudes oder anstehende Sanierungen, bevor du den Wert als Vorteil verbuchst. Ist die Nettomietrendite die Rendite nach Steuern? Nein. Netto heißt bei der Mietrendite nur, dass die Kosten der Vermietung und die Kaufnebenkosten berücksichtigt sind. Steuern, Zinsen und Tilgung sind nicht enthalten. Wie viel dir nach Steuern bleibt, hängt von deinem persönlichen Steuersatz, der AfA und deinen Schuldzinsen ab. Datenstand: September 2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz §§ 7, 9 und 21; Bundesrat-Drucksache 627/22; Bundesministerium der Finanzen, Arbeitshilfe Kaufpreisaufteilung; Vordruck Anlage V 2025; Betriebskostenverordnung § 1; Bundesministerium der Justiz, Wohnraummietrecht: Kleiner Leitfaden (Ausgabe Juli 2025); Immobilienwertermittlungsverordnung §§ 20, 31, 32 und Anlage 3; Gutachterausschuss Düsseldorf, Grundstücksmarktbericht 2025. Die Beispielrechnungen sind Modellrechnungen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Anlageberatung.

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Nominalzins

Der Nominalzins ist der vereinbarte Zinssatz pro Jahr, ohne Kosten, Zinseszins und Inflation. So liest du ihn beim Sparen und beim Kredit richtig. Was du über den Nominalzins wissen musst 💡 Definition: Der Nominalzins ist der Zinssatz, den Geldgeber und Geldnehmer vereinbaren, angegeben pro Jahr (p. a.). Kosten, Zinseszins und Inflation stecken nicht darin. 💰 Beim Sparen: Schreibt die Bank die Zinsen öfter als einmal im Jahr gut, verzinst sich dein Guthaben schneller. 3 % nominal mit monatlicher Gutschrift ergeben im Modell 3,04 % im Jahr. 🏦 Beim Kredit: Hier heißt der Nominalzins Sollzins. Vergleiche Angebote über den effektiven Jahreszins: Berechnet die Bank die Zinsen monatlich, liegt er schon ohne Kosten höher, aus 6 % Sollzins werden 6,17 %. ⚠️ Nicht die Kaufkraft: Liegt die Inflation über dem Nominalzins, ist der Realzins negativ. 2,5 % Zinsen bei 3 % Inflation ergeben rund minus 0,5 %. Der Nominalzins ist der Zinssatz, den Geldgeber und Geldnehmer vertraglich vereinbaren, angegeben pro Jahr und bezogen auf den Nennbetrag. Beim Tagesgeld und Festgeld bestimmt er deine Zinsen, beim Kredit heißt er Sollzins. Was er nicht zeigt, zeigen drei andere Zahlen: der Effektivzins, die Rendite und der Realzins. Was ist der Nominalzins? Die Europäische Zentralbank beschreibt den nominalen Zinssatz als den Satz, den Geldgeber und Geldnehmer vereinbaren und der tatsächlich gezahlt wird: Kreditnehmer zahlen ihn, Sparer bekommen ihn. Das Wort „nominal" verweist auf den Nennwert, auch Nominalwert genannt. Bei Wertpapieren ist für Zinsen, die in Prozent berechnet werden, laut Bundesbank immer der Nennwert maßgebend. Der Nominalzins wird immer pro Jahr angegeben, mit dem Zusatz p. a. (per annum). Das gilt auch dann, wenn die Bank die Zinsen monatlich oder vierteljährlich verrechnet. Genau deshalb können Nominalzins und tatsächlicher Jahresertrag auseinanderliegen, beim Kredit ebenso Nominalzins und tatsächliche Jahreskosten. Dir begegnet der Nominalzins an drei Stellen: im Sparangebot als Zins p. a., im Kreditvertrag als Sollzins und bei Anleihen als fester Zins auf den Nennwert. Nominalzinssatz und nominaler Zins meinen dasselbe. Nominalzins, Effektivzins, Realzins und Rendite Der Nominalzins ist der Ausgangswert. Jede der anderen Kennzahlen rechnet einen Faktor hinzu, den er auslässt. Kennzahl Was sie zusätzlich berücksichtigt Wo du sie findest Nominalzinsnichts, er ist der vereinbarte Satz pro JahrSparangebot, Kreditvertrag, Anleihebedingungen Effektiver Jahreszins (Kredit)Zinsen, sonstige Kosten und Zahlungszeitpunkte nach § 16 PAngVKreditangebot, Kreditwerbung Effektive Verzinsung (Sparen)Zinseszins, wenn die Bank öfter als einmal im Jahr gutschreibtselbst rechnen Rendite (Anleihe)Kaufkurs, Laufzeit, Zinstermine und RückzahlungskursWertpapierhandel, Marktdurchschnitt in der Bundesbank-Statistik RealzinsInflationselbst rechnen: Nominalzins minus Inflationsrate Quellen: § 16 Preisangabenverordnung; Europäische Zentralbank; Deutsche Bundesbank, Glossar und Erläuterungen zu den Kapitalmarktkennzahlen. Stand: September 2026. Nominalzins beim Tagesgeld und Festgeld Beim Tagesgeld und Festgeld ist der beworbene Zinssatz p. a. der Nominalzins. Er sagt, wie viel Prozent deines Guthabens du in einem Jahr an Zinsen bekommst, wenn die Bank die Zinsen einmal am Jahresende gutschreibt. Schreibt die Bank die Zinsen öfter gut, etwa monatlich oder vierteljährlich, verzinst sich ab der ersten Gutschrift auch der Zins mit. Dieser Zinseszins hebt deinen Jahresertrag über den Nominalzins, ohne dass sich am Satz etwas ändert. Der Abstand zwischen nominaler und effektiver Verzinsung entsteht beim Sparen also ganz ohne Gebühren, allein durch den Rhythmus der Gutschrift. Zinsgutschrift Zinsen nach einem Jahr Effektive Verzinsung jährlich300,00 €3,00 % vierteljährlich303,39 €3,03 % monatlich304,16 €3,04 % Modellrechnung: 10.000 € Anlagebetrag, 3 % Nominalzins, ein Jahr, gutgeschriebene Zinsen bleiben angelegt. Keine aktuellen Marktzinsen. Stand: September 2026. Der Unterschied beträgt in diesem Beispiel 4,16 € im Jahr. Bei zwei Angeboten mit demselben Nominalzins bringt das mit der häufigeren Gutschrift also etwas mehr. Deutlich mehr Gewicht hat, wie lange der Zinssatz gilt und ob er für dein ganzes Guthaben gilt. Wie oft deine Bank gutschreibt, steht in den Konditionen. Aktuelle Nominalzinsen vergleichst du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich. Was ein bestimmter Zinssatz für deinen Betrag bringt, rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner nach. Nominalzins beim Kredit: der Sollzins Beim Kredit heißt der Nominalzins Sollzins oder Sollzinssatz. Das Bürgerliche Gesetzbuch definiert ihn als den gebundenen oder veränderlichen periodischen Prozentsatz, der pro Jahr auf das in Anspruch genommene Darlehen angewendet wird (§ 489 Abs. 5 BGB). Die Finanzaufsicht BaFin verwendet Sollzins und Nominalzins gleichbedeutend. Der Sollzins sagt nur, was das geliehene Geld an sich kostet. Was ein Kredit insgesamt kostet, zeigt der effektive Jahreszins. Nach § 16 PAngV fasst er die Gesamtkosten als jährlichen Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags zusammen: die Zinsen und alle sonstigen Kosten, die du im Zusammenhang mit dem Kreditvertrag zahlst und die der Bank bekannt sind. Nicht enthalten sind unter anderem Notarkosten sowie Versicherungen und Zusatzleistungen, die keine Voraussetzung für den Kredit sind. Wer mit Zinsen für einen Verbraucherkredit wirbt, muss den Sollzins und den effektiven Jahreszins angeben (§ 17 PAngV). Berechnet die Bank die Zinsen monatlich, liegt der effektive Jahreszins auch ohne jede Gebühr über dem Sollzins. Es ist derselbe Mechanismus wie beim Sparen, nur zu deinen Lasten: Die gesetzliche Berechnungsformel berücksichtigt, wann du Zinsen und Tilgung zahlst, und rechnet dafür mit Jahresbruchteilen. Wer monatlich zahlt, zahlt Zinsen früher als am Jahresende, und das rechnet die Formel als Kosten ein. Merkmal Modellkredit Nettodarlehensbetrag10.000 € Laufzeit36 Monate Sollzins6,00 % p. a., monatlich ein Zwölftel Kosten0 € Monatsrate aus Zins und Tilgung304,22 € Effektiver Jahreszins6,17 % Modellrechnung nach der Berechnungslogik der Anlage zu § 16 Preisangabenverordnung, ohne Kosten. Keine aktuellen Kreditkonditionen. Stand: September 2026. Kommen Kosten dazu, die du für den Kredit zahlen musst, etwa Vermittlungskosten, steigt der effektive Jahreszins weiter. Vergleiche Kreditangebote deshalb immer über den effektiven Jahreszins, zum Beispiel im Kreditvergleich. Wie sich eine feste Monatsrate aus Zins und Tilgung zusammensetzt, erklärt der Eintrag Annuitätendarlehen. Legst du den Sollzins für einen festen Zeitraum fest, etwa bei einer Baufinanzierung, heißt das Sollzinsbindung. Quellen: § 489 Abs. 5 Bürgerliches Gesetzbuch; §§ 16, 17 und Anlage Preisangabenverordnung; BaFin, Immobilienkredit im Überblick und Konsumentenkredite vergleichen. Stand: September 2026. Nominalzins und Realzins Der Realzins zeigt, was dein Zins nach Abzug der Inflation an Kaufkraft bringt. Vereinfacht gilt: Realzins = Nominalzins minus Inflationsrate. So definieren ihn die Europäische Zentralbank und die Bundesbank. Die EZB rechnet dazu ein Beispiel vor: Du legst 1.000 € zu 2,5 % an und hast nach einem Jahr 1.025 €. Steigen die Preise im selben Jahr um 3 %, kostet das, was vorher 1.000 € gekostet hat, jetzt 1.030 €. Dein Realzins liegt bei rund minus 0,5 %. Exakt gerechnet, mit (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1, sind es minus 0,49 %. Die Bundesbank nennt zwei Lesarten: Abgezogen wird entweder die aktuelle Preissteigerungsrate oder, in einer alternativen Definition, die erwartete. Für eine Entscheidung heute zählt die erwartete Inflation über die Laufzeit deiner Anlage, denn die tatsächliche kennst du erst hinterher. Nominalzins bei Anleihen Bei einer Anleihe ist der Nominalzins der feste Zins auf den Nennwert, bei Kuponanleihen auch Kupon genannt. Er bestimmt, wie viel Euro du je Zinstermin bekommst, aber nicht, was die Anlage dir unterm Strich bringt. Kaufst du die Anleihe nach der Ausgabe, zahlst du den aktuellen Kurs, und der kann über oder unter dem Nennwert liegen. Laut Bundesbank sinkt der auf den Kurs bezogene Zins unter den Nominalzins, wenn der Kurs über dem Nennwert liegt, und steigt darüber, wenn der Kurs darunter liegt. Ein Modell: Eine Anleihe mit 3 % Nominalzins und fünf Jahren Restlaufzeit kostet 95 % des Nennwerts. Je 100 € Nennwert bekommst du jährlich 3 € Zinsen, bezogen auf deinen Kaufpreis sind das 3,16 %. Hältst du die Anleihe bis zum Ende und zahlt der Emittent die 100 € vollständig zurück, liegt deine Rendite bis zur Fälligkeit bei 4,13 % im Jahr. Verkaufst du früher, hängt dein Ergebnis vom dann aktuellen Kurs ab, und der kann auch unter deinem Kaufkurs liegen. Wann der Nominalzins reicht und wann nicht Der Nominalzins reicht dir beim Vergleich zweier Sparangebote mit gleicher Zinsdauer und gleichem Gutschriftsrhythmus um abzulesen, wie viel Zinsen eine Anleihe je 100 € Nennwert zahlt als Ausgangswert, von dem du die Inflation abziehst Der Nominalzins führt dich in die Irre beim Kreditvergleich, weil Kosten und Zahlungszeitpunkte fehlen bei einer Anleihe, die du über oder unter dem Nennwert kaufst wenn du wissen willst, ob dein Geld an Kaufkraft gewinnt Der Zusatz „p. a." heißt nicht, dass du den Zinssatz ein Jahr lang bekommst. Gilt ein beworbener Satz nur für drei Monate, erhältst du ihn auch nur drei Monate. Rechnet die Bank taggenau mit 365 Tagen, bringen 10.000 € zu 3 % p. a. in 90 Tagen 73,97 € Zinsen, nicht 300 €. Über deinen Jahresertrag entscheidet dann der Zinssatz, der danach gilt. Vergleiche Kredite über den effektiven Jahreszins, Sparangebote über den Nominalzins zusammen mit Zinsdauer und Gutschriftsrhythmus, und zieh für die Kaufkraft die Inflation ab. Unsere Einschätzung: Der Nominalzins rechnet nichts ein. Das macht ihn leicht vergleichbar und zugleich unvollständig. Beim Sparen reicht er für den Vergleich, solange du Zinsdauer und Gutschrift mitliest. Beim Kredit ist er nur ein Teil des Preises. Aktuelle Nominalzinsen für dein Erspartes findest du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Nominalzins Was ist ein Nominalzins einfach erklärt? Der Nominalzins ist der Zinssatz pro Jahr, den du mit der Bank vereinbarst: beim Sparen der Zins, den du bekommst, beim Kredit der Zins, den du zahlst. Er bezieht sich auf den Nennbetrag, also auf dein Guthaben oder den in Anspruch genommenen Kredit. Kosten, Zinseszins und Inflation rechnet er nicht ein. Was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Realzins? Der Nominalzins ist der vereinbarte Zinssatz. Der Realzins zieht davon die Inflationsrate ab und zeigt, wie sich deine Kaufkraft verändert. Bei 2,5 % Zinsen und 3 % Inflation ist der Realzins negativ, rund minus 0,5 %: Du hast mehr Euro auf dem Konto, kannst dir davon aber weniger kaufen. Was ist der Unterschied zwischen nominal und effektiv? Nominal ist der vereinbarte Satz pro Jahr. Effektiv rechnet ein, wann Zinsen fließen, beim Kredit zusätzlich die Kosten nach § 16 PAngV. Werden Zinsen öfter als einmal im Jahr verrechnet, liegt der Effektivwert deshalb über dem Nominalwert: beim Sparen zu deinen Gunsten, beim Kredit zu deinen Lasten. Was bedeutet der Nominalzins bei Tagesgeld? Der beworbene Tagesgeldzins p. a. ist der Nominalzins. Er gibt an, wie viel Prozent deines Guthabens du in einem Jahr an Zinsen bekommst, wenn der Satz das ganze Jahr gilt und die Bank die Zinsen einmal jährlich gutschreibt. Bei monatlicher Gutschrift bringt der Zinseszins etwas mehr, bei 3 % nominal im Modell 3,04 %. Ist der Nominalzins dasselbe wie der Sollzins? Beim Kredit ja: Sollzins und Nominalzins bezeichnen denselben Zinssatz, den das Bürgerliche Gesetzbuch als Sollzinssatz definiert (§ 489 Abs. 5 BGB). Nominalzins ist aber der weitere Begriff, denn es gibt ihn auch beim Sparen und bei Anleihen. Einen Sollzins gibt es nur, wenn du Geld leihst. Datenstand: September 2026 | Quellen: § 489 Abs. 5 Bürgerliches Gesetzbuch; §§ 16, 17 und Anlage Preisangabenverordnung; BaFin, Immobilienkredit im Überblick und Konsumentenkredite vergleichen; Europäische Zentralbank, Was sind Zinsen und wodurch unterscheidet sich der Nominalzins vom Realzins? (2016); Deutsche Bundesbank, Glossar (Nominalzins, Nennwert, Realzins) und Erläuterungen zu den Kapitalmarktkennzahlen. Die Beispielrechnungen sind Modellrechnungen ohne aktuelle Markt- oder Anbieterzinsen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlage- oder Kreditberatung.

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Prolongation

Kurz & knapp: Eine Prolongation ist die Verlängerung deines Baudarlehens beim selben Anbieter nach Ablauf der Sollzinsbindung. Bequem und ohne neue Notarkosten – dafür meist 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte teurer als ein Wechsel zur Konkurrenz, weil die Bank ohne Wettbewerbsdruck verhandelt. Was ist eine Prolongation? Wenn deine Sollzinsbindung ausläuft – meist nach 10, 15 oder 20 Jahren – ist die Restschuld deines Darlehens fast nie komplett getilgt. Du brauchst eine Anschlussfinanzierung. Hierbei hast du zwei Wege: Du verlängerst beim aktuellen Anbieter (das ist die Prolongation) oder du wechselst zu einer anderen Bank (das ist die Umschuldung). Bei der Prolongation läuft dein Darlehen technisch weiter, nur die Konditionen werden neu verhandelt: neuer Zinssatz, neue Zinsbindung, ggf. angepasste Tilgung. Die Grundschuld bleibt im Grundbuch unverändert stehen. Genau das ist der Charme der Prolongation – aber auch ihre Schwäche. Prolongation vs. Umschuldung: Der direkte Vergleich ProlongationUmschuldung AnbieterGleicher AnbieterNeuer Anbieter NotarkostenKeineGrundschuld-Abtretung (~0,2 % der Darlehenssumme) AufwandSehr gering – UnterschriftVollständige Bonitätsprüfung, neue Unterlagen ZinsverhandlungSchwach (kein Wettbewerb)Stark (mehrere Angebote) Typischer ZinsvorteilBasis−0,2 bis −0,5 PP gegenüber Prolongation Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber massiv. Bei einer Restschuld von 200.000 € und 10 Jahren Zinsbindung machen 0,3 PP Unterschied rund 6.000 € Mehrkosten aus – abzüglich der Notarkosten von etwa 400 € bleibt also ein klarer Vorteil für die Umschuldung. Wann ist Prolongation trotzdem sinnvoll? Grundsätzlich gilt: Wer die niedrigsten Zinsen will, vergleicht. Allerdings gibt es Situationen, in denen die Prolongation sinnvoll ist: Kleine Restschuld (unter 50.000 €) – die absolute Zinsersparnis rechtfertigt den Aufwand nicht. Schwierige Bonität – wenn sich deine finanzielle Situation seit Abschluss verschlechtert hat (Selbstständigkeit, Elternzeit), prüft eine neue Bank dich strenger als deine Hausbank. Veränderte Beleihung – wenn der Immobilienwert gefallen ist, sieht der Beleihungsauslauf bei der neuen Bank schlechter aus. Top-Konditionen vom Stammanbieter – manche Banken machen aktiv ein gutes Prolongationsangebot, um dich zu halten. Der richtige Zeitpunkt: 6–12 Monate vor Ablauf vergleichen Etwa 3 Monate vor Ablauf der Zinsbindung bekommst du das Prolongationsangebot deiner Bank automatisch zugeschickt. Das ist deutlich zu spät. Wer Verhandlungsmacht aufbauen will, vergleicht 6 bis 12 Monate vorher die Marktkonditionen. Faustregel: Hol dir 2–3 Vergleichsangebote ein, bevor das offizielle Prolongationsangebot kommt. Auch wenn du am Ende beim Stammanbieter bleibst – mit harten Wettbewerbszahlen in der Hand verhandelt sich der Zinssatz deutlich besser. Häufige Fragen Muss ich eine Prolongation annehmen? Nein. Nach Ablauf der Sollzinsbindung bist du gesetzlich frei – nach § 489 BGB kannst du das Darlehen sogar mit dreimonatiger Frist kündigen, wenn du wechseln willst. Kann ich die Tilgung bei der Prolongation anpassen? Ja. Bei der Verlängerung kannst du Tilgungssatz und Zinsbindung neu festlegen – nutze das, um deine Rate an deine aktuelle Lebenssituation anzupassen. Was, wenn ich erst in 3+ Jahren Anschluss brauche? Dann ist ein Forward-Darlehen die bessere Option – damit sicherst du dir heutige Zinsen für die Zukunft. Mehr zu deinen Optionen liest du im Capitalo-Ratgeber zur Anschlussfinanzierung. Konkrete Wechselangebote findest du im Vergleich zur Baufinanzierung-Umschuldung. Hinweis: Die genannten Zinsvorteile sind typische Erfahrungswerte und können je nach Marktphase, Bonität und Restschuld abweichen. Eine Anschlussfinanzierung ist eine bedeutsame Entscheidung – lass dich bei Bedarf individuell beraten.

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Quellensteuer

Die Quellensteuer wird direkt bei der Auszahlung einbehalten, etwa auf Auslandsdividenden. Hier erfährst du, was angerechnet wird und was du zurückholst. Was du über die Quellensteuer wissen musst 🏦 Steuerabzug an der Quelle: Zahlt dir ein ausländisches Unternehmen eine Dividende, behält sein Sitzstaat die Quellensteuer oft schon vor der Gutschrift auf deinem Depot ein. 💡 Anrechnung: Deine Bank in Deutschland rechnet ausländische Quellensteuer bis zum Satz aus dem Doppelbesteuerungsabkommen auf die Abgeltungsteuer an, höchstens 25 % je Ertrag und nur, soweit Abgeltungsteuer anfällt. 🌍 Erstattung: Was ein Staat über den Abkommenssatz hinaus einbehält, etwa die Schweiz 35 % statt 15 %, bekommst du nur per Antrag bei der Steuerbehörde dieses Staates zurück. ⚠️ Freistellungsauftrag: Drückt dein Freistellungsauftrag die Abgeltungsteuer auf null, bleibt die anrechenbare Quellensteuer unverrechnet und verfällt, wenn du sie nicht in der Steuererklärung mit anderer Abgeltungsteuer verrechnen kannst. Was ist die Quellensteuer einfach erklärt? Die Quellensteuer, englisch Withholding Tax, ist keine eigene Steuerart, sondern eine Art, Steuern zu erheben. Wer Einkünfte auszahlt, also ein Arbeitgeber, eine Bank oder ein Unternehmen, behält die Steuer gleich ein und führt sie an den Staat ab. Das Bundesfinanzministerium nennt das bei der Lohnsteuer und der Abgeltungsteuer ein Quellenabzugsverfahren. Einfach erklärt: Eine US-Aktie in deinem Depot zahlt 100 Euro Dividende. Bevor das Geld bei dir ankommt, behalten die USA ihren Anteil ein. Das ist die Quellensteuer. Deutschland will danach ebenfalls Steuern, rechnet die US-Steuer aber bis zum vereinbarten Satz an, damit du nicht doppelt zahlst. Im Depot ist mit Quellensteuer fast immer diese ausländische Steuer auf Dividenden gemeint. Bei Lohn heißt die Quellensteuer in Deutschland Lohnsteuer. In der Schweiz steht der Begriff außerdem für den Steuerabzug vom Lohn bestimmter ausländischer Arbeitnehmender. Dieser Eintrag behandelt die Quellensteuer auf Kapitalerträge. Wie hoch ist die Quellensteuer in Deutschland? Deutschland erhebt auf Kapitalerträge wie Dividenden und Zinsen eine Kapitalertragsteuer von 25 %. Dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf diese Steuer, zusammen also 26,375 %, bei Kirchensteuerpflicht zusätzlich die Kirchensteuer. Bei Privatanlegern hat dieser Abzug abgeltende Wirkung, deshalb heißt er Abgeltungsteuer. Der Abzug gilt auch dann, wenn der Empfänger im Ausland wohnt. Ausländische Anleger können sich einen Teil beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) erstatten lassen, soweit ihr Doppelbesteuerungsabkommen einen niedrigeren Satz vorsieht. Wie die Abgeltungsteuer im Depot mit Freistellungsauftrag und Verlustverrechnung zusammenspielt, steht in unserem Ratgeber zu Abgeltungsteuer, Freistellungsauftrag und Freibeträgen. So wird ausländische Quellensteuer angerechnet Führt eine Bank in Deutschland dein Depot, rechnet sie die ausländische Quellensteuer automatisch auf deine Abgeltungsteuer an (§ 43a Abs. 3 EStG). Das passiert bei jedem einzelnen ausländischen Ertrag. Du musst dafür nichts beantragen. Die Anrechnung hat drei Grenzen (§ 32d Abs. 5 EStG): Abkommenssatz: Angerechnet wird nur die Steuer, die der Quellenstaat nach dem Doppelbesteuerungsabkommen behalten darf. Was darüber liegt, musst du dort zurückfordern. 25 %: Mehr als 25 % ausländische Steuer auf den einzelnen Ertrag rechnet Deutschland nie an. Deutsche Steuer: Angerechnet wird höchstens so viel, wie im selben Jahr an deutscher Abgeltungsteuer anfällt. Auf 100 Euro Dividende fallen 25 Euro Abgeltungsteuer an. Hat der Quellenstaat 15 Euro anrechenbare Steuer einbehalten, bleiben 10 Euro deutsche Abgeltungsteuer plus 0,55 Euro Solidaritätszuschlag. Die Rechnung ohne Solidaritätszuschlag steht so auch im Schreiben des Bundesfinanzministeriums zur Abgeltungsteuer. Fall (100 Euro Dividende) Im Ausland einbehalten Davon anrechenbar Deutsche Abgeltungsteuer inkl. Soli Belastung bis zur Erstattung Im Quellenstaat zurückholbar Belastung nach Erstattung USA mit Formular W-8BEN 15,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 25,55 Euro 0,00 Euro 25,55 Euro USA ohne Formular W-8BEN 30,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 40,55 Euro 15,00 Euro 25,55 Euro Schweiz 35,00 Euro 15,00 Euro 10,55 Euro 45,55 Euro 20,00 Euro 25,55 Euro Stand September 2026. Rechnung nach § 32d Abs. 1 EStG und § 4 SolZG, ohne Kirchensteuer, Dividende bereits in Euro umgerechnet. Sätze: BZSt-Übersicht zur anrechenbaren Quellensteuer (Stand 1. Januar 2026), IRS, ESTV. Nach der Erstattung zahlst du in allen drei Fällen gleich viel. Bis dahin liegt dein Geld beim ausländischen Fiskus, und ohne Antrag bleibt es dort. Quellensteuer nach Ländern: vier Beispiele Jeder Staat legt seinen eigenen Satz fest, das Abkommen mit Deutschland setzt die Obergrenze. Die vier Beispiele zeigen die typischen Fälle für Dividenden an Privatanleger mit Wohnsitz in Deutschland. Land Quellensteuer auf Dividenden Höchstsatz laut Abkommen mit Deutschland In Deutschland anrechenbar Im Quellenstaat zurückholbar USA 30 %, mit Formular W-8BEN direkt 15 % 15 % 15 % 15 Prozentpunkte, wenn 30 % einbehalten wurden Schweiz 35 % (Verrechnungssteuer) 15 % 15 % 20 Prozentpunkte Frankreich 12,8 % 15 % 12,8 % nichts, der französische Satz liegt unter dem Abkommenssatz Österreich 27,5 % (Kapitalertragsteuer) 15 % 15 % 12,5 Prozentpunkte Stand 1. Januar 2026 (BZSt-Übersicht), Quellenstaaten abgerufen im September 2026. Sonderfälle wie Beteiligungen von Kapitalgesellschaften oder steuerbefreite Ausschüttungen sind nicht abgebildet. Quellen: BZSt, IRS, ESTV, Légifrance (Art. 187 CGI), Finanzministerium Österreich, Abkommenstexte. Die Sätze für alle Staaten mit Abkommen veröffentlicht das BZSt jedes Jahr zum Stand 1. Januar. Nach dieser Übersicht rechnen auch die Banken an. Wie holst du zu viel gezahlte Quellensteuer zurück? Die Erstattung läuft immer über die Steuerbehörde des Staates, der die Steuer einbehalten hat. Deine Bank und dein Finanzamt in Deutschland zahlen dir den Überhang nicht aus. 1 Abrechnung prüfen Auf der Dividendenabrechnung steht, wie viel Quellensteuer einbehalten und wie viel angerechnet wurde. Liegt der einbehaltene Satz über dem Abkommenssatz, hast du einen Anspruch im Quellenstaat. 2 Formular des Quellenstaats nutzen Das BZSt verlinkt die Erstattungsformulare vieler Staaten. Für die Schweiz stellst du den Antrag für Erträge mit Fälligkeit ab 1. Januar 2020 nur noch online bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV). 3 Ansässigkeit bestätigen lassen Staaten wie die Schweiz und Österreich verlangen einen Nachweis, dass du in Deutschland steuerlich ansässig bist. Für die Schweiz lässt du das Stempelblatt aus dem Online-Antrag von deinem Finanzamt beglaubigen. 4 Aufwand abwägen Bei 100 Euro Schweizer Dividende geht es um 20 Euro. Prüf, ob sich der Aufwand bei kleinen Beträgen lohnt, und achte auf die Antragsfristen des Quellenstaats. Bei US-Aktien kommst du ohne Erstattung aus. Reichst du das Formular W-8BEN bei der auszahlenden Stelle ein, behält sie direkt nur den Abkommenssatz von 15 % ein. Ohne das Formular sind es in der Regel 30 %, und die Differenz musst du in den USA zurückfordern. Quellensteuer und Freistellungsauftrag: wann die Anrechnung verfällt Dein Freistellungsauftrag senkt die Grundlage für die Abgeltungsteuer, egal ob der Ertrag aus Deutschland oder dem Ausland stammt. Bleibt dadurch weniger deutsche Steuer übrig als anrechenbare Quellensteuer, entsteht ein Überhang. Das gilt genauso, wenn Verluste die Steuer aufzehren. Diesen Überhang weist die Bank in deiner Steuerbescheinigung als noch nicht angerechnete ausländische Steuer aus. Du kannst ihn in der Steuererklärung mit Abgeltungsteuer verrechnen, die an anderer Stelle angefallen ist, etwa bei einer zweiten Bank. Ins nächste Jahr überträgt die Bank ihn nicht. Gibt es nichts zum Verrechnen, verfällt die ausländische Steuer. Von deinen Kapitalerträgen abziehen kannst du sie auch nicht. Die Anrechnung greift, wenn … der Quellenstaat die Steuer festgesetzt und tatsächlich einbehalten hat im selben Jahr deutsche Abgeltungsteuer anfällt, gegen die gerechnet werden kann höchstens der Abkommenssatz einbehalten wurde oder du den Rest im Ausland zurückforderst du beim ausländischen Broker die Quellensteuer in der Anlage KAP angibst Die Anrechnung greift nicht, wenn … der Teil über dem Abkommenssatz betroffen ist, den erstattet nur der Quellenstaat Freistellungsauftrag oder Verluste die Abgeltungsteuer auf null drücken und keine andere Abgeltungsteuer zum Verrechnen da ist die Quellensteuer innerhalb eines Fonds angefallen ist ein Staat ohne Abkommen eine Steuer erhebt, die nicht der deutschen Einkommensteuer entspricht Ein Grenzfall zeigt, wie das zusammenspielt: Du hältst Schweizer Aktien, und deine Dividenden liegen komplett im Freistellungsauftrag. Die Schweiz behält 35 % ein. 20 Prozentpunkte holst du bei der ESTV zurück. Die übrigen 15 Prozentpunkte kann deine Bank nicht anrechnen, weil keine Abgeltungsteuer anfällt, und ohne andere abgeltungsteuerpflichtige Erträge verfallen sie. Quellensteuer bei ETFs und Fonds Bei einem ETF zahlt der Fonds die Quellensteuer, wenn er Dividenden der Unternehmen einsammelt. Du versteuerst dagegen nicht die einzelnen Dividenden, sondern die Ausschüttungen, die Vorabpauschale und Gewinne beim Verkauf deiner Fondsanteile (§ 16 InvStG). Die Quellensteuer auf Fondsebene taucht deshalb nicht als anrechenbare Steuer in deiner Abrechnung auf. Als Ausgleich für die steuerliche Vorbelastung des Fonds bleiben bei Aktienfonds 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung nach § 20 InvStG). Wer ausländische Aktien über ETFs hält, spart sich Erstattungsanträge, hat aber keinen Einfluss darauf, wie viel Quellensteuer der Fonds zahlt. Passende Anbieter findest du beim Vergleich von ETF-Sparplänen. Quellensteuer beim ausländischen Broker Behält ein ausländischer Broker keine deutsche Abgeltungsteuer ein, rechnet er auch keine Quellensteuer an. Du gibst die Erträge dann selbst in der Steuererklärung an und trägst die anrechenbare ausländische Steuer dort ein (§ 32d Abs. 3 und 5 EStG). Es gelten dieselben Grenzen wie bei der Bank. Welche Zeilen du ausfüllst und wie du Beträge in Euro umrechnest, zeigen wir dir Schritt für Schritt im Ratgeber zur Anlage KAP beim ausländischen Broker. Zurückholen kannst du nur, was über dem Abkommenssatz liegt. Den Abkommenssatz selbst verrechnet deine Bank, solange im selben Jahr Abgeltungsteuer anfällt. Fazit: So gehst du mit der Quellensteuer um Die ausländische Quellensteuer wird erst dann zur Zusatzbelastung, wenn du eines von zwei Dingen aus dem Blick verlierst: den Satz, den der Quellenstaat nach dem Abkommen behalten darf, und die deutsche Abgeltungsteuer, gegen die dieser Satz angerechnet wird. Prüf einmal im Jahr deine Steuerbescheinigung auf nicht angerechnete ausländische Steuer. Bei US-Aktien verhindert das Formular W-8BEN einen zu hohen Abzug, bei Schweizer oder österreichischen Einzelaktien planst du den Erstattungsantrag fest ein. Welches Depot bei Kosten und Service zu dir passt, siehst du, wenn du Depots im Vergleich betrachtest. Häufige Fragen zur Quellensteuer Was genau ist die Quellensteuer? Die Quellensteuer ist ein Verfahren, bei dem die auszahlende Stelle die Steuer direkt einbehält und an den Staat abführt, der Empfänger bekommt nur den Nettobetrag. In Deutschland funktionieren Lohnsteuer und Kapitalertragsteuer so. Bei Geldanlagen ist meist die ausländische Quellensteuer auf Dividenden gemeint. Wer muss in Deutschland Quellensteuer bezahlen? Arbeitnehmer zahlen sie als Lohnsteuer, Anleger mit Depot bei einer Bank in Deutschland als Kapitalertragsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag. Auch Anleger im Ausland zahlen diesen Abzug auf deutsche Dividenden und können sich einen Teil nach ihrem Doppelbesteuerungsabkommen beim BZSt erstatten lassen. Für Künstler, Sportler und andere Personen ohne Wohnsitz in Deutschland gilt der Steuerabzug nach § 50a EStG. Wie bekomme ich die Quellensteuer aus der Schweiz zurück? Die Schweiz behält auf Dividenden 35 % Verrechnungssteuer ein, nach dem Abkommen mit Deutschland darf sie 15 % behalten. Die Differenz von 20 Prozentpunkten beantragst du bei der ESTV, für Erträge mit Fälligkeit ab 1. Januar 2020 nur noch online. Das Stempelblatt aus dem Antrag lässt du von deinem Finanzamt beglaubigen und lädst es im Online-Antrag hoch. Wie wird die Schweizer Quellensteuer in Deutschland angerechnet? Anrechenbar sind 15 % der Dividende, also der Satz aus dem Abkommen. Eine Bank in Deutschland rechnet sie automatisch auf die Abgeltungsteuer an, solange im selben Jahr Abgeltungsteuer anfällt; beim ausländischen Broker trägst du sie selbst in der Anlage KAP ein. Die übrigen 20 Prozentpunkte holst du in der Schweiz zurück. Was ist der Quellensteuertopf? Quellensteuertopf nennen Banken die Sammelstelle für anrechenbare ausländische Steuer, die sie noch nicht verrechnen konnten. Fällt später im selben Jahr Abgeltungsteuer an, rechnet die Bank den Topf dagegen. Am Jahresende überträgt sie ihn nicht ins nächste Jahr, sondern weist den Rest in der Steuerbescheinigung aus. Kannst du ihn in der Steuererklärung nicht mit anderer Abgeltungsteuer verrechnen, verfällt er. Stand: September 2026. Quellen: Einkommensteuergesetz (§§ 32d, 43a, 50a EStG), Solidaritätszuschlaggesetz (§ 4), Investmentsteuergesetz (§§ 16, 20), BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14. Mai 2025 (Rn. 201 bis 207), Übersicht des BZSt über die anrechenbare ausländische Quellensteuer 2026, IRS, Eidgenössische Steuerverwaltung, Légifrance, Bundesministerium für Finanzen Österreich, Abkommen Deutschlands mit den USA, der Schweiz, Frankreich und Österreich. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

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Realzins

Der Realzins ist der Zins, der dir nach Abzug der Inflation bleibt. Hier erfährst du, wie du ihn mit Faustformel und exakter Formel berechnest, was die Abgeltungsteuer daran ändert und wann er negativ wird. Was du über den Realzins wissen musst 📉 Definition: Der Realzins ist der Nominalzins, bereinigt um die Inflationsrate. Er zeigt, wie viel Kaufkraft dein Guthaben in einem Jahr gewinnt oder verliert. 🧮 Formel: Als Faustformel ziehst du die Inflationsrate vom Nominalzins ab. Exakt rechnest du (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt das 1,00 % bzw. 0,98 %. 💰 Steuer: Übersteigen deine gesamten Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung), gehen vom Zins darüber 26,375 % an das Finanzamt, ohne Kirchensteuer gerechnet. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation sinkt der Realzins dann von 0,98 % auf 0,20 %. ⚠️ Negativer Realzins: Liegt die Inflationsrate über dem Zins, wächst dein Kontostand, aber seine Kaufkraft schrumpft. Bei täglich fälligen Einlagen privater Haushalte war das in 242 von 277 Monaten der Bundesbank-Statistik der Fall. Was ist der Realzins? Der Realzins ist die Verzinsung einer Geldanlage, korrigiert um die Entwicklung der Kaufkraft. Der Nominalzins ist dagegen der Satz, den du mit deiner Bank vereinbarst und der deinem Konto gutgeschrieben wird. Den Unterschied macht die Inflation: Steigen die Preise schneller als dein Guthaben, kaufst du dir mit mehr Geld weniger. Als Inflationsrate gilt in Deutschland die Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat. Das Statistische Bundesamt misst sie jeden Monat an einem Warenkorb aus rund 700 Güterarten. Für August 2026 meldet es eine Inflationsrate von 2,9 %. Wie groß der Abstand über die Jahre wird, zeigt ein Modell. 10.000 € wachsen bei 3 % Zins mit jährlicher Gutschrift in 10 Jahren auf 13.439,16 €. Steigen die Preise in derselben Zeit um 2 % pro Jahr, hat dieses Endkapital die Kaufkraft von 11.024,80 € in heutigem Geld. Von 3.439,16 € Zinsen bleiben real 1.024,80 € Zuwachs. Im engen Sinn zieht der Realzins nur die Inflation ab. Wenn Sparer vom Realzins sprechen, meinen sie oft den Zins nach Steuer und Inflation. Diese zweite Größe heißt genauer Realzins nach Steuern. Der Realzins nach Steuern liegt unter dem Realzins vor Steuern, sobald auf deine Zinsen Steuer anfällt. Realzins berechnen: Faustformel und exakte Formel Die Faustformel für den Realzins lautet: Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt sie 1,00 %. Die Europäische Zentralbank erklärt den Realzins mit genau dieser Differenz. Die Bundesbank nennt sie eine Näherung, die bei geringen Zinsen und Preisänderungen trägt. Die exakte Formel heißt Fisher-Gleichung oder Fisher-Parität: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Mit denselben Werten rechnest du 1,03 ÷ 1,02 = 1,009804, minus 1 ergibt 0,98 %. Die Bundesbank berechnet ihre Realzinsstatistik mit dieser exakten Form. Die Faustformel entsteht aus der exakten Formel, wenn man ein kleines Produkt aus Realzins und Inflationsrate weglässt. Der Fehler der Faustformel beträgt (Nominalzins − Inflationsrate) × Inflationsrate ÷ (1 + Inflationsrate). Er wächst mit der Inflationsrate und mit dem Abstand zwischen Zins und Inflation. Bei positiver Inflation zeigt die Faustformel Gewinne und Verluste etwas größer, als sie tatsächlich sind. Nominalzins Inflationsrate Realzins Faustformel Realzins exakt Abweichung in Prozentpunkten 3,00 % 2,0 % 1,00 % 0,98 % 0,02 2,00 % 2,9 % −0,90 % −0,87 % 0,03 5,00 % 8,0 % −3,00 % −2,78 % 0,22 1,00 % 8,8 % −7,80 % −7,17 % 0,63 Modellrechnung. Die Zinssätze sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Die Inflationsraten 2,9 % und 8,8 % entsprechen dem Verbraucherpreisindex für August 2026 und Oktober 2022 (Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank). Realzins nach Steuern Die Abgeltungsteuer setzt am Nominalzins an, nicht am Realzins. Zinsen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Die Steuer beträgt 25 % des Kapitalertrags (§ 32d Abs. 1 und § 43a Abs. 1 EStG), dazu kommt ein Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer (§ 4 SolZG). Ohne Kirchensteuer sind das zusammen 26,375 % deiner Zinsen. Besteuert wird der gutgeschriebene Zins. Einen Abzug für den Kaufkraftverlust sieht das Gesetz nicht vor. Auch tatsächliche Werbungskosten kannst du neben dem Sparerpauschbetrag nicht abziehen (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehegatten 2.000 €. Liegen deine gesamten Kapitalerträge darunter, fällt keine Steuer an, und dein Realzins nach Steuern ist gleich dem Realzins vor Steuern. Damit deine Bank in diesem Fall nichts einbehält, erteilst du ihr einen Freistellungsauftrag. Oberhalb des Freibetrags rechnest du den Realzins nach Steuern in zwei Schritten. Zuerst ermittelst du den Nettozins: Nominalzins × 0,73625. Aus 3 % werden so 2,209 %. Dann setzt du den Nettozins in die exakte Formel ein: 1,02209 ÷ 1,02 − 1 ergibt 0,20 %. Nominalzins Realzins vor Steuern Nettozins nach 26,375 % Realzins nach Steuern 2,00 % 0,00 % 1,473 % −0,52 % 3,00 % 0,98 % 2,209 % 0,20 % 4,00 % 1,96 % 2,945 % 0,93 % Modellrechnung bei 2 % Inflation für Zinsen oberhalb des Sparerpauschbetrags, Abgeltungsteuer 25 % plus Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer. Die Zinssätze sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. In Euro sieht das so aus: 1.000 € oberhalb des Freibetrags bringen bei 3 % Zins 30,00 € im Jahr. Davon gehen 7,50 € Abgeltungsteuer und 0,41 € Solidaritätszuschlag ab, es bleiben 22,09 €. Bei 2 % Inflation brauchst du davon 20,00 €, nur um die Kaufkraft deiner 1.000 € zu halten. Die Steuer nimmt also 26,375 % der Zinsen, aber 79 % des realen Ertrags. Daraus folgt eine einfache Schwelle. Oberhalb des Freibetrags hält ein Zins die Kaufkraft erst, wenn er die Inflationsrate geteilt durch 0,73625 erreicht. Bei 2 % Inflation sind das 2,72 %, bei 2,9 % Inflation wie im August 2026 schon 3,94 %. Innerhalb des Freibetrags reicht ein Zins in Höhe der Inflationsrate. Wie sich der Steuersatz mit Kirchensteuer verändert, erklärt der Eintrag zur Abgeltungsteuer. Negativer Realzins: Kontostand steigt, Kaufkraft sinkt Ein negativer Realzins entsteht, wenn die Inflationsrate über dem Nominalzins liegt. Die Zinsgutschrift gleicht den Kaufkraftverlust dann nicht aus, und dein Guthaben verliert real an Wert. Ein Modell mit der Inflationsrate von August 2026: 10.000 € zu 1 % Zins stehen nach einem Jahr bei 10.100,00 €. Bei 2,9 % Inflation entspricht das einer Kaufkraft von 9.815,35 € in heutigem Geld, der Realzins liegt bei −1,85 %. Für Sparer in Deutschland ist ein negativer Realzins eher die Regel als die Ausnahme. Die Bundesbank veröffentlicht Realzinsen auf neu angelegte Einlagen privater Haushalte. Für täglich fällige Einlagen lagen sie von Januar 2021 bis Juli 2026 in jedem Monat unter null, im Juli 2026 bei −2,24 %. Einlagen mit einer Laufzeit bis 1 Jahr kamen im selben Monat auf −0,56 %, Einlagen mit einer Laufzeit über 2 Jahre auf −0,10 %. Den niedrigsten Wert seit Beginn der Reihe im Juli 2003 erreichten täglich fällige Einlagen im Oktober 2022 mit −8,08 % bei 8,8 % Inflation. Alle diese Werte sind Durchschnitte aus der Zinsstatistik der Bundesbank, keine Aussage über einzelne Angebote. Welche Zinsen Banken aktuell für Tagesgeld zahlen, siehst du im Tagesgeld-Vergleich. Stand: September 2026. Quellen: Deutsche Bundesbank, Realzinssätze auf Bankeinlagen (Neugeschäft, Werte bis Juli 2026); Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex August 2026. Ex ante und ex post: erwarteter und tatsächlicher Realzins Beim Festgeld kennst du den Nominalzins bei Abschluss, die Inflation der kommenden Jahre aber nicht. Rechnest du mit der erwarteten Inflation, erhältst du den Ex-ante-Realzins. Setzt du die tatsächlich eingetretene Inflation ein, ergibt sich der Ex-post-Realzins. Die Bundesbank-Statistik zu Bankeinlagen weist Ex-post-Werte aus. Für erwartete Realzinsen zieht die Bundesbank die erwartete Inflation von der Rendite 5- und 10-jähriger Anleihen ab. Ein Modell zeigt den Unterschied. Du legst 10.000 € für 3 Jahre zu 3 % an und erwartest 2 % Inflation pro Jahr. Ex ante planst du mit einem Realzins von 0,98 %. Steigen die Preise tatsächlich um 3 % pro Jahr, liegt der Ex-post-Realzins bei 0,00 %. Das Endkapital von 10.927,27 € hat dann genau die Kaufkraft deiner 10.000 € bei Abschluss statt der geplanten 10.297,01 €. Für dein Festgeld heißt das: Der Zins ist fest, der Realzins nicht. Wo die Realzins-Rechnung trägt und wo sie an Grenzen stößt Der Realzins hilft dir, wenn du Tagesgeld und Festgeld über mehrere Jahre vergleichst und wissen willst, ob dein Geld an Kaufkraft gewinnt du entscheidest, ob sich eine lange Zinsbindung lohnt, denn beim Festgeld ist nur der Nominalzins fest du einen Kredit bewertest: Die Rechnung gilt auch für Kreditkosten. 4 % Sollzins bei 2 % Inflation entsprechen real 1,96 % Die Rechnung stößt an Grenzen, wenn deine persönliche Teuerung vom Durchschnittswarenkorb abweicht. Dafür bietet das Statistische Bundesamt einen persönlichen Inflationsrechner an deine Anlage länger läuft als ein Jahr: Die Inflationsrate vergleicht nur einen Monat mit dem Vorjahresmonat die Preise sinken. Bei Deflation liegt der Realzins über dem Nominalzins. Im Juli 2020 lag die Inflationsrate bei −0,6 %, der Realzins auf täglich fällige Einlagen laut Bundesbank bei +0,61 % Vergleiche Zinsangebote am Realzins nach Steuern, sobald deine Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag übersteigen. Darunter genügt der Realzins vor Steuern. Unsere Einschätzung: Halte jeden Zins, den dir eine Bank anbietet, gegen die aktuelle Inflationsrate. Liegt er darunter, verliert dein Geld an Kaufkraft, egal wie der Kontostand aussieht. Nutzt du deinen Sparerpauschbetrag schon aus, teile die Inflationsrate durch 0,73625: Erst über diesem Zins bleibt nach Steuern ohne Kirchensteuer real etwas übrig. Wie viel Zinsen dein Guthaben nominal bringt, rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner aus. Aktuelle Zinsen findest du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Realzins Was ist der Unterschied zwischen Real- und Nominalzins? Der Nominalzins ist der Zinssatz, den deine Bank vereinbart und gutschreibt. Der Realzins ist dieser Zins nach Abzug der Inflationsrate und zeigt, ob dein Guthaben an Kaufkraft gewinnt. Bei 3 % Nominalzins und 2 % Inflation liegt der Realzins nach der exakten Formel (1 + 0,03) ÷ (1 + 0,02) − 1 bei 0,98 %. Wie hoch ist der aktuelle Realzins in Deutschland? Einen einzigen Realzins gibt es nicht, er hängt vom Zins deiner Anlage ab. Die Bundesbank weist für neu angelegte Einlagen privater Haushalte im Juli 2026 einen Realzins von −2,24 % bei täglich fälligen Einlagen aus, −0,56 % bei Laufzeiten bis 1 Jahr und −0,10 % bei Laufzeiten über 2 Jahre. Die Inflationsrate lag im August 2026 bei 2,9 % (Statistisches Bundesamt). Deinen eigenen Realzins rechnest du mit deinem Zins und dieser Rate aus. Wie lautet die Formel für die Berechnung des Realzinses? Exakt gilt: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Die Prozentwerte setzt du als Dezimalzahl ein, 3 % also als 0,03. Näherungsweise reicht Nominalzins minus Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation weicht die Näherung um 0,02 Prozentpunkte ab, bei 1 % Zins und 8,8 % Inflation um 0,63 Prozentpunkte. Wird bei der Abgeltungsteuer die Inflation berücksichtigt? Nein. Die Abgeltungsteuer von 25 % und der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer fallen auf den vollen Zins an, soweit deine Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 € übersteigen (zusammen veranlagte Ehegatten: 2.000 €). Einen Abzug für den Kaufkraftverlust gibt es nicht. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation nimmt die Steuer ohne Kirchensteuer deshalb 26,375 % der Zinsen, aber 79 % des realen Ertrags. Was bedeutet ein negativer Realzins? Ein negativer Realzins bedeutet, dass die Preise schneller steigen, als dein Guthaben verzinst wird. Dein Kontostand wächst, aber du kannst dir damit weniger kaufen als vorher. 10.000 € zu 1 % Zins haben bei 2,9 % Inflation nach einem Jahr nur noch die Kaufkraft von 9.815,35 €, obwohl 10.100,00 € auf dem Konto stehen. Stand: September 2026. Quellen: Europäische Zentralbank, Nominalzins und Realzins; Deutsche Bundesbank, Realzinssätze auf Bankeinlagen, Erwartete Realzinssätze und Monatsbericht Juli 2017; Statistisches Bundesamt, Verbraucherpreisindex; §§ 20, 32d, 43a, 44a EStG; § 4 SolZG. Alle Zinssätze in den Rechenbeispielen sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Referenzkonto

Ein Referenzkonto ist das Konto auf deinen Namen, auf das deine Bank Guthaben aus Tagesgeld, Festgeld oder Depot auszahlt. Hier erfährst du, welche Konten zugelassen sind, woher die Pflicht kommt und wie du das Referenzkonto änderst. Was du über das Referenzkonto wissen musst 🏦 Definition: Das Referenzkonto ist ein Konto mit Zahlungsverkehr auf deinen Namen, meist dein Girokonto. Banken zahlen Guthaben aus Tagesgeld, Festgeld und vielen Depots nur auf dieses Konto aus. ℹ️ Rechtsgrundlage: Die Pflicht steht in den Bedingungen der Banken, nicht im Gesetz. Das Geldwäschegesetz verlangt eine Überweisung von einem Konto auf deinen Namen nur, wenn du dich mit einer qualifizierten elektronischen Signatur identifizierst. 💡 Verrechnungskonto: Das Verrechnungskonto liegt bei der Bank, die dein Depot oder deine Geldanlage führt, und bucht Käufe, Verkäufe und Zinsen. Das Referenzkonto ist das Konto, auf das Auszahlungen von dort gehen. ⚠️ Kinderdepot: Bei Konten und Depots für Minderjährige lassen viele Banken ein Konto der Eltern als Referenzkonto zu. Das Geld, das dort ankommt, bleibt trotzdem Vermögen des Kindes. Was ist ein Referenzkonto? Ein Referenzkonto, auch Gegenkonto oder Auszahlungskonto genannt, ist ein Konto auf deinen Namen, das du bei der Eröffnung eines Tagesgeldkontos, Festgeldkontos oder Depots angibst. Überweisungen vom Anlagekonto gehen ausschließlich auf dieses Konto. Weil es für den Zahlungsverkehr zugelassen sein muss, ist das Referenzkonto fast immer ein Girokonto. Der Begriff beschreibt eine Rolle, keine Kontoart. Dein Girokonto wird zum Referenzkonto, sobald du es bei einer anderen Bank als Gegenkonto hinterlegst. Dasselbe Girokonto kann diese Rolle für mehrere Anlagen gleichzeitig übernehmen. Ein Tagesgeldkonto kann selbst weder Miete überweisen noch Lastschriften einlösen. Willst du über das Guthaben verfügen, überweist du es zuerst auf dein Referenzkonto und bezahlst von dort. Genau das ist gemeint, wenn Banken von „auf das Referenzkonto überweisen“ sprechen. Bei Festgeld, auch Termingeld genannt, überweist die Bank am Ende der Laufzeit Kapital und Zinsen auf das Referenzkonto, sofern das Festgeld nicht verlängert wird. Bei Kreditkarten heißt oft das Girokonto so, von dem die Bank die Monatsabrechnung einzieht. Warum verlangen Banken ein Referenzkonto? Die Pflicht zum Referenzkonto steht in den Sonder- und Vertragsbedingungen der Banken. Ein Gesetz, das diese Pflicht für Tagesgeld, Festgeld oder Depots vorschreibt, gibt es nicht. Das Wort kommt im Geldwäschegesetz (GwG) nicht vor. Die Banken begründen die Regel mit Sicherheit. Weil Auszahlungen nur auf ein Konto auf deinen Namen gehen, kann jemand mit gestohlenen Zugangsdaten dein Guthaben nicht auf ein fremdes Konto umleiten. Nach Darstellung der Banken erschwert das außerdem Missbrauch und Geldwäsche. Lautet das angegebene Konto nicht auf deinen Namen, darf die Bank nach manchen Bedingungen die Kontoeröffnung ablehnen oder das Konto kündigen. Das Geldwäschegesetz regelt etwas anderes: Die Bank muss dich grundsätzlich identifizieren, bevor sie die Geschäftsbeziehung mit dir beginnt (§ 10 Absatz 1 Nummer 1 und § 11 Absatz 1 GwG). Das geschieht etwa mit Ausweis, Video-Verfahren oder Online-Ausweisfunktion und hat mit dem Gegenkonto nichts zu tun. Nur an einer Stelle verlangt das Gesetz ein Konto auf deinen Namen. Identifizierst du dich mit einer qualifizierten elektronischen Signatur, muss die Bank zusätzlich sicherstellen, dass eine Überweisung von einem Zahlungskonto auf deinen Namen eingeht. Dieses Konto muss bei einem beaufsichtigten Institut in Deutschland oder bei einer Bank in der EU, im Europäischen Wirtschaftsraum oder in einem Drittstaat mit gleichwertiger Geldwäscheaufsicht liegen (§ 12 Absatz 1 Satz 3 GwG). Die Finanzaufsicht BaFin nennt das „Referenzüberweisung“. Das Referenzkonto hat auch eine rechtliche Folge für das Sparkonto selbst. Der Europäische Gerichtshof hat 2018 zur damaligen Zahlungsdiensterichtlinie entschieden: Ein täglich fälliges Sparkonto, auf das und von dem Geld nur über ein Girokonto fließen kann, ist kein Zahlungskonto (Urteil C-191/17). Den Zahlungsverkehr erledigt dein Girokonto, das Tagesgeldkonto bleibt ein reines Sparkonto. Stand: 11.09.2026. Quellen: §§ 10 bis 12 Geldwäschegesetz, BaFin-Auslegungs- und Anwendungshinweise zum Geldwäschegesetz (Stand Juli 2025), EuGH-Urteil C-191/17 vom 04.10.2018, OGH Österreich 4 Ob 207/18x vom 27.11.2018. Welche Konten sind als Referenzkonto zugelassen? Die Bedingungen unterscheiden sich von Bank zu Bank. Diese Regeln findest du in den meisten: Inhaber: Das Referenzkonto muss auf deinen Namen lauten. Ein Konto des Partners oder einer Firma akzeptieren die Banken für dein Einzelkonto nicht. Ausnahmen gibt es bei Konten für Minderjährige. Kontoart: Die meisten Banken verlangen ein Girokonto oder ein anderes Konto mit Zahlungsverkehr. Ein Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank eignet sich meist nicht, weil es selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Standort: Viele Banken verlangen ein Konto bei einer Bank in Deutschland. Andere akzeptieren jedes Konto im SEPA-Raum. Bank: Das Referenzkonto darf bei einer anderen Bank liegen als die Geldanlage. Einzelne Banken verlangen das sogar ausdrücklich. Gemeinschaftskonto: Bei gemeinsamen Anlagekonten verlangen manche Banken ein Referenzkonto auf beide Namen, anderen reicht ein Konto eines der Inhaber. Anzahl: In der Regel hinterlegst du genau ein Gegenkonto je Anlagekonto. Bei Einzahlungen sind die Regeln weniger einheitlich. Manche Banken nehmen Überweisungen von jedem Konto auf deinen Namen an. Andere buchen jede Einzahlung zurück, die nicht vom Referenzkonto kommt. Referenzkonto und Verrechnungskonto Das Verrechnungskonto ist ein Konto bei der Bank, die dein Depot oder deine Geldanlage führt. Über dieses Konto bucht sie Wertpapierkäufe und -verkäufe, Dividenden und Zinsen. Das Referenzkonto ist dein Konto nach außen: Von dort zahlst du ein, dorthin gehen Auszahlungen. Merkmal Referenzkonto Verrechnungskonto Wo es liegt meist bei deiner Hausbank, oft bei einer anderen Bank als die Anlage bei der Bank, die Depot oder Geldanlage führt Wofür Ein- und Auszahlungen zwischen dir und der Anlage Abrechnung von Käufen, Verkäufen, Dividenden und Zinsen Wer es eröffnet du, meist besteht es schon die Bank, meist automatisch mit Depot oder Anlage Form eigenes Konto mit IBAN, meist Girokonto eigenes Konto, etwa ein Tagesgeldkonto, bei manchen Brokern nur ein buchhalterisches Konto Stand: 11.09.2026. Quelle: Vertragsbedingungen deutscher Banken und Broker für Tagesgeld, Festgeld und Depots. Führst du Girokonto und Depot bei derselben Bank, übernimmt oft das Girokonto die Rolle des Verrechnungskontos. Ein getrenntes Gegenkonto brauchst du dann meist nicht. Wie Depot und Verrechnungskonto zusammenspielen, erklärt der Ratgeber Was ist ein Depot? Manche Banken wickeln Festgeld über ein hauseigenes Tagesgeldkonto ab, das als Verrechnungskonto dient. Das Referenzkonto hängt dann am Tagesgeldkonto. Solange das Festgeld läuft, schließen die Bedingungen solcher Banken eine Kündigung dieses Tagesgeldkontos oft aus. Referenzkonto ändern Der häufigste Anlass für einen Wechsel ist ein neues Girokonto. Das neue Konto muss dieselben Bedingungen erfüllen wie das alte, vor allem auf deinen Namen lauten. 1 Neues Konto bereithalten Das neue Girokonto muss eröffnet und aktiv sein. Halte die IBAN bereit. 2 Änderung beauftragen Du trägst das neue Konto im Online-Banking der Anlagebank ein und gibst es mit einer TAN frei, oder du schickst die Änderung schriftlich. Manche Banken prüfen das Konto mit einer Testüberweisung über wenige Cent. 3 Bestätigung abwarten Bis die Änderung wirksam ist, zahlt die Bank noch auf das alte Konto aus. Erst danach gehen Auszahlungen auf das neue Konto. Manche Banken begrenzen, wie oft du das Referenzkonto wechseln darfst, etwa einmal innerhalb von 30 Tagen. Andere empfehlen, die Änderung einige Bankarbeitstage vor dem gewünschten Stichtag mitzuteilen. Schließe dein altes Girokonto erst, wenn alle Banken das neue Konto bestätigt haben. Sonst schickt eine Bank die nächste Auszahlung womöglich an ein Konto, das es nicht mehr gibt. Referenzkonto beim Kinderdepot Ein Kinderdepot läuft auf den Namen des Kindes, eröffnet und verwaltet wird es von den Eltern als gesetzliche Vertreter. Viele Banken lassen deshalb als Referenzkonto ein Girokonto der Eltern zu, manche auch ein Konto auf den Namen des Kindes. Welche Variante gilt, regeln die Bedingungen der jeweiligen Bank. Welche Unterlagen du sonst brauchst, zeigt die Anleitung Kinderdepot eröffnen. Das Geld gehört dem Kind, auch wenn es auf dem Konto der Eltern ankommt. Eltern verwalten es nur und dürfen es nicht für eigene Zwecke verwenden. Was das im Einzelnen bedeutet, liest du im Ratgeber dazu, wem das Geld im Kinderdepot gehört. Mit dem 18. Geburtstag geht die Verfügung über das Depot auf das Kind über. Spätestens dann lohnt sich ein eigenes Girokonto des Kindes als Gegenkonto. Wann du ein Referenzkonto brauchst und wann nicht Ein Referenzkonto brauchst du für ein Tagesgeldkonto bei einer Bank, bei der du kein Girokonto hast für Festgeld, weil Kapital und Zinsen am Ende der Laufzeit dorthin fließen für ein Depot bei einem Online-Broker oder einer Direktbank für Konten und Depots deiner Kinder, dann oft ein Konto der Eltern Kein eigenes Referenzkonto brauchst du wenn Girokonto und Geldanlage bei derselben Bank liegen und das Girokonto als Verrechnungskonto dient bei einem verzinsten Girokonto, das Zahlungskonto und Sparkonto in einem ist für ein Festgeld, das die Bank über ihr eigenes Tagesgeldkonto abwickelt: Es nutzt das Referenzkonto dieses Tagesgeldkontos Unsere Einschätzung: Nutze ein Girokonto als festes Referenzkonto für alle Tagesgeld-, Festgeld- und Depotkonten. Dann weißt du immer, wo Auszahlungen ankommen. Wechselst du das Girokonto, trag das neue Konto zuerst bei allen Anlagebanken ein und schließe das alte zuletzt. Denk bei jedem neuen Anlagekonto auch an den Freistellungsauftrag. Wie die Eröffnung Schritt für Schritt abläuft, zeigt die Anleitung Tagesgeldkonto eröffnen. Aktuelle Angebote findest du im Tagesgeld-Vergleich, im Festgeld-Vergleich und im Depot-Vergleich. Häufige Fragen zum Referenzkonto Ist ein Girokonto ein Referenzkonto? Ein Girokonto wird zum Referenzkonto, sobald du es bei einer Bank als Gegenkonto für ein Tagesgeld-, Festgeld- oder Depotkonto hinterlegst. Gleichbedeutend sind die Begriffe nicht: Girokonto beschreibt die Kontoart, Referenzkonto die Rolle. Weil die meisten Banken ein Konto mit Zahlungsverkehr verlangen, ist es fast immer ein Girokonto. Was heißt auf Referenzkonto überweisen? Du überweist Geld von deinem Tagesgeld-, Festgeld- oder Verrechnungskonto auf das hinterlegte Referenzkonto. An fremde Konten kannst du vom Anlagekonto aus nicht überweisen, die Bank schickt das Geld nur an dieses eine Konto. Von dort bezahlst du wie gewohnt oder hebst Bargeld ab. Kann ich mein Referenzkonto ändern? Ja. Du trägst ein neues Konto im Online-Banking ein und gibst es mit einer TAN frei, oder du reichst die Änderung schriftlich ein. Das neue Konto muss auf deinen Namen lauten. Manche Banken prüfen es mit einer Testüberweisung oder begrenzen, wie oft du wechseln darfst. Bis die Änderung wirksam ist, gehen Auszahlungen noch auf das alte Konto. Darf das Referenzkonto auf einen anderen Namen laufen? In der Regel nicht. Die Bedingungen der Banken verlangen ein Konto auf den Namen des Kontoinhabers. Ausnahmen gibt es bei Konten und Depots für Minderjährige, bei denen viele Banken ein Konto der Eltern zulassen. Bei Gemeinschaftskonten regeln die Banken unterschiedlich, ob das Gegenkonto auf beide Namen lauten muss. Kann ein Tagesgeldkonto ein Referenzkonto sein? Bei einer anderen Bank meist nicht, weil viele Banken ein Girokonto verlangen und ein Tagesgeldkonto selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Innerhalb einer Bank ist es anders: Dort dient ein Tagesgeldkonto oft als Verrechnungskonto für Festgeld. Das Geld fließt dann über das Referenzkonto dieses Tagesgeldkontos zu dir. Schreibt das Geldwäschegesetz ein Referenzkonto vor? Nein. Das Geldwäschegesetz verlangt, dass die Bank dich grundsätzlich vor der Kontoeröffnung identifiziert. Ein bestimmtes Gegenkonto schreibt es nicht vor. Nur wenn du dich mit einer qualifizierten elektronischen Signatur identifizierst, muss zusätzlich eine Überweisung von einem Konto auf deinen Namen eingehen (§ 12 Absatz 1 Satz 3 GwG). Die Referenzkonto-Pflicht bei Tagesgeld, Festgeld und Depot stammt aus den Bedingungen der Banken. Stand: 11.09.2026. Die Antworten stützen sich auf das Geldwäschegesetz und auf die Vertragsbedingungen deutscher Banken und Broker für Tagesgeld, Festgeld und Depots. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

Rentenfaktor

Der Rentenfaktor sagt dir, wie viel Monatsrente du je 10.000 Euro Kapital bekommst. So rechnest du damit und erkennst, ob er garantiert ist. Was du über den Rentenfaktor wissen musst 💡 Definition: Der Rentenfaktor gibt an, wie viel Euro Monatsrente ein Versicherer für je 10.000 Euro Kapital zu Rentenbeginn zahlt. Er beruht auf dem Rechnungszins und der Lebenserwartung, die der Versicherer annimmt. 🧮 Formel: Monatsrente = Kapital ÷ 10.000 × Rentenfaktor. Aus 100.000 Euro Kapital werden bei einem Rentenfaktor von 30 im Modell 300 Euro Rente im Monat. ⚖️ Garantie: Enthält dein Vertrag ein Recht des Versicherers, den Rentenfaktor zu senken, ist er nicht garantiert. Eine Senkung ohne Pflicht zur späteren Wiederanhebung hat der Bundesgerichtshof am 10. Dezember 2025 für eine Riester-Fondsrente als unwirksam eingestuft. 🏦 Altersvorsorgedepot: Die neuen Regeln gelten ab dem 1. Januar 2027. Ein Rentenfaktor zählt dort nur, wenn du zu Beginn der Auszahlungsphase eine lebenslange Leibrente wählst, beim Auszahlungsplan nicht. Der Rentenfaktor ist die Umrechnungszahl, mit der ein Versicherer dein Kapital zu Rentenbeginn in eine lebenslange Monatsrente verwandelt. Angegeben wird er in Euro Monatsrente je 10.000 Euro Kapital. Je höher der Rentenfaktor, desto mehr Rente bekommst du für dasselbe Kapital. Was ist der Rentenfaktor? Der Bundesgerichtshof beschreibt den Rentenfaktor so: Er basiert auf dem Rechnungszins, den der Versicherer zugrunde legt, und auf der Lebenserwartung, die er für seine Versicherten annimmt. Beides zusammen heißt Rechnungsgrundlagen. Der Rentenfaktor nennt die Monatsrente, die für je 10.000 Euro Policenwert gezahlt wird. Der Policenwert ist bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung der Wert der Fondsanteile, die deinem Vertrag zugeordnet sind. Deinen Rentenfaktor findest du im Versicherungsschein. Er legt den Umrechnungskurs fest, nicht die Höhe deiner Rente. Wie viel Kapital zu Rentenbeginn vorhanden ist, entscheidet bei einer fondsgebundenen Versicherung die Wertentwicklung der Fonds bis dahin. Wie die Rechnungsgrundlagen wirken, zeigt die Klausel aus dem BGH-Verfahren: Bei stark steigender Lebenserwartung oder dauerhaft sinkender Kapitalrendite durfte der Versicherer die Rente je 10.000 Euro Policenwert herabsetzen. Längeres Leben und niedrigere Zinsen drücken also den Rentenfaktor. Rentenfaktor berechnen: Formel und Modellrechnung Mit dem Rentenfaktor rechnest du in zwei Richtungen: Monatsrente = Kapital ÷ 10.000 × Rentenfaktor Rentenfaktor = Monatsrente ÷ Kapital × 10.000 Die zweite Formel brauchst du, wenn ein Angebot nur die Monatsrente nennt. Bietet dir ein Versicherer für 100.000 Euro Kapital 300 Euro Rente im Monat, entspricht das einem Rentenfaktor von 30. Rentenfaktor (Annahme) Monatsrente aus 100.000 Euro Jahre, bis die Renten das Kapital erreichen Alter bei Rentenbeginn mit 67 20200 Euro41,7 Jahre108,7 Jahre 25250 Euro33,3 Jahre100,3 Jahre 30300 Euro27,8 Jahre94,8 Jahre 35350 Euro23,8 Jahre90,8 Jahre Modellrechnung mit angenommenen Rentenfaktoren, keine Werte eines Anbieters. Ohne Zinsen während der Rentenphase, ohne Überschüsse, Kosten und Steuern. Stand: September 2026. Die dritte Spalte zeigt, wie lange du Rente beziehen musst, bis die Zahlungen dein Kapital erreichen: 10.000 ÷ Rentenfaktor ÷ 12. Bei einem Rentenfaktor von 30 sind es 27,8 Jahre. Bei einer lebenslangen Leibrente enden die Zahlungen mit dem Tod. Das Kapital wird, so beschreibt es das Bundesfinanzministerium, kollektiv für die Renten der länger lebenden Versicherten verwendet. Anders ist es nur, wenn eine Rentengarantiezeit vereinbart ist. Garantierter und nicht garantierter Rentenfaktor Manche Verträge nennen zwei Werte: einen garantierten Rentenfaktor und einen höheren, der auf den heutigen Rechnungsgrundlagen beruht. Plane mit dem niedrigeren Wert. Was „garantiert" in deinem Vertrag heißt, entscheidet der Wortlaut der Versicherungsbedingungen. Der Bundesgerichtshof hat dazu klargestellt: Erlaubt eine Klausel dem Versicherer, den Rentenfaktor unter bestimmten Umständen zu senken, ist die vereinbarte Rentenhöhe „nachträglich veränderbar und damit nicht garantiert". Im entschiedenen Fall durfte der Versicherer den Rentenfaktor nur vor dem vereinbarten Rentenbeginn senken und nur mit Zustimmung eines unabhängigen Treuhänders. Andere Verträge können das anders regeln. Prüfe in deinen Bedingungen deshalb vier Punkte: Darf der Versicherer den Rentenfaktor senken, und unter welchen Voraussetzungen? Gilt dieses Recht nur bis zum Rentenbeginn oder auch danach? Muss ein unabhängiger Treuhänder zustimmen? Muss der Versicherer den Rentenfaktor wieder anheben, wenn sich Zinsen oder Lebenserwartung später günstiger entwickeln? Was eine Senkung kostet, zeigt ein Modell: Sinkt der Rentenfaktor bei 100.000 Euro Kapital von 30 auf 27, also um 10 Prozent, bekommst du 30 Euro weniger im Monat. Über 20 Jahre Rentenbezug sind das 7.200 Euro. BGH-Urteil: Senkung nur mit Pflicht zur Wiederanhebung Am 10. Dezember 2025 hat der Bundesgerichtshof eine Klausel aus einer fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung für unwirksam erklärt (Az. IV ZR 34/25). Sie erlaubte dem Versicherer, den Rentenfaktor zu senken, wenn die Lebenserwartung stark steigt oder die Rendite der Kapitalanlagen dauerhaft stark sinkt. Eine Pflicht, ihn bei besseren Umständen wieder anzuheben, enthielt sie nicht. Der Versicherer hatte den Rentenfaktor auf dieser Grundlage mehrfach gesenkt. Der BGH sieht darin einen Verstoß gegen § 308 Nr. 4 und § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB. Dass ein Versicherer bei jahrzehntelangen Verträgen Störungen zwischen versprochener Leistung und erzielbaren Kapitalerträgen nicht vermeiden kann, erkennt der BGH an. Unzumutbar ist aber ein Recht, nur nach unten anzupassen. Nach dem Symmetriegebot muss ein Versicherer, der den Rentenfaktor wegen schlechterer Umstände gesenkt hat, spätere Verbesserungen in vergleichbarer Weise weitergeben. Überschussbeteiligung und Zuzahlungsmöglichkeit gleichen das nach Ansicht des Gerichts nicht aus. Geklagt hatte ein Verbraucherverband gegen einen einzelnen Versicherer, es ging um dessen Bedingungen aus dem Jahr 2006. Ob eine Senkung in deinem Vertrag unwirksam ist, hängt vom genauen Wortlaut deiner Klausel ab. Hast du ein Schreiben über einen gesenkten Rentenfaktor bekommen, heb es auf und lass die Klausel prüfen, etwa bei einer Verbraucherzentrale oder einer Kanzlei für Versicherungsrecht. Quellen: Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 227/2025 und Urteil vom 10. Dezember 2025, IV ZR 34/25. Stand: September 2026. Wo der Rentenfaktor vorkommt Ob und wann ein Rentenfaktor für dich zählt, hängt davon ab, welchen Vertrag du hast: Vertrag Wann aus dem Kapital eine Rente wird Rechtsgrundlage Fondsgebundene private RentenversicherungAb Rentenbeginn richtet sich die Monatsrente nach dem Rentenfaktor im Versicherungsschein.Versicherungsbedingungen Riester-Vertrag (Abschluss bis Ende 2026)Auszahlung als lebenslange Leibrente oder als Auszahlungsplan mit anschließender Teilkapitalverrentung ab spätestens 85. Ab dem 1. Januar 2027 darf die Teilkapitalverrentung entfallen, wenn du und dein Anbieter das vereinbaren.§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Buchst. a AltZertG; § 14 Abs. 7 AltZertG in der Fassung ab 1. Januar 2027 BasisrenteDie Altersleistung ist immer eine lebenslange Leibrente, bei Abschluss ab 2012 frühestens ab dem 62. Geburtstag.§ 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b Doppelbuchst. aa EStG Altersvorsorgedepot (ab 1. Januar 2027)Nur, wenn du zu Beginn der Auszahlungsphase eine lebenslange Leibrente wählst.§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 AltZertG in der Fassung ab 1. Januar 2027 Quellen: Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz § 1 in der geltenden und der ab 1. Januar 2027 geltenden Fassung, § 14 Abs. 7 in der ab 1. Januar 2027 geltenden Fassung (Artikel 6 Nr. 17 Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 156); Einkommensteuergesetz § 10; Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge, Stand 5. Mai 2026. Stand: September 2026. Rentenfaktor im Altersvorsorgedepot Das Altersvorsorgedepot ist beschlossen: Das Altersvorsorgereformgesetz vom 26. Mai 2026 steht im Bundesgesetzblatt, die neuen Regeln gelten ab dem 1. Januar 2027. Einen Rentenfaktor gibt es dort erst, wenn du zu Beginn der Auszahlungsphase über dein Kapital entscheidest. Das Gesetz lässt drei Wege zu: Lebenslange Leibrente: Das ganze Kapital wird in eine Rente umgewandelt, die gleich bleibt oder steigt. Hier bestimmt der Rentenfaktor deine Monatsrente. Teilverrentung: 80 Prozent des Kapitals fließen in eine lebenslange Leibrente. Der Rest bleibt auf dein Risiko angelegt und wird lebenslang in veränderlicher Höhe ausgezahlt. Der Rentenfaktor gilt für den verrenteten Teil. Auszahlungsplan: Die Raten laufen mindestens bis zu deinem 85. Geburtstag und werden spätestens alle drei Jahre aus dem verbliebenen Kapital neu berechnet. Ein Rentenfaktor spielt keine Rolle, nicht ausgezahltes Kapital ist vererbbar. Bietet dein Depotanbieter keine Rente an, kannst du zu Beginn der Auszahlungsphase zu einem Versicherer wechseln und dein Kapital dort in eine Leibrente umwandeln. Dann vergleichst du Rentenfaktoren. Weil das Gesetz für geförderte Verträge eine vom Geschlecht unabhängige Berechnung vorschreibt, gilt derselbe Rentenfaktor für Frauen und Männer. Optional ist eine Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren: Stirbst du vorher, erhalten deine Hinterbliebenen die Rente bis zu ihrem Ende. Welche Form zu dir passt, erklärt unser Ratgeber Auszahlungsplan oder lebenslange Rente. Hast du noch einen Riester-Vertrag, prüfe vor einem Wechsel, ob und welchen Rentenfaktor er dir garantiert: Überträgst du das Kapital, gibst du diesen Wert auf. Den Ablauf beschreibt unser Ratgeber zum Thema Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Das Altersvorsorgedepot sieht weder ein Mindestkapital zum Ende der Ansparphase noch eine Mindestwertentwicklung vor. Wie viel Kapital du zu Rentenbeginn verrenten kannst, hängt von der Wertentwicklung deiner Anlagen ab. Verluste sind möglich. Quellen: Altersvorsorgereformgesetz vom 26. Mai 2026, BGBl. 2026 I Nr. 156 (Artikel 6 und 14); § 1 Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz in der ab 1. Januar 2027 geltenden Fassung, Deutsche Rentenversicherung, rvRecht; Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge, Stand 5. Mai 2026. Stand: September 2026. Nicht verwechseln: der Rentenartfaktor der gesetzlichen Rente Der Wert 1,0 gehört zum Rentenartfaktor der gesetzlichen Rentenversicherung, nicht zum Rentenfaktor einer privaten Rente. Die gesetzliche Monatsrente ergibt sich, wenn persönliche Entgeltpunkte (einschließlich Zugangsfaktor), Rentenartfaktor und aktueller Rentenwert miteinander multipliziert werden (§ 64 SGB VI). Der Rentenartfaktor gewichtet nach Art der Rente: 1,0 bei Altersrenten, 0,5 bei Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung, 0,1 bei Halbwaisenrenten (§ 67 SGB VI). Quellen: §§ 64 und 67 Sechstes Buch Sozialgesetzbuch; Deutsche Rentenversicherung, Rentenlexikon: Rentenartfaktor und Rentenformel. Stand: September 2026. Wann dir der Rentenfaktor hilft und wann nicht Der Rentenfaktor hilft dir beim Vergleich zweier Rentenangebote für dasselbe Kapital und denselben Rentenbeginn bei der Planung, wenn du dein erwartetes Kapital in Euro Monatsrente umrechnest beim Prüfen eines Schreibens über einen gesenkten Rentenfaktor Der Rentenfaktor führt dich in die Irre wenn du Angebote mit unterschiedlichem Rentenbeginn oder unterschiedlicher Rentengarantiezeit nebeneinanderlegst wenn du den höheren, nicht garantierten Wert für eine Zusage hältst wenn dein Kapital zu Rentenbeginn noch offen ist: Bei einer fondsgebundenen Versicherung multiplizierst du einen festen Faktor mit einem schwankenden Betrag Ein Sonderfall ist die Senkung vor Rentenbeginn: Sie zeigt sich nicht an der Rente, sondern nur in einer Mitteilung des Versicherers, bevor du die erste Zahlung erhältst. Vergleiche deshalb den Rentenfaktor in jeder Mitteilung mit dem Wert aus deinem Versicherungsschein. Vergleiche Rentenfaktoren nur bei gleichem Rentenbeginn und gleicher Rentengarantiezeit und rechne jeden Wert in Euro Monatsrente für dein Kapital um. Ein Rentenfaktor, den der Versicherer senken darf, ist keine Zusage. Unsere Einschätzung: Der Rentenfaktor entscheidet, wie viel lebenslange Rente aus deinem Kapital wird. Genauso wichtig wie seine Höhe ist die Frage, ob der Versicherer ihn senken darf. Beim Altersvorsorgedepot triffst du diese Entscheidung erst zu Beginn der Auszahlungsphase. Bis dahin zählen die Höhe deines Kapitals und die Kosten deiner Anlage. Depots und ihre Kosten vergleichst du im Depot-Vergleich. Häufige Fragen zum Rentenfaktor Wie hoch ist aktuell der Rentenfaktor? Einen einheitlichen aktuellen Rentenfaktor gibt es nicht. Jeder Versicherer legt ihn für seine Verträge auf Grundlage seines Rechnungszinses und der angenommenen Lebenserwartung fest. Deinen Wert findest du im Versicherungsschein. Meinst du die gesetzliche Rente: Dort gibt es keinen Rentenfaktor, sondern den Rentenartfaktor, der für Altersrenten 1,0 beträgt. Wie berechne ich den Rentenfaktor? Teile die angebotene Monatsrente durch dein Kapital und multipliziere mit 10.000. Bekommst du für 100.000 Euro Kapital 300 Euro Rente im Monat, liegt der Rentenfaktor bei 30. Umgekehrt ergibt sich die Monatsrente aus Kapital ÷ 10.000 × Rentenfaktor. Was bedeutet Rentenfaktor 1,0? Der Wert 1,0 ist der Rentenartfaktor für Altersrenten in der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 67 SGB VI). Er bedeutet, dass deine Entgeltpunkte bei der Altersrente voll zählen. Mit dem Rentenfaktor einer privaten Rentenversicherung hat er nichts zu tun. Was ist ein guter Rentenfaktor? Eine feste Grenze gibt es nicht, weil der Rentenfaktor von den Rechnungsgrundlagen des Versicherers und den Eckdaten deines Vertrags abhängt. Vergleiche nur Angebote mit gleichem Rentenbeginn und gleicher Rentengarantiezeit. Rechne außerdem aus, wie lange du Rente beziehen musst, bis die Zahlungen dein Kapital erreichen: 10.000 ÷ Rentenfaktor ÷ 12. Bei 30 sind das knapp 28 Jahre, bei 35 knapp 24 Jahre. Und prüfe, ob der Wert garantiert ist. Darf die Versicherung meinen Rentenfaktor senken? Das hängt von deinem Vertrag ab. Der Bundesgerichtshof hat am 10. Dezember 2025 eine Klausel für unwirksam erklärt, die eine Senkung erlaubte, ohne den Versicherer zur späteren Wiederanhebung zu verpflichten (IV ZR 34/25). Ob deine Klausel ähnlich formuliert ist, zeigt ein Blick in die Versicherungsbedingungen. Bei Zweifeln kannst du sie etwa bei einer Verbraucherzentrale prüfen lassen. Gibt es beim Altersvorsorgedepot einen Rentenfaktor? Nur, wenn du zu Beginn der Auszahlungsphase eine lebenslange Leibrente wählst, für das ganze Kapital oder für 80 Prozent davon. Beim Auszahlungsplan, der mindestens bis zu deinem 85. Geburtstag läuft, gibt es keinen. Die Regeln gelten ab dem 1. Januar 2027. Datenstand: September 2026 | Quellen: Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 227/2025 und Urteil vom 10. Dezember 2025, IV ZR 34/25; Altersvorsorgereformgesetz vom 26. Mai 2026, BGBl. 2026 I Nr. 156; Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz § 1 (geltende und ab 1. Januar 2027 geltende Fassung) und § 14; Einkommensteuergesetz § 10; Sechstes Buch Sozialgesetzbuch §§ 64 und 67; Bundesministerium der Finanzen, FAQ zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge, Stand 5. Mai 2026; Deutsche Rentenversicherung, rvRecht und Rentenlexikon. Die Beispielrechnungen sind Modellrechnungen ohne Werte eines Anbieters. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Anlageberatung.

Restschuld

Kurz & knapp: Die Restschuld ist die verbleibende Darlehenssumme nach einer Tilgungsphase. Bei einer Baufinanzierung mit 10-jähriger Sollzinsbindung ist sie der Betrag, den du anschließend neu finanzieren musst – und damit dein größtes Zinsänderungsrisiko. Je höher der Tilgungssatz, desto niedriger die Restschuld. Was ist die Restschuld? Die Restschuld bezeichnet den Teil deines Darlehens, der nach einer bestimmten Zeit noch offen ist. Bei einem Annuitätendarlehen – dem Standardmodell der Baufinanzierung – setzt sich deine monatliche Rate aus Zinsen und Tilgung zusammen. Mit jeder Rate sinkt die Restschuld; je weiter du tilgst, desto größer wird der Tilgungsanteil und desto kleiner der Zinsanteil. Hierbei ist ein Punkt entscheidend: Nach Ablauf der Sollzinsbindung (üblicherweise 10–15 Jahre) ist die Restschuld nicht null. Sie muss neu finanziert werden – und genau dort liegt dein Kernrisiko. Beispielrechnung: 350.000 € bei 3,75 % Sollzins Wie stark der Tilgungssatz die Restschuld beeinflusst, zeigt diese Modellrechnung. Annahmen: 350.000 € Darlehen, 3,75 % Sollzins, 10 Jahre Zinsbindung: TilgungssatzMonatsrateRestschuld nach 10 Jahren 1,0 %~1.385 €~307.600 € 2,0 %~1.677 €~265.200 € 3,0 %~1.969 €~222.800 € Was die Tabelle zeigt: Eine Verdoppelung des Tilgungssatzes von 1 auf 2 % senkt deine Restschuld um über 42.000 €. Bei 3 % Tilgung sind es bereits 85.000 € weniger als bei 1 %. Das ist der Hebel, mit dem du dein Zinsänderungsrisiko aktiv steuerst. Faustregel im Niedrigzins ist vorbei: Bei einem Sollzins ab 3 % gehört eine Anfangstilgung von mindestens 2 % zum guten Standard – darunter wird die Restschuld nach 10 Jahren gefährlich hoch. Wer es sich leisten kann, tilgt 3 % oder mehr. Warum die Restschuld dein Kernrisiko ist Stell dir vor, du hast 2026 mit 3,75 % abgeschlossen. Wenn 2036 die Zinsbindung ausläuft und der Marktzins inzwischen bei 5,5 % liegt, finanzierst du deine Restschuld zu deutlich teureren Konditionen. Bei einer Restschuld von 265.000 € (Tilgung 2 %) bedeutet das gegenüber dem ursprünglichen Zinssatz rund 4.600 € jährliche Mehrzinsen. Daher gilt: Je niedriger deine Restschuld bei Ablauf der Zinsbindung, desto kleiner dein Zinsänderungsrisiko. Eine hohe Anfangstilgung ist deine wichtigste Versicherung gegen Zinssprünge. Sondertilgung: Direkter Hebel auf die Restschuld Sondertilgungen reduzieren die Restschuld direkt und sofort. Die meisten Baufinanzierungs-Verträge erlauben kostenlos 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr als Sondertilgung. Bei 350.000 € Darlehen sind das bis zu 17.500 € jährlich. Ein Beispiel: Wenn du im siebten Jahr deiner Finanzierung eine Erbschaft von 30.000 € sondertilgst, sinkt deine Restschuld nach 10 Jahren um diese 30.000 € plus die ersparten Zinsen darauf. Über die nächsten 3 Jahre wären das bei 3,75 % zusätzlich rund 3.500 € weniger Zinsen. Häufige Fragen Wie erfahre ich meine aktuelle Restschuld? Im jährlichen Tilgungsplan deiner Bank oder in deinem Online-Banking. Auch jederzeit auf Anfrage. Kann ich die Restschuld komplett ablösen? Während der Zinsbindung nur gegen Vorfälligkeitsentschädigung. Nach Ablauf jederzeit zinsfrei – siehe § 489 BGB. Was passiert mit der Restschuld am Ende? Du brauchst eine Anschlussfinanzierung – per Anschlussfinanzierung oder als Prolongation beim selben Anbieter. Mehr zu den Mechanismen liest du im Capitalo-Glossar zu Tilgungssatz und Annuitätendarlehen. Wie du mit Sondertilgungen aktiv steuerst, zeigt der Ratgeber zur Sondertilgung. Hinweis: Die Beispielrechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen (konstante Zinsen, monatliche Annuität, keine Sondertilgungen) und dienen der Veranschaulichung. Reale Werte können je nach Vertragsdetails abweichen. Eine Baufinanzierung ist eine langfristige Verpflichtung – lass dich bei wesentlichen Entscheidungen individuell beraten.

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Slippage

Slippage ist die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungskurs. So entsteht sie und so begrenzt du sie. Das musst du über Slippage wissen 💡 Definition: Slippage ist die Differenz zwischen dem Kurs, den du bei einem Auftrag erwartest, und dem Kurs, zu dem er ausgeführt wird. Sie kann zu deinen Ungunsten ausfallen (negative Slippage) oder zu deinen Gunsten (positive Slippage). 🎯 Ordertyp entscheidet: Market-Orders und ausgelöste Stop-Loss-Orders werden zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt und können deshalb abrutschen. Eine Limit-Order wird nur zu deinem Limit oder besser ausgeführt, dafür unter Umständen gar nicht. ⚠️ Tauschbörsen: Auf dezentralen Börsen legst du mit der Slippage-Toleranz fest, wie weit der Kurs abweichen darf. Liegt er außerhalb, scheitert der Tausch. Eine hohe Toleranz lockt laut ESMA und EBA Angreifer an, etwa mit Sandwich-Angriffen. 🏦 Pflicht des Anbieters: Broker und Krypto-Anbieter, die deine Aufträge ausführen, müssen das bestmögliche Ergebnis für dich anstreben, soweit du keine ausdrückliche Weisung gibst. Einen bestimmten Kurs garantiert dir diese Pflicht nicht. Slippage entsteht, wenn sich der Markt vor der Ausführung deines Auftrags bewegt oder zum angezeigten Kurs nicht genug Angebot vorhanden ist. Sie ist keine Gebühr, sondern steckt im Ausführungskurs. Was ist Slippage? Das englische Wort slippage bedeutet Abrutschen. Gemeint ist, dass der Kurs zwischen deinem Auftrag und seiner Ausführung wegrutscht. Als erwarteter Kurs gilt meist der Kurs, den dir die Ordermaske anzeigt, bei einer Stop-Order dein Stoppkurs. Negative Slippage heißt: Du kaufst teurer oder verkaufst billiger als erwartet. Positive Slippage heißt: Du bekommst einen besseren Kurs. In Prozent setzt du die Differenz ins Verhältnis zum erwarteten Kurs. Vom Spread unterscheidet sich Slippage durch den Zeitpunkt. Den Spread, also den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, siehst du schon vor dem Auftrag. Slippage zeigt sich erst bei der Ausführung. Wie entsteht Slippage? Zu wenig Angebot zum besten Kurs: Im Orderbuch einer Börse stehen Kauf- und Verkaufsaufträge mit unterschiedlichen Preisen. Ist dein Auftrag größer als die Menge, die zum besten Kurs angeboten wird, wird der Rest zum nächsten Preis ausgeführt. Laut Deutscher Börse erhältst du bei einer Market-Order die Stücke sofort, aber möglicherweise zu leicht unterschiedlichen Kursen. Position Wert AuftragMarket-Order über 100 Aktien Angebot zum besten Kurs40 Stück zu 20,00 Euro Nächste Preisstufe im Orderbuch60 Stück zu 20,05 Euro Erwarteter Betrag (100 × 20,00 Euro)2.000 Euro Bezahlter Betrag (40 × 20,00 Euro + 60 × 20,05 Euro)2.003 Euro Durchschnittlicher Ausführungskurs20,03 Euro Negative Slippage3 Euro oder 0,15 Prozent Modellrechnung mit angenommenen Kursen, ohne Ordergebühren. Stand: September 2026. Der Kurs bewegt sich vor der Ausführung: Zwischen dem Kurs, den deine App anzeigt, und der Ausführung vergeht Zeit. Je schneller sich der Kurs bewegt, etwa nach Unternehmenszahlen oder Wirtschaftsdaten, desto weiter kann der Ausführungskurs abweichen. Der Kurs springt: Manchmal findet zwischen zwei Kursen gar kein Handel statt. Die BaFin nennt das eine Preislücke: Der Kurs springt plötzlich von einem Niveau auf ein anderes, zum Beispiel nach der Verkündung wichtiger Wirtschaftsdaten. Ein Auftrag, der innerhalb der Lücke greifen sollte, wird erst zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt. Das passiert etwa, wenn eine Aktie nach Nachrichten über Nacht deutlich tiefer eröffnet. Welche Orderarten dich vor Slippage schützen Ordertyp So wird ausgeführt Schutz vor negativer Slippage Kehrseite Market-Ordersofort zum nächsten verfügbaren Kurskeinerder Kurs steht erst nach der Ausführung fest Limit-Ordernur zum Limit oder besserja, bis zu deinem Limitwird unter Umständen nicht ausgeführt Stop-Loss-Order (Stop-Market)wird beim Stoppkurs ausgelöst, dann wie eine Market-Order ausgeführtkeiner nach dem AuslösenAusführung kann deutlich unter dem Stoppkurs liegen Stop-Limit-Orderwird beim Stoppkurs ausgelöst, dann als Limit-Order ins Orderbuch gestelltja, bis zu deinem Limitkeine Ausführungsgarantie, die Position bleibt eventuell offen Quelle: Deutsche Börse, Ordertypen und -attribute (Xetra) sowie Ordertypen und Zusätze. Stand: September 2026. Das direkteste Mittel gegen negative Slippage ist die Limit-Order. Der Preis dafür: Erreicht der Markt dein Limit nicht, bleibt der Auftrag liegen. Wie du Ordertyp und Limit eingibst, zeigt unser Ratgeber Aktien kaufen für Anfänger. Stop-Loss und Stop-Limit Ein Stop-Loss soll Verluste begrenzen, legt aber keinen Verkaufskurs fest. Laut Deutscher Börse kann der Ausführungspreis bei sehr schnellen Kursbewegungen vom Stoppkurs abweichen. Ein Modellbeispiel: Du hältst 50 Aktien und setzt einen Stop-Loss bei 45 Euro. Nach schlechten Nachrichten eröffnet die Aktie am nächsten Morgen bei 41 Euro. Der Stop wird ausgelöst, die Order wird zu 41 Euro ausgeführt. Du verkaufst 4 Euro je Aktie unter deinem Stoppkurs, zusammen 200 Euro weniger als geplant. Eine Stop-Limit-Order verhindert das, weil sie nach dem Auslösen als Limit-Order ins Orderbuch geht. Dafür kann sie im selben Szenario unausgeführt bleiben. Liegt dein Limit bei 44 Euro, wird bei 41 Euro nicht verkauft. Du hältst die Aktie dann weiter, auch wenn der Kurs weiter fällt. Slippage beim Krypto-Handel Kryptowerte schwanken stark im Preis, und das begünstigt Slippage. Der Bitcoin-Preis entsteht laut BaFin durch Kauf- und Verkaufsaufträge auf vielen Handelsplätzen und reagiert stark auf große Handelsaufträge, Nachrichten und Marktstimmungen. Die BaFin warnt außerdem vor der möglichen Illiquidität von Kryptowerten: Wird wenig gehandelt, reicht das Angebot zum besten Kurs schneller nicht für deinen Auftrag. Auf einer zentralen Handelsplattform mit Orderbuch funktioniert Slippage wie an der Börse. Eine Market-Order kann abrutschen, eine Limit-Order begrenzt den Kurs, sofern die Plattform sie anbietet. Die Slippage kommt zu den Gebühren beim Krypto-Handel hinzu. Slippage-Toleranz auf dezentralen Börsen Auf einer dezentralen Börse tauschst du direkt aus deiner Wallet gegen einen Liquiditätspool, also einen Vorrat an Kryptowerten, den andere Nutzer bereitstellen. Vor dem Tausch legst du eine Slippage-Toleranz fest: die Abweichung in Prozent, die du höchstens hinnimmst. Liegt der Ausführungskurs außerhalb dieser Spanne, scheitert der Tausch. Erwartest du 1.000 Token und stellst 1 Prozent Toleranz ein, bekommst du mindestens 990 Token, oder der Tausch wird nicht ausgeführt. Wie weit dein eigener Tausch den Kurs im Pool verschiebt, heißt Preiseinfluss, englisch price impact. Je größer dein Tausch im Verhältnis zum Pool ist, desto stärker verschiebt er den Kurs gegen dich. Die Toleranz ist eine Abwägung. Laut einem gemeinsamen Bericht von ESMA und EBA scheitern Transaktionen mit niedriger Toleranz eher. Eine hohe Toleranz lockt dagegen Angreifer an, die die Spanne zwischen Toleranz und tatsächlichem Preis abschöpfen, etwa über Sandwich-Angriffe. Dabei sieht der Angreifer deinen noch nicht bestätigten Tausch. Er setzt direkt davor eine Transaktion, die den Preis gegen dich bewegt, und direkt danach eine zweite, die den Gewinn mitnimmt. Laut ESMA sind Händler stark schwankender Meme-Coins ein bevorzugtes Ziel, weil sie oft hohe Toleranzen einstellen. Tauschst du selbst über eine dezentrale Börse, führt oft kein Anbieter den Auftrag für dich aus. Nach den Erwägungsgründen der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) sollen Dienste, die ganz ohne Vermittler dezentral erbracht werden, nicht unter die Verordnung fallen. Laut ESMA soll MiCA dezentrale Finanzdienste nicht direkt regeln. Die Toleranz ist dann die Grenze, die du selbst ziehst. Kryptowerte sind eine riskante Anlage. Laut BaFin sind erhebliche Kapitalverluste bis hin zum Totalverlust möglich. Slippage bei CFDs Bei CFDs, also Differenzkontrakten, stellt der Anbieter die Kurse selbst. Springt der Kurs des Basiswerts, kannst du deine Position laut BaFin nicht immer zwischen zwei Preisniveaus schließen, um Verluste zu begrenzen. Auch die automatische Glattstellung deiner Positionen durch den Anbieter kann laut ESMA bei einer Kurslücke nicht immer ohne Slippage ausgeführt werden. Manche Anbieter bieten gegen ein Entgelt einen garantierten Stop an, der auch bei einer Kurslücke zum festgelegten Kurs schließt. Eine Praxis hat die ESMA ausdrücklich beanstandet: asymmetrische Slippage. Gemeint ist, dass ein Anbieter Verluste aus Kursbewegungen zwischen Auftrag und Ausführung an dich weitergibt, Gewinne daraus aber selbst behält. Wer so vorgeht, ergreift nach Auffassung der ESMA nicht alle angemessenen Maßnahmen gegen Interessenkonflikte. Für Kleinanleger gilt bei CFDs der Negativsaldoschutz: Du haftest höchstens mit dem Geld auf deinem CFD-Handelskonto. Wie Hebel und Margin zusammenwirken, liest du unter Hebel und Margin bei CFDs. CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Was dein Anbieter dir schuldet Slippage ist nicht verboten. Wer deine Aufträge ausführt, muss aber das bestmögliche Ergebnis für dich anstreben. Für Wertpapiere schreibt das Wertpapierhandelsgesetz vor, dass dein Broker dafür Ausführungsgrundsätze festlegt und dabei Preis, Kosten, Geschwindigkeit und Wahrscheinlichkeit der Ausführung berücksichtigt (§ 82 WpHG). Für Kryptowerte gilt eine entsprechende Pflicht für Anbieter, die Aufträge für ihre Kunden ausführen (Art. 78 MiCA). Einen bestimmten Kurs garantiert diese Pflicht nicht. Gibst du eine ausdrückliche Weisung, gilt sie im Umfang dieser Weisung als erfüllt. Zwei Rechte helfen dir, wenn dich ein Ausführungskurs überrascht. Bei Wertpapieren muss dein Broker dir auf Anfrage darlegen, dass er deinen Auftrag nach seinen Ausführungsgrundsätzen ausgeführt hat (§ 82 Abs. 7 WpHG). Will ein Krypto-Anbieter deinen Auftrag außerhalb einer Handelsplattform ausführen, etwa auf einer dezentralen Börse, muss er dich vorher informieren. Er braucht dann deine ausdrückliche Zustimmung, allgemein oder für das einzelne Geschäft (Art. 78 Abs. 5 MiCA). Quellen: § 82 Wertpapierhandelsgesetz; Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II), Art. 27; Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), Art. 78 und Erwägungsgrund 22; ESMA, Opinion on broker models (31.07.2024) und Q&A 2711 (08.12.2025). Stand: September 2026. Wann Slippage dich trifft und wann kaum Slippage fällt kaum ins Gewicht wenn du ein viel gehandeltes Wertpapier in einer ruhigen Marktphase kaufst wenn du mit Limit handelst: Negative Slippage über dein Limit hinaus ist dann ausgeschlossen wenn du selten handelst und lange hältst Slippage kann teuer werden bei Market-Orders in wenig gehandelten Aktien oder kleinen Kryptowerten bei Stop-Loss-Orders über Nacht oder vor wichtigen Nachrichten bei großen Tauschaufträgen auf dezentralen Börsen mit hoher Toleranz Ein Sonderfall ist das Kauflimit über dem aktuellen Kurs. Wer so ordert, um auf jeden Fall zum Zug zu kommen, macht aus der Limit-Order fast eine Market-Order. Das Limit begrenzt die Slippage dann nur bis zu dem Kurs, den du selbst eingetragen hast. Leg vor jedem Auftrag fest, welchen Kurs du höchstens zahlen oder mindestens erlösen willst, und trag diesen Kurs als Limit ein. Auf einer Tauschbörse übernimmt die Slippage-Toleranz diese Aufgabe. Unsere Einschätzung: Slippage ist kein Fehler im System, sondern der Preis für eine schnelle Ausführung. Teuer wird sie in schwankenden oder wenig gehandelten Märkten und bei großzügigen Toleranzen. Arbeite mit Limits und lass dir bei auffälligen Abweichungen die Ausführung erklären. Welches Depot zu deiner Art zu handeln passt, zeigt der Depot-Vergleich, für Kryptowerte der Vergleich der Krypto-Börsen. Häufige Fragen zu Slippage Was ist Slippage beim Trading? Slippage beim Trading ist die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du einen Auftrag erwartest, und dem Kurs, zu dem er ausgeführt wird. Sie entsteht, wenn sich der Kurs vor der Ausführung bewegt, wenn zum besten Kurs nicht genug Angebot da ist oder wenn der Kurs springt. Negative Slippage macht deinen Kauf teurer oder deinen Verkauf billiger, positive Slippage wirkt umgekehrt. Wie kann ich Slippage vermeiden? Negative Slippage schließt nur eine Limit-Order aus: Sie wird zu deinem Limit oder besser ausgeführt, kann dafür aber liegen bleiben. Außerdem hilft es, zu Zeiten mit viel Handel zu ordern und große Aufträge in einem dünnen Markt aufzuteilen. Rund um wichtige Nachrichten musst du bei Market- und Stop-Loss-Orders mit größeren Abweichungen rechnen. Auf dezentralen Börsen begrenzt eine niedrige Slippage-Toleranz die Abweichung. Was ist eine Slippage-Warnung? Eine Slippage-Warnung ist ein Hinweis deiner App oder Tauschplattform, dass der Ausführungskurs deutlich vom angezeigten Kurs abweichen kann. Anlass sind etwa starke Kursschwankungen, wenig Handel oder ein Auftrag, der im Verhältnis zum verfügbaren Angebot groß ist. Auf dezentralen Börsen erscheint sie zum Beispiel bei ungewöhnlich hohem Preiseinfluss deines Tauschs. Prüf vor dem Bestätigen den angezeigten Mindestbetrag oder setz ein Limit. Was ist eine Stop-Loss-Order und wie funktioniert sie? Eine Stop-Loss-Order ist ein Verkaufsauftrag, der erst aktiv wird, wenn der Kurs deinen Stoppkurs erreicht. Dann wird er wie eine Market-Order zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt. Er soll Verluste begrenzen, legt aber keinen Verkaufskurs fest: Bei schnellen Kursbewegungen oder einer Kurslücke kann die Ausführung deutlich unter dem Stoppkurs liegen. Eine Stop-Limit-Order setzt eine Untergrenze, wird dafür aber unter Umständen nicht ausgeführt. Welche Slippage-Toleranz sollte ich einstellen? Einen richtigen Wert für alle Fälle gibt es nicht. Eine niedrige Toleranz schützt dich vor einem schlechten Kurs, lässt den Tausch aber häufiger scheitern. Eine hohe Toleranz lässt den Tausch eher durchgehen, macht dich laut ESMA und EBA aber zum Ziel von Angreifern, die die Spanne abschöpfen. Stell die Toleranz so eng ein, wie es der Markt zulässt, und prüf vor dem Bestätigen den angezeigten Mindestbetrag. Was ist der Unterschied zwischen Slippage und Spread? Der Spread ist der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs, den du vor dem Auftrag in der Ordermaske siehst. Slippage entsteht erst bei der Ausführung, wenn der tatsächliche Kurs vom erwarteten abweicht. Beide stecken im Ausführungskurs und kommen zur Ordergebühr hinzu. Oft treten sie gemeinsam auf, weil beide bei wenig Handel und starken Kursschwankungen zunehmen. Datenstand: September 2026 | Quellen: § 82 Wertpapierhandelsgesetz; Richtlinie 2014/65/EU (MiFID II), Art. 27; Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), Art. 78 und Erwägungsgrund 22; ESMA, Opinion on broker models und Q&A 2711; ESMA, Q&A zu CFDs (ESMA35-36-794), Begründung der Produktintervention (ESMA35-43-1000) und Technical Q&A Product Intervention (ESMA35-36-1262); ESMA, Maximal Extractable Value: Implications for crypto markets; ESMA und EBA, Joint Report on recent developments in crypto-assets; BaFin, Allgemeinverfügung zu Differenzgeschäften vom 23.07.2019, Verbrauchermitteilung zu Kryptowerten vom 13.01.2021 und Fachartikel vom 25.08.2026; Deutsche Börse, Ordertypen. Die Beispielrechnungen sind Modellrechnungen. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlageberatung.

Sollzins

Der Sollzins ist der Zinssatz, den du für einen Kredit zahlst. Hier steht, was gebunden und veränderlich heißt und warum der Effektivzins darüber liegt. Was du über den Sollzins wissen musst 💡 Definition: Der Sollzinssatz ist der gebundene oder veränderliche Prozentsatz pro Jahr auf das in Anspruch genommene Darlehen (§ 489 Abs. 5 BGB). Kosten der Bank rechnet er nicht ein. 🔒 Gebunden heißt festgeschrieben: Gebunden ist der Sollzinssatz nur für die Zeiträume, für die er als feste Prozentzahl vereinbart ist. Bei gebundenem Satz kannst du nach zehn Jahren mit sechs Monaten Frist kündigen. 🔁 Veränderlich heißt anpassbar: Läuft der Sollzins veränderlich, wird jede Anpassung erst wirksam, nachdem die Bank dich über den neuen Satz und die neue Rate unterrichtet hat. Kündigen kannst du jederzeit mit drei Monaten Frist. ⚠️ Zum Vergleichen taugt er nicht: Der effektive Jahreszins fasst Zinsen und alle bekannten Kosten zusammen und liegt bei monatlicher Zahlung schon ohne jede Gebühr darüber: aus 5,00 % Sollzins werden im Modell 5,12 %. Der Sollzins ist der Preis für das geliehene Geld, mehr nicht. Das Bürgerliche Gesetzbuch nennt ihn Sollzinssatz und definiert ihn als den gebundenen oder veränderlichen periodischen Prozentsatz, der pro Jahr auf das in Anspruch genommene Darlehen angewendet wird (§ 489 Abs. 5 BGB). Was dein Kredit insgesamt kostet, zeigt eine zweite Zahl im selben Angebot: der effektive Jahreszins. Was ist der Sollzins? Der Sollzinssatz bezieht sich auf den Betrag, den du tatsächlich in Anspruch genommen hast, und wird pro Jahr angegeben, mit dem Zusatz p. a. für per annum. Das gilt auch dann, wenn die Bank die Zinsen monatlich verrechnet und du monatlich zahlst. Beim Sparen und bei Anleihen heißt dieselbe Größe Nominalzins. Nominalzins ist der weitere Begriff, Sollzins der engere: Einen Sollzins gibt es nur, wenn du Geld leihst. Die Finanzaufsicht BaFin verwendet beide Wörter für den Kredit nebeneinander und schreibt „Sollzins (Nominalzins)". Nicht im Sollzins enthalten ist alles, was neben den Zinsen anfällt. Vermittlungskosten gehören nicht hinein, Kontoführungskosten nicht, eine Restschuldversicherung nicht. Der Sollzins sagt dir also, was das Kapital kostet, und nicht, was der Kredit kostet. Beim Annuitätendarlehen bestimmt er zusammen mit der Tilgung deine Monatsrate. Wie sich eine gleichbleibende Rate in Zins- und Tilgungsanteil aufteilt, erklärt der Eintrag Annuitätendarlehen. Ein Zinssatz, der im Kreditvertrag danebensteht, ist ausdrücklich nicht dein Sollzins: der Verzugszinssatz. Kommst du mit einer Zahlung in Verzug, verzinst sich der geschuldete Betrag nach dem gesetzlichen Verzugszinssatz, nicht nach dem vereinbarten Sollzinssatz (§ 497 Abs. 1 BGB). Dass es zwei verschiedene Größen sind, zeigt schon das Pflichtangabenrecht: Sollzinssatz und Verzugszinssatz stehen dort als getrennte Angaben nebeneinander (Art. 247 § 3 EGBGB). Verzugszinsen muss die Bank außerdem auf einem gesonderten Konto verbuchen und darf sie nicht mit der Hauptforderung verrechnen (§ 497 Abs. 2 BGB). Wovon die Höhe deines Sollzinses abhängt Banken nennen keinen Einheitspreis. Welchen Sollzinssatz du angeboten bekommst, hängt laut BaFin bei Immobilienkrediten vor allem an drei Dingen: am Zinsniveau zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses, das du nicht beeinflussen kannst, an deiner Kreditwürdigkeit und am Vorhaben selbst. Bei einer Baufinanzierung kommt der Beleihungsauslauf hinzu, also das Verhältnis der offenen Schuld zum Beleihungswert der Immobilie. Dazu kommt die Bindung. Ob du den Sollzins für fünf Jahre festschreibst oder für zwanzig, verändert den Satz, den dir die Bank nennt. Nach Beobachtung der BaFin werden Immobilienkredite meist für fünf, zehn oder fünfzehn Jahre fest vereinbart, in den vergangenen Jahren häufiger auch für zwanzig bis vierzig Jahre. Deshalb ist die Frage, ob ein Sollzins günstig ist, ohne die Bindungsdauer nicht zu beantworten. Gebundener und veränderlicher Sollzins Das Gesetz kennt genau zwei Formen, und der Unterschied ist keine Formulierungsfrage: An ihm hängt, wann du kündigen kannst. Gebunden ist der Sollzinssatz, wenn für die gesamte Vertragslaufzeit ein Satz oder mehrere Sätze als feststehende Prozentzahl vereinbart sind. Ist für die gesamte Laufzeit keine Bindung vereinbart, gilt er nur für diejenigen Zeiträume als gebunden, für die er durch eine feste Prozentzahl bestimmt ist (§ 489 Abs. 5 BGB). Genau das ist der Normalfall bei einer Baufinanzierung: zehn Jahre fest, danach offen. Wie lange du binden solltest, behandelt der Eintrag Sollzinsbindung. Veränderlich ist der Sollzinssatz, wenn die Bank ihn während der Laufzeit anpassen darf. Richtet sich die Anpassung nach einem Index oder Referenzzinssatz, ist die Vereinbarung nur wirksam, wenn dieser Index objektiv, eindeutig bestimmt und für beide Seiten verfügbar und überprüfbar ist (§ 492 Abs. 7 BGB). Eine Klausel, nach der die Bank den Zins „nach billigem Ermessen" anpasst, erfüllt das nicht. Merkmal Gebundener Sollzins Veränderlicher Sollzins Höhe während der Bindungfeste Prozentzahl, vertraglich vereinbartdie Bank passt an, meist entlang eines Referenzzinssatzes Dein Kündigungsrechtnach zehn Jahren ab vollständigem Empfang, sechs Monate Fristjederzeit, drei Monate Frist Zusätzliches Kündigungsrechtwenn die Bindung vor der Rückzahlungszeit endet und keine neue Vereinbarung getroffen ist, ein Monat Frist zum Ende der Bindungentfällt Wann eine Anpassung wirktgar nicht, solange die Bindung läufterst nachdem die Bank dich unterrichtet hat Typisch beiBaufinanzierung, RatenkreditDispositionskredit, Rahmenkredit, variable Immobiliendarlehen Quellen: §§ 489, 492, 493 Bürgerliches Gesetzbuch. Stand: September 2026. Diese Kündigungsrechte kann dir kein Vertrag nehmen. Sie lassen sich weder ausschließen noch erschweren (§ 489 Abs. 4 BGB). Nach einer Kündigung hast du zwei Wochen Zeit, den geschuldeten Betrag zurückzuzahlen, sonst gilt die Kündigung als nicht erfolgt (§ 489 Abs. 3 BGB). Bei einem veränderlichen Sollzinssatz gilt zusätzlich eine Bremse, die viele übersehen: Eine Zinsanpassung wird erst wirksam, nachdem die Bank dich über den angepassten Sollzinssatz, die angepasste Höhe der Raten und, falls sie sich ändern, über Zahl und Fälligkeit der Raten unterrichtet hat (§ 493 Abs. 3 BGB in Verbindung mit Art. 247 § 15 EGBGB). Hängt die Anpassung an einem Referenzzinssatz, dürfen die Vertragsparteien einen anderen Zeitpunkt vereinbaren. Dann muss der Vertrag aber vorsehen, dass die Bank dich regelmäßig unterrichtet, und du musst den Referenzzinssatz in ihren Geschäftsräumen einsehen können. Läuft dein gebundener Sollzins aus, bevor der Kredit zurückgezahlt ist, muss die Bank dich spätestens drei Monate vorher darüber unterrichten, ob sie zu einer neuen Bindung bereit ist. Ist sie es, muss die Unterrichtung den Sollzinssatz enthalten, den sie zu diesem Zeitpunkt anbietet (§ 493 Abs. 1 BGB). Sollzins und effektiver Jahreszins Der effektive Jahreszins fasst die Gesamtkosten des Kredits als jährlichen Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags zusammen. Hinein gehören die Zinsen und alle sonstigen Kosten, die du im Zusammenhang mit dem Kreditvertrag zahlst und die der Bank bekannt sind (§ 16 PAngV). Draußen bleiben unter anderem Notarkosten sowie Versicherungen und Zusatzleistungen, die keine Voraussetzung für den Kredit sind. Was genau die Formel einbezieht, steht im Eintrag effektiver Jahreszins. Der Effektivzins liegt auch dann über dem Sollzins, wenn überhaupt keine Gebühr anfällt. Das liegt am Zahlungsrhythmus: Die gesetzliche Formel rechnet mit dem Zeitpunkt jeder Zahlung. Wer monatlich zahlt, zahlt Zinsen früher als am Jahresende, und das schlägt sich im Effektivzins nieder. Merkmal Modellkredit Nettodarlehensbetrag15.000 € Laufzeit60 Monate Sollzins5,00 % p. a., monatlich ein Zwölftel Monatsrate283,07 € Zinsen über die Laufzeit1.984,11 € Effektiver Jahreszins ohne Kosten5,12 % Effektiver Jahreszins mit 300 € Vermittlungskosten5,99 % Effektiver Jahreszins mit 600 € Vermittlungskosten6,90 % Modellrechnung nach der Berechnungslogik der Anlage zu § 16 Preisangabenverordnung. Keine aktuellen Kreditkonditionen, keine Anbieterzinsen. Stand: September 2026. Die letzten beiden Zeilen zeigen, warum der Sollzins zum Vergleichen nicht reicht. Der Sollzins bleibt in allen drei Fällen bei 5,00 %, die Kosten für dich unterscheiden sich um Hunderte Euro. Zwei Angebote mit demselben Sollzins können unterschiedlich teuer sein, zwei mit unterschiedlichem Sollzins gleich teuer. Vergleiche deshalb über den effektiven Jahreszins, zum Beispiel im Kreditvergleich. Ein Detail für veränderliche Zinsen: Steht bei Vertragsschluss noch nicht fest, wie sich der Zinssatz entwickelt, rechnet die Bank den Effektivzins so aus, als bliebe der Sollzinssatz bis zum Ende unverändert (§ 16 PAngV). Der ausgewiesene Effektivzins ist bei einem veränderlichen Sollzins also eine Momentaufnahme, keine Vorhersage. Was ein Prozentpunkt Sollzins ausmacht Bei einer Baufinanzierung entscheidet der Sollzins nicht nur über die Zinskosten, sondern darüber, wie viel von deiner Rate überhaupt tilgt. Bleibt die Rate gleich und steigt der Sollzins, frisst der Zinsanteil den Tilgungsanteil auf. Merkmal Sollzins 3,50 % Sollzins 4,50 % Darlehensbetrag300.000 €300.000 € Monatsrate1.375 €1.375 € Erster Monat: Zinsanteil875,00 €1.125,00 € Erster Monat: Tilgungsanteil500,00 €250,00 € Restschuld nach zehn Jahren228.283,74 €262.200,48 € Modellrechnung, Annuitätendarlehen mit gleichbleibender Rate, ohne Sondertilgung und ohne Kosten. Keine aktuellen Marktzinsen. Stand: September 2026. Ein Prozentpunkt mehr Sollzins halbiert in diesem Modell die anfängliche Tilgung und lässt nach zehn Jahren 33.916,74 € mehr Restschuld stehen. Wer bei höherem Zins gleich schnell tilgen will, muss die Rate erhöhen. Welcher Anfangswert dafür sinnvoll ist, behandelt der Eintrag Tilgungssatz. Aktuelle Konditionen findest du im Baufinanzierungs-Vergleich. Wo der Sollzins stehen muss Der Sollzinssatz ist keine freiwillige Angabe. Er taucht an drei Stellen auf, und an jeder gilt eine eigene Vorschrift. In der Werbung: Wer gegenüber Verbrauchern mit Zinssätzen oder anderen Zahlen zu den Kosten für einen Verbraucherkredit wirbt, muss den Sollzinssatz angeben, dazu die Auskunft, ob es sich um einen festen oder einen variablen Zinssatz oder um eine Kombination handelt, und den effektiven Jahreszins (§ 17 PAngV). Dieselbe Vorschrift bestimmt, dass der effektive Jahreszins in der Werbung mindestens genauso hervorzuheben ist wie jeder andere Zinssatz. In der Information vor Vertragsschluss und im Vertrag: Beide müssen den Sollzinssatz nennen (Art. 247 §§ 3 und 6 EGBGB). Gelten unter verschiedenen Umständen unterschiedliche Sollzinssätze, gehören die Bedingungen für jeden einzelnen dazu. Wenn in einer Kreditwerbung ein Zinssatz größer gesetzt ist als der effektive Jahreszins, stimmt etwas nicht. Der effektive Jahreszins muss mindestens genauso hervorgehoben sein wie jede andere Zinsangabe. Prüfe in solchen Anzeigen besonders genau, welche der beiden Zahlen im Kleingedruckten steht. Sollzins beim Dispositionskredit Auch wenn du dein Girokonto im vereinbarten Rahmen überziehst, zahlst du einen Sollzinssatz, und zwar einen veränderlichen. Die Bank muss dich in regelmäßigen Zeitabständen unterrichten, unter anderem über den angewendeten Sollzinssatz (§ 504 Abs. 1 BGB in Verbindung mit Art. 247 § 16 EGBGB). Hier gilt die Wirksamkeitsbremse aus § 493 Abs. 3 BGB nur in eine Richtung: bei einer Erhöhung des Sollzinssatzes und bei einer Erhöhung der vereinbarten sonstigen Kosten (§ 504 Abs. 1 BGB). Eine Senkung darf die Bank also ohne vorherige Unterrichtung wirksam werden lassen, eine Erhöhung nicht. Was dein Institut aktuell verlangt, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis und auf deinem Kontoauszug. Wann der Sollzins reicht und wann nicht Der Sollzins reicht dir um die Zinskosten für einen bestimmten Betrag zu überschlagen um zu erkennen, wie sich deine Rate in Zins und Tilgung aufteilt beim Vergleich zweier Angebote, die sich sonst in nichts unterscheiden: gleiche Laufzeit, gleiche Bindung, keinerlei Kosten Der Sollzins führt dich in die Irre beim Vergleich von Kreditangeboten, weil Kosten und Zahlungszeitpunkte fehlen wenn er veränderlich ist, denn dann gilt er nur bis zur nächsten Anpassung wenn ein niedriger Einstiegssatz nur für einen Teil der Laufzeit vereinbart ist Ein Fall, in dem beide Zahlen irreführen können: Ein Angebot mit veränderlichem Sollzins weist einen effektiven Jahreszins aus, der auf der Annahme beruht, der heutige Satz bleibe bis zum Ende bestehen. Zwei solche Angebote lassen sich über den Effektivzins vergleichen, aber nur für den Moment. Was daraus wird, hängt am vereinbarten Referenzzinssatz und an den Anpassungsbedingungen, und die stehen im Vertrag, nicht im Zinssatz. Vergleiche Kredite über den effektiven Jahreszins. Nutze den Sollzins, um zu verstehen, wie deine Rate zustande kommt, und lies dazu immer mit, für welchen Zeitraum er gilt. Unsere Einschätzung: Der Sollzins ist die ehrlichste und zugleich unvollständigste Zahl im Kreditvertrag. Ehrlich, weil er ohne Annahmen auskommt. Unvollständig, weil er weder Kosten noch Zahlungszeitpunkte kennt. Wer ihn liest, sollte deshalb immer zwei Fragen stellen: Für wie lange gilt er, und was steht daneben als effektiver Jahreszins? Beide Zahlen zusammen findest du im Kreditvergleich und im Baufinanzierungs-Vergleich. Häufige Fragen zum Sollzins Was versteht man unter Sollzins? Der Sollzins, im Gesetz Sollzinssatz, ist der gebundene oder veränderliche Prozentsatz pro Jahr, der auf das in Anspruch genommene Darlehen angewendet wird (§ 489 Abs. 5 BGB). Er ist der reine Preis für das geliehene Kapital. Vermittlungskosten, Kontoführungskosten und andere Nebenkosten des Kredits rechnet er nicht ein. Was ist der Unterschied zwischen Effektivzinssatz und Sollzinssatz? Der Sollzinssatz erfasst nur die Zinsen. Der effektive Jahreszins fasst die Gesamtkosten zusammen: die Zinsen und alle sonstigen Kosten, die du für den Kredit zahlst und die der Bank bekannt sind (§ 16 PAngV). Weil die Formel auch den Zeitpunkt jeder Zahlung berücksichtigt, liegt der Effektivzins bei monatlicher Zahlung selbst ohne Gebühren über dem Sollzins: Aus 5,00 % Sollzins werden im Modell 5,12 %. Welcher Sollzins ist gut? Das lässt sich nicht an einem Wert festmachen, weil dein Zinssatz von Bonität, Laufzeit, Darlehenshöhe, Zinsbindung und bei Immobilien vom Beleihungsauslauf abhängt. Vergleichbar wird ein Angebot erst über den effektiven Jahreszins, und aussagekräftig erst zusammen mit der Bindungsdauer: Ein niedriger Satz für zwei Jahre kann teurer werden als ein höherer für fünfzehn. Was ist der aktuelle Sollzins? Einen allgemeingültigen aktuellen Sollzins gibt es nicht. Banken kalkulieren je nach Kreditart, Laufzeit, Zinsbindung und deiner Bonität unterschiedlich, und dasselbe Institut nennt für zwei Personen zwei Sätze. Aktuelle Konditionen findest du im Kreditvergleich und im Baufinanzierungs-Vergleich. Kann die Bank meinen Sollzins einfach erhöhen? Nur wenn ihr einen veränderlichen Sollzinssatz vereinbart habt, und auch dann nicht ohne Weiteres. Richtet sich die Anpassung nach einem Index oder Referenzzinssatz, ist die Vereinbarung nur wirksam, wenn dieser objektiv, eindeutig bestimmt sowie für dich und die Bank verfügbar und überprüfbar ist (§ 492 Abs. 7 BGB). Und die Anpassung selbst wird erst wirksam, nachdem die Bank dich über den neuen Satz und die neue Rate unterrichtet hat (§ 493 Abs. 3 BGB). Ist der Sollzinssatz gebunden, gilt er für den vereinbarten Zeitraum unverändert. Datenstand: September 2026 | Quellen: §§ 489, 492, 493, 504 Bürgerliches Gesetzbuch; Artikel 247 §§ 3, 6, 15, 16 Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche; §§ 16, 17 und Anlage Preisangabenverordnung; BaFin, Konsumentenkredite vergleichen und Immobilienkredit. Die Beispielrechnungen sind Modellrechnungen ohne Markt- oder Anbieterzinsen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Kreditberatung.

Sollzinsbindung

Kurz & knapp: Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem dein Sollzins bei der Baufinanzierung vertraglich festgeschrieben ist. Typische Dauern: 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB kannst du nach 10 Jahren mit 6 Monaten Frist kostenfrei kündigen — selbst wenn du dich für 20 Jahre gebunden hast. „Zinsbindung" meint dasselbe. Was ist die Sollzinsbindung? Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum, in dem die Bank dir den vereinbarten Sollzins deiner Baufinanzierung garantiert. Während dieser Phase ändert sich deine Monatsrate nicht, unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Der Begriff ist technisch präziser als die häufig verwendete Zinsbindung, denn festgeschrieben wird ausschließlich der Sollzins — nicht der Effektivzins, der sich rechnerisch leicht verändern kann, sobald sich Pflichtkosten anteilig anders verteilen. Ein Beispiel: Du schließt eine Baufinanzierung mit 10 Jahren Sollzinsbindung und 3,75 % Sollzins ab. Ob die Marktzinsen zwischenzeitlich auf 5 % steigen oder auf 2 % fallen — du zahlst zehn Jahre lang exakt 3,75 %. Erst danach wird neu verhandelt. Zinsbindung oder Sollzinsbindung? In der Praxis werden die Begriffe synonym verwendet. Sollzinsbindung ist die formal korrekte Bezeichnung im Darlehensvertrag. Wenn eine Bank oder ein Vergleichsportal dir „Zinsbindung 15 Jahre" anbietet, ist die Sollzinsbindung gemeint. Typische Dauern und ihre Auswirkung auf den Zins Grundsätzlich gilt: Je länger du dich bindest, desto höher wird der Zins — die Bank lässt sich Planungssicherheit bezahlen. Hier eine typische Marktstaffelung (Stand: Mai 2026): SollzinsbindungAufschlag ggü. 5 JahreGeeignet für 5 JahreBasisErwartung sinkender Zinsen, kurze Restlaufzeit 10 Jahre+0,1 bis +0,2 PPStandard-Konstellation, ausgewogen 15 Jahre+0,3 bis +0,4 PPFamilien, langfristige Planung 20 Jahre+0,4 bis +0,5 PPHohe Sicherheit, Niedrigzins-Phasen Heißt: Zwischen 5 und 20 Jahren Bindung liegen typischerweise rund 0,5 Prozentpunkte. Auf 300.000 € Darlehen können das schnell 50.000 € Mehrzinsen über die volle Laufzeit sein. Das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB Hier kommt der entscheidende Punkt, den viele übersehen: Auch wenn du dich für 20 Jahre Sollzinsbindung entschieden hast, bist du nicht die volle Laufzeit gefesselt. § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB: Der Darlehensnehmer kann einen Darlehensvertrag mit gebundenem Sollzinssatz ganz oder teilweise kündigen, in jedem Fall nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten. Im Klartext: Die Kündigung ist gesetzlich verbrieft und kostenfrei, es fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Das macht lange Bindungen deutlich attraktiver als oft angenommen — du bekommst die Sicherheit der langen Bindung, ohne dauerhaft daran gefesselt zu sein. Wichtig zu wissen: Die Zehn-Jahres-Frist beginnt mit dem vollständigen Empfang des Darlehens, nicht mit dem Vertragsabschluss. Bei Bauträgerverträgen mit gestaffelter Auszahlung kann das einige Monate später sein. Praktische Konsequenz: Eine 20-jährige Sollzinsbindung gibt dir maximale Sicherheit und maximale Flexibilität gleichzeitig. Sind die Zinsen nach 10 Jahren deutlich gefallen, kündigst du und finanzierst günstiger um. Sind sie gestiegen, bleibst du in deiner günstigen Bindung. Welche Bindung passt zu dir? Die richtige Wahl hängt davon ab, wo wir im Zinszyklus stehen, und von deiner Lebensplanung. Niedrige Zinsen, Erwartung steigender Zinsen: Lange Bindung über 15 oder 20 Jahre. Du sicherst dir das günstige Niveau langfristig und hast über § 489 BGB nach 10 Jahren trotzdem ein Ausstiegsrecht. Hohe Zinsen, Erwartung sinkender Zinsen: Eher 5 oder 10 Jahre, um nach Ablauf von einem niedrigeren Niveau zu profitieren. Allerdings ist Markt-Timing schwer — niemand weiß sicher, wohin sich Zinsen entwickeln. Mittleres Zinsniveau: 10 oder 15 Jahre sind die typische Wahl. Du hast Sicherheit, ohne dich zu sehr festzulegen. Brauchst du Planungssicherheit über lange Zeiträume, etwa als Familie mit Kindern, sind 15 bis 20 Jahre die solide Variante. Hierbei spielt auch die aktuelle Zinslage eine Rolle. Was passiert nach Ablauf der Sollzinsbindung? Nach Ablauf der Bindung bleibt in der Regel eine Restschuld, die du anschlussfinanzieren musst. Dafür hast du zwei Wege: Prolongation: Du verlängerst bei deiner aktuellen Bank zu den dann gültigen Konditionen. Das ist der bequemste Weg — aber selten der günstigste. Umschuldung: Du wechselst zu einem neuen Anbieter. Das lohnt sich oft, kostet aber Aufwand für Grundbuch-Abtretung und Bonitätsprüfung. Wer rechtzeitig plant, kann die Anschlussfinanzierung mit einem Forward-Darlehen bereits Jahre im Voraus zu heutigen Konditionen sichern — gegen einen Zinsaufschlag pro Wartemonat. Praxis-Tipp: Behalte die aktuellen Bauzinsen im Blick und vergleiche frühzeitig Anschluss-Angebote — idealerweise 12 bis 36 Monate vor Ablauf deiner Sollzinsbindung. So hast du Zeit, in Ruhe zu verhandeln. Häufige Fragen Ist Zinsbindung dasselbe wie Sollzinsbindung? Ja. Beide Begriffe meinen den Zeitraum, in dem der Sollzinssatz unveränderlich ist. Sollzinsbindung ist die Bezeichnung, die im Darlehensvertrag steht, Zinsbindung die umgangssprachliche Kurzform. Kann ich die Sollzinsbindung während der Laufzeit verlängern? Während der laufenden Bindung nicht. Rund 6 bis 12 Monate vor Ablauf bietet dir deine Bank eine Prolongation an — dort wählst du eine neue Bindung über 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Was kostet die Sonderkündigung nach § 489 BGB? Nichts. Die Kündigung zehn Jahre nach vollständigem Empfang ist gesetzlich verbrieft und kostenfrei, eine Vorfälligkeitsentschädigung fällt nicht an. Zu beachten ist nur die Sechs-Monats-Frist. Was ist der Unterschied zwischen Sollzinsbindung und Laufzeit? Die Sollzinsbindung ist meist kürzer als die Gesamtlaufzeit. Ein Beispiel: Bei 30 Jahren Volltilgungsdauer und 10 Jahren Bindung musst du nach Ablauf der Bindung zweimal anschlussfinanzieren. Hinweis: Diese Erklärung ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Die optimale Sollzinsbindung hängt von Bonität, Eigenkapital und Lebensplanung ab. Gesetzliche Regelungen sind Stand: Mai 2026.

Sondervermögen

Sondervermögen ist der Rechtsbegriff, der dein Fondsguthaben von der Bilanz der Fondsgesellschaft trennt. Hier liest du, was der Status im Insolvenzfall genau bewirkt, welche Produkte ihn nicht haben und warum er mit der Einlagensicherung nichts zu tun hat. Was du über Sondervermögen wissen musst 📘 Definition: Sondervermögen sind nach § 1 Abs. 10 KAGB inländische Investmentvermögen in Vertragsform, die eine Verwaltungsgesellschaft für Rechnung der Anleger verwaltet. ⚖️ Insolvenz der Fondsgesellschaft: Wird über ihr Vermögen das Insolvenzverfahren eröffnet, erlischt ihr Verwaltungsrecht, und das Sondervermögen gehört nicht zur Insolvenzmasse (§ 99 Abs. 3 KAGB). Es geht auf die Verwahrstelle über (§ 100 Abs. 1 KAGB). 🔍 Insolvenz der Verwahrstelle: Hier wirkt ein anderer Mechanismus. Der Schutz hängt daran, dass die Wertpapiere getrennt und eindeutig zugeordnet gebucht sind (§ 72 Abs. 1, § 73 Abs. 1 KAGB), nicht an einem gesetzlichen Masseausschluss. 🚫 Kein Sondervermögen: ETCs, ETNs und Zertifikate sind Schuldverschreibungen des Emittenten. Sie tragen ein Emittentenrisiko, das ein Fonds in dieser Form nicht hat. Der Begriff begegnet dir in fast jedem Text über Fonds und ETFs, meist in einem Halbsatz und meist ohne Einschränkung. Das führt regelmäßig zu zwei falschen Schlüssen: dass Sondervermögen vor Kursverlusten schütze, und dass es eine Art Einlagensicherung für Wertpapiere sei. Beides stimmt nicht. Was der Status tatsächlich leistet, lässt sich präzise benennen, und genau darum geht es hier. Sondervermögen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch Das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) definiert Sondervermögen als inländische Investmentvermögen in Vertragsform, die von einer Verwaltungsgesellschaft für Rechnung der Anleger nach Maßgabe des Gesetzes und der Anlagebedingungen verwaltet werden (§ 1 Abs. 10 KAGB). Entscheidend sind dabei zwei Merkmale: Der Fonds ist keine eigene juristische Person, und er wird treuhänderisch für dich verwaltet, nicht für die Gesellschaft. Die Vermögensgegenstände eines Sondervermögens stehen dabei je nach Anlagebedingungen entweder im Eigentum der Kapitalverwaltungsgesellschaft oder im Miteigentum der Anleger; in beiden Fällen ist das Sondervermögen vom eigenen Vermögen der Gesellschaft getrennt zu halten (§ 92 Abs. 1 KAGB). Ergänzt wird das durch ein Haftungsverbot: Das Sondervermögen haftet nicht für Verbindlichkeiten der Kapitalverwaltungsgesellschaft (§ 93 Abs. 2 KAGB). Die Gläubiger der Gesellschaft können sich also nicht daran bedienen, selbst wenn das Depot formal auf ihren Namen läuft. Das Depotgesetz gilt für dieses Verhältnis ausdrücklich nicht (§ 92 Abs. 4 KAGB). Wenn du irgendwo liest, deine Fondsanteile seien „Sondervermögen nach § 2 DepotG“, ist das eine Verwechslung zweier Regelwerke: § 2 DepotG regelt die Sonderverwahrung von Wertpapieren durch eine Bank, nicht das Fondsvermögen. Nicht gemeint: das Sondervermögen des Bundes Dasselbe Wort bezeichnet im Haushaltsrecht etwas völlig anderes: einen vom Bundeshaushalt abgesonderten Nebenhaushalt mit eigener Wirtschaftsführung, errichtet durch Gesetz für einen festgelegten Zweck. Die Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität oder für die Bundeswehr gehören in diese Kategorie. Der Gesetzgeber benutzt beide Bedeutungen sogar im selben Paragrafen nebeneinander: § 6 EinSiG nennt in Nummer 8 die Einlagen von Organismen für gemeinsame Anlagen und in Nummer 10 die Einlagen eines rechtlich unselbständigen Sondervermögens des Bundes oder eines Landes. Gemeinsam ist beiden Lesarten nur das Prinzip der abgesonderten Vermögensmasse. Rechtsfolgen, Zweck und Adressat haben nichts miteinander zu tun. Dieser Eintrag behandelt ausschließlich die fondsrechtliche Bedeutung. Insolvenz der Fondsgesellschaft: was dann passiert Wird über das Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgewiesen, erlischt ihr Recht, die Sondervermögen zu verwalten. Das Gesetz stellt im selben Absatz klar: Die Sondervermögen gehören nicht zur Insolvenzmasse der Kapitalverwaltungsgesellschaft (§ 99 Abs. 3 KAGB). Der Insolvenzverwalter bekommt also gar keinen Zugriff, den er erst abwehren müsste. Anschließend geht das Sondervermögen auf die Verwahrstelle über, entweder als Eigentum oder als Verwaltungs- und Verfügungsrecht, je nachdem wie die Anlagebedingungen die Eigentumsfrage geregelt haben (§ 100 Abs. 1 KAGB). Die Verwahrstelle wickelt es ab und verteilt es an die Anleger (§ 100 Abs. 2 KAGB). Mit Genehmigung der BaFin kann sie von der Abwicklung absehen und die Verwaltung stattdessen einer anderen Kapitalverwaltungsgesellschaft übertragen (§ 100 Abs. 3 KAGB). In beiden Fällen bekommst du den Gegenwert deiner Anteile, aber nicht unbedingt sofort und nicht zum Kurs des Vortags. Insolvenz der Verwahrstelle: ein anderer Mechanismus Hier greift nicht derselbe Schutz noch einmal, sondern ein zweiter, anders gebauter. Für die Verwahrstelle ordnet das Gesetz keinen Masseausschluss an. Stattdessen schreibt es vor, dass sie die Finanzinstrumente auf gesonderten Konten registriert, die im Namen des Fonds eröffnet wurden, sodass sie jederzeit eindeutig als zum Fonds gehörend identifizierbar sind (§ 72 Abs. 1 Nr. 1 KAGB). Lagert sie die Verwahrung an einen Unterverwahrer aus, muss dieser die Kundenbestände ebenfalls trennen und alle notwendigen Schritte unternehmen, damit die verwahrten Gegenstände im Fall seiner Insolvenz nicht an seine Gläubiger ausgeschüttet oder zu deren Gunsten verwendet werden können (§ 73 Abs. 1 Nr. 4 KAGB). Der Unterschied ist praktisch bedeutsam. Bei der Fondsgesellschaft wirkt der Schutz kraft Gesetzes, unabhängig davon, wie ordentlich gebucht wurde. Bei der Verwahrstelle beruht er auf der korrekten Trennung und Zuordnung. Ist die verletzt worden, verwandelt sich die Frage in einen Haftungsfall: Die Verwahrstelle haftet für das Abhandenkommen verwahrter Finanzinstrumente, und eine Vereinbarung, die diese Haftung aufheben oder begrenzen soll, ist nichtig (§ 77 Abs. 1 und 4 KAGB). Ein Haftungsanspruch ist aber etwas anderes als ein Vermögensgegenstand, der nie zur Masse gehörte. Welche Produkte Sondervermögen sind und welche nicht Der Status hängt an der Rechtsform, nicht daran, wie ein Produkt gehandelt wird oder wie sein Name klingt. Ob ein Fonds aktiv gemanagt wird oder einen Index nachbildet, ändert nichts: Ein deutscher Aktienfonds, ein Geldmarktfonds und ein Geldmarkt-ETF in Vertragsform stehen insoweit gleich. Produkt Rechtliche Einordnung Sondervermögen nach KAGB Inländischer Publikumsfonds in Vertragsform Investmentvermögen, § 1 Abs. 10 KAGB Ja Inländischer ETF in Vertragsform Investmentvermögen, § 1 Abs. 10 KAGB Ja Investmentaktiengesellschaft, Investmentkommanditgesellschaft Investmentgesellschaft, § 1 Abs. 11 KAGB Nein, eigene Rechtspersönlichkeit ETF mit Sitz in Irland oder Luxemburg OGAW nach Recht des Sitzstaats, Vertrags- oder Satzungsform möglich (Art. 1 Abs. 3 RL 2009/65/EG) Nein, KAGB gilt nicht; Schutz nach dem Recht des Sitzstaats ETC, ETN, Zertifikat Schuldverschreibung des Emittenten Nein, Emittentenrisiko Individuelle Vermögensverwaltung Finanzportfolioverwaltung, § 92 Abs. 5 KAGB Nein, ausdrücklich ausgenommen Einordnung nach KAGB in der Fassung vom 9. April 2026 und Richtlinie 2009/65/EG (konsolidierte Fassung vom 9. Januar 2024). Stand: 16. September 2026. Der vierte Fall verdient einen Blick, weil er die meisten Depots betrifft. Viele in Deutschland gehandelte ETFs sind in Irland oder Luxemburg aufgelegt. Die OGAW-Richtlinie lässt dort drei Konstruktionen zu: Vertragsform, Trust und Satzungsform. Ein ETF in Satzungsform ist damit schon begrifflich kein Sondervermögen, weil er eine eigene Rechtspersönlichkeit hat. Geschützt ist er trotzdem, nur eben über die Vorschriften seines Sitzstaats zu Trennung und Verwahrung. Wer in der Werbung liest, „ETFs sind Sondervermögen“, bekommt also eine Abkürzung serviert, die für einen irischen ETF rechtlich nicht zutrifft. Praktisch führt beides zum selben Ergebnis, sauber formuliert ist es nicht. ETCs und ETNs stehen dagegen wirklich anders da. Sie sind Schuldverschreibungen, das investierte Kapital zählt bei einer Insolvenz des Emittenten zur Insolvenzmasse. Viele sind besichert, etwa durch hinterlegte Rohstoffe oder treuhänderisch verwahrte Sicherheiten, aber die Besicherung ist eine vertragliche Zusage und kein gesetzlicher Status. Prüfe sie im Basisinformationsblatt, bevor du kaufst. Sondervermögen ist keine Einlagensicherung Die beiden Begriffe werden ständig vermischt, obwohl sie gegensätzlich funktionieren. Die gesetzliche Einlagensicherung ersetzt dir eine Forderung, die ausgefallen ist, begrenzt auf 100.000 Euro je Einleger und Institut (§ 8 Abs. 1 EinSiG). Das Sondervermögen dagegen entschädigt nichts, sondern sorgt dafür, dass dein Anteil gar nicht erst in fremde Haftungsmasse gerät. Es gibt deshalb auch keine Obergrenze und keinen Entschädigungsfall. Guthaben auf deinem Verrechnungskonto ist eine Bankeinlage und fällt unter die Einlagensicherung, so wie beim Tagesgeld-Vergleich. Deine Fondsanteile sind keine Einlage und brauchen sie nicht. Was du im Depot hältst und was daneben als Cash liegt, folgt also zwei verschiedenen Regelwerken. Wie beides bei Brokern zusammenspielt, zeigt der Ratgeber zur Sicherheit beim Broker. Eine Feinheit dreht die Erwartung sogar um: Das Bankguthaben, das ein Fonds selbst bei seiner Verwahrstelle auf Sperrkonten hält (§ 72 Abs. 2 KAGB), ist nicht durch die Einlagensicherung gedeckt. § 6 Nr. 8 EinSiG nimmt Einlagen von Organismen für gemeinsame Anlagen ausdrücklich von der Entschädigung aus. Für die Liquiditätsquote eines Fonds gilt der 100.000-Euro-Schutz also gerade nicht. Wann der Schutz greift und wann nicht Bei Insolvenz der Kapitalverwaltungsgesellschaft: Das Sondervermögen bleibt außen vor, unabhängig von seiner Größe. Bei Insolvenz der Verwahrstelle oder eines Unterverwahrers: Korrekt getrennte und zugeordnete Bestände bleiben deinem Fonds zugewiesen. Gegenüber Gläubigern der Fondsgesellschaft: Das Sondervermögen haftet nicht für ihre Verbindlichkeiten. Gegen Kursverluste: gar nicht. Fällt der Index, fällt dein Anteilswert. Der Status sagt nichts über den Wert aus, nur über die Zuordnung. Bei ETCs, ETNs und Zertifikaten: Sie sind kein Sondervermögen, das Emittentenrisiko bleibt. Edge Case: Das Bankguthaben des Fonds bei seiner Verwahrstelle ist weder Sondervermögen im engeren Sinn noch von der Einlagensicherung gedeckt (§ 6 Nr. 8 EinSiG). Bei einem Ausfall der Verwahrstelle ist das eine Forderung wie andere auch. Unsere Einschätzung: Sondervermögen ist ein präziser, aber schmaler Schutz. Er betrifft die Frage, wem dein Anteil gehört, wenn eine beteiligte Gesellschaft ausfällt, und diese Frage beantwortet er verlässlich. Er betrifft nicht die Frage, was dein Anteil morgen wert ist, und diese Antwort hängt allein am Markt. Wer die beiden verwechselt, kauft aus dem falschen Grund. Praktisch relevant ist der Begriff vor allem als Abgrenzung: Bevor du ein börsengehandeltes Produkt kaufst, sieh im Basisinformationsblatt nach, ob es ein Fonds oder eine Schuldverschreibung ist. Welche Anbieter welche Produkte führen, findest du im Depot-Vergleich; wie die Erträge besteuert werden, erklärt der Ratgeber zu Depot und Steuern, die Sätze für Fonds die Teilfreistellung. Häufige Fragen zum Sondervermögen Ist mein Geld im Fonds bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft verloren? Nein. Die Sondervermögen gehören nicht zur Insolvenzmasse der Kapitalverwaltungsgesellschaft (§ 99 Abs. 3 KAGB). Das Sondervermögen geht auf die Verwahrstelle über, die es abwickelt und an die Anleger verteilt oder mit Genehmigung der BaFin auf eine andere Gesellschaft überträgt (§ 100 KAGB). Dein Anteilswert schwankt in dieser Zeit weiter mit dem Markt. Schützt Sondervermögen vor Kursverlusten? Nein. Der Status regelt ausschließlich die Zuordnung des Vermögens bei Ausfall einer beteiligten Gesellschaft. Das Marktrisiko trägst du in voller Höhe, bei einem Aktienfonds ebenso wie bei einem Rentenfonds. Verluste bis hin zum Totalverlust sind bei Wertpapieranlagen möglich. Gilt der Schutz für ETFs genauso wie für aktive Fonds? Für inländische Fonds ja, die Anlagestrategie spielt für die Rechtsform keine Rolle. Viele in Deutschland gehandelte ETFs sind allerdings in Irland oder Luxemburg aufgelegt und dort teils in Satzungsform konstituiert (Art. 1 Abs. 3 RL 2009/65/EG). Sie sind dann kein Sondervermögen nach dem KAGB, sondern nach dem Recht ihres Sitzstaats geschützt. Sind ETCs und ETNs auch Sondervermögen? Nein. Beide sind Schuldverschreibungen des Emittenten. Bei dessen Insolvenz zählt das investierte Kapital zur Insolvenzmasse. Viele Produkte sind besichert, etwa physisch hinterlegt oder treuhänderisch verwahrt; das ist eine vertragliche Konstruktion und ersetzt den gesetzlichen Status nicht. Die Einzelheiten stehen im Basisinformationsblatt. Was ist der Unterschied zum Sondervermögen des Bundes? Es handelt sich um denselben Ausdruck für zwei verschiedene Sachen. Im Haushaltsrecht ist ein Sondervermögen ein per Gesetz errichteter Nebenhaushalt mit eigener Wirtschaftsführung und festgelegtem Zweck, etwa für Infrastruktur oder die Bundeswehr. Mit deiner Geldanlage hat diese Bedeutung nichts zu tun. Brauche ich zusätzlich eine Einlagensicherung für meine Fondsanteile? Nein, die beiden Systeme schließen einander aus. Fondsanteile sind keine Einlage, deshalb greift die Deckungssumme von 100.000 Euro (§ 8 Abs. 1 EinSiG) dort nicht und wird auch nicht gebraucht. Für das nicht investierte Guthaben auf deinem Verrechnungskonto gilt sie dagegen sehr wohl. Rechtsstand: Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) in der Fassung vom 9. April 2026, Einlagensicherungsgesetz (EinSiG), Insolvenzordnung (InsO) und Depotgesetz (DepotG), abgerufen über gesetze-im-internet.de; Richtlinie 2009/65/EG in der konsolidierten Fassung vom 9. Januar 2024. Geprüft am 16. September 2026. Dieser Text erklärt Rechtsbegriffe und ist keine Anlage- oder Rechtsberatung.

Sparerpauschbetrag

Der Sparerpauschbetrag hält 1.000 EUR Kapitalerträge im Jahr steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 EUR. Hier erfährst du, was er rechtlich ist, wie er sich vom Freistellungsauftrag unterscheidet und was passiert, wenn du ihn überschreitest. Was du über den Sparerpauschbetrag wissen musst 💰 Höhe: Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr; zusammen veranlagte Ehe- und Lebenspartner haben gemeinsam 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, seit 2023) ⚖️ Pauschale statt Kostenabzug: Der Sparerpauschbetrag ersetzt deine tatsächlichen Werbungskosten wie Depotgebühren; höhere Kosten kannst du nicht zusätzlich absetzen 🏦 Freistellungsauftrag: Eine Bank in Deutschland berücksichtigt den Sparerpauschbetrag beim Steuerabzug nur, wenn du ihr einen Freistellungsauftrag erteilt hast; liegt weder Auftrag noch Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, zieht sie ab dem ersten Euro Steuer ab ⚠️ Überschritten oder ungenutzt: Auf Kapitalerträge über dem Sparerpauschbetrag behält eine Bank in Deutschland 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein; hat die Bank Steuer abgezogen, obwohl dein Pauschbetrag nicht ausgeschöpft war, holst du sie über die Anlage KAP zurück Was ist der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag, im Gesetz Sparer-Pauschbetrag, ist ein fester Betrag, den das Finanzamt von deinen Einkünften aus Kapitalvermögen abzieht. Rechtsgrundlage ist § 20 Abs. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Bis zu dieser Höhe bleiben deine Kapitalerträge im Kalenderjahr steuerfrei. Kapitalerträge im Sinne von § 20 EStG sind unter anderem Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto, Dividenden, Ausschüttungen von Fonds und ETFs sowie Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen oder Fondsanteilen. Umgangssprachlich heißt er auch Sparerfreibetrag oder Freibetrag auf Kapitaleinkünfte. Einen Überblick über alle Steuern auf Wertpapiere gibt der Ratgeber Steuern im Depot. Freibetrag oder Pauschbetrag? Was das Gesetz regelt Rechtlich ist der Sparerpauschbetrag kein Freibetrag, sondern ein Pauschbetrag für Werbungskosten. § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG zieht 1.000 EUR als Werbungskosten ab und schließt den Abzug der tatsächlichen Werbungskosten aus. Das Bundesfinanzministerium beschreibt ihn als pauschalen Ausgleich für genau diesen Ausschluss. Für dich folgen daraus zwei Regeln: Tatsächliche Kosten zählen nicht: Depotgebühren, Finanzierungskosten oder Beratungshonorare für deine Geldanlage kannst du nicht absetzen, auch wenn sie im Jahr mehr als 1.000 EUR ausmachen. Kein Verlust durch den Pauschbetrag: Er darf nicht höher sein als deine Kapitalerträge (§ 20 Abs. 9 Satz 4 EStG). Bei 400 EUR Zinsen werden 400 EUR abgezogen, nicht 1.000 EUR, und der Rest mindert keine anderen Einkünfte. Auch die Reihenfolge ist festgelegt: Zuerst verrechnet das Finanzamt Gewinne und Verluste aus Kapitalvermögen, erst danach zieht es den Pauschbetrag ab. Laut Bundesfinanzministerium ist er nur zu berücksichtigen, wenn nach dieser Verrechnung positive Einkünfte übrig bleiben (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 119b). Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag aktuell? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, erhalten einen gemeinsamen Betrag von 2.000 EUR (§ 20 Abs. 9 Satz 2 EStG in Verbindung mit § 2 Abs. 8 EStG). Beide Werte gelten seit dem Veranlagungszeitraum 2023; das Jahressteuergesetz 2022 hat sie von 801 EUR und 1.602 EUR angehoben. Veranlagung Sparerpauschbetrag seit 2023 Sparerpauschbetrag bis 2022 Einzelveranlagung 1.000 EUR pro Jahr 801 EUR pro Jahr Zusammenveranlagung von Ehe- oder Lebenspartnern 2.000 EUR pro Jahr, gemeinsam 1.602 EUR pro Jahr, gemeinsam Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 EStG (gesetze-im-internet.de), Finanzverwaltung NRW, Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zu den Steueränderungen 2023. Der Sparerpauschbetrag gilt je Kalenderjahr, weil die Einkommensteuer eine Jahressteuer ist (§ 2 Abs. 7 EStG). Was du in einem Jahr nicht ausschöpfst, kannst du nicht ins Folgejahr mitnehmen. So teilen Ehepaare den gemeinsamen Betrag Bei Ehe- und Lebenspartnern mit Zusammenveranlagung wird der gemeinsame Betrag bei jedem Partner zur Hälfte abgezogen. Hat ein Partner weniger als 1.000 EUR Kapitalerträge, geht der ungenutzte Teil seiner Hälfte auf den anderen über (§ 20 Abs. 9 Satz 3 EStG). Ein Beispiel: Du hast im Jahr 1.600 EUR Kapitalerträge, dein Ehepartner 200 EUR. Dein Partner nutzt 200 EUR seiner Hälfte, die übrigen 800 EUR gehen auf dich über. Dir stehen damit 1.800 EUR zu, deine 1.600 EUR bleiben vollständig steuerfrei. Habt ihr bei euren Banken jeweils eigene Freistellungsaufträge erteilt, greift dieser Ausgleich erst mit der Steuererklärung (BMF-Schreiben vom 14.05.2025, Rn. 261). Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag: der Unterschied Der Sparerpauschbetrag ist dein Anspruch aus dem Gesetz. Der Freistellungsauftrag ist das Instrument, mit dem du ihn schon beim Steuerabzug durch deine Bank oder deinen Broker nutzt (§ 44a EStG). Liegt weder ein Freistellungsauftrag noch eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor, behält eine Bank in Deutschland Steuer ab dem ersten Euro Kapitalertrag ein. Dein Anspruch bleibt trotzdem bestehen, du machst ihn dann über die Steuererklärung geltend. Merkmal Sparerpauschbetrag Freistellungsauftrag Was es ist Pauschbetrag im Einkommensteuergesetz Auftrag an deine Bank oder deinen Broker Rechtsgrundlage § 20 Abs. 9 EStG § 44a EStG Wo er wirkt bei der Ermittlung deiner Kapitaleinkünfte für das Jahr direkt beim Steuerabzug durch die Bank Höhe 1.000 EUR, gemeinsam 2.000 EUR frei wählbar; alle Aufträge zusammen höchstens so hoch wie dein Sparerpauschbetrag Antrag nötig? nein, der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben ja, nach amtlichem Muster und mit deiner steuerlichen Identifikationsnummer Stand: 10.09.2026. Quellen: § 20 Abs. 9 und § 44a EStG, Finanzverwaltung NRW, BMF-Schreiben vom 14.05.2025 (Rn. 257, 259a und amtliches Muster). Verteilst du Freistellungsaufträge auf mehrere Banken, darf ihre Summe den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen. Liegt dein gesamtes Einkommen unter dem Grundfreibetrag, kann dir das Finanzamt stattdessen eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung ausstellen, gültig für höchstens drei Jahre (§ 44a Abs. 2 EStG). Mit ihr zahlt die Bank Kapitalerträge ohne Steuerabzug aus, auch oberhalb des Pauschbetrags. Wie das bei Konten und Depots auf den Namen von Kindern funktioniert, erklärt der Ratgeber zur NV-Bescheinigung im Kinderdepot. Was passiert, wenn du den Sparerpauschbetrag überschreitest? Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags sind steuerpflichtig. Eine Bank in Deutschland behält auf den übersteigenden Teil 25 % Abgeltungsteuer ein, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Mit diesem Abzug ist die Steuer in der Regel abgegolten, eine Angabe in der Steuererklärung ist dann nicht nötig. Ein Beispiel: Du bist ledig, bekommst im Jahr 1.300 EUR Zinsen und hast deiner Bank einen Freistellungsauftrag über 1.000 EUR erteilt. Steuerpflichtig sind 300 EUR; nur auf diesen Teil berechnet die Bank Abgeltungsteuer. Wie das bei Zinsen im Detail aussieht, zeigen die Ratgeber zur Steuer auf Tagesgeld-Zinsen und zu Festgeld und Steuern. Nicht ausgeschöpft: zu viel gezahlte Steuer zurückholen Die Bank kann auch zu viel Steuer abziehen, etwa wenn du keinen Freistellungsauftrag erteilt hast oder deine Aufträge ungünstig auf mehrere Banken verteilt sind. Den nicht genutzten Teil des Pauschbetrags machst du dann mit der Anlage KAP in der Einkommensteuererklärung geltend (§ 32d Abs. 4 EStG). Das Finanzamt erstattet dir die zu viel einbehaltene Steuer. Konto oder Depot im Ausland Ausländische Banken und Broker können nicht zum deutschen Steuerabzug verpflichtet werden und zahlen Kapitalerträge in der Regel ohne Abgeltungsteuer aus. Ohne Steuerabzug greift auch kein Freistellungsauftrag. Du gibst die Erträge in der Anlage KAP an (§ 32d Abs. 3 EStG), und das Finanzamt zieht dort deinen Pauschbetrag ab, soweit du ihn nicht schon über Freistellungsaufträge bei deutschen Banken verbraucht hast. Wie du dabei vorgehst, zeigt der Ratgeber zur Steuererklärung bei ausländischen Brokern. Vorabpauschale und Günstigerprüfung Auch ohne Verkauf verbrauchen Fondsanlagen Sparerpauschbetrag: Die Vorabpauschale, die vor allem bei thesaurierenden Fonds und ETFs anfällt, zählt zu den Kapitalerträgen (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 Investmentsteuergesetz). Liegt ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe vor, verrechnet die Bank sie damit. Ist dein persönlicher Einkommensteuersatz niedrig, kann sich die Günstigerprüfung lohnen (§ 32d Abs. 6 EStG). Auf deinen Antrag in der Steuererklärung vergleicht das Finanzamt die Abgeltungsteuer mit deinem persönlichen Steuersatz und wendet die für dich günstigere Variante an. Wann der Sparerpauschbetrag greift und wann nicht Hier greift er Zinsen von Tagesgeld, Festgeld und Girokonto Dividenden sowie Ausschüttungen von Fonds und ETFs Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds Hier greift er nicht Als Ersatz für höhere tatsächliche Kosten: Depotgebühren über 1.000 EUR bleiben unberücksichtigt Zum Erzeugen eines Verlusts: Er ist auf die Höhe deiner Kapitalerträge gedeckelt Vor der Verlustverrechnung: Er wirkt erst auf das, was nach dem Ausgleich von Gewinnen und Verlusten übrig bleibt Als Übertrag: Ein ungenutzter Rest verfällt mit dem Kalenderjahr Ein Grenzfall zeigt, wie diese Regeln zusammenwirken: Du bekommst im Jahr 1.200 EUR Zinsen und verkaufst eine Anleihe mit 1.200 EUR Verlust. Nach der Verlustverrechnung bleiben 0 EUR Kapitaleinkünfte. Der Pauschbetrag wirkt in diesem Jahr gar nicht, und die 1.000 EUR lassen sich weder ins nächste Jahr übertragen noch mit anderen Einkünften verrechnen. Deine Freistellungsaufträge sollten zusammen genau deinem Sparerpauschbetrag entsprechen und dort liegen, wo deine Erträge anfallen. Prüfe die Verteilung einmal im Jahr anhand der Steuerbescheinigungen deiner Banken. Häufige Fragen zum Sparerpauschbetrag Was ist der Unterschied zwischen Freistellungsauftrag und Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag ist der gesetzliche Betrag von 1.000 EUR pro Person und Jahr (2.000 EUR bei Zusammenveranlagung), der von deinen Kapitalerträgen abgezogen wird (§ 20 Abs. 9 EStG). Der Freistellungsauftrag ist dein Auftrag an die Bank, diesen Betrag schon beim Steuerabzug zu berücksichtigen (§ 44a EStG). Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Steuer ab, den Pauschbetrag bekommst du dann über die Steuererklärung. Was passiert, wenn ich den Sparerpauschbetrag überschreite? Auf den Teil deiner Kapitalerträge, der über dem Sparerpauschbetrag liegt, fallen grundsätzlich 25 % Abgeltungsteuer an, dazu Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d Abs. 1 EStG). Eine Bank in Deutschland behält die Steuer automatisch ein. Bei 1.300 EUR Zinsen und 1.000 EUR Pauschbetrag sind als Einzelperson 300 EUR steuerpflichtig. Wie viel Geld darf ich steuerfrei sparen? Für die Höhe deines Guthabens gibt es keine Grenze. Der Sparerpauschbetrag begrenzt die Erträge: Bis 1.000 EUR Zinsen, Dividenden und Kursgewinne im Jahr bleiben steuerfrei, bei Zusammenveranlagung bis 2.000 EUR. Welchem Guthaben das entspricht, hängt vom Zins ab. Bringen je 5.000 EUR Guthaben 100 EUR Zinsen im Jahr, bleiben bei einer Einzelperson die Zinsen auf bis zu 50.000 EUR steuerfrei. Aktuelle Zinsen zeigt der Tagesgeld-Vergleich. Wie hoch ist aktuell der Sparerpauschbetrag? Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 EUR pro Person und Kalenderjahr. Ehe- und Lebenspartner, die zusammen veranlagt werden, haben gemeinsam 2.000 EUR. Diese Werte gelten seit 2023; bis Ende 2022 waren es 801 EUR und 1.602 EUR (§ 20 Abs. 9 EStG, Stand 10.09.2026). Muss ich den Sparerpauschbetrag beantragen? Nein. Der Abzug ist gesetzlich vorgeschrieben (§ 20 Abs. 9 EStG), einen Antrag beim Finanzamt gibt es dafür nicht. Damit deine Bank ihn schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du aber einen Freistellungsauftrag. Ohne ihn holst du zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP zurück. Fazit Der Sparerpauschbetrag ist eine feste Rechengröße: 1.000 EUR pro Person und Jahr, 2.000 EUR bei Zusammenveranlagung, gedeckelt auf deine tatsächlichen Kapitalerträge. Im Alltag entscheidet der Freistellungsauftrag, ob du ihn sofort nutzt oder erst mit der Steuererklärung. Unsere Empfehlung: Verteile deine Freistellungsaufträge nach den Erträgen, die du bei jeder Bank erwartest, und gleiche Abweichungen über die Anlage KAP aus. Ob deine Erträge aus Festgeld stammen oder aus deinem Depot, für beide gilt derselbe Pauschbetrag. Datenstand: 10.09.2026 | Quellen: Einkommensteuergesetz (§ 2 Abs. 7 und 8, § 20 Abs. 9, § 32d, § 44a EStG), Investmentsteuergesetz (§ 16 InvStG), Finanzverwaltung NRW, Bundesministerium der Finanzen (Monatsbericht zu den Steueränderungen 2023, BMF-Schreiben „Einzelfragen zur Abgeltungsteuer“ vom 14.05.2025). Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs eines Wertpapiers. So entsteht er, wer daran verdient und wie du ihn klein hältst. Das musst du über den Spread wissen 💶 Zwei Kurse, eine Lücke: Du kaufst zum Briefkurs und verkaufst zum niedrigeren Geldkurs. Die Differenz ist der Spread. Er steckt im Ausführungskurs und steht nicht als eigene Gebühr auf deiner Abrechnung. 🏦 Wer daran verdient: Market Maker, Handelspartner im Direkthandel und bei Zertifikaten meist der Emittent, weil sie zu selbst gestellten Preisen kaufen und verkaufen. Im Orderbuch einer Börse entsteht der Spread dagegen aus den Aufträgen der Handelsteilnehmer. 📊 Was ihn bestimmt: Viel Handel im Wertpapier und geöffnete Heimatbörsen machen den Spread eng. Wenig Umsatz, Randzeiten und starke Kursschwankungen machen ihn weit. ⚠️ Kosten zusammen sehen: Der Spread kommt zur Ordergebühr hinzu. Führt dein Broker Aufträge für dich als Privatkunde aus, muss er das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt aus Kurs und Kosten ausrichten. Was ist der Spread? Der Spread ist die Differenz zwischen dem besten Kaufkurs und dem besten Verkaufskurs eines Wertpapiers zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Deutsche Börse nennt ihn auch Geld-Brief-Spanne, im Englischen heißt er Bid-Ask-Spread. Das englische Wort spread bedeutet Spanne. In der Ordermaske siehst du deshalb zwei Kurse: Briefkurs (Ask): der niedrigste Preis, zu dem jemand verkaufen will. Zu diesem Kurs kaufst du. Geldkurs (Bid): der höchste Preis, den jemand zahlen will. Zu diesem Kurs verkaufst du. Der Briefkurs liegt über dem Geldkurs. Kaufst du ein Wertpapier und verkaufst es sofort wieder, bekommst du deshalb weniger zurück, als du bezahlt hast, auch wenn sich der Kurs nicht bewegt hat. So berechnest du den Spread Ein Modellbeispiel: Eine Aktie hat einen Briefkurs von 50,10 Euro und einen Geldkurs von 50,00 Euro. Der absolute Spread beträgt 0,10 Euro. Die Deutsche Börse rechnet den prozentualen Spread als (Briefkurs geteilt durch Geldkurs minus 1) mal 100, hier also 0,2 Prozent. Kaufst du 100 Stück, zahlst du 5.010 Euro. Verkaufst du sie im selben Moment wieder, erhältst du 5.000 Euro. Die 10 Euro Differenz sind der Spread, noch bevor eine Ordergebühr anfällt. Außerhalb des Wertpapierhandels steht Spread auch für einen Zinsaufschlag. Bei Krediten ist das der Aufschlag auf einen Referenzzins, der mit sinkender Bonität des Schuldners steigt. Bei Anleihen meint Spread die Renditedifferenz zu einem risikolosen Vergleichszins gleicher Laufzeit. Dieser Eintrag erklärt den Spread beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Wer verdient am Spread? Wer am Spread verdient, hängt davon ab, wie der Kurs entsteht. Im Orderbuch der Börse Auf einer Börse mit offenem Orderbuch wie Xetra stehen Kauf- und Verkaufsaufträge vieler Handelsteilnehmer mit Preisgrenzen, sogenannten Limits. Der Spread ist der Abstand zwischen dem höchsten Kauflimit und dem niedrigsten Verkaufslimit. Niemand kassiert ihn als Gebühr. Er ist der Preis dafür, dass dein Auftrag sofort ausgeführt wird, statt auf einen passenden Gegenauftrag zu warten. Beim Market Maker Ein Market Maker ist eine Bank oder ein Wertpapierhandelshaus, das laufend Kauf- und Verkaufspreise für ein Wertpapier stellt und dabei auf eigene Rechnung mit eigenem Kapital handelt. So definiert das Wertpapierhandelsgesetz das Market-Making. Der Market Maker kauft zum Geldkurs und verkauft zum Briefkurs. Der Spread ist sein Ertrag und zugleich der Ausgleich für das Risiko, Wertpapiere auf dem eigenen Buch zu halten. Auf Xetra verpflichten sich sogenannte Designated Sponsors, dabei einen maximalen Spread und eine Mindeststückzahl einzuhalten. Jeder ETF auf Xetra wird von mindestens einem Designated Sponsor betreut. Beim Emittenten von Zertifikaten Bei Anlagezertifikaten und Hebelprodukten wie Optionsscheinen stellt in der Regel der Emittent selbst die Kurse, direkt oder als Market Maker an einer Börse. Laut BaFin legt er den Preis nach eigenem Ermessen fest und kann Margen, Vertriebs- und Absicherungskosten einpreisen. Zu einer fortlaufenden Kursstellung ist er nicht verpflichtet. Was das PFOF-Verbot geändert hat Broker in Deutschland durften bis Ende Juni 2026 Geld dafür annehmen, dass sie Aufträge ihrer Kunden an einen bestimmten Handelsplatz oder Market Maker weiterleiten. Diese Rückvergütung heißt Payment for Order Flow (PFOF). Eine EU-Verordnung verbietet sie, Deutschland hatte eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 genutzt. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot laut BaFin auch hier. Manche Broker wickeln Aufträge seitdem im Eigenhandel ab: Sie übernehmen dein Wertpapier selbst oder treten selbst als Market Maker auf. Dann kann der Spread zur Einnahmequelle deines Brokers werden. Schau deshalb bei jeder Order auf den Kurs, nicht nur auf die Ordergebühr. Börse oder Direkthandel: was sich beim Spread unterscheidet Beim Kauf wählst du in der Ordermaske einen Handelsplatz, an der Börse oder im Direkthandel. An der Börse siehst du bei Handelsplätzen mit offenem Orderbuch, welche Aufträge zu welchen Kursen anstehen. Die Handelsüberwachungsstelle der Börse kontrolliert den Handel. Im Direkthandel, auch außerbörslicher Handel genannt, handelst du mit einem Handelspartner, der dir einen Kurs nennt und selbst dein Gegenüber ist. Meist ist das ein Market Maker, der an der Spanne zwischen seinen Kursen verdient. Ein offenes Orderbuch gibt es nicht. Der Handelspartner orientiert sich an den Kursen der Börsen und bietet oft längere Handelszeiten an. Sind die Börsen geschlossen, fehlt dir aber der Vergleichskurs, und der Spread kann deutlich weiter ausfallen. Lassen die Ausführungsgrundsätze deines Brokers Aufträge außerhalb von Handelsplätzen zu, muss er dich gesondert darauf hinweisen und deine ausdrückliche Einwilligung einholen, generell oder für jedes Geschäft (§ 82 Abs. 5 WpHG). Welche Ausführungsplätze dein Broker nutzt, steht ebenfalls in diesen Ausführungsgrundsätzen. Wovon hängt die Höhe des Spreads ab? Liquidität: Je mehr in einem Wertpapier gehandelt wird, desto enger ist in der Regel der Spread. Die Deutsche Börse wertet enge Spannen als Zeichen hoher Marktliquidität und niedriger Transaktionskosten. Aktien großer Unternehmen haben deshalb meist engere Spreads als Nebenwerte. Handelszeit: Laut Deutscher Börse fallen die Spreads bei ETFs zu Beginn des Handels in der Regel höher aus. Bei ausländischen Wertpapieren zählt die Heimatbörse: Ist sie geschlossen, fehlt dem Market Maker ein aktueller Preis, und er rechnet einen höheren Risikoaufschlag ein. Kursschwankungen: In hektischen Marktphasen steigt das Risiko für jeden, der Kurse stellt. Auf Xetra gilt für Designated Sponsors in solchen Stressphasen ein doppelt so weiter maximaler Spread. Bei außergewöhnlichen Umständen sind regulierte Market Maker auf Xetra ganz von ihrer Pflicht entbunden, Kurse zu stellen. ETFs: Beim ETF zählt weniger, wie oft der ETF selbst gehandelt wird, sondern wie gut sich die enthaltenen Wertpapiere handeln lassen. Ein ETF mit US-Aktien hat deshalb meist engere Spreads, während die US-Börsen geöffnet sind. Spread und Ordergebühr: die Kosten zusammen sehen Die Ordergebühr siehst du auf der Abrechnung, den Spread nicht. Er steckt im Ausführungskurs; die Deutsche Börse spricht von impliziten Handelskosten, die nicht direkt ausgewiesen werden. Kaufst und verkaufst du die 100 Aktien aus dem Beispiel oben, kostet dich der Spread 10 Euro, dazu kommen zwei Ordergebühren. Liegen beide Ordergebühren zusammen unter 10 Euro, ist in diesem Beispiel der Spread der größere Kostenposten. Diese Gesamtsicht schreibt auch das Gesetz vor: Führt ein Broker Aufträge von Privatkunden aus, muss sich das bestmögliche Ergebnis am Gesamtentgelt orientieren, also am Preis des Wertpapiers plus allen Kosten der Ausführung (§ 82 Abs. 3 WpHG). Ein Handelsplatz ohne Ordergebühr ist deshalb nicht automatisch günstiger, wenn dort der Kurs schlechter ist. Was Orders und Depots sonst kosten, zeigt der Überblick zu Ordergebühren und Depotkosten. Setz beim Kauf ein Limit, statt „billigst" zu ordern. Mit einer Limit-Order legst du fest, wie viel du höchstens zahlst. Bei einem weiten Spread schützt dich das davor, zu einem unerwartet hohen Kurs zu kaufen. Ob der Spread für dich ins Gewicht fällt, hängt vor allem davon ab, wie oft und was du handelst. Der Spread wiegt leicht wenn du ein viel gehandeltes Wertpapier kaufst und jahrelang hältst wenn du handelst, während die Heimatbörse des Wertpapiers geöffnet ist wenn du an einem Handelsplatz mit viel Umsatz handelst Der Spread wiegt schwer wenn du oft kaufst und verkaufst, denn er fällt bei jedem Geschäft an bei Nebenwerten und Zertifikaten mit wenig Umsatz wenn du in Randzeiten handelst und kein Vergleichskurs da ist Ein Sonderfall ist der Kauf von Fondsanteilen direkt über die Fondsgesellschaft. Dort gibt es keinen fortlaufenden Börsenkurs mit Spread, sondern einmal täglich einen festgesetzten Ausgabe- und Rücknahmepreis. Kosten entstehen dann etwa über einen möglichen Ausgabeaufschlag, den der Fonds in seinen Unterlagen ausweist. Spread bei CFDs Bei CFDs, also Differenzkontrakten, fällt der Spread bei jedem Kauf und Verkauf an. CFDs werden laut BaFin außerbörslich angeboten, der Anbieter stellt die Kurse selbst. Sein Spread kann einen Aufschlag auf die Marktpreise enthalten, die er von einem Liquiditätsgeber bezieht. Welche Kosten beim CFD-Handel sonst anfallen, zeigen die CFD-Gebühren im Überblick. CFDs sind komplexe Instrumente und beinhalten wegen der Hebelwirkung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren. Anbieter müssen in ihrer Risikowarnung angeben, wie viel Prozent ihrer Kleinanlegerkonten beim CFD-Handel Geld verlieren. Fazit: der Preis für den sofortigen Handel Unsere Einschätzung: Der Spread ist der Preis dafür, dass du jederzeit kaufen und verkaufen kannst. Teuer wird er, wenn du ihn übersiehst: bei häufigem Handeln, bei wenig gehandelten Wertpapieren und in Randzeiten. Mein Tipp: Vergleiche vor jeder Order Geld- und Briefkurs an zwei Handelsplätzen, handle, wenn die Heimatbörse geöffnet ist, und setz ein Limit. Welches Depot zu deinem Handelsverhalten passt, zeigt der Depot-Vergleich. Häufige Fragen zum Spread Wie hoch ist ein guter Spread? Einen festen Grenzwert gibt es nicht, weil der Spread vom Wertpapier, vom Handelsplatz und von der Uhrzeit abhängt. Als Maßstab taugt der Spread desselben Wertpapiers an einem Handelsplatz mit viel Umsatz, während die Heimatbörse geöffnet ist. Ist der Spread an deinem Handelsplatz deutlich weiter, lohnt ein anderer Handelsplatz oder ein anderer Zeitpunkt. Rechne ihn in Prozent um, dann kannst du ihn direkt mit deiner Ordergebühr vergleichen. Was sind Spread-Gebühren? Spread-Gebühren sind keine Gebühr, die als eigene Position auf deiner Abrechnung steht. Gemeint sind die Kosten, die durch den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs entstehen. Sie stecken im Ausführungskurs. Bei CFDs fallen sie bei jedem Kauf und Verkauf an und gehören zu den wichtigsten Kostenposten. Was ist der Spread bei ETFs? Beim ETF ist der Spread die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem du Anteile kaufst, und dem Kurs, zu dem du sie verkaufst. Auf Xetra stellt für jeden ETF mindestens ein Designated Sponsor verbindliche Kurse. Wie eng der Spread ist, hängt vor allem davon ab, wie liquide die enthaltenen Wertpapiere sind und ob deren Börsen gerade geöffnet sind. Mehr zum Einstieg liest du im Ratgeber ETF für Anfänger. Ist der Spread gut oder schlecht? Der Spread ist ein Kostenfaktor, den du kaum vermeiden, aber beeinflussen kannst. Ein enger Spread ist für dich günstiger und zeigt, dass viel gehandelt wird. Ein weiter Spread zeigt wenig Handel oder hohe Unsicherheit und macht jeden Kauf und Verkauf teurer. Für Market Maker ist er der Ausgleich dafür, dass sie jederzeit handelbare Kurse stellen. Quellen: Deutsche Börse (Börsenlexikon „Spread", Designated Sponsor Guide vom 10.11.2025, Market-Maker-Regeln Xetra, ETF-Liquiditätsanalyse); §§ 2, 82 Wertpapierhandelsgesetz; § 1 Kreditwesengesetz; Verordnung (EU) 2024/791 (Art. 39a MiFIR); BaFin, Aufsichtsmitteilung 05/2026 vom 22.07.2026 und Verbraucherinformation zum PFOF-Verbot; BaFin, Fachartikel zum Market Making vom 16.01.2019, FAQ zur Preisstellung bei Zertifikaten und Allgemeinverfügung zu CFD vom 23.07.2019; Gabler Wirtschaftslexikon. Stand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Anlageberatung.

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Teilfreistellung

Die Teilfreistellung ist der Teil deiner Erträge aus Fonds und ETFs, den das Finanzamt nicht besteuert. Bei Aktien-ETFs sind es 30 %. Was du über die Teilfreistellung wissen musst 💡 Steuerfreier Anteil: Als Privatanleger bleiben nach § 20 InvStG 30 % deiner Erträge aus Aktienfonds steuerfrei, 15 % bei Mischfonds, 60 % bei Immobilienfonds und 80 % bei Auslands-Immobilienfonds. 📊 Einstufung: Aktienfonds ist ein Fonds nur, wenn er laut Anlagebedingungen fortlaufend mehr als 50 % seines Aktivvermögens in Kapitalbeteiligungen anlegt, Mischfonds bei mindestens 25 %. Renten- und Geldmarktfonds bekommen keine Teilfreistellung. 🏦 Automatisch: Die Teilfreistellung gilt für Ausschüttungen, Vorabpauschale und Verkaufsgewinne. Schreiben die Anlagebedingungen die Quote fest, rechnet eine deutsche Depotbank sie beim Steuerabzug selbst ein. ⚠️ Auch bei Verlusten: Sie kürzt auch Verluste. Verkaufst du ab 2018 gekaufte Anteile eines Aktien-ETFs mit 1.000 € Verlust, kannst du steuerlich nur 700 € ansetzen. Die Teilfreistellung nach § 20 Investmentsteuergesetz (InvStG) stellt einen festen Teil deiner Fondserträge steuerfrei. Als Privatanleger versteuerst du bei Aktienfonds und Aktien-ETFs nur 70 % der Erträge, bei Mischfonds 85 %, bei Immobilienfonds 40 % und bei Auslands-Immobilienfonds 20 %. Das gilt für Ausschüttungen, die Vorabpauschale und Gewinne beim Verkauf. Eine deutsche Depotbank rechnet die Teilfreistellung beim Steuerabzug automatisch ein. Renten- und Geldmarkt-ETFs bekommen keine. Was ist die Teilfreistellung? Die Teilfreistellung ist eine teilweise Steuerbefreiung für Erträge aus Investmentfonds. Das Investmentsteuergesetz kennt drei Arten solcher Erträge: Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen (§ 16 Abs. 1 InvStG). Auf alle drei wendet das Finanzamt denselben Prozentsatz an, der von der Art des Fonds abhängt. Die Regel gilt seit der Reform der Investmentbesteuerung zum 1. Januar 2018. Der Grund: Ein Fonds zahlt auf manche Erträge schon selbst Steuern, zum Beispiel auf Dividenden deutscher Aktien und auf Erträge aus deutschen Immobilien (§ 6 Abs. 2 InvStG). Damit dieselben Erträge beim Anleger nicht noch einmal voll besteuert werden, bleibt dort ein pauschaler Anteil steuerfrei. Pauschal heißt: Es kommt nicht darauf an, wie viel Steuer dein Fonds tatsächlich gezahlt hat. Der Bundesfinanzhof spricht von einer typisierenden Berücksichtigung dieser Vorbelastung (Urteil vom 25.11.2025, VIII R 22/23). Deshalb bekommt ein Aktien-ETF aus Irland oder Luxemburg dieselben 30 % wie ein deutscher Aktienfonds, sofern seine Anlagebedingungen die Quote vorschreiben. Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld sind keine Investmentfonds. Für sie gibt es keine Teilfreistellung, ihre Erträge versteuerst du ohne Abschlag mit der Abgeltungsteuer. Wie hoch ist die Teilfreistellung? Wie viel von deinen Erträgen steuerfrei bleibt, legt § 20 InvStG je Fondsart fest. Welche Art ein Fonds ist, bestimmt § 2 InvStG nach seinen Anlagebedingungen. Fondsart Voraussetzung laut Anlagebedingungen Privatanleger Betriebsvermögen (natürliche Person) Kapitalgesellschaft Aktienfonds fortlaufend mehr als 50 % des Aktivvermögens in Kapitalbeteiligungen 30 % 60 % 80 % Mischfonds fortlaufend mindestens 25 % des Aktivvermögens in Kapitalbeteiligungen 15 % 30 % 40 % Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % des Aktivvermögens in Immobilien und Immobilien-Gesellschaften 60 % 60 % 60 % Auslands-Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % des Aktivvermögens in ausländischen Immobilien und Auslands-Immobiliengesellschaften 80 % 80 % 80 % alle anderen, etwa Renten- und Geldmarktfonds keine 0 % 0 % 0 % Quelle: § 2 Abs. 6, 7 und 9, § 20 Abs. 1 bis 3 InvStG; BMF-Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz, Rz. 20.5. Für Banken, Versicherer und Pensionsfonds gelten beim Betriebsvermögen Ausnahmen (§ 20 Abs. 1 Satz 4 und 5 InvStG). Stand: 11.09.2026. Deine Bank rechnet beim Steuerabzug immer mit den Sätzen für Privatanleger. Die höheren Sätze für Betriebsvermögen berücksichtigt erst das Finanzamt bei der Veranlagung (§ 43a Abs. 2 Satz 1 EStG, BMF Rz. 20.6). Wann ein ETF als Aktienfonds gilt Entscheidend sind die Anlagebedingungen, nicht der Aktienanteil an einem einzelnen Tag. Ein Aktien-ETF muss sich darin verpflichten, fortlaufend mehr als 50 Prozent seines Aktivvermögens in Kapitalbeteiligungen anzulegen (§ 2 Abs. 6 InvStG). Fortlaufend heißt nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums grundsätzlich an jedem Tag des Geschäftsjahres. Aktivvermögen ist der Wert aller Vermögensgegenstände des Fonds ohne Abzug seiner Schulden. Die Anlagebedingungen dürfen stattdessen auch auf den Fondswert abstellen (§ 2 Abs. 9b InvStG). Als Kapitalbeteiligungen zählen vor allem börsennotierte Aktien (§ 2 Abs. 8 InvStG). Die gesetzliche Schwelle lautet „mehr als 50 Prozent“, nicht „mindestens 51 %“. Die Zahl 51 % steht an anderer Stelle: Hält ein Fonds Anteile an einem anderen Aktienfonds, zählen diese in Höhe von 51 % ihres Werts als Kapitalbeteiligung, sofern der Zielfonds keine höhere Mindestquote vorschreibt (§ 2 Abs. 8 InvStG). Eine Sonderregel betrifft synthetische ETFs, die ihren Index über Tauschgeschäfte (Swaps) nachbilden. Sie gelten nur dann als Aktienfonds, wenn ihre Anlagebedingungen zusätzlich vorschreiben, dass mehr als 50 % des Aktivvermögens unmittelbar in Kapitalbeteiligungen angelegt werden (BMF Rz. 2.6). Wofür gilt die Teilfreistellung? Die Teilfreistellung greift bei allen drei Ertragsarten deines Fonds (BMF Rz. 20.1): Ausschüttungen: Schüttet dein Aktien-ETF 200 € aus, sind 140 € steuerpflichtig. Vorabpauschale: Auch der fiktive Jahresertrag, den das Finanzamt bei thesaurierenden Fonds ansetzt, wird bei Aktienfonds nur zu 70 % besteuert. Wie er entsteht, erklärt der Eintrag Vorabpauschale. Verkaufsgewinne: Vom Gewinn ziehst du zuerst alle während der Haltedauer angesetzten Vorabpauschalen in voller Höhe ab. Danach greift die Teilfreistellung (§ 19 Abs. 1 InvStG). Ein Beispiel: Du kaufst Anteile eines Aktien-ETFs für 10.000 € und verkaufst sie für 13.000 €. Während der Haltedauer wurden 400 € Vorabpauschalen angesetzt. Der Gewinn sinkt dadurch auf 2.600 €, steuerpflichtig sind davon 70 %, also 1.820 €. Die Teilfreistellung wirkt in beide Richtungen. Machst du mit ab 2018 gekauften Anteilen eines Aktien-ETFs 1.000 € Verlust, zählen steuerlich nur 700 € (BMF Rz. 20.2). Deine Bank setzt beim Steuerabzug nur den steuerpflichtigen Teil an (§ 43a Abs. 2 Satz 1 EStG). Nur dieser Teil wird mit deinem Freistellungsauftrag verrechnet, der steuerfreie Anteil verbraucht keinen Sparerpauschbetrag. Rechenbeispiel: 5.000 € Gewinn je Fondsart Angenommen, du verkaufst Fondsanteile mit 5.000 € Gewinn. Dein Sparerpauschbetrag ist ausgeschöpft, Vorabpauschalen sind keine angefallen, Kirchensteuer zahlst du nicht. Auf den steuerpflichtigen Teil fallen 25 % Abgeltungsteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer an, zusammen 26,375 %. Fondsart steuerfrei steuerpflichtig Steuer Aktienfonds (30 %) 1.500 € 3.500 € 923,13 € Mischfonds (15 %) 750 € 4.250 € 1.120,94 € Immobilienfonds (60 %) 3.000 € 2.000 € 527,50 € Auslands-Immobilienfonds (80 %) 4.000 € 1.000 € 263,75 € Renten- oder Geldmarktfonds (0 %) 0 € 5.000 € 1.318,75 € Modellrechnung Capitalo für Privatanleger, nachgerechnet mit den Sätzen aus § 20 InvStG, § 32d EStG und § 4 Solidaritätszuschlaggesetz. Stand: 11.09.2026. Mit dem Aktien-ETF zahlst du im Beispiel 395,62 € weniger Steuer als mit einem Renten-ETF, der denselben Gewinn bringt. Auf den Gewinn bezogen liegt die Steuer beim Aktien-ETF bei 18,46 % statt 26,375 %. Wann die Teilfreistellung gilt und wann nicht Die Teilfreistellung gilt für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds, deren Anlagebedingungen die Quote festschreiben für in- und ausländische Fonds, also auch für ETFs aus Irland oder Luxemburg für Ausschüttungen, Vorabpauschale, Verkaufsgewinne und Verluste bei einem Depot im Ausland ebenso, dort über deine Steuererklärung Die Teilfreistellung gilt nicht für Renten- und Geldmarktfonds, zum Beispiel Geldmarkt-ETFs für Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld für synthetische ETFs ohne unmittelbare Mindestquote in Kapitalbeteiligungen ab dem Tag, an dem ein Fonds wesentlich gegen seine Anlagebedingungen verstößt und die Quote unterschreitet Ändert sich die Einstufung deines Fonds, etwa weil ein Aktienfonds nur noch die Quote eines Mischfonds vorschreibt, gilt dein Anteil als verkauft und am Folgetag neu gekauft (§ 22 InvStG). Steuer zahlst du auf diesen fiktiven Verkauf noch nicht. Der Gewinn bis zum Wechsel wird mit dem bisherigen Satz berechnet und erst beim tatsächlichen Verkauf versteuert (BMF Rz. 22.11 und 22.15). Fehlt die Quote in den Anlagebedingungen, zieht deine Bank die Steuer ohne Teilfreistellung ab. Du kannst sie dann in der Steuererklärung beantragen, wenn du nachweist, dass der Fonds die Quote im ganzen Kalenderjahr tatsächlich überschritten hat (§ 20 Abs. 4 InvStG). Bei der Bank selbst ist dieser Nachweis nicht möglich (BMF Rz. 20.11). Einen Sonderfall hat der Bundesfinanzhof für Anteile an Aktienfonds entschieden, die zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 31. Dezember 2017 gekauft wurden. Die Teilfreistellung darf einen späteren Verkaufsverlust nicht kürzen, soweit er nur darauf beruht, dass der fiktive Einstandswert zum 1. Januar 2018 über dem tatsächlichen Kaufpreis lag (Urteil vom 25.11.2025, VIII R 22/23). Hast du solche Anteile mit Verlust verkauft, lass die Verlustberechnung prüfen, etwa durch eine Steuerberatung. Prüf vor dem Kauf eines Fonds, welcher Teilfreistellungssatz für ihn gilt. Maßgeblich sind die Anlagebedingungen, nicht der Name: Ein Fonds, der sich „Aktien-ETF“ nennt, aber keine Quote festschreibt, bekommt keine 30 %. Liegt dein Depot bei einem Broker im Ausland, zieht keine Bank die deutsche Abgeltungsteuer ab. Du trägst Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Verkaufsgewinne dann selbst in die Anlage KAP-INV ein, getrennt nach Fondsart und vor Teilfreistellung. Die Teilfreistellung rechnet das Finanzamt heraus. Wie das abläuft, zeigt der Ratgeber Steuererklärung bei ausländischen Brokern. Unsere Einschätzung: Bei gleichem Ertrag sind Aktien-ETFs durch die Teilfreistellung steuerlich günstiger als Renten- oder Geldmarkt-ETFs: Von jedem Euro Gewinn bleiben 30 Cent steuerfrei. Beantragen musst du dafür nichts, solange dein Depot bei einer deutschen Bank liegt. Prüf aber vor dem Kauf, ob die Anlagebedingungen deines ETFs die Aktienquote festschreiben, und wähle die Anlageklasse nach deinem Anlageziel, nicht nach dem Steuersatz. Welche Depots und Sparpläne infrage kommen, zeigen der Depot-Vergleich und der ETF-Sparplan-Vergleich. Denk daran: Fonds und ETFs schwanken im Wert, Verluste sind möglich. Die Teilfreistellung ändert daran nichts. Häufige Fragen zur Teilfreistellung Wie funktioniert die Teilfreistellung? Das Finanzamt stellt einen festen Prozentsatz deiner Fondserträge steuerfrei, bevor die Abgeltungsteuer berechnet wird. Welcher Satz gilt, hängt von der Fondsart laut Anlagebedingungen ab: 30 % bei Aktienfonds, 15 % bei Mischfonds, 60 % bei Immobilienfonds und 80 % bei Auslands-Immobilienfonds. Eine deutsche Depotbank wendet den Satz beim Steuerabzug automatisch an. Was bedeutet 30% Teilfreistellung? Von Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Verkaufsgewinnen eines Aktienfonds oder Aktien-ETFs bleiben 30 % steuerfrei, besteuert werden 70 %. Von 1.000 € Gewinn sind also nur 700 € steuerpflichtig. Der Satz gilt für Privatanleger, im Betriebsvermögen einer natürlichen Person sind es 60 %. Warum gibt es die Teilfreistellung bei ETFs? Weil ein Fonds auf manche Erträge schon selbst Steuern zahlt, etwa auf Dividenden deutscher Aktien. Die Teilfreistellung gleicht das pauschal aus. Sie gilt unabhängig davon, wie viel Steuer der Fonds tatsächlich gezahlt hat, deshalb auch für ETFs mit Sitz in Irland oder Luxemburg. Was ist eine Teilfreistellung bei Fonds? Eine teilweise Steuerbefreiung für Erträge aus Investmentfonds nach § 20 Investmentsteuergesetz. Sie gilt seit 2018 für Aktien-, Misch- und Immobilienfonds, egal ob aktiv gemanagter Fonds oder ETF. Renten- und Geldmarktfonds fallen nicht darunter. Muss ich die Teilfreistellung in der Steuererklärung angeben? Bei einem Depot in Deutschland nicht, die Bank rechnet sie beim Steuerabzug ein. Bei einem Depot im Ausland trägst du die Erträge in der Anlage KAP-INV vor Teilfreistellung und getrennt nach Fondsart ein, das Finanzamt rechnet sie heraus. Nennen die Anlagebedingungen keine Quote, bekommst du die Teilfreistellung nur über die Steuererklärung mit Nachweis. Gilt die Teilfreistellung auch für Verluste? Ja. Verkaufst du Anteile eines Aktienfonds mit Verlust, zählen steuerlich nur 70 % davon. Von 1.000 € Verlust kannst du also nur 700 € geltend machen. Eine Ausnahme hat der Bundesfinanzhof für zwischen 2009 und 2017 gekaufte Anteile entschieden, soweit der Verlust nur aus dem fiktiven Einstandswert zum 1. Januar 2018 entsteht. Stand: 11.09.2026. Quellen: §§ 2, 6, 16, 19, 20, 22 Investmentsteuergesetz; §§ 32d, 43a Einkommensteuergesetz; § 4 Solidaritätszuschlaggesetz; BMF-Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz vom 21.05.2019, zuletzt geändert am 24.11.2025; Bundesfinanzhof, Urteil vom 25.11.2025, VIII R 22/23; Anleitung zur Anlage KAP-INV 2025. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Termingeld

Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit überlässt. Hier liest du, wann das Wort Festgeld meint und wann auch Kündigungsgeld. Was du über Termingeld wissen musst 💡 Definition: Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist überlässt. Vor dem vereinbarten Termin kommst du in der Regel nicht heran. ⚖️ Zwei Lesarten: Die Bundesbank nutzt Termingeld als Synonym für Festgeld. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff für Festgeld und Kündigungsgeld. 🏦 Schutz: Liegt dein Termingeld bei einer Bank in der EU, schützt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und je Bank. ⚠️ Abgrenzung: Anders als Tagesgeld ist Termingeld nicht täglich verfügbar. Einen festen Zins für die ganze Laufzeit hast du nur beim Festgeld, beim Kündigungsgeld meist nicht. Termingeld ist eine Bankeinlage, die du für eine bestimmte Zeit oder mit einer Kündigungsfrist anlegst. Bis zum vereinbarten Termin verzichtest du auf den Zugriff, dafür zahlt die Bank in der Regel höhere Zinsen als auf Spareinlagen. Steht das Wort im Angebot deiner Bank, ist meistens Festgeld gemeint, aber nicht immer. Was ist Termingeld? Die Deutsche Bundesbank beschreibt eine Termineinlage als Einlage, die einer Bank „von ihren Kunden oder von anderen Instituten für eine bestimmte Zeit gegen einen festen Zinssatz überlassen wird". Termingeld und Festgeld nennt sie als synonyme Bezeichnungen. Als gängige Laufzeiten gibt sie sechs Monate, ein Jahr oder drei Jahre an. Der Name kommt vom Termin: Das Geld wird an einem vorher festgelegten Tag fällig oder nach Ablauf einer vereinbarten Kündigungsfrist. Bis dahin arbeitet die Bank mit deinem Geld und kann fest damit planen. Deshalb zahlt sie mehr als für Geld, das du jederzeit abziehen kannst. Die Bundesbank unterscheidet drei Arten von Bankguthaben: Sichteinlagen wie Girokonto und Tagesgeld, über die du jederzeit verfügst, Spareinlagen wie das klassische Sparbuch und Termineinlagen, bei denen das Geld für eine vereinbarte Zeit gebunden ist. Termingeld, Festgeld, Kündigungsgeld: zwei Lesarten Ob Termingeld nur Festgeld meint oder auch Kündigungsgeld, hängt davon ab, wen du fragst. Beide Lesarten sind im Umlauf, und beide sind belegt. Enge Lesart: Die Bundesbank setzt Termingeld mit Festgeld gleich. Auch das Gabler Banklexikon versteht unter Termingeld von Kunden eine Einlage „mit vereinbarter fester Laufzeit". Weite Lesart: Das Lexikon „Duden Wirtschaft von A bis Z", das die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht, unterscheidet innerhalb der Termineinlagen zwischen Festgeldern und Kündigungsgeldern. Termingeld ist dort der Oberbegriff. Für dich zählt weniger das Etikett als das, was im Vertrag steht. Hat die Anlage ein festes Enddatum, ist es Festgeld. Läuft sie unbefristet weiter, bis du kündigst, ist es Kündigungsgeld. Die Tabelle zeigt, was das praktisch bedeutet, auch im Vergleich zum Tagesgeld. Merkmal Festgeld Kündigungsgeld Tagesgeld Zugriff auf das Geld am Ende der Laufzeit nach Ablauf der Kündigungsfrist jederzeit Zins fest für die ganze Laufzeit meist variabel, die Bank kann ihn anpassen variabel Ende der Anlage festes Datum ab Abschluss offen, bis du kündigst offen Zählt als Termingeld ja, in beiden Lesarten nur in der weiten Lesart nein, Sichteinlage Passt für Geld mit bekanntem Verwendungstermin Geld mit ungefährem Zeitrahmen Notgroschen und Rücklagen Quellen: Deutsche Bundesbank, Glossar (Termineinlage, Sichteinlage); Duden Wirtschaft von A bis Z, Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung 2016. Stand: September 2026. Wie eine Anlage mit Kündigungsfrist im Detail funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Kündigungsgeld. Für Geld, das jederzeit verfügbar bleiben soll, ist Tagesgeld die passende Anlage. So läuft eine Termingeld-Anlage ab Am Beispiel Festgeld sieht der Ablauf so aus: 1 Laufzeit und Betrag festlegen Du wählst, wie lange das Geld liegen soll, und legst den Betrag einmalig an. Zins und Laufzeit stehen ab Abschluss fest. 2 Geld überweisen Die Laufzeit beginnt meist an dem Tag, an dem das Geld auf dem Termingeldkonto gutgeschrieben ist. Ab dann läuft der Zins. 3 Bindung während der Laufzeit Solange die Laufzeit läuft, kommst du nicht an das Geld. Ob ein vorzeitiger Zugriff möglich ist und was er kostet, regelt der Vertrag. Mehr dazu liest du unter Festgeld vorzeitig kündigen. 4 Fälligkeit Am Ende zahlt die Bank Geld und Zinsen aus, meist auf dein Referenzkonto. Manche Verträge verlängern die Anlage automatisch (Prolongation), dann in der Regel zum dann gültigen Zins. Wie ein Festgeldkonto darüber hinaus funktioniert, von der Eröffnung bis zur Auszahlung, erklärt unser Ratgeber Was ist ein Festgeldkonto? Warum du „Termingeld" oft bei Firmenkunden liest Im Privatkundengeschäft heißt das Produkt meist Festgeld. Sparkassen und Filialbanken verwenden „Termingeld" dagegen häufig für Anlagen von Unternehmen und Selbstständigen, manche bieten es ausdrücklich nur für Geschäftsvermögen an. Zwei Dinge findest du dort öfter als beim privaten Festgeld: Fremdwährung: Manche Banken bieten Termingeld auch in US-Dollar, Schweizer Franken oder anderen Währungen an. Dann kommt zum Zins ein Wechselkursrisiko: Fällt die Währung gegenüber dem Euro, bekommst du am Ende unter Umständen weniger Euro zurück, als du eingezahlt hast. Sehr kurze Laufzeiten: Firmenkunden-Termingeld beginnt teils schon bei einer Woche Laufzeit. Dazu kommt eine dritte Bedeutung, die dir als Sparer kaum begegnet. Im Geldhandel leihen sich Banken untereinander Zentralbankgeld für feste Zeiträume. Das Gabler Banklexikon nennt genau das als erste Bedeutung von Termingeld. Für dich ist das nur indirekt wichtig: Das Zinsniveau am Geldmarkt beeinflusst, was Banken dir für Festgeld bieten. Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt vor allem von vier Dingen ab: Laufzeit oder Kündigungsfrist: Jede Laufzeit hat ihren eigenen Zins. Eine längere Bindung bringt nicht automatisch mehr. Zinsniveau am Geldmarkt: Banken richten ihre Angebote am aktuellen Geldmarkt aus, der wiederum stark von den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank abhängt. Anlagebetrag: Laut Duden Wirtschaft hängt der Zinssatz auch von der Höhe der Einlage ab. Die Bank selbst: Jede Bank legt ihre Konditionen selbst fest, bei den Sparkassen jede Sparkasse für sich. Laut Bundesbank sind Termineinlagen in der Regel höher verzinst als Spareinlagen. Welche Bank für welche Laufzeit gerade am meisten zahlt, siehst du im Festgeld-Vergleich, jedes Angebot bewertet mit dem Capitalo Score. Ist Termingeld geschützt? Termingeld ist eine Bankeinlage und fällt damit unter die gesetzliche Einlagensicherung. Geht eine Bank in der EU pleite, sind je Kunde und je Bank bis 100.000 Euro geschützt. Hat die Bank ihren Sitz in einem anderen EU-Land, greift das Sicherungssystem dieses Landes, nicht das deutsche. Die Einlagensicherung schützt vor der Pleite der Bank. Drei Risiken deckt sie nicht ab: Inflation: Liegt die Teuerung über deinem Zins, verliert das Geld trotz Zinsen an Kaufkraft. Zinsänderung: Steigen die Zinsen nach dem Abschluss, bleibt dein Festgeld beim alten Satz. Wechselkurs: Bei Termingeld in Fremdwährung kann der Euro-Betrag am Ende kleiner sein als beim Einzahlen. Quellen: § 8 Einlagensicherungsgesetz; Bundesministerium der Finanzen, Fragen und Antworten zur harmonisierten europäischen Einlagensicherung. Stand: September 2026. Wie die Sicherung für Festgeld im Detail funktioniert, liest du im Ratgeber zur Einlagensicherung beim Festgeld. Wie Zinsen aus Termingeld versteuert werden Zinsen aus Termingeld sind Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Bleiben deine gesamten Kapitalerträge im Jahr innerhalb des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro, zahlst du darauf keine Steuer (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit die Bank das schon beim Steuerabzug berücksichtigt, brauchst du bei ihr einen Freistellungsauftrag. Was über dem Pauschbetrag liegt, versteuert eine Bank in Deutschland direkt mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d EStG). Zinsen von einer Bank im Ausland gibst du in der Regel selbst in der Steuererklärung an. Quellen: §§ 20, 32d Einkommensteuergesetz; Finanzverwaltung NRW; Landesamt für Steuern Niedersachsen. Stand: September 2026. Alle Details zu Freistellungsauftrag und Steuererklärung stehen im Ratgeber Festgeld und Steuern. Wann Termingeld zu dir passt und wann nicht Termingeld passt wenn du Geld für einen bekannten Termin zurücklegst, etwa eine Steuerzahlung oder eine Anschaffung in zwölf Monaten wenn du dir beim Festgeld den Zins für die Laufzeit festschreiben willst, weil du mit sinkenden Zinsen rechnest wenn dein Notgroschen schon auf dem Tagesgeldkonto liegt und dieses Geld wirklich übrig ist Termingeld passt nicht für den Notgroschen: Wenn die Waschmaschine streikt, wartet die Rechnung nicht bis zur Fälligkeit wenn du mit steigenden Zinsen rechnest und dich deshalb nicht lange binden willst wenn du einen festen Zins erwartest, nur weil „Termingeld" auf dem Angebot steht, ohne in den Vertrag zu schauen Ein Sonderfall, den viele übersehen, ist die automatische Verlängerung. Sieht dein Vertrag eine Prolongation vor und du meldest dich vor dem Ende nicht, läuft das Geld für eine neue Laufzeit weiter, in der Regel zum dann gültigen Zins. Der kann deutlich unter dem alten liegen. Trag dir den Fälligkeitstermin in den Kalender und entscheide vorher, was mit dem Geld passieren soll. Leg als Termingeld nur Geld an, das du bis zum Fälligkeitstermin bestimmt nicht brauchst. Alles, worauf du kurzfristig zugreifen musst, gehört auf ein Tagesgeldkonto. Unsere Einschätzung: Lass dich vom Wort nicht verunsichern. Wer dir Termingeld anbietet, meint meistens eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, also Festgeld. Schau trotzdem in den Vertrag: Stehen dort ein Enddatum und ein fester Zinssatz, oder eine Kündigungsfrist mit variablem Zins? Mein Tipp: Vergleich nicht nur den Zins, sondern auch, was am Ende der Laufzeit mit deinem Geld passiert. Die aktuellen Festgeldzinsen je Laufzeit findest du in unserem Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zu Termingeld Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Der Zins hängt von Laufzeit, Anlagebetrag, Zinsniveau am Geldmarkt und Bank ab. Laut Bundesbank liegt er in der Regel über dem für Spareinlagen. Was ist der Unterschied zwischen Termingeld und Festgeld? Oft gibt es keinen: Die Bundesbank nennt Termingeld und Festgeld als synonyme Bezeichnungen für eine Einlage mit fester Laufzeit und festem Zins. Im weiteren Sinn ist Termingeld der Oberbegriff, der neben Festgeld auch Kündigungsgeld umfasst. Kündigungsgeld hat kein festes Enddatum, sondern eine Kündigungsfrist, und meist einen variablen Zins. Welche Bank hat die besten Zinsen für Festgeld? Das wechselt, weil Banken ihre Zinsen für neue Anlagen regelmäßig an das Marktniveau anpassen. Im Festgeld-Vergleich von Capitalo siehst du die aktuellen Zinsen je Laufzeit und die Bewertung jedes Angebots im Capitalo Score. Achte neben dem Zins auf die Einlagensicherung im Sitzland der Bank und darauf, was am Ende der Laufzeit mit dem Geld passiert. Was ist Termingeld bei der Sparkasse? Sparkassen verwenden „Termingeld" als Namen für eine Anlage mit fester Laufzeit und festem Zins, auf sparkasse.de vor allem im Angebot für Firmenkunden. Die Konditionen legt jede Sparkasse selbst fest, sie orientieren sich am aktuellen Geldmarktniveau. Einlagen bei Sparkassen schützt deren eigenes, gesetzlich als Einlagensicherung anerkanntes Sicherungssystem. Kann ich Termingeld vorzeitig kündigen? Beim Festgeld meist nicht: Während der Laufzeit ist ein vorzeitiger Zugriff in der Regel vertraglich ausgeschlossen oder nur mit Zinsverlust möglich. Beim Kündigungsgeld ist die Kündigung dagegen der normale Weg an dein Geld, du wartest dann die vereinbarte Frist ab. Was für deine Anlage gilt, steht in den Vertragsbedingungen der Bank. Datenstand: September 2026 | Quellen: Deutsche Bundesbank (Glossar: Termineinlage, Sichteinlage), Duden Wirtschaft von A bis Z (Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung, 2016), Gabler Banklexikon, Einlagensicherungsgesetz § 8, Bundesministerium der Finanzen (FAQ Einlagensicherung, Februar 2025), Einkommensteuergesetz §§ 20 und 32d, Finanzverwaltung NRW, Landesamt für Steuern Niedersachsen. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuer- oder Anlageberatung.

Tilgungssatz

Kurz & knapp: Der Tilgungssatz – auch Anfangstilgung genannt – legt fest, mit welchem Prozentsatz du im ersten Jahr deine Darlehenssumme zurückzahlst. Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 %, im aktuellen Zinsumfeld eher 3 %. Der Effekt ist gewaltig: Bei 3,75 % Sollzins reduziert sich deine Laufzeit von 42 Jahren (1 % Tilgung) auf 22 Jahre (3 % Tilgung). Wer schneller schuldenfrei werden möchte, dreht am Tilgungssatz – nicht an der Zinsbindung. Definition: Was ist der Tilgungssatz? Der Tilgungssatz – häufig auch Anfangstilgung oder Tilgungsrate genannt – gibt an, welcher Prozentsatz der ursprünglichen Darlehenssumme du im ersten Jahr zurückzahlst. Bei einem Annuitätendarlehen bleibt die Monatsrate konstant, der Tilgungsanteil steigt aber Monat für Monat – daher heißt es Anfangstilgung. Beispiel: Bei 300.000 € Darlehen und 2 % Anfangstilgung tilgst du im ersten Jahr 6.000 € (300.000 € × 2 %). Daraus ergeben sich rund 500 € Tilgungsanteil pro Monat – zusätzlich zu den Zinsen. Im zweiten Jahr ist der Tilgungsanteil bereits höher, weil die Restschuld gesunken ist und weniger Zinsen anfallen. Empfehlung: 2 % Minimum, 3 % Standard Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Mindesttilgung von 2 % – im aktuellen Zinsumfeld von rund 3,5 bis 4 % sind 3 % die bessere Wahl. Hierbei gilt eine einfache Faustregel: Je niedriger der Sollzins, desto höher solltest du tilgen. Sonst läuft das Darlehen ewig. Warum ist das so? Bei niedrigen Zinsen fließt nur wenig Geld in den Zinsanteil. Wer dann gleichzeitig niedrig tilgt, kommt kaum vom Fleck. Daher gilt im aktuellen Marktumfeld: Mindestens 2 %, besser 3 % Anfangstilgung – und wenn das Einkommen es zulässt, gerne mehr. Effekt auf die Laufzeit Der Tilgungssatz hat den größten Einfluss auf deine Volltilgungsdauer. Schau dir an, wie sich die Laufzeit bei einem Darlehen mit 3,75 % Sollzins verhält: AnfangstilgungAnnuität pro Jahr (350.000 €)Laufzeit bis VolltilgungGesamt-Zinskosten* 1 %16.625 €~42 Jahre~353.000 € 2 %20.125 €~28 Jahre~227.000 € 3 %23.625 €~22 Jahre~169.000 € 4 %27.125 €~18 Jahre~133.000 € *Vereinfachte Berechnung über die gesamte Tilgungsdauer bei konstantem Sollzins von 3,75 %, ohne Sondertilgungen. Allerdings gibt es einen Trade-off: Höhere Tilgung bedeutet höhere Monatsrate. Bei 1 % Anfangstilgung zahlst du rund 1.385 € pro Monat, bei 3 % sind es 1.969 €. Du musst dir also überlegen, wie viel Spielraum dein Haushaltsbudget hergibt. Tilgungssatzwechsel während der Zinsbindung Viele Banken bieten dir die Option, den Tilgungssatz während der Zinsbindung ein- bis dreimal kostenlos anzupassen. Das ist hilfreich, wenn sich deine Lebenssituation ändert: Bei Elternzeit kannst du die Tilgung senken, bei Gehaltssprung erhöhen. Achte beim Vertragsabschluss darauf, dass dieses Recht im Darlehensvertrag steht. Sondertilgungsrecht: 5 % p. a. Standard Zusätzlich zum laufenden Tilgungssatz erlauben dir die meisten deutschen Banken kostenlose Sondertilgungen von 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Bei 350.000 € sind das 17.500 € extra – pro Jahr. Was bringt das konkret? Wer jedes Jahr 5.000 € als Sondertilgung leistet, verkürzt die Laufzeit deutlich und spart über die Gesamtdauer fünfstellige Zinsbeträge. Sondertilgungen wirken stärker als ein höherer Anfangstilgungssatz, weil sie direkt die Restschuld reduzieren. Wichtig: Das Sondertilgungsrecht muss explizit im Darlehensvertrag stehen. Ohne diese Klausel verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung, wenn du außerplanmäßig zurückzahlst. Wie wählst du den richtigen Tilgungssatz? Wenn du den passenden Tilgungssatz suchst, hilft dir diese Faustregel: Plane so, dass du spätestens mit 65 bis 70 Jahren schuldenfrei bist. Berechne dafür rückwärts, welche Anfangstilgung du brauchst. Beispiel: Du bist 35 Jahre alt und möchtest mit 65 schuldenfrei sein. Das ergibt 30 Jahre Laufzeit. Bei einem Sollzins von 3,75 % brauchst du dafür mindestens 2 % Anfangstilgung. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, plane mit 2,5 oder 3 %. Praxis-Tipp: Nutze unseren Tilgungsrechner, um konkrete Szenarien für deine Darlehenssumme durchzuspielen. So findest du den Tilgungssatz, der zu deinem Budget und deiner Lebensplanung passt. Häufige Fragen Was ist der Unterschied zwischen Tilgungssatz und Tilgung? Der Tilgungssatz ist die prozentuale Angabe (z. B. 2 % p. a.), die Tilgung ist der absolute Eurobetrag, den du tatsächlich zurückzahlst. Bei 200.000 € Darlehen und 2 % Tilgungssatz beträgt die Tilgung im ersten Jahr 4.000 €. Kann ich den Tilgungssatz später erhöhen? Ja, wenn dein Darlehensvertrag einen Tilgungssatzwechsel vorsieht. Üblich sind ein bis drei kostenlose Wechsel während der Zinsbindung in einem Korridor von z. B. 1 bis 5 %. Was passiert, wenn ich nur 1 % tilge? Bei 1 % Anfangstilgung und 3,75 % Sollzins läuft das Darlehen rund 42 Jahre. Daher empfiehlt sich diese Variante höchstens bei sehr niedrigem Zinsniveau – im aktuellen Markt ist sie nicht mehr zeitgemäß. Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Finanzberatung dar. Konditionen und Beispielrechnungen sind Stand Mai 2026 und können sich kurzfristig ändern. Vor Abschluss einer Baufinanzierung empfiehlt sich eine persönliche Beratung.

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Vorabpauschale

Die Vorabpauschale ist ein fiktiver Jahresertrag, auf den du bei Fonds und ETFs im Depot Steuern zahlst, auch wenn du nichts verkaufst. Was du über die Vorabpauschale wissen musst 💡 Fiktiver Ertrag: Die Vorabpauschale besteuert bei Fonds und ETFs im Depot jedes Jahr einen Teil der Wertsteigerung vorab, auch wenn du keinen Anteil verkaufst (§ 18 InvStG). 💰 Formel: 70 % des Basiszinses auf den Fondswert zu Jahresbeginn, höchstens die Wertsteigerung des Jahres plus Ausschüttungen, abzüglich der Ausschüttungen. Ohne Wertzuwachs fällt nichts an. 🏦 Abbuchung im Januar: Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen. Eine deutsche Depotbank zieht die Steuer dann vom Verrechnungskonto ab, soweit dein Freistellungsauftrag sie nicht abdeckt. ✅ Keine Doppelbesteuerung: Verkaufst du später, zieht das Finanzamt alle angesetzten Vorabpauschalen vom Veräußerungsgewinn ab. Die Vorabpauschale ist nach § 18 Investmentsteuergesetz (InvStG) ein fiktiver Ertrag aus Investmentfonds und ETFs. Für 2026 gilt ein Basiszins von 3,20 %. Davon werden 70 % auf den Fondswert zu Jahresbeginn angesetzt, das sind 224 € je 10.000 € Fondswert, sofern der Fonds im Jahr mindestens so viel zulegt und nichts ausschüttet. Die Steuer darauf bucht eine deutsche Depotbank Anfang Januar 2027 ab, soweit dein Freistellungsauftrag sie nicht abdeckt. Beim späteren Verkauf wird die Vorabpauschale angerechnet. Was ist die Vorabpauschale? Die Vorabpauschale ist ein steuerlicher Rechenwert, kein Geld, das dir zufließt. Das Investmentsteuergesetz zählt sie neben Ausschüttungen und Veräußerungsgewinnen zu den Erträgen aus Investmentfonds (§ 16 Abs. 1 InvStG). Eingeführt wurde sie mit der Reform der Investmentbesteuerung, die seit 2018 gilt. Der Grund liegt bei thesaurierenden Fonds und ETFs. Diese Fonds legen Dividenden und Zinsen wieder an, statt sie auszuzahlen. Ohne Vorabpauschale entstünde bei ihnen bis zum Verkauf keine Steuer, bei ausschüttenden Fonds dagegen jedes Jahr. Die Finanzverwaltung NRW nennt sie deshalb eine „pauschal bemessene, jährlich nachträgliche Mindestbesteuerung“, soweit Ausschüttungen diese nicht schon erreicht haben. Die Vorabpauschale trifft nicht nur Thesaurierer. Auch ein ausschüttender ETF löst eine aus, wenn seine Ausschüttungen im Jahr unter dem Basisertrag bleiben. Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld sind keine Investmentfonds, für sie gibt es keine Vorabpauschale. Wie wird die Vorabpauschale berechnet? Die Vorabpauschale entsteht in vier Schritten. Grundlage ist § 18 Abs. 1 und 2 InvStG, das Bundesfinanzministerium rechnet in seinem Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz genauso. 1 Basisertrag ermitteln Nimm den Rücknahmepreis deiner Fondsanteile zu Beginn des Kalenderjahres und multipliziere ihn mit 70 % des Basiszinses. Setzt der Fonds keinen Rücknahmepreis fest, zählt der Börsen- oder Marktpreis. 2 Deckel prüfen Der Basisertrag ist höchstens so hoch wie die Wertsteigerung des Jahres, also letzter minus erster Rücknahmepreis, plus die Ausschüttungen des Jahres. Liegt der Wert am Jahresende samt Ausschüttungen nicht über dem Wert vom Jahresanfang, entsteht keine Vorabpauschale. 3 Ausschüttungen abziehen Vom Basisertrag ziehst du die Ausschüttungen des Jahres ab. Was übrig bleibt, ist die Vorabpauschale. Schüttet der Fonds mindestens den Basisertrag aus, ist sie null. 4 Kaufjahr berücksichtigen Im Jahr, in dem du Anteile kaufst, sinkt die Vorabpauschale um ein Zwölftel für jeden vollen Monat vor dem Kaufmonat. Kaufst du im Mai, zählen 8 von 12 Monaten. Auf das Ergebnis wendet deine Bank die Teilfreistellung an und berechnet auf den Rest Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag. Der Basiszins für 2025 und 2026 Der Basiszins leitet sich aus der langfristigen Rendite von Bundeswertpapieren ab. Maßgeblich ist der Wert, den die Deutsche Bundesbank am ersten Börsentag des Jahres für Bundeswertpapiere mit jährlicher Kuponzahlung und 15 Jahren Restlaufzeit errechnet. Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht ihn im Bundessteuerblatt (§ 18 Abs. 4 InvStG). Vorabpauschale für Basiszins davon 70 % Basisertrag je 10.000 € Fondswert gilt als zugeflossen am 2025 2,53 % 1,771 % 177,10 € 2. Januar 2026 2026 3,20 % 2,240 % 224,00 € 4. Januar 2027 Quelle: BMF-Schreiben vom 10.01.2025 und 13.01.2026, übereinstimmend mit der Bundesbank-Zeitreihe „Aus der Zinsstruktur abgeleitete Renditen für Bundeswertpapiere mit jährl. Kuponzahlungen, RLZ 15 Jahre“ (Abruf 10.09.2026). Der Basisertrag ist die Obergrenze vor Deckel und Ausschüttungen. Der Basiszins für die Vorabpauschale 2027 steht erst nach dem ersten Börsentag 2027 fest. Rechenbeispiel: Vorabpauschale 2026 für einen Aktien-ETF Angenommen, du hältst Anteile an einem thesaurierenden Aktien-ETF, die du vor 2026 gekauft hast. Zu Jahresbeginn 2026 sind die Anteile 10.000 € wert, am Jahresende 10.800 €. Der ETF schüttet nichts aus. Schritt Rechnung Ergebnis Basisertrag 10.000 € × 3,20 % × 70 % 224,00 € Deckel Wertsteigerung 800 € liegt über 224 € greift nicht Vorabpauschale 224,00 € minus 0 € Ausschüttung 224,00 € Teilfreistellung Aktienfonds 224,00 € × 70 % steuerpflichtig 156,80 € Steuer bei verbrauchtem Sparer-Pauschbetrag 156,80 € × 26,375 % 41,36 € Hast du noch Sparer-Pauschbetrag frei und einen ausreichenden Freistellungsauftrag erteilt, bucht deine Bank nichts ab. Kirchensteuer ist im Beispiel nicht enthalten. So verändert sich das Ergebnis, wenn eine Annahme anders ist: Fall Vorabpauschale 2026 steuerpflichtig nach 30 % Teilfreistellung Wertsteigerung nur 100 € statt 800 € 100,00 € (Deckel greift) 70,00 € Wert fällt im Jahr auf 9.500 € 0,00 € 0,00 € Kauf im Mai 2026, sonst wie oben 149,33 € (8 von 12 Monaten) 104,53 € Ausschüttender ETF, 150 € Ausschüttung, Kurs +800 € 74,00 € (224 € minus 150 €) 51,80 € Modellrechnung Capitalo, nachgerechnet mit dem Rechenweg aus § 18 InvStG. Banken rechnen je Anteil und runden erst am Ende, daher sind Abweichungen im Centbereich möglich. Teilfreistellung: welcher Teil steuerfrei bleibt Die Teilfreistellung gilt auch für die Vorabpauschale (§ 20 InvStG). Sie gleicht aus, dass manche Fonds bereits auf Fondsebene Steuern zahlen. Wie viel steuerfrei bleibt, hängt von der Fondsart ab: Fondsart Voraussetzung laut Anlagebedingungen steuerfrei Aktienfonds fortlaufend mehr als 50 % in Kapitalbeteiligungen 30 % Mischfonds fortlaufend mindestens 25 % in Kapitalbeteiligungen 15 % Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % in Immobilien und Immobilien-Gesellschaften 60 % Auslands-Immobilienfonds fortlaufend mehr als 50 % in ausländischen Immobilien 80 % alle anderen, etwa Renten- oder Geldmarktfonds keine 0 % Quelle: § 2 Abs. 6, 7 und 9, § 20 InvStG; Finanzverwaltung NRW. Werte für Privatanleger. Auf den steuerpflichtigen Rest fallen 25 % Abgeltungsteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer an, zusammen 26,375 %. Bist du kirchensteuerpflichtig, kommt Kirchensteuer dazu. Wann wird die Vorabpauschale fällig? Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres als zugeflossen (§ 18 Abs. 3 InvStG). Für die Vorabpauschale 2026 ist das laut Bundesfinanzministerium der 4. Januar 2027, für 2025 war es der 2. Januar 2026. Deine deutsche Depotbank bucht die Steuer zu diesem Zeitpunkt vom Verrechnungskonto ab und führt sie ans Finanzamt ab. Deckt dein Freistellungsauftrag die Vorabpauschale, entfällt die Abbuchung. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 € im Jahr, für zusammen veranlagte Ehepaare bei 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG). Wie du ihn auf mehrere Banken verteilst, steht im Ratgeber Depot und Steuern. Wie viel Fondsvermögen braucht es, bis die Vorabpauschale allein den Pauschbetrag verbraucht? Bei thesaurierenden Aktien-ETFs sind es für 2026 rund 63.800 € Fondswert zu Jahresbeginn, bei Ehepaaren rund 127.600 €. Das gilt nur, wenn die ETFs im Jahr mindestens um den Basisertrag steigen und keine anderen Kapitalerträge den Pauschbetrag belegen. Fehlt Anfang Januar Geld auf dem Verrechnungskonto, darf die Bank den Betrag von einem anderen Konto einziehen, das du bei ihr führst. Dafür darf sie auch einen noch nicht genutzten Dispo nutzen, wenn du dem nicht vorher widersprochen hast. Klappt der Einzug nicht, meldet die Bank das dem Finanzamt, und die Steuer wird über deine Steuererklärung nachgefordert (§ 44 Abs. 1 Satz 7 bis 11 EStG). Prüf vor dem Jahreswechsel, ob dein Freistellungsauftrag zur Vorabpauschale passt, und lass auf dem Verrechnungskonto genug Guthaben für die Abbuchung Anfang Januar. Wie wird die Vorabpauschale beim Verkauf berücksichtigt? Beim Verkauf zieht das Finanzamt alle Vorabpauschalen, die während deiner Haltedauer angesetzt wurden, in voller Höhe vom Veräußerungsgewinn ab (§ 19 Abs. 1 InvStG). Erst danach greift die Teilfreistellung. Das gilt auch für Vorabpauschalen, auf die wegen deines Freistellungsauftrags keine Steuer angefallen ist. Im Beispiel von oben verkaufst du die Anteile 2027 für 12.000 €. Der Gewinn von 2.000 € sinkt um die Vorabpauschale 2026 von 224 € auf 1.776 €. Nach Teilfreistellung sind 1.243,20 € steuerpflichtig statt 1.400 €. Die Differenz von 156,80 € ist genau der Betrag, den du über die Vorabpauschale 2026 schon versteuert hast. Verkaufst du mit Verlust, erhöht der Abzug den steuerlich wirksamen Verlust. Wann die Vorabpauschale gilt und wann nicht Die Vorabpauschale fällt an bei thesaurierenden Fonds und ETFs, deren Wert im Jahr gestiegen ist bei ausschüttenden Fonds, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen im Kaufjahr anteilig, ab dem Kaufmonat bei Renten- und Geldmarktfonds ohne Teilfreistellung, also auf den vollen Betrag Die Vorabpauschale fällt nicht an in einem Jahr, in dem der Fonds samt Ausschüttungen an Wert verloren hat wenn der Basiszins null oder negativ ist für Anteile, die du im selben Kalenderjahr wieder verkauft hast in zertifizierten Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen wie Riester und Rürup (§ 16 Abs. 2 InvStG) bei Einzelaktien, Anleihen und Tagesgeld Ein Sonderfall ist das Depot bei einem Broker ohne deutsche Steuerabwicklung. Die Kapitalertragsteuer auf die Vorabpauschale zieht nur ein inländisches Institut ab. Liegt dein Depot im Ausland, bucht niemand etwas ab. Du musst die Vorabpauschale dann selbst in der Anlage KAP-INV erklären. Wie die Steuererklärung bei ausländischen Brokern grundsätzlich abläuft, erklären wir in einem eigenen Ratgeber. Welche Rolle die Vorabpauschale beim Vergleich mit dem geförderten Altersvorsorgedepot spielt, rechnet der Ratgeber Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan über 30 Jahre vor. Unsere Einschätzung: Die Vorabpauschale ist lästig, aber kein Grund, auf thesaurierende ETFs zu verzichten. Du zahlst keine Steuer zusätzlich, du zahlst einen Teil früher. Bei einem Basiszins von 3,20 % sind das für 10.000 € in einem thesaurierenden Aktien-ETF höchstens 41,36 € Steuer im Jahr, ohne Kirchensteuer. Wichtiger als die Wahl zwischen thesaurierend und ausschüttend sind ein passender Freistellungsauftrag und niedrige Kosten. Welche Depots und Sparpläne dafür infrage kommen, zeigen der Depot-Vergleich und der ETF-Sparplan-Vergleich. Denk daran: Fonds und ETFs schwanken im Wert, Verluste sind möglich. Die Vorabpauschale ändert daran nichts. Häufige Fragen zur Vorabpauschale Wie funktioniert das mit der Vorabpauschale? Das Finanzamt setzt für deine Fonds- und ETF-Anteile jedes Jahr einen fiktiven Ertrag an: 70 % des Basiszinses auf den Wert zu Jahresbeginn, höchstens die Wertsteigerung des Jahres plus Ausschüttungen, abzüglich der Ausschüttungen. Nach der Teilfreistellung zahlst du darauf Abgeltungsteuer, sofern dein Sparer-Pauschbetrag verbraucht ist. Wann wird die Vorabpauschale fällig? Die Vorabpauschale gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen, für 2026 am 4. Januar 2027 und für 2025 am 2. Januar 2026. Anfang Januar bucht deine deutsche Depotbank dann die Steuer ab, soweit kein Freistellungsauftrag sie abdeckt. Wie wird die Vorabpauschale beim Verkauf berücksichtigt? Das Finanzamt zieht alle während deiner Haltedauer angesetzten Vorabpauschalen in voller Höhe vom Veräußerungsgewinn ab, auch solche, die über deinen Freistellungsauftrag steuerfrei blieben. Erst danach greift die Teilfreistellung. Bekommt man die Vorabpauschale zurück? Nicht als Auszahlung, aber über die Anrechnung beim Verkauf: Angesetzte Vorabpauschalen mindern den späteren Veräußerungsgewinn, sodass derselbe Wertzuwachs nicht zweimal besteuert wird. Hat deine Bank Steuer einbehalten, obwohl dein Sparer-Pauschbetrag nicht ausgeschöpft war, kannst du sie mit der Steuererklärung zurückholen (§ 32d Abs. 4 EStG). Muss ich die Vorabpauschale in der Steuererklärung angeben? Bei einem Depot in Deutschland ist die Steuer mit dem Abzug durch die Bank in der Regel erledigt, eine gesonderte Angabe brauchst du nicht. Bei einem Depot im Ausland zieht niemand die Steuer ab. Dann trägst du sie selbst in der Anlage KAP-INV ein. Fällt die Vorabpauschale auch bei ausschüttenden ETFs an? Ja, wenn die Ausschüttungen im Jahr kleiner sind als der Basisertrag. Die Vorabpauschale ist dann genau die Differenz. Schüttet ein ETF mindestens den Basisertrag aus, entfällt sie. Die Ausschüttung selbst ist in dem Fall der steuerpflichtige Ertrag. Was passiert, wenn auf dem Verrechnungskonto kein Geld ist? Die Bank darf den fehlenden Betrag von einem anderen Konto einziehen, das du bei ihr führst. Einen eingeräumten, noch nicht genutzten Dispo darf sie dafür nutzen, wenn du dem nicht vor dem Zufluss widersprochen hast. Klappt der Einzug nicht, meldet sie das dem Finanzamt, das die Steuer über deine Steuererklärung nachfordert. Stand: 10.09.2026. Quellen: §§ 2, 16, 18, 19, 20 Investmentsteuergesetz; §§ 20, 32d, 44 EStG; § 4 Solidaritätszuschlaggesetz; BMF-Schreiben zum Basiszins vom 10.01.2025 und 13.01.2026; BMF-Anwendungsschreiben zum Investmentsteuergesetz vom 21.05.2019; Deutsche Bundesbank, Zinsstrukturdaten; Finanzverwaltung NRW, „Erträge aus Investmentfonds“. Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

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Zu versteuerndes Einkommen

Das zu versteuernde Einkommen (zvE) ist der Betrag, auf den das Finanzamt deine Einkommensteuer berechnet. Hier siehst du, wie es entsteht und wo es steht. Was du über das zu versteuernde Einkommen wissen musst 💡 Definition: Das zu versteuernde Einkommen ist die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer (§ 2 Abs. 5 EStG). Hast du nur Arbeitslohn, liegt es unter deinem Bruttolohn, weil Werbungskosten, Sonderausgaben und gegebenenfalls Freibeträge für Kinder schon abgezogen sind. 💰 Grundfreibetrag: Er wird nicht vom zvE abgezogen, sondern steckt als Nullzone im Steuertarif. Wirst du einzeln veranlagt, zahlst du 2026 bis zu einem zvE von 12.348 € keine Einkommensteuer. ℹ️ Fundort: Das zvE ermittelt erst das Finanzamt bei der Veranlagung. Du findest es deshalb in deinem Einkommensteuerbescheid, nicht auf der Gehaltsabrechnung und nicht als Ergebnis eines Lohnsteuerrechners. 🏦 Kapitalerträge: Zinsen und Dividenden, die mit 25 % Abgeltungsteuer besteuert werden, gehören nicht zum zvE. Hast du die Günstigerprüfung beantragt und ist dein persönlicher Steuersatz günstiger, rechnet das Finanzamt sie hinzu. Das zu versteuernde Einkommen, kurz zvE, ist der Teil deiner Einkünfte eines Kalenderjahres, der nach allen steuerlichen Abzügen übrig bleibt. Auf diesen Betrag wendet das Finanzamt den Einkommensteuertarif an. Wichtig ist das zvE nicht nur für deine Steuer. Auch Förderungen und Leistungen knüpfen daran an, etwa die E-Auto-Förderung 2026 und das Elterngeld. Wer dort sein Brutto mit der Einkommensgrenze vergleicht, rechnet mit der falschen Zahl. Was ist das zu versteuernde Einkommen? Das Einkommensteuergesetz definiert das zvE in § 2 Abs. 5 EStG: Es ist das Einkommen, vermindert um die Freibeträge für Kinder und um die sonstigen vom Einkommen abzuziehenden Beträge. Dieser Betrag bildet die Bemessungsgrundlage für die tarifliche Einkommensteuer. Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer, deshalb ermittelt das Finanzamt das zvE immer für ein Kalenderjahr (§ 2 Abs. 7 EStG). Einfließen können Einkünfte aus sieben Einkunftsarten: Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit, nichtselbständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte wie Renten (§ 2 Abs. 1 EStG). Das Bundesfinanzministerium weist ausdrücklich darauf hin, dass das zvE nicht mit Bruttoarbeitslohn, Einnahmen, Einkünften oder Einkommen verwechselt werden darf. Jeder dieser Begriffe ist eine andere Stufe derselben Rechnung. So wird das zu versteuernde Einkommen berechnet Das Finanzamt rechnet in vier Stufen, die § 2 EStG vorgibt. Stufe Was abgezogen wird Ergebnis 1. Einkünfte je Einkunftsart Bei Arbeitslohn, Renten und Mieten die Werbungskosten, bei Selbständigen und Gewerbetreibenden die Betriebsausgaben (Gewinn) Summe der Einkünfte 2. Entlastungsbeträge Zum Beispiel Altersentlastungsbetrag und Entlastungsbetrag für Alleinerziehende Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 3 EStG) 3. Private Abzüge Sonderausgaben wie Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung oder Spenden, außerdem außergewöhnliche Belastungen, also zwangsläufige Mehrkosten oberhalb der zumutbaren Belastung Einkommen (§ 2 Abs. 4 EStG) 4. Freibeträge für Kinder Kinderfreibetrag und Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder Ausbildung, wenn sie günstiger sind als das Kindergeld Zu versteuerndes Einkommen (§ 2 Abs. 5 EStG) Quelle: § 2 Abs. 1 bis 5, §§ 10, 10b, 31, 33 EStG, Ermittlungsschema nach R 2 EStR. Stand: September 2026. Die Freibeträge für Kinder musst du nicht beantragen. Laut Bundesfamilienministerium prüft das Finanzamt bei der Veranlagung automatisch, ob sie oder das ausgezahlte Kindergeld für dich günstiger sind. Nur wenn die Freibeträge mehr bringen, zieht es sie vom Einkommen ab. Beispiel: vom Bruttolohn zum zvE Angenommen, du bist ledig, angestellt, hast keine Kinder und verdienst 2026 brutto 50.000 €, ohne weitere Einkünfte. Das Beispiel ist vereinfacht, die Sonderausgaben sind ein angenommener Wert. Bruttoarbeitslohn: 50.000 € minus Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 €, weil deine Werbungskosten nicht höher sind (§ 9a EStG): Einkünfte und Gesamtbetrag der Einkünfte 48.770 € minus Sonderausgaben, hier angenommen 10.000 € für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung: Einkommen 38.770 € keine Freibeträge für Kinder: zu versteuerndes Einkommen 38.770 € Dein zvE liegt in diesem Beispiel gut 11.000 € unter dem Bruttolohn. Wie groß der Abstand in Wirklichkeit ist, hängt von deinen tatsächlichen Beiträgen, Werbungskosten und sonstigen Abzügen ab. Grundfreibetrag: steckt im Tarif, nicht im zvE Der Grundfreibetrag wird nicht vom Einkommen abgezogen, bevor das zvE feststeht. Das Bundesfinanzministerium beschreibt ihn als Nullzone, die in den Einkommensteuertarif nach § 32a EStG eingebaut ist. Er wird weder bei den Einkünften noch beim zvE gesondert abgezogen. Der Tarif setzt direkt am zvE an. Für 2026 sieht § 32a EStG bei Einzelveranlagung bis zu einem zvE von 12.348 € eine Einkommensteuer von 0 € vor. Das BMF bestätigt den Wert: Der Grundfreibetrag steigt 2026 um 252 € auf 12.348 €. Liegt dein zvE darüber, wird nur der Teil oberhalb dieser Grenze mit Steuer belastet. Vergleiche eine Einkommensgrenze nie mit deinem Brutto oder Netto. Maßgeblich ist das zvE aus dem Steuerbescheid des Jahres, das die jeweilige Regel nennt. Zu versteuerndes Einkommen, Brutto und Einkommen: der Unterschied Das zvE ist weder brutto noch netto. Dein Bruttolohn ist eine Einnahme, von der erst Werbungskosten, Sonderausgaben und weitere Beträge abgehen. Dein Nettolohn ist das, was nach Steuern und Sozialabgaben auf dem Konto landet. Das zvE ist eine eigene Größe, die erst in der Steuerveranlagung entsteht. Auch das Wort „Einkommen" meint im Steuerrecht etwas Bestimmtes: den Gesamtbetrag der Einkünfte nach Abzug von Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Das zvE ist die Stufe danach. Ohne Kinder sind beide Beträge in der Regel gleich hoch. Leicht zu verwechseln ist außerdem der „zu versteuernde Jahresbetrag". Er ist ein Zwischenwert der Lohnsteuer: Dein Arbeitgeber rechnet deinen Monatslohn auf ein Jahr hoch und zieht Pauschalen ab (§ 39b Abs. 2 EStG). Das zvE dagegen ermittelt laut BMF nur das Finanzamt bei der Veranlagung, der BMF-Steuerrechner kann es nicht berechnen. Wo du das zu versteuernde Einkommen im Steuerbescheid findest Das zvE steht in deinem Einkommensteuerbescheid. Nach der Übersicht zu Nachzahlung oder Erstattung folgt die Berechnung der Besteuerungsgrundlagen: zuerst deine Einkünfte je Einkunftsart, dann die Abzüge. Am Ende dieser Aufstellung steht die Zeile „zu versteuerndes Einkommen". Genau diesen Betrag verlangen Förderstellen wie das BAFA als Nachweis. Hast du keine Steuererklärung abgegeben, gibt es keinen Bescheid und damit kein festgestelltes zvE. Das BAFA verweist für diesen Fall auf die freiwillige Steuererklärung: Reichst du sie ein, führt das Finanzamt eine Veranlagung durch und schickt dir einen Bescheid. Kapitalerträge und das zu versteuernde Einkommen Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus dem Privatvermögen werden in der Regel gesondert mit 25 % Abgeltungsteuer besteuert (§ 32d Abs. 1 EStG). Diese Erträge rechnet das Einkommensteuergesetz nicht in das zvE ein (§ 2 Abs. 5b EStG). Das gilt auch, wenn du sie in der Steuererklärung angibst, etwa weil ein ausländischer Broker keine Steuer einbehalten hat. Die Finanzämter in Nordrhein-Westfalen stellen klar, dass es auch dann grundsätzlich beim Satz von 25 % bleibt. Anders ist es bei der Günstigerprüfung. Beantragst du sie, rechnet das Finanzamt deine Kapitaleinkünfte nach Abzug des Sparerpauschbetrags zu deinen übrigen Einkünften und wendet den normalen Tarif an, sofern das zu einer niedrigeren Steuer führt (§ 32d Abs. 6 EStG). In diesem Fall stecken die Kapitalerträge im zvE. Für Förderungen hat das Folgen. Bei der E-Auto-Förderung richtet sich das BAFA nach dem Steuerbescheid: Ob Zinsen und Dividenden zählen, ergibt sich daraus, ob sie im ausgewiesenen zvE enthalten sind. Gesetze außerhalb des Steuerrechts können anders rechnen: Knüpfen sie an das zvE an, sieht § 2 Abs. 5a EStG vor, die abgeltend besteuerten Kapitalerträge hinzuzurechnen. Hast du hohe Kapitalerträge und liegst knapp an einer Grenze, frag bei der zuständigen Stelle nach, wie sie rechnet. Wofür das zu versteuernde Einkommen außerhalb der Steuer zählt E-Auto-Förderung 2026 Die E-Auto-Förderung rechnet mit dem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen. Für jede Person im Haushalt, die Einkommen beiträgt, bildet das BAFA den Durchschnitt der zvE aus den beiden aktuellsten Einkommensteuerbescheiden. Die Bescheide dürfen nicht älter als drei Kalenderjahre sein, bei Zusammenveranlagung genügt der gemeinsame Bescheid. Förderfähig sind Haushalte bis 80.000 €, je förderrelevantem Kind unter 18 Jahren liegt die Grenze 5.000 € höher, höchstens bei 90.000 €. Welche Beträge du je Einkommensstufe bekommst, zeigt der Ratgeber zur E-Auto-Förderung für Privatpersonen. Welche Unterlagen du brauchst, erklärt der Antrag Schritt für Schritt. Elterngeld Für Kinder, die ab dem 1. April 2025 geboren wurden, entfällt das Elterngeld, wenn das zvE im Kalenderjahr vor der Geburt über 175.000 € lag (§ 1 Abs. 8 BEEG). Die Grenze gilt laut Bundesfamilienministerium für Paare und Alleinerziehende gleichermaßen. Leben zwei Berechtigte mit dem Kind zusammen, etwa beide Eltern, zählt die Summe ihrer zvE. Wann das zvE die richtige Zahl ist und wann nicht Das zvE ist maßgeblich Einkommensteuer eines Kalenderjahres: Der Tarif setzt am zvE an E-Auto-Förderung 2026: Durchschnitt der zvE aus zwei Bescheiden, im Haushalt addiert Elterngeld: zvE im Kalenderjahr vor der Geburt, Grenze 175.000 € Das zvE ist nicht maßgeblich Monatliche Lohnsteuer: Hier zählt der zu versteuernde Jahresbetrag Dein verfügbares Geld im Monat: Dafür ist der Nettolohn die richtige Zahl Kapitalerträge mit Abgeltungsteuer: Sie werden gesondert besteuert und stehen außerhalb des zvE Ein Grenzfall betrifft Rentner und Studierende mit kleinem Einkommen. Liegt das zvE unter 12.348 €, fällt 2026 keine Einkommensteuer an. Im Bescheid steht trotzdem das tatsächliche zvE, zum Beispiel 9.800 €, und als festgesetzte Einkommensteuer 0 €. Für die E-Auto-Förderung zählt der ausgewiesene Betrag, nicht die Steuer. Unsere Einschätzung: Das zvE ist die Zahl, an der deine Einkommensteuer und viele Förderungen hängen, und sie steht nur im Einkommensteuerbescheid. Nimm sie von dort, statt sie aus dem Brutto zu schätzen. Liegst du knapp an einer Grenze, lohnt sich eine vollständige Steuererklärung: Werbungskosten über dem Pauschbetrag und Sonderausgaben senken das zvE. Willst du eine Förderung beantragen und hast keinen Bescheid, reiche die Erklärung frühzeitig nach. Finanzierst du nach Abzug der E-Auto-Prämie einen Restbetrag, vergleiche die Angebote im Kreditvergleich. Häufige Fragen zum zu versteuernden Einkommen Was genau ist mein zu versteuerndes Einkommen? Dein zu versteuerndes Einkommen ist der Betrag, auf den das Finanzamt deine Einkommensteuer berechnet. Es umfasst deine Einkünfte eines Kalenderjahres nach Abzug von Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und gegebenenfalls Freibeträgen für Kinder (§ 2 Abs. 5 EStG). Den genauen Betrag findest du in deinem Einkommensteuerbescheid. Wie ermittelt man sein zu versteuerndes Einkommen? Das zvE ermittelt das Finanzamt bei der Veranlagung, nachdem du deine Steuererklärung abgegeben hast. Die Rechnung folgt vier Stufen: Summe der Einkünfte, Gesamtbetrag der Einkünfte, Einkommen und schließlich zvE. Selbst schätzen kannst du es mit deiner Steuersoftware oder mit der Rechnung aus dem Beispiel oben. Der BMF-Steuerrechner berechnet nur die Steuer auf ein bekanntes zvE. Wie wird das zu versteuernde Einkommen berechnet Beispiel? Bist du ledig, angestellt und ohne Kinder und verdienst 2026 brutto 50.000 €, zieht das Finanzamt den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 € ab, sofern deine Werbungskosten nicht höher sind. Deine Einkünfte liegen dann bei 48.770 €. Nach angenommenen Sonderausgaben von 10.000 € für Versicherungsbeiträge bleibt ein zvE von 38.770 €. Deine echten Abzüge stehen später im Steuerbescheid. Wie viel brutto bei 175.000 zu versteuerndes Einkommen? Eine feste Umrechnung gibt es nicht. Der Abstand zwischen Brutto und zvE hängt von Werbungskosten, Versicherungsbeiträgen, weiteren Sonderausgaben und Freibeträgen ab und ist bei jedem Haushalt anders. Für die Elterngeld-Grenze von 175.000 € zählt das zvE aus dem Steuerbescheid für das Kalenderjahr vor der Geburt, bei Paaren die Summe beider zvE. Schau dort nach, statt vom Brutto zurückzurechnen. Wo finde ich mein zu versteuerndes Einkommen? Im Einkommensteuerbescheid, am Ende der Berechnung der Besteuerungsgrundlagen, in der Zeile „zu versteuerndes Einkommen". Auf der Gehaltsabrechnung oder der Lohnsteuerbescheinigung steht es nicht, weil es erst das Finanzamt bei der Veranlagung ermittelt. Ohne Steuererklärung gibt es keinen Bescheid und damit keinen Nachweis. Ist das zu versteuernde Einkommen brutto oder netto? Weder noch. Das zvE ist eine steuerliche Rechengröße: Hast du nur Arbeitslohn, liegt es unter deinem Bruttolohn, weil Werbungskosten und Sonderausgaben schon abgezogen sind. Mit dem Nettolohn ist es auch nicht gleichzusetzen, denn der entsteht durch den Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Stand: September 2026. Rechtsgrundlagen: §§ 2, 9a, 10, 31, 32a, 32d, 33 und 39b EStG, § 1 Abs. 8 BEEG, Richtlinie zur E-Auto-Förderung vom 19. Mai 2026 (BAnz AT 19.06.2026 B3). Weitere Quellen: Bundesministerium der Finanzen, BAFA, Bundesfamilienministerium, Finanzämter Nordrhein-Westfalen. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.